BroilersTourdaten, Tickets, Interviews, Tonträger

Nächster Termin:

23.02.2017
100%
Bewertung:
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Genre

Punkrock/Hardcore

Shows

284 Shows in 106 Städten / 4 Ländern

Zeitraum

19.04.2003 - 15.04.2017

Letzte Show

05.09.2015 - DE-Düsseldorf, Rock im Sektor

Nächste Show

23.02.2017 - CH-Zürich, Volkshaus

Booking

Tourdaten

Archiv
Feb.
23
2017
Donnerstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Mär.
3
2017
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Mär.
4
2017
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Mär.
7
2017
Dienstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Mär.
10
2017
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Mär.
11
2017
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Mär.
16
2017
Donnerstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Mär.
18
2017
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Mär.
24
2017
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Mär.
25
2017
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Mär.
31
2017
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Apr.
1
2017
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Apr.
6
2017
Donnerstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Apr.
7
2017
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Apr.
8
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Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Apr.
13
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Donnerstag Tickets Tickets Tickets
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Apr.
15
2017
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 

Tonträger bei finestvinyl

Cover

BROILERS - FACKELN IM STURM... | LP

Spätestens seit der Veröffentlichung ihres Nummer 1-Albums Noir im Jahr 2014 gehören die Broilers zu den bekanntesten Rockbands dieses Landes. Über 150.000 Fans besuchten eines der ausverkauften Konzerte der darauffolgenden Tournee, alleine in Düsseldorf feierten im Dezember 20.000 Fans an 2 aufeinanderfolgenden Abenden die Band. Nun erscheint auf dem bandeigenen Label Skull & Palm Recordings eine liebevoll restaurierte Vinylneuauflage in edler Ausstattung. Fackeln im Sturm ist das Debütalbum der Broilers, was 1997 erschien und viele lange Jahre auf Vinyl vergriffen war - Ausstattung: 12' Vinyl, 140g schwarz, Innentasche 4-farbig bedruckt.
 
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BROILERS - ICH WILL HIER NICHT SEIN | 7"

Die 7" ist auf insgesamt 3.000 Units limitiert und durchnummeriert und hat 2 unveröffentliche Songs. In den Handel kommen insgesamt 2000 Stück. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Entscheidung trafen die BROILERS im Hinblick auf ihre zweite Singleauskopplung: Mit "Ich will hier nicht sein" fiel die Wahl auf eine für die Broilers, die eher für härtere Rockklänge bekannt sind, untypischere Nummer. Der bewegende Midtempo-Song hat es aber musikalisch und textlich in sich: "Ich will hier nicht sein" wurde geschrieben, nachdem wir im TV einen Beitrag gesehen haben, wo irgendwelche Freaks brüllend vor einem Flüchtlingsheim in Berlin Hellersdorf standen, was uns extrem angeekelt hat. Wie kann man glauben, dass ein Mensch freiwillig seine Heimat und seine Freunde verlässt? Man stelle sich vor, wir müssten aus solchen Gründen Deutschland verlassen. Wollen wir im Exil so empfangen werden, von einer hasserfüllten Menge? Glauben diese Leute, die Menschen kommen aus Spaß hierher zu uns? Wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger herumfuchteln. Aber dieses 'Musik ist Musik und Politik ist Politik' funktioniert für uns schon lange nicht mehr. Wir finden es wichtig, das Publikum dazu animieren, über manche Dinge nachzudenken. Die limitierte und serialisierte Vinyl-7Inch kommt mit zwei brandneuen Non-Album Bonustracks und Textblatt.
 
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BROILERS - LOCO HASTA LA MUERTE - E.P.COLLECTI | LP

Spätestens seit der Veröffentlichung ihres Nummer 1-Albums Noir im Jahr 2014 gehören die Broilers zu den bekanntesten Rockbands dieses Landes. Über 150.000 Fans besuchten eines der ausverkauften Konzerte der darauffolgenden Tournee, alleine in Düsseldorf feierten im Dezember 20.000 Fans an 2 aufeinanderfolgenden Abenden die Band. Nun erscheint auf dem bandeigenen Label Skull & Palm Recordings eine liebevoll restaurierte Vinylneuauflage in edler Ausstattung. Loco Hasta La Muerte ist eine Zusammenstellung aller längst vergriffenen Single-Schätze aus der Frühzeit der Band. Das Album war bislang nur auf CD erhältlich - Ausstattung: 12' Vinyl, 140g schwarz, 4-seitiges Vinyl-Booklet, gefalzt, 300 x 300 mm, 4-farbig bedruckt.
 
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BROILERS - LOFI | LP

Spätestens seit der Veröffentlichung ihres Nummer 1-Albums Noir im Jahr 2014 gehören die Broilers zu den bekanntesten Rockbands dieses Landes. Über 150.000 Fans besuchten eines der ausverkauften Konzerte der darauffolgenden Tournee, alleine in Düsseldorf feierten im Dezember 20.000 Fans an 2 aufeinanderfolgenden Abenden die Band. Nun erscheint auf dem bandeigenen Label Skull & Palm Recordings eine liebevoll restaurierte Vinylneuauflage in edler Ausstattung. LoFi ist das dritte Album der Broilers, was 2004 erschien und viele lange Jahre auf Vinyl vergriffen war. - Ausstattung: 12' Vinyl, 140g schwarz, 4-seitiges Vinyl-Booklet, gefalzt, 300 x 300 mm, 4-farbig bedruckt.
 
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BROILERS - NUR NACH VORNE GEHEN | 7"

 
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BROILERS - VANITAS | 2 L+C

Doppel-Vinyl im Gatefold inkl. CD! Nach vielen Jahren endlich wieder als Vinylversion erhältlich: Mit ihrem vierten Longplayer 'Vanitas' schafften die Broilers den Schritt aus dem Underground zu einer der beliebtesten deutschsprachigen Bands mit Punkwurzeln. Mit diesem Album hatte die Band endgültig ihren Sound gefunden und es steht exemplarisch dafür, was die Fans an der Gruppe lieben: Treibende Hymnen mit lebensnahen und tiefgehenden Texten, eingängige und gleichzeitig abwechslungsreiche Kompositionen, robuste Lieder mit Hirn und Herz. Viele Songs von 'Vanitas'entwickelten sich zu Hits, die auch heute von keinem Broilers-Konzert wegzudenken sind wie 'Meine Sache', 'Ruby Light & Dark'oder 'Zurück zum Beton'. 'Vanitas'erscheint als Vinyl-Doppelalbum in exzellenter Ausstattung mit dem Album als CD beigelegt.
 
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BROILERS - VERLIERER SEHEN ANDERS AUS | LP

Spätestens seit der Veröffentlichung ihres Nummer 1-Albums Noir im Jahr 2014 gehören die Broilers zu den bekanntesten Rockbands dieses Landes. Über 150.000 Fans besuchten eines der ausverkauften Konzerte der darauffolgenden Tournee, alleine in Düsseldorf feierten im Dezember 20.000 Fans an 2 aufeinanderfolgenden Abenden die Band. Nun erscheint auf dem bandeigenen Label Skull & Palm Recordings eine liebevoll restaurierte Vinylneuauflage in edler Ausstattung. Verlierer sehen anders aus ist das 2te Album der Broilers, was 2001 erschien und viele lange Jahre auf Vinyl vergriffen war - Ausstattung: 12' Vinyl, 140g schwarz, Innentasche 4-farbig bedruckt.
 

Interviews

[[Issue]]

BROILERS - Baccia il mio anello

Eine Band, über die immer wieder wild diskutiert wurde und wird, sind die BROILERS aus Düsseldorf. Lag es am meist stumpfen Publikum, angeblichen Fascho-Connections oder einfach nur am dummen Namen. Da ich finde, dass die Band in letzter Zeit sehr gute Veröffentlichungen herausgebracht hat und auch das neue Album „LoFi“ wieder aus der Masse heraussticht, traf ich mich mit Andi (Drums), Ines (Bass) und Sammy (Gesang/Gitarre) im Proberaum der Band. Leider machten meine Batterien schlapp, und so musste ich das Interview eine Woche später noch mal wiederholen, da wir es alle für wesentlich besser und entspannter hielten, das Interview persönlich zu führen. Ich traf mich also noch mal mit Sammy und Ronald (Gitarre), um ihnen ein paar Fragen zu stellen, die mir schon länger auf der Zunge lagen und ein paar Gerüchte aus der Welt zu räumen. Seht ihr euch als unpolitische Band oder habt ihr einen klar antifaschistischen Standpunkt?Sammy: „Wir haben auf jeden Fall einen antifaschistischen Standpunkt, und das finden wir auch wichtig. Ich habe letztens schon in einem anderen Interview gesagt, dass ich nicht zwanghaft ein politisches Lied schreiben muss. Wenn mich ein Thema nicht direkt quält, lasse ich es halt aus. Aber auch, wenn ich mal Texte übers Saufen oder persönliche und traurige Sachen schreibe, ist es mir wichtig, dass jeder weiß, wo wir politisch als Band stehen, und garantiert nicht auf der rechten Seite.“War das denn schon immer so? Euer Ruf war ja vor einiger Zeit etwas umstritten.Sammy: „Alleine dadurch, dass wir als kleine Punker noch in der Antifa waren, waren wir schon immer antifaschistisch eingestellt. Als dann unsere Oi!-Phase anfing, sind wir leider etwas naiv an die Sache rangegangen, denn dieses gegen Rechts, aber auch gegen Links sein, entkräftet das natürlich ein bisschen. Daher war den Leuten nicht ganz klar, wo wir stehen.“Hattet ihr denn nachher auch selber Ärger mit der Antifa? In einem eurer Lieder habt ihr sie ja in einem Atemzug mit dem Ku Klux Klan genannt.Sammy: „Die Textzeile war wohl nie das Problem, so wurde es uns jedenfalls niemals nahe gebracht. Wenn wir in Leipzig spielen, dann immer im Conne Island, und da geht immer ein Euro vom Eintritt an die Antifa. In Chemnitz haben wir in einem Antifa-Laden gespielt. Das ist alles gar kein Problem. Wir spielen gerne für die Leute dort. Nur hier bei uns im Westen oder in unserer direkten Umgebung hat die Antifa zum Teil so einen an der Klatsche, dass sie lieber hetzt und Konzerte unterbindet, anstatt sich mit einer Band mal auseinander zu setzen. Ich finde das ziemlich schizophren. Wir sind eigentlich auf ihrer Seite, aber statt gegen den richtigen Feind anzugehen, wahrscheinlich aus Angst, gehen sie lieber gegen Bands vor, die keine Bedrohung sind.“ Ihr habt ja als Skinheads angefangen, seid aber jetzt eigentlich keine Oi!-Band mehr. Was meint ihr, woran es liegt, dass euer Publikum jetzt nur noch zu einem Bruchteil aus Glatzen besteht?Sammy: „Als wir 1996 unsere erste Single rausgebracht haben, waren wir ganz klar eine Oi!/Skinhead-Band, und unsere Texte gingen auch ganz klar in diese Richtung. Nur in den zwölf Jahren, die wir das jetzt schon machen, haben wir uns natürlich auch persönlich weiterentwickelt. Ich habe keinen Bock mehr Stiefel anzuziehen. Mir gefällt es einfach nicht mehr. Ich trage die Klamotten, die ich mag, auch wenn es meine viel zu kleinen Ben Sherman-Hemden sind. Das hat sich einfach alles so entwickelt. Andi ist Rock‘n‘Roller und Ronald ist Punkrocker mit Gothic-Charme, hehe. Das Aussehen ist nicht mehr so wichtig. Es ist wichtig, wie der Typ, der vor dir steht und mit dir trinkt, drauf ist. Das Publikum hat sich vielleicht so weit geändert, weil die Szenen sich einfach geändert haben. Wie viele alte Glatzen sind über die Jahre mutiert ...“Was haltet ihr denn generell von diesem „Szene“-Denken?Sammy: „Ich halte das für total überflüssig. Es ist schon geil, einer Szene anzugehören, und ich fühle mich auch immer noch der Punkrock- und Oi!-Szene zugehörig. Dennoch ist es nicht wichtig, die Leute in bestimmte Kategorien einzuordnen. Der hat Spikes und Hosenträger an, der ist jetzt so und so drauf.“Ab und zu kommt es ja so rüber, als ob ihr eine Quotenband wärt. Der eine ist Skinhead, einer Greaser, einer Punk und ‘ne Frau ist auch dabei. War das beabsichtigt?Sammy: „Ja, klar. Wir casten ganz bewusst. Der Nächste muss schwarz und jüdisch sein, und im Rollstuhl sitzen, hehe. Das ist natürlich nur Schwachsinn. Die Band besteht immer aus Freunden und man kommt nur bei uns rein, wenn man mit uns gut kann und gut beim saufen ist. Ronald kam jetzt als Letzter zu uns, und den haben wir vorher natürlich auch abgecheckt, und genau beobachtet, wie er sich im Nachtleben verhält, und ob er zu uns passt, hehe. Wir sind Freunde und wie eine kleine Familie, und dass wir dann noch zusammen Musik machen, macht die ganze Sache noch besser. Es ist ganz normal, dass wir am Wochenende immer etwas zusammen unternehmen, denn wir sind schließlich keine Arbeitsgemeinschaft. Und wie die Leute sich jetzt mit der Zeit verändert haben, sieht natürlich von außen betrachtet lustig aus. Aber es ist nicht so gewesen, dass wir uns bewusst ein Image gegeben hätten.“Wieso fasziniert euch eigentlich das Thema Mafia so extrem? Das ist ja ein roter Faden, der sich durch eure letzten Veröffentlichungen zieht.Sammy: „Wir wären zwar nie so hart, um eine solche Familie zu gründen, aber auf diese Mafiaromantik gehe ich total ab. Die Filme und dieses ganze Drumherum sind der Grund, warum ich ab und zu dann doch Bücher lese, um diese ganze Sache zu verfolgen. Das ist vom Image her einfach klasse, denn es ist gut, wenn man sich an etwas hochziehen kann. Das macht es den Leuten leichter, sich an die Band zu erinnern. Das ist genau wie bei den DROPKICK MURPHYS. Ohne ihr Kleeblatt und das irische Konzept wären die jetzt nicht da, wo sie sind.“Deine Texte sind ja sehr vom Pathos bestimmt. Ist das geplant, oder kommt das auch öfter vor, dass du dir am nächsten Tag denkst: „Was hab ich denn wieder da geschrieben?“Sammy: „Letzteres kommt eher bei stumpfen Texten vor, die dann nicht so pathetisch sind. Ich finde lyrische Sprache total geil. Wenn ich mir von irgendeiner Band eine Platte oder CD anhöre, bei der die Musik melancholisch ist, z. B. durch Moll-Akkorde, und auch die Texte es schaffen, simple Sachen stark zu umschreiben, dann gehe ich total darauf ab. Viele Leute haben da kein Verständnis für. Im normalen Leben rede ich wie ein Büdchensteher, der sein Bier trinkt, und in den Texten mache ich es eben ganz anders.“Wenn du die neuen mit den alten BROILERS-Sachen vergleichst, würdest du sagen, dass du noch zu allem stehst, was du geschrieben hast? Sammy: „Die alten Lieder sind ein Teil von uns und gehören genauso dazu wie unser beschissener Name, den wir nicht geändert haben, und auch nie ändern werden. Das ist halt in einer anderen Zeit geschrieben worden, und die Aufnahmen klingen auch so. Teilweise spielen wir die nicht mehr, weil sie einfach blöd sind. Aber manche Sachen wie z.B. „Paul, der Hooligan“ finden ab und zu auch wieder ihren Weg ins Set. Die Skinheadsongs spielen wir halt auch noch, da dort ja unsere Wurzeln liegen, und sie uns dahin gebracht haben, wo wir jetzt stehen. Da kann es auch passieren, dass auf einmal die Kippen geflogen kommen und die Leute fragen, warum wir die Scheiße noch spielen. Das erkläre ich denen dann auch gerne.“Euer Name ist ja der Grund, warum viele Leute Berührungsängste mit euch haben bzw. direkt ein falsches Bild kriegen. Habt ihr wirklich nie darüber nachgedacht, ihn zu ändern?Sammy: „Wir hatten mal darüber nachgedacht. Aber es ist viel ehrlicher, so wie wir es machen, also mit dem Namen, den wir haben, nach vorne zu kommen, auch wenn viele Leute negative Sachen damit verbinden. Auf jeden Fall fühlen wir uns besser dabei. Wenn jetzt Leute aus der Band aussteigen würden und wir uns auflösen würden, dann würden wir eventuell etwas unter einem anderen Namen starten. Die ganzen alten Sachen würden wir dann aber auch nicht spielen. Ich hoffe nicht, dass das jemals passiert. Zu der Geschichte der BROILERS gehören halt die Leute dazu, die jetzt dabei sind, ebenso wie die Lieder und die Texte.“Was sind für euch Gründe, ein Konzert abzubrechen?Sammy: „Wenn es im Publikum Ärger gibt oder Faschoköppe da irgendetwas starten wollen. Das wäre dann ein Grund, sich mit denen zu ‚unterhalten‘. Ansonsten, wenn Leute sich beim Stagediven auf die Fresse legen, obwohl die echt aufpassen sollten, nicht immer in die Löcher zu springen. Da muss man zwischen den Liedern immer sagen, dass die Leute sie auffangen sollen, hehe. Wir passen live schon immer auf und beobachten, was dort vor der Bühne passiert, und wenn es da Ärger gibt, hören wir halt auf.“Ihr habt ja das Lied „Gegen all den Schmutz“, was klar gegen Rechts ist. Wenn ihr das live spielt, ist im Publikum immer weniger los als sonst. Was denkt ihr, woran das liegt?Sammy: „Der Grund, warum wir ‚nur‘ gegen Rechts singen, ist, dass Faschos eine echte Gefahr sind. Die extremen Linken sind vielleicht teilweise etwas albern, aber nicht gefährlich. Daher würde ich diese beiden Gruppen nie gleichsetzen.“Ronald: „Es ist meist so, dass die älteren Glatzen bei dem Lied mit verschränkten Armen an der Seite stehen, und die Kiddies, die bei unseren Konzerten vermehrt auftreten, und eh nur die neuen Sachen kennen, dabei abgehen. Das ist wohl eher ein Skinheadproblem.“Würdet ihr sagen, dass man gerade jetzt, wo die rechten Parteien im Osten so klaren Zuspruch gefunden haben, dort spielen muss? Oder denkt ihr, dass dann das falsche Publikum auftaucht?Sammy: „Man kann nicht einfach so sagen, dass drüben die Faschos viel stärker auftreten. Es ist eher so, dass dort bei den Konzerten die Leute viel eher das Maul gegen Nazis aufmachen und viel mehr handeln, als bei uns im Westen. Generell sind bei Konzerten im Osten viel weniger Faschos am Start als z. B. auf Konzerten in Essen, wo dann auf einmal die Hooligans auftauchen. Die machen zwar nicht immer das Maul auf, aber wenn sie wollen, kloppen die sich gerne, und das ist ja auch schon oft passiert.“
 
[[Issue]]

BROILERS - Pathos de luxe

Aus einfachen Umständen haben sie sich nach oben gearbeitet - was klingt wie die Vita eines Gewerkschaftsführers, passt auch auf die BROILERS. Die Düsseldorfer Band um Frontmann Sammy Amara ist seit über zehn Jahren dabei, und was Anfangs soundmäßig dem Namen entsprach, ist über die Jahre erheblich gereift und heute solider deutschsprachiger Streetpunk-Rock'n'Roll mit ordentlich Style. "Vanitas" heißt das neue Album, zu dem uns Sammy Fragen beantwortete.Wie kommt es, dass das neue Album bei People Like You rauskommt? Die Split-CD mit VOLXSTURM war ja noch bei DSS erschienen.Aus E-Mail-Geplänkel wurde mehr ... PLY-Tobbe vertraute mir - in einer nicht mehr nüchternen Minute - an, dass man uns schon länger beobachte. Scheinbar waren die Früchte irgendwann reif, so dass PLY sie ernten konnte. Aber DSS-Micha hat uns immer und in jeder Hinsicht unterstützt. Wir konnten alles umsetzen, er hat alles finanziert, sei es noch so wackelig oder absurd. Und es hat sich ja glücklicherweise immer ausgezahlt. Nur ist es so, dass DSS Records nicht über eine Infrastruktur wie PLY verfügt, und wir folglich mit der letzten Platte das Potenzial des Labels nahezu ausgeschöpft haben. PLY war nicht nur in dieser Hinsicht der richtige Schritt nach vorne. Micha bleibt natürlich weiter unser Freund, wir ballern uns gerne dann und wann heftig einen, und er ist sehr stolz auf uns und das, was wir erreicht haben.Im Promotext zu "Vanitas", der neuen Platte, heißt es, ihr seid "not scared of developement, personal and musicwise". Wie würdest du selbst die musikalische Entwicklung der Band seit den Anfängen beschreiben beziehungsweise inwiefern haben sich persönliche Entwicklungen auf die Musik ausgewirkt?Auf der einen Seite haben sich natürlich Interessen und Ziele verlagert. Das, was mit 18 wichtig war, ist nicht immer das, was man mit 28 als höchstes Ziel erachtet. So sind auch die Probleme, die man nun mal hat, andere. Das schlägt sich aber hauptsächlich in den Texten nieder. Musikalisch haben wir von Platte zu Platte, von Jahr zu Jahr einfach unseren Horizont erweitert, sind bestimmt auch mutiger geworden. Wir sind glücklich mit dem, was wir machen, und können es deshalb auch ehrlich durchziehen. Wenn wir Bock haben, einem Song eine Soulkante zu geben, wird das gemacht, auch ohne die Sicherheit einer verzerrten Gitarre.Habt ihr bei "Vanitas" etwas bewusst anders gemacht als bei "LoFi" - sei es jetzt beim Songwriting oder bei den Aufnahmen - oder ergibt sich der Sound eher unbewusst aus den gerade angesprochenen Veränderungen?Der Unterschied liegt vielleicht in der Art, wie die Songs entstanden sind. Ich habe die Sachen auf einer Akustikgitarre zu Hause geschrieben, im Proberaum haben wir sie zusammen arrangiert. Das haben wir so zwar schon Jahre gemacht, aber diesmal war es uns sehr wichtig, dass der Song auch schon mit Stimme und Akustikgitarre allein gut klingt. Ein guter Song braucht auch nicht mehr. Wobei von Reduktion anhand der langen Zeit im Studio und der Instrumentierung ja auch nicht die Rede sein kann.Das philosophisch-religiöse Konzept des Begriffs "Vanitas" ist ja ein ganz schön harter Brocken - ein Blick in Wikipedia hilft - und du musst jetzt erklären, wie ein paar Ex-Skinhead-Raufbrüder auf so was Hochgeistiges kommen ...Pathos. Pathos hat uns vor allem bei der Titelwahl immer schon sehr gut gefallen. Das ganze Album musste etwas von einem Kinofilm oder Soundtrack haben. Auch im grafischen Konzept. Kurz nach dem Release der "LoFi"-LP/CD waren wir uns schon ziemlich sicher, die Platte "Vanitas" nennen zu wollen. Das Wort hat einen schönen Klang, die Bedeutung hat ohne Frage viel Wahrheit in sich und lässt großen Raum für eigene Interpretationen. Als es immer klarer wurde, dass "Vanitas" auch eine Art roter Faden in den Texten sein würde, haben wir uns endgültig entschieden.Andererseits ist allgemein ein unterschwelliges Thema die "Gang", "Männerfreundschaft", whatever ... Was fasziniert daran?Männerfreundschaft weniger als Freundschaft im Allgemeinen. Darauf basiert unsere Band. Diese Gang-Geschichte ist vielleicht ein weiterer Flirt mit der von uns geschätzten Mafia-Romantik. Was das auch sein mag.18 Songs in 66 Minuten - früher wurde man für so was aus dem Dorf gejagt! Unkontrollierbare Kreativitätsschübe oder was?Einfach zu viel gutes Material. Zuviel Herzblut in den einzelnen Songs, um sie fallen zu lassen. Wir wissen nämlich genau, dass wir sie nach ein paar Jahren nicht mehr veröffentlichen würden. Ich denke, als Band sollte man sich zumindest einmal eine Doppel-LP geleistet haben. THE CLASH haben mit "Sandinista!" für mich ihr größtes Werk geschaffen. Wobei, das waren vier LPs. Das lässt mich voller Hoffnung in die Zukunft blicken, haha.Euer Name ist seit geraumer Zeit eher dazu angetan, falsche Erwartungen an den Sound zu wecken - ist man das irgendwann so leid, dass man wirklich über einen Wechsel nachdenkt?Wir hatten eine Zeit, in der wir darüber nachdachten. Das war ganz am Anfang, noch vor dem Release unseres ersten Longplayers 1997. Sicher wäre vieles einfacher gewesen. Der Name gehört jedoch zu uns, so hässlich er auch sein mag, vielleicht liegt gerade darin die Herausforderung.Während so manch andere Band mit "oi" im Namen Proll-Oi! macht, macht ihr ja eher Studenten-Oi!, oder?Als Beschreibung fand ich Emo-Oi! auch mal einigermaßen heikel. Mir ist es egal, wie die Leute unsere Musik nennen. Ich interessiere mich nicht für musikalische Schubladen.Wie reagieren die frühen Fans auf so eine Entwicklung?Natürlich gibt es Jungs und Mädels, gerade die jüngeren Kids, die durch LOIKAEMIE, BROILERS und Co. zu dieser ganzen Oi!-Punk-Sache gekommen sind, für die das alles nichts mehr ist, es muss alles viel härter sein und noch ein bisschen mehr "anti". Das müssen und können wir akzeptieren. Dann gibt es aber wieder die Menschen, die schon ein bisschen länger dabei sind, die schon viele Jahre mit uns gehen, die richtig gut auf die neue Scheibe feiern. Das macht uns sehr glücklich. Wenn man einmal verdaut hat, dass wir unseren eigenen Kopf haben, kann einem "Vanitas" auch als "True to the core"-Punkrocker oder Skinhead gefallen.Sammy, seit geraumer Zeit bist du ja der Grafik-Meister. Wie gehst du an die Gestaltung eines Plattencovers heran, wovon lässt du dich inspirieren, wer sind deine Vorbilder?Aus der Not, 1996 ein Plattecover für unsere erste Single zu machen, bin ich zu meinem Beruf gekommen. Ich denke den ganzen Tag über Design, Typografie und Musik nach, eine unheilige Kombination. Alles, was ich wahrnehme, inspiriert mich. Ich kann soviel sagen, etwas für sich selbst beziehungsweise die eigene Band zu gestalten ist mit Abstand der schwierigste Job. Nichts ist gut genug. Und am Ende ist es doch alles Scheiße.
 
[[Issue]]

BROILERS - Neue Wege

Ende März, der Frühling macht auf Sommer, Sammy Amara und ich sitzen auf einer Laderampe in einem Düsseldorfer Gewerbehof, wo der BROILERS-Frontmann sein Grafikbüro hat, und trinken Kaffee in der Sonne. Sammys kleiner Hund Emma bewacht uns, verjagt mit lautem Gebell die großen Hunde der anderen Mieter, und es ist ein perfekter Nachmittag, um über das neue Album zu plaudern, das zu diesem Zeitpunkt noch zwei Monate von seinem Release entfernt ist, das kaum jemand außerhalb des engen Zirkels von Freunden, Familie und Label gehört hat. „Santa Muerte“, das ab dem 10.06. zu haben ist, erscheint einerseits wieder auf People Like You, andererseits ist vieles neu: der Sound der Band hat sich gewandelt, um die geschäftlichen Dinge kümmert sich JKP, das Label und Management der TOTEN HOSEN, deren Wege sich in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach mit denen der BROILERS kreuzten. Es herrscht Aufbruchstimmung, Sammy und seine Band sind euphorisch und unsicher zugleich, sind gespannt darauf, welche Reaktionen „Santa Muerte“ hervorrufen wird, wohin das Album die Band führt.Sammy, Amara ist der Name einer Stadt im Irak. Gibt es da eine familiäre Verbindung oder woher kommt dein Nachname?So genau beantworten kann ich die Frage nicht, mein Vater hat die Geschichte seiner Familie nicht so weit zurückverfolgt. Aber mein Vater stammt aus dem Irak, wurde in Bagdad geboren. Das Wort Amara hat aber auch einen lateinischen Stamm, „amaro“ heißt bitter, „amara“ ist die weibliche Form, und es gibt auch in Bulgarien, Italien oder Spanien Orte, die Amara heißen. Das wollte ich eigentlich schon längst mal im Detail recherchieren.Wie kam dein Vater nach Deutschland?Mein Vater ist in sehr jungen Jahren von zu Hause weg und kam dann in den Sechzigern nach einem Studium in der Türkei nach Deutschland. Hier machte er seinen Doktor und ist hiergeblieben. Er lernte dann meine Mutter kennen, die als Sekretärin in einem Möbelhaus arbeitete, und „entführte“ sie dann vom Schreibtisch weg, haha.Eine Migrantenkarriere also, wie sie sich die CDU wünscht: Die nützlichen, gebildeten Ausländer dürfen gerne zu uns kommen.Ja, genau, das entspricht dem Bild des erwünschten Ausländers. Wobei ich das dann natürlich wieder verwässert habe als Skinhead, Punk, was auch immer, haha. Und auch wenn ich hier geboren bin, erlebe ich ja immer noch kuriose Sachen, etwa dass ich für meine gute Aussprache des Deutschen gelobt werde: „Sie haben sich hier aber gut eingelebt!“ Und das bekommt man dann in schlimmstem Sächsisch gesagt ...Wie gehst du mit diesem Thema um, mit dem du ja ungewollt immer wieder konfrontiert wirst?Es ist okay, darüber zu reden, in einer Zeit, da dieser unsägliche, schielende Sarrazin auf die Bildfläche getreten ist. Infolgedessen kommt das Thema auch wieder mehr in Interviews vor. Ich bin aber durchaus genervt von der Debatte, frage mich, was ich damit zu tun habe. Ich bin 1979 in diesem Land geboren, nach meinem Selbstverständnis bin ich kein Migrant, ich beherrsche die deutsche Sprache sehr gut und mag sie. Dass ich so einen „Migrationshintergrund“ habe, fällt mir immer nur dann auf, wenn mich Leute darauf ansprechen. Immerhin, solche Fragen sind in den letzten Jahren wesentlich weniger geworden. In meiner Kindheit sah das noch ganz anders aus.Du bist in Düsseldorf aufgewachsen?Ja, in Hellerhof, direkt neben Garath, da gab es zwei Seiten, die Maroks und die Faschos, da bekam man schon zu spüren, dass man zwischen den Stühlen saß. Aber ich bin froh, dass ich nicht in Bayern aufwachsen musste, ich denke, das wäre noch eine Nummer härter gewesen, mit dem Background, in Lederhosen ...Sprichst du die Sprache deines Vaters?Arabisch? Nee, und auch sein Arabisch ist mittlerweile recht verwaschen, da sind viele deutsche Wörter drin. Mein Vater war auch schon ewig nicht mehr im Irak, das wurde irgendwann zu riskant, das tut er sich nicht mehr an. Ich selbst war nur einmal als Kind da, vor vielen Jahren, und würde mir dieses Land schon gerne mal anschauen, wobei ich an sich keinen richtigen Bezug dazu habe. Ich wurde auch völlig „westlich“ erzogen, wurde evangelisch getauft. Mit erwachsenen Augen würde ich Bagdad dennoch gerne noch mal sehen, ich kann mich nur erinnern, dass ich das als Kind gruselig und beeindruckend zugleich fand. All die fremden Menschen, meine Oma, diese großen leeren Wohnräume, in denen man auf dem Boden sitzt ... Wobei die Familie dort auch recht westlich ist, da gab es einen riesigen, langen Esstisch, und Kopftuch wurde nicht getragen. Ich will jetzt nichts Falsches sagen, aber Kopftuch tragen auch im Irak nicht die Großstädter, das ist schon eher „bauernartig“.Machen wir mal einen Sprung von dir zur Band, wobei auch die etwas mit Identität zu tun hat. Wo seht ihr euch heute, mit euren Wurzeln in all diesen Subkulturen?Im Scherz sagen wir immer „BROILERS – bringing the kanak back into Oi!“. Wir bilden optisch wie musikalisch eine Schnittmenge. Optisch fanden wir schon immer „hard & smart“ cool, also sich gut und stilvoll zu kleiden, auf den kleinen Unterschied zwischen regulärer Kleidung und echt guter Kleidung zu achten. Style eben. Diese Feinheiten, diese Kontraste sind für mich in meinem ganzen Leben sehr wichtig. Ich finde es cool, einen Anzug zu tragen, darunter aber tätowiert zu sein – auf so was stehe ich. Das coolste Styling ist aber immer dann hinfällig und sinnlos, wenn nichts dahinter steckt.Dazu passt, dass du als Grafikdesigner arbeitest.Klar, unser Design ist uns sehr wichtig und entspricht sicher nicht dem, was man mit dem zeitgenössischen Punkrock verbindet. Wir waren in unserem Stil den anderen immer etwas voraus, und gleichzeitig kann man ohne Wissen um den Bezug der BROILERS zu Punkrock von der Optik nicht zwingend darauf schließen – speziell auch beim neuen Album. Das Optische verbindet uns bei den BROILERS also, genau wie unsere musikalische Sozialisation, die sehr ähnlich ist. Wir haben bis heute Bands, die wir gemeinsam geil finden.SOCIAL DISTORTION?Die sind heute nicht mehr so wichtig, wie sie es mal waren. Klar, Mike Ness hat mich optisch, was man ja unschwer erkennen kann, sehr beeinflusst, wobei der das auch nicht erfunden hat, sondern der Latino-Mafia-Ästhetik entlehnt hat. Das war für mich eine dankbare Inspirationsquelle. Deshalb also sind SOCIAL DISTORTION ein gemeinsamer Nenner unserer Band. Dann natürlich THE CLASH, und Bruce Springsteen ist in letzter Zeit für uns wichtig geworden, das ergab sich so während unserer Weinproben.... Weinproben?!Ja, gemeinsam Wein trinken und dabei proben. Irgendwann legen wir Instrumente weg, trinken Wein, und dann gehen die Finger auf dem iPod immer auf Springsteen.Aber wie ging es so richtig los, was hat dich als Teenie optisch wie musikalisch angesprochen, als du in den frühen Neunzigern auf Punkrock & Co. gestoßen bist?Punkrock trat dadurch in mein Leben, dass ich durch einen Zufall an die „Learning English“-Platte der TOTEN HOSEN kam, diese Coversong-Platte. Ich fing dann an, die Originale zu kaufen, stieß auf die SEX PISTOLS, und das war mein Ding. Ich besorgte mir diverse Bildbände und Songbücher, und Sid Vicious war einfach eine geile Sau, wobei meine Idealvorstellung eine Mischung aus Sid Vicious und Johnny Rotten war. Das hat mich mit zwölf, 13, 14 total gekickt, und entsprechend lief ich in Bondagehosen und Creepers rum. Durch Punk kam ich dann zu JRE, Jugend gegen Rassismus in Europa, eine in den Neunzigern aktive antifaschistische Jugendorganisation, und Antifa, was mir aber optisch irgendwie zu „zeckig“ wurde, das ging für mein Empfinden gar nicht, das war mehr Hippie als Punk. Das war mir alles zu weich, bei JRE waren das Leute, die weggerannt sind, wenn die Nazis kamen, anstatt sich zu wehren, und bei der Gelegenheit lernte ich Glatzen kennen, die ganz traditionell unterwegs waren, also Oi!-Skins und SHARP!-Skins. Da merkten wir, dass das ein Outfit war, vor dem die Leute Angst hatten, und wir hatten davor ja selbst Angst. Deshalb war es interessant für uns, denn es war für uns Jugendliche ja wichtig, zu provozieren und zu schockieren. Mit Punk ging das irgendwann nicht mehr, da war die Reaktion irgendwann eher „Ach, süß!“. Als 15-jähriger Skinhead machte man aber natürlich auch niemandem richtig Angst, haha.Wir reden da von der Zeit Mitte der Neunziger, als Punk durch den großen Erfolg von GREEN DAY, OFFSPRING & Co. salonfähig wurde. Andererseits war das kurz nach der Wiedervereinigung mit den diversen rassistischen Vorfällen wie jenen in Rostock, Mölln und Solingen.Genau, und da konnte man mit dem Glatzenlook hervorragend auffallen. Dabei war uns wichtig, das Statement zu machen, dass wir echte, traditionelle Skinheads sind, um uns von den Nazis abzusetzen. Dass das nicht jeder Außenstehende kapiert hat, war nicht so wichtig, denn wir wussten das ja.Und wie funktionierte das mit dem Skinheadsein und dir als „Halbkanake“?Haha, ganz schlecht. Ich bekam von den Faschos und von den Kanaken aufs Maul. Andi, unser Schlagzeuger, sagte neulich, dass er es einerseits bedauere, nicht vorne auf der Bühne zu stehen, er mich andererseits aber nicht darum beneide, da vorne aufs Maul zu bekommen. Ich war eben immer schon der „Kopf“ in der Band und habe entsprechend drauf bekommen. Meinen Vater machte diese Skinheadsache damals übrigens sehr wütend, „die“ Skinheads waren ja überall in den Medien.Dem fehlte also das popkulturelle Verständnis dafür, was du da machst.Vollkommen, natürlich! Ich habe zwar versucht, meinen Eltern die Unterschiede zwischen solchen und solchen Skinheads klarzumachen, aber das hat ja keiner verstanden. Aber mit 15, 16 willst du die Eltern ja auch provozieren, und so war das gut, wie es war.Dann machen wir an dieser Stelle doch mal einen gewaltigen Sprung nach vorne: Mit der neuen Platte „Santa Muerte“ ärgert man die Eltern nicht mehr.Meine Mutter ist totaler Fan der Band, hat mir aber auch hartes Feedback zum neuen Longplayer gegeben. Sie bat mich darum, dass ich ihr die Songs schicke, und nach ein paar Tagen rief sie mich an und sagte: „Du weißt ja, dass ich stolz auf dich bin, aber ... die Platte ist Wasser auf die Mühlen all jener, die euch ankreiden, ihr wäret nicht mehr hart genug. Die verstehen die Texte doch gar nicht, die du singst.“ Ich antwortete: „Das ist mir egal, für die schreibe ich die Texte ja auch gar nicht. Die Leute, die Bock auf uns haben, erarbeiten sich die Texte. Die Wixer, die rummeckern, die hätten wir auch mit einer Hardcore-Platte nicht mehr bekommen.“Wie kommt deine Mutter zu dieser Einschätzung?Ich singe eben manchmal ... um die Ecke. Zwischen den Zeilen steht die ganze Wahrheit, aber du kannst natürlich auch immer alles direkt frei heraus sagen, voll in die Fresse. Mir macht Letzteres aber keinen Spaß. Das ist jetzt kein Zitat, aber so als Beispiel singe ich statt „Ich töte dich, du Wixer!“ lieber „Trete doch vor deinen Schöpfer“. So was finde ich charmanter, und ich mag generell lieber Bands, die es schaffen, ganz geschickt durch die Blume etwas zu sagen. So ist das auch mit Büchern und Filmen, es sind für mich die kleinen Details, die etwas interessant machen. Aber wie findest du das neue Album denn?Ich kenne es erst seit ein paar Tagen, und ich war schon überrascht, weil es deutlich anders ist als die bisherigen.Uns ist es nicht mehr möglich, das Album zu bewerten, wir stecken da so tief drin, uns fehlt der Abstand. Und in den vier Jahren , die seit dem letzten Album vergangen sind, haben wir uns ja ganz allmählich verändert, haben zig Gigs gespielt, während du jetzt nur das Ergebnis dieser Veränderung in Form des Albums hörst. Ich bin deshalb sehr gespannt auf die Reaktionen auf das neue Album. Wie empfindest du die Platte?Als weich, melodiös und zugänglich – was alles keine negativen Attribute sind. Im Vergleich zu „Vanitas“, und natürlich den älteren Sachen, ist da nichts mehr räudig und köterig. Wie denkst du, dass jemand, der die BROILERS durch das neue Album kennen lernt, auf eure alten Platten reagiert?Dem wird auffallen, wie extrem sich der Gesang verändert hat. Meine Stimme hat sich mit jedem Album verändert, und das wird auffallen, vielleicht auch missfallen. Früher habe ich, so war das eben in der Bomberjackenzeit, richtig gegrölt, ins Mikro gekotzt, gebellt, das musste ja hart klingen. Das war wichtig, das war ein Stilmittel der neueren Oi!-Musik. Dazu kam, und das war eine ungeheuer furchtbare Kombination, dass ich irgendwann anfing, Sänger wie Nick 13 von TIGER ARMY gut zu finden, der exakt das Gegenteil von Grölen macht. Und diese Mischung war schrecklich, da war zwischen dem Grölen und Rülpsen auch mal ein Jaulen drin, ganz furchtbar. Eine einzigartige, aber nicht gerade herausragende Art zu singen ... Das war 2004 bei „LoFi“ – für mich die Art zu singen, die mir bei mir am wenigsten gefällt.Und warum hast du das gemacht?Das schlich sich so ein im Proberaum, ich habe da unbewusst irgendwas, was man hörte, übernommen. So allmählich kam es auch, dass ich aufhörte zu grölen, denn wir spielten zunehmend richtige Touren und nicht nur einzelne Konzerte, und wenn man jeden Abend grölen soll, dann fickst du deine Stimme. Das richtige Grölen kann man zwar lernen, ich beherrsche es aber nicht. So wurde immer weniger gegrölt, und dazu kam, dass ich Mitte des letzten Jahrzehnts begann, zu Hause auf der Akustikgitarre Lieder zu schreiben. Zu Hause konnte ich nicht brüllen, also präsentierte ich die Lieder auch so im Proberaum. Die Songs waren also von Anfang an anders ausgelegt. 2007 merkte man diese neue Art zu singen schon auf „Vanitas“, und jetzt, 2011, ist da eben meine Stimme zu hören, so wie ich eben singe. Das ist ein Selbstfindungsprozess und es hat mich selbst erschrocken, wie jung ich auf der neuen Platte klinge. Das liegt daran, dass ich versucht habe, verständlicher zu singen, legte die Lieder also höher an, und so kam eines zum anderen.Und du bist zufrieden?Ja, eigentlich schon. Und vor allem kann ich so auch längere Touren durchstehen.Das klingt nicht ganz überzeugt, sondern eher wie eine Einsicht aus Vernunft, weil es eben hilfreicher ist so zu singen.Es hat eben lange gebraucht, bis ich mich getraut habe, meine Stimme so zu zeigen, wie sie ist.Womit wir wieder beim Thema Identität sind.Klar, damit hat das was zu tun, wie auch das Grölen früher. Es war früher eben wichtig als Skinhead-Band, dass man hart ist. Ich habe mich mit 15 Jahren noch nicht getraut, der zu sein, der ich bin. Bis zur Selbstfindung hat es lange gedauert, aber der auf „Santa Muerte“, das bin jetzt ich. Ich kam in den letzten Monaten auch schon mal aus dem Proberaum und dachte mir „Wäre schön, wenn wir jetzt noch ein richtig hartes Lied hätten“, aber da wurde nichts daraus, es hat sich nichts ergeben, es hat sich nichts, was wir probierten, „echt“ angefühlt.Ist diese Einschätzung Konsens in der Band, oder hat das der Sänger und Bandboss entschieden?Mein Art zu singen wurde nicht in Frage gestellt, das bin ich, da kann mir keiner reinreden. Wenn es um politische Texte geht, dann sprechen wir darüber, ob die anderen das Thema so sehen wie ich, und dann wird auch mal diskutiert. Meine Songs stelle ich der Band vor, wir probieren dann aus, was funktioniert und was nicht. Wir hatten diesmal auch zwei, drei harte Songs mit ins Studio genommen, aber das Endresultat fühlte sich nicht gut an. Wir haben über jeden der 18 aufgenommenen Songs abgestimmt, und die Songs, die hart waren, landeten unten in der Liste, weshalb wir sie nicht aufs Album genommen haben. Wir haben das also ausgiebig diskutiert, Andi etwa will wie die DROPKICK MURPHYS auf jedem Album einen Hardcore-Song haben, doch mich stört das bei den Murphys total, das wirkt gezwungen, kalkuliert. Bei AGAINST ME! fiel mir das auch auf, und dieser Song von „White Crosses“ wurde auch noch die erste Single. Ich liebe AGAINST ME!, und die haben ganz klar das Problem, dass sie aus ihrem Szene-Background nicht rauskommen, obwohl sie das wollen. Man merkt Tom Gabel total an, dass die Nerven blank liegen, bei allem, was er sagt. Bei jedem Interview kann man herauslesen, wie unwohl er sich fühlt, wie unsicher: Das ist sein Background, da kommt er her, die alten Fans will er zufrieden stellen, doch mit dem Majordeal – der sich mittlerweile erledigt hat – stellt er das Gegenteil dar von dem, was er einst gesungen hat. Schwierig, schwierig ...GASLIGHT ANTHEM sind ein ähnliches Ding.Ja, aber die haben keinen Background. Der Sänger ist zugetackert, das ist alles, sonst würden die auch nicht solche Reaktionen hervorrufen.Ich erwähne die auch deshalb, weil du Bruce Springsteen angesprochen hast. Ich mag den schon ewig, aber lange Zeit durfte man das als Punk- und Hardcore-Fan nicht zugeben, weil der seit dem missverstandenen Hit „Born in the USA“ als konservativer Mainstream galt.Mich nervt total, wie jetzt jeder Springsteen gut findet! Zugegeben, ich habe den auch spät für mich entdeckt, aber noch vor den Typen von GASLIGHT ANTHEM. Als Punk ging Springsteen gar nicht, und ja, auch ich habe „Born in the USA“ missverstanden, weil ich nie auf den Text gehört habe. Irgendwann habe ich die Platte mit vielen anderen von meiner Nachbarin „vererbt“ bekommen und sie intensiv gehört, auch „No surrender“, und gemerkt, wie Punk das eigentlich ist. Und dann habe ich mir nach und nach seine anderen Platten gekauft.Man muss auch sehen, dass er ein großer Fan von SUICIDE ist, oder seine Verbindung zu Patti Smith. Den kann man als Punk schon gut finden.Auch seine Konzerte sind genial, und ehrlich, außer bei THE CLASH empfinde ich bei keiner anderen Musik solche Glücksgefühle wie bei Springsteen. Unter meinen zehn Inselplatten ist Springsteen also dabei.Mit solch einem Musikgeschmack und der neuen Platte wird das mit den BROILERS, so wie ich das sehe, nichts mehr mit neuen Fans aus dem Deutschrock-Lager ...Das will ich auch gar nicht! Sowieso ist dieses „Deutschrock“-Ding eine für mich völlig unverständliche neue Szene, die sich gebildet hat mit dem Konsens „Musik ist Musik, Politik ist Politik“, „Erst saufen wir zusammen, danach hau ich dich tot“. Dieses völlig wertfreie Annehmen von allem Möglichen, das ist mir völlig unverständlich. Das führt zu YouTube-Playlisten bestehend aus BETONTOD, WIZO, KATEGORIE C, irgendeine andere Fascho-Band und noch die Klassiker.Darf ich das so schreiben?Ja natürlich! Das ist für mich eine Mischung, die nicht geht! Du kannst WIZO nicht mit KATEGORIE C verknüpfen. Das sind beides Bands, die bewusst für etwas stehen.Auf irgendwelchen Festivals, ich denke da an die einschlägigen Onkelz-Tribut-Festivals, spielen heute all solche Bands munter nebeneinander.Ja, und das finde ich nicht gut. Zugegeben, wir haben diese EL-Rocknacht auch mal ausprobiert und sind uns jetzt sicher, dass das nichts für uns ist. Wir haben es 15 Jahre ohne diese Szene geschafft, also brauchen wir die auch jetzt nicht. Die Leute, die was im Kopf und Bock auf die BROILERS haben, die hören uns, und wenn jetzt jemand, weil ich sage, dass ich keinen Bock auf Deutschrock habe, keinen Bock mehr auf uns hat, gut, damit kann ich umgehen. Mich stimmt es einfach traurig, wenn ich Punkbands sehe, die jahrelang hart gearbeitet haben und jetzt plötzlich umsatteln, ihre Musikrichtung umbenennen, nur um vielleicht etwas vom Kuchen abzubekommen.Plötzlich macht da eine ehemalige Punkband vom Niederrhein große Heckscheibenaufkleber, gibt sich eine andere Optik, und du weißt genau, wo sie hinwollen.Das ist Scheiße, das tut mir in der Seele weh, das ist nicht gut. Aber klar, das gigantische Vakuum, das die Onkelz hinterlassen haben, das will gefüllt werden und es wird gefüllt. Deshalb bin ich sauer auf die Onkelz, die hätten niemals aufhören dürfen, haha.Du warst nie Fan?Nein, ich war immer Fan der Gegenseite, der TOTEN HOSEN. Ich konnte mit den Onkelz nie was anfangen. Damit hat man sich bei uns in Düsseldorf-Süd klar positioniert: Du hörst Onkelz, dann parkst du dein Auto an der Tankstelle und bist Hooligan- und/oder Fascho-mäßig unterwegs. Oder du bist Hosen-Fan, oder ÄRZTE-Fan – die waren bei uns aber nicht so wichtig –, dann standest du auf der anderen Seite, warst Punker, Hippie, irgendsowas. Dann warst du nicht so hart wie die anderen Jungs, konntest nicht so gut boxen, aber so war das damals. Was die Onkelz als Band erreicht haben, das ist beachtlich, doch was sie hinterlassen haben, das macht mich sauer.Dennoch ...... gibt es eine Schnittmenge, was die Fans betrifft, ich weiß. Ich weiß aber auch nicht, wie klar meine Ansagen noch werden müssen, dass ich keine Faschos auf unseren Konzerten will. Warum kommen ein paar von denen dennoch? Ich kapiere das nicht.Wenn man sich mal in den diversen Foren umschaut, ist es bestimmten Leuten aus dem rechten Lager egal, dass die Bands, zu deren Konzerten sie gehen, sich klar gegen Nazis aussprechen. Die scheinen einfach wertfrei den Event als solchen zu „genießen“, die gehen auch zu ANTI-FLAG oder RISE AGAINST.Ich verstehe es trotzdem nicht. Die gehen zu RISE AGAINST, aber warum? Ich gehe doch nicht dahin, wo ich mich beschimpfen lassen muss! Wäre ich Fascho, ich wäre konsequenter.Vielleicht sind das ja auch keine „richtigen“ Faschos, sondern Leute, die nicht wissen, wo sie eigentlich hingehören?Wenn Leute taumeln und schon anfangen zu denken, dass sie eigentlich nicht ins Lager der Rechten gehören, dann darf man die nicht zurückweisen, finde ich, dann müssen Freunde mit denen sprechen, und sie lange auf Herz und Nieren prüfen. Meine Aufgabe kann das nicht sein, ich kann den Leuten immer nur vor den Kopf gucken. Solchen Leuten darf man die Tür nicht vor der Nase zustoßen, denn aus vielen Menschen mit so einem Background ist doch noch was Gutes geworden. Es darf jedoch nie ein leichtfertiges „Herzlich willkommen, dann machst du jetzt bei uns mit“ sein. Den Wechsel der Lager muss man sich durchaus erarbeiten.In „Schwarz grau weiß“ von „Santa Muerte“ geht es um eine ähnliche Thematik.Eigentlich geht es da um Patriotismus, ein Phänomen, das ich nicht nachvollziehen kann. Woran das liegt? Vielleicht daran, dass meine Wurzeln so „verwaschen“ sind ... Stolz ist ja per se nichts Schlechtes, man kann stolz sein auf das, was man erreicht hat, auf seine Freunde, auf Dinge und Personen, die einem wirklich nahe sind. Aber auf den Zufall, auf das Land, in dem du zufällig geboren wurdest? Das kann ich nicht nachvollziehen. Zudem resultieren aus der Verbundenheit zu einem Land ja so viele schlechte Sachen, wie auch aus übertrieben gelebtem Glauben. Aus Religion und Nation entstehen immer wieder Kriege! Das ist für mich nicht nachvollziehbar, genau wie auch die Fußballweltmeisterschaft 2006, die hat bei mir auch ganz gemischte Gefühle ausgelöst: Einerseits war es schön, so viele glückliche Menschen Arm in Arm zu sehen, andererseits aber nervte dieses ganze Fahnengewedel und die daraus resultierende Freude der Konservativen, die da Morgenluft witterten. Das hat meiner Meinung nach die Tore geöffnet für eine Debatte wie die von und um Sarrazin, so was macht mir Angst, denn ich befürchte, dass mit dem „richtigen“ charismatischen Mann – oder Frau – ein extrem hohes Potenzial existiert, in diesem Land etwas sehr Schlechtes anzurichten, gesteuert von der Bild-Zeitung. Meine Horrorvorstellung ist, dass in 15 Jahren Xavier Naidoo für die CSU kandidiert und einen extremen Rechtsruck in die Gesellschaft bringt. Da wird konservativ nicht mehr mit blond und blauäugig verbunden, sondern mit einem Migranten, der äußerst konservativ und als knüppelharter Christ auftritt. Die neue Rechte wird ganz anders sein, als wir sie uns vorstellen – die hört HipHop und R&B. Du erwähntest mehrfach die frühe Prägung durch DIE TOTEN HOSEN, und mit eurem Management-Deal mit der Hosen-eigenen Firma JKP schließt sich jetzt der Kreis, zudem du ja als Grafiker schon seit einer ganzen Weile auch für JKP arbeitest. Auch habt ihr mehrfach im Vorprogramm der Hosen gespielt, und jetzt, in der Kombination von JKP einerseits und eurem bewährten Label People Like You andererseits, tun sich neue Möglichkeiten auf. Welche – und wie kam es zu?Es gibt die Möglichkeit, einige Fehler, die die Hosen gemacht haben, nicht zu machen, Fettnäpfchen zu umschiffen, denn die Bands sind sich in manchen Aspekten nicht unähnlich, haben aber andererseits einen anderen Background. Die Hosen haben mit JKP sehr gute Kontakte und gute Leute, die für sie arbeiten, und davon können wir als Band profitieren, auch wenn wir eigentlich schon recht stark sind und es auch alleine recht weit gebracht haben.Nun setzt sich eine Firma wie JKP nicht für die erstbeste dahergelaufene Band ein, sondern überlegt sicher ganz genau, mit wem sie sich da einlässt. Was sehen die in euch, warum glauben die an euch? Und was wollt ihr eigentlich – den großen Durchbruch?Letztlich musste das einfach sein. Ich bin zu jung für einen Herzinfarkt, und da ich in der Vergangenheit extrem viel an Bandangelegenheiten geregelt habe, ging das einfach von der Arbeitsbelastung her nicht mehr, da musste professionelle Hilfe her. Die Arbeit wurde in den letzten Jahren immer mehr – ich brauche jemand, der mir Arbeit abnimmt. D.I.Y. ist gut und wichtig, das werden wir weiterhin leben, nur hilft uns jetzt jemand dabei. Wie es zu der Zusammenarbeit kam? Die Hosen haben unsere DVD gesehen, diese Bandstory, und wir haben alte Aufnahmen von denen gesehen, und da fiel uns auf, wie ähnlich wir uns sind. Es sind beides Punkbands, die die gleiche Scheiße hinter sich haben, und wenn man mal etwas hinter die Kulissen schaut bei den Hosen, stellt man fest, wie viel mehr Punk die eigentlich sind als so manch andere Band, die das für sich beansprucht. Das ist ein unglaublich geiler Haufen alter Freunde, da sind viele Leute dabei, die schon 1982 mit denen rumhingen. Deshalb denke ich, dass wir mit JKP die absolut richtige Entscheidung getroffen haben, und ich sehe eine blühende Zukunft vor uns.Karriere Rockstar?Dahin ist es noch ein weiter Weg, aber wenn man es schafft, nach außen hin „Rockstar“ zu werden und nach innen hin der gleiche Typ zu bleiben, dann ist daran nichts auszusetzen. Ich habe da Bock drauf, wir alle haben schon immer Musik gemacht, um gehört zu werden. Wenn man es schafft, die breite Masse zu erreichen und dabei das, was man denkt, mitzuteilen und sogar noch ein paar Leute zum Nachdenken bringt, dann hat man das Medium Musik ideal genutzt. Ich will nicht sinnentleert irgendwas in die Gegend trällern, sondern das loswerden, was mich berührt, das ist ja auch Therapie für mich. Und man sollte den Leuten zudem eine Alternative bieten zu anderen Bands, die derzeit so rumkrauchen – wenn du weißt, was ich meine ...Oh ja, ich mag schlechte norditalienische Rock-Bands auch nicht. Doch lass uns noch mal über die Entstehung des Albums reden: Bislang waren die Aufnahmen allein eure Sache, aber ich könnte mir vorstellen, dass das Management interessiert war, zu wissen, was ihr da so anstellt im Studio – und eine Meinung dazu hatte.Andere Meinungen höre ich mir gerne an, und wenn es eine Kontroverse gibt, diskutiere ich auch gerne. Ich habe aber eine sehr klare Vision von der Band, und ich bin es auch, der die Texte singen muss, nicht jemand vom Management oder dem Label. Entsprechend ist es nicht leicht bis unmöglich, uns bei unserem kreativen Prozess dazwischenzufunken. Wir machen das, was wir machen, schon sehr lange, ich kenne unsere Fans und weiß, wie die ticken, so dass ich mir sicher bin, dass wir den richtigen Weg gehen. Diese Vorstellung setzen wir eigentlich immer durch, auch wenn man schon mal Kopfschütteln dafür bekommt. Deshalb sind das 100% wir auf „Santa Muerte“, alles andere geht nicht. Das wussten aber alle, die sich mit uns eingelassen haben. In der Hinsicht sind wir ein alter, knochiger Opa, den kann man nicht mehr verbiegen. So ist das.Wie und wo habt ihr aufgenommen?Wir haben ein neues Studio probiert, das Principal Studio in Münster, wo die Hosen auch aufgenommen haben.Aha.Nein, nix aha. Andi und ich haben vor Jahren, als Kiddies mit unserer ersten Band, mal zum Spaß Prospekte von Studios bestellt. Auf unsere Briefe hat kein Studio reagiert, nur eines: die vom Principal Studio schickten so einen ganzen Ordner mit Infos, und uns war klar, da wollen wir mal aufnehmen. Wir haben uns dann im Vorfeld dieses Albums diverse Produktionen angehört, auch von den Hosen, und das gefiel uns alles sehr gut, so dass wir Kontakt aufnahmen. Wir nahmen ein Demo zur Probe auf, waren begeistert, und wussten, dass wir dort aufnehmen müssen, dass wir in unserem bisherigen Studio, wo wir die letzten 15 Jahre waren, nicht mehr arbeiten können. Wir brauchten den Abstand, wollten mal was Neues sehen. Letztlich war „Santa Muerte“ nach einem Monat konzentrierter Arbeit im Kasten, wir lebten in der Zeit im Studio, fuhren abends nicht nach Hause, waren also ganz fokussiert und konzentriert – ein sehr gutes Arbeiten. Vincent Sorg vom Principal Studio ist unser Produzent gewesen, wobei mir diese Vorstellung im Vorfeld durchaus Angst machte. „Produzent“, das hieß für mich, dass da einer sitzt, der alles entscheidet, als Aufpasser der Plattenfirma und des Managements, doch nach dem Demo und vielen Gesprächen war mir die Angst genommen. Letztlich kamen von Vincent viele gute Vorschläge, und die, die uns gefielen, haben wir angenommen. Ich muss sagen, dass ich vor dieser Art des Arbeitens mehr Angst hatte, als angemessen war. Man kann nicht sagen, uns habe irgendein Produzent versaut, das haben wir alles schön alleine geschafft, haha.
 
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BROILERS - Klare Kante

Das letzte BROILERS-Interview erschien im Juni 2011 in Ox #96, wurde geführt vor Erscheinen von „Santa Muerte“, jenem Album, das für die Düsseldorfer Band den erhofften Durchbruch brachte, inklusive Top-10-Charteinstieg. Wie ist es seitdem gelaufen, wie war 2012, was sind die Pläne für 2013? Ich traf mich an einem verregneten Montagabend Ende Oktober mit Frontmann Sammy Amara in einer Düsseldorfer Kneipe auf ein Glas Rotwein – und wie fast schon zu erwarten wurde aus dem geplanten kurzen Interview doch wieder ein langes ...Sammy, was hast du heute gemacht?Ich komme gerade von meinem Schreibtisch, vom Songs-Schreiben: Schreibtisch, Monitor, Notebook, Mikrofon am Stativ, Kopfhörer, Akustikgitarre. Eine Melodie habe ich schon, die spiele ich, überlege mir eine Textzeile, und wenn sie funktioniert, tippe ich die ins Notebook. Dann schwenke ich das Mikro ran, nehme das auf und höre mir es an.Das klingt ziemlich organisiert.Leider ist das nicht romantisch, nein. Ich sitze nicht im Schneidersitz auf dem Teppich, habe kein Glas Rotwein vor mir. Ich muss mich jetzt extrem auf neue Stücke konzentrieren, denn die Zeit läuft, Anfang November machen wir erste Vorproduktionen für das neue Album. Ich kann am besten unter Druck arbeiten, ich krieg den Arsch nicht hoch, wenn ich Zeit habe. Erst wenn es kurz vor knapp ist, setze ich mich hin, freue mich dann aber auch darauf, und muss dann in meinem Chaos so was wie einen Plan haben. Im Proberaum haben wir eine große Liste an die Wand gepinnt, da kann ich jetzt ein Kreuz machen, wenn ich was erledigt habe.Und du kannst planvoll kreativ sein? „Morgen ist Montag, da schreibe ich neue Songs“?In einer idealen Welt ja, aber in der Praxis nein. Ich setze mich hin und versuche es, und mal klappt’s, mal nicht – meistens nicht ... Ich kann nicht sagen, dass ich heute einen Song fertigmachen will, das klappt nicht, aber es ist ein gutes Gefühl, sich konzentriert zu haben und es zumindest versucht zu haben. Ich freue mich auch wirklich auf die Arbeit diese und nächste Woche.Wie sieht deine „Komfortzone“ aus, was muss stimmen, damit du gut arbeiten kannst?Ich habe große Schwierigkeiten, wirklich Ordnung zu halten, ich bin ziemlich chaotisch. Dabei mag ich es gerne ordentlich, ich bekomme das aber nur schlecht hin. Deshalb musste ich jetzt erst mal mein Arbeitszimmer so aufräumen, dass ich mich dort wohlfühlen kann. Mein Schreibtisch ist sehr groß, das dauert eine ganze Weile, bis der so unordentlich ist, dass ich nichts mehr finde – und dann fliegt alles runter.Und so hat man eine schöne Ausrede, sich vor der Arbeit zu drücken – so lange es nicht aufgeräumt ist, kann man ja nichts tun ...Du hast mich durchschaut. Leider ist es so, ich bin ja um Ausreden nie verlegen. Mich treibt dann immer das schlechte Gewissen, ich weiß ja, dass ich was tun muss. Außerdem bin ich nicht besonders entscheidungsfreudig, wenn es verschiedene Optionen gibt, dauert es lange. Wenn dann noch von außen auf mich eingeredet wird, etwa vom Label, macht es das alles nur noch schlimmer ... Dann werde ich trotzig und mache gar nichts.Ist der Druck größer geworden, nachdem das letzte Album den erwarteten Erfolg hatte?Das ist schon ein enormer Druck, aber du erwischst mich zu einer guten Zeit, denn ich freue mich aufs Studio und bin zuversichtlich, was die Songs betrifft. Wüsste ich nicht, dass unter den Demosongs, die wir jetzt aufnehmen, drei, vier Nummern sind, bei denen ich sicher bin, dass die funktionieren, wäre ich nicht so entspannt. Selbstbewusstsein würde ich das aber nicht nennen, das ist Selbstüberschätzung, haha. Ich glaube, jeder Mensch kann irgendwas, daraus ziehe ich mein Selbstbewusstsein. Dabei kann ich weder Gitarre spielen noch singen, aber ich glaube, wir haben als Band ein Händchen dafür, durch unsere Musik Gefühle zu erzeugen. Erstaunlicherweise sind wir jetzt – wir hätten das früher nie geglaubt – in gewisser Weise kommerziell erfolgreich. Punkbands haben nichts in den Charts zu suchen, und doch ist es passiert. Es ist schon bezeichnend dafür, wie am Arsch die Charts sind.Wir haben uns zuletzt Ende März 2011 unterhalten, da war das Album noch nicht raus, du hattest keine Ahnung, was passieren wird. Wie hat sich dann alles entwickelt?Ich war damals unsicher, was passiert, wusste nur, dass etwas passiert. Ich war mir unsicher, wie neue Fans auf uns reagieren, was die alten Fans sagen. Uns war klar, dass es einen Schritt nach vorne geht, aber wie groß würde der sein? Ich saß nach der Albumveröffentlichung hier in dieser Kneipe und dann kam der Anruf, dass wir auf Platz 3 sind, das war unglaublich. Damit hatte keiner gerechnet. Es ging ab da steil nach oben, es kamen mehr Leute zu Shows, die Shows wurden größer, und das Gefühl in der Band war besser als je zuvor, wir waren super eingespielt, locker und entspannt. Wir wussten, dass wir genau das machen können, was wir wollen, und die Leute genau das geil finden. Das hat uns eine enorme Sicherheit gegeben. Das Album war ja ein logischer Schritt, wir haben uns ja von Album zum Album weiterentwickelt – und vielleicht gibt es ja auch mal ein Album, das wieder einen Schritt zurück geht, härter und rauher ist. Auch das fände ich geil.Sind die BROILERS und ihr Erfolg Teil von ... irgendwas? Deutschsprachige Rockmusik verkauft sich in den letzten Jahren zunehmend besser. Bands mit einer gewissen „Streetcredibility“, die früher nie in Chartregionen hätten vorstoßen können, sind jetzt dort vertreten.Ich merke so was immer in „Schnapsmomenten“ auf Festivals. Wir spielen mittlerweile recht viele größere Festivals, bei denen viele verschiedene Musikrichtungen zusammen kommen, was ich schon immer gut fand. Bei einem Festival wie dem „Endless Summer“ ist im Prinzip klar, dass man gut ankommt, dass man genauso tickt wie das Publikum. Da hängt man dann mit befreundeten Bands wie LOIKAEMIE oder VOLXSTURM rum. Mittlerweile ist es aber auch bei den großen Festivals so – denk an RISE AGAINST als Co-Headliner bei Rock am Ring –, dass da viele Bands aus „unserem“ Kontext spielen, dass Leute wie Thees Uhlmann, Casper, KRAFTKLUB und BROILERS zusammen am Start sind, um eine Alternative zu dem ganzen konservativen Scheiß aufzuzeigen, der, wie wir wissen, immer populärer wird.Weniger schön ist, dass Bands wie KRAWALLBRÜDER und FREI.WILD so einen Höhenflug haben. Im Kern sind die in der gleichen Szene wie ihr verwurzelt – ihr aus dem schöneren Teil, die aus dem hässlicheren. Wie schwer ist es, da im Einzelfall „klare Kante“ zu bewahren, wenn die auch auf die großen Festivals gebucht werden?Bei KRAWALLBRÜDER habe ich den Werdegang zu wenig verfolgt, würde sie aber nicht zwingend in dieser Ecke vermuten. Ebenso bin ich in dieser Deutschrock-Szene nicht drin, stelle aber fest, dass diese „Neue Rechte“ sich in jüngster Vergangenheit gefährlich zahm und fromm gibt. Rechtskonservativ zu sein ist gerade wohl einfach angesagt bei manchen Jugendlichen, und mir macht das Angst. Vielleicht ist das ja eine Reaktion der Kids auf liberale Eltern? Ich finde es ebenfalls auf keinen Fall gut, dass die alten Säcke, die im Musikgeschäft das Sagen haben und eigentlich liberal sind, auf diese Weise und mit solchen Bands Geld verdienen, in dem sie solche Bands buchen oder unter Vertrag nehmen. Das finde ich extrem verwerflich, das ist ekelhaft.Im Falle von FREI.WILD sind da Leute im Geschäft, die einst schon mit den BÖHSEN ONKELZ Geld verdient haben.Die Onkelz selbst, das muss man sagen, waren nach ihrer Skinheadphase nie so heftig konservativ unterwegs wie jetzt diese Südtiroler, das kann man nicht vergleichen. Vielleicht müssen die Leute links von der Mitte wieder „gefährlicher“ werden, klarere Ansagen machen! Das ist mir alles zu hippiemäßig geworden, und Kids haben eben keinen Bock auf Schneidersitzhippies. Ich habe Angst, dass durch diffuse Instrumentalisierung, zum Beispiel dieser italienischen Band, schleichend und leise rechte Werte unter das Volk und die Jugend gebracht werden. Da wird so lange so viel zwischen die Zeilen gepresst, bis sich das Ganze verselbständigt und irgendwann wirklich gefährlich wird.Du meinst, dass es scheinbar selbstverständlich ist, dass so eine Band wie FREI.WILD in den Charts sein kann?Ja, oder wenn Hip-Hopper patriotische Lieder singen, da rollen sich mir die Fußnägel auf. Ich verstehe das nicht, das ist Scheiße. Rockmusik war für mich immer anti, nicht konservativ, eben nicht dem bayerischen CSU-Mainstream entsprechend und ich erwarte, dass Undergroundszenen wie Punk, Metal oder Hip-Hop diesen Anspruch wahren.Inwiefern zeigt ihr eurem Publikum mit klaren Ansagen, wofür ihr steht? Wie wichtig ist es euch, bei allem Spaß auch eine bestimmte Haltung zu vermitteln?Das ist uns sehr wichtig. Das fängt für mich schon damit an, dass wir bestimmte Coversongs spielen, auf alte Reggaemusiker verweisen, Sachen wie MADNESS oder Desmond Dekker. Das reicht aber nicht, deshalb gibt es auch klare Ansagen und hinterher den Song „An all den Schmutz“, aber ich weiß auch, dass sich gewisse Leute dann am liebsten mit dem Rücken zur Bühne stellen würden, um danach weiterzupogen. Darüber kann man schon verzweifeln, ich weiß ja, dass diese Leute leider überall sind, die sind auch mal bei den BRIGGS im Düsseldorfer AK47, die sind bei den TOTEN HOSEN, den ÄRZTEN, den BEATSTEAKS, bei SLIME. Das, was im Köpfchen ist, steht eben auf keiner Stirn. Ich weiß echt nicht, was man als Band da noch tun kann. Wenn wir bei Facebook schreiben, dass man uns nach dem Festivalauftritt am Stand der „Kein Bock auf Nazis“-Initiative zur Autogrammstunde treffen kann, dann finden das die allermeisten Fans cool. Irgendeiner schreibt aber „Schwul!“, und das wiederum liken ein paar andere, was uns die Gelegenheit gibt, uns deren Profile, Freunde und Likes anzuschauen und siehe da, Sepia-Fotos von alten Soldaten, Marschmusik aus Marshalls und viel Heimattreue – Tschüss, tschüss und tschüss! Darum, die dann rauszukicken, kümmert sich bei uns konsequent jemand. Was ich nicht verstehe: Warum gefallen wir diesen Leuten überhaupt?! Fehlender Stolz, das ist für mich das Problem dieser Leute! Wenn ich so unterwegs wäre wie diese Typen, würde ich mich doch nicht an der „Propaganda“ des „Feindes“ beteiligen! Und dann steht da auch noch die personifizierte Rassenschande auf der Bühne, schau mich doch an! Das verstehe ich alles nicht.Und so stehen dann Typen mit dem FREI.WILD-Shirt bei euch auf dem Konzert und glotzen doof, wenn der Saal „Nazis raus!“ skandiert.Ich glaube, dass manche dieser Fans gar nicht rechts sind – die sind einfach ein bisschen naiv. Ich mag es nicht, Menschen „aufzugeben“, wenn sie tendenziell in die falsche Richtung laufen. Wir kennen doch beide Leute aus der Skinhead- und Punk-Szene, die heute überzeugte Antifaschisten sind, aber eben eine üble Vergangenheit haben. Ich bin der Meinung, dass wenn jemand es wirklich ernst meint und sich mit allen Konsequenzen von dieser Vergangenheit löst, dann darf man dem nicht die Tür vor der Nase zuknallen. Aber dieser Bruch muss konsequent sein, absolut konsequent – weg mit dem alten Scheiß und nicht lauwarm, no way back!Es gibt aber auch einfach Menschen, denen all das egal ist, die sich für rechts und links nicht interessieren.Auf „egal“ im politischen Sinne habe ich keinen Bock, die sollen sich verpissen. Wem es egal ist, ob jemand mal Nazimusik und mal SLIME hört, mit denen kann und will ich nicht diskutieren. Das ist noch schlimmer, als einen Fascho vor dir zu haben, ganz ehrlich. Wenn aber jemand einfach nur doof ist, es einfach nur mal erklärt bekommen muss, dann muss man sich da mal hinsetzen.Du erwähntest vorhin die „Kein Bock auf Nazis“-Initiative, die ihr supportet. Was tut ihr jenseits von Ansagen auf der Bühne noch, um eure Überzeugungen zu vermitteln?Vor allem machen wir so was über Interviews und über unsere Social Network-Kontakte. Wobei ich mir in Interviews manchmal auch doof vorkomme, ich möchte ja kein Typ sein, der da steht und den Zeigefinger erhebt. Dennoch lenke ich Interviews auch mal auf solche Themen, mir liegen sie ja am Herzen und deshalb nutze ich die Gelegenheit, wenn ich die Leute, wenn ich schon ihre Aufmerksamkeit habe, auf etwas hinweisen kann, was mir wichtig ist. In diesem Sinne schreibe ich auch die Texte: ab und zu mal klare Ansagen, aber weiter kommt man, wenn man den Leuten die Gelegenheit lässt, selbst zu reflektieren.Texte mit Aussage sind dir wichtig. Ausgehend davon stelle ich die Frage, wieso eigentlich aus Richtung Pop- und Rockmusik so wenig klare Worte zu hören sind angesichts der sozialen Verwerfungen und Krisen in Europa. Wo ist der politische Protestsong dieser Tage?In den oberen Charträngen hat so was keine Chance. Grönemeyer hatte mal so einen Song Anfang der Neunziger, und „Schrei nach Liebe“ von den ÄRZTEN geht auch in diese Richtung. In Zeiten, in denen sogar die Bild-Zeitung schreibt, dass Terror von rechts furchtbar ist, hat so was mal eine Chance, ansonsten interessiert das die Leute nicht. So was stört nur die Gemütlichkeit beim „Bauer sucht Frau“-Gucken.Euer „An all den Schmutz“ ist auch schon von 2002.Auf der nächsten Platte wird es ein Lied geben, das sich mit der stets unverbindlichen Mitte beschäftigt, mit Menschen ohne Meinung. Es heißt „Gift in der Mitte“, es geht da um Menschen, die dann, wenn irgendwas in der Bild-Zeitung steht, nur sagen „Genau, das muss man ja wohl mal sagen dürfen!“. So was nervt mich. Und es nervt, dass sich in den Charts kaum Singles mit Inhalt finden. Manche Bands haben auf den Alben ja durchaus Songs mit Inhalt, etwa die TOTEN HOSEN, und ich habe die Hoffnung, dass sich jemand das Album wegen „Tage wie diese“ kauft und dann entdeckt, dass da auch noch ein paar andere Themen sind. Gleiches gilt für Casper, bei dem auch die Grundattitüde stimmt. Xavier Naidoo ist was ganz anderes, der machte mir wirklich Angst, als der bei der EM mit seinen Deutschlandfähnchen auftauchte und irgendwas laberte, man dürfe ja auch mal stolz sein. So was erschüttert mich, es nervt mich, es geht mir auf den Sack.Wut ist eine gute Motivation.Das stimmt, Trauer und Wut sind sicher die besten Emotionen, wenn es darum geht Lieder zu schreiben. Wenn ich gute Laune habe, dann möchte ich saufen und nicht Lieder schreiben! Ich habe aber auch gemerkt, dass man die erste Wut erst mal vergehen lassen muss, um nicht zu plump zu werden.Kannst du denn über diesen einen Song hinaus schon verraten, wo es mit dem nächsten Album hingehen wird?Nö, keine Ahnung. Ich habe schon viele Ideen, möchte aber nicht, dass sich ein Drittel des Albums um diese „Neue Rechte“ dreht. Dann lieber ein, zwei Songs, die klar sagen, was Sache ist. Die anderen Themen kommen aus meinem Privatleben. Eine Idee, vor der ich aber nicht nicht weiß, wie ich das umsetzen werde, dreht sich um den für mich zentralen D.I.Y.-Gedanken. Müsste ich die Frage beantworten, worum es bei den BROILERS geht, dann wäre das die Antwort. Also seinen Arsch hochkriegen, sich nicht hängen lassen, auf die Fresse fliegen, wieder aufstehen, sich nicht unterkriegen lassen, Neues ausprobieren, Erfahrungen sammeln. All das, was geil ist da draußen, wurde gemacht von mutigen Frauen und Männern, die einfach Bock hatten, mal was auszuprobieren – und sich das auch getraut haben.Im Kern spiegelt das aber auch wider, was in wirtschaftsliberalen und neoliberalen Kreisen gedacht wird. Das unterstelle ich dir nicht, aber für mich ist das ein typisches Beispiel dafür, dass etwas, was unsereins als absolut positiv ansieht, in der Hand anderer zu etwas Negativem werden kann.Ich habe irgendwann entschieden, dass ich das, was ich für richtig halte, auch sage. So laufe ich nicht Gefahr, irgendwelche Scheiße zu erzählen und mir zu widersprechen. Ich denke, dass ich ganz gute Einstellungen vertrete, halte mich für einen Humanisten, obwohl mir Menschen auch mal auf den Sack gehen können. Alles, was menschenverachtend ist, widert mich an. Wenn ich sage, dass ich es blöd finde, sich hängen zu lassen, dann heißt das nicht, dass ich nicht akzeptiere, dass es jemandem auch mal nicht so gut geht und man sich dann eben etwas hängen lässt. Aber immer nur rumjammern, wie beschissen alles ist und dass alle gegen einen sind, das ist dämlich. Aufzustehen, das war und ist für mich Punk! Als ich damals die ersten Punkplatten vor mir hatte, dieses Schnipsellayout sah, da wusste ich, das kann ich auch.Mitte Dezember spielt ihr zwei Tage nacheinander in der Düsseldorfer Philipshalle – ausverkaufte Konzerte in der Heimatstadt, das ist eine Nummer.Oh ja! Wir werden an beiden Tagen zusammen ungefähr 15.000 Leute haben und das Ganze ist die Erfüllung unseres größten Traums. Wir werden uns den Arsch aufreißen!Eure Mamas und Papas schauen von hinten aus der VIP-Lounge zu?Auf jeden Fall! Die sind ja extrem stolz, die freuen sich mit uns. Die sind dann glücklich, wenn ihre Kids glücklich sind. Ich finde es schlimm, wenn Eltern das, was ihren Kindern wichtig ist, nicht beachten. Für die ist das, was wir erreicht haben, genauso unverständlich wie für uns: von der Band ohne Akkorde zur ausverkauften Philipshalle.Wie wichtig war auf dem Weg dorthin die mit „Santa Muerte“ neu eingegangene Partnerschaft mit dem Management und Label der TOTEN HOSEN – hat euch diese „Protektion“ geholfen?Extrem weitergebracht hat uns die Zusammenarbeit mit Kingstar Booking – Timo hat also einen entscheidenden Anteil an unserem Erfolg. Früher haben wir meist nur mit anderen Oi!-Bands gespielt, aber er gab uns die Chance, auch mal mit genrefremden Bands aufzutreten. Durch ihn konnten wir dann mal mit den MISFITS spielen, mit TIGER ARMY, und das war ein extrem wichtiger Schritt. Außerdem waren wir gezwungen, Struktur in unser Bandchaos zu bringen, unsere Finanzen in Ordnung zu bringen, und so weiter. So hatten wir anfangs zunächst einen kleinen Nebenverdienst und waren irgendwann so weit, dass wir davon leben konnten – alle bis auf Christian, der Orgelspieler. Der hat Frau und Kind, der ist unser „Erwachsener“, der arbeitet noch in seinem alten Job, wenn auch weniger. Oder die Sache mit dem Merch, wir schafften es nicht mehr, das selbst zu verschicken, da wurden die Leute nach vier Wochen sauer, und das ging nicht. Es tut gut Menschen wie die Jungs und Mädels von JKP dabei zu haben, die uns den Rücken freihalten und stets willige Saufpartner sind. Ob die TOTEN HOSEN was mit unserem jetzigen Erfolg zu tun haben – ich kann das nicht beurteilen. Aber die haben uns sicher geholfen, indem sie hier und da auf uns hingewiesen haben, und das hat uns deshalb schon gefreut, weil sie für uns eine extrem wichtige Band waren und sind.Was wird 2013 bringen?Das neue Album, das ist sicher. Ich gehe davon aus, dass es warm ist, wenn das Album erscheint. Und ich glaube, der Punkrock-Anteil wird gegenüber dem Ska- und Reggae-Anteil größer sein. Ich freue mich schon aufs Studio, und im Sommer stehen dann wieder die Festivals an. Bis dahin haben wir auch Konzertpause, ich muss mich um das Artwork für das Album kümmern – hinter den Kulissen geht es also ordentlich weiter.
 
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BROILERS - Die ausgebliebene Verhosung

Wenn es derzeit eine deutsche Band aus dem Umfeld des Punk gibt, die im großen Stil auf der Überholspur ist, dann sind es die BROILERS. Ihr 2011 erschienenes „Santa Muerte“-Album landete fast an der Spitze der Albumcharts. JKP, das Label der TOTEN HOSEN, hat sie unter Vertrag genommen und schickt sie seitdem mit Campino und Co. durch die Stadien der Republik. Ihre eigenen Konzerte spielten die Düsseldorfer, die sich einst als Oi!-Punk-Combo gegründet hatten, in der Hallen-Kategorie „3.000 plus“. Jetzt steht mit „Noir“ der nächste Tonträger und Studioalbum Nummer sechs seit 1992 an. Darauf finden sich wie angekündigt einige der härtesten Songs seit langer Zeit, aber eben auch einige der „emotionalsten“ – also ruhigsten. Schon „Vanitas“ (2007) und „Santa Muerte“ waren zu ihrer Zeit ein kleiner Bruch mit der Tradition der Regentschaft der lauten, schnellen und verzerrten Gitarren gewesen. Jetzt folgt der große Bruch – jedenfalls vermutlich. Ob das so ist, wie „Noir“ entstanden ist und was sich so alles verändert hat, erklären uns Frontmann Sammy und Bassistin Ines beim Treffen im Stammcafé der Band.Ines, Sammy, wie geht es euch?Ines: Mir ganz gut.Sammy: Mir ganz schlecht.Wie bitte? Ein neues Album steht an, die Vorfreude steigt ...Sammy: Ich habe mich letzte Nacht noch um ein Uhr mit einem Fotografen getroffen und heute Morgen bis um sechs Uhr am Cover des Albums gebastelt. Und das läuft in den vergangenen Wochen häufiger so. Hinzu kommen die Promo-Termine. Da bleibt kaum Freizeit. Das ist eine schwierige Zeit gerade. Ich merke: Es geht so langsam los. Ich würde heute Abend sehr gerne einfach nur zu Hause sitzen und Xbox spielen oder Fernsehen schauen.Ines, du steckst diesen Stress also besser weg?Ines: Ich habe weniger Stress, weil ich mich ja nicht ums Coverlayout kümmern muss, haha.Sammy: Das war dieses Mal etwas zu viel auf einmal. Ich muss – wenn das alles vorbei ist – noch mal schauen, was da so dramatisch schief gelaufen ist, damit ich es beim nächsten Mal besser mache. Da sollten wir nach der Abgabe der Masterbänder doch lieber ein halbes Jahr für den ganzen Rest einkalkulieren. Das war dieses Mal zu kurz.Ist das alles vielleicht auch der Preis des Ruhms, den ihr mittlerweile zahlen müsst?Sammy: Nein, nicht der Preis des Ruhms, sondern vielmehr der des eigenen Anspruchs an uns selbst.Du bist ja auch ein bekennender Kontrollfreak – das macht das mit dem Stress jetzt nicht unbedingt besser.Sammy: Das stimmt.Ines: Zumindest hilft es nicht, wenn man sich dabei selber kaputt macht.Aber der Kontrollfreak Sammy Amara fragt die anderen Bandmitglieder schon ab und an nach ihrer Meinung?Ines: Er fragt uns schon nach unserer Meinung zu Song-Ideen oder dem Artwork. Aber er sitzt natürlich erst einmal alleine zu Hause und muss uns dann etwas präsentieren. Und das, was er uns präsentiert, muss er gut vorbereiten und in Alleinarbeit herstellen. Da hat er dann den Stress und nicht wir, haha.Sammy: Ja, ja. Die Betonung liegt auf: Er muss! Haha.Eure neue Platte, an deren Gestaltung Sammy gerade so fleißig arbeitet, heißt „Noir“. Hat dieser Titel irgendetwas mit dem eher düsteren Krimi-Genre „Film Noir“ zu tun?Sammy: Nein, überhaupt nicht. Ich weiß, das findest du gleich als Erstes, wenn du diesen Begriff im Internet in eine Suchmaschine eingibst. Und es gibt auch einen kompletten Cover- und Backcover-Entwurf für das Album, der tatsächlich genau in diese Richtung geht. Aber der hat es nicht geschafft bei der bandinternen Abstimmung. „Noir“ war als Titel einfach extrem früh da, schon nach „Santa Muerte“ – und die Platte haben wir ja 2011 rausgebracht. Wir haben „Noir“ genommen, weil dieser Name einfach sehr gut klingt – und weil man da viel hineininterpretieren kann. Wenn man das hört, dann geht doch sofort das Kopfkino an. Und darum geht es. Das ist ideal, wenn der Betrachter direkt überlegt, wie das, was sich hinter diesem Namen verbirgt, wohl klingen könnte.„Santa Muerte“ als der „heilige Tod“. „Vanitas“ als die Vergänglichkeit alles Irdischen. Jetzt „Noir“, das Schwarze – man könnte auch sagen: Die morbide Schiene eurer Albumtitel geht weiter.Sammy: Genau. Die ist auf jeden Fall da, diese Schiene. Und bei „Noir“ wird es auf dem Cover wieder – wie bei „Vanitas“ 2007 – ein sehr düsteres Stillleben geben. Es soll dunkel sein, ohne zu sehr in eine Gothic-Richtung zu gehen.Die Texte von „Noir“ klingen entsprechend. Die sind so ...Sammy: ... schwermütig?Genau. Kannst du nur Songs schreiben, wenn du nicht so gut drauf bist?Sammy: So ist es. Denn wenn ich gut drauf bin, möchte ich eben auch raus. Dann möchte ich genau das, gut drauf sein. Wenn man gute Laune hat, sollte man nicht alleine zu Hause rumhängen und Lieder schreiben. Dann kann man vielleicht die Bude aufräumen. Aber das war es dann auch. Dann sollte man vor die Tür und Freunde treffen.„Vanitas“ war damals euer erstes Ausrufezeichen – da habt ihr euch ins Blickfeld vieler neuer Fans gespielt. „Santa Muerte“ war der Durchbruch mit Platz drei der Albumcharts. Und jetzt kommt „Noir“ – wenn man so will das schwierige Album nach dem ersten großen Erfolg. Wie unbefangen seid ihr an diese Aufgabe herangegangen?Ines: So ganz unbefangen ist man ja nie. Bei keiner Platte. Aber das ist ein Druck, den wir uns selber machen, weil wir natürlich das Beste abliefern wollen, das wir können.Sammy: Wir wissen schon, dass jetzt eine ganze Menge Leute ganz genau darauf achten, was da von uns kommt.Habt ihr Angst vor deren Reaktionen?Sammy: Ja. Ich habe Schiss davor, dass die Platte bei den Fans nicht gut ankommt.Dann kommen wir doch mal auf die neuen Songs zu sprechen. Ihr habt bereits im Vorfeld von „Noir“ gesagt, es seien einige der härtesten, aber auch einige der emotionalsten Stücke seit langem auf diesem Album ...Sammy: Das ist gut, dass du das sagst. Denn den Teil mit dem „emotional“ haben anscheinend viele, mit denen wir bislang gesprochen haben, überlesen oder überhört. Die haben nur das mit den „härtesten Songs“ wahrgenommen. Und die haben zudem aus „seit langem“ verstanden als „seit Bandgründung“.Das neue Album klingt tatsächlich genau so, wie angekündigt: Es läuft quasi in zwei verschiedene Richtungen: Es geht je zur Hälfte hart und schnell wie ruhig und langsam zu. Steckt ein Konzept dahinter?Sammy: Nein, das war kein Konzept. Wir haben einfach die Songs, die wir hatten, auf den Tisch gelegt und geschaut, was wir haben. Die Lieder repräsentieren das, was wir zu diesem Zeitpunkt gefühlt haben.Ihr habt euch mit „Noir“ auf einen Schlag so stark musikalisch verändert, wie noch nie zuvor. Würdet ihr das selbst als eine dieser oft und gerne angeführten musikalischen „Weiterentwicklung“ bezeichnen?Ines: Dadurch, dass sich jeder Mensch – und auch wir als Musiker – generell verändert, ist es selbstverständlich schon eine Art der Weiterentwicklung. Aber es ist eine natürliche Weiterentwicklung, keine abgesprochene.Sammy: Man lernt doch ständig neue Musik kennen, entdeckt neue Genres – und versucht das gerade als Musiker umzusetzen. Wir sind eben nicht MOTÖRHEAD, die immer die gleiche Platte aufnehmen. Natürlich, wenn Fans lieber unser Album „Fackeln im Sturm“ hören, dann sollen sie das tun. Das ist in Ordnung. Aber ich mag Bands lieber, die sich von Platte zu Platte entwickeln. Das finde ich spannend. Es darf nur nie mit der Brechstange sein. Es muss, wie Ines schon sagte, natürlich vonstatten gehen.Ines: Außerdem ist es wichtig, dass man trotz allem raushört, das ist eine bestimmte Band. Und bei uns hört man, denke ich, immer noch die BROILERS raus.Trotzdem gibt es bereits Leute, die sprechen bei „Noir“ in Anspielung auf eure Label-Kollegen von einer „Verhosung“ eures Sounds. Das heißt: Weg vom Punk, hin zum Stadion- und Große-Gesten-Rock. Der Grund dafür könnte euer Produzent Vincent Sorg sein, der ja auch für Campino und Co. an den Reglern sitzt. Und man sucht sich ja als Band auch immer genau den Produzenten aus, vom dem man sich einen bestimmten Sound erwartet, oder nicht?Sammy: Vom Sound her gesehen: Ja. Und im Falle von Vincent Sorg bedeutet das eine klare, druckvolle Produktion. Aber das heißt ja nicht, dass die Lieder wie die der TOTEN HOSEN klingen. Das sehe ich überhaupt nicht so.Man könnte auch sagen, Die BROILERS sind jung und werden immer erfolgreicher, DIE TOTEN HOSEN sind Superstars in den Fünfzigern, deren Ende langsam abzusehen ist – also werdet ihr vom Label JKP schon mal als Nachfolger aufgebaut.Sammy: Nein. Das wäre einerseits anmaßend und das würde auf der anderen Seite der Sache nicht gerecht. Ich befürchte, die Hosen werden uns überleben. Die sind so fit! Wirklich, Campino macht auf der Bühne Spagat – das ist unglaublich! Aber ernsthaft: Darüber denkt niemand nach. Darauf hofft niemand. Und ich finde, wie gesagt, dass die Musik der BROILERS und der TOTEN HOSEN völlig unterschiedlich ist. Ich kann mir aber auch durchaus vorstellen, dass es Leute gibt, die mit Punk oder Rockmusik nicht so viel zu tun haben, und die das in einen Topf werfen.Ines: Da kannst du aber auch viele andere deutschsprachige Rockbands in einen Topf werfen – bis hin zu den Onkelz.Sammy: Das stimmt. Und ich glaube auch nicht, dass irgendwer von „Verhosung“ sprechen würde, wenn wir aus Hamburg kämen und nicht bei JKP unter Vertrag stünden.Wie viel hat euch Vincent Sorg in die Platte reingeredet?Sammy: Uns hat niemand reinzureden! Das ist unser Anspruch an uns selbst. Da würde ich ja direkt Panik kriegen. Wenn da jemand mit einem Vorschlag ankommt, dann heißt es von unserer Seite aus erst mal: Nein. Und dieses „Nein“ kann auch mal laut sein. Dann gehe ich meist nach nebenan und überlege noch mal. Und wenn es wirklich ein guter Vorschlag war, dann komme ich noch mal darauf zurück und sage: „Vielleicht ...“ Aber ohne Entschuldigung für das Anraunzen natürlich! Dafür formuliere ich die Idee so, als ob sie von mir gekommen wäre, haha. Aber mit Vincent gab es überhaupt keine Probleme. Er ist zu einem Freund der Band geworden und war bei den Aufnahmesessions fast wie das sechste Bandmitglied. Und er ist wie ein Löwenbändiger: Da sitzen die fünf Bekloppten monatelang zusammen eingepfercht – und er hat die Peitsche in der Hand und muss für Ordnung sorgen.Ines: Er muss quasi auch eine sehr pädagogische Ausbildung haben. Wenn fünf Leute fünf verschiedenen Meinungen haben, dann kann es eben in der Tat auch schon mal laut werden.Sammy: Vor allem, wenn wir Alkohol getrunken haben ...Ines: Aber dieses Mal war es wirklich sehr, sehr friedlich.Sammy: Ich habe sogar für den Song „Das da oben“, in dem es um den Glauben an eine göttliche Macht geht, auf Wunsch von unserem Schlagzeuger Andy – als dem „Mann hinter mir“ – noch eine zusätzliche Strophe geschrieben, damit auch er damit leben kann.Ihr kommt aus dem Punk und habt nie ein Geheimnis aus eurer Zugehörigkeit zu dieser Szene gemacht. Aber spielt ihr nach eigener Auffassung heutzutage immer noch Punk?Sammy: Ich würde sagen, es ist Rockmusik mit Punk-Wurzeln. Ich würde es nicht mehr reinen Punk nennen wollen, denn damit würde ich meiner eigenen Auffassung, die ich als Jugendlicher hatte, vor den Kopf stoßen.Ihr habt eure Angst vor den Reaktionen der Fans bereits angesprochen. Befürchtet ihr auch den „worst case“ – wegen der Abkehr vom, nennen wir es mal so, reinen Punk einige der „Die-hards“ zu verlieren?Ines: Nein. Die, die uns vorwerfen, wir würden keinen Oi!-Punk mehr machen, sind ja schon vor Jahren abgesprungen. Alle anderen – also die, die bis heute bei uns geblieben sind – werden auch in Zukunft bleiben.Sammy: Wir sind ja auch nicht die Ersten, die so verfahren. Sieh dir nur mal „Sandinista!“ von THE CLASH an. Ist das reiner Punk? Ich denke nicht. Und da schließt sich irgendwie ein Kreis für mich. Mich haben nämlich auch früher oft gerade die Songs gekickt, die vielleicht gar nicht so offen Punk waren. Ich habe damals einen Punk-Sampler rauf und runter gehört, auf dem ein Stück der ANGELIC UPSTARTS war, „Woman in disguise“. Das ist doch eine Funkpop-Disconummer. Aber weil es auf einem Punk-Sampler war, war es für mich Punk. Das stand außer Frage! Ich fand auch von THE CLASH immer die Songs am geilsten, die Mick Jones geschrieben hat. Und das waren immer die sehr poppigen Punk-Nummern. Also: Wenn man uns Punk nennen möchte, dann freue ich mich, denn da kommen wir her. Das ehrt uns. Und wenn man ein Problem damit hat, dann sollte man doch bitte sagen: Die BROILERS machen Rock mit Punk-Wurzeln. Nicht irgendetwas anderes.Etwas anderes ... wie zum Beispiel „Deutschrock“?Sammy: Oh ja. Bloß nicht! Das ist in der Tat eine sehr widerwärtige Schublade. Deutschrock ist für mich ja eigentlich Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Marius Müller-Westernhagen. Künstler mit ordentlicher Aussage und guter politische Position. Aber was ist Deutschrock heutzutage? Das ist Italo-Pop mit rechtskonservativen Werten. Das finde ich einfach scheiße. Das ist nicht unsere Schublade. Da wollen wir nicht rein. Das ist rechts. Punkt. Wir sind links. Punkt.Kompliment: So schön und treffend hat bislang noch niemand das Phänomen FREI.WILD umschrieben. Ihr habt dieses Mal sogar zwei Songs gegen rechte Tendenzen in Gesellschaft und Politik auf „Noir“ gepackt. Sammy: Ja. Das war uns wichtig, weil mir die Entwicklung, gerade der Jugend, in diese Richtung Angst macht. Dieses Schüren von Angst vor allem Fremden – das ist eine unangenehme Strömung. Ich würde mich freuen, wenn die Leute etwas reflektierter mit den Sachen umgehen würden, die in der Bild-Zeitung stehen. Und ein Song wie „Der Rest und ich“ hat nicht umsonst so einen etwas discoartigen Beat. Der soll diese Botschaft richtig in die Köpfe der Menschen hämmern. Es gibt nämlich andere Probleme als ein Kopftuch ...Apropos Probleme. Ihr seid nach dem Album „Santa Muerte“ sehr viel unterwegs gewesen – eigene Tour, Festivalauftritte, Tour im Vorprogramm der TOTEN HOSEN. Wie anstrengend war das für euch?Ines: Ach, das hat sich alles noch im Rahmen gehalten. Natürlich bleibt ein bisschen weniger Zeit zum Grillen und Feiern mit Freunden und man ist ab und zu müde. Aber das ist noch alles in Ordnung gewesen.Sammy: Sagen wir mal so: Es gibt schlimmere Möglichkeiten, sein Geld zu verdienen.Ich habe übrigens den Eindruck, dass vor allem Ines sich auf „Noir“ mehr in den Vordergrund spielt als auf den bisherigen Alben. Es gibt einige basslastige Songs. Woran liegt das?Ines: Ich glaube, dass wir alle in den vergangenen Jahren eine Menge auf unseren Instrumenten gelernt haben. Ich nehme seit zwei Jahren Unterricht. Vorher habe ich mir das alles selber beigebracht. Dadurch bin ich jetzt vielleicht auch etwas kreativer geworden.Du hast ja auch einen Kultstatus in der Band. Es gibt bei Facebook sogar eine Gruppe, die sich „Ines – She’s Rock’n’Roll“ nennt.Ines: Haha, ja, die kenne ich. Ich denke, das ist einfach so, wenn du als einzige Frau in einer Band mit Männern spielst. Das ist schon ein Unterschied, als wenn da nur fünf Jungs auf der Bühne stehen würden.Kurioserweise scheinen Frauen in Bands meist Bass zu spielen – siehe Kim Deal bei den PIXIES und BREEDERS, Kim Gordon bei SONIC YOUTH, D’arcy Wretzky und Melissa Auf der Maur bei den SMASHING PUMPKINS. Das ist doch auffällig.Ines: Sie spielen Bass – oder sie singen. Das ist sogar das Erste, das viele denken, die mit Musik nicht so viel tun haben,. Das erlebe ich selber manchmal. Wenn mich Leute danach fragen, was ich beruflich tue, und ich sage, ich bin Musikerin in einer Band, dann kommt als Antwort meist: Ah, ja. Sie sind bestimmt Sängerin, oder? Die sind schon irritiert, wenn ich ihnen erzähle, dass ich Bass spiele. Als Frau ist man für viele diejenige, die am Mikrofon steht.Inwiefern würdest du mir zustimmen, wenn ich sage: Der Bass ist die Seele einer Band, als Vermittler zwischen Rhythmus und Sound?Ines: Ich würde es so sagen: Sobald der Bass weg ist, merkt man, dass er fehlt und wie wichtig er ist.Sammy: So ist es. Für mich sind letztlich drei Dinge in einer Band wichtig: Gesang, Schlagzeug und Bass. Die entscheiden, was läuft. Die entscheiden das Lied. Wenn die Gitarre ausfällt, merkt das kein Schwein. Das kann man überspielen. Aber wenn der Bass weg ist, ist das Lied kaputt. Und damit setzen wir Ines natürlich unter Druck, haha.Sammy, in einer Ox-Rezension zum Film „Springsteen & I“, in dem Fans erzählen, was ihnen der „Boss“ bedeutet, hast du kürzlich geschrieben, dass dir jeglicher Starkult eigentlich zuwider sei.Sammy: Nicht im Allgemeinen. Er ist mir nur dann zuwider, wenn er irgendwie ins Unverhältnismäßige kippt. In „Springsteen & I“ stellen einige Menschen den Boss über ihre Kinder. Das geht nicht. Da muss man doch Maß halten.Natürlich. Aber dennoch kommen die Leute mittlerweile sicherlich auch vermehrt zu dir, um mit dir zu reden, ein Foto zu machen oder ein Autogramm zu bekommen. Nervt das manchmal?Sammy: Ich merke schon, dass es mehr wird. Und blöd ist es dann, wenn man schlechte Laune hat. Dann ist es anstrengend. Ansonsten sage ich, so blöd es auch klingen mag, es gehört dazu. Die Leute haben eben das Gefühl, dich zu kennen und dir nahe zu sein, wegen der Texte, weil sie dein Foto in Zeitschriften oder im Fernsehen sehen. Das ist normal. Ich grüße ja selber Schauspieler auf der Straße, auch wenn ich sie nicht persönlich kenne. Ist alles schon passiert. Wenn das das größte Problem ist, dann habe ich keine Probleme.Aber Wünsche vielleicht. In der großen Halle eurer Jugend, der Philipshalle in Düsseldorf, wart ihr schon. Auf großen Festivals ebenfalls. 2014 kommt die Westfalenhalle dran. Wird es noch größer?Sammy: Wir haben schon Pläne ...Die SCORPIONS haben kürzlich „Vierzig Jahre Welterfolg“ gefeiert ...Sammy: Oh, nein! Ich habe diese Dokumentation dazu im Fernsehen gesehen. Was für eine schreckliche Band! Die sind so unecht. Zumindest kamen sie so rüber. Vielleicht sind sie ja gar nicht so. Aber ... nein! Nur so viel, unsere Wunschliste ist voll und lang. Aber wir verraten nichts.Ines: Niemals. Das bringt nämlich Unglück.
 
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BROILERS - Die Vorstadtkrokodile

Die BROILERS werden dieser Tage zwanzig Jahre alt und feiern das am 19. und 20. Dezember mit zwei Konzerten im Düsseldorfer Dome im Stadionformat. Das ist großes, wohlverdientes Rockstarkino einer Band, die sich der Punk-Szene bis heute verbunden fühlt, die sich konsequent nach oben spielte und deren Wurzeln in den piefigen südlichen Vororten abseits des Hochglanz-Düsseldorfs liegt. Für das Ox begaben sich Sammy, Andy, Ron, Chris und Ines auf Nostalgietour in ihre alte Heimat.Düsseldorf besteht nicht nur aus dem Glamour der Bonzenläden der Königsallee. Die Stadt hat auch andere, weniger glanzvolle Ecken, die typische kleinbürgerliche Idylle, weit ab vom Schuss, nah am Grünen. Wohnsiedlungen aus den Sechzigern und Siebzigern, dazwischen Reihenhausgemütlichkeit, Spaziergänger mit Hund und Gartenzwerge. Vorstadt-Idylle und Piefigkeit. Im Zentrum gehen die Leute aus ihren Altbauwohnungen mit Stuckdecke raus auf die Straße, bestellen sich im Café gegenüber Latte macchiato und lesen dazu die Süddeutsche. Im Vorort führt der Weg aus der Hoch- oder Reihenhauswohnung in die Kneipe nebenan. Die ist eher trübe Spelunke als hippes Brauhaus. Am Tresen sitzen die Rentner und die, die übrig geblieben sind. Oder hängen geblieben. Sie wollten irgendwann vielleicht mal raus in die große, weite Welt, aber sie sind immer noch hier. Anstelle von Glamour gibt es Deckel zum Anschreiben. Die Süddeutsche liest keiner, über die Bild-Schlagzeilen spricht fast jeder. In solchen Ecken, weit abseits von Königsallee und Altstadt, von Tonhalle und Opernhaus, sieht Düsseldorf anders aus. Rheinisch ausgedrückt: irgendwie nullachtfuffzehn. Doch ohne diese Orte, ohne die Vorstadt, würde es die BROILERS nicht geben.Natürlich, heutzutage sind sie – wenn man sich die Relationen des Erfolges anschaut – eher eine „Großstadtband“. Bis auf Keyboarder Christian „Chris“ Kubczak, der mit seiner Familie in Oberhausen wohnt, und Gitarrist Ronald „Ron“ Hübner, der vor einigen Jahren in eine Wohnung in der Fußgängerzone von Düsseldorf-Benrath zog, leben alle im Zentrum Düsseldorfs. Da, wo die Cafés zahlreich und schick sind. Da, wo das Geld steckt und wo es vor Menschen wimmelt. „Ich brauche das“, sagt Frontmann Sammy Amara. „Ich muss rausgehen können aus meiner Bude und direkt im Leben landen. Sonst würde ich durchdrehen.“ Heute spielen die BROILERS ja auch in der Liga der Rockbands hierzulande ganz oben mit. Sie sind angekommen in den großen Hallen der großen Städte: Vor sechs Jahren 4.000 Zuschauer im Stahlwerk. Vor zwei Jahren zweimal 7.000 Fans in der Mitsubishi Electric Halle (wie die legendäre Philips Halle heute heißen muss). Im vergangenen Frühjahr 9.000 Leute in der Dortmunder Westfalenhalle. Demnächst zweimal 12.000 im Rather Dome. Für die Provinz fallen nur noch Warm-up-Gigs ab. Außerdem sind die BROILERS seit geraumer Zeit Labelkollegen der noch größeren DIE TOTEN HOSEN auf deren JKP-Label und manche unken, sie würden als deren Nachfolger aufgebaut. Sie waren Vorband bei der Stadiontour von Campino und Kollegen. Sie sind Chartstürmer. Sie sind Co-Headliner bei 80.000er-Festivals. Das Ende der Fahnenstange? Nicht absehbar.Trotzdem: Die BROILERS sind und bleiben auch Provinz. Im besten Sinne. Sie waren es schon immer, die Ödnis der Vorstadt brachte sie erst hervor. Sammy selbst sagt das. Er steht in Hellerhof, dem südlichsten Stadtteil Düsseldorfs. Autobahn, Bahnlinie, Baggersee, Felder, Wald. Hier wuchs er auf. Und hierhin sind die Musiker für ein paar Stunden zurückgekehrt, um uns anlässlich des zwanzigsten Bandgeburtstages zu zeigen und sich selber noch einmal zu vergewissern, wo sie, die „Brathähnchen“, das Fliegen lernten. Sammy braucht jedenfalls keine Sekunde nachzudenken über die Antwort auf die Frage, wieso er damals zum Punk kam und die BROILERS gründete: „Schau dich doch mal um hier“, sagt er und holt mit seinen tätowierten Armen zu einem Kreis aus, der all die Reihenhäuser mit ihren sorgsam gepflegten Blumenbeeten und den hübsch getöpferten Haustürschildchen einschließen soll. „Hier ist doch nichts los. Wenn du hier aufwächst, musst du ja irgendwann ausflippen.“ Und wer nicht ausflippt, hört den ganzen Tag nur Vogelgezwitscher, spielende Kinder, Züge, die über die nahe Bahntrasse zwischen Düsseldorf und Köln donnern, und den Lärm von der Autobahn 59, die an Hellerhof vorbei in Richtung Leverkusen führt.„Ausflippen“, das bedeutete damals für Sammy und seinem schon zu Schulzeiten besten Freund Andreas „Andy“ Brügge – der Schlagzeuger der BROILERS – vor allem „Anarchy in the UK“ von den SEX PISTOLS. Mit Farbspraydosen Betonwände besprühen. Und im Tunnel an den Bahngleisen abhängen. „Weil da der ICE so nah an einem vorbeidonnerte“, sagt Andy. Schließlich ging es immer schon um den Kick. Jenen Kick, den sich die BROILERS heute auf der Bühne holen. Damals holten sie sich im Aldi an der „Hellerhof-Passage“, einer stadtplanerischen Bausünde mit teilweise leerstehenden Ladenlokalen, Bier und Wein und schossen sich auf dem Spielplatz die Lampen aus. Dazu lief Punk aus dem Ghettoblaster. Die ersten großen Vorbilder, DIE TOTEN HOSEN, sangen „Auf dem Kreuzzug ins Glück“. Und Sammy und Andy waren die Kreuzritter und grölten mit.Mit ihnen unterwegs waren schon damals Ines Smentkowski, die heute Maybaum heißt und später Bassistin der BROILERS wurde, und Ron. Ron war auch Hellerhofer. Ines kam aus Düsseldorf-Garath, dem Stadtteil gleich nebenan. Garath gilt seit jeher als Problembezirk, dessen Jugend sich gerne mit der Jugend aus dem Umland kloppte. Garath war für Insider immer schon: rechtes Gesocks, Asis, viele Ausländer, viele Familien an der Armutsgrenze. „Im Osten die Faschos. Im Westen die Marokks“, erinnert sich Sammy. Zur Autobahn 59 hin leuchtet hier nachts wohl nicht umsonst weithin sichtbar der Turm des örtlichen Kesselhauses – in Giftgrün. So als wolle er zeigen: Fahrt bloß vorbei! Und zwar so schnell ihr könnt! Seinen Anblick haben die BROILERS 2006 auf der Split-EP „Good Fellas Never Split“ mit der Rostocker Oi!-Band VOLXSTURM im Song „Heimat“ verewigt: „Hörst du den Sturm landeinwärts heulen? Er bricht sich in besprühten Litfasssäulen. A 59 und ne schlechte Sicht. Düsseldorf-Garath in grünem Licht.“Außerdem im Text erwähnt: Die Hellerhofer Kneipe Westside, die später zu Dr. Schmid wurde und die damals Stammlokal von Sammy, Andy, Ron und Ines war. Hier spielten die vier frühe Konzerte. Hier entwarf Sammy, der gelernte Designer, das noch heute auf dem Schild über dem Eingang sichtbare Kneipenlogo. Hier entstanden Titelfotos der EP „La Vida Loca“ von 2002, die – typisch für die BROILERS – diesen Charme zwischen Pizzeria-Meute und Sopranos-Mafia-Clan versprühen. Und von hier aus ging es immer und immer wieder in die Stadt. Hundert Meter zum S-Bahnhof. 17 Minuten Fahrt mit der S6 ins Zentrum. Nachts gerne auch mal länger, wenn besoffen der Ausstieg verpennt wurde und Sammy und Co. bis Köln durchfuhren. „Düsseldorf-Köln, Köln-Düsseldorf-Köln, dieser Zug spuckt dich nicht aus“, singen sie in „Wie weit wir gehen“ auf dem Album „Santa Muerte“ (2011) nicht umsonst.Der urbane Mikrokosmos des Düsseldorfer Südens war das Universum der BROILERS: Konzertbesuche im Monheimer Sojus 7, im Haus Spilles, im Spektakulum oder im Benrather Hof, wo Sammy mal ein eigenes Büro hatte und wo heute noch angeblich originale Pappgrabsteine der MISFITS-Bühnendeko lagern sollen, die er und Andy dereinst von einem Konzert mitnahmen. Proben im Keller von Andys oder Sammys Elternhaus. Die erste Knutscherei auf dem Spielplatz hinter der Ernst-Lemmer-Straße. Die ersten Begegnungen mit rechten Glatzen. Prügeleien. Rumlungern. Rumgrölen. Taxigeld prellen. Saufclubs gründen. „Und manchmal“, sagt Sammy, „kamen die Bullen vorbei.“ Ganz normale Halbstarke seien sie eben gewesen. „Halbstarke mit dem besseren Style – nämlich Punk“, wie er lachend ergänzt. Und Halbstarke, die auf der Wiese hinterm Haus ein dreiteiliges Schlagzeug und einen Zwölf-Watt-Gitarrenverstärker der Marke Peavy aufstellten und beim ersten Konzert „Blitzkrieg bop“ spielten. Sammy erinnert sich: „Das ging: Da, da, da, da, da, da, da ... Pause wegen Bundwechsels ... da, da. Ein holpriger Start also. Gesang gab es nicht. „Wir hatten genug mit unseren Instrumenten zu tun.“Damals, zu diesen wilden und kruden „Blitzkrieg bop“-Zeiten, hießen die BROILERS übrigens noch DIE JÜNGER. „Wir wollten den Leuten ja was mitteilen“, betont Sammy. So wie Jesus und seine Bande. Nur dass es bei Sammy und Andy um Anarchie und Krach ging. Wie auch immer: Sendungsbewusstsein nennt man so etwas. Und das wurde später verfeinert, als Sammy begann, seine Liedtexte auf Karteikarten zu schreiben, während Andy eine imaginäre Bandbiografie weiter und weiter ausarbeitete, in der es stetig nach oben ging und wo auf der Bühne auch mal Blut floss. Ernst habe das seinerzeit natürlich keiner genommen. „Als ich mir den SEX PISTOLS-Schriftzug als Sprühschablone gebastelt hatte und den Namen an den Schrank in meinem Zimmer pappte, da war mein Vater gar nicht begeistert“, erinnert sich Sammy. Das Geschmiere musste sofort wieder ab. Die Autorität hatte gesiegt. Wie so oft.Wie auch anderswo – zum Beispiel in der Schule: Sammy, Andy, Ron und Ines besuchten das Gymnasium Koblenzer Straße, kurz „Kobi“ genannt, in Düsseldorf-Urdenbach. Hier ging nach Aussage von Sammy übrigens auch ein dicker, etwas tumber Junge zur Schule, der Paul hieß und bis heute die Hauptrolle im BROILERS-Evergreen „Paul, der Hooligan“ spielt. Das „Kobi“ grenzt direkt an Garath und damals zudem an eine Containersiedlung für Aussiedler, um die herum es häufiger mal krachte. Der Ruf des Gymnasiums war stadtweit jedenfalls nicht besonders gut. Und Sammy hasste es sowieso: „Schule war für mich immer ein rotes Tuch! Das frühe Aufstehen ging gar nicht. Ich war eben immer schon eine Nachteule. Und viele Lehrer hatten das Gespann Amara-Brügge so richtig auf dem Kieker!“ Das sei auch der einzige Punkt, an dem er sich heutzutage – mit dem Erfolg im Rücken – so etwas wie Genugtuung gönne: „Ich werde auf der Wikipedia-Seite unseres alten Gymnasiums mittlerweile als ,berühmter Schüler‘ gehandelt.“ Neben TV-Moderator Victor Worms. „Und diese Tatsache müsste definitiv so manchem Lehrer heute unangenehm sein.“Mittlerweile ist das natürlich alles ganz anders. Zuletzt habe sich sogar einmal ein ehemaliger Chemielehrer von Ines gemeldet und um eine Karte für ein Konzert der Band gebeten, weil er doch mal sehen wollte, was aus den Ehemaligen so geworden sei. Und beim Erinnerungsspaziergang durch Hellerhof kommt sogar plötzlich Ursula Schneider, die Mutter eines ehemaligen Schulfreundes, aus dem Haus gelaufen. „Ich habe rausgeguckt und mir gedacht: ,Das sind sie doch, die Jungs und das Mädel! Was machen die denn hier?‘“ Sie wolle sich bei dieser Gelegenheit schnell mal bedanken für das Grußvideo, das die groß und erfolgreich gewordenen BROILERS ihrer Tochter Imke jüngst zu deren Hochzeit hatten zukommen lassen. „Das hat uns unheimlich gefreut“, sagt Ursula Schneider, die den BROILERS von damals noch als Uschi bekannt ist und die von jedem freudig begrüßt wird. Kein Zweifel: Derlei Aktionen – Lehrer auf der Gästeliste, herzliche Begrüßung alter Nachbarn – zeigen, dass keiner dieser Musiker seine Wurzeln vergessen hat. Sie alle sind, wie es so schön heißt, bodenständig geblieben. Verwurzelt in der alten Vorort-Heimat, die genau das nicht mehr ist.Nostalgische Gefühle? Denen schiebt Sammy wenig später einen festen Riegel vor. Die Gruppe ist gerade an seinem ehemaligen Elternhaus vorübergegangen. Anfang des Jahrtausends waren die Amaras aus Hellerhof weggezogen, seitdem war Sammy nicht mehr hier. Entsprechend musste er das alte Haus an der Paul-Löbe-Straße natürlich ganz genau inspizieren und untersuchen: War die Mauer um den Garten damals nicht höher? Was ist aus dem Jugendzimmer geworden? Wieso ist der Balkon in einem „ekelhaften“ Gelb gestrichen? Und überhaupt: Wie runtergekommen ist die Fassade bitteschön? „Das war jetzt wirklich komisch“, sagt er hinterher. „Komisch und sehr beklemmend.“ Es zeige ihm einmal mehr, dass er immer schon nichts anderes gewollt habe, als „hier raus“ zu kommen.Genau das hat er geschafft. Wie die anderen. Nicht zuletzt durch seine Band, die es trotz einiger Umbesetzungen in den ersten Jahren und einer kurzen Auflösung wegen eines Streits nach der ersten Single („Schenk mir eine Blume!“, 1996) immer noch gibt. Eine Band, deren Name dank eines Skinhead-Freundes aus dem Osten Deutschlands, wo Brathähnchen nicht so heißen, unspektakulär und in Sekunden gefunden war: „Wir saßen hier in Hellerhof um einen Baum herum und er sagte: ,Nennt euch doch BROILERS! Das ist kurz und hat ein ,Oi‘ im Namen.‘ Also taten wir das.“ Eine Band, die so erfolgreich geworden ist, weil sie immer Band blieb und nie zur Maschine wurde. „Wir haben es uns ja niemals zum Ziel gesetzt, groß zu werden und Geld zu verdienen. Wir haben nichts als selbstverständlich genommen“, sagt Andy bei einer Pausen- und Interview-Runde im Biergarten des örtlichen Pferdegestütes. Der Name: „Hotte-Hü“. Vorstadt eben.Bis vor gar nicht allzu langer Zeit habe man sich innerhalb der Band noch nicht einmal gegenseitig Gagen ausbezahlt. „Es gab höchsten mal ein paar Euro für jeden zum Versaufen in der Altstadt oder fürs Essen bei McDonald’s.“ Der Rest ging immer auf das Bandkonto, das quasi von allen und keinem gepflegt wurde. „Es gab schon Momente, in denen ich beim Rausholen des Feuerzeugs ein altes ­­Bündel Scheine, die wir für einen Auftritt bekommen hatten, in meiner Bomberjacke fand. Das hat keinen gewundert oder aufgeregt“, sagt Sammy und schiebt mit ernster Stimme und Kopfschütteln hinterher: „Wer eine Band gründet, um Geld zu verdienen, der ist blöd. Eine Band ist immer Spaß.“ Das interessiere heutzutage natürlich niemanden, der bei einer Castingshow von jetzt auf gleich berühmt werden wolle. „Dann stehen diese Typen zum ersten Mal vor 4.000 Menschen – und können damit gar nicht umgehen. Das ist doch klar. Das ist doch von vornherein zum Scheitern verurteilt.“In einer Band gehe es einzig darum, mit guten Freunden eine gute Zeit zu haben. Es ist das BROILERS-Credo. Natürlich: Sie selber verdienen jetzt Geld. Richtig viel Geld sogar. Geprobt wird dreimal in der Woche, und das nicht in einem muffigen Loch, sondern im Keller unter den Lofts und Künstlerwohnungen an der Ronsdorfer Straße in Flingern, wo auch 4 PROMILLE, ROGERS, MASSENDEFEKT oder CALLEJON ihre Musik zusammenbauen. Hier führt mit Mitsubishi Electric Halle, Stahlwerk, Zakk und JKP-Büro auch so etwas wie die Musiktangente Düsseldorfs vorbei. Zudem ist die Probe immer mittags, nicht mehr abends. Wie bei Profis eben üblich. Aber: Der Spaß steht immer noch im Vordergrund bei den BROILERS. Auch nach zwanzig Jahren. Der Spaß und die Freundschaft. Das Band, das damals im Süden Düsseldorf geknüpft wurde, ist immer noch stark.Deshalb seien ihnen jene Fans, die schon früh dabei waren, heute auch lieber denn je. Denn sie alle sind wahre Freunde einer Band, die auf Freundschaft gründet. „Zu den BROILERS zu stehen, ist nicht einfach“, sagt Sammy. Gerade in der Punk-Szene, wo es aktuell ja schick sei, die Band zu kritisieren, weil sie sich vom Oi!-Punk abgewandt hat – ein Prozess, der 2007 mit „Vanitas“ begann, mit „Santa Muerte“ 2011 vorangetrieben und mit „Noir“ in diesem Jahr vollendet wurde. Und: Die Leute, die ganz plötzlich ganz neu dabei sind, aber schon immer beste Bandfreunde gewesen sein wollen, „die können uns auch mal. Das können wir ganz gut einschätzen.“ Wahre Freundschaft als Schutz gegen Anbiederung einerseits und zwanghaft nostalgische Sturkopfschelte andererseits: Es ist das BROILERS-Rezept. Entwickelt in der Vorstadt. Verfeinert in der großen, weiten Welt.Am Ende der fünfstündigen Vorstadt-Tour steigen die BROILERS in Hellerhof in den Bus der Linie 789 und fahren nach Düsseldorf-Urdenbach, um im dortigen Seydel-Grill Filet-Teller und den schon früher von Sammy und Andy vergötterten Radieschensalat zu essen. „Hier hat sich auch nichts verändert. Wie schön!“, sagt Sammy gut gelaunt, angesichts der orangen Kacheln an der Wand und des vor Fett schlüpfrigen Bodens. Andy denkt jetzt noch mal an die alte Stammkneipe Westside, die an diesem Nachmittag leider geschlossen hatte. „Manchmal saßen wir da drin, sahen uns die regelmäßigen Trinker am Tresen an und dachten uns: So verkehrt ist deren Leben nun auch wieder nicht.“ Dabei lacht er ein Lachen, in das alle einstimmen. Die BROILERS wissen ganz genau: Gut, dass sie diesen Tresenhockern nicht zu lange beim Tresenhocken zugeschaut haben. Draußen wartete schließlich die Welt. Doch für die Vorstadt ist das Herz reserviert. „Hey, suburbia! We’re in love with you!“ „Die kennen wir schon ewig“Wegbegleiter und Proberaumnachbarn der BROILERS waren über viele Jahre hinweg 4 PROMILLE. Deren Frontmann Pommes erinnert sich für das Ox an ein paar Eckpunkte dieser Düsseldorfer Bandfreundschaft.„BROILERS? Die kennen wir schon ewig. Das stimmt zwar, aber wenn ich sagen sollte, wie lange wir die Jungs und das Mädel genau kennen und wie wir sie kennen gelernt haben, dann muss ich wirklich passen. Als wir uns 1997 gründeten, gab es die BROILERS schon ein paar Jahre. Da wir ähnliche Musik machten und in der gleichen Szene unterwegs waren, sind wir uns auch ständig über den Weg gelaufen. In Düsseldorf und Umgebung war damals nicht viel los, was Oi!- oder Punkrock-Konzerte anging. Die Konsequenz: Wenn wir irgendwo spielen wollten, dann ging es meist bis in den tiefsten Osten hinein. Die dortigen Veranstalter buchten unsere Bands dann aus Kostengründen oft als Package. Abwechselnd waren wir füreinander mal Headliner, mal Support – je nachdem, wer letztlich als Haupt-Act gebucht worden war.Legendär sind bis heute die stundenlangen, gemeinsamen Sessions in unserem alten Proberaum in Mettmann. Die BROILERS waren häufig bei uns zu Gast und der Keller war dann entsprechend immer bis oben hin voll mit Leuten, die feiern und laute Musik hören wollten. Leider mussten wir irgendwann aus diesem Proberaum ausziehen. Allerdings kam es somit dazu, dass wir uns in Düsseldorf-Flingern einen Raum mit den BROILERS teilten. Die Zahl der gegenseitigen Besuche nahm jetzt zwar ab. Aber die Produktivität wurde dadurch um Einiges gesteigert. Und: Der Kontakt zu den BROILERS wurde gerade durch den gemeinsamen Proberaum enger. Wir teilten das Equipment, spielten uns gegenseitig neue Lieder vor, gaben uns Tipps – und ab und zu halfen unsere Bands sich sogar gegenseitig personell aus. Sammy etwa spielte bei uns mal am Bass. Unser ehemaliger Sänger Volker und ich sind bei mehreren BROILERS-Gigs für Ines oder Ronald eingesprungen.Genau an diese Zeit habe ich auch die lustigsten Erinnerungen. Da war zum Beispiel diese Geschichte mit dem Taxifahrer in Berlin: Nach dem Gig beim Punk & Disorderly-Festival standen wir bestimmt zwei Stunden in der Kälte und warteten auf ein Taxi, das uns ins Hotel bringen sollte. Kurz vor dem Gefrierbrand hielt dann endlich ein Wagen. Der Fahrer des Taxis sah aus wie der Weihnachtsmann: Er hatte lange, weiße Haare und einen ebenso langen, weißen Bart. Ich hätte diesen Kerl am liebsten gedrückt, hatte er uns doch vor dem sicheren Kältetod bewahrt. Sammy fiel allerdings nichts Besseres ein, als zu sagen: ,Ich will nicht hoffen, dass dir gleich die Schlümpfe aus dem Bart hüpfen!‘ Ich sah uns in diesem Moment schon wieder auf der Straße stehen. Aber ,Vadder Abraham‘ hatte entweder viel Humor – oder er verstand uns einfach nicht. Jedenfalls brachte er uns warm und sicher nach Hause.Ein anderer denkwürdiger Abend war der, an dem wir einen Gig in Graz hatten: An diesem Abend wurde der Veranstalter noch während des Konzertes von der Polizei abgeführt. Er hatte weder eine Genehmigung für das Konzert noch sah eine der Bands je auch nur einen Euro Gage. Ich denke, es war sogar sein Glück, dass die Polizei ihn mitnahm. Das Publikum war nämlich nicht besonders gut auf ihn zu sprechen ... Keine Frage: Wir haben mit den BROILERS schon eine ganze Menge erlebt in den letzten 15 Jahren. Heute sehen wir und leider nicht mehr ganz so häufig wie früher. Doch wir freuen uns auf die Support-Shows, die wir für die BROILERS im Dezember spielen – und auf die gemeinsame Zeit bei diesen Konzerten. Und: Wer weiß schon, was es danach wieder für Anekdötchen zu erzählen gibt?“
 

Reviews

BROILERS

© Ox Fanzine #29 / Carsten Vollmer

Fackeln im Sturm... Arme Lichter im Wind LP

Puh, da hab ich nochmal Glück gehabt, denn der Ska-Faktor ist angenehm niedrig, und so weiß die Debüt-LP der Düsseldorfer OI!/Punk-Band voll zu überzeugen. Es wird gegrölt und gesoffen was das Zeug hält. Der ganzen politischen Kacke wird eine klare Abfuhr erteilt, ohne das Gehirn auszuschalten! Es ist wieder chic für sich selbst zu denken und zu sprechen. Wer diesen Sound mag, wird'se eh schon im Schrank stehen haben, oder?

 

BROILERS

© Ox Fanzine #48 / Tim Tilgner

La Vida Loca EP CD

Die relativ junge Oi!-Band aus Düsseldorf ist ja sehr umstritten. Seien es die Faschos, die sich unter dem Banner "unpolitisch" auf ihren Konzerten rumtreiben, ihre Platten die öfters in den Top 10 irgendwelcher rechten Hefte oder Internetseiten auftauchen, oder das Argument, sie hätten sich nie wirklich gegen Rechts geäußert.Das alles hat sich nicht gerade gut auf ihren Ruf ausgewirkt. Scheinbar haben die BROILERS inzwischen ihre Schnauze gestrichen voll und wollen jetzt ein Zeichen setzen. Im dritten, unbetitelten Lied der "La Vida Loca" EP beziehen sie klar Stellung gegen den rechten Abschaum.Auch sonst ist ihre EP ein ziemlicher Hammer. Ihr Album "Verlierer sehen anders aus" können sie zwar nicht toppen, aber mit "Nur die Nacht weiss" haben sie einen richtigen Hit geschrieben.Als Bonus wurde ihre längst vergriffene 7" "Schenk mir eine Blume" drauf gepackt. Die neueren Sachen kommen, im Gegensatz zu den Älteren, die eher stumpf sind, etwas pathetisch rüber ("Ich sah Welten untergehen.Ich sah Herzen in Flammen stehen"), aber das hat was und macht die BROILERS in der Hinsicht auch einzigartig. Vielleicht wird's ja ein neuer Trend? Pathoi! oder so. Sehr überraschend kommt das eingedeutschte SCREECHING WEASEL-Cover "Hey Suburbia".Bin auf die Reaktionen aus dem braunen Sektor gespannt ("Boah, Verräter, ey", "Wusste doch dat sin' Zecken"). (28:00)

 

BROILERS

© Ox Fanzine #55 / Tim Tilgner

LoFi CD

Endlich ist es raus, das neue Album der BROILERS. Ich fand ja schon, dass "Verlierer sehen anders aus" ein großartiges Album war, und direkt nach der Veröffentlichung der "La Vida Loca"-EP fragte ich den Drummer Andi, wann denn das neue Album zu erwarten sei (Ich war total besoffen und habe auch direkt nach ‚nem Interview gefragt. Ihr könnt also bald mit einem rechnen). Ich habe hier zwar nur den rohen Mix von "LoFi", dieser ist allerdings schon sehr geil. Die Düsseldorfer Quotenband (Ein Punk, ein Greaser, ein Skinhead und eine Frau) liefert eine ziemlich abwechslungsreiches Album ab, das schon jetzt nach einer Menge potentieller Hits klingt. Textlich ist es zwar ziemlich pathetisch, aber ohne wirklich flach zu sein. Den Kontext, in dem sie immer wieder genannt werden, haben sie nach dieser Platte jedenfalls weniger verdient als je zuvor, und vielleicht können sie es auch endlich schaffen, den dummen Teil ihrer Fans loszuwerden. Würde echt mal Zeit werden, denn die BROILERS haben einiges drauf. (44:43)

 

BROILERS

© Ox Fanzine #112 / Frank Weiffen

Noir

Sammy Amara, Frontmann der BROILERS, äußert sich im Ox-Interview ehrlich: Er habe Angst davor, dass die Fans vom neuen Album enttäuscht sind. Und enttäuschte Fans sind für eine Band wie die BROILERS ein Unding.Schließlich berufen gerade sie sich seit jeher stolz auf die Zugehörigkeit zur und Herkunft aus der Punk-Szene – einer Szene, die vor allem für die wechselseitige Loyalität zwischen Fans und Bands bekannt ist.Sogar einen eigenen Terminus haben die BROILERS für ihre treuesten Verehrer: „Die-Hards“. Aber ausgerechnet dieses eine Wort, um das sich alles dreht, dieses „Punk“, ist ja gerade das Problem, das die Düsseldorfer jetzt so besorgt sein lässt.Die BROILERS mögen ihre Wurzeln im Punk haben, aber das, was oben sprießt, die Musik, das wächst mittlerweile in eine andere Richtung. Vor allem mit „Noir“, dem sechsten Studioalbum. Und so eine Entwicklung nehmen selbst die loyalsten Anhänger persönlich.Schließlich sind Punkfans seit jeher nur noch einer Sache mehr verpflichtet als ihrer Lieblingsband: dem Punk selbst. Und der macht auf „Noir“ maximal noch 50% aus. Der Rest ist Rock. Alternativ bis skurril.Mit Anklängen an Springsteen, U2, Pop und allerlei Experimenten mit Schlagzeug und Bass. Hat Sammy also zu Recht Angst vor einer Fahnenflucht? Vielleicht. „Noir“ wird polarisieren und keiner darf sich darüber beschweren.Aber sollte es tatsächlich so weit kommen, wäre das sehr schade. Denn es würde zeigen, dass sich viele Leute nicht wirklich mit „Noir“ beschäftigt hätten. Diese – im Vorfeld angekündigte – Mischung aus den einerseits härtesten, andererseits emotionalsten Songs der Band seit langem, hat nämlich einen Reiz und eine Dringlichkeit, die einem manchmal den Atem rauben und die man eigentlich nicht leugnen kann, wenn man genau hinhört.Man muss „Noir“ eben nur mehr als die obligatorische eine Chance geben. Liebe und Zuneigung wollen erkämpft werden. Dann dürften auch Zweifler zur Überzeugung gelangen: „Zurück in Schwarz“ (Punk), „Die Letzten“ (kein Punk), „Grau Grau Grau“ (Punk), „Ich brenn‘“ (kein Punk) gehören zum Besten, was die BROILERS je zustande brachten.Der Oi! – ja, der ist passé. Aber das ist er im Falle dieser Band ja schon seit Jahren. „Noir“ – das nach „Vanitas“ (2007) und „Santa Muerte“ (2011) wie der letzte Teil einer Trilogie um Tod, Schmerz, Sehnsucht, Hoffnung und Glückssuche rüberkommt – ist nichts anderes als das intensivste, dunkelste und gerade dadurch fesselnde Album einer Band, die musikalisch zudem noch nie reifer klang.Ein großes Konzept in Schwarz. Natürlich saß Vincent Sorg – der Hosen-Produzent – an den Reglern und sorgte für jenen fetten, bombastischen Sound, von dem Campino und Co. bereits seit Jahren zehren.Das Wichtigste aber ist: Sorg hat das Herzblut, das die BROILERS in diesen düsteren Brocken gesteckt haben und das mit jedem Hördurchgang ein Stück mehr durchsickert, nicht angerührt. „Noir“ wird niemand im Sommer bei dreißig Grad im Schatten und mit der Bierflasche in der Hand mitgrölen.Aber wer sagt, dass es kein „Punk“ ist, wenn man ein Album einfach wegen seiner textlichen wie musikalischen Leidenschaft und Schwere, Reife und Intensität goutiert?

 

BROILERS

© Ox Fanzine #78 / Lars Weigelt

Ruby Light & Dark

Eins vorweg, die BROILERS wissen wie sie im Gespräch bleiben und bringen mit diesem CD-Only-Release nicht vor, sondern nach dem Wahnsinns-Album "Vanitas", die dazu passende Single. Passend in dem Sinne, das mit "Ruby, light & dark" einer der besten Songs vom genannten Output, wenn nicht der Band überhaupt, vertreten ist. Dazu gibt es vier bisher unveröffentlichte Songs, zwei aus der Feder der Düsseldorfer und zwei Coverversionen. Zum einen das sehr tighte, mit groovigen Ska-Beats unterlegte "Zusammen" von SLIME und anderseits das englischsprachige "Woke up this morning" aus der Mafia-TV-Serie "The Sopranos". Sehr schick, die "Police and thieves"-Adaption in "Zusammen", long live THE CLASH! Den balladesk gehaltenen Motivations-Stomper "Geboren, um zu gewinnen" vom aktuellen Longplayer, gibt es hier im treibenden Punkrockgewand der Marke BROILERS. "Wenn du jetzt denkst?", vom ersten Album "Fackeln im Sturm", hat die Band hierfür extra neu eingespielt und das mitreißende Stück gibt es nun im zeitgemäßen Sound, eine kleine Effektspielerei hier, ein kräftiges "Oi! Oi!" da. Ein bisschen wie die eigene Retrospektive und für die Fans der ersten Stunde sicher ein Highlight. Und bevor es "Schluss aus, es ist vorbei" heißt, gibt es für die PC-Freaks noch das smarte Video zum Titeltrack fürs heimische Punkrock-Kino zum Nachtanzen und Stompen! Man beachte bitte die gelungenen Tanzeinlagen der ProtagonistInnen. Das Ganze streng limitiert auf 2.222 Stück. und von der Dame und den drei Herren eigens handbesprüht! In Zeiten digitaler Wirren, ein echter Leckerbissen, den Fans eh schon im Regal stehen haben und der den BROILERS ihren Spitzenplatz auch 2008 sichert. (8)

 

BROILERS

© Ox Fanzine #104 / Nico Bensing

Santa Muerte Live Tapes

18 Jahre nach Bandgründung liegt es nun vor: Das erste Live-Album der BROILERS, zusammengeschnitten von den Konzerten in Essen, Dortmund und Bremen. Die Setlist reist einmal durch die Kapellenhistorie, angefangen bei „Blume“ bis hin zu den Stücken der aktuellen Platte.Ohne große Ansprachen geht es direkt mit einem Gemisch aus dem „Santa Muerte“- und „Vanitas“-Preludio los und galoppiert abwechslungsreich bis ans Ende des zweistündigen Konzertes. Auf einige hüpf- und tanzbare Titel („Zurück zum Beton“, „Tanzt du noch einmal mit mir?“) folgen auch mal ruhigere und tristere Töne („Heute schon gelebt“, „Singe, seufze & saufe“), die dann von skaigen („In 80 Tagen um die Welt“), respektive alten Oi!-Liedern und trinkfreudigem Punkrock („Paul der Hooligan“, „Nur die Nacht weiß“) wieder aus der Melancholie gepogt werden.Das großartige „Cigarettes & whiskey“-Cover gefällt mir besonders. Die Doppelscheibe (übrigens auch als limitiertes Dreifach-Vinyl erhältlich) stellt einen repräsentativen Ausschnitt des Werks der Düsseldorfer dar.Wer eines ihrer Konzerte besuchte, weiß, was ihn erwartet; und wer das bisher noch nicht tat, kann hier erfahren, was er verpasst hat. Obwohl ich mir manchmal ein wenig mehr Publikum und dafür ein bisschen weniger Sammys mittlerweile doch recht (zu?) gesangsunterrichtete Stimme in der Abmischung gewünscht hätte.

 

BROILERS

© Ox Fanzine #96 / Joachim Hiller

Santa Muerte

„Das wird ein harter Weg“ – mit dieser Textzeile beginnt der erste Song auf „Santa Muerte“, und man könnte diese Line als Vorzeichen des ganzen Albums, ja der weiteren Pläne der BROILERS ansehen, wenn man denn der Meinung wäre, es gäbe es Grund dazu.Doch von vorne: Die Düsseldorfer wollen es nun richtig wissen. Schon mit dem vorherigen Album „Vanitas“ (2007) hatten sie sich ein gutes Stück von den Anfängen als klassische Oi!-Punk-Band entfernt, was verkniffene Fans der ersten Stunde gestört haben mag, von sprunghaft angestiegenen Zahlen neuer Fans aber mehr als ausgeglichen wurde.Die Locations ihrer Konzerte wurden immer größer, und die „Anti-Archives“-DVD, 2009 auf halbem Wege zu „Santa Muerte“ veröffentlicht, offenbarte, dass mit den BROILERS noch gewaltig zu rechnen sein wird.Und nun also „Santa Muerte“: Sammy & Band verbündeten sich mit JKP, der Management-Firma der TOTEN HOSEN, blieben People Like You als Label treu, und erfanden sich noch einmal neu. Sammy grölt längst nicht mehr er singt jetzt, und ohne Kenntnis der „Zwischenalben“ „Vanitas“ und „LoFi“ (2004) fällt es schwer, eine Ähnlichkeit zu jener Band zu erkennen, die 1997 „Fackeln im Sturm“ und 2001 „Verlierer sehen anders“ aufnahm.Von einem harten Bruch könnte man reden, wäre die Veränderung der Band nicht eine allmähliche gewesen, die nur durch die relativ großen Abstände der Alben so deutlich zu Tage tritt – wer die BROILERS über die Jahre permanent live gesehen hat, der weiß, wie nah „Santa Muerte“ dem ist, was man da von der Bühne her geboten bekommt.Ska-Elemente, etwas DTH-Pathos, samtige Orgelsounds im Hintergrund („Gemeinsam“), die gut in die Texte verkleidete Wut, die immer noch in Sammy kocht – die BROILERS 2011 sind eine runderneuerte Band, die zeigt, dass es weit jenseits des furchtbaren Schlagerrocks von REVOLVERHELD und JUPITER JONES noch andere, coole Möglichkeiten gibt, mitreißende, eingängige Lieder mit deutschen Texten zu schreiben.Dass Sammy an Bruce Springsteen einen Narren gefressen hat, kann man bei seinen Songs erahnen, und man sieht direkt vor sich, wie sich Menschen beim Mitsingen der hymnischen Refrains in den Armen liegen.Ja, Pathos ist hier reichlich im Spiel, aber die gute Art, man ist nicht peinlich berührt. „Routine tötet“ heißt es an anderer Stelle, und die Konsequenz daraus ist permanente Weiterentwicklung.Ob es ein harter Weg sein wird von hier an? Ich glaube nicht: Die BROILERS wollen Freunde sein und bleiben.

 

BROILERS

© Ox Fanzine #87 / Christian Fischer

The Anti Archives

In schöner Regelmäßigkeit lässt sich in den verschiedensten Subkulturen und insbesondere in der Punk- und Oi!-Welt ein Phänomen beobachten, das man fast schon als „reflexartiges Ritual des Abstoßens“ bezeichnen kann.Während in der verhassten, biederen Spießerwelt und bei Verfechtern des schnöden Mammons ein Streben nach „mein Haus, mein Auto, mein Boot“ als Definition des „glückseligen“ Status quo gilt, erhebt die Subkultur exklusiven Besitzanspruch auf „meine Szene, mein Konzert, meine Band“.Wenn ebendiese sich aber weiterentwickelt oder aus den eng gesteckten Grenzen mit den Jahren herauswächst und sich der großen weiten Welt durch ihren Erfolg öffnet, tritt genau anfangs beschriebenes „Ritual des Abstoßens“ ein.Das war schon Ende der Achtziger bei den Frankfurter Würstchen so, die sich ihre Haare irgendwann „bis zum Arsch“ wachsen ließen, und wo der Schnauzbartproll plötzlich ein „Onkel wie wir“ war neben dem ewiggestrigen-Faschotrottel.Später wurde das bei 4 PROMILLE nur durch die plötzliche Auflösung verhindert (obwohl bei der letzten Scheibe ein Abstoß-Reflex beim Szenetratsch schon oft zu vernehmen war), und das ist auch bei den Broilers im Jahre 2009 nicht anders.Und es ist ja auch nicht gerade eine Wonne, wenn anstelle des bekannten Iros oder Glatzkopfs plötzlich kreischende Teenies oder pickelige Freizeitrebellen, vermischt mit Möchtegern-Rockern, dieselbe Band abfeiern wie man selbst.Nix mehr Subkultur und Abgrenzung, man ist zunächst peinlich berührt, dann weicht Betroffenheit der Wut und es endet mit dem bekannten Outing, dass „dies ja nicht mehr meine Band“ sei. So weit, so gut – und in vielen Fällen durchaus verständlich bei Szene-Epigonen, die früher immer am lautesten schrieen, dass sie nie Mainstream oder Kommerz werden würden und nur Musik für „Skinheads/Punks (trage Passendes bitte >hier< ein)“ spielen würden.Wenn aber eine Band erfolgreich ist, irgendwann aber keinen Bock mehr auf den kurzen Haarschnitt hat und nicht immer nur dieselben drei Akkorde spielen will, dabei aber straight ihren Weg geht, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen, dann stimmt bei diesem Ritual irgendwas nicht für mich.Und dies ist der Fall bei den Broilers, wie das vorliegende Mammut-DVD-Package beweist. „The Anti-Archives“ zeigt auf dem eigentlichen Highlight der Veröffentlichung – der fast zu langen Dokumentation auf DVD 2 –, dass diese Band, trotz Schmalzlocke von Sammy und Rotwein-Glas statt Flaschenbier-Attitüde, nach wie vor genauso tickt, wie vor all den Jahren und ihre Wurzeln nicht verleugnet.Kein Schönreden von alten Zeiten oder schamhaftes Verleugnen, dafür die komplette History von den Anfangstagen der Band als Kiddie-Punk- und Skinhead-Band bis hin zur heutigen Entwicklung.Unglaublich viel gesammeltes, rares Material. Die Band scheint wirklich jeden Moment in all den Jahren auf Film gebannt zu haben. Eine überragende Dokumentation, die zwar ihre Längen hat, aber nichts ausspart.Und wenn die Giga-TV-Tante im Interview noch so nachhakend insistiert, dass Skinheads doch „böse und gewalttätig“ seien, gibt’s trotzdem keine Entschuldigung, sondern das klare Bekenntnis, dass die Band Teil dieses Kultes war – sich nach wie vor im Freundes- und Band-Kreis darin bewegt und wohl fühlt, Respekt! Auch der Blick hinter den Kulissen zeigt nicht den A&R Manager mit aalglatten Major-Betreuern und coolen Hipstern, sondern ein Umfeld aus der Szene, was die Band trotz ihres Erfolges als Family beibehält und lebt.Da kommt der Opa-Skin Crazy United-Frank genauso zu Wort und ist Teil der Family wie Emscherkurve 77-Spiller oder die bis vor kurzem noch vereinten PLY-Chefs im Muppet Show-artigen Rollenspiel.D.I.Y. und der unglaublich professionelle Anspruch der Band reichen sich hier die Hand. Manchmal schießt das dann auch unfreiwillig komisch über den Tellerrand hinaus, etwa bei Lobeshymnen befreundeter Bands („Broilers are the German Clash ...“), aber was soll’s.Diese Band ist sympathisch und hat sich den Erfolg durch eigene Arbeit verdient, Punkt. Auf DVD 1 gibt’s die BROILERS live, bestehend aus dem Düsseldorf-Heimspiel im Tor 3 und dem Conne Island-Gig in Leipzig.Alles ist von der Songauswahl bis zu den professionellen Ton- und Bildaufnahmen genial anzusehen und wiederum perfekt, aber nicht künstlich umgesetzt. Broilers eben! Ein fettes Booklet, ein paar Videoclips als Bonusmaterial, inklusive des für mich überflüssigem 3D-Clips sind außerdem enthalten.Wahnsinnsteil, unbedingt zu empfehlen! Und wenn die Band weiter auf dem Teppich bleibt, demnächst die Philipshalle ruft und „The Anti Archives“ zwischenzeitlich in den Charts eingestiegen ist, geht mir das obligatorische Gemecker weiterhin am Arsch vorbei.Ich stehe immer noch neben den Schreihälsen aus der sechsten Klasse und den peinlichen Proll-Deppen beim Broilers-Gig in vorderster Reihe. Diese Band gehört nicht mehr nur „mir“ – und ich mag sie trotzdem, basta!

 

BROILERS

© Ox Fanzine #73 / Claudia Luck

Vanitas CD

Man kann den BROILERS wirklich nicht vorwerfen, dass sie an einem Mangel an Kreativität leiden würden. Mit 19 Songs, über einer Stunde Spielzeit und geschätzten dreiundsiebzig unterschiedlichen Instrumenten ist meine Aufmerksamkeitsspanne leider grenzenlos überfordert. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nach dem letzten Album "Lo-Fi" einfach zu hohe, oder sagen wir mal, zu spezielle Erwartungen hatte. "Lo-Fi" hab ich wirklich bis zum Gehtnichtmehr rauf und runter gehört, aber mit "Vanitas" kann ich nicht wirklich viel anfangen. "Ruby light and dark" nervt mich sogar ganz schrecklich. "Alles, was ich tat" und "Werdet ihr folgen" sind dagegen genau die Streetpunk-Songs, vo denen ich gern ein paar mehr gehabt hätte. "Lost soul" kommt dann wieder soulig rüber. An sich ist das ja okay, wenn eine Band versucht, ihre unterschiedlichen Einflüsse von Punk über Ska, Rockabilly und Soul zu vereinen, aber doch bitte nicht alles in einen Song quetschen, das ist teilweise wirklich way too much. Manchmal ist weniger einfach mehr. Schade. (66:22) (6)

 

BROILERS

© Ox Fanzine #43 / Carsten Vollmer

Verlierer sehen anders aus CD

Boah! (Tolle Einleitung, gelle?) Ich hab die Platte wohl tausendmal auf dem Weg nach Paris gehört und sie hat mich immer wieder mehr und mehr begeistern können. Dass ich dabei die Boardbar locker leer gemacht habe, dürfte wohl auch dazu passen, oder? Diese Platte drückt genau das aus, was ich im Moment fühle: Hass, Verzweiflung, Wut und trotzdem immer weiter gehn! Die geballte Faust bleibt wohl nicht mehr lange in der Tasche... Diese Platte ist jetzt schon ein Klassiker, denn die vier Düsseldorfer bringen ein = mein heutiges Lebensgefühl so direkt auf den Punkt, das sich am liebsten geweint hätte! Diese Platte berührt mich so, wie es nur die alten und abgedudelten Deutschpunklegenden schaffen! Jede Zeile unterschreibe ich blind! Das ist Punk! Das ist OI! Das knallt! Das zündet! Das ist Rebellion! Gut, das war jetzt wohl nicht das objektive und kritische Review, das ihr von einem so etablierten Fanzine erwartet hättet. Ist akzeptiert, aber jetzt den ganzen Kram durchzukauen, wer denn da wen kennt und mit wem der Sänger "einen Saufen geht" - die BROILERS wurden in dieser Richtung ja schon angegriffen - ist mir echt zu blöd. Ich kenn auch genug Leute, deren Einstellung mir nicht gefällt und die kommen nicht nur aus der Rechten-Müllkippe! Solange man seine Meinung nicht auf Grund von Anbiederung verdreht und auch offenkundig bei diesen Leuten vertritt, kann man aufrecht gehen! Denkt darüber nach und kehrt zuerst immer vor eurer eigenen Tür. Vielleicht haben sich viele schon zu sehr von dem entfernt, was ich noch immer unter Punk verstehe: Auf alle Regeln scheißen, das machen was ich will und erstmal nur für mich alleine gerade stehen.

 

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SKEPTIKER

Jul.
16
2016