LokalmatadoreTourdaten, Tickets, Interviews, Tonträger

Nächster Termin:

04.11.2016
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Genre

Punkrock/Hardcore

Shows

43 Shows in 20 Städten / 1 Ländern

Zeitraum

25.10.2002 - 04.11.2016

Letzte Show

06.11.2015 - DE-Essen, Turock

Nächste Show

04.11.2016 - DE-Essen, Turock

Booking

Tourdaten

Archiv
Nov.
4
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 

Interviews

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LOKALMATADORE

Anlässlich des neuen Lokalmatadorealbums trafen wir uns bei Fisch zu Hause, um mal ein paar Fragen zu stellen. Da wir alle jedoch gut getankt hatten, bevor wir überhaupt mit dem Interview begannen, können wir euch hier kein perfektes Interview, sondern ein Paradebeispiel grammatikalischer und sprachlicher Anarchie anbieten. Aber was labern wir hier eigentlich, lest doch einfach selbst!Wat hälste eigentlich von der Aussage, dat Jens Lehmann der weltbeste Torhüter is´ und sich den Titel erst in Doofmund erarbeitet hat?"Der is ´n dummes, dämliches, altes Schweinearschloch!"Möchtest du eigentlich mal anstelle von dem ollen Günther "Betonkopf" Netzer die Champions League bei TM3 mitmoderieren?"Ja, würd´ ich gerne mal, ich bin auch sehr objektiv, muss ich sagen, ich freu mich halt auch über jede deutsche Mannschaft, die da rausfliegt, wie zum Beispiel Hertha, Leverkusen und Bayern, dat sind eigentlich alles so Pisser; ich wär´, glaub ich, ´n ziemlich neutraler und ehrlicher Kommentator. Ja, dat würd´ ich gerne machen!"Warum spielt ihr eigentlich nicht in autonomen Zentren?"Hehehehehe, wir haben schonmal in autonomen Zentren gespielt, nur nicht in den AZs hier in der Umgebung, weil die irgendwie die Meinung haben, dat wir sexistische Tendenzen hätten, was wir aber eigentlich nicht haben. Wir singen halt gerne über Sex, wat ja noch nicht mal so sexistisch is´, und ab und zu verstehen ´n paar Leute unsere Ironie auch nich´ ganz so richtig, aber dat is auch egal. Also, ich werde die denen bestimmt auch nich´ erklären, um da spielen zu dürfen. In ´n paar AZs haben wa auch schon gespielt, zum Beispiel im AZ Chemnitz."Und du willst dir auch keinen Aufkleber "Achtung Ironie!" auf die Stirn kleben?"Wir hatten mal überlegt, ob wir sowat nich´ mal machen sollten, hmm, ja, doch. Ich glaub, dat machen wa demnäxt. Ich glaub, bei unserer näxten Platte werden wa auch ´n Begleitheft beilegen, wo unsere Texte erklärt werden, ob die ironisch sind oder nich´, dat wird dann genau dargelegt und interpretiert."Ihr habt mal ´n Lied über Hans-Uwe Koch, einen Freund von euch, geschrieben. Ist die Geschichte in diesem Lied wirklich wahr, oder nur erfunden?"Nee, die is von vorne bis hinten exakt wahr. Der kam mal irgendwann stockbesoffen zu uns runter in den Proberaum und hat dann ´n bisschen bei uns mitgejammt, war da aber auch schon stockbesoffen, und hinterher hat sich alles so abgespielt wie in dem Lied. Dat interessante is´, dat er, während er noch halbwegs ansprechbar war, und noch mit uns Musik gemacht hat, dat Riff zu dem Lied "Hans-Uwe Koch" gespielt hat, und wir et uns dann einfach geklaut haben."Wieso bezeichnet Ihr die Edelpommpfe "Erika" eigentlich als eine asoziale Pommesfee?"Ich wollte mir irgendwann ma´ im Sommer da ´ne Pommes kaufen. Da war ´ne Bedienung im ärmellosen Kittel, die dann noch ´n ärmelloses Top an hatte. Die hatte auch recht buschige Achselhaare, sehr verschwitzt, und als sie da unten die Pommes rausgeschaufelt hat, ´n paar Pommes daneben geschüttet und in den Achselhaaren kleben gehabt. Und dat hab ich LIVE gesehen, die hat sich die Pommes wieder aus den Achselhaaren rausgezupft und in dat Fett zurückgeschmissen. Irgendwie war dat der Auslöser, da ma ´n paar Takte drüber zu sagen."Noch ´ne Frage zu euren Liedern: Wieso findeste die Stadt Mülheim denn eigentlich so sympathisch?"Weil dat einfach schön is. Wir haben hier halt alles, wat ´ne Stadt braucht. Zum Beispiel lustige Wahlauszählungsskandale, hehehe, und ein total duftes AZ, ich finde, dat is ´ne ziemliche Punkrockstadt."Nach Betrachtung deines Bücherregals fällt uns doch gleich noch eine schöne Frage ein: Wat liest du eigentlich so beim Scheissen?"Natürlich "Titanic"! Und wat les´ ich noch? Natürlich "Winespectator", alles über Wein les´ ich ganz gerne beim Scheissen, und sonst les ich den "Feinschmecker" noch ganz gerne."Wann habt ihr euch eigentlich gegründet?"Mit mir dabei gibt et die Besetzung seit ´87. Die anderen haben, mit Bubba am Gesang, so um ´82 die Bänd gegründet."Da habt ihr ja schon einiges hinter euch! Gibbet irgendwelche Ereignisse, an die du dich ganz gerne erinnerst?"Ja!"Danke... Welche?"Ja, alles mögliche, gute Parties, Konzerte, werd´ doch ma ´n bisschen konkreter! Ich hab´ Alzheimer!"Zum Beispiel Zungenküsse mit männlichen Partyanwesenden ..."Ich küss´ mich gerne mit Blüm!"Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?"Michael und ich haben uns irgendwann auf einer S/M-Party kennengelernt, die vom "Happy Weekend" damals veranstaltet war. Da war er der eher dominante Teil, und ich hab´ irgendwie mit den Füssen nach oben an Fussketten in so ´nem Kerker gehangen, und wir haben uns dann ganz gut angefreundet. Diese Parties haben natürlich auch Eintritt gekostet, da haben wir uns gedacht "Dat können wir auch billiger haben", da haben wir uns halt angefreundet, und haben die Bänd gegründet."Wann gibbet denn mal ´n Auftritt von euch inne Lindenstrasse, du bist ja bekennender Lindenstraßen-Fan?"Vermittel uns ma einen! Geissendörfer is´ auch jederzeit aufgefordert, uns in die Sendung zu holen Wir würden auch gerne Gabi Zenker als Gastsängerin haben."Welchen Part würdet ihr dann inne Lindenstrasse spielen?"Ich würd´ gern als Zeuge Jehovas auftreten. Oder als Lokalmatador."Wie bisse eigentlich an den Spitznamen Fisch gekommen? Hat dat wat mit deine Augen zu tun?"Nee, dat is, weil ich nach zehn Bier ausseh wie´n Fisch nach zehn Minuten an Land!"Wieso trittst du eigentlich des öfteren nackelig auf?"Die Scheinwerfer bei den Konzerten, die werden immer so heiss, und dann zieh´ ich mich halt irgendwann aus. Damit dat von den klimatischen Bedingungen her etwat kühler wird. Ich hab´ halt kein Instrument um, deshalb die Hände frei, und dann passiert dat einfach automatisch."Und König Alkohol hat damit rein gar nix zu tun?!?"Nee, mir is´ nur heiß!"Alles klar. Was macht ihr eigentlich, wenn ihr euch nich´ ma grade die Birne zukippt, Musik macht, oder euch über Frauen unterhaltet?"Wir unterhalten uns eigentlich gar nich´ über Frauen, da wir vom Grunde unserer Herzen schwul sind! Sonst gehen wa halt arbeiten..."...nich´ ma über Bierschiss diskutieren?!?Tun wir auch... und arbeiten. Aber Bierschiss, dat gehört ja zur Bändaufgabe, daraus entstehen ja auch Texte!"Eigentlich wolltet ihr ja wegen Zwischenfällen mit Fascho-Dummköpfen nicht mehr live spielen. Wieso habt ihr euch entschieden, doch wieder live zu spielen?"Wir wollten vor dem Kroppzeuchs nich´ kapitulieren, ausserdem macht dat ja Spass, live zu spielen."Euren Texten nach müsstet ihr ja Alkoholiker sein. Würdet ihr euch als solche auch bezeichnen?"Früher war dat so, dat ich sehr viel Alkohol getrunken hab, aber heute... trink ich... immer noch viel, aber heute kann ich damit viel besser umgehen. Hahahahahahahahahaha!!!"Et gibt ´n Lied, "Wir fahren vom Flaschenpfand in ´n Urlaub". Wo würdet ihr hinfahren?"Ich nach Memphis, die andern nach Thailand!"Noch eine unangenehme Zwischenfrage: Masturbiert ihr?"Ungefähr sechsmal am Tag!"Wie haltet ihr dat aus, trotz Alkohol?"Ausprobieren, dat geht!"Hasse eigentlich ma Gesangsunterricht genommen?"Hehehehehehehehehehehehehehe!"(Fisch holt ganz doll Luft...)"Hehehehehehehehehhehehehehehe, sehr gut, danke, weiter!"Dat war et auch schon... Wir bedanken uns ganz doll für dat viele leckere Bier und dat töfte Interview...
 
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LOKALMATADORE - Söhne Mülheims

Wenn man es genau nimmt, sind die LOKALMATADORE weniger solche als eher Lokalpatrioten. Denn auch wenn sich das offizielle Mülheim trotz bald 30 Jahren Bandgeschichte weigert, den kulturellen Beitrag dieser Söhne der Stadt anzuerkennen, obwohl doch keine andere Band aus dieser Stadt landesweite Bekanntheit genießt und diese zudem keine Gelegenheit auslässt, ihrer Heimatstadt Tribut zu zollen. Kürzlich erschien mit „Söhne Mülheims“ zehn Jahre nach „Männer Rock’n’Roll“ (2000) endlich ein neues Album von Fisch, Bubba, Blüm und Rommel, das wie gewohnt einen bunten Reigen froher Punkrock-Stimmungshits aufweist, die – ebenso gewohnt – die Zuhörerschaft spalten: die einen finden die oft expliziten, von Fäkalausdrücken nicht freien Texte wenig erquicklich, die anderen machen noch ein Bier auf und lassen sich niveauvoll unterhalten mit Geschichten, die der Alltag schrieb, zwischen Fußballstadion, Bankschalter und Fabrikhalle, durchzogen von popkulturellen Referenzen der obersten Güteklasse. Eine Abordnung des Ox traf Fisch und Bubba Ende Juni im Biergarten der Prinzess-Luise-Stuben.Also, ihr Söhne Mülheims, erzählt uns doch mal, was an Mülheim/Ruhr so toll ist, dass die Stadt auf euren Platten immer so präsent ist, textlich wie bildlich.Bubba: Wir sind von hier, wir leben hier, wie bewegen uns hier – Mülheim ist alternativlos.Fisch: Wir sind ja auch zu faul, wo anders hinzuziehen.Bubba: In unserer langen Karriere sind wir viel rumgekommen, haben andere Städte gesehen und die Frage, ob wir da leben wollen, verneinen können.Was macht den Charme eurer Stadt aus?Fisch: Erika. Das ist die tollste Pommesfee der Stadt. Wir hatten dazu in einem Lied schon mal was gesagt. „Erikas Braterei“ gibt es immer noch, an der Aktienstraße.Bubba: Auch empfehlenswert ist der Speldorfer Grill. Das war einst der erste in Mülheim, der Mitte der Achtziger holländische Frikandel mit Speciaal-Saus hatte.Fisch: Sehr schön ist auch der Grill an der Nordstraße, den man von der Straße aus nicht sieht, weil er im Hinterhof ist. Da ist eine Schule, da gehen nur Schüler hin, der ist große Klasse. Den „Kampfgrill“ am Bahnhof gibt es leider nicht mehr. Der hieß inoffiziell so, weil sich die Leute da nachts immer gekloppt haben. Das war ein toller Laden, der, wie es sich für eine Bahnhofspommesbude gehört, erstklassige Saufgrundlagen auf Fettbasis verkaufte, zum Beispiel Pommes Spezial mit Thunfisch. Und nicht vergessen werden dürfen auch all die schönen Kneipen Mülheims.Also können wir es so auf den Punkt bringen, dass das gastronomische Angebot für euer positives Bild von Mülheim verantwortlich ist. Das passt ja zu eurem proletarischen Image.Bubba: Pass mal auf, ich hab studiert! Ich habe lang in Essen und Duisburg Englisch, Deutsch und Kommunikationswissenschaft studiert, aber irgendwann nach dem Vordiplom war ich dann mehr im Pornokino als an der Uni, und dann bin ich bei der Bank gelandet. Ich hatte mal in den Semesterferien bei der Sparkasse als Kassierer gearbeitet – ich bin im Gegensatz zu dieser Gruppe aus Wattenscheid ein echter Kassierer –, und nach den Ferien fragten sie mich dann, ob ich das nicht weitermachen wolle, sie bräuchten gerade einen, und jetzt bin ich bald 25 Jahre da.Und zum Jubiläum gibt es eine goldene Uhr?Bubba: Das ist erst im September, und ich hoffe, ich bekomme Wein. Dazu gibt es dann noch eine popelige Ehrenurkunde, so aus Word ausgedruckt, und die Frauen bekommen Blumen und die Männer Wein.Fisch: Ich habe nächstes Jahr bei Mannesmann mein 25-jähriges Betriebsjubiläum, und da gibt es von der Gewerkschaft wohl ’ne Uhr. Aber das ist mir auch egal. Von Mannesmann gibt es zwei Monatsgehälter, damit kann ich schon eher was anfangen.Ihr seid also eigentlich total bodenständige Typen, oder? Ganz schön spießig für so eine Punkband.Bubba: Ob wir spießig sind oder nicht, das müssen die Leute beurteilen, die uns kennen. Und ich glaube, da denken viele anders drüber. Meine Kollegen bei der Sparkasse zum Beispiel denken nicht, dass ich spießig bin. Wenn man die mal mit mir vergleicht, dann ist da schon ein ziemlicher Unterschied. Durch das jahrzehntelange Dasein im Punkrock-Bereich sind eben gewisse Verhaltensmuster vorhanden, die im normalen Leben etwas komisch rüberkommen. Wenn wir bei der Sparkasse zusammen Fußball gucken, muss ich immer schön mit dem Bier aufpassen, denn gerade beim Fußball kann man schon mal verbal entgleisen, so dass Worte verwendet werden, die nicht gerade tischfein sind ...Fisch: ... bei den LOKALMATADOREN aber durchaus Verwendung finden.Bubba: Ja, bei uns in der Band ist das normaler Umgangston, in der Sparkasse könnte das auf ein gewisses Befremden stoßen.Fisch: Meine Kollegen halten mich sowieso alle für bekloppt: zu Recht. Ich die aber auch. Zu Recht.An eurem neuen Album hat man auch unter den Ox-Schreibern gesehen, dass sich daran die Geister scheiden: Entweder man versteht und mag euch, oder man kann damit gar nichts anfangen und will sich auch nicht weiter damit beschäftigen. Ist das eine Erfahrung, die ihr über die Jahre immer wieder gemacht habt?Bubba: Zum neuen Album haben wir bislang gefühlt circa 60% gute und 40% schlechte Reviews bekommen – und unter den schlechten ist auch die von Ralf Real Shock ...... der das 3rd Generation Nation-Fanzine machte ...Bubba: ... und bei dem die neue Platte auf völliges Unverständnis stieß, der gar keine Lust hatte, sich mit den Texten zu beschäftigen. Der schrieb auch mal, dass man uns in Mülheim sicher eines Tages ein Denkmal errichten werde, direkt neben dem von Helge Schneider. Und das meinte der nicht nett. Ja, die Leute fragen sich immer, warum wir solche Texte machen, warum das immer so unter die Gürtellinie gehen muss, doch die Antwort ist einfach: Wir können gar nichts anderes. Wenn wir im Proberaum neue Songs machen, kommen automatisch solche Texte dabei heraus und wir überlegen, doch mal einen richtigen Text zu machen. Nur fällt uns nichts Besseres ein, und deshalb bleibt das dann so. Aber Fisch und ich arbeiten auch mal richtig an den Texten, etwa dem eher kontemplativ-balladesken „Ich und meine Kiste“, das ich mal zu Hause skizziert hatte, oder „Posthorn“, über die Animositäten zwischen unserer Schalke-Kneipe und dem BVB-Laden Posthorn. Letzteres ist ja eher so eine Country-Nummer im NINE POUND HAMMER-Stil.Bemerkenswert ist auch das Cover der neuen Platte mit hübschen Kinderfotos von euch vieren. Klärt uns auf, wer wo zu sehen ist. Oben links, der auf dem Pott?Fisch: Das ist Bubba.Und der links unten mit der Narrenkappe?Bubba: Das ist Fisch. Rechts unten, der mit dem Kopf in der Steckdose, ist Rommel.Fisch: Genau, und der größte Asi von allen, der Blüm, ist der rechts oben.Damals sah noch alles gut aus für euch, da hätte noch was werden können aus euch.Bubba: Es ist doch bislang ganz gut gelaufen, finde ich.Fisch: Und uns als Band kann auch keiner Ausverkauf an die Medien oder zu radiofreundliche Lieder vorwerfen.Dann doch lieber eine Karriere als Kapelle für die reifere Jugend. Auf der Coverrückseite sieht man euch in schicken pinkfarbenen Hemden und Bierflaschen in der Hand vor einem Tanzlokal, auf dessen beleuchtetem Schild „Tanz für die reifere Jugend“ steht.Bubba: Die Hemden haben wir uns auch extra von Vivienne Westwood anfertigen lassen.Fisch: Und die Flaschen, das sind Mölmsch-Flaschen – Söhne Mülheims ohne Mölmsch, das geht nicht.Mölmsch ...?Bubba: Das ist eine alte Mülheimer Bierspezialität, ein helles, obergäriges Bier. Leider hat die Brauerei, die das hergestellt hat, vor 20 Jahren zugemacht, und seit kurzem gibt es das jetzt von einer anderen Brauerei wieder. Eigentlich war das damals ein echtes Schädelbier und so gesehen nicht schade drum, aber dass es danach gar keine Brauerei mehr gab in Mülheim, war auch scheiße. Und das neue Mölmsch ist deutlich besser als das früher.Mit Brauereien habt ihr ja so eure Erfahrung, etwa König Pilsener.Fisch: Ja. die haben uns damals, als unser „Heute ein König ... morgen ein Arschloch“-Album erschien, einen Brief geschrieben, dass wir den Titel doch ändern sollten. Wir haben da nicht darauf reagiert und es ist auch nichts weiter passiert. Das Lustigste an dem Brief war aber, dass darin stand, sie würden an unsere Vernunft appellieren. An unsere Vernunft, hahaha, das fanden wir gut.Nun ist es aber auch eine Tatsache, dass du als Sänger einer Band, die dem Biertrinken huldigt und deren Konzerte quasi Werbeveranstaltungen sind für den Bierkonsum, selbst gar keinen Alkohol mehr trinkst und nüchtern auf der Bühne stehst. Wie fühlt sich das an?Fisch: Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, ich mache das jetzt schon seit neun Jahren so: Pfingsten 2001 habe ich mein letztes Bier getrunken. Anfangs war das schon ungewohnt, und das erste nüchterne LOKALMATADORE-Konzert war auch ausgesprochen gewöhnungsbedürftig. Das war in Stuttgart, da waren ständig 50 besoffene Punks und Glatzen auf der Bühne, und das auch gerade mal eine Woche, nachdem ich aus dem Krankenhaus wieder raus war.Bubba: Ich weiß noch, dass Fischs erste Reaktion auf die Ankündigung seitens der Ärzte, dass er keinen Alkohol mehr trinken dürfe, der Satz „Was mach ich denn dann jetzt?“ war. Das war schon ein harter Schnitt, weil man sich ja nicht nur textlich über den Alkohol definierte, auch das ganze Leben war eng damit verknüpft.Wie ist es angesichts solcher Erkenntnisse mit dem Verkulten des Alkoholkonsums? Seid ihr euch bewusst, dass ihr einer Saufkultur zuarbeitet, die zwar lustig ist, aber auch tragische Konsequenzen haben kann?Fisch: Kinky Friedman hat mal gesagt: „You gotta find what you like and let it kill you.“ Das ist halt so.Bubba: Für uns ist das Thema Alkohol alternativlos, uns fällt nichts anderes ein. Außerdem schreibt Fisch die Sauftexte ja nicht, der muss die nur singen.Fisch: Die Texte zu singen fällt mir aber auch nicht schwer, weil ich sowieso nicht ernst nehme, was ich singe. Ich habe ja auch keinen Schuhkarton mit abgeschnittenen Genitalien zu Hause oben auf dem Schrank stehen, nur weil so was in einem Text vorkommt.Das beruhigt mich. Und als kleinen Hinweis an die Fans: Immer daran denken, dass es das Stilmittel der Ironie gibt, das mit Überspitzung und Übertreibung arbeitet.Bubba: Gerade bei uns wird das nicht unbedingt immer so wirklich gesehen, das stimmt. Da zieht man sich dann an einzelnen Worten hoch, sieht aber nicht das Gesamtbild, und dass wir durchaus ambivalent sind.In den letzten Jahren sind die Gelegenheiten, euch live zu erleben, auch nicht gerade mehr geworden. Wie oft spielt ihr denn so?Bubba: Ach, so zehn, 15 Konzerte im Jahr. Das machen wir aber nicht bewusst so, das ergibt sich aus Schichtarbeit, Urlaub und familiären Verpflichtungen eben so. Außerdem leben wir ja nicht von der Musik, können also nicht alles danach ausrichten. Aber jetzt, da wir eine neue Platte haben, werden es wieder ein paar mehr.Eurem Kultcharakter tut das keinen Abbruch, das ist ja ähnlich wie bei DIE KASSIERER.Fisch: Wir werden immer wieder von einer neuen Generation verehrt, was ich schön finde. Es ist gut, dass das Publikum nicht komplett mit uns mitaltert.Bubba: Asis gibt es eben in jeder Generation.
 

Reviews

LOKALMATADORE

© Ox Fanzine #99 / Carsten Vollmer

Alle unsere Schalke-Lieder

Fußball. Ficken. Alkohol. Da haben jetzt bestimmt schon 80% aller Ox-Leser abgeschaltet und die Wichser aus Lüdenscheid-Nord im Biene-Maja-Kostümchen können auch um die Ecke gehen, denn hier regiert nur Königsblau.Wer was anderes erwartet, der hat eh schon verloren. Was soll man sagen, selbst wenn man kein Fußballfan ist, kann man den Jubelhymnen der LOKALMATADORE etwas abgewinnen, denn im Gegensatz zu dem dumpfen Fan-Gegröle hat das hier wirklich Punkrock-Charme! Sie bearbeiten und strecken so manchen Klassiker und – obwohl man so etwas nie in dem Zusammenhang vermuten würde – sie zaubern dabei so manchen haarsträubenden Kalauer mittels feinem und intelligentem Humor aus dem Hut.Nun gilt es also, das auserwählte Werk mit ein paar neuen Krachern zum Billigpreis zu entdecken. Was noch schöner geworden wäre: weniger Rülpser, mehr Live-Aufnahmen.

 

LOKALMATADORE

© Ox Fanzine #57 / Joachim Hiller

Armutszeugnisse CD

Im Reigen der gen Jahresende eine Best Of- oder sonstwie geartete Zusammenstellung veröffentlichenden Bands dürfen, wollen und können die LOKALMATADORE natürlich nicht fehlen, und so haben die Mütter, Väter und Lebenspartner dieser Welt hiermit endlich auch eine Weihnachtsgeschenkidee für den Asipunker im Haushalt. Denn die Mülheimer (ohne "h" vor dem "l", du Depp!) Prolo-Punks, die es nun auch schon seit 1981 gibt (damals splittete sich PISSRINNE in BLUTTAT und LOKALMATADORE), haben hier die ganzen vergriffenen Single- und Compilation-Songs der letzten Jahre zusammengestellt, wobei man sich angesichts all der Brüller hier nicht vorstellen kann und will, wie die Bandgeschichte sich wohl gestaltet hätte, hätten Bubba und Fisch schon vor zehn Jahren dem Alkohol entsagt. Saufen und LOKALMATADORE, das war ewige Zeiten ein Synonym, aber der Krug und so weiter, man kennt den Spruch ja. Wobei die "Lokalen" (so der hiesige Slangausdruck für die Band) ja auch immer ein klein wenig missverstanden wurden, denn so prollig, wie man sie wegen legendärer volltrunkener Analsex-Szenen auf der Bühne immer einschätzt, sind die Herren mitnichten. Das zeigt sich zum einen am privaten Musikgeschmack, zum anderen am unübersehbaren Augenzwinkern bei den Texten, und sowieso sind sie sicher einer der von ihren Feinden am meisten unterschätzten deutschen Bands. Nun, so isses halt, aber den Fan schert das alles sowieso nicht, der hat einfach Spaß an "Wir hassen die RAMONES", "Uli Uli", "Punkrockband in Mülheim/Ruhr", "Ich geb mir selbst ne Party", "Anne Wand", "Keine Ostler", "Ich bin dumm" oder "Keine Chance für die Liebe" und macht sich noch ein Bier auf. Oder ein Mineralwasser. Schönes Booklet mit allen Texten, süffisanten Kommentaren dazu und historischen Fotos. (42:00) (09/10)

 

LOKALMATADORE

© Ox Fanzine #106 / Christian Fischer

Ein Leben für die Ärmsten

Und immer wieder sind es die selben Lieder ... Ja, ja, das ist von den TOTEN HOSEN und ich bin nicht im falschen Review. Genauso fühlt sich das an, wenn man diese wunderschöne Picture-LP des LOKALMATADORE-Debüts von 1990 nach Jahrzehnten wieder in den Händen hält: Als stünde die Zeit still.„Auf Ruhr wollen wir alle sein“ war der Soundtrack, wenn man am Wasserbahnhof im schönen Mülheim/Ruhr eine Bierdosenburg mit den Kumpels baute. Erinnerungen daran, wie man seine 24 Stunden lang getragenen Chucks mit „Schweißmauken“-Schlachtruf der armen Alkoholleiche im Nebenbett unter die Nase hielt.„Tangobrüder“, „In den Arsch“ und natürlich hat jeder „Happy Weekend“ gelesen ... ach fast zu jedem Song dieses grandiosen Werkes deutschen Prollpunk-Asitums gibt es eine Geschichte zu erzählen.Das verdeutlicht, glaube ich, ganz gut, was diese Platte (und die vorangegangene „Bizzchen arm“-EP) mir bedeutet haben. Belassen wir es abschließend bei den ausufernden Konzerten in der Volkshochschule und Georgstraße, die ich nie vergessen werde.Fisch, Bubba und Co. haben Geschichte geschrieben und bis zur „Heute ein König ...“-CD war jeder LOKALMATADORE-Song ein Heiligtum. Kaufen, in den Schrank stellen und vergöttern!

 

LOKALMATADORE

© Ox Fanzine #40 / Carsten Vollmer

Männer Rock´n´Roll CD

Manche hatten sie ja schon abgeschrieben, da sie lange nix mehr von sich hören hatten lassen, aber wie es aus gut informierten Kreisen stets verlautete, arbeitete die Ruhr-Proll-Front am "Sgt. Pepper" Album des Punkrocks.Ich war gespannt, denn schon die beiden Vorabsongs auf der Ox- und der Plastic Bomb-CD waren der Hammer. Als mir Fisch so ganz nebenbei verklickerte, dass sie nochmal ins Studio gingen, weil sie mit dem Mix nicht zufrieden seien, kratzte ich mich nur noch ratlos am Sack.Was bitte sollte da noch alles kommen? Wir schreiben den 11.08.2000. Ich stehe mit ´ner 0,33er Flasche DAB-Diätbier am Fenster und schaue auf die schöne Krayer Einkaufsstraße. Mensch, ich krieg den Mund nicht mehr zu und die Feinrippunterwäsche ist schon ganz verschwitzt.Wie ein Bekloppter springe ich im Zimmer umher. Jaaaaa, gib mir Männer Rock´n´Roll!!! Einen Tag und ´n Kasten Bier später. Ich hab die Platte mindestens 20mal gehört. Besonders gut macht sich der Endlos-Song "Pillemann, Fotze, Arsch" anner Ampel! Du fährst locker ran, der Technodepp neben dir will gerade ´Play´ drücken.Du bist schneller... Pillemann, Fotze, Arsch... Damit zieht ihr garantiert jeden ab! Natürlich könnte man jetzt anfangen wo überall die Einflüsse und Anleihen her sind, will ich aber nicht, weil´s einfach egal ist und ihr´s selber herausfinden müßt! Sie haben sich in letzter Zeit wohl ´ne Menge guter Musik angehört.Wenn jetzt wieder einer anfängt über die Wortwahl zu diskutieren, dem kann ich nur eines sagen: "Bei uns hier spricht man so wie einem der Schnabel gewachsen ist. Direkt und herzlich aus´m Bauch heraus! Mahlzeit!" Eins lass ich mir aber dann doch nicht nehmen: Auf der Platte ist auch ein Song, der heißt "Ich laß dir den Kochtopf, laß´du mir mein Bier".Frage: Wer hat den im Original gesungen? Bitte um rege Beteiligung und laßt eurer Fantasie freien Lauf, ihr könnt nur gewinnen!

 

LOKALMATADORE

© Ox Fanzine #89 / Joachim Hiller

Punk Weihnacht

In 270 Tagen ist Weihnachten! Jetzt gilt es sich zu sputen, noch rechtzeitig ein paar Geschenke für die Lieben zu erstehen, denn wer will zum Fest der Liebe ohne Präsente dazustehen? Und warum nicht die gute, alte Tradition der Weihnachtsplatte wiederbeleben? Wer als schon die entsprechenden Scheiben von Billy Idol und Bing Crosby sein eigen nennt, ist auch prädestiniert dafür, an „Punk Weihnacht“ der LOKALMATADORE (aus Mülheim an der Ruhr) Gefallen zu finden.Allerdings gibt es hier keine weitere Weihnachtsliedervergewaltigungsplatte, sondern ein vor nicht allzu langer Zeit kurz vor Weihnachten in Hamburg aufgenommenes Live-Album, das erste der „Lokalen“ seit „HimmelAchtungPerkele“ von 1994.In okayner, sagen wir mal „authentischer“ Aufnahmequalität fühlt man sich von dem Album in Versuchung geführt, sofort eine Flasche oder gleich einen ganzen Kasten Bier aufzumachen und dazu mit sich selbst eine Party zu feiern – mit „König Alkohol“ und „Barbara“ etwa und all den anderen subtilen Hits, die Fisch (oder „Trocken-Fisch“, wie er seit ein paar Jahren eigentlich heißt) und Band hier in virtuoser Manier darbieten.Ein großer Spaß, der allerdings bald getoppt werden dürfte durch das neue Album, das in den nächsten Monaten endlich das Licht der Welt erblicken sollte. Und jetzt erstmal: Frohe Ostern!

 

LOKALMATADORE

© Ox Fanzine #90 / Carsten Vollmer

Söhne Mülheims

Das entsprechende Publikum wird diese Scheibe lieben, soviel steht fest, und die Sorte von Menschen, die noch nie was damit anfangen konnte, wird sich wieder künstlich und vollkommen umsonst aufregen.Über guten Geschmack und Eigenurintherapie lässt sich, wie jeder weiß, stundenlang streiten und am Ende macht doch jeder wieder, was er will. Es war eine schwere Geburt, oder besser eine recht lange, denn fast ein Jahrzehnt ist seit der letzten Schlachtplatte vergangen.Ein wenig zusammenhanglos wirkt darum wohl das neueste Werk. Kleinkariert könnte man darauf hinweisen, dass man stellenweise durchhört, dass die Rock’n’Roller-Männer in verschieden Richtungen lustig weitermutiert sind, das aber leider nicht so richtig und mit letzter Konsequenz einfließen lassen.Warum auch, sie sind ja schon seit langem in den verschiedensten Projekten unterwegs. Es sollte ein kurzes und knackiges Punkrock-Album werden und das ist es auch. Wieder mal sozialkritische Texte über Fußball, medizinisch Interessantes über das Ding da mit dem Ficken und fundierte Warnungen vor dem Genuss von übermäßig viel Alkohol.Sich zurückbesinnen auf die „alte Liebe“, nochmal durchstarten und dabei haben sie immer noch mehr Ideen und eine größere musikalische Bandbreite als die meisten anderen aktiven Deutschpunk-Bands.Natürlich werfen sie auch ihre Erfahrung und das wirklich vorhandene spielerische Können mit in die Waagschale. Die Scheibe läuft gut rein und ungenervt wieder raus, nur bleibt leider verdammt wenig davon hängen.Das Ganze wirkt im Endeffekt einfach etwas zu zusammenhanglos. Bis Ende des Jahres werden wir dann ja noch mit einem Weihnachtsalbum, der Schalke-05-Platte und einer Doppel-DVD zugeschissen.Ist das jetzt der Beginn einer würdigen Verabschiedung?

 

Konzert

Event Foto

SKEPTIKER

Jul.
16
2016