MinistryTourdaten, Infos, Interviews, Reviews

Nächster Termin:

06.08.2016
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Bewertung:
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Genre

Metal, Punkrock/Hardcore

Shows

20 Shows in 13 Städten / 3 Ländern

Zeitraum

25.02.2003 - 12.08.2016

Letzte Show

09.07.2012 - DE-Hamburg, Docks

Nächste Show

06.08.2016 - DE-Köln, Essigfabrik

Booking

Tourdaten

Archiv
Aug.
6
2016
Samstag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Aug.
7
2016
Sonntag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Aug.
8
2016
Montag
Konzert - Punkrock/Hardcore
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Aug.
10
2016
Mittwoch
Konzert - Punkrock/Hardcore
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Aug.
12
2016
Freitag
Konzert - Punkrock/Hardcore
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Tonträger bei finestvinyl

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MINISTRY - DARK SIDE OF THE SPOON | LP

 
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MINISTRY - FILTH PIG | LP

"Filth Pig" ist das sechste Studio Album der Industrial Metal Band MINISTRY. Ursprünglich 1996 veröffentlicht, leitet sich der Titel angeblich von einer Aussage ab, die seinerzeit im britischen House of Parliament gemacht wurde: Bandleader Al Jourgensen wurde von Minister Präsident Teddy Taylor als "filthy pig" beschrieben. Für "Filth Pig" reduzierten MINISTRY all die Synthesiser und Samples aus ihrem Sound und die Musik wurde von ultranoisigen Gitarren, schweren Bässen und echtem Schlagzeug dominiert. Die Songs waren größtenteils wesentlich langsamer als die ihrer vorherigen drei LPs und vermitteln fast ein Doom Metal Feeling. "Filth Pig" wurde durch die Singles/Videos "Reload", "The Fall", "Lay Lady Lay" (ein Cover des alten BOB DYLAN Hits) und "Brick Windows" unterstützt.
 
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MINISTRY - FROM BEER TO ETERNITY | 2 LP

Limitiertes goldenes Vinyl im Gatefold! Nachdem die drei vorhergegangen Auflagen bereits komplett ausverkauft sind, gibt es nun eine auf 500 Einheiten limitierte Golden Vinyl Auflage.
 
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MINISTRY - LAST TANGLE IN PARIS-LIVE 2012 DEFI | 2 LP

"Last Tangle...." dokumentiert einen einzigartigen Zeitpunkt Musikgeschichte, der sich so nicht wiederholen wird: Zusätzlich zum grandiosen Ministry Live Material gibt es auf diesem Produkt eine fantastisch Dokumentation, Live Footage, Backstage Material und Face-to-Face Interviews. Frontmann und Gründer der Band, Al Jourgensen, wird nicht nochmal mit der band auftreten! Das Material stammt von einer 4-Städte-US-Tour, von Denver, Über L.A., New York bis zu 2 Shows in Chicago. danach stand die große Runde quer durch Europa an.
 
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MINISTRY - PSALM 69 | LP

Jetzt wieder als 180gr. Vinyl erhältlich, der wohl immer noch der größte Kracher von Ministry, auch heute noch absolut auf der Höhe der Zeit. Ein Sound der später viel zitiert und kopiert, aber nie ganz erreicht wurde. Hört man z.b." Just One Fix" weiß man, was Rammstein wohl so gehört haben. Es ist wahrscheinlich die perfekte Symbiose von Gitarren, Synthies und Noise. Sind Stücke wie" NWO" noch recht verdaulich und gut tanzbar, kriegt man bei den Krach-Orgien wie ,Corrosion" die akustische Bohrmaschine ins Hirn. Wer nur einen kleinen Einblick in Industrial-Metal haben will und Bands wie NIN, Marilyn Manson oder Fear Factory verstehen will, muss dieses Album haben. "Psalm 69" ist ein Klassiker und definierte 1992 das Genre des Industrial Rock neu. Hier wurden erstmalig harte Gitarren mit vielen Samples und Elektronik zu einer neuen Art von Musik verschmolzen und sorgte das sorgte für einen Ruck in der Szene! Ob nun der Opener "N.W.O.",das genial rockende "Just One Fix",die Lärmorgie "TV II",das längst legendäre "Jesus Built My Hot Rod"oder das epische "Psalm 69" - Ministry erreichten hier ihren musikalischen Gipfel. Genial und wegweisend. LP Cut by Chris Bellman, 180gr. Vinyl, Pressed by Optimal, Original Cover Artwork incl. Innersleeve.
 
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MINISTRY - THE LAND OF RAPE AND HONEY | LP

MINSTRY verknüpften erfolgreich Heavy Metal, elektronische Beat und die Einstellung des Punk. ,The Land Of Rape And Honey" war 1988 ihre atemberaubendes Debüt, dass das Fundament für eine ganzen Reihe von ,Tech Metal" Alben legte, die ihre Fans fanden in den alternativen Gemeinden auf der ganzen Welt. Mit ihrer Fokussierung auf Samples, synthetische Sounds und sich Schicht um Schicht stapelnde, verzerrte Gitarre waren MINISTRY einer der Vorreiter auf dem Pfad, den später Acts wie NINE INCH NAILS und FEAR FACTORY einschlagen sollten. Highlights auf ,The Land Of Rape And Honey" sind Songs wie ,Stigmata", ,The Missing" und ,Flashback", die ein perfektes Beispiel für den Sound der Band liefern.
 
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MINISTRY - THE MIND IS A TERRIBLE THING TO TAS | LP

180g Vinyl! MINISTRY verschmolzen erfolgreich Heavy Metal und elektronische Beats mit einer Punk Attitüde. Sie stützten sich auf gesampelte Sounds aus dem Synthesizer und auf dicke Schichten aus verzerrten Gitarren und agierten damit als Wegbereiter für Bands wie NINE INCH NAILS oder FEAR FACTORY. Ihr viertes Album "The Mind Is A Terrible Thing To Taste" (1989) ist der Nachfolger zum Klassiker "The Land Of Rape And Honey". Bei seiner Veröffentlichung knackte das Album die Billboard 200 - was natürlich zeigt, dass die Fangemeinde dieser Band recht kaufstark ist.
 
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MINISTRY - TORONTO 1986 | LP

Transparent goldenes Vinyl! Ein älteres Konzert der Industrial Legende Ministry aus der Zeit, als sie sich von den allseits beliebten New Wave Darlings zur weltbekannten und deutlich aggressiveren (Sound-)Variante mauserten! Aufgenommen wurde die Show im RPM Club in Toronto, Ontario. Auf der Setlist befanden sich die Proto-Industrial Klassiker "Every Day Is Halloween", "All Day", "My Possession" und mehr!
 
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MINISTRY - TWITCH | LP

180g plus Einleger. Bevor MINISTRY ihr einflussreiches Durchbruchsalbum "The Land Of Rape And Honey" veröffentlichten, ist "Twitch" - ihr zweites Album - erschienen. Ursprünglich 1986 veröffentlicht, geht "Twitch" einen Schritt weg vom pop-orientierten Debüt hin zu einem düsteren, aggressiveren Sound, den man in das EBM Genre einordnen kann. Für dieses Album gewährte man dem Sänger und Frontmann Jourgensen die künstlerische Kontrolle über die Produktion, weshalb er die meiste Zeit solo performte. Das Album klingt wie kein anderes der Band und Zuhörer könnten den Eindruck gewinnen, dass die Band erwachsen geworden ist. Trotz guter Verkäufe wurde "Twitch" immer dem "Underground" zugeordnet. Das Album enthält die Single "Over The Shoulder".
 
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MINISTRY - WITH SYMPATHY | LP

180 GRAM AUDIOPHILE VINYL INSERT "With Sympathy" ist das Debüt von MINISTRY, das ursprünglich 1983 veröffentlicht wurde, als die beiden einzigen Mitglieder von MINISTRY Al Jourgensen und Stephen George waren. Das Album ragt mehr in die Bereich von Synth Pop und New Wave herein, als es der spätere, harte Industrial Sound von Alben wie "Twitch" und ,The Land Of Rape And Honey" vermuten lassen würde. Jourgensens künstlich aufgesetzter britischer Akzent war seinerzeit eine Hommage an die Bands, die er persönlich zu dieser Zeit gut fand. Das Album brachte mit "Work For Love", "I Wanted to Tell Her" und "Revenge" drei Singles (letztere sogar mit Video!) hervor. Zum ersten Mal wieder auf Vinyl!
 

Interviews

[[Issue]]

MINISTRY - Ein alter Punkrocker mit Sampler

Mit „Psalm 69“ veröffentlichten MINISTRY 1992 ein epochales Album, dem die Single „Jesus built my hotrod“ vorangegangen war. In dieser Intensität hatte bislang niemand Hardcore, Metal und Industrial kombiniert, und entsprechend euphorisch waren die Reaktionen aus allen musikalischen Lagern auf das Schaffen von Al Jourgensen. Vorangegangen waren zwei weitere Klassiker, „The Land Of Rape And Honey“ von 1988 und „The Mind Is A Terrible Thing To Taste“ von 1989, doch erst mit „Psalm 69“ gelang der weltweite Durchbruch und MINISTRY wurden zu Stars. Dabei blieb Jourgensen, ein chronischer Drogenfreak, seiner Verwurzelung im Underground immer treu, war und ist ein Meister der Nebenprojekte, seien es nun die Parallelband REVOLTING COCKS, die mit Jello Biafra als Sänger operierenden LARD oder das legendäre PAILHEAD-Projekt mit Ian MacKaye als Frontmann. Ende der Neunziger und Anfang dieses Jahrzehnts wurde es dann etwas ruhiger um MINISTRY, erst mit dem letztjährigen Album „Houses Of The Molé“ hatte man das Gefühl, dass Jourgensen wieder zu voller Form aufgelaufen war. Im Herbst nun erschien mit „Rantology“ ein interessantes Remix-Album, und ich nutzte die Gelegenheit zu einem Interview. Ich erwischte Al im Studio in El Paso, Texas, an der Grenze zu Mexiko.Al, was machst du gerade?Ich bin gerade dabei, das neue REVOLTING COCKS-Album fertigzustellen. Das erste nach fünfzehn Jahren ... Ich hatte Gibby Haynes von den BUTTHOLE SURFERS hier, der singt bei drei Songs, und Jello Biafra, der singt auch bei ein paar, und Billy Gibbons von ZZ TOP war auch hier, der spielt bei ein paar Songs Gitarre, und Rick Nielsen von CHEAP TRICK war ebenfalls da. Du siehst, da sind ein paar Verrückte zusammengekommen, haha, und die Platte wird richtig gut! Sie erscheint im Februar.Das überschneidet sich doch beinahe mit dem neuen MINISTRY-Album, oder?Nein, das kommt am 1. April. Und nein, das ist kein Scherz. Sobald ich diese Woche die RC-Platte fertig habe, mache ich das MINISTRY-Album fertig.Du bist ein viel beschäftigter Mann, wie mir scheint. Was motiviert dich?Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und außerdem sinkt die Verbrechensquote hier in der Stadt rapide, wenn ich im Studio bin, harharhar.Wohnst du auch in der Stadt?Ich wohne jetzt in Texas. Zuvor lebten wir in Kalifornien, aber ich war so oft hier im Studio, dass ich hierher gezogen bin.Ich habe dich immer mit Chicago in Zusammenhang gebracht.Ja, aber dort fand nur die eine Hälfte meiner Karriere statt, für die andere Hälfte war Texas die Ausgangsbasis.Zuletzt erschien ein MINISTRY-Remix-Album, „Rantology“. Und ich war verblüfft, mit welchem Furor du deiner Wut über die politische Situation in den USA Luft machst.Dann hast du wohl vergessen, wo ich lebe: In Texas! Ich muss mich jeden Tag mit diesem fucking idiot beschäftigen! Und klar bin ich deshalb wütend. Ich wohne quasi in nächster Nachbarschaft zu den Bushs, so fuck him!Ein klares Statement. In Deutschland würde man da von gewissen Kreisen, den so genannten Anti-Deutschen, schon wieder ins rechte Lager gesteckt, denn die USA und ihren Präsidenten darf man auf keinen Fall kritisieren, sonst ist man ja antisemitisch ...Hä? Was? Wenn man antiamerikanisch ist, ist man antijüdisch? Hahahahahahaha ... ! Das ist ja ganz schön weit hergeholt, aber bitteschön, wenn die meinen.Wie stehst du denn dazu, wenn Menschen aus anderen Ländern die USA und George W. Bush kritisieren?Die ganze Welt sollte die USA kritisieren! Es gibt heute keine Grenzen mehr, wir leben im Internetzeitalter, also, was immer die USA tun, betrifft die ganze Welt. Bush ist nur die Marionette einer Maschinerie, des industriell-militärischen Komplexes, den die Rechte hier in den USA aufgebaut hat. Und der geht die ganze Welt etwas an. Es verwundert mich eher, dass es nicht noch viel mehr Protest gegen Bush gibt, in den USA wie dem Rest der Welt. Die ganze Sache läuft ja schon seit über fünfzig Jahren, und der Krieg in Südostasien wurde doch nicht losgetreten, um den Kommunismus zu bekämpfen, sondern um der Rüstungsindustrie zu profitablen Aufträgen zu verhelfen, damit die mit dem Geld der Steuerzahler immer noch mehr Flugzeuge, Hubschrauber und Panzer bauen konnten. Und natürlich das Öl, das vor den Kommunisten gerettet werden musste. Es geht nur um Öl, ums Militär und um Geld! Das läuft jetzt schon eine halbe Ewigkeit so, und verdammt, dagegen muss man doch was tun! Und nein, das hat nichts mit Verschwörungstheorien zu tun, das ist die Realität.Nun wurdest du musikalisch schon vielen Genres zugeordnet, oft auch dem Metal und dem Industrial. Von den letzten beiden MINISTRY-Platten und deiner klaren, politische Attitüde her kommt mir das aber alles sehr punkrockig vor.Mann, genau das bin ich: Ein alter Punkrocker mit einem Sampler! Im Herzen bin ich immer Punkrocker geblieben. Und wenn ich von Leuten aus dem Goth-, dem Metal- und dem Industrial-Lager gehört werde, ist das nur gut, wir kriegen sie alle, haha.Was für Feedback bekommst du denn von dieser Seite auf deine politischen Statements?Meist positives, aber von anderer Seite auch viel negatives. Es gibt hier eine Website der Rechten, auf der bin ich direkt nach Michael Moore auf Platz zwei der „public enemies“. Die haben da die fünfzig schlimmsten liberalen Arschlöcher aufgeführt, die umgebracht gehören. Und ich finde, das ehrt mich.Eine neue Ära des McCarthyismus ...Neu? Das ist nicht mal neu, es hat sich nichts geändert, und das war für mich auch der Grund, „NWO“ zu remixen. Der McCarthyismus geht fröhlich weiter, und so habe ich da den alten und den neuen Bush ein Duett singen lassen.Unlängst führte ich ein Interview mit Jello Biafra, in dem er dich als den „Jerry Lee Lewis unserer Generation“ bezeichnet hat, der nach wissenschaftlichen Maßstäben angesichts seines Drogenkonsums gar nicht mehr am Leben sein dürfte. Wie geht es dir heute?Also, ich bin seit drei Jahren clean. Und der einzige Grund, weshalb ich überlebt habe, ist wohl, dass bei mir jemand Gen-Experimente in Sachen Kreuzung von Mensch mit Kakerlake vorgenommen hat. Irgendwie bin ich diesen verrückten Wissenschaftler aus der Petrischale entwischt und habe bis heute überlebt.Nun ist es eine alte Plage des Rock’n’Roll, dass sich oft die kreativsten und schlauesten Köpfe durch einen exzessiven Lebenswandel vorzeitig verabschieden und damit ihren Feinden einen Gefallen tun.Ich habe nichts gegen Drogen, obwohl ich – ehrlich! – seit drei Jahren völlig clean bin. Ich bin nicht gegen den Drogengebrauch, sondern habe etwas dagegen, wenn die Droge dich kontrolliert. Anfangs nimmst du Drogen aus Gründen der Inspiration und Kreativität, doch irgendwann kontrolliert die Droge deine gesamte Kreativität, deine Motivation, alles. Und du bist kein „drug user“ mehr, sondern ein „use drugger“. Es gibt da einen Punkt, an dem das kippt, und diese Balance zu halten, kriegen nur die allerwenigsten hin. Ich war einer von denen, ich habe 21 Jahre lang Heroin genommen und immer noch was geregelt bekommen, aber letztlich bist du auch nichts anderes als ein „functional alcoholic“, ein Alkoholiker, der seine Arbeit noch erledigt bekommt, aber trotzdem ein totaler Alkoholiker ist. Aber ich habe dann gemerkt, dass ich meine Kreativität ganz hinten angestellt habe, und deshalb bin ich derzeit so aktiv, denn ich habe das Gefühl, eine zweite Chance bekommen zu haben. Ich bin immer noch über und nicht unter der Erde und ich werde mir diese Chance nicht entgehen lassen.Das klingt aber jetzt ehrlich gesagt nicht viel anders als das, was man beispielsweise von einem George W. Bush zu hören bekommt, der einst auch ein schlimmer Finger war, ein Säufer, der dann „wiedergeboren“ wurde und seine zweite Chance ausgiebig nutzt.Uh, das war jetzt aber eine üble Beleidigung! Wasch dir den Mund mit Seife aus! Das war das Schlimmste, was ich seit langem zu hören bekommen habe!Sorry ... Aber lass mich dich fragen, wie du das geschafft hast? Viele Leute in ähnlichen Situationen werden ja tatsächlich zum Opfer religiöser Anfälle.Glaub mir, es war eigentlich ganz leicht. Ich habe mein damaliges Leben betrachtet, wie ich Haus, Familie, meine Musikinstrumente, mein Geld, ja alles verloren habe, wie ich bei irgendwelchen Heroindealern auf dem Fußboden geschlafen habe. Das war hart, das war schwierig! Clean zu werden, war dagegen ganz leicht: Ich bin eines Tages aufgewacht und hatte einen jener Momente, wo dir ein Licht aufgeht. Und ich wusste, dass ich entweder draufgehe oder mein Leben geregelt kriege.Das klingt durchaus nach einem spirituellen Erlebnis.Das war es auch. Wenn du ganz unten aufschlägst, dann spürst du das einfach. Das ist bei jedem anders. Manche wollen aufhören, aber sie sind noch nicht ganz unten angekommen, aber irgendwann kommst du an den Punkt, wo du dich zwischen Leben und Tod entscheiden musst. Und klar, das Ganze hat auch eine spirituelle Komponente, aber das hat ja nicht notwendigerweise etwas mit dem Christentum zu tun. Du kommst am Boden deiner Seele an und musst dir darüber klar werden, was du tun willst.Warst du dir bewusst, dass dein damaliger Lebensstil vielleicht einen Gegensatz darstellt zu dem, was du an politischer Meinung hattest, also die Leute aufzufordern, sich für gesellschaftliche Veränderung einzusetzen, aber nicht die Stärke zu haben, mit Veränderung beim eigenen Körper zu beginnen?Ich habe ja für Veränderung gekämpft, bin auf die Straße gegangen, aber gleichzeitig habe ich mich selbst zerstört. Das aber wiederum halte ich für eine persönliche Angelegenheit, da sehe ich keinen Widerspruch und da hat auch niemand das Recht, einem andere Vorschriften zu machen. Jeder muss selber wissen, wann und ob er sich ändert. Was meine Musik anbelangt, so sehe ich keinen Widerspruch zwischen meinem künstlerischen Schaffen und meinem persönlichen Verhalten, denn ich habe ja nie versucht, die Tatsache zu verbergen, dass ich Drogen nehme.Und was ist mit dem Beispiel, das man als Musiker ja auch immer irgendwie seinen Fans gibt?Das ist doch scheißegal. Du bist für dich verantwortlich innerhalb dessen, was für dich okay ist. Was andere denken und tun, was sie in dein Verhalten hineindeuten, ist ihr Problem. Du musst erstmal zu dir selbst ehrlich sein, bevor du das gegenüber anderen sein kannst. Ich wurde schon gefragt, warum ich als Musiker all diese politischen Statements und Aktionen bringe, mich würde doch keiner ernst nehmen. Da habe ich geantwortet, das würde ich nicht als Musiker machen, sondern als betroffener, engagierter Weltbürger. Und das ist ein großer Unterschied. Okay, ich beziehe mittels meiner Musik Stellung, aber das hat nichts mit Musik zu tun, sondern mit dem, woran ich glaube, was mir wichtig ist.Ein anderes Thema: Du wirst immer wieder als Vorreiter der Industrial-Musik bezeichnet, wobei ...Ach, das ist doch lächerlich. Da könnte ich mich ja auch gleich hinstellen und behaupten, ich hätte das Rad erfunden. Lass mich das eben klarstellen: Das Rad war längst da, ich habe höchstens ein paar zusätzliche Speichen eingefügt. Ich habe nichts erfunden, ich habe dem Genre nur meinen eigenen Stempel aufgedrückt, indem ich meine eigenen Einflüsse auf eine eigene Weise interpretiert habe. Wenn das gleichbedeutend mit Erfinden ist, okay, aber nach meiner Sicht der Dinge habe ich nur ein paar Dinge ergänzt. Das Rad dreht sich einfach weiter, und andere fügen ihrerseits noch einige Speichen ein.Wer hat dich einst inspiriert, und was beeindruckt dich heute?Also heutzutage bin ich so mit meiner eigenen Musik im Studio beschäftigt, dass ich gar keine Zeit habe, mich darum zu kümmern, was andere für Musik machen. Was nun eine neue Platte der REVOLTING COCKS zu etwas Besonderem macht, ist die Tatsache, dass ich, der ich mit Billy Gibbons und ZZ TOP aufgewachsen bin, heute mit ihm zusammen an meiner neuen Platte arbeite. Das bedeutet mir etwas. Als Jugendlicher hörte ich ansonsten die üblichen Sachen, neben ZZ TOP eben LED ZEPPELIN, PINK FLOYD, HAWKWIND, THE PINK FAIRIES, viel Progressive Rock – einfach alles, was gut war.Was ist mit Bands wie EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN, THROBBING GRISTLE, LAIBACH?Ich liebe diese Bands! Aber die zählen nicht zu meinen frühen musikalischen Einflüssen. Ich bin eben schon verdammt alt – 47, wenn das Interview erscheint, wobei meine Leber sicher schon 90 ist.Mein erster Kontakt war als pickliger Teenager. Da kaufte ich mir die „I Wanted To Tell Her“-12“ von MINISTRY, und aus heutiger Sicht ist das furchtbarer Disco-Pop. Was war damals passiert? Ich konnte später nicht glauben, dass das die gleiche Band sein soll, von der „Jesus built my hotrod“ ist.Hahahaha, diese 12“ ist ja auch von, äh, 1931 oder so. Von vor dem Krieg. Das mit dieser Platte ist die typische Geschichte von ein paar Kids, die Musik machen, die Bands hörten wie jene, die du eben genannt hast, und die dann bei einem Majorlabel unterschrieben haben. Und sofort setzte uns das Label Produzenten und Songwriter vor die Nase, die aus MINISTRY so einer Art MILLI VANILLI machten. Ich musste das Label dann verklagen, damit die mich wieder gehen lassen, gründete mein eigenes Label und machte wieder das, was ich wollte. Die MINISTRY vor dieser Platte und die danach haben also sehr viel miteinander zu tun. Das dazwischen war kompletter Sellout, aber seitdem und bis heute kann ich wieder exakt das machen, was ich will. Das Gute an dieser Erfahrung ist, dass ich seitdem von Sellouts die Nase voll habe und so einen Fehler niemals wiederholen werde.Das letzte MINISTRY-Album, „Houses Of The Molé“, war ja für viele alte Fans so was wie die Auferstehung dieser Band.Ja, das hatte sicher alles was mit meinem Loskommen vom Heroin zu tun. Ich wachte aus meinem Heroinkoma auf, sah mich um und war angepisst, was aus diesem Land geworden war. Ein neuer Bush an der Macht, alles am Arsch, und da haben wir uns eben musikalisch Luft gemacht.Du hast auch keinen Majordeal mehr, deine Platten kommen heute wieder über Indiestrukturen in die Läden.Na ja, auch das ist eine gewisse Rückbesinnung. Einst hatten wir ja Wax Trax gegründet, ein Label, auf dem unter anderem LAIBACH und FRONT 242 waren. Ich habe also diesen Indie-Background und es war für mich immer eine seltsame Erfahrung, mit diesen Industrie-Motherfuckern zu dealen. Irgendwie haben wir aber auch das überlebt, hehe. Und wenn die neue MINISTRY-Platte erschienen ist, via Sanctuary, dann werde ich wieder mein eigenes Indie-Label namens 13th Planet gründen und meine Sachen selbst rausbringen. Die erste Veröffentlichung wird von einer Band namens SPIDERBABY aus Detroit sein.Was ist denn aus Wax Trax geworden?Also alle Sachen, an denen ich beteiligt war wie PAILHEAD, REVOLTING COCKS oder 1000 HOMO DJS sowie die alten MINISTRY-Sachen sind jetzt auf RykoDisc. Der Plattenladen Wax Trax existiert schon lange nicht mehr, aber ich war auch schon lange nicht mehr in Chicago, außer mal für einen Tag auf Tour. Danny Flesher, Jim Nash und ich waren Partner, Jim ist gestorben, Danny ist wieder nach Arkansas gegangen, und das war’s dann wohl, das Ende einer Ära. Ich selbst kaufe heute keine Platten mehr, ich mache sie lieber selbst, hahaha. Und deshalb habe ich wohl auch das, was man unter Musikern als „studio tan“ bezeichnet, diese vampirhafte Blässe im Gesicht, die davon kommt, dass man eigentlich nie bei Tageslicht ins Freie kommt. Wenn sie mich dann einmal im Monat rauslassen, gehe ich lieber in ein Restaurant als in einen Plattenladen. Ich habe also keine Ahnung, was derzeit so angesagt ist, und ich muss sagen, das macht mir gar nichts aus. Sicher machen andere ihre Musik auch mit großer Leidenschaft, aber an mir geht das vorbei.Al, besten Dank für das Interview.
 

Reviews

MINISTRY

© Ox Fanzine #84 / Arndt Aldenhoven

Adios ... Puta Madres

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sagen MINISTRY „Adios". Sowohl mit einer Live-CD als auch einer Doppel-DVD, die denselben Namen trägt. Den Abschied zelebriert man also auch kommerziell ziemlich gewaltig.Als großer MINISTRY-Fan erwarte ich aber auch so etwas und bin froh, dass man mich die großartige Band in guter Erinnerung behalten lässt. Zu sehen gibt es auf der ersten DVD einen Live-Gig, auf dem größtenteils Material der drei letzten Alben zu hören ist.Insgesamt sind es fünfzehn Songs. Die üblichen Klassiker wie „So what", „Just one fix" oder „Thieves" fehlen natürlich nicht, aber neue Klamotten wie „Let's go", „No W", „Senór Peligro" oder „Live is good" stehen der Band ebenso gut zu Gesicht.Als letztes Stück gibt es dann passend das wunderschöne „What a wonderful world"-Cover, das sehr bewegend inszeniert ist und anschließend rotzig-punkig heruntergezockt wird. Und der Zaun am Bühnenrand, wie damals auf der „Mind"-Tour, ist auch wieder dabei.Wer die Band letztes Jahr auf der „C U LaTouR 2008" gesehen hat, der weiß in etwa, was ihn erwartet. Ein Schmankerl nebenbei: PRONGs Tommy Victor geht ab auf der Bühne, dass es eine wahre Pracht ist und erinnert mich mit seinen seltsamen Luftsprüngen immer wieder an David Lee Roth im „Jump"-Clip.Die zweite DVD ist gefüllt mit einer vierzigminütigen Dokumentation namens „Fuchi Requiem", die die Arbeiten und die Proben rund um die Abschiedstour zeigt. Sieht man sich einmal an, danach wohl eher nicht mehr.Denn der Fokus liegt auf der Konzert-DVD, die sich mit den anderen zwei sehr gelungenen, früheren MINISTRY-Live-Videos durchaus messen kann.

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #36 / Thomas Kerpen

Dark Side Of The Spoon CD

Was für ein seltsamer Werdegang: aus einer schlechten Synthie-Pop-Band wurde das EBM-Aushängeschild der 80er und schließlich die Sperrspitze eines 90er Crossover-Sounds. Industrial meets Rock, eine unheimlich dynamische Bündelung und Potenzierung von Krach und Aggressivität, daran hat sich auch bei dieser Platte nichts geändert. Mit "Psalm 69" hatten MINISTRY bereits ihr persönliches Meisterwerk aufgenommen und so stellt auch "Dark Side Of The Spoon" nur eine Wiederholung des bekannten Schemas dar: stampfende Beats, schwere Gitarren und heiserer Brüllgesang. Business as usual, auch wenn man diesmal feststellen muß, daß MINISTRY für ihre Verhältnisse beinahe ein schwerfälliges Blues-Rock-Album aufgenommen haben. Das Cover ist diesmal aber wirklich oberekelhaft, wofür es auf jeden Fall alle Punkte gibt. Let there be Lärm!

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #121 / Joachim Hiller

Dark Side Of The Spoon

Wie beschissen die Neunziger für Vinylliebhaber wirklich waren, sieht man an Platten wie dieser, dem siebten MINISTRY-Album: Bis zu diesem Rerelease war das Album nie auf Vinyl erschienen, die Majors legten es damals wirklich darauf an, das Format auszurotten.15 Jahre später verdient man an der Neuauflage gerne mit. Music On Vinyl hat sich mit der Aufmachung des Vinyls Mühe gegeben, das CD-Artwork nicht einfach nur hochgezogen, und so wirken die Fotos auf Cover, Backcover und Textblatt nur noch verstörender: eine von hinten aufgenommene deutlich adipöse Frau posiert vor einer grünen Wand, auf dem Cover sitzt sie mit einem Papierhut mit der Aufschrift „Dunce“ vor einer Schultafel, auf der zigmal der Satz „I will be god“ geschrieben steht.Für die US-Warenhauskette Kmart war das „anstößige“ Cover seinerzeit Grund, das Album aus seiner CD-Abteilung zu verbannen. Über den Titel hat man sich dabei noch gar nicht unterhalten: „Dark Side Of The Spoon“ ist einerseits eine Anspielung auf das PINK FLOYD-Album, andererseits weiß jeder Heroin-User (Al Jourgensen war selbst einer ...), was damit gemeint ist.Interessanterweise veröffentlichte die niederländische Punkband NITWITZ im gleichen Jahr ein Album namens „The Dark Side Of The Spoon“ – unklar, wer zuerst die Idee hatte. „Dark Side Of The Spoon“ war damals das letzte MINISTRY-Album für Warner, und im Vergleich zum grandiosen Durchbruchsalbum „Psalm 69“ von 1992 war es wie dessen Nachfolger „Filth Pig“ von 1996 kein kommerzieller Erfolg.Die fokussierte Schärfe, die das Werk von Jourgensen und Paul Barker bis inklusive des Durchbruchsalbums ausgezeichnet hatte, war einer gewissen experimentierfreudigen Beliebigkeit gewichen, und so löst „Dark Side Of The Spoon“ auch heute noch keine Begeisterung aus – zu ansatzweise alter Form fanden MINISTRY erst fünf Jahre später wieder.Insofern eher ein Album, das man sich der Vollständigkeit halber zulegt.

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #110 / Ingo Rothkehl

Enjoy The Quiet – Live At Wacken 2012

Meine MINISTRY-Ära endete am Mittwoch, den 26. Juni 1996. Da saß ich in der halb ollen Offenbacher Stadthalle und musste mir einen lahmarschigen Gig des damals schon total fertigen Al Jourgensen mit – seinem damals noch-Buddy – Paul Barker reinziehen, während alle meine Freunde zu Hause vor der Glotze hockten, und sich das EM-Halbfinale Deutschland-England ansahen.Jenes legendäre Spiel, in dem Stefan Kuntz die Deutschen kurz vor Ende der Verlängerung per Kopfball ins Elfmeterschießen brachte, das die Engländer dann wie so oft ganz kläglich verloren.Dieses Trauma sorgte bei den Engländern dafür, dieses unsägliche Lied „Football’s coming home“ zu komponieren und bei mir, aus Wut über den vergeudeten Abend, MINISTRY zu hassen und in Zukunft zu meiden.Aus musikalischer Sicht kein großer Verlust, denn alles, was nach „Filth Pig“ herauskam, war nur noch redundanter Schrott. Insofern kann ich dieser DVD auch nichts abgewinnen, denn 2012 spielten MINISTRY überwiegend Songs ihrer Spätphase.Bei der Bonus-DVD wird das wieder ein wenig wett gemacht, aber Leute, wer braucht das heutzutage noch?

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #55 / Joachim Hiller

Houses Of The Molé CD

Ziemlich genau zwölf Jahre sind seit "Psalm 69" vergangen, und wenn wir es einfach mal klar aussprechen: es war das beste und auch letzte relevante MINISTRY-Album. Als dann auch noch Paul Barker nach dem letztjährigen Album die Band verließ, rechnete wohl keiner mehr mit Al Jourgensen, doch siehe da, man sollte den Glauben an die Auferstehung eben nie verlieren: Mit Mike Scaccia an der Gitarre, John Monte (ex-MINDFUNK) am Bass und Mark Baker (ex-FEAR) am Schlagzeug nahm der erklärte Bush-Hasser Jourgensen ein Album auf, das in Sachen Brachialität und Kompromisslosigkeit direkt an den Hardcore-Kracher von 1992 anknüpft. Klar, seitdem sind lange Jahre ins Land gegangen, fand der kompromisslose Sound von MINISTRY viele Nachahmer, doch über die Distanz der elf Songs (auf dem Booklet stehen nur neun, aber zwischen zig 4-Sekunden-Leertracks finden sich eben auch zwei Überraschungen) kommt keine Enttäuschung auf, sind MINISTRY so gut wie seit langem nicht mehr und das Versprechen Barkers "to do a balls-out, punk-rock record" wird auch eingelöst. Was nun die neugewonnene Qualität anbelangt, so hatte Barker dafür in einem MTV-Interview eine passende Erklärung: "When Democrats are in power, MINISTRY albums suck." Jetzt ist Dubya dran, und Jourgensen hasst Bush Junior, weshalb er sich auch in der Punkvoter-Bewegung engagiert, und die Texte auf "Houses Of The Molé" lassen nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Nicht nur wird George W. immer wieder mit Samples zitiert, nein, zu seinen Ehren tragen auch alle Songs einen Titel mit W - W wie "Worthless", "Worm" oder "Wrong". Bleibt nur das Dilemma: Erträgt man als Musikfan lieber Präsidenten wie George W. Bush oder hat man besser paar Jahre mit miesen Platten zu kämpfen? So oder so, Jourgensen sollte uns nicht wieder zwölf Jahre warten lassen. (58:19) (09/10)

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #115 / Jens Kirsch

Last Tangle In Paris – Live 2012 DeFiBriLaTour

Mein lieber Schwan, Al Jourgensen sieht ganz schön fertig aus, als er zu Beginn dieser DVD in den Backstagebereich eines Pariser Clubs schlurft, natürlich mit dem obligatorischen Glas Rotwein in der Hand, welcher neben den Zigaretten angeblich die einzig verbliebene Sünde im Leben des Meisters ist.Einen Moment musste ich sogar irgendwie an Captain Jack Sparrow denken, als Mr. Jourgensen kurz schief in die Kamera grinst, während sich der mittlerweile leider verstorbene Gitarrist Michael Scaccia neben im warm spielt.Kurz darauf gibt der Mann auf der Bühne dann doch deutlich mehr Gas, als man ihm zugetraut hätte, während die Band um ihn herum ein absolutes Feuerwerk loslässt. Die Setlist des (vorerst) wohl letzten MINISTRY-Auftritts besteht dabei zum Glück weitestgehend aus grandiosen Brechern vom Schlage eines „The last sucker“ oder auch „Psalm 69“ und der Sound könnte Wände einreißen.Sollte dies also tatsächlich das letzte Live-Dokument dieser Band sein, dann ist es definitiv ein überaus achtbares. Umrahmt wird der Mitschnitt des Konzerts zudem von einer Dokumentation, bei der die Band sowohl im heimischen Proberaum, als auch während der Tour begleitet wird und man gänzlich neue Eindrücke gewinnen kann.Meines Erachtens kommt hier insbesondere Mike Scaccia glänzend weg, was den Umstand seines Todes umso bedauerlicher macht. Wenigstens konnte sich der Mann hier mit seiner Leistung doch noch ein kleines Denkmal setzen.Beiliegend gibt es die Show noch in einer Audioversion auf CD, sowie eine weitere Bonus-CD mit teilweise bis 2006 zurückreichenden Live-Aufnahmen. Sollte man sich als MINISTRY-Fan zulegen.

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #99 / Joachim Hiller

Original Album Series

2008 verkündete Alain Jourgensen das Ende von MINISTRY und schloss eine Reunion kategorisch aus. Was von solchen vollmundigen Ankündigungen zu halten ist, weiß jeder: Es ist fast immer nur eine Frage des Preises, wann aus dem „Nein!“ ein „Na ja ...“ wird.In diesem Fall war es wohl das Angebot der Wacken-Veranstalter, und so sollen MINISTRY 2012 nicht nur dort spielen, sondern ist für Frühjahr 2012 auch ein neues Album geplant. Eine gute Gelegenheit also, sich mal (wieder) mit dem frühen Schaffen vertraut zu machen, das nun von Rhino in Form der „Original Album Series“ rereleaset wurde, was wie immer fünf dünne Papphüllen mit dem LP-Artwork in einem Pappschuber bedeutet – ohne Bonusmaterial, ohne Linernotes, dafür billig.Enthalten sind die Alben „Twitch“ (1986), „The Land Of Rape And Honey“ (1988), „The Mind Is A Terrible Thing To Taste“ (1989), „In Case You Didn’t Feel Like Showing Up“ (1990) und „Psalm 69: The Way To Succeed And The Way To Suck Eggs“ (1992), also die Alben Nr.2 bis 5 sowie das 1990er Live-Album. Warum das Debüt „With Sympathy“ von 1983 unterschlagen wird, kann ich nur vermuten: Dieses kitschige Synth-Pop-Album mit den trashigen Disco-Pop-Hits „I wanted to tell her“ und „Work for love“ unterscheidet sich so krass vom späteren Schaffen Jourgensens (angeblich entdeckte der nach dem Debüt erst Hardcore), dass ich, der ich einst in zarten Teenie-Jahren das Debüt gekauft hatte, Jahre später nicht glauben konnte, dass hinter „The Land Of Rape And Honey“ wirklich der gleiche Alain Jourgensen steckt.So gesehen ist „Twitch“, 1985 im Southern-Studio (CRASS etc.) in London von Adrian Sherwood aufgenommen, der logischere Einstieg, auch wenn das Album zwar noch nicht den „Industrial Metal“ bietet, mit dem „The Land Of Rape And Honey“ und „The Mind Is A Terrible Thing To Taste“ begeisterten.Stattdessen ist hier so eine Art Metamorphose im Gang, ließ sich die Band vom damals in Europa grassierenden EBM-Hype anstecken (Stichwort: FRONT 242, NITZER EBB) und war damit weg vom Synthie-Pop.Der „echte“ MINISTRY-Sound trat dann erstmals mit „The Land ...“ in Erscheinung und wurde auf dem epochalen Album „The Mind ...“ perfektioniert. Dieses Werk mit dem charakteristischen Cover (das Röntgenbild eines menschlichen Schädels) erschien im gleichen Jahr wie die epochale LARD-EP „The Power Of Lard“, das Gemeinschaftswerk von Jello Biafra und Jourgensen, dem 1990 das LARD-Album folgte.Die späten Achtziger und frühen Neunziger waren also definitiv die kreativ wichtigste Phase von Jourgensen, der es schaffte, die Härte von Hardcore mit Elementen aus Metal, Industrial und EBM zu verknüpfen und damit Pionierarbeit zu leisten.Bis dahin bewegte sich das alles aber noch eher auf Underground-Niveau, der große kommerzielle Durchbruch kam dann erst 1991/92 mit „Psalm 69“ und der vorangehenden Single „Jesus built my hotrod“, dem genialsten aller MINISTRY-Songs, einer Coproduktion von Jourgensen mit dem ähnlich freakigen BUTTHOLE SURFERS-Frontmann Gibby Haynes.Spätestens da hatte dann auch der Mainstream-Rock-Hörer die Band auf dem Schirm und so mancher frühe Fan fing an sich zu verabschieden. Schlecht ist keines der späteren MINISTRY-Alben, die Essenz von Jourgensens Schaffen jenseits von LARD und seiner Zweitband REVOLTING COCKS ist aber in dieser Box konzentriert.

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #62 / Joachim Hiller

Rantology CD

Ein neues Album hat Al Jourgensen derzeit in Arbeit, im Frühjahr 2006 soll es soweit sein, und um sich bis dahin in Erinnerung zu halten, gibt es mit "Rantology" so eine Art Remix-Album, passend zum 25. Geburtstag der 1980 in Chicago gegründeten Formation, über im Info großkotzig geschrieben wird, sie seien die "founders of the industrial revolution of rock". Naja, LAIBACH, THROBBING GRISTLE und Co. leisteten die wahre Pionierarbeit. Soviel zu den historischen Fakten. Los geht's hier mit "No w redux" mit der Opernsängerin Martha Cooper, gefolgt von einem Appetizer auf die neue Platte namens "The great satan", in dem reichlich Bush-Samples verwurstet werden - eine brutale, kickende Hardcore-Nummer. Und wie gut, dass Jourgensen US-Amerikaner ist, sonst müsste er sich von den "Antideutschen" sicher den Vorwurf des Antiamerikanismus gefallen lassen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden ... Sowieso ziehen sich die Bush-Samples durch das gesamte Album, das angesichts der teils kompletten Neuinterpretation der Lieder eher eine neue Platte als so was wie eine Best-of-Kopplung ist. Höhepunkt ist für mich auf jeden Fall die von Gibby Haynes bearbeitete Version von "Jesus built my hotrod", das für mich sowieso DIE MINISTRY-Nummer schlechthin ist. Beeindruckend und immer noch aktuell: "N.W.O.", hier im "Update Mix". Abgerundet wird die ganze Sache dann durch drei Livetracks, "Psalm 69", "Thieves" und "The fall". Ergibt alles in allem einen lohnenswerten Release für jeden MINISTRY-Fan, wobei das Coverartwork aber eher misslungen ist. (76:24) (8)

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #65 / André Bohnensack

Rio Grande Blood CD

Sollte George W. Bush über einen guten Draht zum lieben Gott verfügen, dann wird Al Jourgensen spätestens für "Rio Grande Blood" in der Hölle schmoren. Nicht nur dass er auf dem Cover des dreizehnten MINISTRY-Albums den US-Präsidenten als Jesus-Parodie in einem Ölfass stehend und von Bohrtürmen und Bombern umgeben abbildet, jetzt dreht er "Dubya" auch noch die Worte so im Mund herum, dass der Mann endlich mal die Wahrheit sagt. Der Opener und gleichzeitige Titeltrack startet mit der Ankündigung "And now a message from the President of the United States, George W. Bush" und präsentiert dann, begleitet von den typischen MINISTRY-Gitarrenbreitseiten, ein paar leicht umgeschnittene Bush-Samples, die den Herrn dann so schöne Dinge sagen lassen wie "I'm a dangerous, dangerous man with dangerous, dangerous weapons", "I'm a weapon of mass destruction, I'm a brutal dictator and I am the evil" oder ganz simpel "I'm an asshole." Jourgensen macht mit "Rio Grande Blood" also genau dort weiter, wo er vor zwei Jahren mit "Houses Of The Molé" aufgehört hat. Es dreht sich primär wieder um den Verbrecher und seine Gefolgschaft im Weißen Haus sowie natürlich deren Weltpolitik, und auch musikalisch knüpfen MINISTRY trotz Besetzungswechseln nahtlos am Vorgänger an. Al Jourgensen hat sogar beinahe die ganze Belegschaft ausgetauscht - Ex-FEAR-Schlagzeuger Mark Baker ist immer noch dabei, neu dagegen sind Ex-PRONG-Boss Tommy Victor an der Gitarre und Bassist Paul Raven (ebenfalls ex-PRONG, aber auch ex-KILLING JOKE). Und auch wenn die beiden Letzteren, teils deutlich hörbar, am Songwriting beteiligt gewesen sind - "Gangreen" basiert beispielsweise auf einem Riff, das an die PRONG der frühen Neunziger erinnert - ist "Rio Grande Blood" im Endeffekt wieder Jourgensen pur. Ob rasend schnelle Klopper wie das absolute Albumhighlight "Senor Peligro", das mit seinem brillanten Achtziger-Thrash-Riff das Potenzial hat, meinen ewigen MINISTRY-Übersong "Burning inside" abzulösen, oder brutale Midtempo-Songs wie das ebenfalls heraus stechende, einfach genial arrangierte und mit einer grandiosen Pathos-Melodie versehene "LiesLiesLies" oder der hypnotische Rausschmeißer "Khyber Pass", jeder Moment der zehn Songs auf "Rio Grande Blood" - der kurze Militär-Chant am Ende der Platte nicht mitgezählt - kommt einem sofort vertraut vor und begeistert direkt. Wirklich schon bekannt dürfte "The great satan" vom letztjährigen MINISTRY-Compilation-Album "Rantalogy" sein, hier aber in einer anderen Version vertreten. Natürlich haben auf "Rio Grande Blood" auch wieder Gäste mitgewirkt, ein gewisser Sgt. Major hat "Gangreen" mit seiner Stimme veredelt, Liz Constantine von den sich selbst als experimentellen HipHop spielende Band bezeichnenden DIZZY X singt bei "Khyber Pass" und auch Jello Biafra hat mal wieder bei Jourgensen vorbeigeschaut, um für "Ass clown" ein paar Zeilen einzusprechen. "Rio Grande Blood" ist also erneut ein verdammter Geniestreich, der mir sogar noch ein bisschen besser gefällt als das eh schon grandiose "Houses Of The Molé und ein weiterer Klassiker im Gesamtwerk MINISTRYs werden wird, direkt neben "Psalm 69" und knapp hinter "The Mind Is A Terrible Thing To Taste". (10/10)

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #73 / André Bohnensack

Rio Grande Dub Ya CD

Bei einer Band wie MINISTRY, deren Wurzeln ja in der Elektronischen Musik liegen, mag die Praxis des Remixens durchaus Sinn machen und den Fokus des Betrachters ihrer Musik erweitern, automatisch überzeugen muss das Ergebnis deshalb aber nicht. Auch dann nicht, wenn es Weggefährten von MINISTRY-Boss Al Jourgensen sind, die dessen Musik auseinander nehmen, durch den Computer jagen und neu zusammensetzen. Clayton Worbeck (STAYTE, REVOLTING COCKS) und John Bechdel (MINISTRY, PRONG) mögen genug Erfahrung und handwerkliches Können besitzen, ihre Neuinterpretation von "Rio Grande Blood" ist dennoch schlichtweg überflüssig. Diese Aussage mag man mir als subjektive Empfindung auslegen, da "Rio Grande Blood" in meinen Augen ein fantastisches, absolut perfektes und nicht zu verbesserndes Album ist, Fakt ist aber, dass Worbeck und Bechdel es geschafft haben, mit "Rio Grande Dub Ya" beinahe jegliche Aggression des Originals zu zerstören. Von Wut und Energie angetriebene Songs wie den Titeltrack, "Gang Green" oder das grandiose, eben von seiner Geschwindigkeit lebende "Señor Peligro" haben sie durch Wegnehmen von Tempo und Härte bei bloßem Zufügen von Beeps und Blubbs zu furchtbaren Lahmärschen degradiert. Einzig die eh schon im Midtempo angelegten Songs funktionieren halbwegs. Das hier zwei Mal vertretene "Lies lies lies" (dafür wurde auf den "Sgt. Major"-Chant verzichtet) ist im "Cognitive Dissonance Mix" sogar ganz wunderbar gelungen (die zweite Version ist dafür furchtbar). Diese wenigen Momente, in denen man nicht das Gefühl hat, das Remixen wäre reiner Selbstzweck, retten "Rio Grande Dub Ya" dann auch vor einer Einstufung als Totalausfall. (5)

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #86 / André Bohnensack

The Last Dubber

Ob das hier tatsächlich „the last“ sein wird, darf bezweifelt werden; ich gehe sogar ganz fest davon aus, dass Al Jourgensen noch diverses MINISTRY-Material in seinen Schubladen liegen hat, das veröffentlicht werden könnte, trotz der endgültigen (?) Auflösung seiner Band im Sommer 2008.Irgendwelche Coversongs (trotz des kurz vor Schluss erschienenen Coveralbums „Cover Up“) oder Live-Aufnahmen (trotz der noch jungen Live-Platte „Adios ... Puta Madres“) sollten sich doch finden lassen.Oder eben ein paar Remixe, das geht ja immer. War „Rio Grande Dub“ von 2007 eine (nicht sehr geglückte) Umgestaltung des 2006er Albums „Rio Grande Blood“, so ist „The Last Dubber“ nun die nur leidlich gelungenere Remix-Variante von MINISTRYs letztem Album „The Last Sucker“.Abermals (hauptsächlich) von REVOLTING COCKS-Mann Clayton Woybeck neu interpretiert, fragt man sich erneut: warum eigentlich?

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #74 / André Bohnensack

The Last Sucker CD

Das war es dann also. Nach 26 Jahren klappt Al Jourgensen den Deckel zu und begräbt MINISTRY. Als Synthiepop-Band hat Jourgensen MINISTRY einst gegründet und dann erst in Richtung EBM und Industrial, später dann immer mehr hin zum Metal geführt, ohne dabei die Elektronik-Elemente zu verlieren (vom Synthiepop mal abgesehen). Jetzt will der beinahe fünfzigjährige Jourgensen lieber sein Label Thirteenth Planet ausbauen, es quasi zum WaxTrax-Nachfolger werden lassen, als weiter Gift gegen die US-Regierung zu versprühen. Sein wohl größtes Feindbild, George W. Bush, wird zwar erst nächstes Jahr abtreten, von Al gibt es hier schon vorab einen Abschieds-Arschtritt. Ja, auch "The Last Sucker" ist wie seine direkten Vorgänger "Rio Grande Blood" (2006) und "Houses Of The Molé" (2004) in erster Linie ein Angriff gegen Bush, seine Schergen und die verbrecherische Politik, die sie betreiben. Unterstützt wird Jourgensen dabei wieder von den beiden PRONG-Männern Tommy Victor und Paul Raven, außerdem wurde FEAR FACTORY-Sänger Burton C. Bell eingeladen, die Songs "Die in a crash", "End of days Part one" und "End of days Part two" einzusingen. Und auch auf die Gefahr hin, dass der Vergleich etwas hinkt, behaupte ich, dass sich "The Last Sucker" zu "Rio Grande Blood" verhält, wie einst "Psalm 69" zu "The Mind Is A Terrible Thing To Taste": Ähnlich großartig, aber einen Deut schwächer, dabei aber auch subtiler und nicht ganz so brutal nach vorne gespielt. Nur selten geben MINISTRY hier Gas, verweilen lieber im Midtempo und setzen ganz auf Atmosphäre, denn auf pure Energie. Zwar hätte ich mir hier und da einen heftigen Hassausbruch gewünscht, der das Ganze etwas explosiver macht, trotzdem ist auch "The Last Sucker" wieder zweifellos eine ganz hervorragende Platte, die MINISTRYs Status als einflussreiche und wohl wichtigste Elekronik-meets-Metal-Band untermauert und ein würdiger Abschluss einer einflussreichen Karriere ist. Danke, Al. (9)

 

MINISTRY

© Ox Fanzine #113 / Joachim Hiller

The Mind Is A Terrible Thing To Taste

MINISTRY sollte Ende der Achtziger das heiße, neue Ding sein, wollten mir Freunde 1989 erzählen, „The Mind Is A Terrible Thing To Taste“ war gerade erschienen, das vierte Album von Al Jourgensen und Co.Ich konnte das nicht glauben, hatte ich doch aus meiner finsteren Teenie-Zeit eine Platte im Schrank stehen, von einer Band, die sich ebenfalls MINISTRY nannte, aber schrecklichen Achtziger-Synthiepop machte.Und siehe da, es handelte sich tatsächlich um die gleiche Band, die in der Tat stilistisch eine 180-Grad-Wende hingelegt hatte: nach den schrecklichen Anfängen hatten sich MINISTRY schon mit „Twitch“ (1986) vom Teenie-Pop abgewandt und begonnen, „undergroundige“ elektronische Erwachsenenmusik zu machen, was sich 1988 mit „The Land Of Rape And Honey“ und dem Einstieg von Paul Barker fortsetzte – erstmals war hier die Band erkennbar, die 1991 mit dem epochalen „Jesus built my hotrod“ (eine Zusammenarbeit mit Gibby Haynes von den BUTTHOLE SURFERS) und dem „Psalm 69“-Album (1992) einen Höhepunkt erreichte.Dazwischen lag erwähntes „The Mind Is A Terrible Thing To Taste“-Album, das eine Vorwegnahme seines Nachfolgers war, nur noch nicht ganz so ausgereift. Jourgensen und Barker hatten die für MINISTRY so typische Mischung aus Elementen von Metal, Goth, Industrial, EBM und Punk nahezu perfektioniert, eine ganz eigene Klangfarbe geschaffen, deren Qualität sich daran bemessen lässt, dass das Album heute noch „gegenwärtig“ klingt und man, im Gegensatz zu vielen anderen Releases mit mehr als 25 Jahren auf dem Buckel, nicht den Eindruck hat, hier historischen Aufnahmen zu lauschen.Besser als auf „The Mind ...“ und „Psalm 69“ waren MINISTRY nie wieder. Ein Klassiker in hochwertiger Music On Vinyl-Ausstattung.

 

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Mai.
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2016