DROPKICK MURPHYSTourdaten, Infos, Interviews, Reviews

Nächster Termin:

07.06.2016
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Bewertung:
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Genre

Punkrock/Hardcore

Shows

152 Shows in 86 Städten / 11 Ländern

Zeitraum

23.01.2002 - 24.06.2016

Letzte Show

02.11.2015 - CH-Zürich, Dynamo

Nächste Show

07.06.2016 - IE-Dublin, The Marquee

Booking

Tourdaten

Archiv
Jun.
7
2016
Dienstag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Jun.
24
2016
Freitag
Konzert - Punkrock/Hardcore
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Jun.
24
2016
Freitag
Konzert - Punkrock/Hardcore
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Tonträger bei finestvinyl

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DROPKICK MURPHYS - GOING OUT IN STYLE | 2 L+C

Farbiges 180g Vinyl im Klappcover inkl. CD! Hymnische Geschichten: siebtes Album der US-Folk-Punk-Band; feat. Bruce Springsteen. Mit ihrem siebten Studioalbum setzen Dropkick Murphys einen weiteren Meilenstein ihrer bisher atemberaubenden Karriere. Produziert von Ted Hutt präsentiert "Going Out In Style" den bandtypischen Mix aus energetischem Punkrock, Folk-Soul, irischer Seele und amerikanischem Rock 'n' Roll. Eine gut 45-minütige Party, die alle anderen vergessen macht, die, getreu der irischen Tradition, Geschichten des Triumphes und der Tragik in mitreißende Musik zu verwandeln weiß. Bei der Bostoner Folk-Punk-Band jagt eine Hymne die nächste: vom Opener, dem schlachtrufartigen "Hang 'em High", über die Gewerkschaftshymne "Take 'em Down" bis hin zu eher experimentierfreudigen Songs wie "Broken Hymns" und "Cruel". Inhaltlich sieht sich "Going Out In Style" in alter Geschichtenerzähler-Tradition, in der, wie James Joyces bei "Finnegan's Wake", der Autor von einem Lied inspiriert wird. Hier ist es die fiktive Geschichte des Auswanderers Cornelius Larkin, die den Hörer durch das Album begleitet. Als Gastsänger sind Fat Mike (NOFX) und kein Geringerer als Bruce Springsteen dabei.
 
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DROPKICK MURPHYS - JOLLY ROGER | TSh

 
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DROPKICK MURPHYS - SIGNED AND SEALED IN BLOOD | 2 LP

 
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DROPKICK MURPHYS - SIGNED AND SEALED IN BLOOD | TSh

MORE INFORMATION Color: Black Manufacturer: Gildan Article: Heavy Cotton Print: 2-sided Fabric Content: 100% Cotton Gender: Male Preshrunk: Preshrunk
 

Interviews

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DROPKICK MURPHYS

Es wäre gelogen, würde ich behaupten, ich hätte mich von Anfang an rückhaltlos für die Bostoner DROPKICK MURPHYS begeistern können. Nö, irgendwie war mir der Streetpunk der Bostoner bislang eine Spur zu dick aufgetragen. Aber bitte, man ist ja lernfähig, und nachdem ich Al Barr, einst bei den BRUISERS und seit über einem Jahr neuer Sänger der Eastcoast-Formation, kennengelernt hatte, musste ich meine Meinung etwas revidieren. Das Interview fand statt in einem kleinen italienischen Restaurant in London, direkt neben dem "Garage", wo die DROPKICK MURPHYS mit den US BOMBS und BOMBSHELL ROCKS Ende Februar das vorletzte Konzert ihrer Europatour spielten. Die Geschichte von Anfang an, bitte. O.k. Die DROPKICK MURPHYS wurden im Dezember ´96 in Boston im Keller unter einem Friseurladen gegründet, eigentlich nur als Spassprojekt von Ken Casey am Bass und Rick Barton an der Gitarre. Schlagzeug spielte anfangs ein gewisser Jeff Urner, Sänger war Mike McColgan. Das heisst, zuerst spielte Bill Close von THE FREEZE Schlagzeug, und die Jungs spielten nur Coverversionen von THE CLASH und so. Sie spielten dann als Vorband von THE FREEZE und die Kids waren begeistert. Später kam dann Matt Kelly dazu, der bis heute Schlagzeug spielt. Rick Barton spielt seit 1979 in Bands, war unter anderem bei THE OUTLETS, die in Boston jeder kennt. Für Ken dagegen war es die erste Band. "Ballroom Hero" war dann der erste eigene Song, den die Jungs schrieben, und bei dem Song verwendeten sie bereits einen Dudelsack. Ken und Rick fragten sich damals noch, ob die Leute diese Irland-Connection kapieren bzw. überhaupt bemerken würden, doch wie sich gezeigt hat, ist das mittlerweile zum Markenzeichen der Band geworden. Äh, ich dachte, der Dudelsack sei ein schottisches Instrument... Nun, wir haben zum einen diese schottischen, zum anderen diese irischen Einflüsse. Das Intro von "Do or die" ist "Scotland the brave", und ich bin schottisch-deutscher Abstammung. Naja, mich hat das halt etwas verwirrt: einerseits dieses Irland-Dingens, andererseits die dazu nicht ganz schlüssig passenden schottischen Elemente. Ich weiss, was du meinst, aber so ist das halt, wenn eine Band was macht, was sie von anderen unterscheidet: da passt manches nicht ins gewohnte Raster. Abgesehen davon hören Ken, Matt und Rick seit frühester Kindheit Irish Music, sie kommen eben aus irischstämmigen Familien. Kens Grossvater etwa kam seinerzeit aus Irland nach Boston und gründete später mit anderen die erste Matrosengewerkschaft Bostons - davon handelt auch "Voice of the docks". Dieser irische Einfluss ist also allgegenwärtig, denn das sind einfach die familiären Wurzeln der Band, die sind damit - auch musikalisch - aufgewachsen, bei Hochzeiten, Geburtstagen, Taufen, Begräbnissen und so weiter. Die kommen auch alle aus Quincy, einem Stadtteil von Boston, der fast vollständig in irischer Hand ist. Wir haben da unseren Proberaum, und es ist immer wieder interessant, wie irisch dort alles ist: überall irische Flaggen, irische Kneipen und so weiter. Was nun wieder die Band anbelangt, so unterscheiden wir uns von anderen Punkbands dadurch, dass wir ausser den üblichen Punk- und Rock´n´roll-Roots auch noch diese irischen Wurzeln einbringen. Aber wir wissen natürlich, dass wir nicht die ersten sind, die das gemacht haben, schliesslich gibt es die POGUES und noch einige andere mehr. Du hast eben immer wieder zwischen der Band und dir unterschieden. Nun bist du erst seit einem Jahr und dem zweiten Album dabei - wie und wann haben sich eure Wege erstmals gekreuzt? Ich kannte die Dropkicks von Anfang an und sie haben mehrfach für meine damalige Band THE BRUISERS den Opener gemacht. Als ich dann von den ständigen Line-Up-Wechseln der BRUISERS nach zehn Jahren die Schnauze voll hatte, stand ich vor der Entscheidung, nach diesen ewigen Shit-Jobs mir endlich was richtiges zu suchen oder nach dem Ausstieg von Mike McColgan bei den DROPKICK MURPHYS einzusteigen. Ich kannte die alten Aufnahmen und konnte mir nicht so recht vorstellen, wie meine Stimme an dieser Stelle klingen würde, doch als ich dann ein Tape mit neuen Songs gehört und ein bisschen rumprobiert hatte, konnte ich mir vorstellen, es zu machen. War es denn schwer, nach zehn Jahren die eigene Band aufzugeben und bei einer anderen einzusteigen? Es wäre schwer gewesen, wenn der zeitliche Ablauf so gewesen wäre. Aber es gab die BRUISERS ja schon nicht mehr, als Ken mir das Angebot machte, von daher war es für mich kein Problem. Da war es schon schwerer, die Entscheidung zu treffen, die BRUISERS aufzulösen. Und nur um es klarzustellen: es ist nicht so, dass ich von der einen zur anderen Band übergesprungen bin. Die BRUISERS waren eine Oi!- und Streetpunk-Band. Gab und gibt es dafür eine Szene in Boston? Oh ja! Das ist eine ziemlich grosse Szene mit einer ganzen Reihe von Bands und vielen neuen Kids, wobei das Problem mal wieder ist, dass es derzeit keinen All Ages-Club gibt. Äh, da fällt mir ein, dass ich glaube, die BRUISERS ´91 mal in der Nähe von Boston gesehen zu haben, als ich Bill von TOXIC NARCOTIC besuchte. Das war eine Show mit PATRIOT und TOXIC NARCOTIC in einer Halle der Vietnam Veterans. Mann, du warst da??? Klar, jetzt erinnere ich mich. Puh, das ist ja ´ne Ewigkeit her! Bill und TOXIC NARCOTIC sind alte Freunde von mir. Vor ein paar Tagen erst hat Kerrang! eine DM-Story gemacht und mich gefragt, welche Bostoner Bands ich denn empfehlen könnte - und ich habe natürlich TOXIC NARCOTIC erwähnt. Und erst kürzlich haben wir TOXIC NARCOTIC mit nach Seattle genommen, als wir da spielten. Ihr habt gestern in Dublin gespielt. Wie haben euch die Leute dort aufgenommen? Es war eine phantastische Show. Der Laden war ziemlich klein, ich stand fast die ganze Zeit auf einer Monitor-Box und hielt mich an einer Stange an der Decke fest, weil es so eng und voll war. Und ehrlich, die Leute haben uns abgefeiert. Für uns war das eine echt wichtige Erfahrung, denn es gibt ja doch immer wieder ein paar Leute, die uns vorwerfen, dieses Irische an unserer Musik sei ein Fake. Nach der Show wurden wir bestürmt, doch bald wieder in Dublin zu spielen. Für uns war es beinahe ein religiöses Erlebnis, ehrlich: ich war richtig high, als ich von der Bühne ging. Es war äusserst ermutigend für uns, von waschechten Iren, die seit Ewigkeiten traditionelle irische Musik spielen, gelobt zu werden. Ein grösseres Kompliment kann man gar nicht bekommen, denke ich. Und verdammt, das war ein sehr, sehr gutes Gefühl, denn wir haben von der Presse auch blöde Kommentare bekommen wegen der irischen Elemente in der Musik - nur weiss ich jetzt, dass es mir egal sein kann. Wichtig ist nur, dass wir von den Leuten akzeptiert werden, von denen diese Musik kommt. Hm, ich muss ja auch zugeben, dass ich so meine Probleme mit den DROPKICK MURPHYS habe bzw. hatte. Mir war zum Beispiel beim ersten Album etwas zuviel Pathos im Spiel, da wirkte manches doch etwas dick aufgetragen, etwa diese Working Class-Attitüde. Hm, ich denke, dass wir bei manchen Leuten diesen Eindruck hinterlassen haben was damit zu tun, dass die DROPKICK MUPRHYS sehr schnell recht gross geworden sind. Aber ehrlich, das ist alles real, die Band kommt eben aus einem Working Class-Umfeld, das sind alles Familien, die schauen müssen, wie sie zurechtkommen. Und wenn die Texte einen entsprechenden Inhalt haben, dann gründet sich das auch auf persönliche Erfahrung. Aber aus diesem Grund haben wir auch keine Texte über Anarchie oder über das Leben als Hausbesetzer - das ist nicht unser Background. Was wir singen und sagen ist ehrlich, und die Leute spüren das. Denn ich weiss genau, die Leute haben ein Gespür für Fakes, die merken sowas. Und noch was: ich habe auf dieser Tour wohl schon über 60 Interviews gegeben und immer wieder sowas in der Art gehört wie du eben gesagt hast. Doch das Erstaunliche ist, dass die Leute, speziell hier in Europa, die DROPKICK MURPHYS mit ganz anderen Augen sehen, seit ich in der Band bin. Vielleicht hat es was damit zu tun, dass sie mir wegen meiner BRUISERS-Vergangenheit vertrauen. Mit anderen Bands ist uns das auch so gegangen, da hiess es, dass man seit Al Barrs einstieg wisse, dass die DROPKICK MURPHYS "real" seien. Tja, so ist das halt in der Punkszene: ohne Stallgeruch bist du nichts. Oh ja, Credibility spielt eine ganz grosse Rolle. Die Punkszene ist sehr misstrauisch, mit Sicherheit die misstrauischste Musikszene überhaupt und jeder ist ständig auf der Hut vor den Haien, vor Leuten, die nur darauf aus sind, mit dieser Musik ein paar Mark zu verdienen. Manchmal erinnert mich das an die irischen Neighborhoods in Boston: wenn es da Ärger gibt, ruft da keiner die Polizei, die machen das unter sich aus. Wobei ich das natürlich nur vom Hörensagen kenne, denn ich bin kein Ire. Dafür aber zur Hälfte deutsch. Ist es o.k., jetzt auf Deutsch weiterzureden? Ja klar. Meine Mutter kommt aus Regensburg: I bin a Bayer! Sapperlott! Und mein Vater ist Amerikaner mit schottischen Vorfahren. Er war in der Armee und hat 1965 in München meine Mutter getroffen, als sie für die amerikanische Armee arbeitete. Ich bin aber nicht in Deutschland geboren, sondern in New Hampshire. Meine Mutter war sich aber immer sicher, dass ich Englisch auch von alleine lernen würde, also hat sie mit mir Deutsch geredet. Bis zu meinem vierten oder fünften Lebensjahr sprach ich auch nur deutsch. Wenn ich jetzt in Deutschland bin oder Deutsche treffe, versuche ich jetzt halt immer zumindest a bisserl, äh, ein bisschen deutsch zu reden. Die Amerikaner sind in dieser Hinsicht ja sonst immer ziemlich faul und erwarten, dass jeder Englisch redet. In Europa dagegen spricht jeder noch mindestens eine andere Sprache, das finde ich gut. Warst du denn schon öfter in Deutschland? Klar. Mein Vater war ´74/´75 in Berlin Lehrer an der John F. Kennedy-Schule, da wohnte ich also in Berlin, und ´81 war ich als Austauschschüler an einem Gymnasium in Braunschweig. Ausserdem habe ich Verwandte in Deutschland und der Schweiz, die ich immer wieder mal besucht habe, und meine Eltern wohnen seit 13 Jahren in Wien. Mein Vater ist Lehrer an der American International-Schule und meine Mutter arbeitet als Kindergärtnerin und Ballettlehrerin. Und, waren deine Eltern auch mal bei einem eurer Konzerte? Klar, jedesmal wenn wir in Wien oder zumindest irgendwo in der Nähe spielen kommen sie zum Konzert. Das sind dann zwar nur ganz kurze Treffen, was schade ist, da wir eigentlich ein sehr enges Verhältnis haben, aber immerhin. Und was halten sie von der Band? Sie sind stolz auf mich, und das ist schön. Hattest du denn die üblichen Probleme mit deinen Eltern, weil du Punk bist? Na klar. Ich bin in der Punkszene, seit ich dreizehn oder vierzehn war. Jetzt bin ich 31 und sie haben kapiert, dass das nicht nur so eine Phase ist. Sie sehen aber auch, dass ich Platten mache, dass Leute zu unseren Shows kommen, und da merken sie, dass das schon was ist, was Sinn macht. Letztes Jahr spielten wir bei der Warped-Tour mit, vor 10.000 Leuten, und meine Eltern standen am Rande der Bühne und sahen das alles, zusammen mit meiner Frau. Nach dem Auftritt war ich der glücklichste Mensch der Welt, ehrlich. Kennst du noch deutsche Punkbands von damals, als du in Braunschweig warst? Natürlich SLIME mit "Alle gegen alle". Und noch ein paar andere, aber ich kann mich gerade echt nicht an die Namen erinnern. Damals in Deutschland sah ich auch zum ersten Mal richtige Punks und Skinheads, denn in Boston war zu der Zeit nur Hardcore angesagt, da lief jeder mit kurzen Haaren rum. Ich fragte die deutschen Punks dann auch erstmal, warum sie mit den Skins nichts zu tun haben wollten, und sie erklärten mir, dass kurze Haare bzw. Glatze hier was anderes bedeuten als in der US-Hardcore-Szene. Damals gab es in den USA noch dieses Unity-Gefühl zwischen der Hardcore-Szene und den Skins. Heute ist das in den USA auch stilistisch wieder eine andere Sache, da orientieren sich die Skins stark an den Europäern mit ihren Ben Sherman-Klamotten. Wie kommt ihr denn mit den Skins bei euren Shows zurecht? In Essen waren bei der Show wohl auch ein paar Naziglatzen. In Chemnitz auch, wie man uns sagte. Hm, das kommt immer auf die Situation an. Mit den BRUISERS und BLOOD FOR BLOOD haben wir mal in Dresden gespielt, und da tauchten 80, 90 Nazis auf, mit SKREWDRIVER-Shirts und so. Auf sowas habe ich keine Lust, ich will nicht, dass man mich auf der Bühne sieht und vor mir zeigen ein Dutzend Leute den Hitlergruss. Das ist natürlich offensichtlich, andererseits können wir als Band den Leuten, die zu den Shows kommen, nicht in ihre Köpfe schauen. Einerseits denke ich, dass es nicht unser Job ist, die Welt zu verändern, andererseits wollen wir entsprechendes Gedankengut auch nicht unterstützen oder gutheissen. Es wäre zwar schön, wenn eine Band die Einstellung der Leute beeinflussen oder verändern könnte, aber ich glaube nicht daran. Ich denke, eine Band sollte eine gute Show spielen und die Leute unterhalten. Abgesehen davon finde ich, dass es in der Verantwortung der örtlichen Szene liegt dafür zu sorgen, dass keine Nazis auftauchen - und nicht die der Band von ausserhalb, die die Leute vor Ort gar nicht kennt. Wenn es also passiert, dass du plötzlich zwanzig Leute mit dem Hitlergruss vor dir stehen hast, dann spielst du dort das nächste Mal eben nicht mehr, weil die örtliche Szene wohl nicht in der Lage ist, den Müll wegzuräumen. In Leipzig im Coney Island etwa gibt es in dieser Hinsicht keine Probleme. Abgesehen davon seid ihr trotz gewisser Einflüsse auch keine Oi!-Band. Nein, sind wir auch nicht. Es sind auch nur Matt und ich, die Skinhead-Roots haben. Aber warum zieht ihr dann so viele Fans aus dieser Ecke? Ich denke, das liegt am Working Class-Background. In den USA haben viele Skins eine Working Class-Background, weshalb sie uns mögen. Musikalisch habt ihr dann auch diesen Streetpunk-Einfluss, doch ist der ebensowenig dominierend wie die Folk-Einsprengsel. Ich finde es nicht erstrebenswert Musik zu machen, die man leicht klassifizieren kann. Wir haben, gerade auf der neuen Platte, so viele Einflüsse von Punk über Hardcore bis zu Rock´n´roll und irischen und schottischen Traditionals verarbeitet, dass wir nicht in die gängigen Schubladen passen. Ich finde auch, dass die neue Platte das bislang beste ist, was die DROPKICK MURPHYS aufgenommen haben - aber womöglich liegt das daran, dass das mein Debüt als DM-Sänger ist. Für mich ist das auch eine neue Erfahrung, denn ich habe meinen Stil zu singen schon ziemlich verändert. Ich finde auch, dass "Do or die" ein gutes Debüt war, nur konnte ich Mikes Gesang nicht leiden - der klang wie ein geprügelter Seehund, veränderte nie die Tonhöhe. Wie war denn die Reaktion auf dich als neuer Sänger? Am Ende dieser Tour werde ich in elf Monaten 107 Shows mit den DROPKICK MURPHYS gespielt haben, und das sind beinahe so viele Shows wie sie mit Mike gespielt haben. Von der ersten Show an hat mich das Publikum akzeptiert, das Kapitel Mike war abgeschlossen. Ich denke, der Wechsel erfolgte auch nich gerade rechtzeitig, denn wenn eine Band erst richtig bekannt ist, ist es verdammt schwer, den Frontmann auszutauschen. Es war auch insofern nicht schwer Mikes Stelle einzunehmen als er keine Songs geschrieben hat. Er hat ein paar Texte eingebracht, aber der kreative Teil kam von den drei anderen, und so war da kein Bruch. Nun gibt´s du auch die meisten Interviews - wie kommen die anderen drei denn damit klar? Die haben damit kein Problem. Die sind mit mir, wenn ich das so sagen darf, ziemlich zufrieden und hassten Mike zum Schluss hin nur noch. Ich will jetzt nicht ins Detail gehen, aber sie waren froh, dass er ausstieg. Ich sage nur soviel: schau dir mal ein SWINGIN´ UTTERS-Video an und eines von den DROPKICK MURPHYS mit Mike - und dann siehst du, wo Mike sein ganzes Gehabe geklaut hatte. Das Artwork eures neuen Albums... Haha, hätte mich ja auch gewundert, wenn du nicht danach gefragt hättest. Ich habe zu den anderen vorher gesagt, dass gerade von den Deutschen Fragen dazu kommen werden. Nun, das Artwork sieht ziemlich militaristisch aus. Ja, aber das soll es gar nicht, aber ich weiss schon, was du meinst: der Titel "The gang´s all here", die Soldaten, das sieht für Unbeteiligte vielleicht etwas komisch aus. Ken hatte ursprünglich die Idee, eines dieser Werbeplakate für Kriegsanleihen aus dem 2. Weltkrieg zu verwenden, aber dann ergab sich die Möglichkeit, dass Almera was für uns macht, dieser mexikanische Grafiker, der viel für Epitaph arbeitet. Was den Titel anbelangt, so ist das ein umgangssprachlicher Ausdruck, den meine Grossmutter immer bei Familienfeiern verwendet - eben wenn die ganze Band mal wieder versammelt ist. Aber ich sehe schon, dass das vielleicht nur in Amerika funktioniert, in Europa aber womöglich etwas irritiert. Jedenfalls lag es uns fern, militaristisch wirken zu wollen - und textlich kann man uns da sowieso nichts vorwerfen. "Pipebomb on Landsdowne" ist der einzige "gewalttätige" Song, und der ist nur ein Witz: Landsdowne Street ist eine Strasse in Boston, in der die ganzen Techno- und Yuppieläden sind. Im Booklet findet sich der Satz "Get off your computer and get a life!". Was hat´s denn damit auf sich? Nun, Computer sind sehr nützlich und hilfreich, um weltweit mit Leuten zu kommunizieren. Aber gerade das Internet ist auch ein riesiger Quell von Falschinformationen, was wir ganz direkt miterlebt haben. Nach dem Ausstieg von Mike kursierten in den Chatrooms die wildesten Gerüchte über die Gründe und darüber, was Mike jetzt macht. Das war alles Bullshit, aber tausende Kids haben das gelesen und am Ende geglaubt. Mir scheint, dass das aber besonders ein Problem der USA zu sein scheint, denn hierzulande gibt´s damit nur ganz selten mal ein Problem. Gut möglich, jedenfalls soll dieser Satz ein Statement zu diesem Thema sein. Ich selbst habe mit dem Internet nichts zu schaffen, mir reicht, dass meine Frau ständig am Rechner hängt und ständig meint "Honey, schau mal, was ich hier habe." Mich interessiert das aber kein Stück: Get off your computer and get a life. Was mir am ersten DM-Album ziemlich aufstiess war "Get up", diese Glorifizierung der STIFF LITTLE FINGERS. Nun warst du damals noch nicht in der Band, aber vielleicht kannst du ja trotzdem was dazu sagen. Jaja, ich weiss, ich kenne die Geschichten über die STIFF LITTLE FINGERS bei ihrer letzten Tour. Ein paar Leute haben mir erzählt, wie die sich aufgeführt haben. Aber der Song bezieht sich auf die alten STIFF LITTLE FINGERS, die, die ich auch nicht mehr erlebt habe. Ich sah sie ´88 und da waren sie nicht gerade toll, aber Rick sah die Band damals zu ihrer besten Zeit und darauf bezieht sich der Text. Bei sowas darf man auch nicht unbedingt nur an alte Hasen wie dich und mich denken, sondern an Kids, für die diese Musik neu ist und die man so mit der Nase auf die Wurzeln dieser Musik stossen kann. Lost & Found - zwar haben die DROPKICK MUPRHYS mit dieser exquisiten Firma aus Hannover nichts zu tun, aber dafür konntest du mit den BRUISERS ja einschlägige Erfahrungen sammeln. Erzähl doch mal... Okay, also die BRUISERS haben ´93 auf einem kleinen Label namens Primitive Records aus Newbury Port das Album "Cruisin´ for a bruisin´" veröffentlicht. Es wurden 2.000 Stück gepresst und auch irgendwie verkauft, aber ein grosser Erfolg war es nicht für uns. ´94 waren wir dann mit MADBALL auf Europatour und ich bekam einen Anruf von einem Typen namens Bernd Granz. Der bot uns an, innerhalb eines Monats die Platte in Europa zu veröffentlichen und Anzeigen zu schalten und der Deal klang gut, so dass wir das am Telefon klarmachten. Später traf ich dann Uwe von Lost & Found in Bielefeld auf einem Konzert und er machte einen netten Eindruck, obwohl mich schon zu diesem Zeitpunkt einige Leute vor Lost & Found gewarnt hatten. Nun, ich hatte also diverse Geschichten gehört, aber mir gegenüber waren Lost & Found bis zu diesem Zeitpunkt korrekt gewesen. Aber es dauerte dann nicht lange, bis ich dieses "Getting fucked before getting kissed"-Gefühl bekam. Irgendwie lief der Kontakt zwischen uns dann sehr schleppend - sie gaben uns Kohle für die Aufnahmen zu "Up in flames", alle anderen Aufnahmen bezahlten wir selbst - und wir waren froh, dass sich überhaupt jemand im fernen Europa um uns kümmerte. Tja, ich hatte ja keine Ahnung, dass sich unsere Sachen ganz gut verkauften in Europa, denn am Telefon waren Bernd und Uwe nicht gerade gesprächig. So dauerte es bis ´97, als wir wieder auf Tour kamen und ich persönlich bei ihnen in Wedemark vorbeischaute. Und siehe, es stellte sich heraus, dass sie von uns rund 10.000 Platten verkauft hatten. Ich fragte dann, wo unser Geld sei, worauf sie keine überzeugende Antwort geben konnten. Mir war klar, dass die beiden Typen Arschlöcher sind, und seitdem befinden wir uns im Krieg. Ein Jahr später fuhr ich wieder in Wedemark vorbei, packte soviele CDs ein, wie ich tragen konnte, und die schissen sich beinahe in die Hosen. Die Typen sind Scumbags, das weiss jetzt hoffentlich jeder, doch was soll ich sonst machen? Man lernt eben nie aus und es ist ein beschissenes Gefühl, wenn nicht du als Band mit einer Platte Geld verdienst, sondern jemand anderes. Dann passt ja die Textzeile aus "Amazing grace" auch irgendwie: "I once was lost but now I´m found."Hm, haha, ehrlich gesagt ist mir das noch nie aufgefallen, aber ja, das ist gut! Wie kamt ihr dazu, dieses Traditional aufzunehmen? Es ist ein altes schottisches Lied, das in Amerika bei feierlichen Anlässen gerne gespielt wird. Ich habe es, wenn ich mich recht erinnere, zuerst in einem Western gehört, und irgendwie verfolgt dich so ein Lied eben. Wir hatten dann die Idee, eine verrockte Version einzuspielen, die klassisch beginnt und dann mit den Gitarren richtig hart wird. Und so weit ich weiss gab es bisher keine andere Punkrockversion. Apropos: Gibt´s denn in den USA sowas wie eine Szene von Punkbands, die mit Folkelementen arbeiten? Nicht viele. Mir fallen auf Anhieb nur zwei Bands ein: die BIG BAD BULLOCKS aus Boston, die eher traditionellen irischen Folk à la POGUES spielen, und die STREET TROOPERS aus Kanada arbeiten mit einem Dudelsack. Aber soweit ich weiss sind die DROPKICK MURPHYS, die erste Punkband, die diesen Sound spielt. Die SWINGIN´ UTTERS haben zwar auch so ´nen gewissen Touch, aber das ist nicht so vordergründig. Habt ihr denn vor, euch in Zukunft etwas mehr in Folk-Kreisen zu bewegen? Wir haben auf jeden Fall vor, dieses Jahr auf dem Guiness-Festival in Irland zu spielen, aber ich weiss nicht, ob das klappt. Letztendlich sind und bleiben wir aber eine amerikanische Punkband, auch wenn wir auf der Platte mit Mandoline, Dudelsack und Fideln gearbeitet haben und Johnny Cunningham von den RAINDOGS als Gastmusiker hatten. Auf Tour habt ihr aber keines dieser Instrumente am Start. Nein, denn keiner von uns spielt sowas. Ken versucht aber Tinwhistle spielen zu lernen und Matt kann auch ganz gut traditionell trommeln. Beim Intro hatten wir ausserdem ein Drum Corps im Studio, und den Dudelsack spielte Joe Delaney, der in Boston für das Polizeimusikkorps arbeitet und gar nicht weg kann, denn wenn ein Polizist stirbt, muss er spielen. Abgesehen davon wäre es auch viel zu teuer, ihn nur für einen Song mitzunehmen. O.k., das war´s. Genug geratscht? Well, thank you.
 
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DROPKICK MURPHYS

Mit "Sing Loud, Sing Proud!" haben die DROPKICK MURPHYS, derzeit Bostons erfolgreichster Export in Sachen Punk goes Oi! goes Folk, ihr neues Album raus, das noch stärker als in der Vergangenheit auf folkige Einsprengsel setzt und damit gewaltig punkten kann. Schon Wochen vor der Veröffentlichung des Albums waren die Herren von der Eastcoast, die mittlerweile zum Septett angewachsen sind, mit den neuen Songs auf Tour, und da wir praktischerweise schon vorab eine Kopie des Albums bekommen hatten, bot es sich an, Al Barr und Ken Casey ein paar Fragen zum Stand der Dinge zu stellen.Euer Cover von "The wild rover" auf dem neuen Album hat mich verstört: seid ihr euch dessen bewusst, dass es mit "An der Nordseeküste" von Klaus & Klaus eine ganz schlimme deutsche Version davon gibt?Al: Jaja, das haben wir schon gehört, aber wir wussten das nicht. Vielleicht ist das ja unsere Chance, endlich unseren ersten Hit in Deutschland zu landen.Ken: Im Original ist das ein traditionelles irisches Volkslied. In den USA ist das ziemlich bekannt, das wird viel gesungen und wurde schon von unzähligen Bands gespielt.Mein Eindruck des neuen Albums ist generell, dass es "folkiger" ausgefallen ist als der Vorgänger. Würdet ihr dem zustimmen?Ken: Durchaus! Wir haben ja auch neue Leute in der Band, die sowohl auf der Platte wie auch live mit den entsprechend "folkigen" Instrumenten dabei sind. Früher waren die Folk-Einflüsse eher verhalten, jetzt sind sie stärker und auch live deutlich zu hören, und das liegt eben daran, dass die Leute jetzt zur festen Besetzung zählen. Ich würde sagen, wir haben unseren Sound nicht geändert, sondern vielmehr ein neues Element hinzugefügt.War das eine bewusste Entscheidung?Ken: Das war eine natürliche Weiterentwicklung, das hat sich so ergeben.Al: Wir hatten immer das Problem, dass wir zwar Freunde überreden konnten, mit uns ins Studio zu gehen, aber da die alle "richtige" Jobs hatten, konnten die natürlich nie mit auf Tour gehen kann geschweige denn überhaupt jemals einen Fuß in einen Punk-Club setzen. Joe Delaney, der Dudelsackspieler von den ersten beiden Platten etwa, ist ein sehr netter Kerl, aber mit Punk hat der nichts am Hut. Mit unseren "Neuen" haben wir jetzt Leute gefunden, die sowohl im Punk wie im Folk zuhause sind, und das funktioniert jetzt sehr gut, sowohl live wie auf Platte.Mir gefällt diese Entwicklung, denn es setzt die DROPKICK MURPHYS von der Masse der Oi!- und Streetpunk-Bands ab. Es gibt nichts langweiligeres als Bands, die sich selbst kopieren respektive kein Stück über die Grenzen ihres Genres hinaus blicken.Al: Uns würde das auch langweilen, denn jeder Musiker will doch eigentlich sein Bestes geben. Klar, jede Band ist der Meinung, ihre jeweils neueste Platte sei auch ihre beste, aber wir sind diesmal wirklich überzeugt, einen Schritt weitergekommen zu sein. Wir wollen Musik machen, die für uns interessant ist, und wir hoffen, dass das dann auch für unser Publikum interessant ist.Meint ihr, ihr könnt mit diesem verstärkten Folk-Einsatz ein neues Publikum gewinnen? Folk-Rock, wenn ich das mal so nennen darf, erfreut sich ja gerade auch in Deutschland großer Beliebtheit.Ken: Als wir anfingen mit Dudelsack und so aufzutreten, war unser Stammpublikum begeistert und ermutigte uns, noch mehr in diese Richtung zu gehen. Von daher denke ich nicht mal, dass wir jetzt bewusst ein neues Publikum ansprechen, sondern unseren bisherigen Fans mehr von dem geben, was sie an uns mögen. Gleichzeitig sind wir damit vielleicht auch für ein "normales" Publikum hörbarer geworden. Ein Beispiel, das zwar blöd klingen mag, aber als Beweis taugt: Mein Vater und meine Mutter haben sich früher nie unsere Platten angehört, aber die neue finden sie plötzlich "hörbar". Das ist jetzt kein Argument für oder gegen die neue Platte, sondern einfach unsere Entwicklung. Ausserdem ist es immer gut ein paar Songs auf der Platte zu haben, die man als Jugendlicher seinen Eltern vorspielen kann, wenn die wissen wollen, zu welchem Konzert man gehen will...Al: Es ist sowieso klasse, wie viele erstaunte Gesichter es gibt, wenn wir "The Wild Rover" spielen: das kennen viele der Kids von ihren Eltern, die können gar nicht glauben, dass eine Punkband sowas covert.Ken: Wir haben unseren Stil also nicht von heute auf morgen verändert, sondern ganz allmählich. Andererseits nehmen die Leute auch eher das wahr, was aussergewöhnlich ist und nicht die Normalität. Die Normalität ist, dass sieben oder acht der Songs auf dem Album straighte Punk-Songs sind. Und so können auch die Leute, die mit Folk nichts anfangen können, zufrieden sein.Mal im Ernst: war das euer Ziel bzw. kann es das Ziel einer Punkband sein, Platten zu machen, die auch die eigenen Eltern mögen?Ken: Ich denke, bei den meisten Bands ist das Gegenteil der Fall. Aber unsere Familien sind schon immer zu unseren Konzerten gekommen.Al: Unsere Familien sind uns schon immer wichtig gewesen, also ist das kein Argument. Ausserdem ist unsere Herangehensweise ja nicht so, dass wir uns überlegen, wem wir mit diesem oder jenem Song gefallen wollen. Und doch: "Sing Loud, Sing Proud!" ist ein reiferes Album als die bisherigen, freilich eines, mit dem auch unsere alten Fans leben können. Wir sind uns selbst treu geblieben. Ich glaube sowieso, dass keine "echte" Band sich bewusst dafür entscheiden kann, von einer Platte zur anderen einen krassen Stilwechsel zu vollziehen, um ein anderes Publikum zu gewinnen. Das geht nur mit "Bands", die ein reines Produkt ihrer Plattenfirma sind und die mit einem bestimmten Image ausgestattet werden. Ich glaube, wir sollten in Zukunft verstärkt an unseren Tanzschritten arbeiten, hehe.Letzte Frage zum Thema Folk: Wenn man es in Deutschland mit irisch angehauchter Folk-Musik zu tun bekommt, dann auch mit einem grauenhaften Publikum vom met-trinkenden, kiffenden Hippies - so zumindest habe ich meine POGUES-Konzerte in den Achtzigern in Erinnerung.Ken: Ich glaube, da unterscheidet sich das Publikum in den USA und in Deutschland, wobei man sagen muss, dass unsere Herangehensweise anders ist als die der POGUES: die waren eine Folkband - auch wenn Shane MacGowan einen Punk-Background hatte -, die Punkeinflüsse verarbeitete, während wir eine Punkband sind, die Folk-Einflüsse verarbeitet. Shane MacGowan hat übrigens sowohl bei "Wild Rover" wie auch bei "Good Rats" mitgesungen.AGNOSTIC FRONT haben hier vor einer Weile gespielt, und warum auch immer tauchen bei denen regelmäßig ein paar wenige Glatzen auf, die nicht verstanden haben, dass Skinheads nicht rechts sind. Auch bei euren Konzerten ist der Skinhead-Faktor recht groß - wie geht ihr damit um, dass womöglich auch die Falschen auftauchen?Ken: Zuerst einmal muss ich sagen, dass wir mit unserer Band in eine fremde Stadt kommen und die Leute im Publikum und ihre politische Einstellung nicht kennen. Es ist bei uns aber noch nicht vorgekommen, dass eine rechte politische Gruppierung als solche bei einem Konzert aufgetaucht wäre. Ich denke, die Leute lesen auch unsere Texte und erkennen, was unsere Einstellung ist.Das verstehe ich ja eben nicht. AGNOSTIC FRONT äussern sich in dieser Hinsicht ganz deutlich, und trotzdem tauchen da immer ein paar rechte Idioten auf. Sind die echt so bescheuert, dass sie nicht kapieren, dass sie nicht willkommen sind?Al: Ich nenne das immer das "Dr. Seltsam-Phänomen": manche Leute denken nicht nach, die kapieren gar nichts. Ich weiss manchmal einfach nicht, was die Leute von uns denken: Bei einer Show in Dallas meint so ein dummes Kid uns mit dem Hitlergruss begrüssen zu müssen. Ken ist sofort von der Bühne gesprungen, hat dem Kerl ein paar auf die Fresse gehauen und der hatte echt noch den Nerv sich damit zu "entschuldigen", dass er gar nicht Ken, sondern unsern Drummer gemeint habe. Was willst du dazu noch sagen? Solche Vorfälle muss ich einfach damit abtun, dass da draussen ´ne Menge dumme Leute rumlaufen. Was willst du dagegen tun? Intelligenz-Pillen verteilen?Ken: Ich bin der Meinung, dass es manchmal schlauer ist Nazis im Publikum zu ignorieren. Wenn da ein paar wenige Idioten mit der Absicht auf ein Konzert zu gehen, 500 coolen Leuten die Party zu verderben, dann sollte man zwei oder drei Störern nicht den Gefallen tun, ihnen Beachtung zu schenken. Dabei hängt die richtige Reaktion aber immer vom Einzelfall ab.Al: Unsere Aufgabe kann es ausserdem nicht sein, in eine Stadt zu kommen und euch die Aufgabe abzunehmen, die Loser in eurer Szene loszuwerden. Wir haben das schon oft gesagt, und ich sage es auch jetzt: wir können bei einem Konzert die Wirrköpfe auffordern, ihre T-Shirts mit den falschen Bandnamen drauf auszuziehen, aber es ist die Aufgabe der Szene vor Ort, dafür zu sorgen, dass die Leute sich gar nicht erst auf so ein Konzert wagen. Wir sind nur eine Band auf der Durchreise, ihr aber lebt in dieser Stadt.Ken: Ausserdem stellt sich das Nazi-Problem für uns nicht besonders oft. Stattdessen verbringen wir eine Menge Zeit damit, den "normalen" Leuten, die unsere Platten kaufen oder zu unseren Konzerten kommen, zu erklären, dass Skinheads nicht rassistisch sind, sondern Rassisten keine Skinheads sind. Das ist manchmal echt bizarr: wir haben unlängst eine Singles-Compilation veröffentlicht, auf der eine Liveversion von "White riot" von THE CLASH enthalten ist. Und dann bekomme ich doch tatsächlich eMails, in denen mich Leute anmachen, wieso wir einerseits behaupten, wir seien keine Rassisten und andererseits ein Lied mit dem Titel "White riot" spielen. Dazu fällt mir echt nichts mehr ein, das ist nur frustrierend.Al: Vor allem ist es in der Hinsicht frustrierend, dass wir uns überhaupt mit diesem Thema auseinandersetzen müssen. Es gibt schliesslich viel wichtiger Themen, über die wir uns viel lieber unterhalten. Diese paar Nazis haben diese Aufmerksamkeit überhaupt nicht verdient.Ken: Die Probleme rühren eigentlich immer von zwei Arten von Leuten her: die einen kommen zu unseren Konzerten, denken alle Skinheads seien Nazis und schliessen daraus, wir würden Nazis bei unseren Konzerten dulden, und die anderen sind die Kids, die im Publikum einen Nazi erkennen und am nächsten Tag jedem erzählen, sie hätten bei einem DROPKICK MURPHYS-Konzert einen Nazi gesehen. In beiden Fällen sind wir die Blöden.Al: Abgesehen davon sind wir eben nur eine Band, die die Welt auch nicht verändern kann. Wir sind keine omnipotente Politikmaschine zur Ausrottung aller Nazis, sondern eine verdammte Punkrockband aus Boston, Massachussetts!Apropos: habt ihr zuhause in Boston auch mit diesem Problem zu kämpfen?Al: Nein, überhaupt nicht. Wenn da jemand in dieser Richtung Blödsinn machen sollte, kümmern sich da die richtigen Leute drum.Haken wir dieses Thema endlich ab und sprechen wir über "Sing Loud, Sing Proud!". Es sind neue Leute in der Band, wie ist das aktuelle Line-Up?Ken: Naja, da ist Al, offensichtlich, dann ich, ich spiele Bass und singe, Matt Kelly spielt Schlagzeug, Ryan Foltz spielt Mandoline und Tin Whistle, James Lynch - Gitarre, Spicy McHaggis - Dudelsack, und schliesslich noch Marc Orrell, der gestern erst 18 geworden ist, an der zweiten Gitarre.18? Der Ärmste - das muss für ihn ja schrecklich sein, mit euch auf Tour zu sein und in den USA zumindest keinen Alkohol trinken zu dürfen.Al: Ach, mach dir mal um den keine Sorgen, der trinkt schon, hehehe.Ken: Seiner Mutter haben wir aber natürlich versprochen, gut auf ihn aufzupassen.Al: Und das machen wir auch. Vorhin erst gab´s Essen, er meinte, er sei nicht hungrig, und ich habe ihm dann erstmal was erzählt! Ich meinte, er solle verdammt nochmal seinen Teller leer essen. Und er hat´s gemacht. Er lernt eben noch, wie das so ist auf Tour, und glaube mir, wir sind gute Lehrherren. Am Ende der Tour muss er uns dann einen schriftlichen Bericht abliefern, hehe. Ich meine, er hat wegen der Band die Schule geschmissen, da müssen wir schon dafür sorgen, dass er was vernünftiges lernt.Ihr seid erstmals mit Dudelsack- und Flötenspieler auf Tour - mit sieben Leuten! Wie ist das so?Ken: Vor allem ist´s im Bandbus ganz schön eng. Und ein ganz schöner Zirkus, glaube mir. Wir werden uns demnächst umbenennen in "Der Dropkick Murphys-Punkrock-Zirkus". Und erst heute mittag sind wir von der deutschen Polizei an der Grenze ein paar Stunden aufgehalten worden - Mann, so eine Scheisse verfolgt uns.Was wollten die von euch?Al: Platten schnorren, Geld...Ken: Freiwillige, die die Hosen runterlassen und sich nach vorne bücken.Al: Es war der Bundesgrenzschutz, der uns so blöd aufgehalten hat. Später kam die normale Polizei dazu und ließ uns gehen. Die BGS-Typen hatten eine ganze Liste von Sachen, die sie uns vorwarfen, und wir haben rein gar nichts verstanden.Ken: Bei tourenden Bands geht wohl bei jedem Polizisten die Alarmanlage an. Die denken, wir würden weiss der Teufel was in der Gegend herumfahren. Aber zurück zu deiner Frage: wir haben dieses Album nicht am Stück aufgenommen, was eine neue Erfahrung war für uns. Wir waren so viel auf Tour, dass das einfach nicht ging. Der Vorteil war, dass wir so nach ein paar Wochen nochmal mit kritischer Distanz beurteilen konnten, was wir aufgenommen hatten. Das ist das eine, was diese Platte "anders" macht, das andere ist, dass wir sie selbst produziert haben. Wir haben im gleichen Studio aufgenommen wie zuvor, und so wussten wir auch ohne Produzent, wie wir die Sache angehen müssen. Es war auf jeden Fall eine neue Erfahrung.Am Ende des Albums ist ein Teil einer Fussball-Reportage zu hören. Was hat es damit auf sich?Ken: Das ist eine Aufnahme von Johnny Most, einem Radio-Reporter, der alle Spiele der Boston Celtics kommentiert hat. Er hat so ungefähr 70 Päckchen Zigaretten am Tag geraucht, daher auch seine seltsame Stimme. Er war eine Bostoner Legende, und wir haben irgendwo ein Tape mit dieser Aufnahme gefunden, so dass wir uns entschlossen, ihn auf unserer Platte zu verewigen. In Boston wurde er wie ein Held verehrt, und wir haben früher zuhause immer den Ton des Fernsehers runtergedreht und stattdessen seine Reportage im Radio verfolgt. Er starb in den späten Achtzigern.Boston ist bei euch immer wieder ein Thema, das heisst, euch ist eure Heimatstadt wichtig. Was meint ihr denn, wie wichtig es ist, sich seiner Herkunft und seiner Wurzeln bewusst zu sein?Al: Es ist in der Hinsicht wichtig, dass du glücklich und zufrieden bist damit, wo und was du bist, aber nicht insofern, als du das jedem reindrücken musst.Ken: Ich kenne eine Menge Leute, die keinerlei Wurzeln haben, die so oft umgezogen sind, dass sie zu keinem Ort einen Bezug haben. Ich selbst dagegen habe Wurzeln, derer ich mir bewusst bin und das finde ich gut.Al: Es geht um dieses Gefühl zu wissen, wo Zuhause ist, wo man hingehört. Das hat nicht mal was mit einem bewussten Verhalten zu tun oder mit etwas, das man in Worte fassen kann, sondern einem gewissen Gefühl.Ken: Ich glaube, so ein Gefühl kommt mal in einem Songtext durch, aber nicht im Alltag, dass du das Bedürfnis hast, jemandem was erzählen zu müssen.Al: Es ist einfach das Gefühl, zu wissen, wo man ist, wenn man nach zig Monaten auf Tour nachhause zurückkommt.Stolz auf Boston, stolz auf die USA?Ken: In den Schulen bei uns wird sehr viel über kulturelle Vielfalt gesprochen, und ich denke, wenn man nicht über seine kulturelle Herkunft Bescheid weiss und stolz darauf ist, wie soll man dann die des anderen schätzen? Ich denke, die Situation in den USA ist eine ganze andere als in Deutschland, und wenn jemand sagt, er ist stolz auf seine Herkunft, dann hat das eine andere Bedeutung. Ich persönlich hätte Schwierigkeiten zu sagen ich bin stolz, aus Amerika zu kommen. Ich meine, was ist Amerika? Das zu sagen impliziert doch, dass man auf diesen militärischen Bullshit stolz ist.Al: Die Leute könnten sowas auch sofort mit Nationalismus und so ´nem Scheiss gleichsetzen.Ken: Ja, aber ich denke, wenn jemand sagt, er ist stolz auf Amerika, dann bezieht sich das auf die Werte, auf denen dieses Land gegründet wurde. Und die sind der völlige Gegensatz zu Nationalismus und so weiter, denn es war gerade seinerzeit ein Schmelztiegel der Nationen.Jungs, ich danke euch.
 
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DROPKICK MURPHYS - The power of your example

Mann, die DROPKICK MURPHYS lassen sich ganz schön feiern. Einen Interviewtermin zu bekommen, war nicht weiter schwierig, aber bis ich Bassist und Mastermind Ken Casey tatsächlich mal an der Strippe hatte, verging erst mal einige Zeit. Man hat’s halt nicht leicht, ständig will einer was. Aber das Warten hat sich doch noch gelohnt, und so hatte ich Ende Mai Gelegenheit, den guten Mann unter anderem mit Fragen zum neuen Album „The Warrior’s Code“, seinem Präsidenten und Conan O’Brian zu löchern.Ken, wie kommt es, dass ihr so kurz nach Veröffentlichung der „Singles Collection Vol. 2“ schon wieder ein reguläres Album rausbringt?„Wir hätten eigentlich auch lieber ein wenig Platz zwischen den Veröffentlichungen gelassen, aber wir haben mit der Zusammenstellung der ‚Singles Collection‘ leider etwas länger gebraucht als geplant. Die USA-Tour für diesen Sommer war zu diesem Zeitpunkt auch schon geplant, und da machte es irgendwie Sinn, auch ein richtiges Album dabei zu haben. Da hätten wir sonst Songs gespielt, die noch keiner kennt, weil das Album noch nicht draußen ist. Für uns als Band macht es aber wesentlich mehr Spaß, wenn die Fans unsere Songs kennen und mitsingen können, und für die Fans natürlich sowieso.“Ich hab da auch mal was von einem Akustikalbum läuten hören. Gibt es da konkrete Pläne oder war das nur so eine Idee? „Als wir die Songs für ‚Warrior’s Code‘ schrieben, waren mindestens vier oder fünf davon eigentlich für ein Akustikalbum gedacht, und wir haben dann hin und her überlegt, was wir zuerst rausbringen sollen. Wir wollten dann ursprünglich die ‚Singles Collection‘ und das Akustikalbum zeitgleich veröffentlichen, aber während der Arbeit an den Songs wurden wir allmählich so heiß darauf, wieder richtige Punkrock-Kracher zu machen, dass wir das Akustikalbum doch verschoben haben. Das wird aber auf jeden Fall irgendwann noch nachgeholt.“Gab es diesmal eigentlich irgendwelche Neuzugänge bei eurem Line-up? „Nein, eigentlich nicht.“Ich komme bei euch manchmal nicht so ganz mit den Dudelsack-Spielern mit. Bei eurem letzten Album „Blackout“ war ja Joe Delane dafür verantwortlich. Davor hattet ihr Spicy McHaggis, der ist aber wohl schon länger nicht mehr dabei. Und jetzt ist es wieder jemand anderes.„Hm, mal überlegen, also Spicy ist schon seit 2002 nicht mehr dabei glaub ich. Ja doch, ‚Sing Loud, Sing Proud‘ kam 2001 raus und er ist etwa ein Jahr später ausgestiegen, kommt also hin. Manche Leute kommen mit diesem Lebensstil einfach nicht klar, ständig mit der Band auf Tour sein und kaum zu Hause. Spicy hat irgendwann geheiratet und hat mittlerweile auch Kinder. Daher hat er sich dafür entschieden, die Band zu verlassen.“Er ist also nicht ausgestiegen, weil er ständig von adipösen Frauen belästigt wurde? Wegen dem „Spicy McHaggis Jig“ meine ich. Ich könnte mir vorstellen, dass einige beleibtere junge Damen das durchaus ernst genommen haben.„Indirekt schon, er hat eine von denen geheiratet. Er hat da so ein Mädel in England kennen gelernt und jetzt sind die beiden verheiratet. Hat mich aber auch nicht wirklich überrascht.“Und wer ist jetzt dieser Joe Delane, der auf „Blackout“ Dudelsack gespielt hat?„Joe Delane hat nur ein paar der Songs eingespielt. Auf den anderen ist unser jetziger Dudelsackspieler Scruffy Wallace zu hören. Joe Delane hat auch schon auf unseren vorherigen Alben mitgespielt. Er ist schon etwas älter und hat keinerlei Ambitionen, mit uns auf Tour zu gehen oder so. Er spielt ab und zu mal mit uns, wenn wir ein Konzert in Boston haben.“Was, würdest du sagen, ist der größte Unterschied von „The Warrior’s Code“ im Vergleich zu „Blackout“?„Was meiner Meinung nach bei ‚Blackout‘ eindeutig fehlte, waren die etwas schnelleren, härteren Sachen. Davon sind jetzt beim neuen Album wieder ein paar vertreten. Dadurch wird das Spektrum insgesamt breiter. Es ist einfach von allem etwas dabei: ein Hardcore-Song, ein Folk-Song, ein paar irische Sachen und natürlich klassischer Punk. Das ist auch das, was wir versuchen, bei allen unserer Platten zu erreichen, nämlich möglichst abwechslungsreich zu sein und eine große Bandbreite an Stilen abzudecken, die die unterschiedlichen Vorlieben der einzelnen Bandmitglieder widerspiegelt. In eine komplett andere Richtung geht der Sound allerdings nicht.“Wo du gerade härtere Songs ansprichst, da fällt mir besonders „Citizen CIA“ auf. Allerdings steig ich bei dem Text nicht so ganz durch. Könntest du die Entstehungsgeschichte dazu vielleicht etwas erläutern?„Nach dem 11. September gab es in manchen US-Zeitungen Werbeanzeigen, in denen Leute dazu aufgefordert wurden, sich bei der CIA zu bewerben. Ich fand es lustig, dass sie College-Abgänger auf diese Art anwerben, wo das doch ein Geheimdienst ist. Ich hatte mir das irgendwie anders vorgestellt.“Okay, ein anderer Song auf dem Album, der etwas heraussticht, ist „Green fields of France“. Soweit ich weiß, ist das ein Cover. Hast du irgendeine Ahnung, was der Typ, der das Lied im Original herausgebracht hat, über eure Version denkt?„Oh, ich bin mir gar nicht sicher, ob er es schon gehört hat. Das ist aber eine gute Frage. Wir hatten ja auch auf der letzten Platte eine Coverversion, und zwar war das der ‚Worker’s song‘ von Ed Pickford. Da waren wir sehr gespannt, was er dazu sagen würde. Er ist ja nun mittlerweile auch schon etwas älter. Aber er fand es gut und kommt jetzt auch immer mit seiner Tochter zu unseren Konzerten in England. Aber generell kann man da nur die Daumen drücken und hoffen, dass es den Leuten gefällt.“Gab es bei „Green fields of France“ einen bestimmten Grund, warum ihr das gecovert habt, oder war das einfach nur so ein Lied, das euch persönlich gut gefällt?„Wie haben da so eine Art Liste mit Liedern, die wir schon immer mal covern wollten, und da stand ‚Green fields of France‘ relativ weit oben. Außerdem kann man es auch zur traditionellen irischen Musik rechnen. Aber gerade in der jetzigen Zeit passt es noch aus ganz anderen Gründen. Ob man das jetzt auf Krieg im eigentlichen Sinne oder auf Kriege zwischen unterschiedlichen politischen Lagern bezieht. Da kämpfen unterschiedliche Seiten für unterschiedliche Gründe und vergessen darüber die Menschen, die dabei sterben. Da passt ‚Green fields of France‘ eben sehr gut, da es aus einer Sicht geschrieben ist, die oft zu wenig betrachtet wird. Wir haben es zwar nicht primär aus diesem Grund neu aufgenommen, aber es passt.“Ihr habt ja in der Vergangenheit auch immer mal Videoclips gedreht, ich erinnere mich da zum Beispiel an „The gauntlet“, „10 years of service“ oder den „Spicy McHaggis jig“. Hab ihr irgendwas in der Richtung geplant für das neue Album? Und wie wichtig sind euch Videos?„Ja, wir haben gerade ein Video zu ‚Sunshine highway‘ gedreht, die Nachbearbeitung läuft momentan noch. Na ja, ist halt ein Video. Ich weiß nicht, aber ich persönlich bin nicht so sehr versessen darauf. In dem neuen sieht man uns, die Band, in einem Apartment spielen. Die Musik verteilt sich dabei über das Belüftungssystem des Gebäudes und dann gibt es da verschiedene Storylines, die parallel ablaufen.“Wie sieht es in den USA aus mit Bands wie euch? Seid ihr mittlerweile schon MTV-kompatibel?„Nein, eher nicht. Ab und zu, wenn die da mal eine Punk-Hour haben, kann das schon mal vorkommen, dass ein Song von uns gespielt wird, aber das ist dann doch eher die Ausnahme. Es gibt allerdings inzwischen einige andere Musiksender hier drüben, die wesentlich mehr Punk spielen als MTV. Da laufen unsere Videos dann schon öfter mal. Hauptsächlich verbreiten die sich allerdings über das Internet. Das ist generell wichtiger denn je, nicht nur was die Verbreitung von Musikvideos angeht,.“Anderes Thema: Ihr wart ja auf „Rock Against Bush Vol. 2“ vertreten, und zwar mit dem Song „We’ve got the power“. Wie kam das zustande?„Wir sind gefragt worden. Den Song hatten wir vorher schon aufgenommen. Nun ja, wir sind Freunde von Fat Mike und wir sind ganz sicher keine Freunde von George Bush, das schien uns also eine gute Sache zu sein, an der wir uns beteiligen wollten.“Was haltet ihr, oder was hältst du persönlich, von all den US-Bands, die sich öffentlich gegen George Bush Jr. aussprechen, bzw. für wie wichtig hältst du es, in dieser Hinsicht als Band ein klares Statement von sich zu geben?„Meiner Meinung nach gibt es in den USA zu viele Bands, die alle das Richtige sagen – ‚George Bush sucks‘ und so weiter. Aber viele tun das mit dem Hintergedanken, dass sie damit Fans gewinnen, gerade auch in Europa. Zu wenige lassen ihren Sprüchen dann aber Taten folgen. Wir sind eine Band, die weniger redet und mehr macht. Wir haben uns schon immer auf verschiedenen Gebieten, ob sozial oder politisch – genauer gesagt: demokratisch – engagiert, gerade auch was gewerkschaftliche Organisation angeht. Das hört man ja auch aus unseren Liedern heraus. Und die Sachen, für die wir uns aktiv engagieren, stehen nun mal in krassem Gegensatz zu allem, wofür das Bush-Regime steht. Es braucht in den meisten Fällen eben viel mehr, als nur ein paar Leute, die auf die Bühne gehen, sich ein Mikro schnappen und brüllen ‚George Bush sucks‘. Das hat einfach viel zu wenig Substanz. Obwohl es natürlich stimmt. Es reicht nur eben nicht.“Man könnte also sagen „The power of your example is far greater than what you say!“ Damit wäre wir auch bei meiner nächsten Frage. Dieser Spruch ist ein Zitat von Martin Luther King Jr. und den habt ihr im Booklet von einem eurer Alben. Außerdem covert ihr einen Song von Woody Gutherie, der bekanntermaßen links ist. Wie kannst du es dir da erklären, dass es immer wieder Leute gibt, die euch mit dem rechten Lager in Verbindung bringen wollen?„Ich denke, das rührt hauptsächlich daher, dass wir schon immer – gerade am Anfang – eine große Anzahl an Skinheads bei unseren Shows hatten. Früher haben wir in Städten gespielt, da kamen 100 Leute zu der Show und die 100 waren fast alle Skinheads. Heute spielen wir in den gleichen Städten vor 1.000 oder mehr Leuten und es kommen immer noch die selben 100 Skinheads wie vor ein paar Jahren. Die Mainstream-Medien haben leider immer noch nicht kapiert, dass Leute mit rasiertem Kopf nicht alle rechts sind. Bei vielen Leuten geht das allerdings nicht so ganz in den Kopf rein, die stempeln die gesamte Skinhead-Kultur als rechts ab, was einfach nicht stimmt.“Aber abgesehen von den Fans, die als rechts abgestempelt werden, kommt der Vorwurf nicht manchmal auch an euch persönlich?„Das passiert eigentlich eher selten, denn die wenigsten, die diesen Verdacht eventuell haben, würden das direkt zu uns sagen. Außerdem, die meisten Leute aus unserem Umfeld oder Leute, die auf Konzerten zu uns kommen und mit uns reden, kennen die Texte und kommen gar nicht erst auf solche Ideen. Die Leute, die uns in so eine Ecke stellen, sind hauptsächlich die, die unsere Platten nie gehört haben oder sich zumindest nicht ordentlich die Texte durchgelesen haben; Leute, die vielleicht irgendwo gehört haben ‚Oh, die haben viele Skinheads als Fans, die sind bestimmt irgendwie rechts‘. Jeder, der schon mal auf einem Konzert von uns war, der die Musik kennt, der die Texte kennt, kann und sollte es eigentlich besser wissen.“Und wo ist da für dich die Grenze zwischen rechten Tendenzen und Patriotismus?„Na ja, also ich habe einen Sticker mit der amerikanischen Flagge auf meinem Auto. Ich wurde so erzogen, dass ich mein Land eben unter anderem nicht vom rechten Lager, von so Leuten wie George Bush und Konsorten, kaputt machen lasse. Ich will nicht, dass solche Menschen den Namen meines Landes in den Dreck ziehen, was leider gerade geschieht. Diese Regierung repräsentiert nicht, wofür die USA ursprünglich stehen sollten – Werte wie Gleichheit und Freiheit eben. Leider ist die amerikanische Flagge aber auch ein Symbol für diejenigen, die für einen negativen Patriotismus stehen, und sie wird von diesen Idioten für ihre Zwecke missbraucht. Das ist aber eigentlich nicht der Sinn der Sache. Die Flagge und die Verfassung der USA stehen für ganz andere Werte, als sie rechte Patrioten haben. Aber wenn sich jetzt jeder von der Flagge und den Idealen der Verfassung abwendet, nur weil einige Deppen sie falsch interpretieren, dann haben die doch gewonnen! Dann können die doch machen, was die wollen, und sich jederzeit auf diese Symbole berufen. Das wäre dann, als gäbe es die Verfassung gar nicht! Seit dem 11. September ist einiges an Mist abgelaufen, etwa der ‚Patriot Act‘, aber gerade in solchen Situationen ist es wichtig, dass die Menschen ihr Land nicht aufgeben, sondern sich dafür einsetzen, dass es besser wird.“Ich habe euch jetzt schon zweimal in der Conan O’Brien-Show gesehen. Wie kommt man als Punkband dazu, dort aufzutreten?„Na ja, so viele Punkbands hat der nicht unbedingt in seiner Sendung, nur ab und zu mal, aber er ist halt auch aus Boston, so wie wir. Er ist echt ein netter Typ und lustig ist er auch. Wir haben uns in seiner Sendung sehr wohl gefühlt und das war die Hauptsache. Wir waren auch noch in einer anderen Fernsehsendung namens ‚The Jimmy Kimmel Show‘. Da war es sogar noch besser, obwohl das eigentlich eine noch größere Sendung ist. Aber der Vorteil war, dass es da ein Publikum im Studio gibt und so spielst du eben nicht nur für die Kameras sondern vor drei- oder vierhundert deiner Fans, was logischerweise für uns die gewohntere Situation und somit angenehmer ist.“Wie viele Leute kommen eigentlich so zu euren St. Patrick’s Day-Shows in Boston? „Also der Laden, in dem wir spielen, fasst etwa 2.000 Leute und wir spielen da an sechs Abenden. Rein rechnerisch würde das jetzt 12.000 Leute ergeben, aber es kommen natürlich auch viele Leute zu mehreren der Shows, daher lässt sich das schwer sagen. Es wäre natürlich einfacher, in einem größeren Laden zu spielen, aber da gibt es in Boston leider keinen geeigneten, denn viele der größeren Konzerthallen hier haben Sitzplätze. Das ist ja auch quatsch. Da sehen die Kids uns doch lieber in einem kleineren Club. Ich persönlich spiele ohnehin lieber sechs Abende hintereinander in einem Club, als einen Abend in einer Arena.“Habt ihr nicht sogar mal einen Preis bekommen für die meisten verkauften Tickets an einem Wochenende?„Ja, das ist aber auch schon wieder drei Jahre her mittlerweile. Bis dahin waren die RAMONES Rekordhalter gewesen. Seitdem brechen wir selbst eigentlich nur noch unseren eigenen Rekord. Allerdings bezieht sich dieser Rekord nur auf diesen einen Club, nicht auf ganz Boston. U2 waren kürzlich erst da, die haben logischerweise mehr Tickets in weniger Zeit verkauft. Die sind dann doch eher die Stadionfraktion.“Bei diesen St. Patrick’s Day-Shows habt ihr ja auch immer einige interessante Support-Bands mit im Schlepptau. An Bostoner Bands denke ich da zum Beispiel an die DUCKY BOYS und die BLUE BLOODS. Ich nehme an, das sind alles enge Freunde von euch, oder?„Ja klar! Ich kann mich aber auch nicht daran erinnern, dass wir je eine Band mit auf Tour genommen hätten, mit der wir nicht befreundet waren. Es gibt eine schier unendliche Liste an Bands, die wir gerne mit auf Tour nehmen würden. In der Hinsicht haben wir einfach riesiges Glück, dass wir es befreundeten Bands ermöglichen können, mit uns zu touren, und dass wir selbst uns nicht mit Bands abgeben müssen, die wir nicht kennen oder mögen. Es gibt ja auch gerade in Boston unheimlich viele gute Bands.“Das fällt mir auch immer mehr auf. Kannst du mir da vielleicht noch ein paar empfehlen, die ich noch nicht kenne?„Also zwei hatten wir ja eben schon, die DUCKY BOYS und die BLUE BLOODS. Und wenn ich ehrlich bin, haben diese beiden Bands meine letzten zwei Lieblingsalben herausgebracht. Etwas unbekannter sind da noch die PUG UGLIES. Die sind sogar auf einem europäischen Label und komischerweise ist deren Album noch nicht mal in den USA erschienen, sondern nur bei euch. Dabei sind die richtig gut. Die PUG UGLIES gibt es zwar schon seit einer ganzen Weile, aber das aktuelle Album ist ihre erste Veröffentlichung auf einem richtigen Label. Das sind so die besten Bands bzw. Veröffentlichungen, die ich im Moment so empfehlen kann. Dann gibt es in Boston ja noch die KINGS OF NUTHIN’, aber die sind in Europa wohl schon hinreichend bekannt soweit ich weiß. Diese vier wären so meine Lieblingsbands aus Boston.“Was mir noch auffällt, ist, dass fast alle Bands aus Boston mit Jim Siegel zusammenzuarbeiten scheinen. Wie kommt’s und habt ihr bei „The Warrior’s Code“ auch wieder mit ihm gearbeitet?„Wir haben diesmal nicht in seinem Studio aufgenommen, aber er hat das Album abgemischt. Wir haben es auch nur woanders aufgenommen, weil sein Studio zu dem Zeitpunk ausgebucht war. Sein Studio ist erstens das billigste und zweitens ist es sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten. Es ist zwar nicht groß und es gibt da auch nicht so viel Schnickschnack, aber gerade deswegen ist es einfach der beste Ort, um eine Punkplatte aufzunehmen, und daher kommen auch alle Punkbands zu ihm.“Was ist eigentlich aus deinem Label Flat Records geworden? Keine Zeit mehr? „Seit ich Kinder habe, ist das noch schwieriger geworden. Es war nur so ein Ein-Mann-Ding und wenn man dann mit seiner eigenen Band immer auf Tour ist, hat man keine Zeit, sich um die Bands auf seinem Label zu kümmern. Wenn die dann anrufen und sagen ‚Hey, wir sind auf Tour und brauchen noch 100 CDs mehr‘ und du musst denen sagen ‚Ehm, ich bin selbst grad auf Tour und erst in einer Woche wieder daheim. Könnt ihr warten?‘. Das ist eben einfach unfair.“
 
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DROPKICK MURPHYS - Shipping Up To Springfield

Mit "The Meanest Of Times" erschien Mitte September das mittlerweile sechste Studioalbum der Bostoner Folk-Punks und zumindest meine, nicht gerade geringen Erwartungen konnten die Jungs mal wieder mehr als erfüllen. Zum Erscheinen des Vorgängers "The Warrior's Code" 2005 hatte ich bereits die Gelegenheit gehabt, ein Telefoninterview mit Bassist Ken Casey zu führen. Und auch wenn das noch nicht allzu lange her ist, hatte ich schon wieder annähernd tausend Fragen im Kopf. Diesmal stand mir Sänger Al Barr in Rahmen einer Promotour für die neue Platte zur Verfügung. Wir trafen uns in einem Kölner Hotel und sprachen über das neue Album, über Martin Scorsese, George Bush, die Bedeutung des Wortes Patriotismus und darüber, warum die nette Dame von der Promoagentur ihm extra im Reformhaus Sojamilch holen musste.Wie kommt's, dass du keine Milch trinkst? Bist du Allergiker oder ist das nur so ein Tick von dir?Ich esse gar keine Milchprodukte mehr wegen der Stimme. Ein Gesangscoach hat mir gesagt, ich solle das mal versuchen. Ich hatte nämlich teilweise Probleme, manche Töne richtig zu singen - wenn man das Singen nennen kann, was ich da mache. Er sagt ich solle einfach mal experimentieren, für drei Monate Milchprodukte aus meinem Speiseplan streichen und dann schauen, ob es einen Unterschied macht, und das tat es. Also hab ich jetzt seit etwa zwei Jahren keine Milchprodukte mehr gegessen. Ich betrüge aber manchmal: Milchschokolade esse ich zum Beispiel manchmal, aber ich trinke keine Milch und ich esse keinen Käse. Ich esse keine normale Pizza, aber ich vermisse Pizza, denn das ist das absolute Grundnahrungsmittel nach einer Show. Aber es ist nicht so, dass ich Veganer oder so bin. Ich esse gerne Fleisch. Meine Schwester ist Vegetarierin, aber isst dafür tonnenweise Käse, und meine Frau isst Käse, und ich denke mir immer: "Ach, ich vermisse Käse". Es ist ja nicht so, dass ich damit aufgehört hätte, weil ich ihn nicht mag. Es gibt ja auch Soja-Käse, aber das ist einfach nicht dasselbe.Okay, lass uns mal über das neue Album reden. "(F)lannigan's Ball" und "The state of Massachusetts" erwecken den Eindruck, dass der Folk-Einfluss auf der neuen Platte wieder stärker geworden ist.Das sind zwei der folkigeren Stücke, aber das Album ist insgesamt härter - es ist definitiv punkiger. Aber es gibt mehr Folk-Instrumentierung, auch bei den Punk-Songs. Früher hatten wir das oft, dass wir entweder einen straighten Punk-Song hatten oder einen Folk-Song, den wir etwas punkiger gemacht haben. Jetzt mischen sich beide Elemente häufiger in einem Song.War das etwas, das ihr bewusst gemacht habt, oder hat sich das einfach so ergeben?Wir machen nie irgendetwas bewusst. Wir wollen natürlich immer das bestmögliche Album machen, aber wir schreiben einfach drauflos und nehmen dann, was uns gefällt und schmeißen weg, was uns nicht gefällt. Wir sind immerhin eine echte Band und nicht von irgendeiner Plattenfirma zusammengestellt, also muss auch die Musik real sein, und Ausdruck dessen sein, was wir fühlen. Und dieses Gefühl wollen wir dann auf die Leute übertragen. Wir denken beim Songwriting also nicht, der Song muss sich jetzt so oder so anhören. Es ist eher so, dass die Songs schon fertig sind und wir uns dann fragen, ob wir den jetzt mögen oder nicht. Wenn es um die Musik geht, sind wir uns alle ziemlich einig, es gibt niemanden, der beleidigt ist, wenn etwas nicht auf die Platte kommt - meistens zumindest. Wir sind uns auch mal uneinig, aber das ist nun mal so - wir sind eben eine Band. It's like we're a dysfunctional family. Irgendein Drama gibt es da immer, aber das liegt in der Natur der Sache. Das gehört dazu, in einer Band zu sein und soviel Zeit zusammen zu verbringen.Für "(F)lannigan's Ball" habt ihr ja auch ein paar Gastmusiker verpflichtet.Ja wir hatten Ronnie Drew von den DUBLINERS und Spider Stacy von den POGUES und es war wirklich genial - den Song haben wir in Dublin aufgenommen und darin vereinen sich drei Generationen irischer Musik. Es ist eine Ehre für uns, diese Legenden mit auf unserem Album zu haben. Spider haben wir kennen gelernt, als wir im Vorprogramm der POGUES spielten und Ronnie von den DUBLINERS trafen wir beim letzten Konzert dieser Tour, als er einen Song mit den POGUES zusammen auf der Bühne sang. Da fragten wir ihn auch direkt, ob er auf unserer Platte mitsingen wolle und er sagte sofort zu. Er ist ein wirklich außergewöhnlicher Mensch!"The Meanest Of Times" ist das erste Album, das auf eurem eigenen Label Born and Bred Records erscheint. Bisher wart ihr ja bei Hellcat/Epitaph zu Hause.Wir waren zehn Jahre bei Hellcat/Epitaph, und es war nicht so, dass wir da unzufrieden waren, aber wir dachten uns nur, es war nun zehn Jahre lang dasselbe. Als wir bei denen angefangen haben, war alles so neu und frisch, alle beim Label waren so begeistert von der Band. Nach zehn Jahren war es nicht so, dass sie uns nicht mehr mochten, aber wir wurden so was wie ein alter Hut. Die Reaktion war in etwa: "Noch ein DROPKICK MURPHYS-Album? Ja, ist ganz gut, wir werden's rausbringen." Es war Zeit, die Geschichte der Band zu verändern und ein neues Kapitel zu schreiben. Ich denke, so wie die Situation im Musikbusiness momentan ist, ist jetzt die beste Zeit, die Chance zu ergreifen und zu sehen, was passiert. Wenn wir scheitern, ist das eben so, aber dann haben wir es wenigstens versucht. Es gab aber keinen bestimmten Grund, warum wir von Hellcat/Epitaph weg sind. Jede Band wird dir sagen, dass sie Probleme mit ihrem Label hat. Jede Band, die sagt, ihr Label sei das Beste der Welt und sie hätten überhaupt keinen Grund, sich zu beschweren, lügt entweder oder ist gerade erst gesignt worden. Es gibt immer Beschwerden und bei Epitaph waren die noch vergleichsweise minimal. Am Ende waren sie es ja, die die Platten in die Läden gebracht haben, vor allem in den USA. Und sie haben ihren Job gut gemacht. Aber die Musikwelt macht momentan eine sehr seltsame Veränderung durch, einerseits die Art, wie Musik vermarktet wird, aber auch in der Hinsicht, dass vieles was derzeit - gerade auch bei Epitaph - als großartige Musik gilt, in meinen Augen einfach totale Scheiße ist. Aber das alleine war nicht der Grund, unser eigenes Label zu gründen. Wir hatten auch eine Menge Ideen, die Epitaph oft - nein, meistens - nicht gut fand. Aber am Ende haben wir es doch so gemacht und dann sagten sie: "Gut, dass wir alle diese Idee hatten." Aber wir sagten dann: "Nein, wir hatten die Idee und ihr habt sie gehasst und wolltet sie nicht unterstützen, und wir haben es trotzdem gemacht und jetzt wollt ihr die Lorbeeren dafür einsacken." Solche Sachen sind ganz schön ermüdend und anstrengend. Aber es gab niemand, mit dem wir ein konkretes Problem hatten. Es ist trotzdem ein klasse Label. Wir mussten einfach mal was verändern.Anderes Thema: Der Song "Shipping up to Boston" von eurem letzten Abum "The Warrior's Code" wurde ja in Martin Scorseses Film "The Departed" verwendet. Wie seid ihr zu der Ehre gekommen?Robbie Robertson von THE BAND, den wir nicht kennen, der aber angeblich ein Fan der Band ist, ist dafür verantwortlich. Martin Scorseses erster Film, den er auf der Filmhochschule machte, war eine Doku über diese Band und die beiden sind seit Jahren Freunde. Er spielte Martin Scorsese den Titel vor und meinte zu ihm, der müsse unbedingt in den Film. Zu dem Zeitpunk wussten wir aber noch nichts von der ganzen Sache. Martin Scorsese meinte dann wohl, dass er den Song liebt und er ihn im Film haben wolle. Dann meldete sich das Filmstudio bei mir und ich weiß noch, wie wir die erste E-Mail bekommen haben und dachten: "Ja, klar, Martin Scorsese, sicher. Da hat wohl einer eine zu viel geraucht." Und kurze Zeit später sitze ich im Kino, sehe den Film und denke mir: "Heilige Scheiße! Das war echt cool!" Denn er wirkt wirklich entscheidend auf die Atmosphäre der Szenen. Ich meine, der Film wäre so oder so genial gewesen, aber der Song hat echt großartig gepasst. Und dann haben wir die Reviews über den Film gelesen und all die Kritiker, die nie etwas von uns gehört hatten, meinten alle: "Wow, wer sind diese DROPKICK MURPHYS? Mann, war der Song klasse und hat genial zum Film gepasst!"Stimmt es, dass "Shipping up to Boston" auch in einer Discovery Channel-Doku namens "Lobster Wars" verwendet wurde?Ja, darin geht es um Hummerfischer. Wegen der Überfischung der Hummerbestände in Neuengland müssen die Hummerfischer mit ihren Booten immer weiter raus fahren. Da das Geschäft mittlerweile so hart umkämpft ist, bekriegen die sich mittlerweile richtig - die beschießen sich sogar! Der Song läuft beim Vorspann, wenn die Boote durch die Wellen fahren - das kommt sehr cool rüber. Aber ich hab noch was Besseres für dich: Der Song kommt auch bald in einer Folge der Simpsons vor. Sie machen eine Folge, die eine Persiflage auf "The Departed" sein wird. Ich habe die Szene, in der der Song vorkommt, schon gesehen, aber ich will nicht zu viel verraten. Und zum nächsten St. Patrick's Day produziert der Grußkartenhersteller Hallmark Cards eine Karte, die "Shipping up to Boston" spielt, wenn man sie aufmacht.Also wird das wohl der Song sein, durch den man sich in 20 Jahren noch an euch erinnert.Ja vermutlich. Witzig ist ja, dass es den Song schon zwei Jahre lang gab, bevor er in einem Film benutzt wurde. Aber wenn du dir "The Meanest Of Times" anhörst, wirst du feststellen, das wir keinen "Shipping up to Boston Teil 2" aufgenommen haben. Wir waren nie eine Band, die es auf so etwas angelegt hat. Aber es ist natürlich eine nette Erfahrung. Aber es ist bestimmt nicht das, was die Band ausmacht oder was wir versuchen zu sein.Habt ihr auch ein Video zu dem Song gedreht?Ja, haben wir. Das ist eine lustige Geschichte. Als wir erfuhren, dass der Song im Film sein würde, wollten sie, dass wir ein Video machen, das auf die DVD des Films kommen sollte. Also haben wir ein Video gedreht, aber irgendjemand bei denen hatte vergessen, jemand anders anzurufen und daher haben wir's verpasst. Und dann dachten wir uns: Okay, der Song ist zwar nicht auf der DVD aber im Film, also wie wäre es, wenn wir im Gegenzug Ausschnitte aus dem Film für das Video verwenden könnten. Also haben wir die Produktionsfirma gefragt, dachten aber von vornherein, dass sie Nein sagen würden. Aber dann bekamen wir eine E-Mail zurück und darin stand: "Sagt der Band, sie kann aus dem Film verwenden, was immer sie will. Ich liebe die Band und ich liebe den Song. Marty." Marty, nicht Martin! Und wir dachten: "Heilige Scheiße, Martin Scorsese hat uns gerade eine E-Mail geschrieben, die lassen wir uns einrahmen!" Das beweist nur wieder, was für ein großartiger Typ er ist und wie bodenständig er an seine Filme herangeht - von der Regie bis hin zum Soundtrack. Das Ganze ist echt eine tolle Erfahrung, aber mehr auch wieder nicht. Ein glücklicher Zufall und etwas, auf das ich immer mit Stolz zurückblicken werde. Und meine Eltern waren auch total baff und sind wirklich stolz auf mich.Ich könnte mir vorstellen, dass sie das noch anders gesehen haben, als du anfingst, in Punkbands zu spielen, oder?Als ich mit 14 oder 15 anfing, in Bands zu spielen, hat mein Vater gesagt: "Was zur Hölle glaubst du, was du da aus deinem Leben machst? Kommt gar nicht in Frage!" Sie haben mich im Endeffekt zwar immer beim Musikmachen unterstützt, aber sie haben es nie wirklich verstanden. Sie hätten auch nie gedacht, dass es jemals etwas sein könnte, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Das hätte ich allerdings auch nie gedacht. Ich habe jahrelang Musik gemacht und nebenbei Scheißjobs, um die Musik zu finanzieren. Und ich dachte, das würde auch immer so bleiben. Dass ich jetzt mit der Musik meinen Lebensunterhalt finanzieren kann, ist ein Traum, der wahr geworden ist.Was war der schlimmste Job den du je gemacht hast?Klos sauber machen. Und ich sage dir, Frauen sind schlimmer als Männer. Ich weiß nicht, wie oft ich da die Scheiße vom Boden aufheben musste und mir nur immer dachte: "Wie schwer kann es sein, die verdammte Toilette zu treffen? Die ist doch eigentlich groß genug."Danke, das war sehr anschaulich ... Zu etwas anderem: In den USA stehen ja im nächsten Jahr Wahlen an. Was hältst du bis jetzt von den Kandidaten?Jeder ist besser als Bush! Er wird in die Geschichte eingehen als der schlechteste Präsident der USA, das steht fest. Ich weiß allerdings noch nicht genau, wen ich wählen werde. Es ist noch etwas zu früh, das zu sagen. Ich mag einige Sachen, die einige der Kandidaten sagen. Barack Obama hat ein paar gute Ideen, John Edwards auch, definitiv ein Demokrat. Zuerst dachte ich: "Hillary Clinton, eine Frau als Präsident, das könnte klappen." Dann war sie aber in meiner Stadt, ich wohne in Portsmouth, das ist eine Stunde nördlich von Boston entfernt. Sie hat dort eine Rede mit ihrem Ehemann Bill gehalten. Und sie hatten einen Platz abgesperrt, auf dem 2.000 Leute stehen konnten und man musste allen Ernstes zehn Dollar bezahlen, wenn man da rein wollte! Und ich dachte mir nur: "Zehn Dollar?! Wollt ihr mich hier verarschen?" Das war's dann mit meiner Sympathie für Hillary Clinton. Ich meine, sie will doch gewählt werde, wenn überhaupt, dann sollte sie uns zehn Dollar geben, damit wir ihr zuhören. Lächerlich! Ich weiß, dass man nicht sein Privatvermögen einsetzen darf, dass man erst mal Gelder für die Wahlkampagne eintreiben muss und dass so was viel Geld kostet, mit Fernsehwerbung und allem drum und dran. Aber komm nicht in meine Stadt, bau dein Wahlkampfareal auf einer öffentlichen Straße auf und verlange dann auch noch Geld dafür von mir! Das geht echt gar nicht. Mach meinetwegen einen Empfang in einem teuren Hotel und lade da Business-Leute ein und verlange von denen 500 Dollar für das Essen ... Aber wie bereits gesagt, ich warte da noch ab. Ich denke die Republikaner wissen, dass sie in der Scheiße stecken, und das zu Recht!Dass du einen Demokraten wählen würdest, hatte ich schon vermutet. Aber es gibt ein paar Leute in Europa - und speziell in Deutschland -, die ein anders Bild von euch haben, die euch als eher patriotische Band wahrnehmen.George Bush und die, die vor ihm schon ähnlich schlechte Präsidenten waren, haben das Wort Patriotismus in seiner Bedeutung verfälscht. Wir sind definitiv eine patriotische Band! Stolz darauf zu sein, ein Amerikaner zu sein, bedeutet für mich nicht automatisch, dass ich mich für etwas Besseres halte - ganz und gar nicht! Ich bin stolz darauf, wo ich herkomme. Jeder sollte auf seine Herkunft stolz sein. Und wenn ich nach Deutschland komme, renne ich hier nicht rum und halte mich für was Besseres als ihr, sondern will von den Menschen, die ich treffe, etwas lernen. Dann will ich lernen, was deren Kultur ausmacht oder von meiner unterscheidet - ich will Erfahrungen und Ideen austauschen. Das ist mein Verständnis von Patriotismus. Ich kann auch verstehen, dass es einige Menschen gibt, die Vorurteile uns gegenüber haben, wenn sie hören, dass wir uns als Patrioten sehen. Aber ich freue mich über jeden der sich die Zeit nimmt, auch zu hinterfragen, was wir damit meinen. Auch wenn das für manche Menschen ein Widerspruch zu sein scheint, beinhaltet Patriotismus in meinen Augen sehr wohl, seine Regierung in Frage zu stellen - gerade in Zeiten des Krieges. Und, nein, wir unterstützen den Krieg in keiner Weise und haben das auch nie getan. Aber wir unterstützen die Truppen. Ich weiß leider auch, dass es genügend Landsleute von mir gibt, die Bush total großartig finden und die überzeugt hinter diesem Krieg stehen. Gott sei Dank hat sich das Verhältnis aber mittlerweile rapide zu seinen Ungunsten verändert. Tragisch nur, dass zuerst so viele unschuldige Menschen sterben mussten, bis die Leute das gemerkt haben und die Lügen durchschaut haben. Historisch gesehen waren es in den USA immer ärmere Bevölkerungsschichten, die in den Krieg zogen. Warum sollten wir dann also auch noch auf sie scheißen? Die Menschen, die im Irak sterben, und damit meine ich nicht nur Amerikaner, sondern auch irakische Männer, Frauen und Kinder, sind unschuldige Opfer, und es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich das sehe - vor allem bezüglich der Kinder, denn ich habe selbst ein Kind. Ich habe schon sehr oft mit Veteranen gesprochen, die von dort zurückgekehrt sind. Im selben Satz verfluchen sie einerseits den Krieg und den Präsidenten, aber bedanken sich auch bei uns für unsere Unterstützung und dafür, dass es Leute wie uns gab, die nette Sachen über sie gesagt haben, während sie in einem sinnlosen Krieg ihr Leben und ihre Gesundheit riskiert haben. Es ist mir wichtig, dass die Leute verstehen, dass wir sehr wohl eine patriotische Band sind, aber dass auch, was das für uns konkret bedeutet. Es gibt einerseits den Hulk-Hogan-Patrioten, der rumrennt und brüllt "U-S-A" und "wir sind die Nummer eins!". Aber das sind nur hirnlose Parolen, hinter denen keine wirkliche Aussage steht. Frag mal so jemanden, was er dir damit genau sagen will oder was Patriotismus für ihn bedeutet. Ich meine, was die Wirtschaft betrifft, sind die USA schon lange nicht mehr die Nummer eins. Teilweise liegt das wohl auch an der aktuellen Regierung, aber zu einem großen Teil auch an den generellen Veränderungen der Weltwirtschaft. Also noch mal: Ja, wir sind Patrioten, aber, nein, wir sind mit Sicherheit keine Nationalisten. Zwischen den beiden Begriffen besteht ein enormer Unterschied.
 
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DROPKICK MURPHYS - The boys are back

Mit „Signed And Sealed In Blood“ folgt Mitte Januar 2013 überraschend schnell ein neues Album (ihr achtes) der 1996 gegründeten Folk-Punks aus Boston – weniger als zwei Jahre nach dem Erfolgsalbum „Going Out In Style“, das endgültig den Durchbruch brachte. Seit den Anfängen in der Bostoner Punkszene hatte sich die Band stetig wachsender Beliebtheit erfreut, spätestens seit „The Warrior’s Code“ (2005) und dem im Film „The Departed“ (2006) vorkommenden, hymnischen „I’m shipping up to Boston“ fand die Band mit jeder Tour, jedem Release neue Fans, und 2007 kam dann – erstmals nicht mehr auf einem Indie-Label (zuletzt war das Hellcat) – „The Meanest Of Times“ auf dem bandeigenen Label Born & Bred, in den USA mit Majorlabel-Vertrieb. „The State of Massachusetts“ wurde zum Hit, die Band hatte zu tun, und ließ sich mit dem Nachfolger „Going Out In Style“ (2011) vier Jahre Zeit. Ich sprach mit Drummer Matt Kelly, der seit 1997 dabei ist – was ihn zum zweitdienstältesten Bandmitglied macht, nach Bandgründer und Bassisten Ken Casey –, über das neue Album und den Weg dorthin.Boston ist vergangene Woche knapp dem Hurricane entgangen, der um New York City herum schwere Zerstörungen verursacht hat. Ihr habt also Glück gehabt.Ja, und zudem sind wir gerade auf Tour, heute in Omaha, Nebraska. Mir wird bei solchen Ereignissen immer klar, wie anders man solche Naturkatastrophen wahrnimmt, wenn sie in der unmittelbaren Nähe stattfinden, und dabei sind weltweit doch ständig Menschen von so was betroffen.Nun kommt so ein Ereignis meist aus heiterem Himmel, und die meisten Menschen sehen seltsamerweise keine Verbindung zum Klimawandel.Wetteraufzeichnungen reichen gerade mal 200 Jahre zurück, aber die Erde ist vier, fünf Milliarden Jahre alt und es gab schon immer mal Wetteranomalitäten, nur haben wir daran keine Erinnerung. Als 1883 der Krakatau-Vulkan explodierte, löste der riesige Tsunamis aus und beeinflusste das Klima über Jahre. Meiner Meinung nach lässt sich ein Klimawandel nicht beweisen, ich bin in vielerlei Hinsicht ein Skeptiker. Nenn’ mich dafür Idiot, aber so bin ich. Die Menschheit existiert erdgeschichtlich gesehen erst seit einem Augenblick, was wissen wir also, was früher war und was noch kommen wird? Man kann Vorhersagen machen und die Leute damit erschrecken, aber letztlich wissen wir nicht, was sein wird. Auch die Wissenschaft hat ihre Grenzen.Viel direkter betrifft einen da die schwierige wirtschaftliche Situation. In den USA ist die Arbeitslosenquote immer noch hoch, in Spanien, Griechenland, Italien und so weiter die Situation schlimm bis hoffnungslos, gerade bei Jugendlichen. Ihr habt euch als Band immer wieder für Arbeiterrechte und Gewerkschaften engagiert, wie erlebt ihr die Situation?Die Krise betrifft jeden, die oben aber natürlich weniger als die unten: „shit rolls downhill“, heißt es bei uns. Die Reichen sorgen immer dafür, dass es ihnen gut geht und sie ihren Standard halten können. So war das schon immer. Starke Gewerkschaften helfen aber, den normalen Menschen eine Stimme zu verleihen, gibt ihnen Stärke, ihr Schicksal stärker selbst beeinflussen zu können. Gleichzeitig muss man aufpassen, dass die Gewerkschaften ihre Macht nicht missbrauchen, denn auch das kommt vor. Ich denke nicht, dass die Gewerkschaften immer im Recht sind, aber es ist gut, dass es sie gibt, denn oft haben die Beschäftigten keinerlei Mitspracherecht, die Firmen diktieren alles. Eine Lösung für die aktuellen Probleme habe ich aber auch nicht, ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler und auch kein Politiker.Wenn dieses Interview erscheint, haben die USA gewählt – was für Wünsche hast du für die nächste Amtszeit?Es gibt so viele Probleme, aber mein größter Wunsch wäre, dass der „Patriot Act“ und der „Military Commissions Act“ aufgehoben wird. Diese Gesetze sind aus innenpolitischer Sicht sehr wichtig, weil sie ganz massiv in die Menschenrechte eingreifen. Unter diesen Gesetzen kann die Regierung jeden Bürger zum Terroristen erklären und ohne Gerichtsverfahren für unbegrenzte Zeit internieren. Dabei steht doch jedem Bürger ein faires Verfahren vor einem ordentlichen Gericht zu, das auch in angemessener Zeit nach der Verhaftung zu erfolgen hat. Wegen dieser Gesetze, die in der Folge von 9/11 erlassen wurden, kann aber jeder als Terrorist bezeichnet und in einem Bundesgefängnis festgehalten werden. Das ist schon mehrfach vorgekommen, und das ist für mich ganz klar ein Fall von Tyrannei. Obama hatte versprochen, diese Gesetze abzuschaffen, aber in seiner Amtszeit ist das nicht geschehen, es ging weiter wie zuvor, der eine Idiot folgte auf den anderen. Und dann ist da noch die außenpolitische Situation: die Militärausgaben haben eine irrsinnige Höhe erreicht, der Großteil des Haushaltes fließt in diesen Sektor. Wir müssen unsere Truppen – auf intelligente Weise – aus dem Mittleren Osten abziehen, die Leute dort sollen ihr Leben selbst organisieren. Warum hassen die denn den Westen? Nein, nicht, wie unser Präsident sagt, wegen unserer Freiheit, sondern weil wir uns in ihre Angelegenheiten einmischen. Und deshalb sollte in absehbarer Zeit unser Engagement dort beendet werden. Außerdem sind da noch zig andere Probleme, die hohe Arbeitslosigkeit in Teilen des Landes ist eines davon. Mein Wunschkandidat ist schon früh aus dem Wahlkampf ausgestiegen, also gehe ich von vier weiteren Jahren Bullshit aus, egal, wie es ausgeht. Wir haben in den USA faktisch ein Zwei-Parteien-System, und beide Parteien unterscheiden sich kaum.Früher hat man Menschen, die ihr Geld mit so was „Unsolidem“ wie einer Band verdienen, für leichtsinnig gehalten, aber wie sieht das in Zeiten wie diesen aus, wie geht es euren Freunden, euren Familien mit „richtigen“ Jobs?Wir als Band können uns glücklich schätzen, uns hat diese ganze Wirtschaftskrise nicht unmittelbar getroffen. Aber ich kenne einige Leute, die ihren Job verloren haben, wobei die Situation in und um Boston nicht so schlimm ist. In Städten wie Detroit und anderen großen Städten ist das anders. Wir touren seit 16 Jahren, wir haben überall Freunde, und in Staaten wie Illinois und Michigan ist es echt schlimm, da sind viele seit Monaten oder Jahren ohne Arbeit. Ein Freund ist Klempner, der hatte ein paar Angestellte – jetzt arbeitet er allein, kann kaum seine Familie ernähren, und dann ging auch noch sein Lieferwagen kaputt ... Solche Menschen kämpfen verzweifelt um ihr Überleben. Zum Glück haben alle in meiner Familie sichere Jobs, die sind Automechaniker, Bartender, Musiker, die kommen klar. Und meine Frau ist Anwältin, die hat mehr Arbeit, als gut ist. Na ja, angeblich erholt sich die Wirtschaft derzeit, aber dann kommt so ein Sturm ... Die Zeiten ändern sich, nur das ist sicher.In welcher Rolle seht ihr euch da als Band? Als politische Kommentatoren oder als Entertainer, die die Leute auf andere Gedanken bringen?Beides. Wir sind sieben Leute in der Band, und wir decken das politische Spektrum von Demokraten über Republikaner bis zu den Libertären und darüber hinaus ab. Es gibt einige Bands, die stellen sich hin und schwingen große Reden, predigen, fordern die Leute auf, diese oder jene Partei zu wählen. Ich bin der Ansicht, es sollte eher darum gehen, die Menschen über bestimmte Sachverhalte aufzuklären, so dass sie sich eine eigene Meinung bilden können. Andererseits ist ein gewisser Eskapismus in Ordnung, die Menschen brauchen auch mal eine Auszeit von ihren Alltagsproblemen, und unsere Konzerte können genau das sein. Du arbeitest die ganze Woche lang, dann kommst du auf unser Konzert und kannst deine Probleme für anderthalb Stunden vergessen. Wir füllen also beide Rollen aus, aber zu unterschiedlichen Zeiten. Wir sind keine total politische Band und wir beziehen auch mal klar Stellung, aber das ist nicht der Grund unseres Daseins: Wir sind da, um Punkrock zu spielen, um Spaß zu haben.Dazu taugt euer neues Album auf jeden Fall. Auf mich macht es den Eindruck, hymnischer und noch mehr zum Mitgehen geeignet zu sein als das davor. Zufall oder Absicht?Wenn man sich mal die Songs auf „Do Or Die“ oder „Sing Loud, Sing Proud!“ anhört, dann stehen da einfache Mitsing-Refrains im Vordergrund, und als ich die neuen Songs meiner Frau, meinem Bruder und Freunden vorspielte, sagten die alle, das sei eine Rückkehr zu den alten Platten. Ja, die neuen Songs haben mehr Tempo und Aggression, denn wir sind nicht die RAMONES, AC/DC oder MOTÖRHEAD, wir wollen nicht die gleiche Platte zweimal machen. „Going Out In Style“ war eine Platte, die wir schon lange machen wollten, ein Konzeptalbum, und „Signed And Sealed In Blood“ nun besteht aus Songs, die alle irgendwie plötzlich da waren. „Do or die“ beispielsweise war innerhalb einer Stunde fertig. Rick, der Gitarrist, hatte dieses Riff, und dann kam eine Idee zur anderen und fertig, inklusive des Textes. Es gab kein Überanalysieren, wir haben uns keine unlösbaren Aufgaben gestellt, wir haben nicht verkrampft versucht, total überdachte, bedeutungsschwangere, introvertierte Texte zu schreiben. Wir hatten auch keine Lust, nach der erfolgreichen letzten Platte jetzt bewusst kommerzielle Songs zu schreiben. Ich glaube aber, auf der Platte sind schon ein paar Hits enthalten, wir schreiben einfach von jeher sehr melodiöse Lieder mit Chorgesängen. Und ganz so neu sind die Songs alle gar nicht, vier oder fünf haben wir schon eine Weile im Programm und die Leute gehen total darauf ab. Ich glaube, gerade unsere alten Fans werden Spaß an der Platte haben, einfach weil sie etwas von der Einfachheit und Aggressivität der frühen Sachen hat. Dazu kommt aber die Instrumentierung von heute, mit Mandoline, Akkordeon, Banjo, Dudelsack und so weiter. Wenn ich es auf den Punkt bringen müsste, würde ich sagen, dass das neue Album „muskulöser“ ist als „Going Out In Style“.Gab es dazu bandinterne „Strategiediskussionen“?Nein, wir haben gesagt, lass uns einfach machen. Für „Going Out In Style“ haben wir uns vier Jahre Zeit gelassen, jetzt nur anderthalb Jahre, und es hat uns einfach gejuckt, das so zu machen. Außerdem entwickelt sich ein Album immer von selbst, wir haben unsere Ideen in Songs gepackt und das ist das Ergebnis, da gab es keine Diskussionen über die Ausrichtung. Der einzige Plan war, wieder eine großartige Platte zu machen – so eine Herangehensweise ist für mich der Schlüssel um Erfolg. Hör dir einen alten Song wie „Get up“ an, der ist ganz simpel, poppig, melodiös – kommerziell! Das war aber der dritte Song überhaupt, den die Band geschrieben hat, also diesen Aspekt gab es schon immer, wir hatten immer schon verschieden Stile drauf. Oder lass es mich so ausdrücken: Unsere Songs klingen nicht alle gleich, sie haben alle eine andere Instrumentierung, aber sie klingen alle wie DROPKICK MURPHYS-Songs.Inwiefern hat der immense kommerzielle Erfolg vor allem in den USA zu Veränderungen geführt?Wir spielen die gleichen Konzerte wie immer, von der jeden Abend anderen Setlist mal abgesehen – wir passen auf, dass wir nicht in einer Stadt das gleiche Set noch mal spielen. Das Publikum hat sich aber schon verändert, da sind neue Leute hinzugekommen, die unsere alten Stücke gar nicht kennen. Wenn wir da Sachen von den ersten fünf Platten spielen, stehen die etwas ratlos daneben, während die alten Fans die Texte mitsingen. Aber jeder muss irgendwo anfangen, und wenn „I’m shipping up to Boston“ jemand auf den Geschmack bringt, schaffen wir es vielleicht auch ihn, auf undergroundigere Bands aufmerksam zu machen. Wir sind in dieser Hinsicht so was wie eine „Einstiegsdroge“, und ich finde es wichtig, dass mehr Leute auf die ganzen Undergroundbands aufmerksam werden. In den letzten Jahren spielen wir vor immer mehr Leuten, seit „The Departed“ sind wir auch außerhalb der Boston-Region richtig bekannt, wobei wir auch in Boston heute bekannter sind als früher, was damit zusammenhängt, dass unsere Musik bei den Spielen der Red Sox im Stadion gespielt wird. Seitdem kennt uns echt jeder, da kommt es schon mal vor, dass es Leute cool finden, einen zu kennen, die da vorher einen Scheiß darauf gegeben haben. Aber all das macht unser Leben einfacher, also was soll’s? Vor allem betrifft mich das am wenigsten von allen, denn ich bin der Schlagzeuger und sitze immer hinten. Außerdem bin ich schüchtern, haha.Die DROPKICK MURPHYS sind dafür verantwortlich, dass sich „Celtic Punk“, also Punkrock mit Einflüssen aus der irischen Volksmusik, heute in Nordamerika und Europa so großer Beliebtheit erfreut. Vor euch gab es die POGUES, aber erst ab Ende der Neunziger wurde das zu einem Trend – mit zahlreichen Nachahmern.In Ermangelung eines besseren Begriffs kann man uns wohl als Celtic Punk-Band bezeichnen, und es gibt heute eine eigene Szene für so was, es gibt hunderte solcher Bands. Viele davon sind gut, viele kopieren nur, etwa die POGUES. Ich sehe uns als Punkband mit Einflüssen jenseits des typischen Punkrocks, in unserem Fall eben irischer Folk und traditionelle Musik, amerikanischer Folk und ein bisschen Country. Ich verfolge nicht bewusst, was sich in der Celtic Punk-Szene so tut, ich höre THE POGUES und THE DUBLINERS, wenn ich auf solche Musik Lust habe, oder PISSED AND BROKE, eine alte amerikanische Oi!-Band, die schon Ende der Achtziger mit einem Irish-Folk-Einfluss arbeitete. Da draußen sind eine Menge guter Folk-Punk-Bands unterwegs, aber ich finde es auch nicht gut, wenn eine Szene zu inzestuös wird. Ich höre also sicher nicht ständig solche Bands, und wir holen uns unsere Einflüsse eher direkt von der Quelle, von den ganz traditionellen irischen Songs.Gibt es aktuelle Bands aus dieser Richtung, die du magst?Derzeit sind die MAHONES aus Toronto mit uns unterwegs, und die gefallen mir richtig gut. Auch die TOSSERS aus Chicago sind sehr gut, und abgesehen davon höre ich mir STIFF LITTLE FINGERS an, wenn ich irischen Punk hören will. Oder die OUTCASTS. Oder RUNNING RIOT aus Belfast, die sind großartig. Ich finde es grundsätzlich aber immer gut, wenn Punkbands andere Einflüsse aufnehmen, zum Beispiel eben Folk. Ich mag deshalb auch GOGOL BORDELLO, deren Einflüsse ja aus der osteuropäischen Zigeunermusik stammen. Ich finde es immer gut, wenn man sich mit seinen kulturellen Wurzeln beschäftigt, wobei ich meinem Fall durchaus auch ein MOTT THE HOOPLE-Album dazu zähle.Euer neues Album-Artwork sieht beinahe wie ein Wappen aus, es ist eine wirklich beeindruckende Arbeit. Von wem stammt die?Von Uncle Pete, der sehr viele Artworks für uns entwirft, für Poster und so weiter. Er machte auch das Artwork für „Going Out In Style“. Unsere Vorgabe war, dass das Artwork etwas mit unserem neuen Song „Rose tattoo“ zu tun hat. Die Rose stand im Zentrum, darum hat sich der Rest entwickelt. Darüber befinden sich zwei keltische Hunde, zwischen diesen ein Totenschädel. Es ist ein zeitloses, klassisches Motiv, und bis das Cover stand, wurden da unzählige Änderungen gemacht. Natürlich hat jeder von uns was anzumerken gehabt. Die eigentliche Idee stammt von Ken, der hatte die Idee, dass das wie Glasmalerei aussehen solle, also wie ein Kirchenfenster oder so. Ich denke, gerade in LP-Größe wird das großartig aussehen, und für das Booklet haben wir Fans gefragt, ob die sich nicht das Motiv tätowieren lassen wollen. Fotos davon finden sich im Booklet. Ich finde es unglaublich beeindruckend, dass sich wirklich Leute unser Bandlogo tätowieren lassen.Hast du denn auch ein DROPKICK MURPHYS-Tattoo?Natürlich. Nachdem ich 1997 eingestiegen war, bekam ich auf Tour mein DM-Tattoo, wie die anderen auch. Wir lassen das aber nicht fotografieren, das ist eine ganz persönliche Angelegenheit. Aber um auf die Leute mit unserem Logo als Tattoo zurückzukommen: ich weiß genau, wie die fühlen, ich habe ja selbst Tattoos meiner Lieblingsbands: eines von ROSE TATTOO, eines von der New Yorker Oi!-Band THE TEMPLARS, ein paar AC/DC-Motive, ANTI-HEROES und noch ein paar andere. Bedauert habe ich noch keines meiner Tattoos, zumindest nicht grundsätzlich, nur mit der Ausführung bin ich nicht in jedem Fall ganz zufrieden. Aber ein paar schlechte Tattoos braucht jeder, haha. Meine stammen noch aus einer Zeit, als Tattoos noch nicht so angesagt und akzeptiert waren wie heute, als man dafür noch blöde Sprüche zu hören bekam und nicht wie heute von fremden Menschen gefragt wurde, wo man das denn hat stechen lassen. Ich habe auch nur Arme und Brust tätowiert, nicht den ganzen Körper, und auch wenn ich manche Tattoos vielleicht von jemand anderem und besser hätte stechen lassen sollen, so verbinde ich doch mit jedem eine Erinnerung.Ende Januar und Anfang Februar seid ihr wieder in Deutschland unterwegs. Wie wichtig sind euch die Touren hier?Deutschland war für uns schon immer sehr wichtig. Unser erstes Konzert war einst in einem ziemlichen kleinen Club in Hamburg, zusammen mit den MIGHTY MIGHTY BOSSTONES. Das muss im November 1997 gewesen sein. Die Leute in Deutschland haben uns sofort akzeptiert, und mit jeder Tour hatten wir mehr Besucher. Ehrlich, eine ganze Weile waren wir in Deutschland größer als in den USA. Auch in Belgien und den Niederlanden kamen wir schon immer gut an. Das hat sicher damit zu tun, dass unser Sänger Al wegen seiner familiären Herkunft fließend Deutsch spricht und deshalb gut mit dem Publikum umgehen kann. Manche Konzerte sind so gut gewesen, dass uns beinahe die Tränen kamen, ehrlich.Und wie kommt ihr in Irland an?Sehr gut! Wir spielen auf der nächsten Tour zwei Abende nacheinander in Dublin, und wir versuchen da sicher nicht so zu tun, als wären wir Iren, denn wir sind Amerikaner, eine amerikanische Band, und das wird akzeptiert. Unser erstes Konzert war 1998 oder so in einer kleinen Kneipe, in der früher THIN LIZZY abhingen, und da passten guten Gewissens höchstens 80 Leute rein, es waren aber 300 da – und es war der absolute Wahnsinn! Seitdem werden wir in Irland bei jeder Tour begeistert aufgenommen, das ist schön.
 

Reviews

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #51 / Thomas Hähnel

Blackout CD

Um es vorweg zu nehmen: Das vierte DROPKICK MURPHYS-Album wird niemanden enttäuschen. Vorausgesetzt man gehört zu denjenigen, die darauf gewartet haben. Alle anderen werden mit ihrer bisherigen Meinung über die Bostoner sicherlich ebenfalls bestätigt, denn die Band liefert genau das ab, was man von ihr erwartet hat. Objektiv betrachtet fällt es einem auch sicherlich nicht schwer, sich mit dem partyfreudigen und mitgrölkompatiblen Irish-Folk-Punk der siebenköpfigen Band anzufreunden. Musikalisch ein offensichtlich todsicheres Rezept, welches einen kalkulierbaren Erfolg ermöglicht. Allerdings geht das meist auf Kosten einer gewissen Substanz und Authentizität, wie man sie von einer Punk-Band eben erwarten kann. Ihre absolut besten Momente erreichen die DROPKICK MURPHYS dann auch, wenn sie den Folk-Einfluss zurückschrauben bzw. ganz aufheben und sich auf ihre Punkrock-Roots besinnen. "Walk away", "Worker's Song", "The Outcast", "Gonna be a Blackout tonight" und "This is your Life" sind die fünf Highlights des Albums und wirklich weit überdurchschnittliche und waschechte Streetpunk-Hymnen, die sich mit den besten Momenten der STIFF LITTLE FINGERS und RANCID messen können. Der Rest fällt dann jedoch deutlich ab und kann vielleicht bestenfalls live für Stimmung sorgen. Kein Zweifel, dass sich dieses Album wie geschnitten Brot verkaufen wird, aber unterm Strich bleiben: Eine handvoll Hits, mehrere Durchhänger und die Tatsache, dass sich die DROPKICK MURPHYS aufgrund ihrer - milde ausgedrückt - eher etwas konservativen und traditionalistischen Ansichten, nicht gerade einen Sympathiebonus erarbeitet haben. Insgesamt also ein zwiespältiger Eindruck, dass der Erfolg zwar teilweise berechtigt und nachvollziehbar ist, die Band insgesamt aber auch ziemlich überbewertet wird. (46:44) (6/10)

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #30 / Joachim Hiller

Do Or Die

Ich bin mir nicht sicher, was ich von den Bostoner DROPKICK MUPRHYS, dicke Kumpels der MIGHTY MIGHTY BOSSTONES und neulich mit denen hier auf Tour, so halten soll. Denn obwohl mir die Scheibe an sich echt gut gefällt mit ihrem Neunziger-Neo-Streetpunk à la US BOMBS, so finde ich nach eingehender Durchsicht des Booklets doch, dass hier jede Menge Working Class-Klischees verdammt dick aufgetragen werden. Das fängt beim Cover an und geht bei den Texten weiter, und dass man womöglich irischer Abstammung ist, wird auch ständig durch folkige Einsprengsel betont. Angesichts des peinlichen Eindrucks, den die abgefuckten Wixer der STIFF LITTLE FINGERS auf ihrer letzten Tour hinterlassen haben, kann ich über die ihnen gewidmete Hymne "Get up" auch nur lachen, und so ist das halt eine Platte für "Augen zu und durch", nur auf die Musik hören, mitwippen und den ganzen Scheiss drumherum vergessen.

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #102 / Joachim Hiller

Going Out In Style (Fenway Park Bonus Edition)

Über das siebte Album der Bostoner, im Frühjahr 2011 erschienen, schrieb Lauri Wessel in Ox #95: „Das siebte DROPKICK MURPHYS-Album ist das allererste, in das man sich rein hören muss. Das ist neu, weil sowohl die Frühwerke der Bostoner als auch die neueren, folkrockgetriebenen Alben sehr straight waren, bei denen nach dem ersten Hören klar war, ob man sie mag oder nicht.,Going Out In Style‘, nach dem düsteren ,The Meanest Of Times‘ ein selbsternanntes Partyalbum, ist nun so stark folkrockig, dass man zunächst erschrickt: Bierzeltstücke wie ,Cruel‘, ,1953‘ und ,Take ’em down‘ sowie die biedere Ballade ,Broken hymns‘ tun sich wie Abgründe vor dem Hörer auf.Erst wenn man ,Going Out In Style‘ drei, vier Mal hört, überwiegt die Freude über die vielen anderen, guten Songs. Etwa der Titeltrack, das wunderbare ,Memorial day‘, das sympathische ,Sunday hardcore matinee‘ und das Liebeslied ,Peg o’ my heart‘ sind dann nämlich doch catchy Folkpunk-Songs.Beim Letztgenannten singt übrigens Bruce Springsteen mit, ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich das Zielpublikum der Band heute von ihrem früheren Publikum unterscheidet. Ob man das (nicht) gut findet, muss man selbst entscheiden, für mich bleibt eine Platte, die wachsen muss, die dann aber durchaus Spaß macht.“ Ein Jahr später ist nun eine erweiterte Version des Albums erschienen, die als Bonus-CD einen Live-Mitschnitt aus dem Fenway Park-Baseballstadion in Boston hat.Zusätzlich ist noch eine Download-Card für den Videomitschnitt des Konzerts enthalten.

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #95 / Lauri Wessel

Going Out In Style

Das siebte DROPKICK MURPHYS-Album ist das allererste, in das man sich rein hören muss. Das ist neu, weil sowohl die Frühwerke der Bostoner als auch die neueren, folkrockgetriebenen Alben sehr straight waren, bei denen nach dem ersten Hören klar war, ob man sie mag oder nicht.„Going Out In Style“, nach dem düsteren „The Meanest Of Times“ ein selbsternanntes Partyalbum, ist nun so stark folkrockig, dass man zunächst erschrickt: Bierzeltstücke wie „Cruel“, „1953“ und „Take ’em down“ sowie die biedere Ballade „Broken hymns“ tun sich wie Abgründe vor dem Hörer auf.Erst wenn man „Going Out In Style“ drei, vier Mal hört, überwiegt die Freude über die vielen anderen, guten Songs. Etwa der Titeltrack, das wunderbare „Memorial day“, das sympathische „Sunday hardcore matinee“ und das Liebeslied „Peg o’ my heart“ sind dann nämlich doch catchy Folkpunk-Songs.Beim Letztgenannten singt übrigens Bruce Springsteen mit, ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich das Zielpublikum der Band heute von ihrem früheren Publikum unterscheidet. Ob man das (nicht) gut findet, muss man selbst entscheiden, für mich bleibt eine Platte, die wachsen muss, die dann aber durchaus Spaß macht.

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #42 / Simon Brunner

Good Rats/The Wild Rover

Nach zwei Jahren gibt es nun endlich wieder ein Studioalbum der steigerungsfähigen, folklastig gewordenen Streetpunks DROPKICK MURPHYS. Während die Band als Supportfunktion der MIGHTY MIGHTY BOSSTONES meiner Meinung nach vor wenigen Jahren noch eine traurige Figur machte, mutierte die Band auf nun insgesamt sieben hochkarätige Musiker und entwickelte sich um ein Vielfaches ihres bisherigen Schaffens. Mit Dudelsack, Mandoline, Flötenklängen und akustischen Instrumenten werden zum einen etwas traditionellere Folksongs interpretiert, ohne Hymnenhaftes zu verlieren. Dieser Touch zieht sich wie ein roter Faden durc die insgesamt sechzehn Songs dieses hervorragenden Albums. Herrausragend und einzigartig die kraftvolle Stimme von Al Barr, der vor allem live alle Register seines Könnens zieht und genau dies hat er mit seinen Mannen Ende letzten Jahres hier in Deutschland bewiesen. Fit sind sie und bodenständig, auf dem Teppich geblieben und realitätsnah, wie all ihre Lyrics. Kein dummes Gequatsche, immer auf den Punkt kommend, klar und deutlich, rein in die Fresse und den Arsch hochgekriegt wie eben auch ihre Musik. Das Beste seit langer Zeit in Sachen Pogotauglichkeit, Sanges- und Trinkfreude. Für das Warm-up gibt's schon mal die CD-EP "Good Rats" und "The Wild Rover" (in unseren Gefilden besser bekannt unter "An der Nordseeküste" von KLAUS & KLAUS). Da jedoch beide Songs auch auf dem Longplayer erhältlich sind und die Relation bezüglich Preis-Leistungs-Verhältnis einer Maxi-CD alles andere als gerechtfertigt ist, solltet ihr euch ohne Zögern sofort das Album "Sing Loud, Sing Proud" besorgen, das zudem noch im hellcat-typischen, stilvollen Digipack geliefert wird.

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #90 / Lauri Wessel

Live On Landsdowne Boston, MA

Als langjähriger Fan tut es mir fast leid, dieses Urteil über das zweite DROPKICK MURPHYS-Live-Album zu fällen: Es ist ein ziemlicher Patzer, denn die Bostoner haben bei der Zusammenstellung von „Live On Landsdowne Boston, MA“ mindestens zu viele Flüchtigkeitsfehler gemacht.Ich spreche ganz bewusst von Flüchtigkeitsfehlern, denn dies sind ja Fehler, die man vermieden hätte, wenn man seine Aufgabe mit Gründlichkeit und Sorgfalt erledigt hätte. Konkret findet man bei „Live On Landsdowne Boston, MA“ drei solcher Fauxpas: Erstens – und das ist der gravierendste Fehler – ist das Album schlampig geschnitten.Die Bostoner nahmen für dieses Release sieben Shows auf, die sie rund um den St. Patricks Day 2009 im Bostoner House Of Blues in der Landsdowne Street spielten. Entsprechend hatten sie beachtlich viel Material, aus dem sie Songs für das Release auswählen und zusammen schneiden konnten.Der Zusammenschnitt ist aber dilettantisch: Beim Ausklang des letzten Songs „I’m shipping up to Boston“ hört man beispielsweise noch, dass Ken Casey „Skinhead on the MBTA“ ansagt. Dieser Song ist aber nicht auf der CD.Zweitens ist es mittlerweile Standard, Live-DVDs mit 5.1-Sound zu veröffentlichen, was hier nicht geschieht und deswegen den Eindruck der DVD schmälert. Deser mangelt es – drittens –auch an Bonusmaterial.Zugegeben, mit „Cadence to arms“ und „Do or die“ sind zwei Live-Aufnahmen enthalten, die nicht auf der CD sind. Es wäre aber wichtig gewesen, hier Material zu veröffentlichen, das über die Hintergründe der Band aufklärt (wie einst „Labor Day Documentary“ von der ersten DKM-DVD „On The Road With The Dropkick Murphys)“.Wen das alles nicht stört, der bekommt auf der CD allerdings eine durchaus hörbare Live-Aufnahme mit insgesamt 20 Songs, von denen fast keiner schon auf „Live On St. Patrick’s Day“ (2002) veröffentlicht wurde, dem ersten Live-Album der Band.Fast keiner, weil nur „Forever“ auch dort schon zu hören war, hier aber neu vertont und als „Forever 2009“ veröffentlicht wird. Ansonsten gibt es eine Live-Zusammenstellung der besten Songs der letzten drei DKM-Studioalben und die beinhalten – wie wir alle wissen – eine Menge Hits.

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #107 / Joachim Hiller

Live On Landsdowne, Boston, MA

2010 erschien diese Live-Platte im CD-Format mit Bonus-DVD, doch wer auf den visuellen Aspekt verzichten kann und stattdessen lieber eine massive Doppel-LP in der Hand hält, ist mit der nun erschienenen Vinylversion besser beraten.Die Band aus Boston schnitt 2009 sieben Shows mit, die sie rund um den St. Patricks Day im „House Of Blues“ in der Landsdowne Street spielten, und stellten daraus diese Platte zusammen. Ich bin ja eher Fan von wirklich dokumentarischen Live-Platten ohne Overdubs, aber wer seine Celtic-Punk-Lieblinge zu Hause mal nicht in der Studioversion genießen will, hat hieran seinen Spaß.Von der euphorischen Stimmung eines selbst erlebten Konzertes freilich kann die Konserve nur ansatzweise etwas vermitteln.

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #48 / Tim Tilgner

Live On St. Patrick's Day CD

Livealben fallen in der Regel dadurch auf, dass sie meistens nur Best Of-Alben mit schlechter Soundqualität sind. Dieses Album hier finde ich besonders überflüssig. Wozu braucht man ein Livealbum einer Band, von der die meisten eh alle Alben besitzen und die mindestens einmal im Jahr zu sehen ist? Ich war außerdem noch nie ein Fan der neueren MURPHYS, mit Al Barr am Mikrofon, und bei diesem Album fühle ich mich wieder bestätigt, denn es fehlen viele alte Hits. Inzwischen hat der gute Al es ja gelernt zu singen, aber dann soll er doch bitte nicht immer sein Mikro in die Menge halten, denn jeder weiß, dass Leute die in der ersten Reihe stehen, es nicht können. Selbst die MURPHYS selber schaffen es gelegentlich total schräg über den Haufen zu singen. Dazu kommt noch, dass das ganze Konzept dieser Scheibe total kitschig ist. Eine Band mit irischen Urgroßvätern spielt am St. Patrick's Wochenende in einer ausverkauften Halle irischen Folk-Punk und auf dem Cover des Albums wird natürlich ganz groß die amerikanische Flagge geschwungen, da man ja spätestens Ende letzten Jahres seinen Hang zum Patriotismus entdeckte. Dass das Erscheinungsdatum nicht der 11.09.2002 ist, wundert mich allerdings. Nix für mich. (74:18)

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #55 / Lauri Wessel

On The Road With ... DVD

Die DROPKICK MURPHYS sind wieder da. Mal ehrlich, wenn eine Band in den letzten zwei bis drei Jahren die Geister zu spalten wusste, dann waren das die DROPKICK MURPHYS. Patriotismus und Nationalstolz hin oder her, musikalisch fand ich die Band immer ganz gut. "On The Road With The DROPKICK MURPHYS" bringt vier Stunden Material mit sich, welche das Schaffen der Band in den letzten Jahren, in denen der Erfolg der Band erheblich wuchs, kommentieren. Zum einen wäre da der Konzertmitschnitt von der St. Patrick's Day-Show der Band in Boston vor ausverkauftem und entsprechend ausrastendem Haus. Minuspunkt hierbei ist allerdings, dass der komplette Konzertmitschnitt schon als "Live On St. Patrick's Day"-CD erschien. Aber erstens sind die DROPKICK MURPHYS live ein ganz schönes Brett und zweitens ist der Konzertmitschnitt nicht alles auf der DVD. Neben dem Mitschnitt gibt es noch eine ausführliche Tourreportage ("65 Days Of Hell"), welche die Band u.a. auf der amerikanischen "Warped Tour" zeigt sowie mit "Gonna Be A Blackout Tonight", "Walk Away", "Spicy MagHaggi Jig", "Wild Rover", "The Gauntlet", "10 Years Of Service" und "Barroom Hero" sechs Videoclips der DROPKICK MURPHYS. Das Feature, das mir fast am interessantesten auf der DVD erscheint, ist eine Reportage, die nicht unbedingt etwas mit Musik zu tun hat. "Labor Day Documentary" beschreibt die DROPKICK MURPHYS und ihr Verhältnis zur Arbeiterklasse. Das Feature bringt Zitate der Band sowie von Arbeitern zum Thema Arbeiterklasse und wie mit ihr umgegangen wird. Schaut man sich das Feature an, kann man, denke ich, einiges über den Hintergrund der Band erfahren und vielleicht auch das eine oder andere Statement der Band nachvollziehen. Aber, merke, nachvollziehen heißt nicht unbedingt verstehen und schon gar nicht rechtfertigen. Denn, das Schwingen von Amerikafahnen auf der Bühne, am Ende der "St.Patrick's Day Show" geht mir, Background hin oder her, auf den Zeiger. (08/10)

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #105 / Joachim Hiller

Signed And Sealed In Blood

Vor großen Gesten, vor reichlich Pathos hatten die Bostoner DROPKICK MURPHYS noch nie Angst. Und so legen sie gleich mit dem Opener so mächtig los, dass man sich für die kommenden Touren keinen anderen Opener vorstellen kann als „The boys are back“, dessen Refrain mit „...and they’re looking for trouble ... and they’re coming for you“ die mehrstimmig gegrölte Fortsetzung findet. Schon in der Studioversion klingt das wie live, als ob da ein ganze Stadion mitsingt und mitklatscht – Al Barr, Ken Casey, Matt Kelly und Co.legen mit einem Feuerwerk los und lassen keinen Zweifel daran, dass sie es waren, die den von Irish Folk gefärbten, bierseligen Männerfreundschaftsrock erfunden haben. Klingt das despektierlich? Soll es nicht.Es mag nicht jedermanns Sache sein, bei einem Konzert schweißgebadet und mit bloßem Oberkörper, das verschwitzte Shit um den Hals hängend, mit Unbekannten herumzuhüpfen und die Lieder mitzusingen, ja Feingeister mögen sich da abwenden, aber mal ehrlich: DROPKICK MURPHYS schaffen es weltweit Menschen mit ihrem musikalischen Wellnessprogramm dazu zu bringen, mit Pipi in den Augen zwei Stunden großen Spaß zu haben – so falsch kann das nicht sein, irgendwas machen sie richtig.Und so mitreißend das Album mit „The boys are back“ (eine sicher rein zufällige Ähnlichkeit zu den irischen Rockhelden THIN LIZZY und deren Überhit) beginnt, mit „Prisoner’s song“ geht es genauso feurig weiter, bevor mit dem eher an den gemütlicheren, (im Gegensatz zu den DROPKICK MURPHYS) nicht ursprünglich von Oi! und Punk getriebenen Sound der POGUES erinnernden „Rose tattoo“ das Tempo zurückgenommen wird.Dessen Titel scheint zwar eine Anspielung auf die australische Band zu sein, ist es aber wohl nicht, zumindest musikalisch. Die Bostoner haben auf ihrem elften Album, das nach nicht mal zwei Jahren auf „Going Out In Style“ folgt, das Tempo insgesamt etwas angezogen, „Signed And Sealed In Blood“ sei, so Ken Casey, im Gegensatz zum Vorgänger kein Konzeptalbum, sondern „catchy“ und „fun“.Das trifft absolut zu, wer noch einen weiteren Beweis sucht, findet den mit dem künftigen Klassiker „The battle rages on“. Und dass mit dem Rausschmeißer „End of the night“ („It’s the end of the night, but we ain’t going home“) ein perfekter letzter Song für die künftigen Konzerte geschrieben wurde, kann man entweder als Kalkül bezeichnen – oder als Beweis dafür nehmen, dass die Murphys ihre Fans (und sich selbst) sehr gut kennen.Elf der zwölf Songs sind mitreißende Instant-Klassiker, aber es gibt einen Totalausfall: das Weihnachtslied „The season’s upon us“, das zudem auf einem Januar-Album deplatziert wirkt. Ach ja, die eingangs erwähnte Männerfreundschaftsache betreffend: wer Musik macht, die so wie keine andere Männer zum Kuscheln einlädt, sollte sich schon fragen lassen (ganz konkret richtet sich diese Frage an Sänger Al Barr), was er meinte, als er vor einigen Monaten eine Videobotschaft an seine Fans mit dem eindeutig abwertenden Begriff „faggot“ („Schwuchtel“) einleitete.Immerhin, die Entschuldigung folgte schnell – wäre auch blöd, einen Teil seines Publikum zu beleidigten ... (Diese Band war auf der Ox-CD #105 zu hören)

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #42 / Simon Brunner

Sing Loud, Sing Proud

Nach zwei Jahren gibt es nun endlich wieder ein Studioalbum der steigerungsfähigen, folklastig gewordenen Streetpunks DROPKICK MURPHYS. Während die Band als Supportfunktion der MIGHTY MIGHTY BOSSTONES meiner Meinung nach vor wenigen Jahren noch eine traurige Figur machte, mutierte die Band auf nun insgesamt sieben hochkarätige Musiker und entwickelte sich um ein Vielfaches ihres bisherigen Schaffens. Mit Dudelsack, Mandoline, Flötenklängen und akustischen Instrumenten werden zum einen etwas traditionellere Folksongs interpretiert, ohne Hymnenhaftes zu verlieren. Dieser Touch zieht sich wie ein roter Faden durc die insgesamt sechzehn Songs dieses hervorragenden Albums. Herrausragend und einzigartig die kraftvolle Stimme von Al Barr, der vor allem live alle Register seines Könnens zieht und genau dies hat er mit seinen Mannen Ende letzten Jahres hier in Deutschland bewiesen. Fit sind sie und bodenständig, auf dem Teppich geblieben und realitätsnah, wie all ihre Lyrics. Kein dummes Gequatsche, immer auf den Punkt kommend, klar und deutlich, rein in die Fresse und den Arsch hochgekriegt wie eben auch ihre Musik. Das Beste seit langer Zeit in Sachen Pogotauglichkeit, Sanges- und Trinkfreude. Für das Warm-up gibt's schon mal die CD-EP "Good Rats" und "The Wild Rover" (in unseren Gefilden besser bekannt unter "An der Nordseeküste" von KLAUS & KLAUS). Da jedoch beide Songs auch auf dem Longplayer erhältlich sind und die Relation bezüglich Preis-Leistungs-Verhältnis einer Maxi-CD alles andere als gerechtfertigt ist, solltet ihr euch ohne Zögern sofort das Album "Sing Loud, Sing Proud" besorgen, das zudem noch im hellcat-typischen, stilvollen Digipack geliefert wird.

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #33 / Thomas Hähnel

The Early Years

Die DROPKICK MURPHYS gehören ja spätestens seit dem „Do Or Die„ Album zu den Senkrechtstartern der amerikanischen Oi!/Streetpunk-Bands und dies sicherlich nicht zu unrecht. Also keine schlechte Sache, daß das schwedische Sidekicks-Label nun mit „The Early Years“ eine Compilation mit praktisch allen mittlerweile kaum mehr erhältlichen Singles, der „Boys On The Docks“-Mini-CD und einigen Live-Tracks veröffentlicht, die allesamt der Prä-„Do Or Die“-Ära entnommen sind.„Underpaid & Out Of Tune“ ist der Untertitel dieser CD und auch wenn das Niveau des regulären Longplayers nicht ganz erreicht wird, so wissen auch diese Aufnahmen durchaus zu überzeugen. Klassischer Sing-Along-Streetpunk, wie ihn die STIFF LITTLE FINGERS nicht viel besser hingekriegt haben, vermischt mit mit einer Prise Hardcore à la SLAPSHOT.Klar, daß DROPKICK MURPHYS nicht zu den Neugestaltern eines Musikstils zählen, aber was sie machen, machen sie verdammt überzeugend und nur das zählt. Ausführliche Linernotes im Booklet zu den einzelnen Veröffentlichungen runden den positiven Gesamteindruck ab und so kann sich die amerikanische Hafenarbeiterklasse entspannt zurücklehnen und dem nächsten Album entgegensehen, auf dem übrigens erstmals Al Barr, der ehemalige BRUISERS Sänger zu hören sein wird.

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #34 / Thomas Hähnel

The Gang´s All Here CD

Der mit Spannung erwartete Nachfolger von "Do Or Die", hier zum ersten Mal mit dem neuen Sänger Al Barr von den BRUISERS und um es vorweg zu nehmen, die Platte hält nicht, was sie verspricht. Die DROPKICK MURPHYS fand ich früher ansatzweise sogar originell mit ihrer partytauglichen Mischung aus Mitgröl-Streetpunk und Irish-Folk. Diese Elemente sind zwar noch vorhanden, allerdings treten sie doch deutlicher in den Hintergrund zugunsten einer gewissen Hardcore-Lastigkeit. Auch der neue Sänger kommt an den alten leider nicht heran, denn wo man früher nach ein paar Humpen Stout noch bierseelig miteinstimmen konnte, getreu dem Motto "Dumm, aber glücklich", wirkt der Gesang von Al Barr stellenweise etwas arg aufgesetzt. Um mich nicht falsch zu verstehen: Die Platte ist weit davon entfernt richtig schlecht zu sein. Nein, über die Hälfte der Songs sind sogar richtig klasse. Aber Fakt ist, daß sie meines Erachtens nicht die hohen Erwartungen erfüllen kann.

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #74 / Claudia Luck

The Meanest Of Times CD

Es wird wohl noch einige Zeit ein großes Rätsel bleiben, ob es jemals ein Album der DROPKICK MURPHYS geben wird, das nur ganz okay ist, oder - ich wage es kaum zu schreiben - das sogar schlecht ist. "The Meanest Of Times" ist jedenfalls der Hammer! Mit dem mittlerweile sechsten Studioalbum melden sich die Bostoner Folk-Streetpunks zwei Jahre nach "The Warrior's Code" zurück, und wer die Band mag, wird keinesfalls enttäuscht sein. Bereits vor Erscheinen der Platte gab es auf Myspace zwei der Songs zu hören. Mit "(F)lannigan's ball" und "The state of Massachusetts" waren es zwei der folkigsten Stücke des Albums, die man dort hören konnte. Insgesamt gibt es auf "The Meanest Of Times" wieder alles, was man von den DROKPKICK MURPHYS gewohnt ist, und das wie immer auf höchstem Niveau: Neuinterpretationen von Irish-Folk-Klassikern wie das eben erwähnte "(F)lannigan's ball", dann immer wieder astreine Punk-Songs, jede Menge Melodien und mit "Jailbreak" außerdem ein THIN LIZZY-Cover. Auch gab es diesmal erneut Unterstützung von Veteranen des Irish Folk(-Punk), nämlich von Ronnie Drew (DUBLINERS) und Spider Stacy (THE POGUES), die bei "(F)lannigan's ball" mitgewirkt haben. Erstmals erscheint übrigens ein Album der Band in den USA auf deren eigenem Label Born and Bred Records. Warum dies so ist und einiges mehr kann man in einem ausführlichen Interview in dieser Ausgabe lesen. (51:05) (9) (Diese Band war auf der Ox-CD #74 zu hören).

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #59 / Claudia Luck

The Singles Collection Vol. 2 - 1998 - 2004 CD

Endlich! Eine Linderung für meine akuten Entzugserscheinungen. Seit dem letzten Album "Blackout" sind mittlerweile auch schon fast zwei Jahre ins Land gegangen. Ein neues Album wird voraussichtlich im Sommer erscheinen und da kommt die zweite "Singles Collection" gerade richtig, nein, eigentlich eher schon zu spät, aber besser spät als nie. Der recht treffende Untertitel lautet übrigens "B-Sides, Covers, Comps And Other Crap" was eine weitere Erläuterung eigentlich fast überflüssig macht. Aber ein paar Beispiele seien noch genannt. An Coverversionen gibt es da einiges, zum Beispiel "Watch your back" und "Working", beide im Original von COCK SPARRER, "Nobody's hero" von den STIFF LITTLE FINGERS, "Informer" von THE BUSINESS, welches auf der gemeinsamen Split mit dem Titel "Mob Mentality" erschien. Dann wären da noch die beiden Beiträge der MURPHYS zu "A Worldwide Tribute To The Real Oi! 2" und zwar "Hey little rich boy" von SHAM 69 und "Never again" von den ANGELIC UPSTARTS was auch unter dem Namen "Tommy" geläufig sein könnte. Das wären dann noch die musikalisch naheliegendsten Neuinterpretationen. Etwas ausgefallener ist dann doch "It's a long way to the top (if you wanna rock'n'roll)" von AC/DC. Aber wer die MURPHYS schon mal live gesehen hat, dürfte wissen, dass die auch gerne mal "TNT" von vorhin genannten Australiern in ihrem "Skinhead on the MBTA" verwursten. Was mir überhaupt nicht gefällt ist die Version von "Pipebomb on landsdown", weil der ganz schlimm böse Text halb weggepiepst wird, was den Sinn des Liedes so ziemlich untergräbt. Sehr hörenswert auf jeden Fall das letzte Lied "We got the power" vom "Rock Against Bush 2"-Sampler. (53:02)

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #59 / Lauri Wessel

The Singles Collection Vol. 2 CD/LP

Über die Jahre haben die DROPKICK MURPHYS einen Haufen an Splitsingles, Samplerbeiträgen und Coverversionen angesammelt, sodass es Anlass gab, drei Jahre nachdem die erste Singles-Collection der Bostoner erschien, "The Singles Collection Vol. 2" heraus zu bringen. Die Diskussion, ob man die Band mögen darf oder nicht, sei an dieser Stelle ausgeklammert. Denn den DROPKICK MURPHYS immer noch einen Strick daraus zu drehen, dass sie Patrioten sind, hat zwar Berechtigung, sie aber als die einzige Band darzustellen, die die Liebe zum Heimatländle kundtut und sie deswegen an den Pranger zu stellen, hat nach den letzten 3 Jahren, in denen sich ein Haufen Bands auf die eine oder andere Weise zum Patriotismus bekannte, keine Berechtigung mehr. Und ja, ich habe mich schon viel zu sehr auf die Diskussion eingelassen. "The Singles Collection Vol. 2" wird von einem der besten DKM-Songs ever eröffnet, "21 Guitar Salute". Er ist von der 2002er DKM/FACE TO FACE-Splitsingle und mitreißend. Eine straighte Strophe löst sich in einem catchy Refrain auf und der Song wird zu einem tollen Ohrwurm. Allgemein ist "The Singles Collection Vol. 2" sehr viel rauer als alles, was man in den letzten Jahren von den DROPKICK MURPHYS gehört hat. Das liegt daran, dass die meisten Songs auf der Compilation aus den Tagen stammen, als der Dudelsack noch nicht zum festen Inventar der Band gehörte und die DKM auf den Splits mit AGNOSTIC FRONT, OXYMORON und THE BUSINESS noch nicht so melodische Songs geschrieben haben, wie etwa auf ihrem letzten Studioalbum "Blackout". Hier kommen zu den DKM-Songs eben jener Splits Songs von diversen DKM-7inches, etwa das IRON CROSS-Cover "Your're a rebel", das von der "Curse Of A Fallen Soul" 7" stammt, das F.U.s Cover "Warlords", welches auf der "Back To The Hub" 7" zu finden ist oder das AC/DC-Cover "It's a long way to the top (if you wanna Rock'n'Roll)" von der Vinyl-Version von "Blackout". Eines der Highlights der Zusammenstellung ist "Vengeance", ein Song den die DKM zusammen mit Lars Frederiksen aufgenommen haben und dessen Original von Shane Macgowans (THE POGUES) erster Band THE NIPS ist. Außerdem gibt es ein nettes MOTÖRHEAD-Cover, "Rock and roll", das die DKM zusammen mit MIGHTY MIGHTY BOSSTONES-Sänger Dicky Barrett aufgenommen haben sowie die DKM-Beiträge zum ersten Teil der "Worldwide Tribute To The Real Oi!" Compilations in Form von SHAM 69- ("Hey little rich boy") und ANGELIC UPSTARTS- ("Never again")-Covern. Alles in allem ist "The Singles Collection Vol. 2" eine gelungene Zusammenstellung von Songs, die ich vor allem vor dem Hintergrund, dass die DKM stetig bekannter werden, interessant finde. Denn sie wird vielen (neuen) Fans Aufschluss darüber geben, woher diese Band kommt und was ihre Einflüsse sind. Für jeden, der die Releases schon hat, ist "The Singles Collection" kaum interessant, da hier kein neuer DKM-Song zu hören ist. Dennoch, mit "The nutrocker", das auf der in Europa nicht veröffentlichten "Tessie"-EP ist und mit B-Seiten der europäischen Singleversion von "Walk Away" (vom "Blackout"-Album) finden sich auch hier ein, zwei Schmankerl. (55:55) (07/10)

 

DROPKICK MURPHYS

© Ox Fanzine #60 / Claudia Luck

The Warrior's Code CD

Endlich! Das Warten hat ein Ende. Seit dem letzten regulären Studioalbum "Blackout" sind mittlerweile zwei Jahre vergangen. Okay, so lange ist das jetzt auch wieder nicht, und die "Singles Collection Vol. 2" ist auch erst ein paar Monate alt, aber die meisten Lieder davon hatte ich sowieso schon. Also habe ich natürlich sehnsüchtigst auf "The Warrior's Code" gewartet, vor allem da ich bei einem Konzert in London im März schon die Gelegenheit hatte, den Track "Sunshine highway" vorab zu hören. Ich schäme mich auch nicht zuzugeben, dass ich die Homepage der Murphys regelmäßig besuche, da dort allwöchentlich jeweils ein Songtext vom neuen Album erscheint. Wenn ich jetzt alle meine Anspieltipps von "The Warrior's Code" aufzählen müsste, würde das den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Am besten, ich sag einfach, was ich nicht mag. Und das ist auch eigentlich nur "Tessie", was mittlerweile ja zur inoffiziellen Hymne der Boston Red Socks geworden ist. Die haben auch bestimmt nur deswegen die World Baseball Series gewonnen, aber ich mag den Song leider trotzdem nicht. Dafür aber alle anderen dreizehn. Unbedingte Kaufempfehlung meinerseits also, ach, was sag ich, Kaufbefehl! (41:04) (9)

 

Konzert

Event Foto

GURR

Mai.
5
2016