Die ArtTourdaten, Infos, Interviews, Reviews

Nächster Termin:

10.12.2016
No Votes
Bewertung:
Artist Foto
Artist Foto

Genre

Indie/Alternative, Punkrock/Hardcore, Rock

Shows

223 Shows in 73 Städten / 3 Ländern

Zeitraum

28.04.2007 - 10.12.2016

Letzte Show

23.04.2016 - DE-Dresden, Puschkin Club

Nächste Show

10.12.2016 - DE-Berlin, Frannz Club

Booking

Tourdaten

Archiv
Dez.
10
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Rock
 

Interviews

[[Issue]]

DIE ART - „Ich trage immer schwarz.“

Seit 1986 sind DIE ART aus der Gegend um Leipzig schon aktiv und konnten sich mit schwer nach britischem Goth-Rock/Dark Wave klingenden Songs noch zu DDR-Zeiten einen Namen machen. Nach der Wende ging es für die Band aber erst so richtig los, es folgten hunderte Konzerte, sowohl im Inland wie auch in Nordamerika, und bis zum Split 2001 wurden neun Alben veröffentlicht. Unter dem Namen WISSMUT machte Frontmann Makarios weiter, und dann 2007 die Reunion, zwei weitere Alben – und 2009 nun eine Best Of-CD, besser gesagt „Das Beste von“, denn die Band entschied sich, hier ausschließlich Favoriten mit deutschen Texten zu sammeln. Zeit für ein Interview mit einer Band, deren Vorbilder wohl vor allem bei BAUHAUS, KILLING JOKE und Co. zu finden sind. Makarios beantwortete meine Fragen.Vor zwanzig Jahren endete die DDR. Wie hätte die Geschichte eurer Band wohl ohne den Mauerfall ausgesehen?Das ist schwer zu sagen, von Verbot bis Indie-König war ja alles drin. Ich glaube aber, die Band hätte nicht zwanzig Jahre durchgehalten, wir waren schon nah dran an dem, was in der DDR für eine Band wie DIE ART möglich war, und dann hätte es keine Entwicklungsmöglichkeit mehr gegeben. Glücklicherweise kam der Mauerfall, und DIE ART lief nie Gefahr, sich verbiegen zu müssen.Und wie lautet euer Resümee dessen, was durch den Mauerfall für euch möglich wurde, wie etwa Konzerte in Nordamerika?Zuallererst sind es ja unsere Alben, die wir machen konnten. Das ist wohl für jeden Musiker das Salz in der Suppe und dieses hat ja in der DDR gefehlt. Wir haben zwar mit dem Medium Kassette eine Art Ersatz gefunden, aber unsere erste richtige echte Schallplatte war dann doch etwas ganz viel mehr Beeindruckendes. Natürlich kommen die Möglichkeiten, mit der Band auf Tour zu gehen, gleich danach. Wir haben wirklich viel erleben dürfen, waren in halb Europa und in Nordamerika, das ist schon wie ein Geschenk.Apropos: Sind sich Menschen aus englischsprachigen Ländern der Tatsache bewusst, dass euer Name nichts mit den englischen Worten „Sterben“ und „Kunst“ zu tun hat?Nein, nein, die denken als Erstes an „Stirb Kunst!“ und finden das ganz toll. Die Erklärung, wie DIE ART zu übersetzen ist, ist ja auch nicht ganz einfach und ich sage dann immer, es ist egal, wie unser Bandname interpretiert wird.Ich fing Mitte der Achtziger mit Bands wie JOY DIVISION, TUXEDOMOON, SISTERS OF MERCY, THE JESUS & MARY CHAIN an, „düstere“ Musik zu hören, wobei das für mich immer nur eine andere Form von Punk war. Wie war das bei euch?Ähnlich, nur dass es in der DDR diese Musik erst nicht gab. Ich bin schon 1977 auf Punk gestoßen, habe nachts heimlich die englische Version von Radio Luxemburg gehört und war sofort infiziert. Ich weiß noch, mein Lieblingssong war „Love and a molotov cocktail“ von THE FLYS. Die zweite Zündung kam dann mit JOY DIVISION, und damit bekam Punk für mich auch eine andere, seelentiefere und musikalischere Bedeutung.Wie hat sich euer Geschmack über die Jahre verändert, welche Einflüsse sind geblieben, was kam neu hinzu?Eigentlich hat sich mein Geschmack nicht verändert, nur ist das Spektrum breiter geworden. Ich bin immer noch eher britisch orientiert. Die tollen deutschen Düsterpunk-Sachen hab ich erst recht spät für mich entdeckt, weil mir deutscher Punk immer zu funny erschien. Inzwischen ist das aber alles kein Thema mehr, es gibt ohnehin zu wenig Musik, die mir richtig nahe geht.2001 war Schluss mit DIE ART, es ging weiter mit WISSMUT. Warum?Das lag einfach daran, dass die Bandmitglieder nicht mehr miteinander konnten. Bis es zur Auflösung kommt, vergeht ja ein langer Prozess, den ich auch wahrgenommen und lange zu verhindern versucht habe. Irgendwann ist die Kraft aufgebraucht und man muss etwas Neues wagen. WISSMUT gründete sich noch vor dem Ende von DIE ART, als Alternative, die es dann doch nicht wurde.Und noch mal warum: Was fehlte euch, so dass ihr dann 2007 entschieden habt weiterzumachen?Ganz im Ernst, ich hatte nicht vor, DIE ART wiederzubeleben. Ich hatte mit der Geschichte abgeschlossen und sah das auch eher als museal an. DIE ART war Kult und so sollte es auch bleiben, ohne dass man dem noch neue Impulse geben muss. Leider erwies sich die Alternative WISSMUT nicht als solche, rückte immer näher heran an das, was DIE ART war, ohne es zu sein. Fans und Medien und Veranstalter verstanden das gleichermaßen nicht, forderten immer wieder das Original. Und auch meine Bandmitglieder, zum Teil ja mit DIE ART-Erfahrung, litten unter diesem Zustand, bis es zu einer Art Palastrevolution kam. Dazu kam, dass alle Gründe, die zur Auflösung von DIE ART geführt hatten, nicht mehr bestanden: die Band verstand – und versteht – sich menschlich und musikalisch besser denn je, und so war die Forderung nach dem alten Namen die logische Konsequenz. Im Nachhinein kann man WISSMUT als eine Episode von DIE ART betrachten, wie ein Roman, der noch eine Nebenhandlung einschließt. Und inzwischen gibt es Stimmen, die fragen, wann es was Neues von WISSMUT gibt. Ist das nicht paradox? Erst will man WISSMUT nicht, weil es nicht richtig DIE ART ist, jetzt hat man DIE ART, will aber WISSMUT dazu.Letztes Jahr kam euer Album „Funeral Entertainment“, nun eine „Best Of“ nur mit deutschsprachigen Stücken. Wie kam es dazu?Es war eine Notwendigkeit, dieses Album zu machen. Seit der Wiederbelebung von DIE ART sind ja auch viele neue, jüngere Fans dazugekommen oder Fans zurückgekehrt, die uns aus den Augen verloren hatten. Die fragten nun gezielt nach den Alben „Still“ und „Das Schiff“, aber die sind vom Markt verschwunden. So blieb als Ausweg eine „Best Of“. Dass es eine deutschsprachige Platte wurde, lag daran, dass die Rechtsfrage bei einigen Alben ungeklärt war. Insbesondere sind das die ersten drei DIE ART-Produktionen von 1990 bis 1993, die die englischen DIE ART-Klassiker beinhalten. Inzwischen ist da aber Licht am Horizont.Wo seht ihr euch innerhalb des Gitarren-Undergrounds? Für mich hat ja der Ganzjahres-Halloween, wie er von Postillen wie Zillo und Co. seit den frühen Neunzigern veranstaltet wird, nichts mehr mit dem zu tun, was mich einst an Goth-Rock/Punk interessierte – und ungeschminkt darf man in diesen Kreisen ja sowieso nicht verkehren. Mir scheint, ihr seid Bands wie FLIEHENDE STÜRME oder EA80 ähnlicher. Leider gibt es heute ja nur sehr wenige Bands, die Musik noch ganz klassisch im Stil des Dark Wave der Achtziger spielen.Deine Einschätzung trifft es ziemlich genau. Ganz egal, wie nuanciert man das Musikalische betrachtet, vieles in der Gothic-Szene ist nicht nur nahe am Kitsch, es ist weit drüber. Und die Maskerade brauche ich nicht, um gute Musik zu machen. Ich muss mich nicht schminken und schwarz auflegen, ich trage immer schwarz. Und tatsächlich sehe ich zu FLIEHENDE STÜRME und EA80 mehr Verwandtschaft. Wir sind sozusagen Grenzgänger, die sowohl im Punk zu Hause sind, weil wir nun mal von da kommen, als auch düster genug sind, um für Gothics interessant zu sein. Aber es gibt auch in diesem Mischbereich doch gute Entwicklungen. Neue Bands, die sich aus dem Gefühl der frühen Achtziger speisen, haben ja durchaus Erfolg, wie EDITORS oder INTERPOL, und irgendwo da bewegt sich DIE ART auch.
 
[[Issue]]

DIE ART - 1986 bis 2010, eine Chronologie

Seit 1986 sind DIE ART aus der Gegend um Leipzig aktiv, konnten sich mit nach britischem Goth-Rock/Dark Wave à la BAUHAUS, KILLING JOKE und Co. klingenden Songs noch zu DDR-Zeiten einen Namen machen. Nach der Wende ging es für die Band aber erst so richtig los, es folgten hunderte Konzerte, sowohl im Inland wie auch in Nordamerika, und bis zum Split 2001 wurden neun Alben veröffentlicht. Seit 2007 aber gibt es DIE ART wieder, und nachdem 2009 eine Best Of-CD mit den Favoriten mit deutschen Texten erschien, kam 2010 nun „Twenty Fear“, das Äquivalent mit den englischen Nummern. Wir baten DIE ART zu liefern, was der CD fehlt: Eine Chronologie der Bandgeschichte.1986: Die Band heißt DIE ART. Einen richtigen Gründungstag gibt es nicht, hervorgegangen aus DIE ZUCHT (1984/1985) hat sich nun endlich eine feste Formation ergeben. Die klassische Besetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang wird durch ein Saxophon erweitert. Eine Punkband mit Saxophon? Das geht schon, wenn der Saxophonist einen Proberaum hat. Viele Auftritte gibt es nicht und der neue Name muss sich erst noch durchsetzen.1987: DIE ART macht ihr erstes Tape namens „Would You Mind Us Looking For“ als Demo-MC (es wurde 2008 originalgetreu auf CD wiederveröffentlicht). Ein Song davon landet erstmals bei DT64 in der Rundfunksendung „Parocktikum“. Eine Berliner Booking-Agentur verschafft ihnen daraufhin Auftritte im ganzen DDR-Land, und der Polterpunk der Anfangszeit wird etwas düsterer, geschliffener, ergreifender. Man trennt sich vom Saxophon und holt sich ein Quietsch-Keyboard, bis man bemerkt, dass ein fünfter Mann gar nicht nötig ist. Die Band bestand nun aus Makarios (voc), Cristoph Heinemann (bass), Thomas Gumprecht (guit) und Thomas Stephan (drums).DIE ART prägt schnell einen eigenen Stil aus und gewinnt immer mehr Fans. Underground ist schick, doch DIE ART will heraus aus dem Keller. Im November kommt es zur Aufzeichnung des inzwischen als legendär geltenden Konzerts „Parocktikum-Session II“ durch den Berliner Rundfunk. Und das Unfassbare geschieht: Der Mitschnitt wird gesendet. Ein knackiger Popularitätsschub ist die Folge und legt Zeugnis ab von der Macht des Rundfunks.1988: Für Bands wie DIE ART wurde inzwischen ein Etikett geschaffen. Die „Anderen Bands“, wie es hieß, waren tatsächlich anders als die Mehrzahl der etablierten DDR-Rock-Bands und hatten ihre Wurzeln zumeist im Punk. Ein erster Song („Sie sagte“) wurde auf der LP-Compilation „Parocktikum“ veröffentlicht. DIE ART auf Vinyl blieb ansonsten aber zu DDR-Zeiten ein unerfüllter Traum. Somit war die Karriere als Kassettenband ein grandioser Ausweg. DIE ART veröffentlichte das „Parocktikum“-Konzert als ihr zweites Tape unter dem Namen „Just Another Hit“. Hunderte Kopien wurden in Heimarbeit hergestellt und vertrieben. Unkontrolliert, unzensiert und oft leider in erstaunlich schlechter Qualität. Ein echtes ORWO-Tape eben.1989: Das dritte Tape „Dry“ entsteht und wird der Band förmlich aus den Händen gerissen. Zum Ende der DDR werden davon mehr als 1.500 Kopien verkauft sein. DIE ART spielt auf dem letzten Pfingsttreffen in Berlin vor rund 10.000 Zuschauern. Für viele ist dies die erste Begegnung mit dieser „unerhörten“ Musik. Bands wie DIE ART stehen in dem Ruf, unangepasst und aufrührerisch zu sein. Das kommt im Publikum an und bringt die Masse zum Kochen. Das FDJ-Hemd passt nicht zu der wilden Pogo-Orgie und wird sich reihenweise vom Leib gerissen.DIE ART nimmt erstmals Songs im Studio für den Rundfunk auf – „I love you Marian“, „Eternal fall“ und „Black dust“ – und landet damit in den so genannten Hitparaden der DDR-Sender. Eine zweite Session droht zu misslingen, da Drummer Thomas Stephan den Einberufungsbefehl erhalten hat und verständlicherweise im Herbst 1989 diesem nicht Folge leistet. Er geht über Ungarn in den Westen. Neuer Drummer wird Dirk Scholz von der Band DIE ANDEREN. Verhandlungen über eine Schallplatte scheitern, da die Liedzeile „I want to see the wide wide world“ als Aufforderung zur Republikflucht angeprangert wird. DIE ART verzichtet, da sich die Musiker nicht zensieren lassen wollen. Schließlich überschlagen sich die politischen Ereignisse im Herbst 1989 und führen zu völlig veränderten Bedingungen.1990: Der eiserne Besen fegte durch die Labelhallen von Amiga, und was eben noch undenkbar war, wurde mit neuen Chefs, neuem Namen und neuem Geld das Normalste der Welt: DIE ART machte ihr erstes Album namens „Fear“ – oder „4“, ganz wie man wollte. Und natürlich mit dem Lied „Wide wide world“. (Die Platte ist längst vergriffen und erzielte bisweilen unanständige Fantasiepreise auf dem Secondhand-Markt.) Doch ehe das Album im September erschien, glich das Jahr für die Band einem unträumbaren Traum. Januar: Drei Konzerte in Paris, mit Abstecher in den Élysée-Palast und dortigem großen Gelage. März: Tournee mit der US-Band VOLUME UNIT durch ?SSR, Ungarn, Jugoslawien, Italien, Österreich und Deutschland. Mai: Konzert in Zürich und so weiter. Und mit der D-Mark erschien gleichzeitig die erste 7“-Single. Ein Strudel, dem die Band eher mit naivem Staunen gegenüberstand, als dass man das alles fassen konnte. Die Rakete hatte gezündet und DIE ART hatte nun ihren Sitz in Berlin.1991: Der Erfolg des ersten Albums brachte einen Plattenvertrag. Und so fand sich DIE ART im Frühjahr 1991 schon wieder im Studio ein. Das daraus resultierende Album hieß „Gold“ und erschien noch in den drei Formaten MC, CD, LP. Aus irgendeinem Grund bekam die Band das Prädikat „Kult“ und war Anfangs der Neunziger Jahre eine der wenigen DDR-Indie-Bands, die die Wende überlebten und sich ihre Nische suchen konnten. Bands wie SANDOW, SKEPTIKER oder eben DIE ART waren ein Phänomen des Ostens, hier heiß geliebt und im Westen kaum wahrgenommen. Den Fans war es recht, konnten sie ja so ihren Kult bewahren.1992 und 1993: DIE ART arbeitete an ihrem dritten Album und tourte nun regelmäßig durchs Ostland. Schon 1991 hatte die Band ihren alten Drummer Thomas Stephan zurückgeholt und war in Originalbesetzung bis 1999 zusammen. Dies verhinderte aber nicht, dass dieses dritte Album, „Gift“ genannt, eher spaltete als zusammenzuhalten. Man probierte „Radiotauglichkeit“, begab sich in die Hände eines Produzenten und hatte am Ende ein eigenartiges Produkt zusammengebracht. Und als dann tatsächlich einige große Radiostationen „Black Hearts“ in die Rotation nahmen, schien der große Durchbruch greifbar. Stilistisch war vom Punk früherer Jahre kaum noch etwas übrig, ganz im Gegensatz zu ihren Konzerten. Da wurden die nett gemachten Songs von „Gift“ mit gnadenloser Härte geboten. Der Richtungsstreit endete durch ein äußeres Ereignis: Das Label DSB schloss die Pforten und „Gift“ verschwand in der Versenkung. Um die Band stand es nicht sonderlich gut und wäre da nicht ein Label gewesen, welches das Potenzial von DIE ART richtig erkannt hätte, wäre DIE ART in die Knie gegangen.1994: Rough Trade! DIE ART ist bei Rough Trade und gemeinsames Ziel von Band und Label ist, „Gift“ mit einem Knalleffekt vergessen zu machen. Der Knalleffekt heißt „But“ und ist wohl das in sich schlüssigste Album der Band. Die Verkaufszahlen von „Fear“ werden zwar nicht erreicht, doch der Trend geht wieder nach oben. Band und Label sind glücklich und drei gute Jahre werden folgen.1995: DIE ART hat etwas, was nur wenige Bands haben. Eine Schublade voller Songs und wenn einem nichts Neues einfällt oder Bedarf ist, greift man hinein und zaubert ein Album hervor. Im Falle des 1995er Albums „Das Schiff“ wurde daraus ein den Kult nährender Klassiker. Erstmals in Deutsch, erstmals in einem Leipziger Studio, ging es zurück zu den Wurzeln und mit dem Song „Endlos“ sogar bis in die Zeit vor 1986. DIE ART erlebte ihren zweiten Höhenflug, der sie wieder in Radio und TV führte. Der Bandsitz verlagerte sich mehr und mehr nach Leipzig.1996: Für „Das Schiff“ verbrauchte DIE ART nicht mal 4.000 DM Produktionskosten, der Effekt für Rough Trade war vergleichsweise riesig, wenn man annimmt, dass rund 10.000 CDs und LPs abgesetzt werden konnten. 1996 legte DIE ART mit „Still“ dann ihr zweites komplett in Deutsch getextetes Album vor und man erhoffte sich einen ähnlichen Erfolg, zumal die Tour zu „Still“ die höchsten Zuschauerzahlen brachte, die die Band jemals erreichte (ausgenommen die Konzerte ihrer Abschiedstournee 2001). Leider gingen Live-Akzeptanz und CD-Verkäufe nicht zusammen, eine Tatsache, die man als Vorboten für den langsamen, fünf Jahre dauernden Niedergang der Band sehen kann. Im zehnten Jahr ihrer Existenz hatte DIE ART ihren Zenit erreicht und es war abzusehen, dass ihr der oft prophezeite große Durchbruch nicht gelingen würde.1997 und 1998: Die Musiker konzentrierten sich nun mehr auf Selbstverwirklichung und nahmen weniger Rücksicht auf die Erwartungshaltung der Fans. So entstanden das experimentelle Album „Adnama“ (1997) und das von einer Cellistin (Susanne Thiele) begleitete Album „Mellow Versions“ (1998), welches getragene, gediegene, teils unplugged gespielte Versionen ihrer früheren Songs beinhaltete. „Mellow Versions“ war insofern spektakulär, da sich die Songs in einer ganz anderen Atmosphäre darboten, dunkler und zerbrechlicher, und die tiefe Stimme von Sänger Makarios mehr in den Vordergrund rückten. Die rund 20 Konzerte dauernde Tour durch kleinere Clubs hatte ihren Höhepunkt in der Dresdener (Pillnitzer) Weinbergskirche, ein Auftritt, von welchem die Besucher noch heute schwärmen. Gleichzeitig war diese Tour jedoch die letzte, die mit Bassist Christoph Heinemann gefahren wurde; kurze Zeit später trennte sich die Band von ihm. Die Gründe können kaum musikalischer Natur gewesen sein, denn das prägende und nun fehlende Bassspiel Christoph Heinemanns ließ sich nicht so leicht ersetzen.1999: Nicht zum ersten Mal stand es kritisch um die Band, aber die Situation, in die sich DIE ART diesmal gebracht hatte, war regelrecht ausweglos. Ohne einen geeigneten Nachfolger am Bass war die Band nicht handlungsfähig. Die Suche nach diesem Nachfolger blieb lange ohne Erfolg, so dass man als Trio ins Studio ging, um den Song „Vereinsamt“ aufzunehmen, die einzige Produktion, welche diese Phase dokumentiert. Erst spät im Jahr fand man einen Bassisten (Christian Schierwagen), der zumindest dafür sorgte, dass DIE ART wieder live spielen konnte.Abseits der Personalsorgen endete zudem der Vertrag mit Our Choice/Rough Trade und die Wiederveröffentlichung des historischen Tapes „Dry“ als CD war die letzte Zusammenarbeit. Offiziell gibt es von dieser Ausgabe nur 333 Exemplare, spätere Kopien auf CD-R nicht mitgerechnet.2000: Scheinbar geht es wieder bergauf, denn DIE ART arbeitet an einem neuen Album. Die musikalischen Differenzen lassen sich aber kaum kaschieren und so nennt man das Album „Last“, ein Fingerzeig auf das drohende Ende. Das Album erscheint im Januar 2001 auf Wilma Music, dem Label des DIE ART-Managements.2001: Mit dem Album „Last“ verband sich dennoch die Hoffnung, einen Weg zu finden, auf welchem DIE ART weitermachen konnte. Und Live-Tour und Verkauf liefen nach anfänglichen Schwierigkeiten sogar recht gut. Dennoch, durch den Wechsel am Bass war der Zusammenhalt der Band entscheidend gebrochen, und zu den musikalischen gesellten sich zwischenmenschliche Differenzen.Im Mai 2001 gründeten Thomas Gumprecht und Makarios die Band WISSMUT, zu welcher auch der Weimarer Bassist Conrad Hoffmann gehörte. WISSMUT war als musikalische Alternative gedacht, ohne dass man damit DIE ART ersetzen wollte.Das Ende für DIE ART kam dann auch überraschend. In einem Interview verkündete Makarios die Auflösung der Band zum Ende des Jahres, ohne sich vorher mit seinen Bandkollegen abgesprochen zu haben. Dies ist aber eine Episode am Rande, da Makarios ja nur ausgesprochen hatte, was latent in den Köpfen der anderen Bandmitglieder vorhanden war. Für die nun folgende, letzte Tour der Band, wechselte man noch einmal den Bassisten aus und holte Conrad Hoffmann von WISSMUT. Noch während die tränenreiche und umjubelte Tour lief, war eigentlich klar, dass mit dieser letzten Formation alles wieder gut war, doch die Entscheidung war gefallen und so kam es am 21. und 22.Dezember zu den regelrecht ergreifenden und wuchtigen Abschiedskonzerten in der Leipziger Moritzbastei. DIE ART spielte, als gäbe es kein Morgen, denn es gab kein Morgen. DIE ART hatte aufgehört zu existieren.2002: Im Frühjahr erscheint mit dem Live-Mitschnitt der Abschiedskonzerte das letzte Dokument von DIE ART. Und keiner der Beteiligten glaubte, dass es nach „Last Live Sequences“ je eine Rückkehr der Band geben würde.2003-2006: Die Band heißt WISSMUT und betrat 2003 zum ersten Mal die Bühne. Als Alternative gedacht, als neuer musikalischer Weg, wurde schnell offenbar, dass die verbleibenden ehemaligen DIE ART-Mitglieder zu dominant waren und der Einfluss der alten Band allgegenwärtig.WISSMUT litt in den ersten Jahren unter ständigen Wechseln am Schlagzeug, was im Frühjahr 2004 fast die Auflösung zur Folge hatte. Um die Band zu retten, wollte man gar gänzlich auf einen Schlagzeuger verzichten und mit elektronischen Beats arbeiten (2004: EP „Cured By WISSMUT“). Doch ausgerechnet der Groove-Bastler Shiva Rudra wurde zum rettenden Anker. Beauftragt, den WISSMUT-Songs einen Beat zu verpassen, übte er Schlagzeug und hatte innerhalb von drei Wochen das komplette Live-Programm drauf. Den verblüfften Musikern (niemand, nicht mal Shivas Freundin wusste, dass er Schlagzeug spielen kann) präsentierte er dann seine „Grooves“ und war fortan festes Bandmitglied.WISSMUT stabilisierte sich, produzierte CDs und LPs, doch wirklich akzeptiert wurde die Band nie. Der lange Schatten von DIE ART beeinflusste Journalisten, Veranstalter und Fans gleichermaßen, und der Ruf nach dem „Original“ wurde immer lauter. Zudem, entgegen den äußeren Bedingungen, war der innere Zusammenhalt der Band besser denn je, war man musikalisch klar auf einer gemeinsamen Wellenlänge.Mit dem Argument, dass alle Gründe, die zur Auflösung von DIE ART geführt hatten, nun hinfällig waren, kam es im September 2006 zu einer Art Palastrevolution. Mit den Worten: „Entweder werden wir wieder zu DIE ART oder wir beenden alles“, wurde Sänger Makarios, der als Einziger gegen eine Wiederbelebung der alten Band war, in die Enge getrieben. Nach monatelangem Zweifeln gab Makarios nach und im April 2007 DIE ART ihr „Wiederauferstehungskonzert“, frenetisch gefeiert von 400 Fans im Chemnitzer Südbahnhof.Sonderfall 18.04.2004: Der Monat April scheint für DIE ART immer ein besonders guter Monat zu sein. An besagtem Datum spielte DIE ART in der Besetzung der Abschiedstour ein nicht geheim zu haltendes Kurzkonzert im Dresdener Ballsaal „Gare de la lune“. Anlass war der 40. Geburtstag des befreundeten Sängers einer anderen Kultband, den FREUNDEN DER ITALIENISCHEN OPER. Wie DIE ART waren die „Freunde“ längst aufgelöst und man wollte nur für dieses eine Mal zusammenkommen. 600 glückliche Zuschauer erlebten einen grandiosen Konzertabend, während 600 Fans, die kein Ticket hatten, vor der Tür für ein Verkehrschaos sorgten und die Straße lahmlegten. Leider ist es bis heute nicht gelungen, den Mitschnitt dieses Ereignisses zu veröffentlichen.2007-2010: Die Band heißt DIE ART! So als wäre nichts gewesen, nimmt man den Faden dort auf, wo man ihn 2001 verloren hatte. Schnell spielt sich DIE ART in die Herzen ihrer Fans zurück, eine große Erleichterung zurücklassend, dass eine der wenigen ostdeutschen Indie-Bands von 1989 weitermacht, produktiv ist und energiegeladene Konzerte gibt (die anderen zwei sind DIE SKEPTIKER und SANDOW). Natürlich ist DIE ART von 2010 nicht vergleichbar mit der von 1986. Sie wird eigentlich immer besser. Seit der Neugründung hat die Band drei Platten herausgebracht („Alles was dein Herz begehrt“, „Funeral Entertainment“ sowie „Für immer und ewig“), von denen mindestens „Funeral Entertainment“ als Meilenstein im düsteren Indierock zitiert wurde.In diesen Tagen veröffentlicht die Band ihr zweites Best-Of-Album „Twenty Fear“, ein Rückblick auf eine bewegende und bewegte Zeit, für Fans und Band gleichermaßen.
 

Reviews

DIE ART

© Ox Fanzine #99 / Joachim Hiller

Arcane/An Arcane Story

Seit ein selbsternannter Graf mit Texten so flach wie ein Blatt Papier und Billigmusik jenseits aller Schmerz- und Schamgrenzen die Grenze von sowieso schon schwer zu ertragendem deutschsprachigen Gothrock zu Schlagertrash überschritten hat, ist das Leben für eine Band wie DIE ART schwer geworden.Seit den Achtzigern – erst in der DDR, nach der Wende dann gesamtdeutsch – perfektionierten sie ihren speziellen, treibenden Sound, der klar auf den britischen Gothrock-, Post-Punk- und New Wave-Helden der ersten Hälfte der Achtziger basiert, mit (meist) deutschen Texten, denen zwar bisweilen auch eine gewisse Dramatik anhaftet, aber ebenso Tiefgang.Mit „Arcane“ veröffentlicht die Band aus Leipzig nun drei Jahre nach „Funeral Entertainment“ ein neues Werk, das laut Label eine Mischung aus Konzeptalbum und Soundtrack darstellt. Damit wäre man dann bei der beiliegenden DVD, die mit „An Arcane Story“ einen vom Album inspirierten Kurzfilm enthält, in dem Sänger Makarios Oley mitspielt.Alles hier kann einem in manchen Momenten eine Spur zu gefühlsschwanger vorkommen, unterm Strich fügen sich aber die neuen Stücke wie auch der Film ein ins eigenwillige, komplexe künstlerische Gesamtwerk von DIE ART und Makarios Oley.Über die ART-Version des JOY DIVISION-Überklassikers „Love will tear us apart“ kann man geteilter Meinung sein – ich halte das Stück jenseits der zeitgenössischen Interpretation von Paul Young per se für „uncoverbar“ – und mit „Mein langsamer Tod“ werden auch FLIEHENDE STÜRME gecovert.Ansonsten bekommt der DIE ART-Liebhaber hier wieder rundum das, was er an der Band schätzt.

 

DIE ART

© Ox Fanzine #57 / Frank Schöne

Das Schiff LP

Annodunnemals - 1993 oder so - hab ich mir mal das Original der Scheibe auf CD im Zentralohrgan in Dresden gekauft. Mittlerweile ist der Laden nun schon zweimal umgezogen, und die Band schon lange nicht mehr existent. Huch ja, da kommen nostalgische Gefühle auf. Jedes Jahr zu Weihnachten gastierten die im Eastclub Bischofswerda, und ich glaube ich habe all ihre Auftritte da gesehen. "Das Schiff" ist so ziemlich ihre Klassiker-Scheibe (obwohl ich die "But" fast besser finde). Jedoch kann ich derlei Wiederveröffentlichungswahn nix abgewinnen, tut mir leid. Warum ewig alte Platten nochmal aufwärmen? Warum nicht sich komplett auf Neues beschränken? Damit die jungen Springer auch mal mitbekommen, was gut war? Denkt ihr, das interessiert die? Die haben ganz andere Idole, glaub ich. Nee du, ich weiß nicht - ich find sowas überflüssig. Aber Makarios (Frontmann von DIE ART) war immer ein netter, überaus korrekter Zeitgenosse, die Band eh auch ein absoluter Meilenstein (ost)deutscher Musikgeschichte. Sie zählten um die Wendezeit zum Haufen der "Anderen Bands" - einem Label, welches alle möglichen Gruppierungen zwischen FEELING B (deren Paul und Flake heute RAMMSTEINs Kern bilden) und sagen wir mal AG GEIGE (so ein Art-Rock-Krach) vereinte. All das Bands halt, die zu DDR-Zeiten eh nie hätten eine Platte machen können, weil sie zu kritisch waren oder einfach musikalisch für störend befunden wurden. DIE ART zählte dabei immer zur eher melodischen Fraktion, beeinflußt von THE CURE und JOY DIVISION, sag ich mal. Das kam an damals, und so waren sie landauf, landab unermüdlich live unterwegs, und das auch jedes Jahr mit einer neuen Platte. Vor drei oder vier Jahren lösten sie sich dann auf. Zum Schluss war die Luft raus, man wiederholte sich mit jedem Song selbst und wirkte auch live immer müder. Heutzutage sind sie wieder beisammen, firmieren aber mittlerweile unter dem Namen WISSMUT und wollen an die Zeit anknüpfen, in der just das hier besagte Album entstand. In dieser Phase arbeiteten sie vornehmlich mit deutschen , eigentlich sehr schönen, melancholischen Texten. Stücke wie "Das Schiff", "Sie sagte" oder "Heimatlied" blieben absolute Klassiker der Band. Und, na gut, so betrachtet müsste ich eventuell mein Urteil über diese Neuveröffentlichung nochmal neu überdenken. Hört sie euch selber mal an, so ihr sie noch nicht kennt, es kann nicht schaden, denn was die damals musikalisch hingezaubert haben, hat schon viel Liebe, Talent und technisches Geschick. (56:09) (07/10)

 

DIE ART

© Ox Fanzine #81 / Markus Kolodziej

Funeral Entertainment

Der Sound von DIE ART – die in einer Zwischenphase auch als WISSMUT Großartiges in Sachen hymnischen Dark Waves geleistet haben (was sich auch darin äußerte, dass sie mit Genre Protagonisten wie SUBSTANCE OF DREAM und FLIEHENDE STÜRME auf Tour waren) – besteht in wesentlichen Teilen aus Post-Punk, gitarrenorientiertem New/Dark Wave und Gothic.Einem Konzept, dem die Band von jeher (bereits 1986 in Leipzig gegründet) treu geblieben ist. Der Opener „Obsession is dark passion“ manifestiert ihre Affinität zu wavigen Rhythmusgitarren, die auf einen rudimentären Sprechgesang treffen.Beide Elemente münden in einen Refrain mit Erinnerungswert. Auf „Swimming in dirty water“ dominieren die Punk-Einflüsse, bevor „The seventh unneeded abortet start“ das Tempo etwas zügelt und sich als kristalliner Wave Rock präsentiert.Das 15-minütige psychodelisierende Epos „Pale“ wurde bereits 1991 eingespielt (war bisher aber unveröffentlicht) und ist sicher der Höhepunkt des Albums. DIE ART haben ihren punk-inspirierten Wave Rock in den letzten Jahren zur Perfektion reifen lassen und ihn mit diesem Album auf den Punkt gebracht: eine gekonnte Melange aus klassischen Genre-Bands wie BAUHAUS und den SISTERS OF MERCY einerseits und „melancholischen“ Punkbands à la EA 80 oder PINK TURNS BLUE.An Eigenständigkeit mangelt es dennoch nicht: „Funeral Entertainment“ setzt Maßstäbe beim gegenwärtigen 80er Jahre inspirierten (Dark) Wave-Sound. Auch wenn die Band dem Begriff „Gothic“ distanziert gegenübersteht, zieht sie ihre Essenz mitunter doch aus diesem Genre.

 

DIE ART

© Ox Fanzine #87 / Joachim Hiller

Für immer und ewig – Best Of Vol. 1

Seit 1986 sind DIE ART aus der Gegend um Leipzig schon aktiv und konnten sich mit schwer nach britischem Goth-Rock/Dark Wave klingenden Songs noch zu DDR-Zeiten einen Namen machen. Nach der Wende ging es für die Band aber erst so richtig los, es folgten hunderte Konzerte, sowohl im Inland wie auch in Nordamerika, und bis zum Split 2001 wurden neun Alben veröffentlicht.Unter dem Namen WISSMUT machte Frontmann Makarios weiter, und dann 2007 die Reunion, zwei weitere Alben – und jetzt dieses Best-Of, besser gesagt „Das Beste von“, denn die Band entschied sich, hier ausschließlich Favoriten mit deutschen Texten zu sammeln.Ein interessanter Versuch, schreibt die Band doch sonst auch oft englische Texte, doch siehe da, es gibt keinen Grund, Vorbehalte zu haben, denn peinlich geht definitiv anders. Man merkt mal wieder: Deutsche Texte, die nicht gebrüllt werden, sind immer erst dann ein Problem, wenn die lyrische Qualität sich auf Schlagerniveau bewegt.Die von Makarios sind davon denkbar weit entfernt, und sein dunkles, samtiges Organ harmoniert wunderbar mit der druckvollen Musik, deren Vorbilder wohl vor allem bei BAUHAUS, KILLING JOKE und Co.zu finden sind. Im Booklet gibt’s leider nur die Texte, ich hätte mir da kurze Anmerkungen zum Hintergrund der Stücke gewünscht – und fände ein umfassendes Best-Of der englischen Songs in Bälde angemessen.(Diese Band war auf der Ox-CD #87 zu hören)

 

DIE ART

© Ox Fanzine #97 / Joachim Hiller

Gift

Nach „Fear“ (1990) und „Gold“ (1991) erschien 1993 das dritte Album der schon zu DDR-Zeiten aktiven und in begrenztem Umfang erfolgreichen Leipziger Punk/Wave-Band DIE ART – konsequenterweise wieder mit einem Vier-Buchstaben-Titel.Das damalige Label DSB veröffentlichte das Album nur auf CD, doch 18 Jahre später gibt es nun doch noch die Vinylversion – konsequenterweise erscheint die Neuauflage sogar nur als LP. Das neue Artwork stammt von Lars P.Krause, der die Cover auch auf grobem, braunem Karton mit grün-grau-schwarzem Siebdruck herstellte – eine ausgesprochen gelungene Angelegenheit. Musikalisch hatten sich DIE ART damals etwas von den düsteren, harten Klängen ihrer ersten Jahre entfernt und etwas eingängigeren, teils opulent mit Streichern in Szene gesetzten Wave-Rock-Klängen zugewendet – was nur auf begrenzten Zuspruch bei den Fans stieß, mit der Folge, dass das Album weniger erfolgreich war als die beiden Vorgänger, bald nicht mehr nachgepresst wurde und in den Folgejahren entsprechend rar war.Mit „Gift“ macht Major Label dem nun ein Ende, und erstaunlicherweise klingt „Gift“ gar nicht so „altmodisch“, wie ich das befürchtet hatte. „The great white north“ oder „Black hearts“ sind immer noch exzellente Songs, das DEPECHE MODE-Cover „Stripped“ überzeugt, so dass sich dieses Album nicht nur für alte Fans, sondern auch für den neugierige neue DIE ART-Interessierte eignet.Weitere Rereleases sollen folgen.

 

DIE ART

© Ox Fanzine #117 / Markus Kolodziej

Success

DIE ART aus Leipzig entstanden gegen 1986 aus der Vorgängerband DIE ZUCHT und zählten zu den die Wendezeit prägenden „anderen Bands“ der DDR (wie etwa FEELING B), deren Musik und Texte sich unter anderem durch offene oder versteckte Systemkritik auszeichneten.Auch nach nun fast drei Jahrzehnten  Bandgeschichte (mit Unterbrechung) hat sich die Band mit Studioalbum Nummer 13 nicht völlig neu erfunden – was ja auch nicht notwendig ist –, dafür aber neue spannende Facetten aufgetan.Basis der Songs sind immer noch der Bass in Verbindung mit dem eindringlichen Bariton von Sänger Makarios und die kantige Gitarre, die sich zwischen diesen beiden tragenden Säulen schiebt: Moll regiert weiterhin die Songs.Aber schon beim Opener „Seven tears I cry“ hat man den Eindruck, die Band ist etwas versöhnlicher geworden, denn gerade dieser Track erinnert in seiner Instrumentierung einschließlich der Akzente setzenden Trompete ein wenig an ELEMENT OF CRIME.Die Texte sind immer noch eines der herausragenden Merkmale von DIE ART („Morgenroth“, „Rasende Welt“), wecken Assoziationen zu FLIEHENDE STÜRME und versprühen ihre ganz eigene Magie.

 

DIE ART

© Ox Fanzine #92 / Joachim Hiller

Twenty Fear – Best Of Vol. II

„Ich fände ein umfassendes Best-Of der englischen Songs in Bälde angemessen“, schrieb ich Ende 2009 anlässlich der Veröffentlichung von „Für immer und ewig – Best Of Vol. 1“, auf der DIE ART ihr deutschsprachiges Schaffen zu Gehör brachten.Seit 1986 ist die Formation aus der Gegend um Leipzig schon aktiv und konnte sich mit schwer nach britischem Goth-Rock/Dark Wave klingenden Songs noch zu DDR-Zeiten einen Namen machen. Nach der Wende ging es für die Band aber erst so richtig los, es folgten hunderte Konzerte, sowohl im Inland wie auch in Nordamerika, und bis zum Split 2001 wurden neun Alben veröffentlicht.Unter dem Namen WISSMUT machte Frontmann Makarios weiter, und dann 2007 die Reunion, zwei weitere Alben – und nun der zweite Teil des Best-Ofs, diesmal ausschließlich in englischer Sprache, und es ist schon erstaunlich, wie sehr es die Wahrnehmung einer Band verändert, wenn diese auf Englisch singt.Trotz der eigentlich ja gleichen Musik klingt das hier wesentlich stärker nach den die Band prägenden Vorbildern aus dem Post-Punk-England der Achtziger. Ein Song wie beispielsweise„Weather fine“ ist einfach ein zeitloser Klassiker, nicht zu vergessen „Great white north“, „Kiss me till I die“ oder „The final error“.Abgedeckt wird von den Tracks der ersten CD („20“) die Zeit von 1990 bis 2000, und als Ergänzung gibt es dann noch „Fear“, das Debütalbum aus dem Jahr 1990, das seinerzeit auf Amiga erschien, dem einstigen Staatslabel der DDR, das nach der Wende plötzlich mutig geworden war und sich wie der Band damit einen kleinen Hit verschaffte, verkaufte sich die Platte doch rund 25.000 Mal – inklusive „Wide wide world“, jenem Song, der ein Jahr zuvor noch wegen angeblichen Aufrufs zur „Republikflucht“ zur Verweigerung einer Veröffentlichung geführt hatte.Ein exzellentes Album, siehe etwa „Black dust“, auch rückblickend, und man ist wirklich erstaunt und beeindruckt, wie international und ausgereift DIE ART schon auf ihrem Debüt klangen. Ein exzellentes Package, und zu kritisieren ist hier nur wie bei Vol.1 das Fehlen detaillierter Linernotes und diskografischer Angaben, aber eine gute Alternative dazu stellt die Band-History in dieser Ausgabe des Ox dar. (Diese Band war auf der Ox-CD #92 zu hören)