Radio HavannaTourdaten, Infos, Interviews, Reviews

Nächster Termin:

30.04.2016
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Genre

Indie/Alternative, Punkrock/Hardcore, Rock

Shows

361 Shows in 167 Städten / 4 Ländern

Zeitraum

08.04.2006 - 06.08.2016

Letzte Show

09.04.2016 - DE-Warendorf, IFAN-Festival

Nächste Show

30.04.2016 - DE-Berlin, Bi Nuu

Booking

Tourdaten

Archiv
Apr.
30
2016
Samstag
Festival - Rock
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Mai.
28
2016
Samstag
Festival - Rock
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Jun.
17
2016
Freitag
Festival - Rock
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Jul.
9
2016
Samstag
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Aug.
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Samstag
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RADIO HAVANNA - UNSERE STADT BRENNT | LPD

- Oranges Vinyl - Inside-Out Druck - Textblatt - Download-Code Wie viel Pop darf Punk? Wie viel Politik verträgt eine anständige Party? Wenn es nach Radio Havanna geht: Eine Menge! Das Berliner Quartett lotet auf seinem neuen Album die Sphären zwischen Antifa und Amüsement, zwischen Pogo und Pop aus. "Unsere Stadt Brennt" ist dabei nicht nur ein flammendes Fanal für die Unversöhnlichkeit mit dem Zustand unserer Gesellschaft, sondern auch ein hymnisches Monster, eine umwerfende Partyplatte, deren Refrains sprichwörtlich ins Herz schießen!
 

Interviews

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RADIO HAVANNA - Wie viel Pop verträgt Punk?

RADIO HAVANNA, ein Quartett aus Berlin, dessen Mitglieder in der thüringischen Provinz aufwuchsen, sind der Prototyp einer Punkband. Ihnen geht es nicht nur um Musik, sondern auch darum, politisch aktiv zu sein. Das hört man ihrem neuen Album „Unsere Stadt brennt“ an. Andererseits hört man der Platte auch überraschend viel Pop-Affinität an. Gitarrist und Songschreiber Arni erklärte dem Ox, wer an „unserer Stadt“ zündelt und wie viel Pop der Punk verträgt.Arni, das neue Jahr hat begonnen. Zeit für gute Vorsätze. An welchem werdet ihr 2015 auf jeden Fall scheitern?Am Vorsatz, auf Tour weniger zu trinken. Wir bemühen uns zwar, das zu schaffen. Aber irgendwo steht doch immer wieder ein Kiste Bier herum, haha.Welche realistischen Ziele habt ihr euch gesteckt?Wir sind keine Band mit Masterplan. Aber: Wir durften in den vergangenen Jahren so viele tolle Konzerte spielen – das würden wir gerne weiter hinbekommen.Dann nenne doch mal ein paar dieser Konzert-Höhepunkte.Da gab es einige. Im November 2013 durften wir beispielsweise in den USA spielen. Als deutschsprachige Band. Da waren wir vor jedem Auftritt irre aufgeregt. Aber das war letztlich auch eine wunderbare Erfahrung! Vor allem, weil die Leute uns auch noch gemocht haben und ausgerastet sind.Ihr seid auch mehrfach mit Genregrößen unterwegs gewesen.Ja. Auch das war großartig. Es ist schon cool, mit Bands wie ANTI-FLAG, DIE TOTEN HOSEN oder NOFX zu spielen, die wir schon früher als Fans selber gehört haben. Und es ist eine tolle Erfahrung, sich mit ihnen auszutauschen.Das kann toll sein. Es kann aber sicherlich auch nach hinten losgehen und desillusionieren, wenn man seinen Idolen plötzlich so nahe ist und sie abseits der Bühne kennen lernt.Da hast du recht. Es gibt Beispiele, bei denen es tatsächlich desillusionierend war. Ich will jetzt keine Namen nennen. Aber bei ein paar Bands haben wir gemerkt: Die sind gar nicht so nett. Die wollen nicht auf Kumpel machen. Und das ist dann schon sehr schade. Denn gerade Zusammenhalt macht Punkrock doch aus.Punk – das Stichwort: Ihr nennt euch „Radio Havanna“ und spielt Punk. Havanna ist die Hauptstadt Kubas. Und Kuba stand mal für Revolution. Das ist lange vorbei. RADIO HAVANNA dagegen haben sich die Polit-Attitüde bewahrt. Also: Wie kann man mit Punk heutzutage noch eine Revolution auslösen?Das kommt darauf an. Punk ist im Verlauf der vergangenen vierzig Jahre ausgefranst. Da gibt es alles – natürlich auch Bands, die mit Politik gar nichts am Hut haben oder in die Charts und damit in den Mainstream kommen. Aber es ist noch möglich, etwas zu bewegen. Siehe PUSSY RIOT. Ich selber bin mit Musik aufgewachsen, die politisch war. TON STEINE SCHERBEN etwa sind mir seit jeher wichtig. Daher ist es für mich selbstverständlich, dass Musik generell – und Punk speziell – auch politisch ist. Sie muss nicht belehrend politisch sein. Aber sie sollte eine Aussage haben.Ihr seid entsprechend politisch aktiv und unterstützt zahlreiche Menschenrechtsorganisationen. Kann man RADIO HAVANNA überhaupt losgelöst von dieser politischen Seite betrachten – einfach als Zusammenschluss von Musikern?Auf gewisse Weise schon. Denn uns haben nicht nur Deutschpunk-Bands beeinflusst, sondern eben auch viele amerikanische Bands. Und bei denen stand die politische Aussage nicht immer so extrem im Vordergrund wie bei den deutschen Bands. Da spielte die Musik an sich eine große Rolle. Und genau das ist es ja: Es geht neben einer Aussage immer auch um anspruchsvolle Musik. Das haben zum Beispiel TERRORGRUPPE, WIZO und TON STEINE SCHERBEN geschickt hinbekommen. Die wollten nicht nur Krach machen. Die haben immer schon amerikanische Musik, die ja auf Blues basiert und sehr facettenreich ist, in ihre Songs einfließen lassen. Das sind alles tolle Musiker. Und das wollen wir auch sein. Wir wollen, dass man hört, wie viel Arbeit wir in unsere Musik stecken.Euer neues Album heißt „Unsere Stadt brennt“. Wer hat die Stadt denn angezündet?Die Stadt wurde von verschiedenen Leuten angezündet. Von den Hausbesetzern, die ihr Haus verteidigen, genauso wie von den Leuten, die die Nacht zum Tag machen und dem Hamsterrad des Alltags entfliehen. Ich habe bei diesem Plattentitel ja zuerst an jene Leute als Zündler gedacht, die für Stadtplanung und damit für Gentrifizierung und damit wiederum für das Zerschlagen von Szenevierteln und Subkultur zuständig sind.Das ist auch so. Auch diese Menschen zünden sie an. Auch um die geht es uns. Die Stadt kann von vielen Leuten angezündet werden, weil sie von den Leuten lebt. Die Menschen machen sie aus.Im Song „Dynamit“ geht es um die von dir angesprochenen besetzten Häuser. Habt ihr je selbst in so einem Haus gelebt?Nein. Aber wir hatten immer engen Kontakt zu Leuten, die das tun. Schon damals in Thüringen, wo wir herkommen. Für uns ist es spannend, dass die Menschen in diesen Häusern diesen konsequenten Gegenentwurf zur Gesellschaft entwickeln.Ihr gehört zu einer neuen Generation von Punkbands und erreicht viele junge Menschen der Szene. Menschen, die in einer Zeit aufwachsen, in der es kein Wirtschaftswunder und keine Jobgarantie gibt. Die Songs auf eurem Album heißen „Feuer“, „Sturm“, „Kaputt“, „Geisterstadt“. Das klingt entsprechend düster. Kann man daraus schließen, dass die heutige junge Generation die erste nach dem Krieg ist, die einen Grund hat, „No Future“ zu schreien?Dieser „No Future“-Geist hat immer schon eine Rolle gespielt. Und immer zu Recht. Aber das, was du sagst, stimmt trotzdem: Ich kenne tatsächlich viele jüngere Leute, die heute mehr unter diesem „No Future“ leiden als die ältere Generation. Diese Leute arbeiten zig Stunden am Tag und haben trotzdem kaum genug zum Leben und keinen sicheren Job. Dieser von Angst geprägte Zeitgeist existiert also. Aber ich bin dann doch jemand, der versucht, die Situation optimistisch zu sehen. Man muss diese Missstände als Anlass dafür nehmen, auf die Straße zu gehen und etwas zu verändern.„Unsere Stadt brennt“ enthält viel Punk, allerdings auch Songs, die als Überraschung durchgehen. Für Punk-Puristen vielleicht als böse Überraschung. Ich möchte es mal so sagen: Wenn eine Band wie SILBERMOND eine Punk-Platte machen wollte, dann wären sie auf Songs wie „Raketen“ oder „Glasherz“ stolz. Wie viel Pop verträgt der Punk?Ziemlich viel. Denn zahlreiche Bands, die wir als Einfluss angeben, haben eine Pop-Note in ihrer Musik. Siehe die RAMONES. Oder die DESCENDENTS. Deren Songs könnten auch problemlos als Titelmelodie einer TV-Sitcom taugen. Und das ist nicht böse gemeint. Das ist auch eine Qualität im Songwriting. Für mich ist der Unterschied zwischen einer Band wie SILBERMOND und uns die Aussage: Wir verwenden Pop-Elemente. Aber es stecken immer Kanten und Botschaften in den Songs. Ich weiß, dass es Leute gibt, die deswegen aufschreien. Trotzdem hoffe ich, dass es uns gelungen ist, Kontraste zu setzen. Ich finde es jedenfalls spannend, eine Platte zu hören, die eine gewisse musikalische Bandbreite bietet.Dennoch besteht die Gefahr, durch so eine Entwicklung als Band irgendwann von Akteuren außerhalb der Punk-Szene vereinnahmt zu werden – siehe JUPITER JONES, die plötzlich bei Raab und Co. im Fernsehen endeten.Ich verstehe, was du meinst. Und das stimmt schon. Aber diese Gefahr sehe ich bei uns nicht. Am Ende des Tages ist unsere politische Botschaft einfach noch zu sperrig. Und das ist auch gut so. Das unterscheidet uns von Bands wie JUPITER JONES und SILBERMOND: Wir wollen die Leute nerven, haha.Mit „Schiffbruch“ habt ihr ein Stück auf dem Album, das sich mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzt. Damit seid ihr nicht die Einzigen. Ist der Flüchtlingssong im Vergleich zu den Neunzigern der neue Anti-Nazi-Song?Das ist eine sehr interessante These. Und ja, ich glaube, sie stimmt. Das machen derzeit tatsächlich viele Bands. Und für uns ist es wichtig, das gerade in Zeiten aufzuzeigen, in denen Rassismus nicht mehr nur mit Springerstiefeln und Bomberjacke daherkommt, sondern vielmehr – siehe PEGIDA – in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Der heutige Rassismus dreht sich darum, den eigenen Wohlstand zu verteidigen und gegen Menschen abzuschirmen, die Hilfe wirklich nötig haben. Das ist subtiler Rassismus – und unfassbar gefährlich.
 

Reviews

RADIO HAVANNA

© Ox Fanzine #102 / Bianca Hartmann

Alerta

Nach vorn, nach vorn, nach vorn geht es bei RADIO HAVANNA auf jeden Fall. Eine Stimmung, die einen nicht zuletzt an ZSK erinnert, schon allein weil die Band ähnliche Vorstellungen zu haben scheint: politischer Anspruch gepaart mit kraftvoller Punkrock.Dazu merkt man, dass die Jungs in den letzten Jahren eine Menge mit so mancher bekannter Band unterwegs war. Dabei sind einige schöne Songs herausgekommen, wie zum Beispiel „Die Zeit rennt“.Es gibt eigentlich nicht wirklich viel Schlechtes über RADIO HAVANNA zu sagen. Sie sind vielleicht keine herausragenden Songwriter, aber betrachtet man das Genre, in dem sich RADIO HAVANNA bewegen, muss man einfach feststellen, dass sie ihre Sache gut machen.Und da ZSK und Co. uns ja momentan nicht gerade mit neuer Musik überhäufen, kann man sich darüber freuen, dass diese Band die Lücke gut zu füllen vermag.

 

RADIO HAVANNA

© Ox Fanzine #61 / Jan Eckhoff

Aus der Traum? CD

RADIO HAVANNA aus Suhl sind so gerade mal um die zwanzig, aber zumindest die Aufnahmen von ihrem ersten Album spielen schon fast in ZSK-Liga. Sehr rockig, sehr geradeaus - nur die Texte sind vielleicht ab und an noch etwas holprig. Dazu gibt es eine fast schon erschreckend fette Produktion, wie sie scheinbar den anderen Fatsound-Bands (okay, okay, ich kenn nur eine, aber trotzdem) auch zuteil wird. Fatsound kommen aus Erfurt und haben vor allem junge, viel versprechende Punkbands aus dem Osten der Republik unter ihren Fittichen, und scheinbar ein verdammt glückliches Händchen dabei. Aber ich schweife ab, zurück zu dieser Platte: die ist echt gut, und möglicherweise ist der Bandname an das gleichnamige RANCID-Lied angelehnt? Würde passen, denn grade der Bass ist sehr RANICD-like. Zwischendurch gibt's sogar mal Trompete. Außerdem muss ich mir jetzt wohl die "Punk Chartbusters 5" kaufen, denn ich habe gelesen, dass RADIO HAVANNA dort ein Cover vom Disco-Hit "Aicha" beigesteuert haben - das Original hat mir mal monatelang einen Ohrwurm verpasst. Jetzt aber lange Rede kurzer Sinn: Sehr schöne Platte, und für manche niedlich-naiven Textstellen kann man eigentlich gar nicht böse sein, sondern ich muss einfach meiner Freundin zustimmen: Da möchte man den Jungens gerne mal ins Bäckchen kneifen. (32:13) (08/10)

 

RADIO HAVANNA

© Ox Fanzine #75 / Jan Eckhoff

Generation X CD

Nachdem ich das 2005er Debütalbum "Aus der Traum?" noch ziemlich gut fand, muss ich jetzt meine Enttäuschung über den neuen Langspieler der Band aus der thüringischen Provinz kundtun. In dem ziemlich schön gestalteten Digipak findet sich eine CD mit 13 zwar ziemlich fett produzierten Tracks, die allerdings allesamt reichlich langweilig rüberkommen. Die Orientierung geht musikalisch ganz klar in Richtung ZSK und anderer Melody-/Skatecore-Bands, und auch die Texte versuchen die ganze Zeit, politisch zu sein, wirken dabei jedoch bestenfalls aufgesetzt, denn mit Mitgrölparolen und Pathos wird kaum gegeizt. Dazu ähneln sich alle Songs auch noch so sehr, dass man, wenn man drei gehört hat, eigentlich auch den ganzen Rest des Albums kennt. Schade, ich hatte mehr erwartet und nach dem viel versprechenden Erstling wurde die Erwartung keinesfalls erfüllt. Heulsusigen Politpunk gibt es nun doch wahrlich genug auf dem deutschen Musikmarkt. Da zieh ich dann doch Bands wie MONTREAL vor, die sich einen gewissen Witz bewahrt haben. (40:25) (4)

 

RADIO HAVANNA

© Ox Fanzine #90 / Peter Nitsche

Lauter Zweifel

Die Wahlberliner RADIO HAVANNA sind zur Zeit eine der wenigen deutschsprachigen Punkbands, die stilvollen, enenergiegeladenen Punkrock mit Verstand und ohne Plattitüden darbieten. Nach drei Alben und Unmengen von Konzerten scheint sich die Band weiter gesteigert zu haben und können an ihr großartiges Debüt „Aus der Traum“ (Ox #61) anschließen und verfeinerten weiter ihre Songtexte, unter denen es sowohl persönliche Stücke als auch sozialkritische Lyrics gibt.Bereits der Opener „Die Stimme in dir“ vertritt deutlich, seine Klappe aufzureißen und etwas gegen die Ungerechtigkeiten in der Welt zu unternehmen, während andere einfach wegschauen. Insgesamt wirkt das Album reifer und ausgeklügelter, was sicherlich auf das D.I.Y.-Engagement in Label- und Promotionarbeit zurückzuführen ist.(Diese Band war auf der Ox-CD #90 zu hören)

 

RADIO HAVANNA

© Ox Fanzine #118 / Frank Weiffen

Unsere Stadt brennt

Vorab eine grobe Einordnung: RADIO HAVANNA gehören zum politischen Teil der dritten Generation von populären Punkbands in Deutschland. Die erste Generation waren SLIME und Co. Danach kamen die Fun-Punker.Und irgendwann schließlich Bands wie RADIO HAVANNA, ZSK oder RIOT BRIGADE auf der einen, der politischen Seite. Und Bands wie TURBOSTAAT auf der musikalisch exklusiven anderen, der Post-Punk-Seite.Die politische Seite der dritten Generation zeichnet sich durch eine Orientierung am US-Punk aus. Es geht hymnisch und schnell voran. Pop ist erlaubt. Pop mit klaren Ansagen, nicht verklausuliert.Und mit „Unsere Stadt brennt“ zeigen RADIO HAVANNA, dass sie die Nomenklatur dieses, „ihres“, Genres perfekt drauf haben. Vielleicht zu perfekt. Klar ist: Dieses Album ist ein tolles Album, weil es viele Songs mit giftigen, starken Texten und hervorragend arrangierten Punk-Songs enthält.Aber es gibt eben auch die anderen Stücke. Die mit dem Pop ohne Punk-Pop. Die mit den Chören, dem gedrosselten Tempo, den runtergeschraubten Gitarren und den Texten, die zeilenweise etwas schlageresk wirken.In diesen Stücken sind RADIO HAVANNA nah dran an SILBERMOND und JUPITER JONES. Und doch liefern sie Songs, für die diese genannten Bands – die ja stets verzweifelt nach Härte suchen – töten würden.„Unsere Stadt brennt“ ist also eine Gratwanderung. Eine, bei der RADIO HAVANNA nicht fallen.

 

Konzert

Event Foto

HAMMERCULT

23.06.2016Kassel, K-19
Jun.
23
2016