BambixTourdaten, Infos, Interviews, Reviews

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18.06.2016
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Das holländische Trio um Frontfrau Wick ist seit mehr als 20 Jahren in Sachen melodischem Punkrock unterwegs und immer noch so scharf wie ein Rasiermesser. Mit ihren mittlerweile sieben Alben haben sie ganz Europa schon mehrmals umrundet, waren auf Tour in Argentinien und den USA und sind gleich fünf Mal in Brasilien getourt.

Genre

Punkrock/Hardcore, Rock

Shows

308 Shows in 152 Städten / 11 Ländern

Zeitraum

30.05.2003 - 30.07.2016

Letzte Show

30.04.2016 - DE-Helgoland, Rock'n'Roll Butterfahrt

Nächste Show

18.06.2016 - DE-Berlin, Tommy Weissbecker Haus

Tourdaten

Archiv
Jun.
18
2016
Samstag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Jul.
1
2016
Freitag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Jul.
2
2016
Samstag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Jul.
30
2016
Samstag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Jul.
30
2016
Samstag 15:00 Uhr
Open Air - Punkrock/Hardcore
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Tonträger bei finestvinyl

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BAMBIX - CROSSING COMMON BORDERS | LPD

Schwarzes Vinyl inkl. Downloadcode im Original Artwork mit bedrucktem Inlay! Reissue: Das zweite Album der Punkrock-Institution von 1996 - erstmals seit fast 20 Jahren wieder als Vinyl erhältlich - auf TWISTED CHORDS. Das Trio aus Nijmegen um Gitarristin und Leadsängerin WICK BAMBIX aka WILLIA VAN HOUDT war ursprünglich eine reine Frauenband und startete nach dem Debüt "Out Of The Cradle Endlessly Rocking" (1992) mit "Crossing Common Borders" richtig durch, das erste Release für das damals einflussreiche VITAMINEPILLEN Label. Fast 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung ist immer noch auffällig, wie sich BAMBIX trotz der starken Anlehnung an melodischen Punkrock und Melodycore ihre ganz eigene Nische einrichteten. Ihre himmelsstürmenden Melodien oft mit einem Hauch von Melancholie brechend, war die Band vor allem inhaltlich dringlicher als viele Kollegen, Themen wie Menschen- und Tierrechte, Umweltzerstörung und Gleichberechtigung waren mindestens genau so präsent wie persönliche Lyrics. Mit zahlreichen Genrekollegen und Größen wie BAD RELIGION, TERRORGRUPPE, GOOD RIDDANCE, PENNYWISE oder SNUFF teilte die Band bei hunderten von Livekonzerten die Bühne und ist bis heute sehr regelmäßig auf Tour. "Crossing Common Borders" ist ein Meilenstein, der seitdem nichts an Qualität, Power und Hitpotential verloren hat. Erstklassiger, hochmelodischer, manchmal leicht melancholischer eingängiger Punkrock mit markanten Hooks und den nötigen Ecken und Kanten, mit dem unverkennbaren Leadgesang von WICK, und von Uptempo bis getragen emotional funktionieren Songs wie bei "Cry-O-Surger", "The Girl Who Had The Blues" oder "Mrs. B" ohne Verluste. LP im reproduzierten Original-Artwork in 350-Gramm 4c-Kartontasche mit bedrucktem Inlay und Downloadcode.
 
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BAMBIX - LEITMOTIV (REISSUE) | LPD

 
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BAMBIX - THE STORY TAILOR | LP

 

Interviews

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BAMBIX

Als Fanziner hat man´s nicht leicht: Unmengen von Platten und CDs flattern einem ins Haus, wollen gehört, beurteilt und besprochen werden. Die Ausfallquote ist mittlerweile freilich erfreulich klein, denn die Labels, die miese Bands rausbringen, kapieren meist irgendwann, daß ihre Sachen überhaupt nicht oder nur schlecht besprochen werden. Einfacher macht das meinen "Job" allerdings nicht, denn so verlagert sich die Langeweile und Mittelmäßigkeit lediglich auf ein höheres Niveau. Wirkliche Hitplatten, um zum Thema zu kommen, sind dementsprechend selten, und ist mal eine Band dabei, die sich schon beim ersten Anhören ins Gehirn frißt und mit jedem weiteren Hören sogar noch besser wird, dann ist das ein Grund zum Feiern. "Crossing common borders" von den holländischen BAMBIX ist so eine Platte, und wer nach ihrem Beitrag zur letzten Ox-CD anderer Meinung ist, dem kann ich nun auch nicht mehr helfen. Angesichts der Genialität des Albums war für mich also klar, daß ich die BAMBIX interviewen muß. Zur Tat schritt ich im Krefelder "Schlachthof", wo das zu zwei Dritteln weibliche Trio trotz eher mangelhafter P.A. einen begeisternden Auftritt hinlegte. Interviewsprache war übrigens Deutsch. Ihr seid... Beer: Beer, ich bin der Schlagzeuger. Maniet: Ich bin Maniet, ich spiele Bass. Willia: Und ich heiße Willia, spiele Gitarre und singe. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich erst mit der neuen CD auf Vitaminepillen von euch erfuhr. Willia: Das macht nichts, aber uns gibt es schon ein bißchen länger, nämlich seit acht Jahren. In der Besetzung mit Beer spielen wir seit drei Jahren. Beer: Das Album auf Vitaminepillen ist die zweite BAMBIX-Platte, aber bei der ersten war ich noch nicht dabei. Maniet: Zu der Zeit waren wir noch eine reine Frauenband. Damals trommelte Willia, und als dann Beer als Drummer einstieg, wechselte Willia an die Gitarre. Die erste CD erschien damals auf Gap Records, einem Sublabel von Konkurrel. Als ich "Crossing common borders" zum ersten Mal hörte, klangt ihr für mich wie eine perfekte Kombination aus CREAMERS und FASTBACKS. Willia: Wer sind die FASTBACKS? Die kenne ich nicht! Ähm, öh, hm, naja, die kommen aus Seattle und spielen genauso herrlich zuckersüßen Punkrock wie ihr. Maniet: Im Ernst? Auf was für ´nem Label sind die denn? Auf SubPop. Willia: Eine Band auf SubPop, die guten Punkrock spielt? Willst du mich verarschen? Nein, ehrlich, die sind ziemlich genial. Tja, gibt´s denn dann andere musikalische Vorlieben oder gar Vorbilder? Willia: Von Vorbildern würde ich nicht sprechen, denn wir spielen einfach nur das, was wir für schöne Musik halten. Beer: Wenn du wissen willst, was wir zuhause für Musik hören, dann sind da jede Menge Bands darunter, die musikalisch nur wenig mit uns zu tun haben. Willia: Vieles davon ist nicht einmal Punk, etwa Leonard Cohen, Mary Black, INDIGO GIRLS, Michelle Shocked,... (Willia spricht Beer auf Holländisch an, was ich natürlich nicht verstehe) Was hat sie zu dir gesagt? Los, sprich! Beer: Sie meinte, ich dürfe auch etwas sagen, auch wenn ich nur der Schlagzeuger bin, haha. Es ist allerdings so, daß ich mit dem Songwriting, den Melodien, gar nichts zu tun habe. So? Und wer ist dafür verantwortlich? Willia: Ich schreibe die Songs, und die Texte stammen sowohl von Maniet wie auch mir. O.k., zurück zu euren Einflüssen. Willia: Wir können dir natürlich jede Menge Bands aufzählen, die wir mögen, die wir aber nicht als musikalische Einflüsse ansehen. Beer: Einflüsse sind für mich weniger, daß man einen ganzen Song oder eine ganze Platte gutfindet, sondern liegen mehr im Detail: Es sind Kleinigkeiten, die einem gefallen und die man versucht, in die eigene Musik zu integrieren. Draußen in der Kneipe laufen MILLENCOLIN und bei denen ist es doch recht einfach, Vorbilder und Einflüsse herauszuhören. Darauf wollte ich hinaus... Beer: Ich weiß, aber ich denke, wir haben einen eigenen Stil und brauchen nicht Elemente von anderen Bands zu übernehmen. Und wenn wir solche Details in unsere Musik einbauen, hört man das nicht heraus. Willia: Außerdem haben wir diese Art von melodischem Punkrock schon gespielt, als das noch nicht so populär war. Wir sind, auch wenn es sich nicht so anhört, weit mehr von den DEAD KENNEDYS als von NO FX beeinflußt. O.k., lassen wir das. Ist eine Punkband einfach nur ´ne Punkband mit einem mittelprächtigen Sänger, interessiert das niemand. Hat eine Punkband jedoch eine Sängerin, wird diese Tatsache meist zum stil- bzw. eindruckprägenden Detail. Naja, und mit Willia habt ihr eine Sängerin... Willia: Ja, stimmt! Als wir noch eine reine Frauenband waren war das noch viel krasser. Da ging es für viele nicht in erster Linie um die Musik, sondern um die Tatsache, daß da drei Frauen auf der Bühne stehen. Bei Konzerten und unseren Platten wurden sofort Vergleiche mit anderen reinen Frauenbands gezogen und unsere Musik stand im Hintegrund. Seit Beer dabei ist hat sich das glücklicherweise geändert. Jetzt wird zwar vermerkt, daß BAMBIX eine Band mit Frauengesang ist, aber das steht nicht mehr im Vordergrund. Die BAMBIX werden jetzt in erster Linie über die Musik und nicht mehr über ihr Line-Up wahrgenommen. Die Reduzierung auf den Fakt "Frauenband" hat euch also gestört. Willia: Klar! Das ist total nicht wichtig ob wir Männer oder Frauen oder Affen sind! Das ist total egal. Aber ob ihr RebellInnen sein wollt oder nicht, in einer männerdominierten Szene wie der Punk- und Hardcore-Szene ist eine Band mit Frauenanteil immer was besonderes. Willia: Na klar! Früher, mit drei Frauen, war das allerdings doch sehr vordergründig. Jetzt sind wir immer noch irgendwie außergewöhnlich, aber im positiven Sinne, und damit habe ich kein Problem. Spielen Sachen wie Feminismus oder der Riot Grrrl-Gedanke bei euch eine Rolle? Willia: Für uns als Einzelpersonen schon, aber nicht im Zusammenhang mit der Band. Aber auch da nicht irgendwie dogmatisch, sondern eher in der Form, daß ich mache, was ich will und mir von keinem was sagen lasse. Wir sind uns über unseren Standpunkt so klar, daß wir das als Band nicht thematisieren müssen. Maniet: Wir brauchen unsere Meinung zu dem Thema nicht in unser Bandinfo zu setzen, das ist viel zu selbstverständlich: Das ist in Art von die... Willia: ...Tierchen. Äh, war das jetzt die Übersetzung einer holländischen Redewendung? Willia (lacht): Ja! Kannst du mir das mal buchstabieren? Willia: Klar, das heißt bei uns "aard van het beestje". Habt ihr eine Erklärung dafür, weshalb trotz eines über fünfzigprozentigen Bevölkerungsanteil der Frauen die Quote in der Punk- und Hardcoreszene mit viel Glück bei zehn Prozent liegt? Und warum ist das bei den BAMBIX anders? Maniet: Wir haben damals die Musik so geliebt, daß wir so was auch mal selber machen wollten. Also gründeten wir die BAMBIX. Der Gedanke, mit den BAMBIX zu beweisen, daß Frauen sowas auch können, spielte überhaupt keine Rolle. Wir hatten Lust auf die Musik und es kam uns gar nicht in den Sinn, daß die Tatsache, daß wir Frauen sind, uns als Band zu was besonderem machen könnte. Willia: Außerdem gab es in unserem Umfeld noch andere Frauenbands, es war also nichts neues. Wir drei standen auf Punkrock, beschlossen eine Band zu gründen und dann suchte sich jede ein Instrument aus. Alle unsere Bekannten spielten damals in Bands, wir wollten das auch, und zufälligerweise waren wir drei Frauen, das ist alles. Insofern hatten wir auch kein Problem damit, mit Beer einen Mann in die Band zu nehmen. Ihr kommt aus Nijmegen... Maniet: ...und aus Eindhoven, ja. Ja, und? Das ist zwar nur ´ne Stunde vom Ruhrgebiet entfernt, aber man bekommt hier in Deutschland nicht viel mit von der dortigen Szene. Also erzählt mal ein bißchen was. Willie: Die Sache beruht auf Gegenseitigkeit: Bei uns spielen englische, amerikanische, französische und italienische Bands, aber auf Deutschpunk stehen die Holländer nicht. Bei uns bevorzugen die Leute Bands mit englischen Texten. Und was die Bekanntheit bzw. Beliebtheit holländischer Bands in Deutschland betrifft, so ist es damit auch nicht weit her. Aber bei uns gibt es auch nicht viele gute Bands. Maniet: Ein anderes Problem ist auch, daß deutsche Bands genügend Auftrittsmöglichkeiten im eigenen Land haben und sich deshalb nicht so um Auslandsauftritte kümmern müssen. Wir dagegen sind auf Konzerte außerhalb Hollands angewiesen. Die holländische Szene ist so klein, daß sich alle Bands untereinander kennen. Das Problem ist nur, als holländische Band an Kontakte im Ausland zu kommen, denn innerhalb des Landes kannst du dich um alles selber kümmern und kennst die wichtigen Leute. Um in Deutschland an Konzerte zu kommen, brauchst du jemanden, der sich darum kümmert. Willia: Ein weiterer Grund, weshalb wir uns jetzt stärker um Auftritte außerhalb kümmern, ist die Entwicklung, daß viele US-Bands mittlerweile eigene Vorbands mitbringen. Früher konnte man zumindest noch als Support spielen, aber das ist jetzt vorbei. Außerdem gibt es in Holland kaum kleine Clubs und Jugendzentren, in denen man spielen kann. Das konzentriert sich auf ein paar wenige, größere Läden, und so ist es für kleine Bands leichter, in Deutschland Auftritte zu bekommen. Früher war das aber doch mal anders, da gab es bei euch jede Menge besetzter Häuser und Kulturzentren. Willia: Ja, aber das hat sich stark verändert in den letzten Jahren. Die Läden, die heute "kommerziell" und groß sind - etwa das Dornrösje in Nijmegen oder das Effenaar in Eindhoven - waren früher kleine, alternative Szeneclubs. Die sind im Laufe der Jahre mit der wachsenden Beliebtheit von Undergroundmusik gewachsen und so jetzt für kleine Bands zu groß. Nimm das Paradiso in Amsterdam: 1986 war das ein alternativer Club, heute ist das ein Rocktempel. Der Ausweg aus dieser Situation heißt für euch also deutsches Label und Touren in Deutschland. Willia: Ja, das gefällt uns sehr! Wie werdet ihr hierzulande aufgenommen? Willia: Viel besser, als wir geglaubt haben. Auf dieser Tour waren eigentlich überall ganz ordentlich Leute, und so läuft es für uns echt gut. Ein Problem hat sich allerdings ergeben: Wir spielen immer nur eine Stunde, dann haben wir unser Programm durch und müßten von vorne anfangen. Ein paar Leute sind deshalb sauer geworden, als wir keine Zugabe spielen konnten. In Deutschland gab es in den letzten Monaten immer wieder mal Berichte darüber, wie unbeliebt die Deutschen gerade bei jungen HolländerInnen seien. Euer Kommentar dazu? Maniet: Ich halte solche Berichte für nicht besonders seriös. Ich denke, da werden weitverbreitete Witze falsch verstanden. Willia: Früher war das allerdings ziemlich schlimm mit den Vorurteilen, und diese Stereotypen sind bis heute nicht ganz aus den Köpfen verschwunden: Für euch sind wir die Käseköppe und wir sind überzeugt, daß ihr nur Bratwurst eßt und immer laut seid. Nein, ich glaube nicht, daß die holländische Jugend ausgesprochen deutschenfeindlich ist. Wieso sprecht ihr drei eigentlich so perfekt deutsch? Beer: Weil wir seit zwei Wochen in Deutschland auf Tour sind. Willia: Wir hatten in der Schule Deutsch als Fremdsprache, aber Plichtfach war das nicht. Aber eigentlich spricht in Holland jeder ein bißchen Deutsch - mit einer Ausnahme: Anita, unsere Fahrerin. Was macht ihr beruflich? Willia: Ich habe Englisch studiert, bin jetzt fertig und auf der Suche nach einem Job. Beer: Ich war auf einer Graphikerschule, habe in dem Job eine Weile gearbeitet und bin jetzt arbeitslos. Wenn also jemand einen Job für mich hat... Maniet: Ich habe Graphik studiert und arbeite in einer Siebdruckerei. Zum Schluß müßt ihr mir natürlich noch erzählen, was es mit dem Namen BAMBIX auf sich hat. Maniet: Bambix ist in Holland ein Hersteller von Babybrei. In Holland kennt den Namen jeder, das ist sowas wie bei euch Milupa oder so. Und bald wird auch in Deutschland jeder Bambix kennen, denn die Firma will expandieren. In einem Jahr ist der Name garantiert total bekannt. Wir waren mit unserer kleinen Tour sozusagen nur die Vorhut, denn dahinter steckt ein ausgeklügelter Marketingplan. Demnächst gibt es sogar Fernsehwerbung. Ihr laßt also andere für euch Werbung machen und bezahlen. Willia: Klar, das ist ja viel billiger. Wir haben das ganz genau geplant. Und was ist mit der Firma? Die haben nichts dagegen, daß ihr den Namen geklaut habt? Willia: Nein, wir stehen von Anfang an mit denen in Briefkontakt. Die wünschen uns immer viel Erfolg, und wir haben von denen eine schriftliche Erlaubnis. Wir haben denen unsere neue CD geschickt, und die hatten keine Einwände. Die scheinen also etwas freundlicher zu sein als Becks-Bier oder König Pilsener, die den BECKS PISTOLS und den LOKALMATADOREN gleich mit dem Anwalt gedroht haben. Willia: Vielleicht liegt es daran, daß wir so nett sind. Die Bambix-Leute wollten nur wissen, ob unsere Texte o.k. sind und nicht vielleicht negativ für das Firmenimage. Ich habe ihnen angeboten, sie ihnen zuzuschicken, aber das wollten die dann doch nicht. Wer schreibt die Texte? Maniet: Willia und ich. Unsere Texte sind meistens recht persönlich, drehen sich um Sachen, die uns gerade beschäftigen. Direkt politisch sind sie also nicht. Was sind eure derzeitigen Lieblingsplatten? Beer: "Mush" von LEATHERFACE. Maniet: "Breaking things" von ALL. Willia: "Common thread" von den SPERMBIRDS.
 
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BAMBIX

BAMBIX sind definitiv eine meiner Lieblinxbands und mit das beste, was Holland im Moment zu bieten hat. Ich habe mit Frauenbands sonst nicht viel am Hut, weil sie a) entweder so belanglose, zuckersüsse Musik machen, dass mir davon regelmässig schlecht wird und/oder b) die Sängerin eine hohe Quäkestimme hat, die Männer reihenweise in Verzückung geraten lässt, bei mir sich aber nur die Nackenhaare aufstellen und der Killerinstinkt in mir geweckt wird. BAMBIX haben nix von beidem, und ich glaube, deshalb haben sie ohne Umwege einen festen Platz in meinem Herz gefunden. Willia, Sängerin und Gitarristin, stand mir für dieses Interview bereitwillig Rede und Antwort.Ihr habt ja eine neue Bassistin, nachdem Maniet ausgestiegen ist. War es schwer, eine Nachfolgerin zu finden?"Es war mehr als schwer, eine Nachfolgerin für Maniet zu finden, denn wir hatten ja ein bestimmtes Niveau erreicht mit einem bestimmten Bass-Sound. Bei BAMBIX ist halt der Bass eine Art zweite Stimme, die die Songs mitprägt und nicht, wie bei vielen anderen Punkbands, nur die Melodien mitmacht. Deshalb musste es schon jemand sein, der sehr gut Bass spielen kann. Obwohl wir viele Musiker kennen, waren da überhaupt keine Frauen dabei, also mussten wir überall suchen, haben auch eine Anzeige in einem bekannten Punk-/Metalzine gemacht, aber da hat sich fast niemand drauf gemeldet."War es wichtig für euch, wieder eine Frau am Bass zu haben?"Wir wollten auf alle Fälle eine Frau, weil das schon immer so bei BAMBIX war. Es haben auch einige Frauen mitgeprobt, aber die waren eben nicht so richtig für die BAMBIX-Musik geeignet oder haben menschlich nicht so zu uns gepasst. Naja, und weil das dauerte und dauerte, und für Peter und mich Musik machen das Wichtigste und Lustigste ist, was wir so machen - also auch wirklich unser Antriebsmotor ist -, haben wir in unserer Not dann sogar einen Bekannten von uns gefragt, ob der nicht mitspielen möchte. Glücklicherweise kam dann ein alter Freund von Peter mit der Idee an, mal seine Freundin zu fragen. Die konnte zwar nur Gitarre spielen, wollte es aber gerne mal als Bassistin versuchten. Das war Mariena. Wir haben sie dann in unserer Lieblingskneipe "De Bijstand" in Nimwegen kennengelernt und da hat sie uns erzählt, dass sie schon fünf Songs mitspielen könnte. Das haben wir nicht geglaubt, aber als sie uns dann den ganzen Abend Freibier ausgegeben hatte, haben wie es mal auf einen Versuch ankommen lassen - und was soll ich sagen: sie war richtig gut! Der grosse Vorteil ist halt auch, dass sie auch eine schöne Stimme hat und bei den Songs live wie auch auf Platte die zweite Stimme singen kann. Wie du siehst, haben wir das grosse Los mit ihr gezogen. Ausserdem ist sie auch noch sehr lustig."Welche Rolle spielt diese 2:1-Konstellation in der Band für dich? Hat das deiner Meinung nach auch Auswirkungen auf die "Bandchemie"?"Ich denke, dass die Kombination zwei Frauen, ein Mann sehr gut ist. Als wir noch eine Frauenband waren - das ist schon viele Jahre her -, wurden wir mehr wegen unserem Busen geschätzt als wegen unserer Musik. Da wurden wir auch oft gefragt, ob wir nicht auf Frauenfesten spielen wollen, wo halt keine Männer reingelassen werden und so´n Scheiss. Auch für das Miteinander ist so eine Kombination besser, denke ich. Männer sind eben anders, die reden nur Blödsinn, und Frauen sind zu ernst und kritisieren immer nur. Also wenn man das zusammenmischt, hat man eine gute "BAMBIX-Umgebung", nicht nur auf der persönlichen Schiene, auch musiktechnisch. Wenn man in einer Band spielt, weiss man, dass die Musiker niemals austauschbar sind. Bei BAMBIX waren wir auch immer Freunde. Es ist halt sehr schwer, eine Band zusammen zu halten, wenn man von der Musik nicht leben kann. Es gibt leider auch noch andere Dinge im Leben, die man auch machen muss oder will. Auch ist es so, dass wir fast jedes Wochenende Konzerte geben und viel auf Tour sind. Dann ist man 24 Stunden am Tag zusammen und wenn es einem nicht gut geht, ist es wichtig, dass die anderen das verstehen und darüber reden können. Das ist auch der Grund, wieso der Rest des BAMBIX-Teams so wichtig für uns ist: Paul, unser Soundsystem-Mann, Valerie, unsere beliebte Merchandyke und Bart, unser Fahrer, der in Deutschland schon fast einen Superstar-Status erreicht hat: ohne den würde es überhaupt keine BAMBIX geben. Für mich persönlich ist das genauso wichtig wie Musik machen. Ich würde niemals mit einem Arschloch - ausser meinem eigenen - unterwegs sein wollen."BAMBIX - sind das Wick +? Du bist ja immerhin fast ausschliesslich für Musik und Texte zuständig."Obwohl ich die Musik und Texte mache, haben Mariena und Peter einen grossen Einfluss auf das endgültige Ergebnis: Peter und Mariena machen sich natürlich auch Gedanken und bringen sich aktiv mit ein, wenn es darum geht, wie die Songs letztendlich klingen sollen. Ohne den Einfluss von den anderen würden meine Songs genauso klingen wie die, die ich zuhause mache - also irgendwie eine Kombination aus Dolly Parton und Melanie, und das mögen unsere Punkfans eben nicht so und deshalb verpunken wir die im Proberaum bis sie "BAMBIX-Borrelnoten-Punk" sind."Kannst du dir ein Leben ohne Musik(machen) vorstellen? Welche Rolle spielt Musik in deinem Leben?"Ein Leben ohne Musik wäre für mich kein Leben. In meinem Kopf mache ich jeden Tag Musik und gehe die Songs immer wieder durch. Am liebsten sitze ich zuhause an meinem 4-Track-Recorder und komponiere oder bin im Proberaum. Das Leben mit BAMBIX ist für mich super, denn wir werden überall hin eingeladen. Neben Deutschland sind da auch viele andere europäische Länder, die Interesse an uns haben. Im April geht es sogar nach Brasilien, wo "Leitmotiv" auf dem brasilianischen Label "Barulho" veröffentlicht wurde. Es gibt immer Freibier, man lernt nette Leute kennen und es macht einfach nur Spass. Ich finde es auch sehr wichtig, dass wir in Nimwegen in den Bandbus steigen und dann z.B. nach acht Stunden Fahrt eine Menge Leute sehen, die Spass haben, auf unsere Musik tanzen oder die Texte mitsingen und eine gute Zeit haben. Wir haben alle drei eine Arbeit, wobei wir aber fast immer genug Zeit haben für die Band. Leider haben wir dadurch nicht soviel Zeit für unsere Freunde und Freundinnen in Holland, aber die sind auch willkommen, wenn wir 60 sind oder so, oder die müssen halt auch mal mit uns mitkommen."Ihr wart im Dezember mit der Punklegende GBH auf Tour. Ist ja irgendwie eine seltsame Konstellation... Wie war das?"Also wir haben schon öfter mal mit GBH gespielt. Beim Rostock-Festival ´99 haben wir uns dann so richtig kennengelernt und da kamen wir auf die Idee, eine Tour zusammen zu machen. Mit 15 war ich ein richtiger GBH-Fan und Collin war eigentlich damals mein persönlicher "Backstreet Boy", und deshalb fand ich die Idee einer Tour schon sehr lustig. Die Kombination war vielleicht irgendwie eigenartig, aber trotzdem war die Mischung der beiden Punk-Stile ok. Es gab einige Leute, die uns gefragt haben, wieso wir das gemacht haben, weil wir doch eine "Girl-Power"-Band sind und GBH so sexistisch sein sollen. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich Songs wie "Slut" nie so richtig kapiert habe. Aber ich denke, allein schon dass GBH uns wegen einer gemeinsamen Tour angesprochen haben, hat uns gezeigt, dass sie uns wirklich ernst nehmen, denn es ist kein Vergnügen, mit BAMBIX auf Tour zu sein und bei jedem Sexistenwitz mit meinem Stahlkappenschuh auf den Boden gekickt zu werden... Wir sind sogar richtig Freunde geworden und sie haben uns für das Millenniumsfest nach Birmingham eingeladen. Wir sind da auch hingeflogen, und das würden wir niemals bei scheiss Sexisten machen."Was sagst du zu meinem Vorwurf, dass die Punkszene eigentlich nur ein Mikrokosmos innerhalb der normalen Gesellschaft und genauso männerdominant und machomässig ist und Frauen - fast wie in der "real world" - nur die zweite Geige spielen? Es gibt doch kaum Frauen, die etwas auf die Beine stellen."Ich verstehe auch nicht, wieso sich so wenig Frauen in der Alternativ-Szene engagieren. Deshalb finde ich z.B. auch die "girls only"-Seiten im Ox gut. Wieso müssen das immer Männer sein, die Fanzines machen, Musik machen oder einen Mailorder haben? Als ich 13 war, war das "Punkmovement" für mich sehr wichtig, und das ist es immer noch. Nicht nur wegen der Musik, sondern auch was man so alternativ alles machen und erreichen kann. Es ist doch blöd, dass es in der alternativen Szene so viele kurzsichtige Leute gibt, die alles, was anders ist, dumm finden; auch wenn diese Szene offensichtlich mal anders gedacht war. Als das "grrrrlmovement" z.B. durch BIKINI KILL ins Leben gerufen war, hatten sich viele Frauen schon eine feste Meinung gebildet, weil das eben durch Frauen gemacht und von Frauen ausgedacht war. Ich finde, dass das, was Bands wie BIKINI KILL erreicht haben, grossartig ist. Sie sind nicht nur ein grosser Einfluss für die Musik oder die Szene gewesen, sondern auch für andere Gebiete wie z.B. Kunst oder Literatur. Aber ich stimme deinem Vorwurf, den du der heutigen Punkszene machst, absolut zu. Als die SLITS und andere Frauenbands ´77 angefangen haben, war das noch nicht so. Es gab zwar nicht so viele Frauen, die musikmässig aktiv waren, aber trotzdem waren sie sehr wichtig, denn sie haben genau dasselbe gemacht wie die Männer. Über ihre Musik und Texte haben sie sich über das System ausgekotzt."Gibt es demnächst einen neuen Longplayer von euch? Ihr habt ja Ende letzten Jahres eine Split-7" mit den SKIN OF TEARS gemacht. Wie kam´s denn dazu?"Wir gehen im Mai ins Studio, um unsere neue Platte aufzunehmen. Wir haben schon viele Songs fertig und es wird bestimmt ein Überhammer! Wir haben die Split-7" mit den SKIN OF TEARS gemacht, weil wir gut befreundet sind und wir deren Musik sehr mögen. Wir kennen die Typen schon länger, haben so ziemlich denselben Musikgeschmack und fanden die Idee einfach gut.Wir wollten auch zwischendurch mal was anderes machen und unseren Fans zwei neue Songs geben, die wir richtig super finden."Welche Rolle spielen die neuen Medien für euch? Ihr habt ja eine eigene Homepage, wir kommunizieren via eMail miteinander..."Durch die neuen Medien wie Internet wird die Welt plötzlich sehr klein. Es dauert nicht mehr ewig, bis dein Brief irgendwo ankommt und du eine Antwort darauf bekommst. Durch unsere Homepage www.bambix.de haben wir ein ideales Mittel, die Fragen von Fans zu beantworten, Tourdaten und News up-to-date zu veröffentlichen und unser Merchandise zu verkaufen. Die Leute können die Fotos und Biography gleich für Interviews oder Konzertflyer usw. verwenden. Alles wird plötzlich viel einfacher. Das Internet macht auch das Kontakteknüpfen leichter; bestes Beispiel ist unsere Brasilientour oder unsere geplante Tour im Juli durch Kroatien und Slowenien. Viele Leute hassen das Internet, weil sie sagen, dass es besser ist, mit einem wirklichen Gegenüber zu reden statt über eine Maschine zu kommunizieren - so wie die Superband TEEN IDOLS sagen: "Du bist ein www.loser.com." Aber für uns ist es ein gutes Medium, um mit unseren Fans in Kontakt zu sein. Ich finde ein Faxgerät mittlerweile wirklich superscheisse, und so bin ich froh, dass das Teil jetzt seinen Weg zur Hölle geht..."Die Niederlande haben neben BAMBIX so geniale Bands wie JABBERWOCKY, NRA usw. Wie erklärst du dir, dass in Deutschland diese tollen Bands so wenig Leute kennen?"Es gibt sicher sehr nette Bands in Holland wie UNDECLINABLE AMBUSCADE, JABBERWOCKY, OF NO AVAIL, NRA, BREZHNEV, SCREWBALLS oder CIRCLE OF FRIENDS, aber ich denke, dass diese Bands sich vielleicht mehr auf die Niederlande konzentrieren und deshalb nicht oft in Deutschland spielen. Unsere erste EP "They even took the Memory" - wer kennt die noch? - war bereits bei einem deutschen Vertrieb, und weil uns die Konzerte in Deutschland schon damals viel mehr Spass gemacht haben als die in Holland, haben wir uns auch keine Mühe gemacht, in Holland etwas zu organisieren."Heisst das, ihr spielt in Deutschland lieber als in Holland?"Also wir spielen schon auch in Holland, aber wir gehen halt lieber bei Goch über die Grenze, weil wir mittlerweile die deutsche Szene viel besser kennen und uns die Leute eben besser gefallen. In Holland stehen die bei Konzerten nur rum, und ausserdem hat in Holland jede Alternativ-Splitbewegung ihre eigenen Konzerte, Fanzines usw. In Deutschland ist das viel mehr gemischt, auch unser Publikum. Da gibt´s Panx, Skins, Rocker und was weiss ich was alles zusammen. Deutsche sind irgendwie auch viel bewusster; die konsumieren nicht nur Musik, sondern mischen sich in viele Sachen ein, Politik, und was so in der Welt vor sich geht. Ausserdem gibt es bei euch viele nette Bands, mit denen wir befreundet sind, wie TAGTRAUM, SKIN OF TEARS, NO EXIT, WIZO, WOHLSTANDSKINDER, TUT DAS NOT, DRITTE WAHL, RANK MIASM, TERRORGRUPPE, MONOTON, SO WHAT etc., und die Leute sind viel gastfreundlicher. Also eigentlich alles, von dem die Holländer normalerweise sagen, dass es den Deutschen fehlt!"Any last words?"Wir grüssen alle Fans, für die wir der Antriebsmotor sind - wir danken und lieben euch! Und danke für das Interview."
 
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BAMBIX

Die BAMBIX in Südamerika! Unglaublich, aber wahr: in ihrer Heimat, den Niederlanden, werden sie mit sträflicher Nichtachtung gestraft, in Deutschland haben sie ihre grösste Fanbasis - und in Brasilien werden sie von MTV interviewt und müssen sie Autogramme geben. Verrückte Welt - und Wick Bambix führte für das Ox ein Tourtagebuch.Die Tour begann am Mittwoch, dem 5.4., damit, dass das Flugzeug auf uns warten musste, weil wir ewig lange brauchten, uns von unseren Freunden zu verabschieden, den Jägermeister auszutrinken und noch ein paar letzte Zigaretten zu rauchen, weil das im Flugzeug leider verboten war. Als wir die Durchsage "Würden sich die Passagiere Dragt, Steensma und Van Houdt bitte unverzüglich zu Gate F5 bewegen, dies ist der letzte Aufruf!" hörten, wussten wir, dass es sie es ernst meinten und es an der Zeit war, die Beine in die Hand zu nehmen, um unsere Boeing 757 überhaupt noch rechtzeitig zu erreichen. Wir wunderten uns, dass so viele Leute nach Sao Paulo fliegen, und das halbe Flugzeug war mit Deutschen besetzt. Unsere Gitarre und Bass bekamen einen Extra-Sitz. Das war wohl zuviel Verwöhnung für die Instrumente, denn hätte ich zu dem Zeitpunkt schon gewusst, dass meine schwarze Prinzessin bei jeder Show ein paar Seiten verlieren würde und noch andere Macken aufweisen sollte, hätte ich wohl an eine zweite Gitarre gedacht. Im Flugzeug bekam unser neuer Song "High above the world" jedenfalls eine völlig neue Bedeutung, und bis selbst die Stewardess uns höflich darauf hinwies, dass Alkohol im Flugzeug zweimal so heftig ist, waren wir so durcheinander, dass uns nur noch ein wenig Schlaf retten konnte.Nach einem dreizehnstündigen Flug landeten wir dann in Sao Paulo und warteten auf unsere Kontaktperson Laudo, der uns abholen wollte. Er und Carolina kamen nach einer halben Stunde und wir fuhren mit dem Auto in ihre Wohnung. Das Verkehrsaufkommen war enorm in der drittgrössten Stadt der Welt, und es dauerte drei Stunden, bis wir endlich da waren - für einen Weg, den man sonst in fünfzehn Minuten schafft. Wir hatten nur Zeit zum Duschen und dann mussten wir nach Jundiai fahren, eine Stadt, die zwei Stunden von Sao Paulo entfernt ist, wo wir noch ein Radio-, ein Zeitungs- und ein Fernsehinterview als Promotion für Sonntag machen sollten. Dort trafen wir die Jungs von FISTT, eine Band mit der wir die Show spielen sollten. Sie waren echt freundlich und hatten in einer Wohnung, die den Eltern des einen gehörte, ein riesiges Essen für uns vorbereitet. Jundiai ist im Vergleich zu Sao Paulo eine wahre Erholung, selbst der Weg dorthin war ok. Wir fühlten uns fast wie kleine Rockstars, überall waren Banner, die auf Sonntag hinwiesen. In der Nacht fuhren wir zurück nach Sao Paulo, wo wir eine Menge verschiedene brasilianische Biersorten probierten und uns für den Rest der drei Wochen schon mal die besten raussuchten.Am Freitag, dem 6.4. mussten wir früh aufstehen, weil der erste Gig in Belo Horizonte, SEPULTURAs Haimatstadt, angesetzt war, das ungefähr sieben Stunden nördlich von Sao Paulo liegt. Wir trafen unsere komplette Crew, Laugo (Manager), Fran (Merchandise und Promoter), Carolina (persönliche Assistentin), Rosanna (die schlechteste Autofahrerin überhaupt) und die NITROMINDS, die acht Shows mit uns spielen sollten. André, ihr Sänger und Gitarrist, war der, der schon vor sechs Jahren Fanpost an uns geschrieben hatte und er hatte auch die gesamte Tour in die Wege geleitet. So machten wir uns also auf, auf einer nicht allzu guten Strasse durch Berge, Wälder, Täler und subtropisches Wetter in einem Wohnmobil, mit DOVER im Autoradio und ´ner Menge kaltem Bier. Wärend unserer Zwischenstops spielten wir ein bisschen Fussball und wurden in die einheimischen Getränke und Speisen eingeführt, und bei jedem Halt waren wir froh, überhaupt noch zu leben, denn Rosanna ist jemand, der unbedingt eine Brille braucht, aber zu eitel ist, eine zu tragen. Ich schätze, die anderen Leute waren ihren Fahrstil schon gewohnt, denn sie konnten in aller Ruhe schlafen, während sich uns die Haare aufstellten. Keineswegs weil wir Punks sind, sondern wegen Panik und Angst. Während wir es gewöhnt sind, im Auto hintereinander zu fahren, zog Rosanna es vor, neben anderen Autos zu fahren, was zur Folge hatte, dass es keine Ausnahme war, wenn sechs Autos auf einer zweispurigen Strasse nebeneinander fuhren.Belo Horizonte erwies sich als grosse Stadt mit vielen coolen Leuten, die gerne die Nacht durchmachen, was für uns bedeutete, bis vier Uhr in den Morgen zu spielen. Als erstes wurden wir zu einem Haus gebracht, wo wir sehr gutes vegetarisches Essen bekamen und einer Frau begegneten, die sich nur auf Deutsch mit uns unterhalten wollte. Nach einer kleinen Pause gings zum "Matriz", dem Club wo nach einem kurzen Soundcheck gegen Mitternacht die erste Band namens DIESEL mit ihrem Set begann: eine sehr bekannte Band, die eine Mischung aus KORN und PEARL JAM spielte. Danach spielten WE SAY NO, aber ich war damit beschäftigt, neue Leute kennenzulernen, und so verpasste ich sie. Danach waren die NITROMINDS am Zug, meiner Meinung nach die beste brasilianische Punk/HC-Band. Sehr schneller, aggressiver Hardcore, gespielt von den nettesten Jungs der westlichen Hemisphere. Die Leute fingen schon an zu tanzen und singen, als wir an der Reihe waren. Wir wussten nicht, was uns erwartet, als wir mit "Seclusion" unser Set eröffneten und 500 Menschen schrien "Sit back, relax and enjoy your chair" und eine Wahnsinnsstimmung verbreiteten. Es war so unglaublich, ich konnte meinen Augen und Ohren erst gar nicht trauen. Das Publikum wechselte zwischen Stage-diving, Crowd-surfing und grölte derweil all unsere Songs mit. Absolut grossartig. Danach waren wir einfach nur noch begeistert, tranken noch ein paar Drinks, verliessen den Club und legten uns ins Bett.Am Sonntag, dem 9.4. ging´s nach Jundiai, wo das Konzert "At the blue lake" stattfinden sollte, einem netten Ort, der von Palmen umgeben war. Wir sahen eine Menge Affen, die sich dann aber als Security herausstellten und einen Aufwand machten, als müssten sie Bill, Hillary und Töchterchen Clinton vor einer Horde Kommunisten beschützen sollten. Die Show ging am Mittag los, und so konnten wir noch ein wenig draussen sitzen, das geile Wetter geniessen und einige Leute kennenlernen. Eine der Bands, die dort spielte waren FISTT, eine sehr coole Band, die auch "Lori Meyers" von NOFX coverten und mich einluden, mit ihnen zu singen. Nach dem Konzert luden uns die Jungs auf ihre Ranch ein, die in Strandnähe lag. Um dort hinzukommen mussten wir durch den Busch fahren. Als wir dort ankamen, hatten sie uns ein riesiges Essen (die Leute dort sind so gastfreundlich, es ist unglaublich) zubereitet, und als sie ein "Extra-Licht" anschalteten, stellte sich heraus, dass es sich um ihr eigenes kleines Fussballstadion mit riesigen Lichtern, einem Fussballfeld, mit zwei kleinen Tribünen für die Fans handelte. Es war eine gute Idee, dem Vater des Typen eine Flagge der niederländischen Fussballmannschaft zu schenken, da er diese den ganzen Abend um seinen Hals trug und es ihn fast glücklicher als sein eigenes Stadion machte. Später fuhren wir zurück nach Sao Paulo, total erschöpft, und gingen ins Bett, weil wir um neun Uhr schon wieder aufstehen mussten, um für ein Interview und eine Live-Performance in die MTV-Studios zu fahren.Weil wir nicht jeden Tag auf MTV zu sehen sind, zogen wir unsere besten Klamotten an und tranken eine Menge Bier, um unsere Nervosität zu zügeln. Die Sendung hiess "Lado-B" und der Typ, der sie moderierte, wird laut Plan im September auch nach Deutschland kommen. Wir spielten "Brand New Religion" und "Seclusion" live und als wir die Show einige Tage später im Fernsehen sahen, waren wir erstaunt, dass wir im Fernsehen ziemlich gut aussehen. :-)Am Mittag war noch ein anderes Programm namens "Turma da Cultura" geplant, eine Liveshow, die sich mit allen möglichen Arten von Kultur und Politik auseinandersetzte, wozu Jugendliche Fragen stellen und diskutieren konnten. BAMBIX spielten fünf Songs. Zehn Sekunden bevor wir "on air" gingen, fiel mein Pleque aus der Hand und verschwand in einem Rost auf dem Flur, aber glücklicherweise hatte ich Ersatz dabei, was aber auch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen konnte, dass bei den ersten Tönen des ersten Songs eine Seite riss. Definitiv Murphy´s Law. Ich muss sehr aggressiv geschaut haben. Trotzdem liefen die Songs gut und es machte Spass. Später stellte sich heraus, dass fast jeder die Show gesehen hatte, und man uns auf der Strasse überall erkannte, verfolgt von Leuten, die Bilder von uns machen wollten und sogar unsere Namen kannten, hahaha!Am nächsten Tag, dem 11.4., stand noch eine Fernsehshow an. Diesmal war es "Musicaos". Eine grosse Show, ausschliesslich mit Live-Musik, wo die BAMBIX vier Songs spielen sollten. Es war sehr aufregend, ein Teil einer so grossen Show zu sein, bei der das Produktionsteam alleine schon aus hunderten Leuten besteht. Es gab zwei sehr grosse Tribünen neben der enorm grossen Bühne, wo tausende Menschen sitzen konnten. Als die Sache losging, war die Show komplett ausverkauft. Wir trauten unseren Augen nicht und als wir die Kameras sahen, wurde unsere Nervosität noch grösser. Als wir dann auf der Bühne standen und anfingen zu spielen, kamen eine Menge Kids Richtung Bühne gelaufen und fingen an, zu pogen und abzufahren. Das war vielleicht der Punkt, an dem wir am nähesten am grossen Rockstartum dranwaren. Leute, die uns schon in anderen Sendungen gesehen hatten, schrien nach "I wanna win" und "High above the world", unseren neuen Songs, und weil es Peters Geburtstag war, sangen sie alle für ihn und er warf einige T-Shirts in die Menge, was zur Folge hatte, dass eine neue brasilianische Revolution ausbrach. Wir mussten uns gegenseitig kneifen, um uns klarzumachen, dass dies kein Traum war.Nach dem Konzert ging ich als erstes zu einem Radiointerview und gesellte mich anschliessend zu den anderen in die Bar, wo Peters Geburtstag gefeiert wurde. Wir entdeckten einen neuen Drink namens "Catuava", welcher von diesem Zeitpunkt an unser "Jägermeisterersatz" werden sollte: Portwein mit Guarana gemischt, von dem Zeug wirst du echt so kribbelig, dass du am liebsten zu ABBA tanzen willst. Als es schon sehr spät geworden war und die meisten Leute schon gegangen waren, wurde es noch sehr lustig: hier waren wir also in dieser 19-Millionen-Metropole und die einzigen Leute in dieser Bar waren die BAMBIX und der Barkeeper. Alleine deshalb blieben wir noch ein bisschen, bis der Barkeeper uns nahelegte: "Please, por favor, leave!!!".Am nächsten Tag war Pause angesagt. Ich kann mich kaum erinnern, was an diesem Tag geschah... Ich glaube, wir waren einkaufen und gingen zu Noise, einem Plattenladen, der uns unterstützte und uns hundert BAMBIX-Brasil-T-Shirts gab, umsonst und mit ihrem Logo auf dem Rücken. Wir wurden von einigen Skate-Kids auf Schritt und Tritt verfolgt, die uns im TV gesehen hatten...Am Morgen, des 13.4. mussten wir früh aufstehen, weil wir nach Ribeirao Preto fahren mussten, was ungefähr fünf Stunden nordöstlich von Sao Paulo liegt. Wir traten die Reise erneut mit dem Reisebus an, wobei wir feststellten, dass Rosanna sich eine Brille gekauft hatte, allerdings unglücklicherweise eine Sonnenbrille, worauf wir wieder durchgerüttelt wurden und die ganze Zeit den Tod vor Augen hatten. In Ribeirao Preto hatten schon viele fremde Bands gespielt, und sie waren wirklich froh, uns zu sehen. Ein früherer Skate-Weltmeister lud uns zu einem grossen Essen ein und beim Soundcheck kam heraus, dass alle Sachen auf der Bühne ausgetauscht werden mussten und es einige Zeit dauerte. Wir stimmten zu, dass wir diesmal nicht unbedingt als letzte Band spielen mussten, also konnten wir einige Drinks geniessen und uns dabei die NITROMINDS ansehen. Die erste Band war eine All-Girl-Combo, die Songs von den SCORPIONS und LED ZEPPELIN coverten und eine Gitarren-Virtuosin am Start hatten, die während des Spielens noch Metalzeichen machen konnte, also stahlen sie unser Herz. MORPHISE nannten sie sich, und direkt danach spielten wir. Beim letzten Song kam ein Typ auf die Bühne gesprungen, schrie herum und ein kleiner Aufstand begann. Kurz darauf bemerkte der Besitzer des Clubs, dass nicht genug Leute dort waren, um seine Kasse ordentlich zu füllen, also drehte er den Strom einfach ab, mit den Worten, dass die Show zu Ende wäre. Das Publikum schrie "Capitalista" und ähnliches, worauf eine kleine Schlägerei folgte. THE NITROMINDS hatten noch nichtmal gespielt, sie waren den ganzen Weg nur für ein Abendessen gekommen. Das nervte. Leider sind die Clubbesitzer in Brasilien manchmal nicht so viel vom Punk beeinflusst, und denken deswegen mehr ans Geld. Die Sicherheitsleute waren wirklich zu kräftig und zu viele, dass wir erst gar nicht versuchten, uns gegen sie aufzulehnen. Wir bekamen kein Geld, aber die Organisatoren waren so cool, dass man es verschmerzen konnte...Danach fuhren wir zurück zu der grossen Ranch, wo wir schliefen, und als ich am nächsten Tag aufstand, war es so heiss in dem Raum, dass ich aus dem Zimmer rauskroch und eine Fata Morgana hatte: ich sah diesen Swimmingpool, der mich anstrahlte. Also zog ich meine Klamotten aus und sprang hinein, während ich nach den anderen schrie. Ein exzellenter Weg, seine Anspannung zu vertreiben.Am nächsten Tag sollte einer der besten Gigs in Brasilien folgen. Wir würden im Hangar 110 in Sao Paulo spielen. Direkt als wir aus Ribeirao Preto dort ankamen, machten wir den Soundcheck auf der grossen Bühne und dann brachte mich meine Beträuerin Carolina wegen eines Ohrproblems zum Arzt. Wir sollten um 22.30 Uhr anfangen, also mussten wir uns beeilen. Der Arzt hatte uns schon mitgeteilt, dass er nicht auf uns warten würde, also rasten wir wie verrückt duch Sao Paulo und schafften es gerade noch. Er behob mein Problem und ich war glücklich als ich ihm die 180 DM in die Hand drückte, egal, was es kostete, Hauptsache, ich konnte wieder hören: kein gerade unwichtiger Aspekt für einen Musiker. Aber Brasilianer reden so viel, es ist unglaublich, und als ich auf die Uhr sah, war es höchste Eile und ich gab Carolina mit Handzeichen zu verstehen, dass wir uns mächtig beeilen mussten. Als wir herauskamen, stellte sich heraus, dass wir den Rückweg nicht mehr wussten und so mussten wir uns durchfragen und erreichten den Hangar schliesslich fünf Minuten vor Showbeginn. Laut Peter waren PAURA und natürlich THE NITROMINDS sehr gut. Ich hatte nur Zeit für ein Bier, also war ich ziemlich angespannt. Es waren mehr als 600 Zuschauer da und wir mussten auf die Bühne. Dann drehte das Publikum völlig durch. Sie drehten so durch, es war kaum zu glauben. Der Sound auf der Bühne war so grossartig (natürlich: ich konnte ja endlich wieder vernünftig hören!) und die Zuschauer kannten mal wieder alle Songs. Wir hatten wirklich eine Menge Spass. Nach dem Gig folgten uns die Leute überall hin, Mariena wurde sogar auf der Toilette fotografiert: man kann es wirklich übertreiben, aber die Brasilianer zeigten uns auf diesem Weg einfach ihren Enthusiasmus und wie sehr sie die Show mochten. Als ich auf die Bühne ging, um meinen Backstagepass und anderen Kram zu holen, war schon alles weg. An dem Abend machten wir noch einige Interviews. Es folgte eine grosse Party, zu der wir als VIPs geladen waren und die Einladung natürlich nicht ablehnten. Hier spielte eine Rapband, nicht gerade unsere Vorstellung eines coolen Abends, also entschlossen wir uns nach ein paar Drinks, uns nach draussen zu setzen und das Autoradio als unser eigenes DJ-Pult zu nutzen, uns mit all den Leuten zu unterhalten und so dauerte es nicht lange, bis die Party draussen weiterging und die einzigen, die noch drinnen waren, die Mitglieder der Rapband waren.Montag, der 17.4., war wieder ein freier Tag, den wir bei Laudo verbrachten und teilweise im Büro von Rock Brigade verbrachten, Brasiliens bekanntestem Metal/Hardcore-Magazin mit 60.000 Heften pro Monat, das vor zwei Monaten schon ein Interview mit uns gemacht hatte (mit uns, neben OZZY OSBOURNE!). Dann folgte der übliche Promokram, den Rockstars halt tun, aber hier nicht erzählen.Dienstag, der 18.4., war noch ein ruhiger Tag. Wir hatten lediglich einen Auftritt in Sao Paulo, in einem kleinen Club namens "Alternativa". Peter war immer noch am Strand, irgendwo in der Nähe von Santos und Mariena entschloss sich, ein wenig im Internet zu surfen, ich ging nach dem Mittagesssen mit Laudo und Fran in ein Studio, in dem die NITROMINDS aufnahmen und mich schon vorher gebeten hatten, einen Teil ihres RAMONES-Songs "Somebody put something in my drink" (wie typisch!) für einen RAMONES-Tribute-Sampler einzusingen. Die Techniker brauchten nur drei Stunden, um alles aufzunehmen und produzierten einen ziemlich kräftigen Sound: noch ein Grund nach Brasilien auszuwandern!Am Abend fuhren wir zum Club "Alternativa" wo Andre von NITROMINDS und Peter schon den Soundcheck machten, indem sie NUCLEAR ASSAULT-Songs spielten, was für mich keine leichte Aufgabe war. Die Bühne sah aus wie eine kleine Box-Arena mit stählernen Stangen drumrum und der Sound war erbärmlich, nichtsdestotrotz war der Club wieder mal bis zum Ende gefüllt. FOOD FOR LIFE spielten als erste, währenddessen unterhielten wir uns mit DOMINATRIX, der coolsten All-Girl-Band aus Brasilien. Marieana fand dies den schlechtesten Gig der Tour, aber Peter und ich gefiel er, weil ich perfekt von den Stangen herunterspringen konnte, der Sound war für das Publikum auch okay und als wir "Summersong" spielten, waren sie sogar lauter als ich. Sao Paulo, Rockstadt!Es war die Zeit gekommen, sich von unseren Freunden von den NITROMINDS zu verabschieden, weil sie uns auf den letzten drei Konzerten nicht supporten würden. Der Abschied war sehr emotional und trotz all der Muskeln und Tattoos flossen eine Menge Tränen.Am nächsten Tag mussten wir sehr früh aufstehen, weil wir einen siebenstündigen Automarathon nach Curitiba, Richtung Süden, vor uns hatten. Rosanna hatte sich immer noch keine Brille organisiert, insgeheim hoffte ich, sie würde Kontaktlinsen tragen, aber ein tiefer Blick in ihre Augen verriet mir, was da war: NICHTS! Diesmal hatten wir den grossen Wagen für uns und genossen so die sehr schöne, grüne Landschaft durch das subtropische Gebiet mit Palmen und Bananenbäumen und dichten Wäldern. In Curitiba trafen wir Julio und Marlisi von Barulho Records (die brasilianische Version von Ralf und Myra von Vitaminepillen), die unser "Leitmotiv"-Album in Brasilien veröffentlicht haben. Wirklich schön, sie endlich mal kennenzulernen. Sie erzählten uns, dass die Verkäufe wirklich gut liefen und wir sofort neue Verträge für Nachpressungen unterschreiben könnten. Wir endeten in einem riesigen Restaurant, das den Eltern einer der BOOBERELLAS gehört. Ja, wirklich, auf unserer Tour haben wir viele reiche Leute getroffen, reich, aber sehr freundlich. Der Club hies "The Memorial Restaurant" und die anderen Bands waren HULK (mit den BARULHO-Jungs und Mädels) und CATALEPTICOS, einer Psychobilly-Band, die wirklich rockten. Wieder einmal war die Veranstaltung ausverkauft und als wir anfingen zu spielen dachte ich, ich hätte zuviel Drogen genommen, weil ich Mariena fast fallen sah und die Bühne sich bewegte. Die Zuschauer hatten so heftig gegen die Bühne gedrückt, dass sie komplett nach hinten geschoben wurde. Damit mussten wir uns für den Rest des Gigs abfinden. In dieser Stadt, wo unser Label seinen Sitz hat, kannte offensichtlich jeder die Songs aus dem Radio oder von CD und sie schrien sich die Lungen aus dem Leib. Wieder war es ein fabelhafter Auftritt und obwohl es nicht gerade ein Zeichen von Punkrock ist, gaben wir einige Autogramme, das ist immer noch besser als sich wie ein Arschloch zu verhalten und es nicht zu tun. Curitiba ist eine sehr "hippe" Stadt, und wir bekamen prompt die beste brasilianische Cola und das beste brasilianische Essen vorgesetzt: aber nun, ihr wisst es... wir sind straight edge, also gingen einige essen und trinken, die anderen gingen ins "Golden Hotel".Der nächste Tag bedeutete noch eine Show in Curitiba, also konnten wir uns ein wenig im Hotel ausruhen und ein bisschen von der Stadt sehen, wonach wir ein Radio-Interview in einer Wohnung im 26. Stock hatten, ich bin mir nicht mehr sicheer aber ich meine, Peter im Aufzug knutschend mit einer Fahrstuhl-Dame gesehen zu haben, weil sie ihm wegen ihres Scheiss-Jobs so leid tat. Nun, das brachte sie auf Touren! Wir kauften einige Fussball-Shirts und spazierten nackt im Park herum. Nach dem obligatorischen Essen im Restaurant ging es zum Club. Die anderen Bands waren BOOBARELLAS, sehr nette Jungs, und WHIR, eine Girl-Band mit Aufklebern von BIKINI KILL auf ihren Gitarren: RIOT not DIET! Diesmal wollte ich wissen, wie weit das Publikum geht, also warf ich nach der Hälfte des Sets meine zwei Tage alten Socken von der Bühne. Ihr werdet es nicht glauben, aber es ist wirklich war: sie schmissen sich auf sie wie Löwen auf Fleisch. Also kamen wir zu dem Entschluss, dass Fans wirklich sehr weit gehen können...Es waren über 400 Menschen da, und bei dieser Zahl sind wir noch niemals müde geworden. Toller Abend. Danach mussten wir uns wieder mit dem "Business" beschäftigen ("Crossing Common Borders" sollte diesen Monat in Brasilien mit "Spade" als Bonustrack erscheinen) und bekamen zwei grosse Flaschen Catuava: sie wissen, wie sie uns glücklich machen können.Am nächsten Tag verliessen wir Curitiba, diese nette Stadt, mit Schmerz in unseren Herzen, um westlich nach Londrina zum letzten Gig unserer Tour zu fahren. Es gibt nicht viel über das letzte Konzerte zu sagen, wobei du schon weisst, wie sehr du jeden vermissen wirst und immer an die tolle Zeit zurückdenkst, und du dir am nächsten Morgen wieder den Arsch abrennen musst, um ein Flugzeug nach nirgendwo zu erreichen. Natürlich war Londrina auch gut, besonders als Laudo auf die Bühne kam, um uns eine grosse Trophäe mit der Aufschrift "BAMBIX Brasil CatuABBA Tour 2000" zu überreichen, weil er meinte, wir hätten einen Preis verdient - unser wichtigster Mann. Dann kam die Crew auf die Bühne und sang "Spade" mit uns, wobei sich nur die Hälfte davon traute. Und selbst das Schicksal wollte, dass wir dableiben, warum sonst hätten wir auf dem Rückweg einen Platten haben sollen und nur die blinde Rosanna als Reifenaustauscherin dabei haben sollen? Also endete diese Tour wie sie angefangen hatte: mit einem letzten Aufruf für die Passagiere Steensma, Dragt und Van Houdt am Flughafen, indem sie aufgefordert wurden, so bald wie möglich Gate 2 zu erreichen. Dann konnten wir nur noch auf Laudo, Carolina, Cesar und Fran zurückblicken, mit dem unglaublichen Gefühl, solch nette Menschen getroffen zu haben, die uns geholfen und alles für uns getan haben, uns die grösste Tour ermöglicht haben. Traurigkeit machte sich breit, weil wir wussten, dass es ein Jahr dauern würde, wieder dort zu spielen. Aber eins ist sicher: "We´ll be back!".Wick Bambix(Übersetzung: Dominik Winter)
 
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BAMBIX - Older, not wiser

Eine meiner ewigen Sympathenbands sind die BAMBIX aus Holland, wobei die einzige personelle Konstante Sängerin/Gitarristin Willia „Wick Bambix“ van Houdt ist. Die letzte Platte ist eine halbe Ewigkeit her, aber ständiges Touren, vor allem auch im beinahe schon zur zweiten Heimat gewordenen Brasilien, lassen eben neben den Alltagsjobs wenig Zeit. Anlässlich des neuen Albums, das erstmals nicht auf Vitaminepillen, sondern auf GoKart erschienen ist, mailte ich Wick ein paar Fragen.Ihr habt euch ja ganz schön lange Zeit gelassen mit dem neuen Album. Wie kam das?„Ach, bei uns dauert alles immer lange. Deswegen sind wir auch immer zu spät bei Konzerten und immer zu spät Backstage, wo dann die Bierkästen leer sind. Wir hatten ein Demo aufgenommen, weil mehrere Labels interessiert waren, und dann haben wir alles neu aufgenommen, wobei wir auch noch viel Zeit gebraucht haben, den richtigen Sound zu bekommen, und eine bestimmte Aufnahmemethode gesucht haben, die dafür am besten wäre. Wir haben uns auch den Arsch abgeprobt, um die Band ‚tight as a bum-string‘ zu machen. Das hat aber mehr Zeit gebraucht, als uns lieb war, und dann gab‘s die schon gebuchten Konzerte und die Tour in England und den USA, und wir mussten das Studio immer wieder verlassen und später wieder weitermachen. Am Ende sind wir aber mehr als zufrieden mit dem Resultat, also hat es sich gelohnt.“Wo siehst du die Unterschiede zur alten Platte?„Die ‚Club Matuchek‘ klingt bestimmt besser, haut mehr in die Fresse, nicht nur weil Menno Bakker immer bessere Produktionen abliefert, sondern auch durch das überwältigende Mastering von Alan Douches von WestWestSide Studios in New Jersey. Er hat schon mit vielen Bands gearbeitet wie SICK OF IT ALL, THRICE und FLEETWOOD MAC. Er hat uns sogar mitten in der Nacht angerufen um uns zu sagen, wie gut unsere Aufnahmen sind. Die Texte sind über Leute, die ganz unten sind, und wie ihr Überlebenskampf abläuft. Die Songs auf dem Album wechseln immer noch zwischen poppigen und härterem Kram, da hat sich nichts geändert, aber die Platte ist insgesamt härter. Die Band klingt jetzt besser aufeinander abgestimmt. Und was die Songs betrifft, sie sind im typischen BAMBIX-Stil, eine Mischung von Melodie und Melancholie zu Geradeaus-Mitsing-Liedern.“Wie ist die aktuelle Besetzung der Band?„Peter ist jetzt seit sieben Jahren unser Schlagzeuger, er wird immer besser, hat mehr Muskeln bekommen und singt nun sogar Backing-Vocals. Patrick lief uns auf der Straße über den Weg, ein arbeitsloser deutscher Flüchtling mit italienischen Wurzeln. Er sah so verdammt gut aus, dass wir immer mit ihm zusammen sein wollten. Außerdem spielt er verdammt gut Bass, so dass wir ihn direkt zu uns holten. Natürlich wird er nicht von uns bezahlt, er soll froh sein, dass wir ihn davor gerettet haben, ein Junkie zu werden, so wie alle Deutschen in Holland. Und ich, Yngwie Malmsteen, schreibe die Songs und singe.“Neues Label, neues Glück? Wieso GoKart statt Vitaminepillen?„Vitaminepillen haben immer exzellente Arbeit geleistet, aber wir wollten, dass unsere Platten in ganz Europa und auch in Japan erhältlich sind. Wenn du keine Platten in Großbritannien, Spanien, Norwegen und Japan veröffentlichst, kannst du da auch nicht spielen. Dann kam GoKart. Sie sind unglaublich enthusiastisch wegen der neuen Platte, und wir brauchten nur zwei Tage, um zu überlegen, wie die Zusammenarbeit laufen sollte. GoKart haben hervorragende Promotion-Möglichkeiten, sie machen gute Arbeit für uns.“Was ist mit bambix.de passiert?„BAMBIX haben seit etwa einem Jahr eine neue Homepage, bambix.org. Ein neuer Webmaster, Jozzy, frisches Blut, eine neue Optik, und ebenso wie wir in Nijmegen ansässig, das macht die Kommunikation leichter. Die Seite an sich wird von einem Fan aus Brasilien gemacht, Mariana. Sie stellt jeden Tag ein neues BAMBIX-Foto online, dazu können dann die Leute ihren Kommentar abgeben, Keinen Ahnung, wo sie die ganzen Bilder hernimmt, aber es ist toll, und wir haben über 1.000 Zugriffe pro Tag.“ Wo ist der „Club Matuchek“, und wer ist da Mitglied?„Club Matuchek liegt im Herzen jedes Unterklasse-Arschlochs. Für alle, die ganz unten sind, aber nicht aufgeben. Da geht man hin, wenn man alle Freunde bis auf den Alkohol und die Musik verloren hat. Der Ort, wo Leute hingehen, die noch einen Funken Hoffnung in sich tragen. Leute, die gegen den Strom schwimmen und noch nicht ihren Platz in dieser Welt gefunden haben, treffen sich dort, kommunizieren und machen sich gegenseitig Mut. Auf dem Cover sieht man, wie es dort aussieht, ziemlich düster und dunkel, aber da hängt diese leuchtende Kugel – die steht für die Stimmung der Leute. Mitglieder gibt‘s keine, aber jeder ist willkommen.“Wie kam der Deal mit Daemon Records zustande? Machen die auch das neue Album in den USA?„Es war einer der schönsten Tage dieses Jahr, als ich eine E-Mail erhielt, zigfach weitergeleitet, geschrieben von Amy Ray, die mit uns Kontakt aufnehmen wollte. Da sie schon seit Jahren eine meiner Lieblingssängerinnen ist, hielt ich das erst für einen schlechten Scherz. Aber sie war‘s wirklich. Sie wollte ‚What‘s In A Name‘ in den USA und Kanada auf ihrem Label rausbringen. Es erscheint am 15. Oktober. Keine Ahnung, wie sie an unsere CD gekommen ist. Sie spielt bei den INDIGO GIRLS, die sind in den Staaten riesengroß, und sie hat uns eingeladen, mit ihnen da drüben zu touren, also in richtig großen Hallen. Da spielen sonst nur Sting und Phil Collins. Also wird das wohl eine ziemliche Überraschung, wenn wir da mal spielen. Wir wissen noch nicht, wer ‚Club Matuchek‘ in den USA und Kanada heraus bringen wird, mal sehen, was so alles passiert.“Brasilien ist ja eure zweite Heimat. Wann wart ihr das letzte Mal auf Tour, wann kommt die nächste? Was ist das Besondere an den Shows und den Fans in Brasilien?„Zweite Heimat für uns ist – na klar – Deutschland! Für uns das schönste Land der Welt! Weil wir auch unbemerkt durch die Stadt gehen können, ohne dass die Leute uns die Unterhose vom Arsch reißen. Brasilien ist aber auch richtig toll. Da geht‘s hemmungslos ran, und da hatten wir auch Bodyguards, weil die Leute dich, wirklich wahr, weinend und schreiend angreifen wollen, und niemals wieder loslassen. Es gibt BAMBIX-Coverbands, Leute mit BAMBIX-Tattoos und viele 13-jährige Mädchen, die mir sexuelle Angebote machen. Deswegen kommt die nächste Tour schnell!“Ihr habt auch ein Live-Album da raus, wie ich gelesen habe.„Die Idee dazu entstand, als wir in Brasilien waren, also musste sie auch schnell umgesetzt werden. Aber das ist der Spirit dieser Nacht, das Publikum, der Schweiß, die fünfzig Grad, der ausverkaufte Club, und das Gefühl, beinahe auf der Bühne zu sterben. Direkt nach dem letzten Song hört man sogar noch, wie der Krankenwagen vorfährt ...“Wie lange ist man ein „girl“ und wann ist man/frau „woman“?„Das hängt wohl von deiner Stimmung und deinem Willen ab. Vergleiche es mit einem Fußballspiel: Ein ‚Girl‘ stürmt nach vorne, schießt die Tore, und eine Frau ist der Ausputzer. Kein Scheiß. Im Leben ist man manchmal jung und innovativ, manchmal alt und intellektuell, manchmal Makaay, manchmal Briegel – ohne Bart. Am wichtigsten ist es aber, zu gewinnen, und deshalb sollte man auch Niederländer sein.“ Was sind deine derzeit liebsten Girl-Punk-Bands?„Ich mag DOVER, FABULOUS DISASTER, DONNAS, ROTTEN APPLES, gerade habe ich die Live-CD der LUNACHICKS bekommen, SAHARA HOTNIGHTS, INDIGO GIRLS und natürlich MASTODON, oder sind das keine Mädchen?“Wie siehst du die Entwicklung der BAMBIX von einer Girl-Band zu einer nur „girl fronted“-Band“?„Das macht für mich keinen Unterschied, außer dass im Tourbus mehr gefurzt und nonstop über Sex geredet wird. Und manchmal kommen Jungs am Morgen nach einem Konzert in einer Corvette zurück. Ich glaube, Jungs meckern nicht so viel, und Mädchen sehen besser aus und fühlen sie sich weicher an, wenn du sie küsst. Sie riechen auch besser, deshalb habe ich die Regel aufgestellt, dass niemand ohne Deodorant in den Tourbus kommt.“Singst du heute anders als früher?„Nach vier Jahre Cola-Light und Tee trinken und nicht rauchen, keine Spliffs, immer früh ins Bett gehen, sagen alle, dass die Stimme dunkler wird. Uschi, du solltest das doch wissen!“Wann bekommt ihr endlich einen Endorsement-Deal mit Jägermeister?„Ich hoffe nie. Sonst werde ich noch häufiger mit einem aufgemalten Schnauzbart in meinem Gesicht wach.“Und was macht ihr derzeit so, wenn ihr nicht in Brasilien oder sonst wo auf Tour seid?„Peter ist Sozialarbeiter, er kümmert sich um Junkies und Alkis. Er ist ein Experte, ausgezeichnet für seinen Job. Patrick gibt Kindern Musikuntericht, genau wie bei den BAMBIX. Und ich bin Englisch-Lehrerin für sehr schwierige Kinder. Und die sagen dann: ‚Frau Wick, erzählen Sie uns noch was von den Konzerten letztes Wochenende.‘ Und dann verkaufe ich noch ein paar T-Shirts und CDs, und dann gehe ich weiter zur nächsten Klasse. Sie zeigen, dass sie mich mögen, indem sie Scheiße in meine Schultasche packen.“
 
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BAMBIX - Viva la Jägermeister

Holländische Bands haben es wirklich nicht immer leicht: Da muss man fernab der Heimat in Brasilien Bodyguards und Personenschutz organisieren, weil man sich wegen all der verrückten Fans nicht mehr auf die Straße trauen kann. Aber zu Hause in den Niederlanden hat man immer noch den Status "Geheimtip", was melodischen Punkrock angeht, und das, obwohl mittlerweile schon das fünfte Studioalbum veröffentlicht wurde: Die Rede hier ist von BAMBIX, der Punk-Institution um Sängerin Wick Bambix, Drummer Peter Dragt und Bassist Patrick Turner.Statt mit den MISFITS auf Deutschlandtour zu gehen, wollen die drei Holländer ab April oben ohne in Rio am Strand liegen und nebenbei ihr neues Album "Bleeding In A Box" an Frau und Mann bringen. Ob das Gras woanders wirklich grüner ist als in der Heimat und was Wick Bambix sonst noch so durch den Kopf geht, beantwortete sie mir per E-Mail.Wick, euer aktuelles Album "Bleeding In A Box" habt ihr in den Hype Studios in Belgien aufgenommen, das erste gänzlich mit Solarenergie betriebene Tonstudio dort. Wieso habt ihr euch für dieses Studio entschieden?Wir hatten nach einem anderen Sound und einer anderen Art zu Arbeiten gesucht. Im Internet fand ich die Hype Studios, die auf ihrer Top 3 der Bands, mit denen sie am liebsten arbeiten würden, BAMBIX genannt haben. Also habe ich sie kontaktiert und dabei kam heraus, dass DJ Moens der Produzent ist. Er ist der Gitarrist von LA MUERTE, einer Band, die ich früher schon sehr gerne mochte. Ich hab hier ein Foto an der Wand hängen von ihm und mir, als ich etwa 16 Jahre alt war. Das alles hat mir ein sehr gutes Gefühl gegeben. Und Jan, der Boss des Studios, ist ein Mann, der nicht nur nach der Kohle schaut, sondern auch nach einer umweltfreundlichen Art zu Arbeiten. Wir hatten im Vorfeld noch darüber gelacht, weil Solarenergie in Belgien ... na ja, da gibt's doch niemals Sonne, haha. Wir malten uns aus, wie das wohl werden würde, wenn wir gerade so richtig gut spielen und der Strom ausfällt und wir alles noch mal von vorne spielen müssen. Ich finde es generell aber gut, wenn man weiter denkt und sich über wichtige Sachen Gedanken macht, deswegen finde ich, dass Jan einen sehr guten Job macht.Wie muss man sich die Recording-Sessions in solch einem Studio vorstellen? Arbeitet man dort anders als in konventionellen Tonstudios?Was den Strom angeht, gibt es in den Hyde Studios keine Unterschiede zu anderen Studios. In den Studios, in denen wir vorher gearbeitet hatten, saß man immer im Regieraum und es gab keinen Platz zum Übernachten oder zum Ausspannen. In den Hyde Studios gab es sehr viel Platz und man konnte sich ausruhen oder einfach vor sich hin spielen. Der Produzent DJ ist ein Hammerkerl, wir haben bei jedem Song einen anderen Sound gewählt, und viel an der Produktion mitgearbeitet. Es klingt jetzt auch viel direkter, weniger Effekte, so ist der Sound viel mehr in-your-face. Manche Leute finden das schade, aber wir finden es besser. BAMBIX ist nun mal nicht METALLICA.Wie sehr richtet ihr eure Entscheidungen im Alltag an Dingen aus wie Umweltverträglichkeit, Nutzung alternativer Energien oder Nachhaltigkeit?Na ja, man gibt sich Mühe, soweit es geht. Mit Pferd und Wagen nach Frankfurt fahren geht ja nicht. Und mit dem Kanu nach Rio de Janeiro auch nicht. Aber deswegen nehmen wir immer sehr viele Leute im Bus mit. Vor allem, wenn sie blond und hübsch sind. Damit die nicht alle ihr eigenes Auto nutzen.Was denkst du, woran liegt es, dass ihr in Brasilien und Deutschland enorm bekannt seid, in eurer Heimat Holland dagegen weniger?Wir spielen im Moment auch in Holland, aber das ist ein anderes Publikum, die wollen nur, was neu und trendy ist. Unsere Release-Party in Nijmegen war aber komplett voll und die Leute haben viel Sauerkrautsurfen gemacht. Aber wir waren immer auf einem deutschen Label, also war die Promotion auch immer vor allem auf Deutschland, Schweiz und Österreich ausgerichtet. Wir spielen auch oft in Osteuropa, haben letztens in Großbritannien getourt und in Frankreich. Aber weil wir in Deutschland immer so eine viel Spaß haben, sind wir sehr gerne hier. Für uns ist Deutschland ein bisschen so was wie unsere zweite Heimat geworden.Erkläre mir doch bitte deine Verbindung zu Tyra Banks. Du hast auf "Bleeding In A Box" ein Stück nach ihr benannt.Ich hatte ein Hündchen, das Tyra Banks hieß, weil sie ihr ähnelte - dieselben Haare und eine lustige Nase. Ich schaue ja immer "America's Next Top Model". Es war ein Kompliment für Tyra, dass ich solch ein liebes Hündchen nach ihr benannt habe. Leider gibt es mein Hündchen Tyra nicht mehr, sie hatte Streit mit einem Auto und das Auto hat gewonnen. Sie wird sehr vermisst.Auf "Leave Luke be" schreist du "I'm so sick of it all". Was kotzt dich im Moment am meisten an?Menschen, die behaupten, dass Homosexualität das Schlimmste sei, das es gibt. Dass Frauen, die Frauen lieben, oder Männer, die Männer lieben, schlimmer seien als Mörder oder Vergewaltiger. Leute wie die von der Westboro Baptist Church sagen, dass Gott das im 17. Lukas-Evangelium gesagt habe. Und dass deswegen die Welt verdammt sei. Oder wie neulich so ein ultraorthodoxer Priester behauptet hat, dass es ein Erdbeben mit tausenden Toten nur gab, weil die Welt homosexuelle Eheschließungen akzeptiert hat. So ein Scheiß kotzt mich voll an.Ian Buruma, ein niederländischer Professor für Menschenrechte, sagte vor kurzem, dass viele Niederländer Toleranz mittlerweile als Verrat empfänden und es für sie schon ein Schimpfwort geworden sei. Wie tolerant empfindest du Holland im Moment, auch in Bezug auf die Diskussion um Geert Wilders und seinen korankritischen Film?Es würde mich nicht wundern, wenn Wilders bald tot auf der Straße läge. In Holland wird es heutzutage mit der Meinungsfreiheit sehr übertrieben und man darf echt alles sagen, auch wenn man große Teile der Gesellschaft dadurch abstempelt. Es ist eine neue Art von Diskriminierung, die nun die Religion trifft. Wilders sagt Sachen, wofür sich früher alle Holländer geschämt hätten. Jetzt wird alles akzeptiert. Und niemand sagt oder macht etwas dagegen. Holland ist eigentlich ein sehr tolerantes Land, in dem sehr viele verschiedene Leute aus verschiedenen Kulturen ihre Heimat gefunden haben. Aber zur Zeit wird überall Hass verbreitet, und nicht nur durch rechtsextreme Menschen. Das ist sehr schlimm.
 
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BAMBIX - Eine Frage an ... Wick

Wenn ich als Flüchtling heute in die Niederlande kommen würde, wie wäre die Situation für mich?Als Flüchtling würde wird man in ehemaligen Gefängnissen, Krankenhäusern oder Armee-Barracken untergebracht. Die niederländische Regierung tut so, als hätte sie die Katastrophe nicht kommen sehen und kümmert sich nur um Übergangslösungen. Das Krasseste ist, in Nijmegen wird eine Unterkunft für 6.000 Flüchtlinge errichtet. 6000 Leute an einem Ort.Die Art der Unterbringung ist ziemlich unterschiedlich, aber allen ist gemeinsam, dass es absolut keine Privatsphäre für die Flüchtlinge gibt. Die unterschiedlichen kulturellen und persönlichen Hintergründe interessieren niemanden. Und dann wundern sich die Leute, wenn es in den Unterkünften zu Kämpfen und Auseinandersetzungen kommt. Einige Flüchtlinge machen auf der Schwelle wieder kehrt, wenn sie sehen, was sie erwartet. In Nijmegen protestieren sie dagegen, dass die Räume nicht ausreichend beheizt werden, obwohl der Winter kommt. Das macht Leute wütend! Rechtspopulistische Politiker wie Geert Wilders verbreiten aber, die Flüchtlinge würden uns unsere Jobs und Häuser wegnehmen und mehr Privilegien kriegen als wir.Stell dir vor, wie es sein muss, in einer Zelle mit jemandem zusammen zu leben, unter dessen Verfolgung du vielleicht früher mal gelitten hast. Oder in einer Halle mit 500 Liegen, von denen zwei für dich und deine zwei Kinder sind. Um dich herum nur Lärm und künstliche Beleuchtung, es gibt keine Privatsphäre, man kann nichts tun und nirgendwo hingehen und ist komplett abhängig von der Laune des diensthabenden Asylbeamten. Es ist unerträglich. Du fliehst aus einem Kriegsgebiet und kommst in ein Land, in dem man dich in diese missliche Lage zwingt.Die Bevölkerung begegnet den Flüchtlingen derzeit noch recht positiv, aber der wütende Mob wird immer größer. Gerade erst hat die Regierung eine Änderung im Umgang mit Flüchtlingen mit Aufenthaltsgenehmigung beschlossen. Ihnen wurde das Vortrittsrecht auf Wartelisten von Sozialwohnungen gestrichen und die sozialen Leistungen gekürzt.Man muss natürlich auch sagen, dass die Hilfsbereitschaft eines großen Teils der Bevölkerung sehr herzerwärmend ist. Sie arbeiten hart, um den Flüchtlingen zu helfen und sie willkommen zu heißen. Tausende Freiwillige sammeln Kleidung, Spielzeuge, Decken und Lebensmittel. Viele Organisationen arbeiten Tag und Nacht. Sportvereine, Unternehmen und Schulen organisieren Projekte. Es sind immer Leute da, die dir helfen, wenn du ankommst. Es gibt eine Frau, die syrische Familien zu sich einlädt und für sie ein echtes syrisches Essen kocht. Viele Familien bieten ihre Gästezimmer oder andere Räume an.In den Niederlanden waren Flüchtlinge immer willkommen. Möge dies immer so bleiben.
 

Reviews

BAMBIX

© Ox Fanzine #76 / Katrin Schneider

Bleeding In A Box

Zugegeben, meine Erwartungen an das neue BAMBIX-Album waren verdammt hoch. Als ich das Trio Wick Bambix, Sjappie und Peter Dragt vor ein paar Jahren zum ersten Mal im Rotterdamer Waterfront live spielen sah, wurde mir fast schlecht von der Art und Weise, wie die BAMBIX ihre Energie ins Publikum knallten. Und ich war beeindruckt von der Kraft, die Wick in ihre Songs leitete und unverkrampft im Mittelpunkt des Trios stand. Deshalb irritierte mich "Bleeding In A Box", das Album Nummer fünf, durch seinen zurückhaltenden Einstieg erst ein wenig: Das düstere "Under the moon" und "Bottle" wollten nicht so richtig rocken. Doch ab "Tiny tune" hat sich der bedingungslos sichere Pop-Punk der Holländer wieder in meine Magengegend vorgekämpft und steigert sich zum balladesken "Bleeding in a box". Richtig brüllen darf Wick noch mal bei "Leave Luke be", bevor sie den Tod ihres Hundes "Tyra Bank" beweint (mag sein, dass es sich weder um Wicks Hund noch überhaupt einen Hund handelt, aber was hat Tyra Banks sonst mit Hunden gemeinsam?). Der Rest geht runter wie Schnitzel, pardon, Gemüsebratling, vornehmlich "Viva las vegans". Wenn Elvis das gewusst hätte. (8)

 

BAMBIX

© Ox Fanzine #56 / André Bohnensack

Club Matuchek CD

Vor den BAMBIX gab es vor einigen Jahren kein Entkommen. So um 1998 rum spielten die HolländerInnen ständig irgendwo in der Nähe und ich weiß beim besten Willen nicht mehr, wie viele BAMBIX-Konzerte ich mit meiner betrunkenen Anwesenheit damals bereichert habe. In den letzten Jahren hat das ordentlich abgenommen - vor allem mein Konzert-Saufen - aber wenn ich mich nicht irre, ist das letzte BAMBIX-Album auch schon vor vier Jahren erschienen und da verwundert es ja auch nicht, dass meine Aufmerksamkeit in Sachen BAMBIX ebenfalls etwas abgenommen hat. Viel ist passiert in dieser Zeit: Die Besetzung hat sich mal wieder geändert, so dass Sängerin und Gitarristin Willia mittlerweile das einzige weibliche Bandmitglied ist - dabei haben die BAMBIX mal als Girl-only-Band begonnen - "Club Matuchek" erscheint nicht wie die Vorgänger auf Vitaminepillen, sondern auf Go Kart Europe und in Brasilien sind die BAMBIX so was ähnliches wie Rockstars. Musikalisch hat sich zum Glück wenig getan, die BAMBIX stehen immer noch für mitreißenden melodischen Punkrock und Hardcore, der durch Willias Stimme einfach unverwechselbar ist, und auch auf "Club Matuchek" ist die Verbindung von poppigen Melodien und Aggressivität gelungen. Schön, dass es die BAMBIX noch gibt, schön, dass sie noch mal eine so gute Platte aufgenommen haben. (35:03) (08/10)

 

BAMBIX

© Ox Fanzine #22 / Joachim Hiller

Crossing Common Borders CD

Wer angesichts des Bandnamens - und so geht es zumindest mir - an Rumpelpunk denkt, hat sich glücklicherweise völlig getäuscht. Denn das niederländische Trio spielt absolut erstklassigen, leicht melancholischen Punkrock mit unglaublich schönen Melodien. Dazu dann noch eine Sängerin, die auch Gitarre spielt, und fertig ist die grandiose Mischung aus FASTBACKS, TILT und LAG WAGON. Leider kommen die BAMBIX nicht aus irgendeinem Kaff an der US-Westküste und so wird der Pöbel ignorant an ihnen vorbeirennen, aber glaubt mir, das hier ist zwar mindestens genauso gut wie all die CA-Bands, aber trotz aller Parallelen zu oben genannten Bands einfach mal ein bißchen was anderes. Ausprobieren!

 

BAMBIX

© Ox Fanzine #124 / Joachim Hiller

Crossing Common Borders

In Ox #22, erschienen Anfang 1996, schrieb ich dies: „Das niederländische Trio spielt absolut erstklassigen, leicht melancholischen Punkrock mit unglaublich schönen Melodien. Dazu dann noch eine Sängerin, die auch Gitarre spielt, und fertig ist die grandiose Mischung aus FASTBACKS, TILT und LAG WAGON.“ Wie aus dem Nichts tauchten die BAMBIX damals mit dem (Re-)Release ihres zweiten Albums auf dem seinerzeit angesagten deutsch-holländischen Vitaminepillen-Label auf, und dabei wurden sie schon 1988 gegründet, veröffentlichten 1992 ein erstes Album, blieben aber ein Geheimtip ...bis „Crossing Common Borders“ wirklich jeden begeisterte, der es zu hören bekam. Von der reinen Frauenband waren sie damals schon zur nur 2/3 weiblichen Band geworden, Wick spielte Gitarre und Gesang, Maniet Bass, und einen Schlagzeuger gab es auch.Produziert von Menni Bakker, drückten Wick und Co. damals alle richtigen Knöpfe, waren einerseits druckvoll, griffig und bissig, andererseits beinahe schon überschwänglich melodiös, und Songs wie „Explain it“ oder „X-ray the candy“ waren und sind einfach unwiderstehliche Hits – bis heute.Denn auch wenn von der Ur-Besetzung nur Wick geblieben sind, so sind BAMBIX (seit einiger Zeit mit in Köln ansässiger deutscher Rhythm Section) doch unverkennbar sie selbst geblieben. Wick ist eine klasse Gitarristin, die Stimme heute allerdings (ein paar Jägermeister später) etwas rauher, live sind sie eine Bank und spielen immer noch die Hits von „Crossing Common Borders“.Gut, dass dieses Klassikeralbum jetzt wieder auf (feuerrotem) Vinyl erhältlich ist, im Originalartwork und mit Download-Code.

 

BAMBIX

© Ox Fanzine #32 / Joachim Hiller

Leitmotiv CD

Meine holländischen Lieblinge hatten ja etwas Pech mit ihrem Drummer - der letzte stieg unmittelbar vor dem Studiotermin aus -, doch mit Peter Dragt wurde Ersatz gefunden, so dass das dritte Album der BAMBIX sich nur um ein paar Monate verzögerte. Und was soll ich sagen? Ich bin wieder völlig hingerissen, denn Willia (Gesang & Gitarre) und Maniet (Bass) haben erneut eine brillante Platte gemacht, vollgepackt mit supermelodischen, mitreissenden, durckvollen Songs - den Hit "Monozygotic" kennt ihr ja schon von der letzten Ox-CD. Ja, isses nun Punk oder Hardcore oder gar Rock? Ich weiss es nicht, irgendwie sitzen die BAMBIX zwischen allen Stühlen, sind völlig eigenständig und stehen eindeutig in der Tradition grossartiger Female Vocals-Bands. Was den Unterschied zu vielen oberflächlich gesehen ähnlich klingenden Bands ausmacht, ist für mich das Handwerkliche - bei Willia, Maniet und dem neuen Drummer sitzt jeder Handgriff, und die Produktion von Menno Bakker tut ein übriges. Mindestens genauso gut wie die Musik auch die Texte - persönlich, überlegt, gerade "Westboro wankers". Klasse Platte - auch wenn das manche Leute mit einer gewissen Punkrockfixierung nicht so ganz erkennen mögen...

 

BAMBIX

© Ox Fanzine #48 / Joachim Hiller

Ritalin MCD

Sommer mit den BAMBIX! Für zwischendurch - das nächste Album kommt bestimmt - haben die BAMBIX drei neue Songs eingespielt. Die beiden ersten Tracks - der Titel des Openers "It's Beer O'Clock" ist mal wieder typisch Wick Bambix (fragt sich nur, ob "beer o'clock" für sie schon am späten Vormittag oder Nachmittags ist...) sind klassische BAMBIX-Punkrocksongs, hymnisch und druckvoll rockend zugleich. Interessant wird's beim dritten Song, "Cocksucker", einem akustischen Song, auf dem sich Willja selbst auf der akustischen Gitarre begleitet (Peter und Janneke treten nur mit etwas Backing Vocals in Erscheinung) und der schon irgendwie nach den von der Frontfrau schwer geschätzten INDIGO GIRLS klingt. Klasse Band, das haben sie hiermit einmal mehr bewiesen. (11:08) (8/10)

 

BAMBIX

© Ox Fanzine #100 / Gary Flanell

The Storytailor

Ganz klar, BAMBIX gehörten schon immer zu den Guten. Früher, weil die ersten Platten so wunderbar angenehm melodisch rüberkamen, und jetzt immer noch, weil die Band um Sängerin Wick eine von den guten Konstanten im Punk-Zirkus ist.Oder anders gesagt, es gibt wohl keine BAMBIX-Platte, mit der man grundlegend was falsch machen kann. So verhält es sich auch mit „The Storytailor“ – wunderbares Wortspiel übrigens, das auch gut auf die Band selber passt, denn Geschichten schneidern und die dann auch noch in die passenden Melodien kleiden kann Wick nun schon seit 20 Jahren.Ob die Lyrics jetzt etwas persönlicher geworden oder kleine Hymnen für die Dropouts dieser Welt sind, eine BAMBIX-Platte erkennt man fast immer aufs erste Hören. Aber ein paar kleine Veränderungen gibt es dann doch, für die Trommeln hat man sich den ehemaligen Drummer der WOHLSTANDSKINDER ins Boot geholt und insgesamt kommen die „Storytailor“-Songs doch etwas rockiger rüber.Ob das eine mit dem anderen zusammenhängt, wäre noch zu erforschen. Ansonsten ist es eine BAMBIX-Platte, auf die man sich verlassen kann wie auf Ebbe und Flut. Beruhigend gut! (Diese Band war auf der Ox-CD #100 zu hören)

 

BAMBIX

© Ox Fanzine #41 / Joachim Hiller

What´s In A Name LP/CD

Exit Marien Steensma, enter Janneke Bernaert. Erstere hat die Platte noch mit eingespielt, letztere ist ab sofort live am Bass zu sehen. Veränderung im Hause BAMBIX also? Eher nicht. Willia hat die Zügel fest in der Hand, schreibt die Songs und die Texte und so ist alles geblieben, wie es war. "What´s In A Name", das neue Album also, erwartungsgemäß wunderschön, die Verbindung aus punkiger Wut und poppigen Melodien, dicht und druckvoll gespielt, und wenn es Gerechtigkeit gäbe in dieser Welt, dann wären dieser Tage nicht DOVER die Stars mit den unzähligen verkauften Platten, sondern die BAMBIX. Ach so, der Albumtitel: Alle Songs - naja, "Loch Ness" vielleicht nicht wirklich - haben als Titel einen Namen. Nicht in alphabetischer Reihenfolge, in keiner erkennbaren Logik, aber eben Namen - von Frauen und von Männern. Klasse, einfach nur gut. Oder hat jemand was anderes erwartet? Und jetzt ´nen Jägermeister.