Smoke BlowTourdaten, Infos, Interviews, Reviews

Nächster Termin:

14.10.2016
60%
Bewertung:
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Smoke Blow ist eine 1997 gegründete Hardcore-Punk-Band aus Kiel.

Genre

Punkrock/Hardcore, Rock

Shows

147 Shows in 62 Städten / 3 Ländern

Zeitraum

10.10.2003 - 16.12.2016

Letzte Show

19.12.2015 - DE-Hamburg, Fabrik

Nächste Show

14.10.2016 - DE-Hannover, Faust e.V.

Booking

KKT

Tourdaten

Archiv
Okt.
14
2016
Freitag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Okt.
15
2016
Samstag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Dez.
16
2016
Freitag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 

Tonträger bei finestvinyl

Cover

SMOKE BLOW - THE RECORD | LP

Smoke Blow aus Kiel präsentieren 2 Jahre nach der eindeutigen Punkrock-Hommage "Colossus" ihr bis dato eindeutig härtestes Album. "The Record" beinhaltet 12 wahnsinnig treibende, kompromisslos nach vorn groovende Songs, die man vielleicht irgendwo zwischen der "deathrockigen" Attitüde von Entombed, dem Vibe von Alben wie "Feel The Darkness" von Posion Idea und New York Hardcore-"Gebretter" einordnen kann, wobei ein kleiner wie feiner Schuss Black Metal dem Ganzen seine schlussendliche Würze verleiht. Dabei ist "The Record" weder Old- noch Newschool, die neuen Tracks verkörpern schlicht und auch ergreifend zeitgemäß produzierte, ehrlich und direkt gespielte Rockmusik. Mit dem Kopf gegen die Wand. Aufgenommen und produziert wurde "The Record" mit freundlicher Unterstützung von Tom Schwoll (Jingo De Lunch), gemixt von Alex Newport (At The Drive-In, The Locust, Fudge Tunnel) im Future Shock Studio in NYC und gemastert von Jacob Hansen (Maroon, Volbeat, Heaven Shall Burn) in den Hansen Studios (Ribe, Dänemark).
 

Interviews

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SMOKE BLOW

SMOKE BLOW, die sympathischen Rocker aus Kiel, haben mit "777 Bloodrock" auf Loudsprecher eine Platte rausgebracht, die sich gewaschen hat: sie ist unglaublich laut und dreckig und es gab in den letzten Wochen eigentlich keinen, der nicht spontan begeistert war. Ich durfte mit Sänger Letten kurz nach dem Release ein bisschen telefonieren...Letten, nachdem wir jetzt gerade mal ein bisschen über KORN hergezogen haben, stell doch mal SMOKE BLOW vor."Ok, zum einen ist da meine Wenigkeit, Jack Letten. Der Name kommt daher, dass ich mal bei einem Gig keine Schuhe hatte und mir dann aus ´m Altkleider-Container ein paar alte Cowboy-Latschen geholt habe, die so kitschig aus dem Achtzigern und so waren. Die habe ich silbern angesprüht und angezogen, das waren die Letten, daher kommt der Name, und ja, ich singe und spiele Gitarre. Dann gibt es da noch Burn Hellhamme, der Bassist. Das ist ´ne ganz harte Sau, der war irgendwie fünf Jahre mit einer Dub/Reggae-Band auf Jamaika unterwegs, und ist ganz grosser BAD BRAINS-Freak. Der ist Schmied, der hat Arme und Hände, die sind so gross wie ein Fussball, wenn der in die Hände klatscht geht nix mehr, der wohnt auf ´m Land mit seinen zwei Kiddies und fährt ganz gerne mal ein paar Hasen um, aber eigentlich ist er sanft wie ein Rehlein, aber neulich hat er mal mit seinem Bus einen Hasen umgenietet. Dann hatte er nix zu fressen und hat sich den dann fertig gemacht, das ist echt ´ne ganz harte Sau, der ist auch gute zwei Meter gross. Ok, weiter: dann ist da noch Fabrizio, unser Drummer, ein Typ, der nur Döner, Spaghetti und Burger in sich reinstopft und eigentlich nichts anderes zu tun hat als AC/DC zu hören und nachzuspielen. Ach ja, dann gibt es noch JR an der einen Gitarre, aber was der macht, das weiss ich gar nicht, ich denke, der hängt rum und krault sich an den Eiern und ist Hardcore- und Noise-Freak. Dann gibt es noch Kentucky an der zweiten Gitarre, und der ist Waldarbeiter, das ist echt wahr, kein Scheiss! Der hat eigentlich nur drei Platten, und zwar die ersten drei von BLACK SABBATH. Und was ich noch sagen muss: ich bin der Punkrocker in der Band."Und was bevorzugst du so in der Richtung?"Ähm, am liebsten frühe Achtziger. BLACK FLAG, der Frühachtziger Punkrock/Hardcore. Und meine Lieblingsband, oder mit eine meiner Lieblingsbands, sind die DWARVES. Die DWARVES fand ich immer geil, nur die letzte vor "Come Clean" fand ich nicht so geil, weil die war irgendwie so epitaphmässig gestylt, nicht mehr so dreckig wie früher. Ich fand, die haben sich so an den "alten" Epitaph-Style angenähert, die war irgendwie sehr in NOFX-Richtung, obwohl Epitaph momentan wieder cooler wird."Habt ihr schon für grössere Bands, wie z.B. die DWARVES als Vorband gespielt?"Nee, leider nicht, die wollen alle nicht mit uns spielen. Wir würden den alle eh nur in die Fresse hauen und sie fertig machen."Kommt es also hin, was in eurem Info stand, so mit Kiefer gebrochen und Kippe auf dem Arm ausgedrückt und so?"Ja, ja klar. Naja das sind eigentlich nur immer diese Klischees, die da kommen und die dann auch helfen, Platten zu verkaufen. Eigentlich sind wir alle auch ganz nett und es ist halb so wild. Es ist nur manchmal so, dass wir, wenn wir irgendwo spielen, ein bisschen abgehen. Wenn´s hart kommt rennt dann z.B. einer ins Punblikum und verteilt ein paar Kopfnüsse, und dann ist es logisch, dass du auch welche zurückbekommst und dann bricht man sich auch mal den Kiefer. Vor allem, wenn man so ein Spacken ist wie ich. Ich habe auch schon ordentlich welche aufs Maul bekommen, aber wer hart austeilt, muss auch hart einstecken können, das ist nun einmal so. Ein paar Kippen habe ich mir mal auf dem Arm ausgedrückt, als wir auf so ´nem Metalfestival gespielt haben und diese ganzen Poser da standen und ich denen aus Spass zeigen wollte, was ein echt harter Mann alles kann."Was hälst du denn allgemein von Gewalt, also jetzt nicht nur auf Konzerten oder so?"Gewalt finde ich grundsätzlich total beschissen. Aber die Gewalt, die von den Gigs ausgeht, die ich da rüberbringe, weil ich da einfach nicht gegen an kann, die kommt aus dem Punkrock-Bauch heraus. Für mich war es auch nie Gewalt, was G.G. Allin auf der Bühne gemacht hat. G.G. Allin war der einzig wahre Anarchist, auch wenn er ´ne kranke Sau war. Jeder, der sagt, er sei Punkrocker und findet G.G. Allin scheisse, kann eins von beidem nicht ernst meinen. Ich habe eine ganz geringe Seelenverwandschaft zu ihm. Ich will nicht sagen, dass ich genauso drauf bin, aber es hatte was, was der Mann gemacht hat, er ist die verschärtfe From von Iggy Pop. Nee, aber Gewalt ist grundsätzlich total scheisse. Ich gehe der auch immer lieber aus dem Weg. Ich finde es danach auch oft scheisse, was ich auf ´m Konzi gemacht habe, deswegen Entschuldigung an alle Leute, die ich mal angerotzt habe oder denen ich mal eine Nuss verpasst habe."Seid ihr schon mal mit Gewalt von Rechts habt konfrontiert worden?"Einmal war das so, dass wir unser Stück "White Powder, Black Smoke", "Weisses Pulver, Schwarzer Rauch" gespielt haben, und als ich das angesagt habe, haben wohl ein paar Idioten ihre Arme gereckt. Und dann hiess es danach, Letten ist voll der Fascho und so wegen "White Power", was warscheinlich falsch verstanden wurde. Aber da dachte ich auch, hey, was geht jetzt bitte? Aber generell haben wir nicht das Problem, dass rechte Idioten bei unseren Konzerten abhängen. Ich bin da auch absolut gegen, aber das muss ich ja eigentlich auch nicht sagen."Klar, war nur gerade wegen Gewalt und so. Bist du sonst politisch?"Politk hat mich eigentlich nur noch deprimiert in letzter Zeit. Ich hatte vor einem halben Jahr mal eine Phase, wo ich mich mehr damit auseinandergesetzt habe. Ich kann mir das alles nicht mehr anhören, ich kriege da nur noch Magenschmerzen von. Ich habe auch neulich meinen Fernseher aus dem Fenster gechmissen, weil mich das alles nur noch angekotzt hat. Teletubbies, Talkshows, Telefonsex-Call-Werbung, dann habe ich ihn rausgeschmissen... Aber leztzes Mal habe ich SPD gewählt, einfach weil ich den Dicken weg haben wollte, aber Schröder, diese Scheiss-Modepuppe, kannste auch wegschmeissen. Was die SPD hier veranstaltet, ist das letzte, die schliessen alle linken und autonomen Zentren, zum Kotzen. Die Lügen alle, verarschen alle. Im Grunde darf man echt nicht mehr wählen gehen, man outet sich nur als Mensch, der verarscht wird. Das war auch der Grund, warum ich mich irgendwann von der Punk/HC-Szene verabschiedet habe, eben weil mir das alles zu politisch wurde und man irgendwann kein T-Shirt von einer amerikanischen Band tragen konnte, weil man dann der Arsch war. Ich meine, klar gehört ein linksgewandtes Denken dazu, aber irgendwann wurde das alles so verdogmatisiert, dass es einfach keinen Spass mehr gemacht hat. Aber mittlerweile geht das ja auch wieder, solange nicht alle auf den HELLACOPTERS-Zug mitaufspringen und diese dumme Rock´n´Roll-Scheisse labern. Die sollen sich mal was neues einfallen lassen, was anderes als dicke Autos, Flammen und Frauen mit grossen Brüsten. Die können mich alle mal, mit ihren Verkaufstaktiken, wir rocken die eh alle in Grund und Boden. Das Dumme ist, dass wir auch oft in diese Ecke gedrückt werden, obwohl wir damit eigentlich nix zu tun haben und auch nur ein bisschen rocken."Aber findest du nicht, dass der Titel "777 Bloodrock" euch ein bisschen in dieser Ecke vermuten lässt?"Ja, aber "Bloodrock" geht ja um Blut, um musikalische Gewalt und nicht um "have a good time" oder so. Bloodrock ist einfach der härteste Rock, denn es je gegeben hat, im Grunde auch Punkrock, nur noch härter und böser. Es ist mir eh am liebsten, als Punkrock-Band bezeichnet zu werden, auch wenn wir keine reine Punkband sind, sondern eher von den Idealen her und auch zum Teil von der Musik. Wir wollen auch nicht in irgendeine Schublade gesteckt werden, wir sind irgendwo dazwischen. Meine Definition ist so, dass ein bisschen Crust drinne ist, ein bisschen New York Noise, etwas Hardcore und etwas Stoner Rock."Warum habt ihr, wo wir gerade bei der Platte sind, die Texte nicht im Booklet abgedruckt?"Es liegt ehrlich gesagt daran, dass ich nicht mehr genau weiss, was ich da gesungen habe und und keinen Bock habe, das alles wieder zusammenzusuchen. Die Texte wurden teilweise zwei Tage vor den Aufnahmen geschrieben, dann im Studio irgendwie vor meiner Nase befestigt und abgelesen und dann wieder weggeworfen oder so. Aber ich finde, wenn man sich die Titel durchliest, kann man sich schon denken, in welche Richtung das geht."Wo wir gerade bei Titeln sind: was ist Blacula und was sind Pulp Fiction-Nazis?"Blacula ist der schwarze Dracula, der ist noch schlimmer als der weisse, das ist aber ein Scheissfilm. Und Pulp Fiction-Nazis sind diese Leute, diese Studenten, die sich ihr Zimmer mit Pulp Fiction-Postern vollgekleistert haben und meinen, dass dies der einzig gute Road Movie sei, obwohl sie nur diesen einen kennen und jetzt auch voll auf Surf-Mucke abfahren, solche Leute eben, die müssen alle sterben. Nein, alles nicht so ernst nehmen..."Warum habt ihr eure Release-Party eigentlich in Hamburg und nicht in Kiel gemacht?"Wir haben auch eine in Kiel gemacht, aber wir wollen die Leute hier nicht zu sehr mit SMOKE BLOW-Konzerten nerven, es war hier eher eine Party als ein Konzert. Wir hatten auch lange nicht mehr in Hamburg gespielt."Ok, könntest du zum Schluss noch eine kleine Bandhistory geben?"Ok, uns gibt es seit Ende ´97 und wir haben zwei Alben, eine 10" und zwei Demos veröffentlicht. Die Alben sind beide auf Loudsprecher, die 10" auf Million Dollar Records und die Demos haben wir selber rausgebracht. War´s das jetzt schon?"Hmm, sag doch noch deine drei Platten für die Ewigkeit."Okay, drei Platten für die Ewigkeit... Ich liebe es über solche Themen wie Lieblingsplatten zu reden, echt. Lass mich mal schauen, das variert aber auch immer von Woche zu Woche, aber warte, Platten für die Ewigkeit, also BLACK FLAG "Damaged", RICH KIDS ON L.S.D "Rock´n´Roll Nightmare", eine ganz grosse Platte, und BL´AST "Take The Manic Ride". Die musst du dir unbedingt mal geben, die sind sehr BLACK FLAG-beeinflusst."Noch letzte Worte?"Ja, die Kids sollen endlich mal wieder richtig Skateboard fahren und sich nicht so sehr auf den ganzen Modescheiss konzentrieren. Skateboarding ist für mich echt DER Punkrock-Sport und ich finde es schade, dass er so ausgeschlachtet wurde. Skateboardfahren sollte wieder zurück in den Underground gehen und nicht so eine Scheiss Mode sein. Die ganzen Punk HC-Bands von heute sind ja alles so Skatebands, davon handelt auch "Canyon Pool Punks". Und ich hasse Interviewer, die immer diese Klischeefragen stellen, von wegen ob wir viel saufen, Groupies und so, das geht alles so in den Medienbereich. Ich finde, Punkrock sollte nichts mit diesem ganzen Groupies, Frauen haben, Porno gucken-Posergehabe zu tun haben. Da sollte mal dagegen angegangen werden."
 
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SMOKE BLOW

In unserer heutigen Konsumgesellschaft ist es schwerer denn je, gute Bands im Wust von unterbelichteten Kasperkapellen auszumachen. Es gibt zwar kein Patentrezept, doch die Erfahrung hat mich gelehrt, die Spreu vom Weizen mit Hilfe dreier simpler Fragen zu trennen. Erstens: „Wieviele Bands gibt es schon, die so klingen wie die auf dem Prüfstand stehende?“, zweitens: „Besteht die Combo aus realitätsfremden, arroganten Arschlöchern?“ und abschließend drittens: „Überzeugt die Liveperformance der Formation oder stellen sich die Instrumentalisten als Luschen heraus, die lediglich durch Manipulation im Studio ihr Nichtkönnen vertuschen konnten?“. In dieser Reihenfolge lauten die Antworten in Bezug auf die Kiel-Mettenhofer SMOKE BLOW: „Keine einzige!“, „Nicht im entferntesten, die Jungs sind einfach töffte und völlig bodenständig!“ und „Fuck! Diese Bastarde sind die mit Abstand beste Liveband Deutschlands!“.Womit Frontmann Jack Letten samt Gespann mit Leichtigkeit und Bravour die volle Punktzahl dieses kleinen Tests erreicht hätte. Neben dem großartigen neuen Album „Punkadelic - The Godfather Of Soul“ - auf das es sich glatt zu onanieren lohnt - also ein Grund mehr für ein Gespräch mit dem guten Mann. Und so rief er mich - als armer Musiker mit nur sechs Mark in der löchrigen Hosentasche - an einem Juliabend aus einer Telefonzelle nahe eines norddeutschen Bauernhofs an und betonte im weiteren Verlauf der Plauderei kontinuierlich den Verlust der „verdammten Kohle“ die zu seinem Leidwesen anscheinend rasendschnell durch das Innere des Münzsprechers rasselte.Hummel, Hummel, Moin, Moin (Mors, Mors heiß dat, Du Spacken- d. Setzer!) ; schön, dich am Draht zu haben, Herr Letten! Erstmal: Wie war eure soeben absolvierte Headlinertour?Die Tour war eigentlich ganz okay, aber aufgrund einiger Konkurrenzveranstaltungen teilweise leider etwas schwierig zu handlen. Am selben Tag, an dem wir z.B. in München spielten, waren auch AC/DC dort und da hatten wir natürlich als verhältnismäßig kleine Band das Nachsehen.Wie? Die Leute gehen lieber zu alten, in Schuluniform rumhampelnden Säcken als zu euch? Warum habt ihr die Jungs denn nicht als Vorband engagiert?Nee, das muss nun wirklich nicht unbedingt sein, da bin ich gar nicht so scharf drauf; so war´s schon ganz okay, hehe.Mittlerweile ist euer neues Album ja auch schon ein paar Tage auf dem Markt. Wie sind die bisherigen Resonanzen?Die sind eigentlich durchweg gut. Bei „Punkadelic“ hat sich ja auch der Aufnahmeprozess wesentlich länger hingezogen als es beim Vorgänger „777 Bloodrock“ der Fall war, und das merkst du dem Ding auch an. Die Platte wurde step by step aufgenommen, was eine wirklich neue Erfahrung für uns war. Erst Schlagzeug, dann Bass, gefolgt von Gitarren und Gesang, und zum Schluss kamen noch viele Keyboard- und Sologeschichten hinzu, so dass das gesamte Recording sich bei der Scheibe über ca. vier bis fünf Monate erstreckte.Und das alles in eurem eigenen Proberaum?Jawoll! Wir haben in unseren normalen Proberaum einen kleinen Aufnahmeraum eingebaut, den wir mit Teppichen abdichteten; das war echt abenteuerlich, kann ich dir sagen! Die letzte Platte hatten wir ja auch schon selbst produziert, aber das ist normal bei uns, denn wir können uns ja, verdammt nochmal, kein Studio leisten! Bei „777 Bloodrock“ ging es wesentlich schneller, die hatten wir an einem Wochenende im Kasten. In einem Rutsch alle Stücke rein und feddich, das war wirklich sehr easy. Bum, bum, zack, und feddich is´ die Scheiße!Im direkten Vergleich fiel mir schon beim ersten Hören auf: „Mensch, der Letten kann ja richtig singen!“Das hat sich einfach so entwickelt. Irgendwie fand ich es langweilig, andauernd den wütenden, wilden Asi raushängen zu lassen und ständig gegen die Musik anzuschreien. Es war echt mal an der Zeit, meine feminine Seite rauszulassen. Heutzutage muss man halt ab und an auch mal ´n bisschen rumträllern, und außerdem will ich ja auch mal ´n paar Tussis abbekommen, das kann ja so nicht weitergehen! Singen konnte ich eigentlich schon immer, das Problem war nur, dass ich nicht wollte und mich ehrlich gesagt nicht getraut habe, weil ich immer dachte, das käme irgendwie lächerlich rüber.Quatsch, dat rockt! Die Songs hast du wieder im Alleingang geschrieben, oder?Bei uns läuft es immer so, dass ich die Grundstruktur der Songs schreibe, aber die Ausarbeitung erfolgt immer in Zusammenarbeit mit den anderen Jungs. Eigentlich wollten wir auch endlich mal in einer unserer Platten die Lyrics abdrucken, aber irgendwie hat es doch wieder nicht geklappt. Das lag zum großen Teil sicherlich daran, dass ich aufgrund des Zeitmangels in letzter Sekunde keinen Bock mehr hatte, meine ganzen Merkzettel - ich schreibe die Texte immer auf so kleine Merkzettelchen - rauszukramen. Das waren so dermaßen viele Zettel, dass es insgesamt bestimmt eine ganze Woche gedauert hätte, die Dinger auseinander zu fummeln und sinngemäß aneinander zu hängen.Verstehe, das wär´ mir auch entschieden zu viel Stress gewesen, ähem...Im Prinzip ist es jetzt natürlich doch ein bisschen schade, denn die Texte sind dieses Mal eigentlich gar nicht so schlecht geworden, aber beim nächsten Mal klappt´s bestimmt!Hast du aus Bequemlichkeitsgründen beim Song „TV Show“ das Mikro eurem Gitarristen Kentucky in die Hand gedrückt oder hat er sich freiwillig zur Verfügung gestellt?Hehe, der hat einfach diesen geilen Punkrock-Spirit in der Stimme. Weißt du, was ich meine? So richtig „Augen zu und durch“, das finde ich saugeil, kann es aber selbst leider mittlerweile gar nicht mehr. Ich nehm´ mich da als Sänger inzwischen eh viel zu wichtig, ich kann verdammt nochmal keinen richtig guten Punkrock-Song mehr singen, das gibt mir ernsthaft zu denken! In Zukunft wird Kentucky vielleicht des öfteren ein Stück zum Besten geben, denn seine Performance war echt geilo.Mit PAYOLAs Freudenberg ist bei „Sweetwater“ auch ein musikalischer Gast an Bord. Hattet ihr vor einiger Zeit nicht ein gemeinsames Sixtiesprojekt in Planung?Stimmt, Freudenberg hat „Sweetwater“ ja auch mitgeschrieben. Mit dem Sixtiesprojekt hatten wir vor einiger Zeit auch tatsächlich schon begonnen, kamen aber aus Zeitmangel leider nicht sonderlich weit und haben so das Stück mit auf unsere Platte übernommen, zumal es auch echt gut im Kontext zu den anderen Songs harmoniert.Ein weiterer Gast ist Bountyhead, der für die zahlreichen elektronischen Spielereien verantwortlich zeichnet. Ist er mittlerweile festes Bandmitglied oder zumindest bei euren Liveauftritten dabei?Yo, Bountyhead ist ein Freund von mir, so ein ganz komischer Krautrock-Althippie. Der hat aber keine Zeit, fest bei uns einzusteigen oder mit uns zu touren, da er von Beruf Windmaschinen baut. Kennst du die? Das sind die Teile, die auf den CULT-Platten zu sehen sind. Er nennt sich übrigens Ingenieur und werkelt die Dinger zusammen.Heutzutage sind Bands mit einem eigenen Charakter ja leider eher spärlich gesäht. Was glaubst du, ist der Grund dafür, dass ihr es trotzdem geschafft habt, dass man beim Hören eurer Platten sofort sagt „Hey, das sind doch SMOKE BLOW!“?Wenn Leute sagen, unser Sound sei durch unsere Herkunft geprägt oder ähnlichen Quatsch, dann ist das absoluter Nonsens. Das Asi-Image und überhaupt alles hat sich in den vergangenen Jahren einfach größtenteils ohne unser gewolltes Zutun (insofern man es nicht als „Zutun“ bezeichnet, sich auf der Bühne nackt eine Bierflasche über die Rübe zu ziehen! - Anm. d. Verf.) so entwickelt. Weißt du, der eine hat halt in dieser Band gespielt, der andere in der nächsten, und so haben sich dann die verschiedenen Einflüße zusammengetragen und ergeben den heutigen SMOKE BLOW-Sound, eine ganz natürliche Sache also.Die dem „Punkadelic“ beiliegende Biografie der Mettenhofer mit in Schönschrift von Letten himself verfasstem Anschreiben - das die Behausung des Meisters auf explizite Weise („Im Fahrstuhl riechts nach toten Omas...“) darstellt - entspricht, ebenso wenig wie die eigenständige Musik, nicht gerade dem Standard anderer Bands, die sich und ihr Schaffen in Infos allzu oft als das Maß aller Dinge darstellen. Wie kam es dazu?Das war meine Idee, weil ich einfach keinen Bock mehr auf diese wichtigtuerischen Infos hatte, in denen eh immer dasselbe wie „Das ist die Platte des Jahrhunderts“ oder „Die Band verarbeitet diese und jene Einflüße“ geschrieben steht. Ich bekomme wirklich regelmäßig immer wieder das Kotzen, wenn ich mir solchen Unsinn ansehen muss. Ich wollte einfach was Lustiges beilegen, wo die Leute auch merken, dass wir uns selbst nicht ganz so ernst nehmen. Das übliche Rumgeschrei nervt doch wirklich nur.Zumal in solchen Blättchen ja auch gerne kategorisiert wird. Das braucht ihr leider nicht selbst zu tun, denn obwohl es wirklich jedem einleuchten sollte, werdet ihr von der Presse teilweise immer noch als Stonerrockband angepriesen. Geht euch das nicht langsam auf den Sack?Das geht mir in der Tat absolut auf die Eier, da hab´ ich überhaupt keinen Bock mehr drauf! Auch der Begriff Doom Metal fällt da sehr oft. Dabei sind wir im Prinzip viel eher eine Punkrock- bzw. Hardcoreband. Du brauchst nur unsere Einflüße zu addieren, denn das ist zum Großteil eben Punkrock.Wobei die Schublade Doom Metal gar nicht so weit hergeholt erscheint, kursieren doch seit einigen Wochen die Gerüchte, ihr hättet im Fall eines Misserfolges von „Punkadelic“ das Vorhaben, nur noch Death Metal zu machen. Ist da etwa was Wahres dran, zumal eure aktuellen Fotos auch zweifelsfrei auf einem Knochenwerfer-Release prangern könnten?Death Metal nicht unbedingt, aber schon in Richtung Crustcore oder ähnliches. Wir müssen einfach mal sehen, wie wir Lust und Laune haben; das ist einfach eine Frage des Zustands. Wenn ich richtig schlechte Laune habe, wütend bin, jemand mich in den Arsch gefickt hat, ich meinen Job verloren habe und gleichzeitig meine Freundin, dann nehme ich lieber ´ne krachige Crustcore-Platte anstatt irgend ´ne poppige Beachscheibe auf. Ich kann es jetzt noch nicht genau sagen, da es vom jeweiligen Zustand abhängt. Das variiert aber bei mir von Tag zu Tag; an dem einen schreibe ich einen Gothicsong, am anderen eine Metal-Nummer und am nächsten ein Punkrock- oder Garagestück. Man kann uns auf keinen Stil festlegen und behaupten, wir seien „Punk“, „Hardcore“, „Doom“ oder „Pop“. Das eine Stück klingt eben mehr nach jener, das nächste nach einer völlig anderen Richtung.Mit Grunzvocals hätte Letten wohl keine großen Probleme, wie man ansatzweise bei einigen Songs des neuen Albums raushören kann. Stimmt es, dass du neben SMOKE BLOW an einer Soloplatte feilst?Ich komme eigentlich auch aus der Richtung, da ich vor SMOKE BLOW in einer Crustband geträllert habe. Was die Sologeschichte angeht: Ich werde auf jeden Fall mal was ausprobieren, weiß aber noch nicht ganz genau, was. Es ist ja bei SMOKE BLOW so, dass wir generell jeden Song auf der Basis des Gesangs aufbauen. Zuerst kommt also die Gesangslinie, dann lege ich die Grundriffs darunter usw. Ähnlich machen es auch WEEZER, das wäre eine Richtung, die ich mir z.B. vorstellen könnte: Etwas poppiger als SMOKE BLOW, mit Sixties-Einflüssen, aber trotzdem unterlegt von einer kräftigen, bratigen Gitarre.Darauf, und auf alles weitere, was diese grandiosen Burschen in Zukunft anstellen werden, freut sich jetzt schon:
 
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SMOKE BLOW - Still smoking

SMOKE BLOW ist die beste Band Deutschlands, das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Dass die selbsternannte „Panzerdivision Of Mosh And Fuck“ mit ihrem neuen Album „German Angst“ zwölf uneingeschränkte Ohrwürmer auf Vinyl bzw. CD gepresst hat, weiß seit dem 10.02. hoffentlich auch jeder. Was gibt es sonst Neues von den Göttern aus Kiel? Am 10.12., vier Tage nach einem geilen Auftritt in Essen, klingelte ich bei SMOKE BLOW-Fronter Jack Letten durch, der gerade mit einer Portion Smarties-Schokolade beschäftigt war...Moin moin, Mr. Letten, erst mal Gratulation zur neuen Scheibe und zum Gig am vergangenen Freitag. Obwohl die Hütte leider relativ leer war, habt ihr ja gut gerockt. Wie motiviert ihr euch bei solchen Konzerten? Das ist teilweise ganz schön schwer, besonders wenn du einige hundert Kilometer fährst, dir extra einen Urlaubstag nimmst, dich tierisch auf den Abend freust, um dann am Veranstaltungsort festzustellen, dass nur wenige Zuschauer gekommen sind. Aber wir nehmen unsere Konzerte schon sehr ernst, denn wir möchten den Zuschauern ja einen guten Abend bereiten, und uns dadurch auch. Ich bin auch nicht der Typ, der sich vorm Gig die Birne wegsäuft oder zudrogt, auch wenn das gerne manchmal angenommen wird. Ich versuche hochkonzentriert zu sein, weil ich möchte, dass die Zuschauer ihren Spaß haben. Schließlich haben sie ja auch einige Euro Eintritt bezahlt und wollen etwas dafür bekommen. Ohne Scheiß: Das Geilste ist, wenn du die Leute in Fahrt bringst und sie nach einigen Songs zufrieden grinsen. Dann hat sich der ganze Aufwand immer gelohnt! Dass du vor Konzerten recht angespannt bist, stellte ich zum ersten Mal bei eurem Gig 2001 in Flensburg fest, als du kurz vor Showtime auf der Bühne zu sehr sphärischen, meditationsartigen Klängen umher gewandert bist. Die meisten Leute denken aufgrund eurer lockeren Bühnenaktivität sicherlich, dass ihr euch ordentlich einen hinter die Binde gießt und dann ohne Probleme eine Stunde rockt. Anscheinend ist das ja nicht der Fall... Genau das ist der Trugschluss bei SMOKE BLOW. Klar, wir prollen gerne rum, und wir saufen auch gerne, aber das kommt eben erst richtig nach dem Gig. Ich knall’ mir nach der Show gerne den Kopf zu, aber vor dem Gig ist das nicht drin. Da brauche ich schon meine zwei Stunden Konzentration. Du benötigst Kraft, um die Zuschauer mitzuziehen, damit sie auf deine ‚Scheiß drauf, rock los!’-Sprüche ansprechen. Klingt jetzt voll esoterisch, hehe, aber so ist es. Man gibt viel, und die dafür benötigte Energie ziehe ich mir eher aus einem Orangensaft, als aus einem Drogencocktail. Wie seid ihr eigentlich auf die Idee gekommen, mit MC Straßenköter einen zweiten Shouter einzustellen? Den haben wir natürlich von der Straße gekratzt, hehe. Nee, MC ist ein alter Skateboard-, Sauf- und Punkrock-Kumpel, den ich seit meiner Zivi-Zeit kenne. Was mich an ihm immer fasziniert hat, ist, dass er schon vor Urzeiten DANZIGs ‚Mother’ so geil und perfekt singen konnte. Das habe ich über die Jahre nicht vergessen. Da ich meine Stimme live nicht teilen kann und die anderen Smokes keinen großen Bock auf Backings haben, war die logische Konsequenz, noch einen Mann an Bord zu holen, der ab und zu ins Mikro grölt und die derberen Sachen übernimmt. Hattet ihr Skrupel, ins Blubox-Studio zu gehen? Das Studio ist ja nicht nur für Punkrock, sondern auch für Emo-Töne bekannt, die dir ja nicht sonderlich am Herzen liegen... Emo, iiiih! Nee, glatt gebügelt haben die absolut nicht. Im Gegenteil, von mir aus hätte der Sound ruhig ein wenig glatter sein können beziehungsweise der Gesang noch ein wenig mehr im Vordergrund. Das ist der einzige kleine Wermutstropfen, ansonsten ist für mich annähernd alles perfekt gemischt worden. Ich denke, dass der Gesang bei uns in Kombination mit dem Schub und den fetten Sounds das Wichtigste ist, doch bei all unseren Releases wurde er zu sehr in den Hintergrund gemischt. Wobei im Vergleich zum älteren Material der Noise-Faktor bis auf ein Minimum reduziert wurde, das Album klingt absolut straight und voll auf den Punkt. So wollten wir es auch, die Platte soll spätestens beim zweiten oder dritten Hördurchgang im Schädel hängen bleiben. Wir haben ein Jahr an dem Teil rumgemacht, drei verschiedene Studioaufenthalte hinter uns, einmal Blubox, zweimal bei uns, sind immer zwischen Blubox und Kiel hin- und hergedüst, um abzumischen, und insgesamt haben wir um die 30 Songs aufgenommen. Die Leute glauben immer, das alles sei ein Kinderspiel, aber in der Pladde steckt mindestens so viel Arbeit wie in... zum Beispiel der neuen Robbie Williams, denn wir haben keinen Produzenten, der uns alles vorlegt, sondern machen alles selbst. Da steckt schon eine Menge Blut, Schweiß und Tränen drin, wie man so schön sagt. Ihr habt die überschüssigen Tracks doch wohl nicht etwa in die ewigen Jagdgründe verbannt? Über den Verbleib der übrigen Songs haben wir noch keine Entscheidung getroffen. Wir wollten zwölf Hits und hatten keinen Bock auf das Prinzip: Studio buchen, Songs vorbereiten, Platte aufnehmen, verkaufen. Letztendlich sind die Leute anschließend doch enttäuscht, denn sie geben schließlich 15 Euro für das Teil aus, und da sollten sie schon Qualität erwarten dürfen. Vor allem in diesen Zeiten: Kein Mensch hat mehr Kohle, tausende von Platten kommen monatlich raus, und man wird nur verarscht von den Labels, denn in den meisten Fällen sind doch höchstens zwei, drei richtig geile Songs auf einer Scheibe, und den Rest kannst du in die Tonne treten. Die besten Songs werden schön nach vorne auf die CD gemacht, und was danach kommt, interessiert laut den Obermackern doch eh keinen mehr. Von wegen! Die Leute arbeiten ja auch für ihr Geld und wollen nicht verarscht werden! Das Geile an ‚German Angst’ ist, dass jeder Song gleichberechtigt ist. Der eine geht schneller ins Ohr, der andere langsamer, aber alle Tracks sind gleichwertig, und da bin ich schon verdammt stolz drauf. Wie man auf der Kölner Popkomm-Show hören konnte, bist du ja auch nicht gerade der größte Fan von Emo und „Punk“-Bands wie den DONOTS... Das geht mir vollkommen am Arsch vorbei. Was ist denn Emo? Emo ist ein Haufen weinerlicher Heulsusen, die sich lieber mal in die Wiege legen sollten. So Heulsusenmusik, da fehlt doch nur noch der Schnuller. Wobei Formationen wie HOT WATER MUSIC ja gerne in diesen Topf geschmissen werden, aber doch mehr zu bieten haben. Nee, solche Bands sind auch absolut okay, die haben ja richtige Männerstimmen. Ich meine eher diese androgynen Emotypen mit ihren halb langen Haaren und ihrem albernen Styling, die denken, sie sähen ‚sooo schick’ aus. Und die kleinen Mädels in den ersten Reihen mit ihren niedlichen Nietengürtelchen und ihren Girlie-T-Shirts. ‚Alter, geh’ kacken’, denk’ ich mir da nur, das ist nicht meine Welt! Bei H & M gab es vor einigen Monaten sogar eine „Punkrock“-Kollektion mit Flammenhemden und ähnlichem Schrott, was ja auch unter diese Kategorie fällt. Ich nehme an, du hast dich direkt neu eingekleidet? Ach du Scheiße. Und was machen die Leute dagegen? Gar nichts! Und dann kommen auch noch Kasperköppe wie die DONOTS daher und nennen sich zu allem Übel Punkrock. Ich meine, die machen ja ganz nette Popmusik, und wenn sie im Radio laufen, bekommt man noch nicht vollkommen das Kotzen, doch es ist eben Popmusik. Es gibt noch wesentlich schlimmere Sachen, aber dass das Label ihre Musik als Punkrock verkauft, ist doch absoluter Scheiß. Die sollen aus Labelsicht am besten so richtige Punkrock-Frisuren haben, Punkrock-T-Shirts, und dann setzen sie sich auch noch die Punkrock-Mütze so richtig schief auf und färben sich ihre Haare ganz punkrockmäßig schwarz und haben auch – nicht zu vergessen – ganz punkrockmäßig einen Nietengürtel um – denn als Punkrocker, man darf es nicht vergessen, muss man ja unbedingt einen Nietengürtel umhaben, und das ist dann Punkrock... Von wegen: Ist es eben nicht, sondern ein verfluchter Haufen Scheiße! Das erinnert mich doch an „Schauspieler“ und „Punkrocker“ Robert Stadlober. Auch einer deiner Lieblinge, oder? Das Paradebeispiel! Was ist denn Punkrock heutzutage? Punkrock ist für die doch gleich ‚süß’ und ‚cool’ und... Mädels-kompatibel. Dabei ist es doch das genaue Gegenteil, das darf es einfach nicht sein! Dafür stehen wir auch: Wir sind nicht cool, das hoffe ich zumindest, wir kommen aus Kiel, wir sehen scheiße aus, sind hässlich... drauf geschissen! Aber wo wir gerade bei den DONOTS sind: Das Gleiche gilt doch auch für die BEATSTEAKS, die darf man nicht vergessen. Wo sind die denn Punkrock? Die sind doch auch glatt gebügelt bis zum Geht-nicht-mehr. Nette Jungs, keine Frage, ich kenne den Schlagzeuger, supernetter Typ, aber es ist trotzdem kein Punkrock, kann’s gar nicht sein. Unsere letzte Platte war auch kein Punkrock, aber Punkrock ist, dass die neue Scheibe schneller und härter ist als die letzte. Welche Band bringt das denn schon? Die meisten werden doch von Album zu Album weicher, und natürlich verkauft sich so ein Mist zigmal besser als härtere Sounds. Wenn man Kommerzmusik macht, kann man schnelles Geld machen. Spielst du hingegen ehrliche Musik, wird man nie seine Miete einholen können... Wir hätten auch schon zehnmal eine Kommerzscheibe machen oder bei einem Majorlabel unterschreiben können, da gab es schon einige Interessenten. Aber das läuft halt nicht, zumindest nicht unter dem Namen SMOKE BLOW. Ich kann nicht ausschließen, dass ich nicht auch mal gerne ein paar Mücken machen möchte, aber dann stelle ich ’nen Schlagerhans auf die Bühne und lasse den singen, hehe. Ob man nun MODERN TALKING-Fan ist, oder nicht: Dieter Bohlens Buch zeigt in dieser Hinsicht sehr deutlich, wie das „Musicbiz“ tickt. Ja, und vor allem ist der Typ hundertmal ehrlicher als diese ganzen Emo-Heinis. Man soll doch sagen, wenn man’s aufs große Geld abgesehen hat und eine Musikart wie Punkrock zu etwas angeblich ‚coolem’ wie Snowboard-Untermalung oder sonstwas verkommen lassen will. Und ich spreche hier von richtig geilem Hardcore-Punk Anfang der 80er. Es ist mir wichtig, dass die Leute wissen, dass wir von genau diesen Bands beeinflusst wurden, also CIRCLE JERKS, alte MISFITS, BLACK FLAG, GERMS und so. Das ist Punk! Obwohl ihr schon vier Platten veröffentlicht habt, scheißt ihr im Gegensatz zu so mancher Band, die gerne mal einen Klassiker in den Dreck zieht, auf Coverversionen – und damit auch auf das schnelle Geld, wenn man an die unzähligen Schrott-„Bands“ denkt, die es mit einem verhunzten Original in die Charts geschafft haben. Wie kommt’s? Geil, der erste, der das bemerkt! Die Sache liegt auf der Hand: Coverversionen macht jeder, so was ist einfach total langweilig. Natürlich verarbeitet dabei jede Band ihre Einflüsse und versucht, dem ursprünglichen Track ihren Stempel zu geben, aber es wird nie jemand schaffen, besser als das Original zu sein. Wozu muss man dann eine Coverversion aufnehmen?! Das braucht doch kein Mensch!
 
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SMOKE BLOW - If you don’t blow you suck

Da sind sie ja wieder: die Kieler SMOKE BLOW, hart und herzlich aus Prinzip. Eine Band, die vom Punker bis zum Metaller eine erstaunlich breite Fangemeinde hat. Und das Image, ziemlich prollig zu sein. Dabei wollen sie doch nur spielen und tun eigentlich gar nix – außer feine Platten machen. Die neue ist jetzt auf Nois-O-Lution erschienen, ich durfte sie als erster hören, war schon Anfang Juni bei der Band im Mastering-Studio und ob des einmal mehr fetten Sounds direkt begeistert. Und so schickte ich den Nordlichtern eine Ladung Fragen per eMail hinterher, die von Fabrizio, Letten und Kentucky beantwortet wurden.Angesichts der sich vor Begeisterung überschlagenden Pressereaktionen auf das letzte Album würde ich schätzen, dass ihr sicher etwas unter Druck standet, den hohen Erwartungen mit dem neuen Album gerecht zu werden, oder?„Wir machen den Quatsch jetzt schon so lange mit, haben in den beschissensten Clubs gespielt und sind auch gerne mal tüchtig verarscht worden, so von wegen Vollarsch sein. Demnach kann es uns doch scheißegal sein, ob wir auf die Schnauze fallen oder ein Schulterklopfen einheimsen. Letztendlich sind wir doch froh, wenn es fertig ist und uns gefällt. Wenn jemand da draußen den Kram gut findet, den wir so fabrizieren, ist’s aber auch dufte.“Was ist eurer Ansicht anders an der neuen Platte, in welcher Hinsicht ist alles beim Alten geblieben?„Also, die neue Platte ist eigentlich wie immer, oder auch irgendwie total anders – wie man’s nimmt ... Tatsache ist, dass sich eine gewisse poppige Düsternis in den Sound eingeschlichen hat. Weiß der Teufel warum, aber irgendwie kommen die Vocals jetzt so Friedhofsgärtner-mäßig um die Ecke. Außerdem sind diverse, für uns völlig ungewöhnliche Stilelemente mit auf den alten Dampfer geladen worden. SMOKE BLOW hatten ja schon immer so eine doomige Hardcore-Schlagseite. Aber nun ist der Doom kapeister gegangen, stattdessen haben wir die poppigen Punkelemente ausgebaut, die auf der ‚German Angst‘ so durchaus schon vorhanden waren. Das heißt, schnelles Tempo mit mehr Fokus auf Melodien für Melonen. Fazit: Wir sind unschlagbar auf’m Wochenmarkt, sozusagen Gewinner auf dem ‚Karussell des Lebens‘.“Neues Label, neues Glück? Wieso Nois-O-lution? Ich meine, Arne ist doch Bayern-Fan.„Viel schlimmer ist, dass Arne gebürtiger Spar-Schwabe ist. Das heißt für uns: Keine große Pizza. Na ja, aber für eine deftige Teewurst-Stulle reicht’s noch so eben.“Aufgenommen wurde diesmal über einen längeren Zeitraum zu Hause, statt bei Guido Lucas, was ja doch eine andere Arbeitsweise ist. Erzählt mal, und warum diese Entscheidung?„Zu Hause haben wir die Möglichkeit, intensiver an dem Songmaterial zu feilen. ‚Dark Angel‘ sollte keine Bauchplatte wie ‚German Angst‘ werden. Wir brauchten einfach die Zeit, um einen relevanten Nachfolger zur ‚German Angst‘ zu schreiben. Guido hat leider nicht so viel Zeit, weil er ein Star in der Szene ist und auch ein bisschen Geld kostet. Leider sind wir bettelarm!“Wer war noch mit im Studio? Wie kam’s zur Zusammenarbeit mit Tom Schwoll, einst bei JINGO DE LUNCH, oder Bela B.?„Bela mag uns – aber nur ein bisschen. Wir haben ihn eingeladen und wollten eigentlich nur sehen, ob er wirklich kommt. Potzblitz, da stand er schon vor der Studiotür, um kurz darauf wie ein preußischer Zinnsoldat seinen Dienst an der Musik pflichtgemäß zu erfüllen. Er war locker und jeder sollte diesen Typ mögen. Zu Tom ist zu sagen, dass er Deutschlands allerbester Gitarrenspieler ist, einfach unglaublich. Wir hatten viel Spaß mit ihm.“Letten, du hast offensichtlich aber nicht mit Guido gebrochen, denn da gibt es ja auch noch GENEPOOL. Wie ist da der Stand der Dinge, wie kam es seinerzeit dazu?„GENEPOOL waren schon immer eine gute Band, davon gibt es nicht viele. Ich wollte eine sehr gute Platte mit ihnen machen. Sie hatten halt keinen Sänger, so haben wir in unzähligen Telefonaten diesen Bastard gezimmert. Leider habe ich nicht soviel Zeit, um auf Tour zu gehen, da ich noch viel arbeiten muss – traurig, aber wahr. Die Anderen hatten für meine Entscheidung Verständnis. Aber mal schauen, was die Zukunft bringt.“Laut Guido Lucas hast du auch so einen 80er Wave-Background. Und wie sieht die subkulturelle Sozialisation der anderen aus, welche Leichen habt ihr im Keller?„Ich fand schon immer alles scheiße, was die Masse gehört hat. War halt immer so ein schlechtgelaunter Penner – da passte mir dieser laute düstere Sound ganz gut in den Kram, BAUHAUS, THE CURE und so ... Doch bald schon sollte meine asoziale Ader durchbrechen und Eighties-Hardcore war das Ding der Stunde, das war noch so um einiges besser als alles andere davor – schön rumsumpfen und immer nur Party und Destruction. SUICIDAL TENDENCIES, RKL, JERRY’S KIDS, GANG GREEN, ADOLECENTS ... Alles unglaubliche Bands mit sehr viel cooler Attitüde. Kentucky hat ein Seelenleben wie ein Vietnamveteran, also total gestört, wie auch sein Musikgeschmack: MELVINS und diese kranke Amphetamine Reptile-Mischpoke – er heißt nicht umsonst Psycho-Ratte. Fabrizio ist voll Proll: Früher lief er mit Schnauzbart und Nackenpeitsche herum, igitt, aus dieser Zeit entstammt auch seine Bierplauze – der Soundtrack dazu lautete IRON MAIDEN und MÖTLEY CRÜE. Bäh! Greif Hellhammer ist ein scheiß Ökohippie, der am Strand gerne mal blankzieht. FKK zu den Tönen von Dub-Reggae, er ist halt so eine Weltenbummler-Dreadlocke, wenn Punk, dann BAD BRAINS. J. R. ist der Lebemann des Punkrock: immer sauber und geduscht, sozusagen aus gutem Hause. Leider sieht’s in ihm ganz anders aus, er ist nämlich der wahre Psycho-Punk und hörte schon immer alles, was mosht-thrasht-killt. Oh, da ist ja noch der hochprämierte Königspudel, means MC Straßenköter. Er sah mal gut aus, so surfpunk-mäßig. Leider richtet er sich momentan ziemlich zu Grunde – no perspective. Er lässt sich gehen und sieht bald aus wie Pig Champion. Straßenköter war schon immer so ein MC S. aka Ghettobastard. Fuck the world, this is hardcore. Aber Dicker, mach hier mal nicht auf Berlin. Fazit: Wir sind alle so Mittelstands-Kids mit einer Menge Wut im Bauch. Die Aggressionen müssen raus.“Gemastert habt ihr die Platte weit weg von Zuhause in Düsseldorf. Der entscheidende Schliff?„Jawohl! Der Mix wurde von Ulf Nagel diesmal etwas vorsichtiger angelegt. Das heißt, die Gitarrenwand steht nicht mehr nur im Vordergrund, um alles andere wegzudrücken. Nun steht der pralle Hörgenuss im Vordergrund. In Düsseldorf wurde die Musik aufs Optimum gepimpt.“Könnt ihr selbstanalytisch erklären, was euren doch eigenwilligen und sofort erkennbaren Sound ausmacht?„Sechs Typen machen miteinander Musik, jeder hat seinen eigenen Stil mit eingebracht. Wir sind gemeinsam gewachsen, und das jetzt seit zehn Jahren. Fast immer in der gleichen Besetzung, hier liegt unsere Stärke und Sicherheit. Wir sind eine Band mit Persönlichkeit, no fake-ass shit. The real deal from Kiel. Der Scheiß klingt einfach, aber nur in dieser Konstellation. Einfach eine richtige Band.“Auf die „German Angst“ folgt ein „Dark Angel“, Erklärungsversuche?„‚German Angst‘ ist ein klassisches Außenseiter-Album: Böse Emotionen im Hitformat – ein Bollwerk. ‚Dark Angel‘ hingegen umschmeichelt den Hörer mit düsteren Punkhymnen und hat noch bessere Songs.“Das Cover-Artwork, wer ist das? Marilyn Manson?„Nein, Didi Hallervorden.“Was geht ab in der „Black Church of America“?„Seitengescheitelte Anzugträger aus den amerikanischen Südstaaten. Sie verehren den Ku-Klux-Klan, haben eine operierte Frau, sechs Kinder, sechs Schrotflinten, einen Rottweiler und viele Leichen im Keller. Sonntags gehen sie frisch geduscht zur Messe und beten zu Satan.“Bei euch steht ein – von manchem Pressevertreter gerne strapaziertes – Proll-Image im Gegensatz zu privat ganz anders wirkenden Menschen. Wie kommt das, wie viel davon passt euch in den Kram, was nervt?„Eigentlich sind wir alle nett: Wir verkloppen niemanden, gehen arbeiten, helfen Omis, hüten Kinder und gehen mit Wau-Wau Gassi. Voll lieb also. Aber ab und zu darf mal auf den Putz gehauen werden – halt nicht immer so langweilig. Sind schon selber Schuld dran, nervt manchmal, ist aber irgendwie auch okay. Besser überhaupt ein Image als so eine langweilige Spaghetti ‚Bolo‘.“Ihr seid doch Punks, was finden die ganzen Metaller so toll an euch?„Finden die uns so toll? Keine Ahnung, vielleicht weil wir immer diesen Metal-Drive und dieses hymnenhafte Element in den Songs haben. Wir sind halt die IRON MAIDEN des Hardcore-Punks, oder meinetwegen die BLACK FLAG des Heavy Metal. Wir haben uns mit unserem fetten Arsch genau zwischen diese Stühle gesetzt.“Was bedeutet euch die Band? Ihr habt ja alle noch „bürgerliche“ Jobs ...„Hauptsächlich haben wir alle das Helfersyndrom und retten unser jämmerliches Dasein durch das gemeinsame Musizieren im Keller. Wir fahren fast ausschließlich die D.I.Y.-Schiene, das heißt also, dass viel Arbeit und viel Liebe in das Ding investiert werden muss. Das macht aber viel Spaß.“Was geht sonst so im SMOKE BLOW-Land?„Izzle Dizzle and the Doggyfizzle, it’s the puff-puff-pass and ultimate punky demon dizzle!“Na dann.
 
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SMOKE BLOW - Selbstbewusst, smart, super

Ich denke, bei einer Band wie SMOKE BLOW kann ich mir einleitende Worte sparen. Nun gut, vielleicht sollte ich erwähnen, dass dieser Tage ihr sechstes Album erscheint. Wie zu erwarten. schaffen es die Kieler ein weiteres Mal, etwaige Zweifler zu ignorieren, und knallen dem geneigten Fan das erhoffte Brett vor den Latz. Die sechs Typen haben den Dreh einfach raus, „Colossus“ verbindet große Melodien mit dem nötigen Biss, und kann getrost als Hitalbum bezeichnet werden. Wie auch immer, es gab genügend Gründe für unseren aktuellen Titel und das dazugehörige Gespräch. Also haben Joachim und ich an einem Montagabend die Frontmänner MC Straßenköter und Jack Letten am Düsseldorfer Hauptbahnhof abgepasst und in eine griechische Kneipe vors Mikro geschleppt. Bei einigen Bieren wurden die üblichen dummen Fragen gestellt und das Klischee vom maulfaulen Norddeutschen widerlegt. Fangen wir mal ganz direkt an: Habt ihr eigentlich Titten oder seid ihr durchtrainiert? Straßenköter: Ich hab schon so einen Hang zur Knabenbrust. Letten: Du hast auf jeden Fall tierische Titten, Alter. Ich habe eher den Hang zum Alkoholikerkörper. Dünne Arme, dünne Beine und eine kleine Schmierplautze. Also kein Sport zur Tourvorbereitung? Straßenköter: Komischerweise geht das auch ohne. Ich habe früher viel Sport gemacht, bin jahrelang Skateboard gefahren und habe irgendwann auch angefangen, so knastmäßig mit selbstgebauten Hanteln zu pumpen, aber aufgrund diverser Operationen und weil ich auch faul geworden bin, mache ich seit drei, vier Jahren gar nichts mehr. Eventuell hab ich noch ein paar Reserven. Natürlich ist Livespielen anstrengend, aber wenn man das regelmäßig macht, holt man sich die Kondition dann eher darüber. Letten: Ich starte immer wieder irgendwelche verzweifelten Versuche mit Sit-ups und so, lasse das aber nach ein paar Tagen wieder sein. Allerdings gehe ich immer fleißig mit dem Hund raus.„Colossus“ als Albumtitel gab es unter anderem schon bei CITIZENS ARREST ... Straßenköter: Bei dem Namen denke ich eigentlich eher an den Film „Big Fish“, da gibt es eine Szene, wo ein Typ aus einem Zirkuswagen kommt, auf dem „Colossus“ steht. Der Typ hat einen riesigen Auftritt, sieht aber aus wie eine kleine Memme. Trotzdem, als die Platte von CITIZENS ARREST rauskam, habe ich die auch gehört und fand damals schon, dass der Titel einiges aussagt. Letten: Ich muss zu meiner Schande gestehen, ich hab die Platte auch im Regal. Unsere Titel und Texte sind eh sehr häufig eine Reminiszenz an die Vergangenheit. Was das angeht, sind wir Melancholiker. Es ist also Zufall, dass es auch einen gleichnamigen Dechiffriercomputer gibt, und es besteht kein Zusammenhang zu euren neuerdings auch partiell deutschen Texten? Letten: Zufall kann es nicht sein, weil wir die Stücke ja bewusst aufgenommen haben. Straßenköter: Mit dem Plattentitel hat das gar nichts zu tun, die deutschen Stücke sind aus so einer Laune raus entstanden, weil wir wissen wollten, wie sich SMOKE BLOW auf Deutsch anhören. Wir haben festgestellt, dass die Sache klappt, ohne peinlich zu klingen.„Zombie auf'm Klapprad“ - Sozialkritik oder gibt es den Typen wirklich? Letten: Den Typen, um den es in dem Song geht, gibt es tatsächlich. Das war ein Punkrocker aus Eutin, der immer tiefer abgesunken ist, und den ich vor zwei Jahren in Hamburg wieder gesehen habe, wie er den „Wachturm“ verkauft hat. Ich denke, jeder aus der Szene kennt solche Typen – Punks, die sich früher total niedergemacht haben, und die dann ein paar Jahre später wieder aufgetaucht und komplett in die andere Richtung gerudert sind. Irgendwo ist das lustig, aber ist auch verdammt verzweifelt. Aber Sozialkritik, ich weiß nicht, vielleicht ein bisschen. Ich fand solche totalen Verlierer und Leute, die wie Christiane F. hinten runterfallen, halt immer schon interessant. Das ist aber auch ein Thema, was gut zu uns und der Platte passt. Der „Zombie auf'm Klapprad“ ist ein gutes Synonym für den tanzenden Penner mit vollgepisster Hose und Deutschlandtrikot, der uns seine gespielte gute Laune verkaufen will. Im Gegensatz dazu steht der Charakter im Song „Millionaire“, der am Strand Champagner schlürft. Letten: Das ist eine Nummer über Typen, die ihre Band gründen und denken, sie hätten den Style gepachtet, sie wären nächste Woche ganz oben und der kommende Superstar. Leute, denen egal ist, was sie machen, und die einfach nur Kohle verdienen wollen. Halt Arschlöcher wie BON JOVI oder Wichser, die einen Golf Bon Jovi fahren. Straßenköter: Der Song hat ganz klar eine ironische Sichtweise, die mit uns nicht viel zu tun hat. Bands sagen immer gerne : „Musikalisch ist unsere neue Platte ein weiterer Schritt nach vorn.“ Ihr auch? Letten: Finden wir gar nicht so, im Prinzip hat sich nichts geändert. Wenn überhaupt, ist die Platte ein Rückschritt, und zwar einer, der unsere komplette Diskografie beinhaltet. Das Album klingt wie ein total unverbrauchtes und unreflektiertes Debüt. Das Ungewöhnliche ist für mich, dass sich die Musik anhört, wie die von Sechzehnjährigen, die ihren eigenen Punkrock-Style kicken, dabei ist die Platte aber von fast Vierzigjährigen aufgenommen worden. Es fällt aber auf, dass sich auf den letzten beiden Alben die Melodien manifestiert haben. Letten: Wenn wir es doch einfach draufhaben, gute Pop-Punk-Melodien zu schreiben, warum sollen wir das dann nicht machen? Auf den ersten vier Platten konnten wir das nicht beziehungsweise wussten nicht, wie wir es umsetzen sollten. Wir kommen halt aus dem Hardcore von Anfang/Mitte der Achtziger, haben aber auch gar kein Problem, noch weiter zurückzugehen, und Sachen aus der Vergangenheit zu holen, die wir damals nicht gehört haben, weil wir so was nicht verstanden haben. Zeugs wie die REZILLOS, die beim ersten Hören eher banal klingen. Straßenköter: Auch Bands wie JOY DIVISION, wo wir früher gedacht haben, das ist ja überhaupt nicht hart. Letten: Ich krame häufig alte Sachen raus, weil mich vieles Neues überhaupt nicht anspricht. Das klingt alles nur aufgewärmt und wird nie an den Charme und die Intensität der Originale herankommen. Wo liegt denn dann der Unterschied solcher neuer Platten zu euren Veröffentlichungen? Letten: Wir machen es, im Gegensatz zu anderen, verdammt gut. Wir schreiben richtig gute Songs, mit richtig guten Strophen und richtig guten Refrains, die teilweise nur aus zwei oder drei Akkorden bestehen. Dieser ganze progressive Scheiß geht mir total auf den Sack. Unsere Marschroute war, sich auf das Allernötigste zu beschränken. Wer traut sich das schon heutzutage? Und dann auch noch als Band mit unserem Standing ... Straßenköter: Es muss musikalisch gar nicht so anspruchsvoll sein, es geht um kleine Melodien, den Slogan und das Feeling. Bei Bands wie MARS VOLTA denke ich: Kommt doch mal zum Punkt! Wie auch immer man dieses Jazz- und Mathcore-Gefrickel nennen mag, ich will am Ende des Liedes sagen, das war geil, und nicht groß darüber nachdenken müssen, warum. Glaubt ihr, diesen Weg werden alle eure Fans mit euch gehen? Letten: Nein. Natürlich werden damit einige Leute nicht klarkommen. Wer total auf die Alben „777 Bloodrock“ und „German Angst“ abfährt, wird feststellen, dass dieser Sound einfach nicht mehr gegeben ist, und springt ab. Das kann uns doch egal sein. Ich fand früher die instrumentale Phase von BLACK FLAG auch nicht toll. Straßenköter: Man muss sich von einer Band auch trennen können. Ein Problem mit dem Selbstbewusstsein scheint ihr nicht zu haben, gibt es nicht manchmal auch Zweifel? Straßenköter: Natürlich gibt es während des Aufnahmeprozesses immer wieder Punkte, wo man die Musik nicht mehr hören kann, aber das ist ganz normal. Immerhin beschäftigt man sich mit den Songs auch schon seit zwei Jahren. Zweifel würde ich das nicht nennen. Letten: Ich würde liebend gern hier sitzen und zugeben, dass „Colossus“ hier und da noch etwas besser hätte werden können, aber sorry, so ist es nun mal nicht. Das Album ist so, wie es ist, einfach super. Natürlich befallen mich immer wieder mal Zweifel, aber nicht in Bezug auf die neue Platte. Das geht dann eher in Richtung letzte Platte, bei „Iron in my soul“ beispielsweise verstehe ich gar nicht mehr, was für ein Teufel mich damals geritten hat, weil ich den Song heute total platt und doof finde. Das Stück hat einfach keine lange Halbwertzeit. Es gibt natürlich immer noch Leute, die den Song lieben. Entschuldigung, Freunde, ich kann das aber nicht mehr nachvollziehen. Spielt ihr solche Stücke dann trotzdem noch live? Straßenköter: Ich glaube, das spielen wir schon seit einiger Zeit nicht mehr. Wir können es nicht jedem recht machen, das ist auch gar nicht unser Job. Da sagen wir dann nein. Auf der anderen Seite gibt es Stücke, die wir noch nie gespielt haben, das kommt halt immer darauf, ob die Sachen live kompatibel sind. Ohne Proben sind wir dazu in der Lage, dreißig Prozent von unseren Stücken zu spielen, die wir bringen können, wenn wir Bock haben. Das füllt immerhin zweieinhalb Stunden aus. Letten: Es ist eher ein Mangel an Zeit, um alte Songs wieder drauf zu haben. Pro Nummer kostet uns das schon dreißig bis vierzig Minuten, und das umgehen wir dann schon mal, weil uns die Lust fehlt. Um noch mal zu den neuen Stücken zurückzukommen, bei denen steht man häufig so dahinter, dass es sogar zu körperlicher Gewalt kommen kann. „F.S.O.S.“ ist so ein Beispiel, das GERMS-Zitat darin bedeutet mir nun mal eine Menge, weil es ein bestimmtes Gefühl von Verzweiflung beschreibt. Du stehst vor einem leeren Saal, und wenn auch nur einer da ist, dann haust du halt dem vor die Fresse. Straßenköter: In dem Fall war ich das. Als mir Letten das Stück zum ersten Mal vorgespielt hat, und fragte, was ich davon halte, habe ich gesagt, ich weiß nicht, und schon hab ich was abgekriegt. Wie häufig probt ihr? Straßenköter: Verschieden, momentan eher weniger. Aber es gibt Zeiten, da sind wir zwei Mal die Woche im Proberaum. Wenn wir Konzerte spielen, ist es nicht unbedingt nötig, unter der Woche auch noch zu proben. Ich wohne inzwischen in Hamburg, da ist es schon stressig, direkt nach der Arbeit nach Kiel zu fahren und nach der Probe dann wieder zurück. Da kann es schon vorkommen, dass sich der Spaß etwas verschiebt. Aber es muss einfach sein, wir haben das gemeinsame Ziel, dass die Musik live gut klingt, und ohne Üben kriegt man das halt nicht hin. Letten: Häufig steht man nur genervt rum, ist gelangweilt und hat keinen Bock auf Rumschreien. Da braucht man keinem was vormachen, wir sind ja nicht Typen, die nur in diesem Punk-Film leben. Wir müssen auch unsere Rechnungen bezahlen und haben andere Probleme, als im Proberaum „777 Bloodrock“ zu spielen. Das Album hat ein prägnantes Artwork: Eine Art Roboter-Riese, der aus Ghettoblastern besteht. Was hat es damit auf sich? Straßenköter: Früher beim Skaten hatten wir immer einen Ghettoblaster dabei, da kamen acht von den dicken Batterien rein, die nach einer Stunde leer waren, wenn man voll aufgedreht hat. Wir haben natürlich nicht recycelt und die Dinger einfach vergraben. Letten: Den Roboter vom Cover gibt es wirklich, der wurde von einem Freund, halt so ein Künstlervogel, als eine drei Meter große Installation aus gebrauchten Ghettoblastern vom Schrottplatz zusammengeschraubt. Davon haben wir ein Foto gemacht und dann die Mondlandschaft drumherum am Computer einfach dazu gebaut. Das Cover spiegelt schon ein Stück weit Verzweiflung wieder, ein Roboter, der nur aus Lautsprechern besteht, aber keiner ist da, der ihn hört. Eine tragische Gestalt wie wir. Stichwort: neues Label. Letten: Uns hat bei der Wahl nur interessiert, was das Label bis dahin rausgebracht hat. P.I.A.S. hat mit Punkrock und Hardcore eigentlich nichts am Hut, was uns ganz gut in den Kram passt. Die haben eine Menge Elektromusik im Programm, was uns einen gewissen Exotenstatus verleiht. Wir wollten auf keinen Fall bei irgendeinem Metal-Label unterkommen, und genauso wenig wollten wir zu irgendeinem Major gehen. Das wäre uns alles viel zu groß und mit viel zuviel Klimbim verbunden. Natürlich fände es jede Band geil, wenn sie irgendjemanden hat, der für einen überall dick rumrührt und ein fettes Video produziert. Aber lassen wir die Kirche mal im Dorf, dafür ist uns das alles auch nicht wichtig genug. Solange die Sache irgendwie geerdet und cool ist, geht das für uns in Ordnung. Wenn das alles zu groß wird, frisst es einen auf, und das wäre schade. Eine Band wie wir wäre auf einem Majorlabel zum Scheitern verurteilt. War D.I.Y. in der Beziehung jemals ein Thema für euch? Straßenköter: Ja, aber wir sind einfach zu faul. Letten: Wenn du alles selber machst, musst du dich um so viele Dinge kümmern, auf die ich einfach keinen Bock habe. Für mich ist das Musikmachen an sich wichtig, ich habe keine Lust mich mit dem ganzen Quatsch, der da dran hängt, auseinanderzusetzen. Und was ist mit den teils ausverkauften alten Platten, wird es irgendwann Neuauflagen geben? Letten: Für mich macht das eher wenig Sinn, jede Platte steht für sich und damit für eine bestimmte Zeit. Vielleicht wäre es okay, die Sachen noch mal zu veröffentlichen, aber da muss man auch erst wieder die alten Masterbänder besorgen, sich um ein neues Artwork kümmern und so weiter. Dafür sind wir einfach zu faul. Straßenköter: Wäre das nicht eine gute Überschrift: SMOKE BLOW – Die faulste Band Deutschlands? Ihr seid aus dem hohen Norden und die allerbeste Band. Gibt es in Sachen Punkrock in Deutschland also ein Nord-Süd-Gefälle? Straßenköter: Ich kenne mich mit deutschen Punk-Geschichten nicht so wahnsinnig aus. Aber klar, Unterschiede gibt es. Die SPORTFREUNDE STILLER kicken eben einen anderen Style als OMA HANS. Punkrock hat immer was mit Wut im Bauch zu tun, mir kommt es manchmal so vor, als würde dieses Gefühl in Süddeutschland aufgrund des Wohlstands fehlen. Gegen was außer Preußen sollen die auch schon groß rebellieren? Letten: Punkrock hat immer was mit der regionalen Szene zu tun, die jeweils ihre eigenen Bands pusht. Bei uns in Kiel werden momentan TACKLEBERRY abgefeiert, die haben eine Russlandtour gespielt, und natürlich ist man da stolz drauf. Aber denselben regionalen Stolz wirst du auch in Süd- und Mitteldeutschland finden, gerade auf die jungen Bands. So muss das sein. Was Punkrock ausmacht, ist nun einmal die eigene Szene, und die sollte man unterstützen. Jungs, besten Dank für das Gespräch. Lars Koch, Joachim Hiller
 
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SMOKE BLOW - Der Werwolf in der Hosentasche

Mitte Dezember, kurz bevor der Schnee einsetzte, der Deutschland aus dem Gleichgewicht brachte, baten Jack Letten und MC Straßenköter von SMOKE BLOW zum Interview. Dieses fand an einem tristen Dienstagnachmittag in einem Kölner Hotel statt, welches ansonsten eher ein biederes Klientel bedient. Dort fläzen sich diese zwei Chaoten in die Polster und machen sich die Pressetermine mit herbem Bier und fettiger Pizza erträglicher. In einem abseits liegenden Konferenzsaal beantworteten die zwei Mittdreißiger mit charmanter Kieler Schnauze meine Fragen in einer Art, die gleichzeitig lapidar, frech, humorvoll, ehrlich und nachdenklich erscheint. Zwar wollte ich hauptsächlich ein paar Informationen zum neuen, im Vergleich zu den Vorgängern schon etwas anderen Album namens „The Record“ sammeln, doch – wie man es von den beiden gewohnt ist – wurde der Fokus schnell auf andere Themen verlagert, mit denen man vorher so gar nicht rechnen konnte.Im letzten Ox-Interview wurdet ihr mit der Frage konfrontiert, wie es körperlich um euch bestellt ist. Die Begriffe „Knabenbrust“ und „Männerbusen“ sind in diesem Zusammenhang gefallen. Seitdem sind knapp zwei Jahre vergangen. Was ist in dieser Zeit passiert in Sachen körperlicher Verfall?Straßenköter: Es ist ein ständiges Auf und Ab! Ich hatte mal ’ne Phase, in der ich ganz viel Sport machte und es dann wieder habe sausen lassen, Mein Verhalten ist da also eher so Jo-Jo-artig. Der momentane Zustand ist aber okay. Außerdem muss ich Kitesurfen lernen, meine neue Freundin drängt mich dazu. Ich muss also noch sportlicher werden. Warten wir es ab, bis der Neoprenanzug an meiner Haut anliegt. Mal gucken, wie das aussieht, haha.Letten: Bitte nicht, hehe. Ansonsten fühlt man sich wohl in seiner fetten Haut. Ich hab einen Hund, daher muss ich sowieso raus und bin immer in Bewegung. Auch jobbedingt. Daher geht es mir eigentlich ganz gut.Das zugehörige Ox-Cover mit eurem Männerkuss war auch sehr schön. Was habt ihr darauf für Reaktionen geerntet?Letten: Die Reaktionen waren durchweg positiv. Das war auch sehr lustig: die vermeintlich harten Typen, die sich da einen Schmatzer auf die Backe drücken.Und wie wurde im Nachhinein das Cover von „Colossus“, dem vorangegangen Album, aufgenommen? Also das Männchen, das komplett aus Ghettoblastern besteht, also auch sein gut sichtbarer Penis? Kam da noch was?Letten: Ein paar fanden das schon irgendwie doof, prollig und machoartig. Ich fand diesen Roboter eher charmant und selbstironisch.Straßenköter: Mir ist das gar nicht so aufgefallen. Ich habe den Dödelmann erst nach dem vierten, fünften Mal realisiert. Der ging irgendwie unter.Du hast gerade „prollig“ erwähnt. Viele unterstellen euch eine gewisse „Prolligkeit“ beziehungsweise ihr selbst habt dieses Image kultiviert. Wenn man klug genug ist, erkennt man die selbstironischen Züge. Aber wie bewerten andere Leute euer Image? Stoßen euch da viele vor den Kopf und fragen sich, was ihr für Asis seid?Straßenköter: Hintenrum, na klar. Da gibt es natürlich Leute, die sich auf den Schlips getreten oder sich persönlich angegriffen fühlen. Aber sie können es halt nicht trennen und denken, sie wären gemeint – aus welchen Gründen sie sich auch immer angesprochen fühlen. Zugegeben, manchmal sind wir natürlich auch persönlich. Aber im Grunde genommen: Quatsch!Letten: Wir sind ja nicht nur prollig, sondern manchmal auch charmant! Eigentlich sind wir total nett. Man muss das alles mit dem berühmten Augenzwinkern sehen.Das Prollige kommt bei den Live-Shows durch, wo aber das Nette?Letten: Hey, manchmal aber auch durchaus bei den Shows!Straßenköter: Zum Beispiel, wenn Getränke mit dem Publikum geteilt werden – trotz diverser Krankheiten, die man sich einfangen kann.Letten: Wenn Kinder vor der Bühne stehen, sind wir immer handzahm und wissen uns dann durchaus zu benehmen. Aber bevor es zu langweilig wird, sollte man eine gute Dosis Prolligkeit ins Geschehen einfließen lassen. Es muss halt ausgewogen sein. Meine Güte, was ist denn überhaupt prollig? Wir sind halt ein wenig offensiv, lebenslustig und wollen Spaß haben. Und wenn die Leute sich im Rock/Punk/Metal-Rahmen bewegen und nur eine hochprofessionelle Band sehen wollen, die sich artig bedankt und die richtigen Sprüche zur richtigen Zeit bringt, dann tut uns das herzlich leid. Das ist nicht mein Verständnis von Punkrock!Mittlerweile seid ihr etabliert genug, als dass man euch noch falsch interpretieren könnte.Letten: Das denkst du! Es gibt durchaus Gegenden, wo wir spielen und die Leute dann sehr, sehr verstört auf uns reagieren. Und dann gibt’s fast auf die Fresse.Straßenköter: Auf dem Frequency-Festival in Österreich war deutlicher Hass zu spüren! Klar, da hatten wir richtig schlechtes Wetter, die Bühne war nass und wir hatten Angst um die ganze Elektronik. Wir dachten: „Vielleicht sterben wir an diesem Abend.“ Wir sind auf die Bühne gegangen und haben gut auf die Tube gedrückt, und das Publikum hat natürlich so reagiert, dass sie uns mit Matsch beschmissen haben. Und wir haben natürlich ordentlich zurückgeschmissen, das war schon ein bisschen Kindergarten.Letten: Du musst aber auch erwähnen, dass wir die Initialzündung gegeben haben mit dem Satz: „Ihr seid das beschissenste Publikum, vor dem wir je gespielt haben!“ Das ist natürlich der Volltreffer ins Schwarze, den wir immer erzielen, um die gehörige Portion Hass ins Spiel zu bringen.Straßenköter: Dadurch vergessen die das Konzert aber nicht, egal wie. Auch wenn es negativ belastet war, ist das auch positiv. Die werden sich schon daran erinnern.Auch negative Publicity ist Publicity. Zum neuen Album wollte ich ein paar Fragen stellen und zwar ...Letten: „The Album“, Daniel Schuhmacher, ne?Ist das einer von „Popstars“, oder so? Ach, daher heißt euer neues Album „The Record“.Straßenköter: Ja, von dem haben wir das geklaut.Letten: Da haben wir uns ein wenig vom Daniel beeinflussen lassen.Ich kann mir nicht vorstellen, dass Daniel und Co. diese Verbindung schnallen werden.Letten: Das muss er auch nicht wissen.Es gibt schon wieder neue „Popstars“? Also, ich muss zugeben, dass ich so etwas nicht gerne gucke.Straßenköter: Das war so finster, ey. Ich gucke es auch nur ab und an mit einer Freundin von mir. Oberpeinlich war das, die arme Rihanna. Dass die so eine Scheiße mitmacht. Aber es geht hier eigentlich nur um Detlef D! Soost, um „Psycho D!“.Warum sollte man D! eigentlich hassen?Straßenköter: Aufgrund seiner unglaublichen Selbstgerechtigkeit. Außerdem hat der wohl Borderline: diese Gewaltausbrüche, um dann im nächsten Moment wieder rumzuheulen. Das ist mir zu hart. Und man kann ihm sein Tanzen vorwerfen!Letten: Was ich ganz schlimm fand, war der Spruch, den er einem Kandidaten gebracht hat, von wegen: „Du bist ein Verlierer, ein Loser!“ Das im Fernsehen zu sagen, ist das absolut Schlimmste, was du bringen kannst. Das ist schon ein Verbrechen. Das sind ja fast noch Kinder! Dafür sollte D! eigentlich bestraft werden.Soll ich festhalten, dass „The Record“ eine Lobhudelei auf Daniel Schuhmacher ist?Letten: Nein! Wenn schon Lobhudelei, dann auf FEAR, eine viel zu wenig beachtete Hardcore-Band aus L.A. der frühen Achtziger. Die hatten auch „The Record“ und einige sehr großartige Punkrock-Hits wie „I love living in the city“.Resultiert daraus die extrem Hardcore-lastige Ausrichtung der Platte? Die ist diesmal richtig hart ausgefallen. Woher kommt es, dass ihr mehr Wut im Bauch habt?Letten: Das hat sich im Anschluss an die Aufnahmen und den Tourprozess der letzten Platte ergeben. Wir haben uns im Sommer vor anderthalb Jahren vorm Proberaum getroffen, an einem tierisch heißen Tag in Kiel, und jemand hat vorgeschlagen, zu grillen.Straßenköter: Grillen oder Auflösen!Letten: Dann haben wir uns überlegt, was wir nun machen, damit uns die Sache überhaupt noch Spaß bringt. Da musste ein wenig frischer Wind her. Wir haben jetzt zwei Hookline-lastige Alben gemacht, das hat dann auch gereicht. Für das neue Album haben wir uns einen gewissen Zeitrahmen gesetzt, um Inspiration zu bekommen. Diese bezog sich dann auf die Musik Mitte der Achtziger bis Mitte der Neunziger. Wir wollten ein straightes Album machen, das schnell ist und relativ wenig Schnörkel beinhaltet, aber trotzdem über die üblichen SMOKE BLOW-Trademarks verfügt – aber nicht mit zu viel Melodie!Also liegt das Album einem konkreten Konzept zugrunde.Letten: Genau. Dann haben wir direkt im Proberaum losgelegt. Wir haben ein halbes Jahr nur gejammt und uns dann in diesem Stil eingefunden, was für unseren Drummer Fabrizio eine ganz große Umstellung war, da er sich auf dieses Hardcore-Geknüppel einstellen musste.Ihr habt letztens in Köln bei einem Auftritt schon viele neue Songs vorgestellt. Wie kamen die an?Letten: Die kamen eigentlich ziemlich bombig an. Das war bei uns immer so, wenn wir harte Platten gemacht haben: Dann wurden die neuen Sachen mit offenen Armen empfangen. Die melodischeren Platten haben es immer schwerer gehabt und haben bei den Leuten eher nach einem Jahr oder so gezündet. Damit haben die eher Schwierigkeiten, sich zurecht zu finden. Man liebt dann doch das Dreckig-Böse an uns.Dreckig-böse ist vor allem die Nummer „I have lived in a monster“. Das ist wohl der härteste Song, den ihr je aufgenommen habt, und klingt schon fast nach Death Metal, es werden als Einflüsse ENTOMBED und Black Metal genannt. Hört ihr auch solche Sachen oder ist der „Härtegrad“ durch das Hardcore-Konzept zu erklären?Letten: Vom Schlagzeug her ist das schon D-Beat, also Crustcore Richtung WOLFPACK oder DOOM. Und dann hat er noch eine Black- und Death-Metal-Kante gekriegt. ENTOMBED hast du ja schon genannt, welche momentan ja öfter als Referenzband aufgezählt wird. Die haben es auch verdient und können nun endlich die Früchte ernten, die sie gesät haben. Die waren einer unserer Einflüsse, zu ihrer rockigen Phase – „Wolverine Blues“ und „To Ride, Shoot Straight And Speak The Truth“. Auch ein paar Black-Metal-Geschichten wie IMMORTAL finde ich sehr gut, und ich mag auch die rockigeren Sachen wie SATYRICON. Ein großer Einfluss kam auch noch aus dem Straight-Edge-Hardcore: CHAIN OF STRENGTH. Und POISON IDEA. Eben alles, was knallt!Sind diese Einflüsse für jedes Bandmitglied okay?Straßenköter: Auf jeden Fall. Ich habe Black Metal auch für mich entdeckt. Jahrelang habe ich das eher so als Randerscheinung gesehen, zwar irgendwie spannend, aber ich hatte noch keine Lust, mich damit zu beschäftigen. Mittlerweile sieht es schon anders aus, auch weil unser Schlagzeuger sehr Metal-affin ist und immer wieder solche Sachen anschleppt.Dementsprechend sind auch die Texte auf dem Album recht knallig, durchaus hasserfüllt, und gesungen wird über Nekrophilie, Leichen, Zombies, Tod und andere Horrormotive.Straßenköter: Im Grunde genommen sind das nur Texte, die man natürlich individuell ummodellieren kann. Quasi Alltagsgeschichten, beschrieben mit anderen Worten, als Comic. Oder als Zustand, wie man sich gerade fühlt. Es ist also nicht eins zu eins zu übernehmen. Wir sind jetzt keine nekrophilen Menschenhasser, oder so.Ihr spielt also mit dem Klischee. In diesem Sinne finde ich euren Text zu „March on to victory“ auch sehr interessant, eine totale Payback-Hymne. Der Titel hingegen hat einen euphemistischen, wenngleich militanten Unterton. Welcher Sieg wird anmarschiert?Letten: Der Text bezieht sich ganz konkret auf eine Person, mit der ich leider in meinem Leben auskommen muss und der ich wirklich alles Miese wünsche. Das soll mir ein bisschen Mut machen, die Zeiten mit dieser Person durchzustehen, hehe. Da spielt Hass tatsächlich eine ganz konkrete Rolle.Der Text als Katalysator für Hassgefühle also?Letten: Auf jeden Fall. Ich weiß nicht, ob dir das in deinem Leben schon einmal widerfahren ist, dass du echt mit einer Person zu tun haben musst, die du wirklich abgrundtief verabscheust, und du immer mehr merkst, dass die einfach nur krank ist und Schlechtes will. Da muss man sich auch schon einmal ein bisschen Mut zusprechen, hehe.„Broken bonds of friendship“ erweckt ebenfalls den Anschein, dass es ein sehr persönlicher Text ist. Welche Freundschaft ist zerbrochen und was hat die Geschichte für Hintergründe?Letten: Das ist ein Szenetext. Es geht um die Erwartungshaltung, die an uns gestellt werden. Manche meinen, uns in irgendeine Richtung drücken zu müssen. Was wisst ihr schon? Wenn denen etwas nicht passt an unseren Platten oder unserem Style, dann sollen die einfach gehen. Dann ist die Freundschaft zerbrochen. Wir lassen uns nicht fremdbestimmen und machen das, was uns Spaß bringt. Wir sind ja keine Business-Band, sondern eine Fan-Band. Wir sind Fans von Rockmusik, harter Rockmusik, noch härterer Rockmusik und ziehen überall unsere Einflüsse heraus. Wenn irgendein „Metallianer“ mit der „Colossus“-Platte nichts anfangen kann, weil er die RAMONES nicht verstanden hat, dann bin ich der Erste, der die Freundschaft bricht.Wie muss man denn die RAMONES verstehen?Letten: Ich sehe nur die großartigen Melodien, dieses Bubblegum-hafte, Sixties-artige. Ich liebe die RAMONES, so wie ich vieles andere auch liebe. Ich kann halt dieses Kastenförmige von gewissen Leuten einfach nicht ertragen.Dieses vielbeschworene Schubladendenken.Letten: Schubladendenken ist ja in Ordnung, um Sachen einzuordnen und für sich zu sortieren. Aber sich selbst zu verbieten, diese Schubladen aufzumachen und sich selbst das Leben schwer zu machen, das ist so etwas typisch Deutsches. Die Welt der Musik ist so groß und vielfältig, und Musiker sollten sich auch selbst verändern, neue Sachen ausprobieren und entdecken. Vor allem auch Musikjournalisten. Ich finde es oft sehr, sehr schade, dass sich Leute Musikjournalisten schimpfen, aber von gewissen Bereichen keine Ahnung haben. Da steht einer auf progressiven Metal, will Musikjournalist sein, aber versteht die RAMONES nicht. Das ist für mich kein Musikjournalismus, das ist Schlampigkeit. Wenn ich so meinen Beruf machen würde, dann würde ich gefeuert werden. Das ist meiner Meinung nach Arbeitsverweigerung.Wie sieht es bei euch aus? Hört ihr euch auch komplett andere Genres an?Straßenköter: Ich höre mittlerweile kaum noch Hardcore. Es gibt natürlich Phasen, in denen ich eine alte Platte auflege und die dann auch abfeiere. Aber zur Zeit habe ich eher so eine VELVET UNDERGROUND-Phase und habe zwei Jahre lang fast ausschließlich HipHop gehört. Das, was wir da auf Platte fabriziert haben, steht musikalisch im Mittelpunkt, einfach, weil ich damit aufgewachsen bin und weil mich das am meisten bewegt hat, weil es neu und frisch war. Und je mehr Musik man hört, desto abgeklärter wird man und hat nicht mehr diesen Spirit von früher. Aber das gibt mir einfach ein Stück Vergangenheit zurück. Vielleicht ist es Nostalgie, vielleicht sind wir auch Anachronisten, keine Ahnung.Auf „The Record“ sind alle Texte auf Englisch, im Gegensatz zum deutsch-englisch gemischten Vorgänger. Straßenköter: Deutsche Texte hätten hier einfach nicht gepasst, da die neue Platte grundlegend amerikanisch beeinflusst ist.Auf „Colossus“ gab es oft Kommentare zu gesellschaftlichen Phänomenen, wie in „Zombie auf’m Klapprad“, einer tragischen Geschichte über einen Borderliner. Die neuen Texte scheinen keinen gesellschaftskritischen Hintergrund zu haben, sondern sind eher persönlicher Natur.Letten: Doch, denn auch wenn es irgendwie abgedroschen klingt: Ein immer wieder auftauchendes Element ist die Gesellschaft – und wir, die sich nicht in eine dieser Gruppen einfinden können, ständig gegen Wände laufen. Ich schätze mich als einen sozial intelligenten Menschen ein, das ist mir auch schon attestiert worden. Was den anderen Bereich der Intelligenz angeht, bin ich unterdurchschnittlich, aber ich habe eine hohe soziale Intelligenz. Ich analysiere viel und mit dem, was ich sehe, ist nicht immer einfach klarzukommen.Soziale Intelligenz, ist das so etwas Ähnliches wie die emotionale Intelligenz? Bezieht diese sich konkret auf den Umgang mit Menschen?Letten: Auch, das ist ein Teilaspekt davon. Du siehst die Menschen und bemerkst, dass sich die Leute, vor allem im fortschreitenden Alter, immer stärker verändern und an den eigenen Profit denken, den Ellbogen ausfahren und zu Bestien werden. Und da fühlt man sich immer mehr außen vor. Ich war sowieso immer außen vor und habe noch nie irgendeiner Gruppe angehört, sondern mein eigenes Süppchen gekocht. Das wird im Alter immer schwieriger, auch weil man Kinder hat und dann mit anderen Elternteilen zu tun, die man auf dem Spielplatz trifft: Alles Idioten! Und es zählt nur noch: Haste was, dann biste was! Es ist verdammt traurig, dass Menschlichkeit in unserem kapitalistischen System einfach keine Bedeutung mehr zu haben scheint.Demnach ist unsere neugewählte schwarz-gelbe Regierung wahrscheinlich auch nicht in eurem Sinne?Letten: Das ist der Tod, oder? Man sollte einfach in den Wald ziehen und sein eigenes Ding machen ...Straßenköter: Black-Metal-mäßig, ’ne?Zurück zur Musik: Vorhin haben wir auch kurz über Engstirnigkeit und Schubladendenken gesprochen. Mittlerweile habt ihr ein musikalisches Repertoire, das Punk, Stoner, Rock, Metal, Hardcore, Surf und Crust mit einbeschließt. Dass die Fans das mitmachen, ist eigentlich schon erstaunlich.Straßenköter: Respekt für uns!Letten: Ja, komisch. Aber vielleicht entdecken die mit uns einfach ein paar Sachen, die sie vorher nicht kannten. Ich sagte ja schon, dass gerade die melodischeren und poppigen Sachen den Leuten Magenschmerzen bereiten. Dann gibt es auch die eine oder andere böse Reaktion. Dann trifft man aber diese Leute nach einem Jahr wieder und sie sagen: „Das ist jetzt meine Lieblingsplatte!“Auf eurem neuen Cover befindet sich dieser wunderschöne ... ich glaub, es ist ein Panther ...Letten: Das ist der Icewolf!Staßenköter: Panther? Panther sind doch schwarz.Auf eurem Band-Shirt ist der „Icewolf“ sogar blau. Auf jeden Fall hat er einen ziemlichen Achtziger-Touch und sieht aus wie eins dieser Postermotive, die man in dieser Zeit an seiner Zimmertüre hängen hatte.Straßenköter: Das ist ein Kirmesaufkleber gewesen, den hatten wir nach einem Konzert von einer Tür abgekratzt, das muss ewig lange her sein.Letten: Der klebte an einem vollgetackerten Garagentor. Ich habe den abgezogen, weil ich den so geil fand, und ihn dann in die Hosentasche gesteckt. Ein halbes Jahr später habe ich die Hose dann wieder ausgebuddelt und den Aufkleber wieder entdeckt. Unser Layouter hat das Motiv dann bearbeitet und verändert.Wegen Copyright?Letten: Auch deswegen. Hauptsächlich haben wir den aber ein bisschen böser gemacht.Straßenköter: Der sah vorher zu harmlos aus und hatte noch nicht die Reißzähne.Letten: Für mich ist das ein Werwolf. Hauptsache gefährlich. Und kein Totenkopf, das war damals die Prämisse! SMOKE BLOW aus Kiel sind seit 1997 aktiv. Und ja, sie sind eine Punkrock-Band, auch wenn der Begriff „Punkrock“ hier nur bedingt zutrifft, denn die Musik des Sextetts ist recht scheuklappenfrei, man stößt auf Elemente aus Noise-, Stoner- und Surf-Rock, Hard- und sogar Crustcore. Diese Stilvielfalt lässt sich schon in Grundzügen auf dem Debüt „Smoke’s A-Blowin’ Black As Coal“ (1999, Loudsprecher) erkennen. Seit dem vierten Album „German Angst“ (2003, Nois-O-Lution) arbeitet man mit dem zweiten Sänger MC Straßenköter zusammen, einem „alten Skateboard-, Sauf- und Punkrock-Kumpel“ von Frontmann Jack Letten. In dieser Besetzung hat man für Nois-O-Lution auch das Album „Dark Angel“ (2005) aufgenommen. Das 2008er Album „Colossus“ wurde dann auf PIAS veröffentlicht. Hier erscheint auch „The Record“, das ab Februar erhältlich ist. Der Band werden eine gewisse Vulgarität und ein Hang zur Provokation nachgesagt. Die frühen Alben, wie das eben erwähnte Debüt oder auch „777 Bloodrock“ (2000, Loudsprecher), sind mittlerweile nur noch schwer erhältlich und daher begehrte Sammlerexemplare. Letten war nebenbei auch bis 2009 bei GENEPOOL aktiv. 
 
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SMOKE BLOW - Noch lange nicht am Ende

Im Frühjahr 2012 feiern SMOKE BLOW das 15. Jahr ihres Bestehens. Parallel zu diesem Anlass erscheint im Dezember eine noble, schlicht „The Legacy“ betitelte Holzbox. Streng limitiert finden sich darin die ersten sechs SMOKE BLOW-Alben auf Vinyl und diverse Extras. Grund genug, der selbsternannten „Panzerdivison of one“, Jack Letten, ein paar Fragen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kieler Band zu stellen.Ihr seid mit SMOKE BLOW bald 15 Jahre unterwegs, alle sind älter, du bist Vater geworden – was hat sich für euch in der Zeit mit Blick auf die Band geändert? Hat Musik noch oberste Priorität?Natürlich verlagern sich im Laufe der Jahre die persönlichen Prioritäten. Da rennt man nicht mehr alle drei Tage zur Probe und denkt an die nächste Tour oder neue Songs für das kommende Album. Aber Musik hat für uns beziehungsweise für mich persönlich einen extrem hohen Stellenwert. Songwriting ist ein integraler Bestandteil meines Lebens und ich gehe da immer sehr leidenschaftlich zu Werke, bin wie ein Getriebener. Als Band haben wir uns über die Jahre stetig weiterentwickelt, mit jedem neuen Album an Erfahrungen und Fertigkeiten hinzugewonnen. Man kann durchaus festhalten, dass unsere Ansprüche an uns selbst wesentlich höher sind, als zu Beginn unserer sagenumwobenen „Laufbahn“. Damals wussten wir so gut wie gar nichts und haben – mit einem jugendlichen Drive bewaffnet und ohne großen Plan, was da jetzt eigentlich entstehen soll – leichtsinnig drauf los geholzt. Aber ein bestimmtes Maß an „Fantum“, Musik im Allgemeinen betreffend, das haben wir uns immer bewahrt. Wir haben jeweils das gemacht, was wir gerade persönlich am geilsten fanden. Gerade, da wir ja nie von SMOKE BLOW leben mussten – und das auch gar nicht gekonnt hätten –, waren wir in der komfortablen Situation, uns ein größeres Stück Narrenfreiheit gönnen zu können, als das vielleicht andere konnten. Aber wer weiß das schon. Jedenfalls sind wir bis hierhin sehr gut damit gefahren.Im Nachhinein betrachtet, scheint jedes SMOKE BLOW-Album den musikalischen Fokus ein bisschen zu verschieben. „The Record“ zum Beispiel verzichtet auf melodieseligen Gesang und knüppelt. Das wirkt wie eine bewusste Abkehr vom Vorgänger „Colossus“. Was kommt als nächstes? Ein Country-Album? In was für Richtungen könnt und wollt ihr noch vorstoßen?Bevor eine Band wie wir sich an eine neue Platte macht, fragt man sich: „Was haben wir noch nicht gemacht? Was können wir machen, um für uns selbst spannend zu bleiben?“. Oder: „Was kickt uns momentan persönlich? Was für ein Ansatz kommt gerade von selbst in Frage?“ Sich zu wiederholen und in gewisser Weise auf eine Formel festzulegen, nur weil die allgemeine Reaktion auf Platte X oder Y gerade besonders gut ausfiel, das war nie etwas für uns. So nutzt man sich meiner Meinung nach über die Jahre nur ab und läuft Gefahr, sich durch ständige Wiederholungen selbst in die musikalische Bedeutungslosigkeit zu katapultieren. Was als nächstes kommt, das will ich an dieser Stelle allerdings noch nicht wirklich verraten. Soviel vielleicht: Ich arbeite gerade an meinem Solo-Album und das Ergebnis dürfte am Ende des Tages viele Leute überraschen. Ein – wie sollte es anders sein – ganz neuer Ansatz. Ich gehe aber davon aus, dass der eine oder andere SMOKE BLOW-Sympathisant auch damit etwas anfangen kann. Dauert aber noch ein wenig, bis es kommt.Vieles vom prolligen Asi-Image der Anfangstage habt ihr recht schnell wieder abgelegt. Die Aussage vom Decline-of-Kiel-Sampler – „Wir wollen zeigen, dass wir die Besten sind“ – gilt aber noch, oder?Ja, diese Aussage hat nach wie vor Bestand. Allerdings – damit hatten wir damals nicht gerechnet – bringen ja die DWARVES noch immer ihre jeweils beste Platte raus. Und da die DWARVES seit jeher die Besten sind, versuchen wir seit Jahr und Tag vergeblich, an ihnen vorbei zu ziehen. Wenn die sich endlich auflösten, hätten wir wohl eine verdiente Chance.Im Uncle Sally’s gab es mal die amüsanten „Letters from Letten“ – gibt es noch schreiberische Ambitionen bei dir? Memoiren in Sicht?Oh, es wird tatsächlich einiges zu lesen geben. In erster Linie im Rahmen des 24 Seiten umfassenden Schriftstückes „The Legacy Book“, das wir – im LP-Format – unserer limitierten Jubiläums-Box beilegen werden, die ausschließlich über den Webstore von Concrete Jungle Records zu bekommen ist. Es enthält ein paar schöne Anekdoten aus über einer Dekade SMOKE BLOW. Darüber hinaus habe ich es mir in meiner Eigenschaft als Dichterfürst nicht nehmen lassen, die eine oder andere Hundertschaft Postkarten für eben jene „Legacy Box“ mit ganz eigenen Zeilen zu versehen. „Letters from Letten“ mal anders.Im Interview in Ox #50 sagtest du: „Cover-Versionen macht jeder. So was ist einfach total langweilig“. Live gebt ihr „Rebel yell“ und „Mother“ zum Besten und ich erinnere mich auch an eine Cover-Version von „These boots are made for walking“. Gibt es bei euch doch hin und wieder das Interesse an einer Cover-Version?Wir haben uns im Grunde auch daran gehalten. Es gibt schließlich keine offizielle Veröffentlichung mit Cover-Version von uns. Damals hat uns ein Kieler Kollege angehauen, ob wir nicht einen Song für eine DIY-Billy-Idol-Tribute-CD beisteuern würden. Miniauflage im dreistelligen Bereich, meine ich mich zu erinnern. Da haben wir nicht „Nein“ sagen wollen und uns „Rebel yell“ angenommen. Den haben wir im Anschluss auch über unsere Website per MP3 verschenkt. Das war, bevor die GEMA auf den Gedanken kam, für solche „Geschenke“ ordentlich Kohle zu verlangen.Auf die Frage, ob es Neuauflagen der alten Platten geben wird, hast du geantwortet, dass das weniger Sinn machen würde und ihr zudem zu faul für so was seid. Hat jetzt mit der „The Legacy“-Box doch noch der Fleiß gesiegt?Nein, da liegst du falsch. Ich meinte, dass es schon Sinn machen sollte! Da hat bestimmt jemand wieder nicht richtig hingehört, haha. Grundsätzlich stehen wir aber auf Faulenzen. Unsere Auszeit, Konzerte betreffend, unterstreicht dies eindrucksvoll. Allerdings hatten wir so auch etwas Freiraum, um uns Gedanken zu machen, wie wir denn jetzt konkret mit den alten Platten verfahren könnten. Wir wollten auf der einen Seite, dass diese schmucken Originale auf ewig für sich stehen und auf der anderen Seite denjenigen, die sich für die Alben interessieren, die Möglichkeit bieten, sie sich wieder zu besorgen. Also ohne dafür exorbitant hohe Summen auf Flohmärkten und in Second-Hand-Buden berappen zu müssen. Die Original-Pressungen sind ja lange vergriffen. Das haben wir jetzt einigermaßen gewährleistet, da die ganzen Alben ein neues Artwork erhalten. Zudem sind sie nicht einzeln erhältlich. Und die Box kommt fair bepreist, denken wir. Die Idee, eine ziemlich exklusive Vinyl-Geschichte zu machen, die nicht jede Band im Repertoire hat, fanden wir gut. Also haben wir uns mal über unsere allgemeine Trägheit hinweg gesetzt und ordentlich gearbeitet. Ein wenig beschenken wir uns mit einer solchen Liebhaber-Sache auch selbst zum Jubiläum.„The Legacy“ – das Vermächtnis. Ist jetzt Feierabend mit SMOKE BLOW? Oder können wir uns 2026 auf eine zweite Holzbox freuen?Nein, nein, wir sind noch nicht am Ende. Eine weitere Holzbox wird es jedoch nicht geben. Das kann ausgeschlossen werden. Wir planen aber gerade das 15. Jahr unseres Bandbestehens, das wir mit der Veröffentlichung der „Legacy Box“ vorsichtig einleiten. Ich kann sagen, dass da noch ein bisschen was nachkommt. Weiter möchte ich mich dazu aber noch nicht äußern, wir sprechen da, wie erwähnt, gerade intern drüber.
 
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SMOKE BLOW - 15 Jahre lang da kitzeln, wo es weh tut

Wir schreiben das Jahr 1995: Im hohen Norden Deutschlands, genauer gesagt in Kiel, gründet sich eine Band namens SMOKE. Die Mitglieder, alle in ihren Zwanzigern und alte Schulfreunde, fühlen sich dazu berufen, der Nation – oder wenigstens einem kleinen Teil davon – ihren Südstaaten-Rock um die Ohren zu hauen. Zwei Demos werden aufgenommen, Clubs in Schutt und Asche gelegt und neben den Exzessen nimmt auch die Musik ganz neue Dimensionen an: man wird härter und kompromissloser, aus SMOKE wird 1997 schließlich SMOKE BLOW. 2012, 15 Jahre nach ihrer Gründung, beschließen SMOKE BLOW, sich zur Ruhe zu setzen – so halb zumindest. Auf der einen oder anderen Bühne Deutschlands wird man die Band wohl noch sehen können, Alben werden aber nicht mehr veröffentlicht. An dieser Stelle lassen wir deshalb zusammen mit Sänger MC Straßenköter die Bandgeschichte Revue passieren.Die AnfängeSMOKE BLOW sind ebenso motiviert wie planlos, als sie sich daran machen, ihr erstes Album „Smoke’s A-Blowin’ Black As Coal“ aufzunehmen. Mit ein bisschen Know-how und einer Menge Improvisationskunst wird der „Demolition Room“, das bandeigene Studio, zusammengebastelt. Die Instrumente werden malträtiert bis aufs Letzte, das Ergebnis ist ebenso unberechenbar wie die Band selbst: irgendwie Punk, irgendwie Stoner, irgendwie Psychedelic. Das Album wird 1999 vom kleinen Hannoveraner Label Loudsprecher herausgebracht. Zu dieser Zeit stoßen auch J.R. und Greif Hellhammer als Gitarrist und Bassist zur Band – SMOKE BLOW sind fürs Erste komplett. Nur ein Jahr später schließt sich der Kieler Fünfer schon wieder ins Studio ein, um mit „777 Bloodrock“ den Wahnsinn in Form von zwölf Songs zu vertonen, und diesen auch auf der Bühne hemmungslos auszuleben. Doom, Punk und Noiserock rotzen sich dabei gegenseitig ins Gesicht.Punkadelic – The Godfather Of SoulMit Vollgas von einem Absturz zum nächsten zu rasen, dabei den Mittelfinger aus dem Fenster zu halten und nebenbei Songs rauszukotzen, die direkt aus der Hölle kommen könnten, geht auch an den härtesten Nordmännern nicht spurlos vorbei. Das 2001er Album „Punkadelic – The Godfather Of Soul“ ist zwar immer noch rauh und brutal, zeigt sich aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern deutlich melodischer. Die Tour mit den MELVINS soll im Erscheinungsjahr nicht das prägendste Ereignis für SMOKE BLOW bleiben: während der letzten Show der Punkadelic-Tour in ihrer Label-Heimat Hannover gibt Sänger Jack Lettens Stimme endgültig den Geist auf. Kurzerhand wird der Mercher und alte Bekannte mit dem lieblichen Namen „Straßenköter“ als Ersatz auf die Bühne geholt, vertritt Letten dort würdig und ist seitdem aus dem Line-up der Band nicht mehr wegzudenken. MC Straßenköter erinnert sich: „Als ich die Band zum ersten Mal live sah, dachte ich nur: ‚Meine Güte ... Das ist ja eine völlig eigene Art von Punk und Zerstörung.‘ Es ist ziemlich lange her, aber ich war sehr beeindruckt.“German AngstMit dem vierten Album von SMOKE BLOW erfolgt der Wechsel zum Berliner Label Nois-O-Lution. Straßenköter ist das erste Mal mit im Studio, Vorerfahrung hat er noch keine: „Es war spannend, es war komplett neu und fordernd. Wie auch beim ersten Konzert, das ich gespielt habe, als ich noch Mercher war, musste ich gleich ins kalte Wasser und einfach ran.“ Nicht nur bei der Besetzung hat sich etwas getan, auch musikalisch schlägt man neue Wege ein: statt Doom und Stoner gibt es nun Hardcore-Punk, wie man ihn in Deutschland nur selten findet – jeder Song eine Hymne, die mitten ins Schwarze trifft. Das Album ist für die Band ein großer Schritt nach vorne. Man muss nicht mehr auf Fußböden schlafen und bekommt manchmal sogar Geld. Doch so richtig gewöhnen will sich das Publikum an den zweiten Typen mit dem Mikro in der Hand noch nicht: „Das hat schon gedauert, bis die Leute gecheckt haben, was wir uns dabei gedacht haben. Am Anfang war das total deprimierend, aber der Wille war da und jetzt hab ich es letztendlich auch fast zwölf Jahre durchgezogen. Und es klappte ja auch. Wir hatten dann doch wieder Recht am Ende des Tages“, erzählt Straßenköter. Mittlerweile haben sich SMOKE BLOW auch als Band einen Namen gemacht, die sich gerne mal mit ihren Fans anlegt. „Wenn keine Reaktion kommt oder eine, bei der wir denken: ‚Das ist uns jetzt echt zu wenig, wir wollen mehr. Ihr bezahlt, wir stehen hier, da muss irgendwas passieren‘, dann muss man eben mal ein bisschen da kitzeln, wo es wehtut, und dann kommt auch was zurück. Auch eine negative Reaktion ist eine Reaktion.“Dark AngelKurz vor Erscheinen von „Dark Angel“ geht die Band mit den MISFITS auf Tour. Man darf nicht nur mit Ikonen des Punkrock auf der Bühne stehen, sondern hat auch das erste und so ziemlich letzte Mal den Luxus, in einem Nightliner zu übernachten – ein komplett neues Gefühl für die sechs Kieler, die zu Beginn ihrer Karriere wohl nicht selten in Schweiß, Blut oder anderen Körperflüssigkeiten von sich und anderen genächtigt haben dürften. Was nach der Tour bleibt, ist allerdings die Ernüchterung über die einstigen Idole: „Es war traurig mitanzusehen, dass eine Band sich ihren Namen so runterspielt. Das sollte man tunlichst vermeiden. Darum lösen wir uns ja auch fast auf!“, so Straßenköter. Dennoch hat „Dark Angel“ einen gewissen MISFITS-Charakter und enthält Songs im düsteren Punk-Stil mit viel Melancholie und fast schon comicartigen Texten. Einige Fans denken immer noch, sie könnten SMOKE BLOW in eine Schublade stecken, und bekommen von der Band einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Entsprechend verhalten ist auch die Resonanz auf das melodische Album. Straßenköter erinnert sich: „Die Platte wurde am Anfang recht zwiespältig aufgenommen, wie fast alle unsere Platten. Aber im Endeffekt ist sie immer weiter gewachsen bei den Leuten und irgendwie fanden sie die ja dann doch ganz gut. Es dauert immer ein bisschen, bis die Leute kapieren, was wir wollen.“Colossus2008, im Erscheinungsjahr von „Colossus“ spielen SMOKE BLOW als Vorband von DIE TOTEN HOSEN. Da das typische Hosen-Publikum mittlerweile eher aus bierbäuchigen Mittvierzigern besteht, dürfte wohl kaum jemand dort von den provokanten Norddeutschen und ihren berühmt-berüchtigten Shows gehört haben. Straßenköter sieht diese Auftritte trotzdem als positive Erfahrung: „Vor Leuten zu spielen, bei denen du von vornherein weißt, dass du denen scheißegal bist als Band, ist auf jeden Fall eine Herausforderung und riesige Erfahrung. Klar gefällt das von 10.000 Leuten gerade mal 300, wenn du Glück hast, aber auch da muss man durch.“ Mit „Colossus“ wird der poppig-punkige Kurs weiter beibehalten, die Songs sind weniger düster und fast schon der richtige Soundtrack, um im Sonnenschein am Ostseestrand gemütlich mit Oma, Onkel und Schwester ein Eis essen zu gehen. Meckerer sind da natürlich vorprogrammiert, aber SMOKE BLOW wären nicht SMOKE BLOW, wenn sie das auch nur ansatzweise interessieren würde. „Wenn jede Platte geklungen hätte wie ‚Blood Rock‘ oder ‚The Record‘, dann wäre es für alle Beteiligten öde geworden. Glücklicherweise haben die Fans irgendwann gecheckt, dass wir uns nicht ständig wiederholen wollen. Wenn die Leute mal ehrlich zu sich selbst sind, wollen sie auch nicht zehnmal dieselbe Platte hören.“ Man hat sich mit „Zombie auf’m Klapprad“ und „Am Strand“ auch an zwei deutschen Songs versucht, doch fühlen sie sich als Band amerikanischer Prägung mit englischen Texten wohler. Neben den ersten Titelstorys erinnert sich der Sänger vor allem an eins: „Dieses Gehabe um das Cover, dieser Robotermann, wo alle immer dachten, wir sind größenwahnsinnig. Was soll der Roboterschwanz? Ich hab den viel später erst entdeckt, das war für mich gar nicht so im Mittelpunkt des Bildes. Viele haben sich aufgeregt, dass der Roboter auch einen Penis hat, weil das total prollig und machomäßig wäre, aber das war gar nicht unsere Intention.“The RecordAuch die härtesten Kerle haben schwache Momente, und so ist nach der Colossus-Tour kurz die Auflösung der Band im Gespräch. „Wir haben da relativ viel gespielt und waren ein bisschen müde von all den Dingen. Dann saßen wir im Proberaum und es war tierisch warm draußen und dann hat einer gesagt: ‚Ey, wollen wir grillen und uns auflösen?‘“, erinnert sich Straßenköter. Eine halbe Stunde später versammelt sich die Band jedoch bereits, um an den ersten zwei Songs für „The Record“ zu arbeiten. Mit ihrem letzten Album kehren SMOKE BLOW wieder zum Hardcore zurück. Es ist hart, es ist schnell, wenn man genau hinhört, aber auch melodisch. Außerdem ist mit „Lost son of the ark“ auch der erste Song enthalten, den Straßenköter komplett alleine geschrieben hat. Für ihn ist „The Record“ der perfekte Abschluss einer Karriere: „Wir dachten, noch schneller und härter werden, bringt nichts, und wieder zurückgehen, bringt auch nichts, wir waren da schon überall.“Ein Blick nach vorneTrotz aktueller Reunion- und Comeback-Trends betont die Band, dass unter dem Namen SMOKE BLOW keine Alben mehr erscheinen werden. Und wer die Kieler kennt, weiß, dass sie zu ihrem Wort stehen. „Viele Bands bringen sich nur ins Spiel, indem sie sich auflösen und wiedervereinigen. Die wollen sich einfach nur im Gespräch halten und das ist halt nicht unser Ding. Wir haben alles gesagt zum Thema SMOKE BLOW und darum gehen wir da auch erhobenen Hauptes raus“, erklärt MC Straßenköter. Dennoch wird die musikalische Reise für die einzelnen Mitglieder weitergehen. Bassist Greif ist zum Beispiel immer noch als Produzent tätig, Jack Letten arbeitet bereits an einem Soloalbum und auch Straßenköter hat einige Pläne: „Ich hab ganz viele Konzepte, nur keine Ideen. Es gibt bereits zwei imaginäre Elektro- und Black-Metal-Bands. Ich habe so ein Faible für Bandnamen, die ich ganz lustig finde, und es gibt auch Leute, die das gerne mit realisieren würden, bloß die Zeit ist noch nicht da gewesen.“Ein Blick zurückNach 15 Jahren schauen SMOKE BLOW zurück auf sieben Alben, die unterschiedlicher nicht sein könnten, hunderte von Shows, die nicht selten ausarteten, und eine dennoch stetig wachsende Fangemeinde. Wenn das Prädikat „Kult“ auf eine deutsche Band passt, dann auf SMOKE BLOW. MC Straßenköter resümiert: „Es war eine Menge Durchhaltevermögen, viel Wille und Überzeugung dahinter. Wir machen ja Musik, die wir selber hören würden, wenn es sie geben würde. Aber die gibt es eben nicht so in der Form, deswegen haben wir sie selbst gemacht. Insofern haben wir uns als Fans was Gutes getan.“ Danke dafür.
 

Reviews

SMOKE BLOW

© Ox Fanzine #112 / Christina Wenig

1

Ein Jahr ist es her, dass SMOKE BLOW sich in den Amateurstatus verabschiedet haben. „1“ wurde bereits damals als Magazinbeilage im CD-Format veröffentlicht, da aber nicht nur treue Visions-Abonnenten in den Genuss des Best-Ofs kommen sollen, gibt es das Ganze jetzt noch einmal limitiert als LP.Wie schon bei der mittlerweile ausverkauften „Legacy Box“ erhält man hier das SB-Rundumpaket: gelbes Vinyl, Aufnäher und Poster der 2013er Jahresabschlusskonzerte „2 Nächte Angst“. Musikalisch gibt es eine Reise durch sieben Alben und 15 Jahre Hardcore-Punk, Noise und Stoner, vom Klassiker „777 bloodrock“ bis hin zum Hardcore-Brecher „Broken bonds of friendship“.Eine so abwechslungsreiche Diskografie auf eine Platte zu pressen, ist nahezu unmöglich, deswegen wird man trotz einer guten Auswahl immer noch viele Hits vermissen. Neben drei Alternate-Takes ist leider kein bisher unveröffentlichtes Material enthalten, das macht „1“ zu einem ausschließlichen Sammlerstück und einer Sparvariante für all die, denen die „Legacy Box“ zu teuer war.

 

SMOKE BLOW

© Ox Fanzine #37 / Joachim Hiller

Altamont Speedway Massacre

Knapp vor dem neuen Album auf Loudsprecher schieben die Kieler Rock-Bulldozer noch eben eine 5-Track-10“ ein, die schon rein äusserlich was hermacht: schönes Coverlayout, fettes 180g-Vinyl und das auch noch colored, wobei von den 500 handnumerierten Exemplaren jeweils 100 ´ne andere Farbe haben.SMOKE BLOW nach ihrem ersten Album und angesichts des derzeitigen Hypes vorschmell als Stoner Rock-Band abzuhaken ist angesichts der Brachialität und Schmutzigkeit dieser Songs hier (ich bin ja mal auf das Album gespannt) nicht ganz angemessem, obwohl der Seventies-Schmodder natürlich mindestens bis zu den Kniekehlen reicht.Aber wie wär´s damit: eine gut abgehangene Mischung aus ANTISEEN und FU MANCHU. Kommt hin.

 

SMOKE BLOW

© Ox Fanzine #77 / Lars Koch

Colossus

Auch beim sechsten Studioalbum beweisen SMOKE BLOW ein weiteres Mal ihre sympathische Mittelfingermentalität. Als Fan der Kieler hätte mich alles andere auch nur enttäuscht. Die sechs Typen haben einfach die nötige Haltung (inklusive des dazugehörigen Humors), die es braucht, um nachhaltig zu begeistern. Die wenigsten Bands besitzen den Mut und die nötigen Ideen für ein ähnliches Image. Um es kurz zu machen, seit circa zehn Jahren gibt die Band keinen Fick auf irgendwas und zieht ihr Ding durch. Auf "Colossus" bedeutet das vor allem, aus möglichst reduzierten Ansätzen ein Maximum herauszuholen. Dazu verlässt man sich wie schon beim Vorgänger auf die Stärken der Melodien, und setzt diese möglichst konsequent um. Natürlich wird hier und da nochmal der Dampfhammer hervorgeholt, aber genauso gut, wie man sich im Hardcore der Achtziger auskennt, weiß man über die Harmonien der MISFITS oder von THE CURE Bescheid. Neu für SMOKE BLOW sind zwei Stücke, die beweisen, dass die deutsche Sprache nicht nur für Dichter und Denker reserviert ist, sondern auch plakativen Proleten bestens steht (Obwohl eine Zeile wie "Die Nordsee tobt, es spritzt die Gischt. Alles Leben im Boot ertrinkt und verlischt" schon einiges kann!). Was mir an der Scheibe allerdings am besten gefällt, ist die relativ breite Gefühlspalette, die bedient wird. Neben Aggression, Wut und Verzweiflung begibt sich die Band auch ab und zu in sonnigere Gefilde und scheint sich dort wohl zu fühlen. Ob die Platte nun ein Schritt nach vorne oder zurück, in die richtige oder falsche Richtung ist, geht mir so was am Arsch vorbei. Ein Album, das auch noch nach grob geschätzten einhundert Durchläufen Lust auf mehr macht, kriegt man nicht alle Tage in die Finger! (10)

 

SMOKE BLOW

© Ox Fanzine #61 / Dominik Winter

Dark Angel CD

Verwirrend - auch nach mehreren Durchgängen ist SMOKE BLOWs neue Scheiblette vorrangig mit diesem Begriff zu bezeichnen. Glaubte man, die Kieler hätten mit "German Angst" ihren ureigenen Stil perfektioniert und würden diesen erst mal beibehalten, zeigt solchen Irrgläubigen nun "Dark Angel" die lange Nase. Ob das Album ein Klassiker wird, kann nur die Zeit zeigen, die Chancen sind aber bestens. Dass das wohl vielfältigste Material der Bandgeschichte vorliegt, ist nicht schwer zu erkennen. Zunächst wirkt die fünfte SMOKE BLOW-Veröffentlichung entspannter, weniger hardcorebeeinflusst, mehr im Punk à la SOCIAL DISTORTION (ja, auch Country-Elemente sind zu hören) verwurzelt, doch mit jedem Hören trifft der zunächst abstruse Titel mehr ins Schwarze. Die augenscheinliche Leichtigkeit ist längst nicht alles, dahinter dürften sich vielmehr sogar die wohl tiefgründigsten Ergüsse verstecken, die Herr Jack Letten je zu Papier gebracht hat. Demzufolge wirkt die gesangliche Bandbreite noch variabler als zuvor, erstreckt sich von aggressiv bis zuckersüß, und auch Bela B. Felsenheimers Aktionen in "Iron in my soul" passen wie Arsch auf Eimer. Schön ist die musikalische und vokalistische Vielfalt vor allem für Anhänger der "Punkadelic"-LP, die im Langzeittest in punkto "Wiedereinlegfaktor" sogar gegen "German Angst" gewinnen konnte. Aggression, Melancholie und partytaugliche Musik müssen sich nicht gegenseitig ausschließen, das zeigt "Dark Angel". Und ganz egal, ob man nun Johnny Cash, JOY DIVISION, MISFITS, MONSTER MAGNET oder TURBONEGRO bevorzugt, hier wird jeder fündig. Auf Nummer sicher geht man mit dieser Veröffentlichung keineswegs, doch hatte das wohl von SMOKE BLOW auch niemand erwartet.

 

SMOKE BLOW

© Ox Fanzine #49 / Dominik Winter

German Angst CD/LP

Die Götter mit ihrem neuen Album! Über eineinhalb Jahre habe ich sehnsüchtig auf den Tag gewartet, an dem sie ihrem bisherigen Schaffen die Krone aufsetzen. Endlich ist das Geschmachte vorbei, und die Prophezeiungen seit den ersten hörbaren Demos der Scheibe bestätigen sich: „German Angst" ist SMOKE BLOW pur, nur noch besser, noch rotziger und noch punkiger als je zuvor. Die hymnenartigen Leadgitarren des Openers „Sick Kid '85" gehen runter wie Öl, lassen die Götter vor dem geistigen Auge die Arena betreten und rufen nach dem Griff zur Bierbuddel. Das folgende „Alligator Rodeo" kommt auf CD ebenbürtig zur Liveperformance und bleibt direkt hängen, wofür vor allem die beiden Schreihälse Letten sowie der Neuzugang und an Lou Koller erinnernde MC Straßenköter verantwortlich sind ... „... Someday You Will Die ..." - herrlich! Mit „Hate Kill Destroy" gibt's den ultimativen Tritt ins Gemächt, der mit exzellenten Tempiwechseln und genialem Sing-A-Long-Charakter versehen ist und sogar das Zeug hat, die bisherige Mega-Abgeh-Nummer „Mexico" abzulösen. Spätestens bei „Dancing With The Dead" fällt auf: Mit den metallischen, noisigen Ausflügen haben die Kieler nicht mehr sonderlich viel am Hut, sondern sie widmen sich auf dem neuen Album vermehrt ihren Punkroots und lassen eine gewaltige Kelle Hardcore-Background à la AGNOSTIC FRONT und CRO-MAGS einfließen. Eine weitere Überraschung: „Skoolyard Fool", in dessen Strophen Leddo mal wieder herrlich knödelnd agiert und im Refrain von kreischigen Frauenvocals (!) unterstützt wird, die dem Track passend zur Story ein freches Rotzbalgen-Flair geben. Bei „Circle Of Fear" hört man erstmals wieder die sicken Gitarrenläufe, die auf „777 Bloodrock" ja sehr gerne eingesetzt wurden, dazu gibt's hardcorelastige Vocals und sehr zügige Drumarbeit, die den Song zu einem der kürzesten des Albums machen. Weiteres Glanzlicht ist das nicht umsonst auf der Popkomm-Show als Opener gewählte „Media Blizzard" - alleine der Refrain sorgt für eine Viagra-mäßige Dauererrektion. Der definitive „Alles wird gut, Fuck You!"-Festgesang! Das anschließende „N.F.O.S." macht die heute in Sparbesetzung agierende Truppe namens MISFITS arbeitslos, „Diabolical/Satanical" und „Bulldozed" wecken Erinnerungen an krachigere Zeiten, und „Police Robots" zeigt vor dem Abschluss durch das schleppende „Octopus" einmal mehr, dass die Kieler anscheinend in den letzten Monaten Kreativitäts-Serum in der Blutbahn hatten, denn so eingängig, so zielgenau auf den Punkt, so arschtretend, so asozial, so Old-School, so Punkrock pur, so uneingeschränkt genial waren SMOKE BLOW trotz ihrer vorigen Glanztaten noch nie. Ich sach's ja: Die beste Band, wo gibt! Veröffentlichung: 10.02.03! (10/10)

 

SMOKE BLOW

© Ox Fanzine #43 / Dominik Winter

Punkadelic - The Godfather Of Soul CD

Moin, moin leewe Lüd! Nee, nee, so geit dat ja nu nich, diese Nordlichter, dat is schon een komische Völkchen... und dat is besonners im Fall von SMOKE BLOW uk sehr gut so, denn endlich zeigen de Fischköppe aus Kiel-Mettenheim Erbarmen mit de Wartenden und hau´n uns in bekannter Maniää ihre neue Pladde "Punkadelic - The Godfather Of Soul" umme Ohrn! Und die Rückkehr tut wirklich not, denn nå de 1999er Album "777 Bloodrock" und de letztjährige "... The Story Of Uncle Gooddamn" Single auf Radioblast wär dat anne tit, dat endlich wedder een steefe Full Length Brise durch de ansünsten eher gähnende dütsche Musiklannschaft weht. Utkomm is eene, de noch wesentlich mehr kracht, als all SMOKE BLOW Vorgängää tosamm. Op "Punkadelic" asseln de sösernannte "Godfather Of Soul" Jack Letten (dat is nämlich na sin Utsåge des Herren "nicht etwa der Scheiss James Brown"!) und sine Mannen dörch insgesamt zwölf Songs, de twischen Punkrock, Metal und Stonerrock variiään und psychadelischeää denn je umme Kieler Förde kåm. Letten sächt in sin, in Schönschrift geschrewene Info zwar, "die neue Scheiblette" sei "nich mehr so därbe auf die Glocke", aber wi häv dat genaue Gegenteil. Tracks wie "Dschingis", "White Powder/Black Smoke" oder dat grandiose "Getting Over" ballern mit veel kräftige Power udde Boxn, dat selbst international anerkannten grode Gruppn sich inne Büx mågn und Bands wie MONSTER MAGNET mit ehr laue aktuelle Album resigniert einpacken künn. Fakt is: SMOKE BLOW sind eene vonne grode dütsche Hoffnungen mit Erfolgspotential und häm de entscheidende Schritt inne ganz grode Rampenlicht wirklich verdent. Wie ick mi inne letzte Jåhr selbs überzeugen konnte, sind de Kieler Bengels uk live een Offenbarung und deshalb sollte man se up ehr kommende Tour unter keeeene Umstänne verpassen! Und zwar up Headlinertour, denn inne Vorprogramm vonne MELVINS häm se diese Anfang vonne Jåhr ja schon mächtig alt utsehn lassen. So, de Herrschaften, dat langt an Lobhudelei: nu geit los und kauft de Pladde! Gerüchte sägn, dat Mr. Letten inne Fall enet Misserfolges von "Punkadelic" tatsächlich ut Protest nur noch Deathmetal mågn will. Obwohl ick de Band uk diese Umsetzung zweifellos zutrau, müt ju dat inne Kampf um kühle Rock ut hiesige Gefilde verhinnern, biddeeee!

 

SMOKE BLOW

© Ox Fanzine #45 / Dominik Winter

Punkadelic - The Godfather Of Soul CD

Ich weiß, ich weiß: Die aktuelle SMOKE BLOW wurde schon von mir in der letzten Ausgabe besprochen. Ich möchte diese Gelegenheit jedoch nutzen, meine Wertung von schlappen, völlig zu Unrecht vergebenen acht Punkten auf die Höchstpunktzahl hoch zu schrauben. Seit dem vorigen Ox ist nämlich eine Menge Zeit verstrichen, die ich mir mit ca. hundert Durchläufen dieses Meisterwerks, einem grandiosen Konzert in Flensburg, etlichen Hörgängen der Vorläufer - die ich mir mittlerweile zusätzlich auf Vinyl zugelegt habe - und nicht zuletzt mit dem unbeschreiblich geilen neuen Demo der Kieler versüßt habe. Für mich steht fest: SMOKE BLOW ist die beste (Live-)Band Deutschlands, der keine andere Combo in Sachen Ausdruck, Power, Ehrlichkeit und Performance das Wasser reichen kann. Und: Spätestens wenn die Songs des neuen Demos regulär in den Plattenläden stehen, wird das auch der bislang ahnungslose Teil der Bevölkerung HOFFENTLICH hautnah zu spüren bekommen. Liebe Ox-Leser: Falls ihr es noch nicht getan habt: KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN! Ich mach´ mich jetzt auf zum "Alligator Rodeo", c´ ya later...

 

SMOKE BLOW

© Ox Fanzine #34 / Robert F

Smoke´s a blowin´ black as coal CD

Wie damals, beim guten, alten Time Tunnel: Angezogen von einem großen Monster-Magneten werden SMOKE BLOW bis in die 70er gesaugt und von da aus zurück, quer durch die Rockgeschichte, bis nach Sky Valley. Hier putzen sie sich den Staub von den Schultern, stecken sich eine Kippe in den Mundwinkel und ... machen Rock. Und zwar so, wie er in den 90ern sein sollte: Druckvoll, schmutzig und laut. Der Sänger hat genügend Dreck in der Stimme, um damit eine Straße zu pflastern, und das Ganze erinnert an heruntergekurbelte Seitenfenster und Lautstärkeregler, die auf 10 stehen. In diesem Sinne: Keep on rockin´.

 

SMOKE BLOW

© Ox Fanzine #88 / Arndt Aldenhoven

The Record

SMOKE BLOW-Fans haben es stets nicht einfach, ihrer Lieblingsband die Treue zu halten. Denn jedes neue Album gleicht einer kompletten Neuerfindung. War der von mir sehr hochgeschätzte Vorgänger „Colossus“ ein Paradebeispiel für melodischen wie düsteren Punkrock, so ist das schlicht „The Record“ betitelte neue Werk eine Nachhilfestunde in Sachen Hard- und Crustcore.Richtig gehört: Während Songs wie „Evil leaf“ dem groovebetonten New York Hardcore huldigen, befinden sich vor allem mit meinen persönlichen Highlights „Broken bonds of friendship“ und dem alles wegboxenden „I have lived in a monster“ zwei fantastisch D-Beat-lastige Nummern auf der Scheibe, die jeden Softeres gewöhnten Fan der sechs Kieler wahrscheinlich erstmal vor den Kopf stoßen werden.Die restlichen neun Songs weichen ebenfalls nicht von diesem Pfad ab. Bewusst hat man sich an Acts der Achtziger und Neunziger orientiert, und als Einflüsse FEAR, von denen auch der Albumtitel geklaut wurde, WOLFPACK, DOOM und sogar die deathrockige Seite von ENTOMBED angegeben.Ab und an findet man noch vereinzelt die charakteristischen und melodischen Singalongs, wie etwa im Schlusslicht „Lost son of the ark“. Ansonsten beinhaltet „The Record“ ausschließlich aggressives Material, welches mit einer halben Stunde Spielzeit und einer mörderisch druckvollen, gleichzeitig aber düster-atmosphärischen Produktion (für die unter anderem Alex Newport und Jacob Hansen zuständig waren) perfekt gelungen ist.Dabei sind die Riffs genauso wie der Albumtitel und die Covergestaltung (hier brüllt einen der „Icewolf“ an, dem auch ein Song auf diesem Album gewidmet wurde) bewusst schlicht gehalten, denn hier ist Effektivität wichtiger als Innovation.Mit dem Album ist der Band wieder einmal ein Highlight gelungen; einerseits aufgrund seiner kompromisslosen musikalischen Qualitäten, andererseits auch weil die Kieler ein mutiges Statement abgeliefert haben.SMOKE BLOW gehen nicht auf Nummer sicher, sondern ziehen selbstsicher ihr Ding durch – und das mit Bravour und komplett ohne Ausfälle!

 

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Mai.
7
2016