TURBO A.C.'STourdaten, Infos, Interviews, Reviews

Nächster Termin:

08.07.2016
No Votes
Bewertung:
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Genre

Punkrock/Hardcore

Shows

81 Shows in 58 Städten / 10 Ländern

Zeitraum

27.10.2011 - 30.07.2016

Letzte Show

26.05.2013 - DE-Berlin, Ramones Museum

Nächste Show

08.07.2016 - DE-Fürth, Open Air

Booking

Tourdaten

Archiv
Jul.
8
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
9
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
12
2016
Dienstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
13
2016
Mittwoch Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
14
2016
Donnerstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
15
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
16
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
21
2016
Donnerstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
23
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
27
2016
Mittwoch Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
28
2016
Donnerstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
29
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
30
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 

Interviews

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TURBO A.C.'S

Die TURBO AC'S mal wieder auf Tour, und das mit einem neuen Album im Gepäck, just vor ein paar Wochen auf ihrem neuen Label Nitro Records erschienen - das war ein Grund zum Feiern und noch viel mehr Grund, die Jungs mal wieder zu interviewen. So geschehen im Solinger Cobra. Nach allgemeinem Hallohallo und Händereichen stosse ich mir zuerst mal fast den Kopf am neuerdings geshavetem Schädel von Kevin, dem Drummer, da wir gleichzeitig in den Kühlschrank diven wollten, um Bier zu holen. Joachim ´n Bit, ich ´n Alt und die arme Uschi muss fahren und somit in die alkoholfreie Röhre kucken. Jeder hat watt zu saufen, datt iss dann Punkrock und somit kann angefangen werden. Da Herr Drummer (Kevin Prunty) und Herr Frontgreaser - Gitarre und Gesang - (Kevin Cole) die gleichen Vornamen tragen, nenne ich Herrn Sänger im folgenden kurz K.C. Herr Basser, Michael Dolan lässt sich entschuldigen. Da Joachim das Interview vorangepeitscht hat, während ich versuchte, den auf der Anreise mühsam erworbenen Alkoholspiegel noch ´n bisschen via Backstagebier (günstig!) zu pushen, werde ich im Folgenden nur meine unqualifizierten Zwischenrufe mit Namen kennzeichnen. Datt hält ja keiner aus, wenn da 100 mal der Name vom Chef geschrieben steht, da krieg ich Komplexe... Na denn...Apropos saufen, Bitburger und so: Kennt ihr den Hintergrund dieses RAMONES-Songs "Bonzo goes to Bitburg"?K.C.: "Johnny war, denke ich, Republikaner und hielt verdammt viel von Ronald Reagan. Vielleicht wollten sie ja den Song auch "My brain is hanging upside down" nennen. Keine Ahnung. Da gibt´s viele Storys drüber."Der Hintergrund war, soweit ich weiss, dass Reagan damals zusammen mit Helmut Kohl so einen SS-Soldatenfriedhof in Bitburg besuchte. Es gab da natürlich einige Zweifel, ob das solche Soldaten waren, die als Kriegshelden bezeichnet werden sollten und denen man gedenken sollte. Reagans Filmkarriere sollte ja auch hinlänglich bekannt sein und so: "Bonzo goes to Bitburg". Aber zum Thema RAMONES. Habt ihr irgendwelche positiven oder negativen Meinungen zu denen? Ihr seid ja aus der gleichen Stadt, haben sie euch mitbeeinflusst?K.C.: "Ich für meinen Teil kann behaupten, dass ich ein absoluter RAMONES-Fan bin."Kevin: "Wie kann man denn die RAMONES nicht mögen?"K.C.: "Es gibt ´ne Menge Leute, die sie nicht mögen. Die respektieren sie nicht als Punkrock. Ich fand die RAMONES immer gross und immerzu sehr Punkrock. Viele Leute kommen mit Erfolg nicht klar. Kann ich verstehen, aber den RAMONES vorzuwerfen, dass sie zuviel verdient haben, so wie später dann beispielsweise GREEN DAY oder so, finde ich nicht gut. Sie hatten halt eine steile Karriere und sie haben auf ihrem Weg viele Menschen bewegt und inspiriert, wie auch mich. Grossartige Band. Ich liebe natürlich auch die RAMONETURES. Das ist eine Surf-Instrumental-Band die ausschliesslich RAMONES-Songs covert."Also würdet ihr schon sagen, dass die RAMONES mit in den TURBO A.C.´s Sound eingeflossen sind?K.C.: "Auf alle Fälle..."Kevin: "Ist doch klar. Das war Musik, mit der wir aufgewachsen sind. Du hast das Radio angestellt und es lief ein RAMONES-Song, da kamen wir nicht dran vorbei. Aber ich denke der Einfluss, den sie auf uns hatten, ist weniger am Sound festzumachen, als an dem Genre, dass wir uns letztendlich ausgesucht haben: Punkrock."K.C.: "Ja, genauo seh ich das auch. Die RAMONES spielten eben Punkrock im "klassischen" Sinne, den eigentlichen Punkrock. Four on the floor. Wir sind dadurch zum Punk gekommen, spielen aber, äh, unseren eigenen Punkrock. Aber wir geben uns Mühe, damit es trotzdem was taugt..."Ihr habt eben diese RAMONETURES angesprochen. Das ist ja der andere grosse Einschlag bei eurer Musik, der Surf-Sound. Wobei ich find, dass der Surf-Sound bei den neueren Sachen stärker hervortritt als bei den älteren Aufnahmen.K.C.: "Oh, ich weiss gar nicht, es ist halt immer da. Es ist, wenn dem so ist, nicht unbedingt beabsichtigt, dass der Surfsound auf der neuen Platte stärker durchkommt. Surf ist eben ein wichtiger Teil unserer Musik. Bei der neuen Platte haben wir vor allem versucht, etwas lauter oder auch einfach besser zu sein. Wir versuchen immer, etwas besser zu werden."KK: Ich wollte auch gerade sagen, dass ich gar keine grossen Veränderungen höre, ausser dass alles druckvoller in der Produktion und professioneller gespielt daherkommt. Es ist immer noch ein TURBO A.C.´s Album, nur mit mehr Punch und Feinschliff...K.C.: "Ja genau, du sagst es. Ich hoffe die Leute da draussen sehen das genauso. Ich will gar nicht, dass man uns nachsagt, oh, ihr habt euch ja irgendwie verändert, man soll lediglich feststellen, dass es ein neues Album ist, aber eben noch die gleiche Art Musik, nur noch besser als bisher. Wie machen einfach konsequent dort weiter, wo wir aufgehört haben. Wir spielen jetzt nicht irgendwas anderes, nur weil jemand meint, dass das jetzt gerade ne gute Idee ist. Z.B.: Okay, spielt doch mal so´n bisschen Rap-Rock oder sowas, oh no..."Lasst uns alle helfen, damit es niemals soweit kommt! (alles lacht)Kevin: "Wenn´s soweit kommt, hast du die Erlaubnis mich zu töten!"O.k.K.C.: "Ich mag es einfach, wenn eine Band als Ganzes auftritt, ihren Sound bzw. Stil hat und zu diesem steht und diesen konsequent durchzieht, wie auch die RAMONES. Wenn ich was anderes hören will, höre ich eben eine andere Band an, mit anderem Stil. Wenn die Leute TURBO A.C.´s hören wollen, ist es egal welche Platte sie auflegen, sie hören immer die TURBO A.C.´s und den damit verbundenen Sound."Wie seht ihr denn die Entwicklungen, die sich in den letzten zwei Jahren nach eurer ersten Tour hier so ergebnen haben? Ist es besser geworden, was passiert seit dem, wie bewertet ihr eueren Werdegang?Kevin: "Wir waren nie grosse Studiohocker, ich hasse es, wenn mein Arsch nur im Studio rumhängt. Wir sind da um Shows zu spielen. Die Leute kommen zu den Shows und es macht einfach am meisten Spass, on the road zu sein."K.C.: "Was ich denke, was passiert ist, ist dass die Leute uns mittlerweile sehr mögen. Unsere Ideen und das was wir tun, wird von vielen Menschen geteilt, sie haben Lust darauf, denken ähnlich. Und der einzige Weg zu diesen Leuten zu gelangen und sich diesen Leuten näherzubringen, ist nun mal Shows zu spielen und zu touren... Weißt du, wir sagen ja immer, wir sind der Turbo Action Club, manche nennen es Greaserpunk. Und die Leute im Publikum teilen unsere Ideen und, keine Ahnung, sie sind eben auch im Club, sie teilen unsere Ansichten, unsere Musik und das ist einfach cool, egal wo wir gerade spielen! Das ist der Action Club!"Was euch auch sicherlich geholfen hat, mit dem was ihr so macht anzukommen, war doch auch mit unter der, sage ich mal, Fashion-Hype rund um diese ganze Rock´n´Roll-Sache. Ihr macht es ja nun wirklich schon von Anfang an, dieses Rock´n´Roll-Ding, seid schon seit der Zeit vor dem Hype dabei. Wie seht ihr das mit diesem Trend, diesem Hype um die ganze Sache?KK: Seht euch doch mal euer neues Cover an. Jede deutsche Band bekäme sofort ein böses: "Rip-off!" zu hören oder würde gleich ans Kreuz genagelt werden, und zwar mit der Tolle nach unten!K.C.: (lacht) "Yeah, keine Ahnung. Ich weiss was ihr meint, aber... Wie Joachim sagt, wir sind schon von Anfang an dabei, wir sind nicht auf den Zug aufgesprungen. Wir haben mit Michael, unserem Basser letztens noch darüber geredet. Es gibt halt immer zwei Seiten bei sowas. Ich sagte, ist doch toll mit der Popularität beim Punkrock, die Leute kommen damit in Kontakt, die Bands haben mehr Chancen, kommen rum. Andererseits ist es plötzlich ein Massending, wird aufgesogen und ist nichts besonderes, nichts idividuelles mehr. Das ist natürlich Scheisse. Hat alles zwei Seiten, wie so oft. Keine Ahnung was überwiegt."Kevin: "Ich halte mich auch nicht an irgendwelche Trends, aber es ist schön zu sehen, dass es mehr Leute gibt, die so aussehen und feiern wie wir, die machen es möglich, dass wir touren können. Ich finde diesen Umstand z.B. sehr schön. Der Trend kommt und geht und viele Leute werden auch wieder abspringen, aber diejenigen, die Bock drauf haben und auf den weiteren Verlauf der Trends scheissen, werden dabeibleiben. Du verlierst nur die Mitläufer, wenn der Trend abklingt. Ein Kommen und Gehen, das kurzfristig einträglich ist und hinterher keinen mehr interessiert."KK: Dein Schädel sieht mir ja sowieso nicht so sehr nach Greaserpunk aus, mehr nach Oi!Oi!Oi! oder so...Kevin: "Oh Mann, verdammt... (lacht) Es ist relativ egal, denn auch bevor ich mir den Schädel rasiert habe, hatte ich nur drei Tattoos und die Leute haben immer nett gegrüsst, aber mich doch bloss für den Busfahrer oder den Roadie gehalten. Niemand wollte wahrhaben, dass ich ein Teil der Band bin." (alles lacht)K.C.: "Da achten die Leute auch viel zu genau drauf. Fakt ist, dass Kevin natürlich genau zu einem Drittel die TURBO A.C.´s ausmacht, so wie auch Mike und ich. Die falschen Leute sind es auch immer, die sowas dann nicht verstehen. Das sind die, die kommen und gehen. Wie der Trend. Das ist das, was ich vorhin schonmal meinte. Ich finde es einfach wichtig, egal ob mal mehr oder weniger populär damit, dass man immer sein Ding, seinen roten Faden behalten sollte. Ja, wie eben auch die RAMONES oder auch AC/DC. Man ist da, man tut was. Und zwar immer sein Ding. Kontinuierlich, das ist wichtig!"KK: Beim Thema Oi! Interessiert mich, ob eure Verwurzelung in der Oi!-Szene sich auf euer Songwriting in irgendeiner Weise niederschlägt. Ihr habt´s ja eher nicht so mit "romantisch loosen" wie viele andere Rock´n´Roll Kapellen, eher "life to win" und "hit the road" und sowas. Hat das was mit dem Gewinnertum, dem Stolzsein beim Skinheadkult zu tun, mit dem ihr aufgewachsen seid?K.C.: "Oh, keine Ahnung. Jetzt wo du es sagst... Ich habe noch nie darüber nachgedacht. Aber weißt du, dieses über Girls schreiben in jedweder Art, langweilige Lovesongs à la: "Sie ist weg, ich bin einsam...blabla" ist einfach, ja verdammt, langweilig halt. Wir singen lieber von positiven Sachen, vom Spass haben. Und ja, schon möglich, dass es daherrührt, dass wir mit Oi!-Musik aufgewachsen sind. Fast all meine Punkplatten sind nun mal Oi!-Platten, vielleicht hat´s mein Gehirn infiziert, schon möglich..."Kevin: "Wenn jemand über solch tragische Themen singen will, soll er es tun. Aber wir spielen nun mal in einer Band, die Spass haben will und Bock hat, auf der Piste zu sein und über coole Scheisse zu schreiben. Hey, jeder hat Probleme. Ihr Jungs genauso wie ich, aber ich hab keinen Bock mich runterzuziehen und darüber zu reden, ich will eine gute Zeit haben und Spass. Jede Menge Spass und dabei Rock´n´Roll spielen, das ist unser Auftrag."K.C.: "Wir sind mit Punk aufgewachsen. Punk heisst für mich nach wie vor: Fuck you, wir tun was wir wollen. Was wiederum bedeutet: Ich will Spass haben, ergo: Fuck you! It´s Punkrock. All dieses " fast cars", "live fast" und so weiter, das sind alles Metaphern dafür, Spass zu haben. Das ist genau das, was "Fuel for life" meint. Treibstoff für´s Leben, zum Spass haben."Wo du schon mal von schnellen Autos redest... New York City ist nicht so der ideale Platz für ´n schnelles Auto, oder?K.C.: "Och, ich hätte schon gerne eins, aber es ist für uns schon ziemlich ausserhalb unserer Möglichkeiten, eins zu besitzen. Die Parkplatzmiete kostet so ungefähr das, was ich in einem Monat so zum Leben brauche... Es ist schon so ein Jungentraum, aber nicht machbar."Also doch mehr Metaphern: die Autos in den Texten, der Truck auf dem Cover und auch sowas, wie das Girl auf eurem neuen Cover?Kevin: "Oh nein, wir versuchen wirklich jeder ´ne Freundin zu finden, die so aussieht wie unser Covergirl... Wir hatten nur bis jetzt noch kein Glück. Mit den Autos hast du recht, das hat mehr metaphorische Bedeutung."K.C.: "Klar ist das alles mehr symbolisch zu sehen. Wie gesagt, ich mag Autos schon und hätte auch gerne ein cooles, aber der eigentliche Zweck ist der, als Metapher für Rock´n´Roll und dieses Live Fast Die Young-Ding herzuhalten."Diese Metapher beherrschen ja schon die ganze Rock´n´Roll-Chose und auch die Garage-Punk und jede andere ähnliche Gruppierung in diesem Genre. Könnt ihr euch vorstellen, warum z.B. manche eher altmodischen Punker eine gewisse Apathie gegen all diese Stilrichtungen haben? Sie sagen auch oft, das hätte mit Punkrock nix mehr zu tun, wenn´s keinen Iro hat, obwohl das doch alles eigentlich eine grosse Familie ist/sein sollte?Kevin: "Jaja, und dann gibt´s noch die mit den blauen Iros, die denen mit den grünen Iros vorwerfen, keine Punkrocker zu sein. Dieses Problem gibt es doch überall auf der Welt. Jeder definiert doch die Art, den Punkrock zu leben oder zu spielen anders. In den USA, wo ich es nun mal täglich mitkriege, ist es genauso. Jeder wacht über den Punkrock, den ein anderer betreibt, um darüber zu richten. Die Leute sollen sich verdammt nochmal locker machen und auch andere Spielarten zumindest akzeptieren. Wenn jemand keinen Bock auf Rock´n´Roll hat, cool! Er hat jedes verdammt Recht dazu, es nicht zu mögen. Die sollen mich aber dann auch in Ruhe lassen, ich lass sie ja schliesslich auch. Macht euch einfach locker, ihr Fahnenträger!"Wie seid ihr an Nitro geraten? Seid ihr zufrieden? Ist das nur ein Ausflug, oder habt ihr mit Nitro ein Label gefunden, bei dem ihr euch vorstellen könnt, länger mit ihnen zusammen zu arbeiten?Kevin: "Oh Nitro sind grossartig! Die tun was für uns, kümmern sich und man merkt wirklich, dass sie Bock drauf haben. Gerade jetzt, wo wir ein bisschen an Bekanntheitsgrad zugelegt haben, ist Nitro denke ich genau das Richtige für uns. Professionell und um die Bands bemüht, die sie signen. Ich kenne Dexter zwar nicht, hab ihn nie getroffen, aber die anderen Jungs sind alle grossartig, das hat sich auch auf der letzten US-Tour gezeigt."Was war da los, irgendwas besonderes?K.C.: "Wir sind durch die Berge gefahren, in Wyoming, von Denver nach San Francisco. Es gab einen Schneesturm in den Bergen und irgendwo haben wir dann den Van zu Schrott gefahren, uns überschlagen. Wir waren alle recht lädiert, sind im Gesicht genäht worden und so, waren im Krankenhaus, das volle Programm. Ziemlich übel. Michael hatte Glück, bei ihm war´s nicht ganz so schlimm wie bei Kevin und mir. Da standen wir jetzt, mitten im nirgendwo, keine Karre mehr..."Kevin: "Aber das Equipement funktionierte noch!"K.C.: "Genau! Und da dachten wir uns: Besser ´nen neuen Van organisieren, wie auch immer in Wyoming, als heimzufahren und die Wunden zu heilen! Wir haben dann auch einen Typen gefunden, der uns ´nen Van verkauft hat."Hat die Versicherung für die ganze Scheisse bezahlt?Kevin: "Nein, shit... Wir hatten gar keine. Wir haben, bzw. ich, die Karre mit der VISA-Card bezahlt. Coole Sache, so´ne Creditcard! Aber frag mich nicht, wie cool ich´s nächsten Monat fand, nachdem ich die Rechnung von denen gekriegt habe..."K.C.: "Wir haben vom Krankenhaus aus direkt die Jungs bei Nitro angerufen und es war extrem cool. Sie sagten, wir sollen uns keine Sorgen machen, sie würden uns ein paar Zimmer in San Francisco klarmachen und wir sollen uns erst mal entspannen, bevor wir die nächsten Shows spielen. Ganz locker. Cool."Produziert hat das neue Album Roger Miret von AGNOSTIC FRONT.K.C.: "Yeah, ich hab Roger gefragt, ob er niemanden wüsste, der es mit uns produzieren kann. Er ist ein Freund von uns und mag die Musik, er hat dann hochmotiviert gefragt, ob er es nicht machen kann. Ich dachte, hey cool, o.k. Und dann ging´s los. Er ist super. Er hat niemals gesagt: "Macht das so oder dies so...", er hat einfach das Beste aus uns herausgeholt und uns ohne Ende unterstützt und motiviert."Kevin: "Roger ist echt grossartig. Ich und K.C. haben oft dagesessen und ich hab dann gejammert: "Der Song ist so zu schnell", und K.C. dann: "Nein Mann, du zu langsam!" und so weiter. Zu schnell - zu langsam - zu schnell- zu langsam... Dann stellte sich Roger dazu, kuckte uns an und sagte: "Hey, Kev, hast du heute schon was gegessen?" Und ich: "Nein Roger..." Er: "O.k., Rocker, Lunchbreak!" Nachher gings dann wieder ganz entspannt weiter... supercool. Immer die Ruhe weg. Wie Daddy."K.C.: "Ja, echt grandios. Er hat uns aber auch in den Arsch getreten, damit die Platte nachher arschtreten kann! Roger wird ja auch von Billy Milano von S.O.D. gemanagt. Billy hat die Platte gehört und gesagt "Ich will euch Jungs managen! Tja, und jetzt managet er uns eben auch."Was hat es auf sich mit diesem Billy Milano? Ich meine, ich selber kenne ihn nicht, aber er hat ja auch nicht den besten Ruf. Bei dem Namen Billy Milano hört man zumindest immer so ein "Oh - Oh!".Kevin: "Weißt du, mit Billy Milano ist es so: Er ist genau der, den du auf deiner Seite haben willst. Wenn du zum Beispiel ein Label bist, ist es natürlich schwer ihn zu mögen. Billy kommt die Tür rein marschiert, haut mit der Faust auf den Tisch und sagt: (Geht ab wie ein Stand-Up Comedian) "O.k. Hier bin ich, das ist was ich will und das ist was ihr dafür zu tun habt! Alles tanzt nach meiner Pfeiffe!" (zum Tränen lachen!) Und die Leute haben Ehrfurcht vor ihm, er ist seit 20 Jahren im Business, ein riesiger Italiener aus New York... Immer so nach dem Motto: "Oh shit, Billy Milano...". Er verliert auch immer schnell die Beherrschung. Diese Leute mögen ihn nicht. Aber hey, er ist auf meiner Seite, somit ist das deren Problem, hahaha... Als wir ihn zum ersten Mal trafen, sass Mike da und hat Fritten gegessen. Er hat übern Tisch gelangt, in seine Pommesschachtel gegriffen und geschrien: "Du bist der Bassist, nicht der, der die Fritten isst! Ich bin der, der die Fritten isst, o.k.?" (Gelächter) Grandios. Und das BEVOR wir bei ihm unterschrieben haben!" (Kevin geht ab wie Kalle Grabowski!)K.C.: "Wahnsinn. Echt. Bevor wir unterschrieben haben, klaut er uns unser Essen vom Teller. Er ist ein guter Kerl. Nicht ganz unkomisch."Kevin: "Bevor wir nach Deutschland sind, hat er gefragt, wer den Wagen fährt. Dann sagte er: "O.k., wenn dieser Kerl im Arsch ist, schwingt ihr euren Arsch von der Piste, bis er wieder fit ist, o.k!?" Ich sagte dann, ich könne ja fahren, wenn der Fahrer müde ist. Er darauf: "Pass mal auf, du fährst verdammt nochmal überhaupt nix. Du hast schon mal ´nen Wagen ohne Versicherung gefahren, klar? Keiner von euch Jungs fährt verdammt nochmal irgendwas!!!" Und wir dann: "Mmm, yeah, o.k. Dad!" Herrlich.O.K. Jungs, das Band ist voll, ihr wart fantastisch, 1000 Dank für eure Zeit und lasst uns noch´n bisschen ohne Band labern.Kevin: "Genau, und das Bier ist hier kalt und umsonst, oder?"
 
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TURBO A.C.'S

Seit dem letzten Album ist auch schon wieder über ein Jahr vergangen, das nächste wird noch etwas auf sich warten lassen – da bot es sich an, anlässlich der Deconstruction-Tour ein Treffen mit Kevin Cole von den TURBO ACs zu vereinbaren, um mal nachzuhaken, was bei den New Yorker Rock’n’Rollern derzeit so geht. Und so saßen wir nach dem nachmittäglichen Auftritt im sonnigen Park hinter der Düsseldorfer Philipshalle und unterhielten uns.Was geht ab bei den TURBO ACs?Im Moment spielen wir die Deconstruction-Tour und das läuft echt sehr gut für uns. Wir hatten nicht erwartet, dass sich viele Leute für uns interessieren, aber es scheint, dass auch viele unserer Fans gekommen sind. Und wir sind über die Jahre halt auch bekannter geworden, das merken wir schon. Die Kids sind auch offener für andere Bands, wie mir scheint, und nicht nur wegen LAG WAGON hier – das überrascht mich.Nach der Tour spielt ihr ja zum Glück auch noch ein paar Club-Shows.Zum Glück ja, denn ich selbst würde ja auch niemals zu einer Festival-Show wie Deconstruction oder Warped gehen – und viele unserer Fans eben auch nicht. Nein, ich gehe lieber ins CBGB’s, in kleine Läden eben. Vor kurzem haben sich übrigens die CRO-MAGS wieder zusammen gefunden – unter dem Namen STREET JUSTICE, mit John Joseph am Gesang, und die spielen jetzt auch wieder im CBGB’s. Das ist so was von old school, das ist echt hart, wenn du nach so einer Show aus dem Laden kommst und feststellst, dass du dich im Jahr 2002 befindest.Und wie läuft es für euch in eurer Heimatstadt?Immer besser! Seit dem Album auf Nitro sind viel mehr Leute auf uns aufmerksam geworden, das hat uns viel geholfen. Vor Europa waren wir mit FLOGGING MOLLY an der Eastcoast unterwegs, das hat auch was gebracht, denn die sind derzeit sehr beliebt, und so läuft’s echt gut für uns. FLOGGING MOLLY sind übrigens ein echter Tip für alle, die die POGUES mögen – die sind richtig gut.Beim letzten Interview war die Platte auf Nitro gerade raus, jetzt ist ein Jahr vergangen: Was hat sich für euch verändert?Nitro haben geholfen, uns ein gutes Stück bekannter zu machen. Die sind ein recht großes Label, die haben im Gegensatz zu vielen kleineren Labels die Möglichkeiten, dafür zu sorgen, dass deine Platte überall in den Läden steht. Der Nachteil an Nitro ist hingegen, dass die nicht so recht checken, wie wichtig Europa ist und was hier so abgeht. Dafür haben wir aber die Vinylversion des letzten Albums in Deutschland auf Bitzcore rausgebracht, das wiegt das wieder etwas auf.Wie sieht’s mit einem neuen Album aus?Wir haben da vor der Tour dran gearbeitet und werden uns gleich nach der Rückkehr in die USA wieder damit beschäftigen. Eventuell wird Blag Dahlia von den DWARVES die Scheibe produzieren, und er hat auch Kontakte zu jeder Menge anderer Leute, die gute Studios betreiben und so weiter. Wir haben ihm schon mal ein Demo geschickt, er war begeistert, rief mich an und hatte jede Menge guter Ideen – also mal sehen, was daraus wird.Hast du schon eine Idee, in welche Richtung euch das neue Album führen wird?Also klar ist, dass die neuen Platte so ‘groß’ wie nur möglich klingen soll – und nein, im Gegensatz zu ‘Come Clean’ von den DWARVES wird es bei uns keine Techno-Parts geben. Und wir werden das Album auf keinen Fall überproduzieren, denn das ist keine Leistung, sondern heißt, dass man nicht wusste, wie man es richtig macht. Wir als Punkrocker wissen ja sowieso, dass ein gutes Album nicht unbedingt soundmäßig irgendwelchen normalen Rockstandards entsprechen muss. ‘Ass Cobra’ von TURBONEGRO ist ein großartiges Album, klingt aber eigentlich Scheiße.Bei eurer Show eben fiel mir auf, dass euer Sound auf so einer großen Bühne ganz anders rüberkommt als in einem kleinen Club: deine Surf-Gitarre stach heute sehr stark heraus mit ihrem klaren Sound, und im Gegensatz zu den anderen Bands habt ihr sehr aufgeräumt und sparsam geklungen, nicht dieser „Wall of sound“.So sind wir eben, haha. Wir machen diesen Sound ja immer, aber in einem kleinen Club konzentriert sich die Energie eben viel mehr, da ist das explosiver und deshalb bevorzugen wir auch kleine Läden. Auf der großen Bühne kann sich der Sound dagegen mehr ausbreiten. Außerdem haben wir den Vorteil, dass wir nur zu dritt sind, das macht dem Mischer die Arbeit leicht. Steht dagegen eine Band mit drei Gitarren auf der Bühne, geht gerade bei so einer Festival-Tour schnell mal der Sound in die Hose.Um noch mal auf das kommende Album zu sprechen zu kommen: Ist da schon eine Richtung zu erkennen?Ich bin mit ‘Fuel For Life’ zufrieden, von daher wird es wohl recht ähnlich ausfallen. Das ist für mich der richtige Weg. Wir haben auch diesmal mit Roger Miret von AGNOSTIC FRONT gesprochen wegen des Produzentenjobs, aber er ist immer sehr beschäftigt, derzeit mit seinem Solo-Projekt. Und dann hatte sich Billy Milano angeboten, uns zu produzieren, aber wir haben ihm ganz vorsichtig zu verstehen geben, dass er wohl nicht der richtige Mann für den Job gewesen wäre. Er hat uns bis vor einer Weile ja auch gemanaget, aber dann den Job abgegeben, weil er sich lieber mit dem Produzieren von Metal-Bands beschäftigt. Ich mag ihn, er ist ein netter Kerl, unglaublich witzig. Jetzt managen wir uns wieder selbst, Mike, der andere Kevin und ich.Und wann wird das Album voraussichtlich erscheinen?Im späten Herbst, denke ich. Du wirst der erste sein, dem ich das genau Datum mitteile, haha.Was machst du sonst noch?Hehe, das wirst du kaum glauben: Ich spiele solo Surfinstrumentals nur auf der Gitarre – und zwar Coverversionen von TURBONEGRO-Songs! Demnächst wird eine Single mit zwei Songs auf Bitzcore erscheinen, eine Kombination aus ‘Zillion Dollar Sadist’ und ‘Million Dollar Weekend’ von den VENTURES – mal sehen, was in der Richtung noch erscheint, aber ich habe schon diverse Surf-Versionen von Heavy Metal-Klassikern im Programm...Kevin, ich danke dir für das Interview.
 
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TURBO A.C.'S - Automatisch gut

Da ich dieses schreibe, ist es gerade einmal zwei Tage her, dass die TURBO AC’S aus New York City bei der Party zur 50. Ausgabe des Ox im Kölner Underground den Beweis lieferten, warum verdammt noch mal es gute Gründe gab, sie a) dort spielen zu lassen und b) ihnen die Ehre einer Titelgeschichte zu erweisen. Ganz einfach: Kevin (Gitarre, Gesang, im Interview KC), Mike (Bass, Gesang) und Kevin (Drums) sind nicht nur äußerst sympathische Menschen, was ich schon 1997 auf ihrer ersten Tour bei der Beherbergung im Ox HQ feststellen durfte, sondern haben sich auch live über all die Jahre noch gesteigert, sind das ultimative Rock’n’Roll-Punk-Surf-Greaser-Trio überhaupt. Und „Automatic“, ihr aktuelles Album, zeigt die Band in von Blag Dahlia von den DWARVES produzierter Höchstform. Noch leicht angeschlagen saßen wir am Tag nach der Party zum Frühstück auf der Terrasse in Sachen Interview beisammen, im Hintergrund zwitscherten die Vögelchen, die Sonne schien ...Jetzt seid ihr also schon wieder, mal wieder, in Europa unterwegs. Wie ist das so für euch?Kevin: Es ist jedes Mal wieder schön hier zu sein, all die verschiedenen Länder zu sehen und so viele Leute zu treffen. Und vor allem ist es cool, wieder unterwegs zu sein und jeden Abend spielen zu können.KC: Es ist cool, wie begeistert hier alle von unserem neuen Album sind. Die Shows bisher waren alle ausverkauft, und wir sind darüber wirklich sehr glücklich. Hier in Deutschland hat es für uns als Band ja auch angefangen richtig gut zu laufen.Das war vor sechs Jahren und euer Bus war ein ganzes Stück kleiner, ihr musstet noch richtig um Auftritte kämpfen.Kevin: Da waren wir froh, wenn 50 Leute zu unseren Shows kamen. Wir wussten damals gar nicht, was wir von Deutschland erwarten sollten und waren einfach froh, überhaupt hier zu sein. Wir konnten unser Glück kaum fassen, dass wir jeden Abend Bier und was zu essen bekamen. Das war eine großartige Erfahrung für uns.KC: Wir hatten damals unser erstes Album auf Blackout raus und schon ganz gut Tourerfahrung in den USA, aber das Album kam eben zuerst in Europa raus, weil der Typ von Blackout, einem Label aus New York, die Idee hatte, die Platte dann in den USA als Import zu verkaufen. Na ja, so richtig hat das leider nicht geklappt... Aber wir gingen in den USA trotzdem auf Tour, kreuz und quer durch das Land, aber so richtig effektiv war das nicht ohne Platte.Wie hat sich euer Publikum seit damals verändert?Mike: Das sind schon auch noch die gleichen Leute wie vor sechs Jahren, aber es sind auch eine Menge junger Gesichter dazugekommen – oder kommen die mir jung vor, weil ich älter geworden bin ...?Oder weil ihr die Deconstruction-Tour gespielt habt?Mike: Schwer zu sagen, auf jeden Fall freue ich mich über ein Publikum, das immer richtig gut mitgeht.Als ich euch das letzte Mal traf, letzten Sommer, da hattet ihr das aktuelle Album noch nicht in Angriff genommen.KC: Da hatten wir nur die Idee, mit Blag Dahlia von den DWARVES zu arbeiten, wir schrieben neue Songs und machten uns dann nach der Deconstruction-Tour direkt ans Album ...... das ihr diesmal nicht in New York aufgenommen habt.Kevin: Nein, Blag fühlt sich in Kalifornien einfach wohler, also flogen wir rüber. Wir dachten uns, so schlecht ist die Sonne dort ja auch nicht, und das Studio war in Hollywood gleich um die Ecke von Amoeba, diesem riesigen Plattenladen.Nun hört man ja von Eastcoast-Bands immer wieder, dass die Mentalität der Westcoast, auch bei Punks, eine ganz andere ist, vergleichbar mit dem Unterschied zwischen Hamburg und Bayern.KC: Also diese Unterschiede sind auf jeden Fall vorhanden, das ist klar, aber andererseits wollen wir als Band natürlich auch versuchen, da zu verbinden. Ich denke, unser Sound ist nicht irgendwie ‚Eastcoast’, der hat auch viele Westcoast-Elemente. Aber die Unterschiede in der Mentalität kann man auch nicht wegreden, das ist ein ganz anderes, hehe, Mafia-System da drüben, so was die ganze Punkrock-Szene und das Business anbelangt. Wir waren ehrlich gesagt doch ziemlich überrascht, wie sehr das Big Business da drüben in den Punkrock-Sektor hineinreicht, wie viel Geld da zirkuliert. Blag Dahlia hat uns da so einige Geschichten erzählt, wie es so läuft in Kalifornien, und wir waren da schon sehr erstaunt. Bei uns an der Eastcoast muss man da als Punkrocker schon ein ganzes Stück mehr kämpfen.Mike: Mann, die Punk-Kids an der Westcoast können sich von dem Geld, das sie mit Punkrock verdienen, Häuser kaufen! Das ist eine völlig andere Liga als bei uns in New York.KC: Dabei ist die Szene in Kalifornien aber auch richtig groß und gut, die Leute stehen hinter den Bands, die Kids sind begeisterte Fans.Mike: Und viele Bands sind gute Freunde, etwa die MAD CADDIES oder LAG WAGON, die wir auf der Deconstruction-Tour kennen gelernt haben. Und das Schöne ist eben, dass wir als Band wirklich diese regionalen Unterschiede überbrücken können, dass wir alle Leute gleichermaßen erreichen und begeistern.KC: Das ist eben auch Teil unserer internationalen Mentalität. Der Action Club Turbo AC ist die Familie von Menschen, die Spaß an guter Musik haben, und solche Menschen gibt es überall. Das ist das Ziel, das wir mit der Band verfolgen.Trotzdem fühlt ihr euch zu Hause am wohlsten.KC: Klar, und wir waren schon froh, dass wir die Platte an der Eastcoast abmischen konnten. Da wissen wir, wo unsere ‚Mafia’ sitzt, hehe. Ich meine, die kiffen ja auch alle wie blöd da drüben in Kalifornien, was es nicht gerade einfacher macht, seine Arbeit zügig zu erledigen. Ich rief dann auch irgendwann unseren Kumpel Billy Milano an, der früher außer uns auch AGNOSTIC FRONT und die US BOMBS gemanagt hat. Ich brauchte seinen Rat, denn wir wollten das Album in dem Studio mischen, wo Blag auch das Album der SWINGIN’ UTTERS gemischt hatte, doch er war mit dem Studio nicht ganz zufrieden und kam mit der Idee, es im Heimstudio von so einem Typen zu mischen, den er kannte, aber der kiffte uns zu viel, und so beschlossen wir, den Mix zu Hause in New York zu machen. Billy Milano schrie mich dann an, was ich eigentlich glaube, da zu machen. Man könne doch an der Westcoast keine Platte aufnehmen und mixen, aber er werde sich drum kümmern, dass das noch klappt. Er machte dann ein Studio für uns klar, und das war dann wunderbar. Ich wohnte mit Billy quasi im Studio, und witzigerweise wohnte Billy zu dem Zeitpunkt mit Bill Wilson von Blackout Records zusammen, unserem ersten Label.Welchen Einfluss hatte Blag Dahlia denn auf das Album?KC: Er hat uns in der Hinsicht sehr geholfen, dass er sich unsere Songs sehr genau angehört hat. Seine Stärke sind Texte und Gesang, und er hat sich mit mir zusammen hingesetzt und immer wieder Passagen überarbeitet, Nicht dass er mir reingeredet hat, sondern er hat einfach gute Ideen gehabt. Und er hat keine Kleinigkeiten durchgehen lassen, legte großen Wert auf Background-Vocals.Mike: Er hat auch bei einem Song Farfisa-Orgel gespielt, so richtig fies. Und bei ein paar Songs hat er mit uns die Background-Vocals gesungen. Er kam anfangs mit unserer Art aufzunehmen nicht so ganz klar, und so wurde er auch mal, na ja, sehr väterlich zu uns, meinte, dass das so aber ja überhaupt nicht klappen würde. Und dann skizzierte er erstmal, wie er sich das Album vorstellt und wir fingen an, erst das Schlagzeug und dann denn Bass aufzunehmen – und erst ab da war er selbst begeistert und kam mit uns klar. Er ist es eben gewohnt, mit Leuten zu arbeiten, die ein Studio-Budget von 50.000 Dollar für eine Punkrock-Platte haben. Aber als das Album dann aufgenommen und gemischt war, war ich auch richtig zufrieden. Ich stand eines Tages in dem Plattenladen in New York, in dem ich arbeite, und hatte mal so zum Testen eine CD-R mit unserer neuen Platte eingelegt. Die Leute kennen mich nicht, die wissen nicht, in welcher Band ich spiele, die hören einfach nur die Platte und ich beobachte sie dabei. Und da fingen die Kids unvermittelt an, die Melodien mitzusummen, und ein paar fragten, was denn da laufe. Das war ein sehr schönes Gefühl, so ein positives Feedback zu bekommen.Jedes neue Album ist für euch also eine Weiterentwicklung, bedeutet Neues zu lernen.Kevin: Jeder Studioaufenthalt ist ein Lernprozess, ganz klar. Und die Spannungen, die es gab, waren auch eher kreativer Natur, die haben dem Album erst seine Form gegeben, auch wenn es manchmal eine harte Erfahrung war. Und wir haben auch viel über uns gelernt.„Automatic“ ist auf jeden Fall ein Album, dem man anhört, dass ihr euch weiterentwickelt habt.Mike: Ich denke, wir drei sind einfach noch besser geworden in unserer musikalischen Kommunikation. Wir wissen, was wir vom anderen erwarten können, was wir können. Diese Platte ist das Ergebnis von all den Jahren auf Tour, von all den Stunden im Studio, von all den Konflikten, die wir hatten. Wir fühlen uns heute viel sicherer und selbstbewusster bei dem, was wir tun – und diese Platte beinhaltet all das.Was bedeutet euch die Band?KC: Die Band ist mein Weg, meine Message an die Welt da draußen zu übermitteln. Wir sind keine Band, die predigt, aber unsere Botschaft ist eine positive. Ich denke, die Leute können sich mit dem, was wir tun, identifizieren, und es bedeutet mir eine Menge, wenn jemand unsere Musik verstehen, sich von ihr begeistern lassen, das ist supercool.Mike: Ich war vor dieser Band in der Wildnis verloren. Oh ja, das war ich. Und eine Macht, die größer ist als ich, hat mich auf diesen Weg geführt ...Kevin, KC, hat der wieder heimlich Bibel-TV geschaut ...?Mike: Nein, nein, ich habe nichts von Gott gesagt, oder? Ich habe nur von einer Kraft geredet, die größer ist als ich. Ich war ein verlorener Sohn, aber dann habe ich diese Band gefunden und seitdem die unglaublichsten Erfahrungen gemacht.Kevin: Diese Band ist mein Leben. Alles in meinem Leben dreht sich um diese Band, und ich versuche, ständig besser zu werden am Schlagzeug und diesen beiden Typen auch ständig mehr auf die Nerven zu gehen, hehe.KC: Unsere Mission ist es, die Fackel unserer Vorväter zu tragen, wir sind die Schüler von Lemmy Kilmister und Angus Young und Dick Dale und Joey Ramone, Kinder der Verdammten ...Ich muss ja sagen, dass der Sound gestern Abend wirklich exzellent war – und wenn man das mit dem Auftritt auf der Deconstruction-Tour vergleicht, dann sind die kleinen Clubs einfach euer Terrain, oder?KC: Shows wie die gestern sind die Verkörperung unserer Musik. Wenn man uns auf eine große Bühne stellt, ist es immer ein komisches Gefühl.Kevin: Auf so einer großen Bühne geht fast immer der Kontakt zum Publikum verloren. Und man ist auch untereinander in engem Kontakt, man ist nicht zehn Meter voneinander entfernt. In kleinen Clubs ist es einfach intimer und macht mehr Spaß, der Sound ist ‚tighter’.KC: Und eines Tages werden wir all die kleinen Clubs auch überzeugen können, eine Klimaanlage einzubauen ... Dann sind wir wunschlos glücklich.Verliert man auf so einer Tour eigentlich richtig Kilos?Kevin: Ja, bei so einer Fünf-Wochen-Tour verliere ich bis zu fünf Kilo, gerade in Europa, wo die Clubs meist nicht so gut klimatisiert sind. Aber ich will mich nicht beklagen, ich kann’s ja vertragen, ein paar Kilo zu verlieren. Statt ins Fitness-Studio gehe ich eben auf Tour, haha.Mike: Ich war vor dieser Tour ungefähr zweieinhalb Monate in einem Box-Club zum Trainieren, so ein richtig schmieriger Laden in Brooklyn, in dem auch viele Profis trainieren, und das war so richtig klasse. Alles wird nur noch von Gaffa-Tape zusammengehalten, es ist siffig und dreckig und ich war da immer so zwei Stunden auf dem Laufband, Seilhüpfen, und so weiter. Das war echt cool, das war meine Vorbereitung auf die drohende Tour, auf die Strapazen, die uns erwarteten, haha. Ich lernte meine Energie gut zu nutzen, durch die Nase und nicht durch den Mund zu atmen, und all so was.KC: Ich musste mich nicht vorbereiten, ich bin immer bereit, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche! Nein, also ich bin einfach da, wenn es losgeht.Mike: Kevin ist einfach zu beschäftigt damit, alles am Laufen zu halten. Wir haben kein Management mehr, wir kümmern uns um alles selbst, auch das Booking.KC: Na ja, wenn du willst, dass alles so läuft, wie du dir das vorstellst, dann musst du es eben selbst machen. Klar, wir könnten auch jemand anheuern, aber das widerspricht auch unserer DIY-Einstellung, denn so waren wir schon immer und davon kommt man nur schwer los. Und warum soll man jemand anders den Job versauen lassen, während man selbst auf der faulen Haut liegt? Außerdem verliert man auch schnell den Kontakt zur Welt da draußen, zum Business, wenn man das nicht selbst macht, das habe ich in New York schon bei einer Menge Leute erlebt, die sich auf Labels und Manager verlassen haben.Mike: Das ist auch das Geheimnis, weshalb wir immer noch zusammen sind. Ich treffe in New York ständig Leute, die sich wundern, dass es uns immer noch gibt, und das kann ich nachvollziehen, denn ich habe über die Jahre so viele gute Bands kommen und gehen sehen. Die waren alle nicht schlecht, bekamen gute Reviews, das waren Leute, die schon lange in der Szene waren, aber sie hatten einfach nicht den nötigen Durchhaltewillen.KC: Das waren aber auch die Leute, die immer davon faselten, dass sie einen Majordeal bekommen würden und dies und das und letztlich bekamen sie gar nichts. Die hatten einfach keine Basis, auf die sie bauen konnten. Das ist bei uns der Punkt, an dem die Punkrock-Mentalität ins Spiel kommt. Und ehrlich, Punkrock hat mein Leben gerettet, er hat mir etwas gegeben, für das ich lebe. Als ich damals auf Punkrock kam, da ging es überhaupt nicht um Geld, keiner hat damit Geld verdient, sondern das war einfach unser Ding.Seid ihr denn heute in New York Teil einer bestimmten Szene?KC: Wir treiben uns überall herum, spielen Psychobilly-Konzerte, mit Punkrock-Bands, Hardcore-Shows, Rock-Shows wie mit den HELLACOPTERS und sogar Ska-Konzerte. Und dabei beeindruckt mich, dass die Leute fast immer offen sind für uns, sogar bei einer Retro-Rockabilly-Show wurden wir abgefeiert, obwohl ich da sehr skeptisch war.Mike: Ja, aber die Rockabillys waren eben alle Punkrocker, bevor sie sich den Flat geschoren haben. Die haben alle ihre MISFITS-Platten zu Hause.KC: Das hat auch was damit zu tun, dass auch wir so vielfältig sind und in all diesen Stilen zu Hause sind. Und es gibt auch nicht so viele Bands, die das von sich sagen können. ROCKET FROM THE CRYPT sind zum Beispiel eine.Mike: Und SOCIAL DISTORTION. Beim ersten Mal habe ich die mit GANG GREEN gesehen, ein anderes Mal mit den RAMONES, mit Country-Bands – das passte immer, und das ist deren Geheimnis. Das ist, als ob jemand nur eine Art von Essen mag, nur Hot Dogs oder Hamburger – das ist doch total langweilig.Mit dem neuen Album „Automatic“ seid ihr jetzt in Europa ganz auf Bitzcore, bei dem davor machte Bitzcore das Vinyl, die CD war auf Nitro.KC: Das mit dem Vinyl war ein Grund, weshalb es mit Nitro nicht geklappt hat. Die wollten einfach keine LPs pressen, die wollten in Europa kaum was für uns tun, weil sie einfach nicht kapiert haben, wie wichtig Europa für uns ist. Und wir hatten auch über viele andere Dinge unterschiedliche Ansichten.Mike: Manche Kalifornier sind sich eben leider nicht der Tatsache bewusst, dass es noch eine Welt außerhalb von Kalifornien gibt, hehe.KC: Zum Glück haben wir für die USA jetzt auch ein Label gefunden, das uns versteht: da ist das Album auf Gearhead erschienen. Mike LaVella ist ein Musikliebhaber, der genau versteht, was wir tun und uns auch schon seit Jahren kennt, und uns unterstützt hat. Und wo könnten wir besser aufgehoben sein, als auf dem Label, das auch die HIVES, die HELLACOPTERS und die NEW BOMB TURKS im Programm hat?!Mike: Wir spielten in Austin auf seinem Gearhead-Festival, und nachdem wir gespielt hatten, fragte er nur, was er uns zahlen müsse, um unsere nächste Platte rausbringen zu dürfen.Was hat es mit dem Albumtitel „Automatic“ auf sich? Etwa, dass ihr keine Autos mit Handschaltung fahren könnt?KC: Hehe, dieses Element ist schon auch enthalten, so dieses ‚Cruise Control’-Ding. Aber das ist eher die oberflächliche Bedeutung. Es hat viel mehr damit was zu tun, dass die TURBO AC‘S etwas sind, auf das man zählen kann – ‚automatic’.Was sagen eigentlich die Frauen in eurem Leben dazu, dass ihr immer wieder andere Frauen auf dem Cover habt?KC: Ach, auch Girls schauen sich gerne Girls an. Im Detail ist das dann wieder Geschmackssache.Kevin: Meine Mutter ist da ganz deutlich geworden: ‚Schon wieder eine Frau auf dem Cover? Könnt ihr nicht mal was anderes machen?’ Tja, was soll ich sagen ...KC: Es wurde auch angemerkt, dass diesmal das Auto-Element fehlt. Manche Leute glauben eben, wir seien solche Hotrod-Freaks, aber das ist ja nicht wahr.Hat einer von euch derzeit überhaupt ein Auto?Kevin: Klar, wir haben alle zusammen einen 1990er Ford Econoline-Van. V8, 5 Liter-Maschine – da geht einiges!Sidepipes, Flammendekor und so weiter sind eh klar.Kevin: Aber sicher doch! Na ja, eher nicht ...KC: Ich hatte mal einen 1970er Dodge Challenger, so einen richtigen Hotrod und war auch in dieser Szene drin, aber das ist lange her. Außerdem muss man auch richtig Geld haben für so was, sonst macht dich das arm. Aber eines Tages ...Mike: ... habe ich eine Harley Davidson FXR, so einen Lowrider.KC: Es geht da mehr um die Inspiration aus dieser Thematik, als darum, selbst so ein Auto zu haben – und außerdem heißt die Band ja auch THE TURBO AC’S.Was gibt es sonst noch in eurem Leben außerhalb der Band?Mike: Ich arbeite immer noch in einem Plattenladen, gehe Boxen und versuche mich als DJ, seit mir Kevin Cole gezeigt hat, wie das geht. Beim letzten Mal, als ich aufgelegt habe, tanzte jemand nackt auf der Bar zu MOTÖRHEAD, das war schon mal ganz gut.KC: Ja, wir beide verdingen uns in New York als DJs, so von Zeit zu Zeit, und ansonsten kümmere ich mich eben um die Bandgeschäfte.Kevin: Und ich helfe immer noch meinem Vater bei diversen Handwerkerjobs, mache vor allem Elektrik und Installation. Da hat man immer was zu tun.Und eure nächsten Pläne?KC: Bis Anfang des Winters werden wir fast permanent auf Tour sein, weshalb wir unsere Wohnungen und sonstiges Leben zu Hause aufgegeben haben. Und wenn wir dann zurück sind, fangen wir mit dem neuen Album an.Mike, Kevin, Kevin, ich danke euch für das Interview.Foto: Sandra Steh, www.steh.de
 
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TURBO A.C.'S - In den Avenues von New York City

Es gibt Bands, die wird man nicht mehr los und will das auch gar nicht. Die TURBO A.C.’s zum Beispiel. Seit ich vor acht oder neun Jahren auf das New Yorker Trio aufmerksam wurde, kreuzten sich unsere Wege immer wieder: Sie spielten auf dem Ox-Festival, waren mehrfach auf der Ox-CD zu hören, waren auf dem Cover von #51 zu sehen und das hier ist auch tatsächlich schon das vierte(!) Interview, diesmal allerdings nur mit Frontmann Kevin Cole allein. Geführt Anfang März via eMail anlässlich des neuen, im April erscheinenden Albums „Avenue X“, als die Band gerade von ihrer Australientour nach New York zurückgekehrt war. Muss ich noch betonen, dass das neue Album natürlich das bislang beste ist? Zumindest bis zum Erscheinen des nächsten ...Kevin, in diesem Februar hattet ihr das erste Mal die Gelegenheit, durch Australien zu touren. Wie kam das zustande?„Ich habe es lange Zeit heimlich geplant, uns nach Australien zu bringen, nur damit ich dort dann surfen kann, haha. Das stimmt sogar, aber so ist es nicht passiert. In Australien gab es ein Label, das gerne ‚Automatic‘ rausbringen wollte, und auch einen Booker, der mit uns eine Tour organisieren wollte. Beide traten also mit uns in Kontakt und so nahmen die Dinge ihren Lauf.“Wie reagierten die Leute auf euch, kannten sie euch? Ich glaube, ihr seid inzwischen schon ungefähr 20-mal in Europa gewesen, aber das erste Mal in eine Stadt oder ein Land zu kommen, muss echt schwierig sein. „Es war wirklich großartig, das erste Mal dort zu sein und Menschen zu sehen, die TURBO A.C.’S-Tattoos haben und Fan von uns sind. Viele Leute haben schon eine lange Zeit darauf gewartet, dass wir endlich mal dort auftreten. Natürlich gab es dort auch kleinere Städte, in denen uns keiner wirklich kannte ... Ich meine, wir sind es irgendwie gewohnt, vor Menschen zu spielen, die unsere Songs kennen und die Lieder mitsingen, aber wir gehen da raus und machen unsere Musik, weil wir es einfach lieben – unabhängig vom Publikum. Man könnte eventuell annehmen, dass es für eine Band wie uns schwierig ist, wieder an den Anfang zurückzukehren, aber es tat auch gut, zu wissen, dass man wieder von vorne anfangen kann und so auch wieder das Publikum für sich gewinnen kann, wie wir es ja auch sonst machen.“Was waren die ersten australischen Bands, die ihr kanntet? Und mit welchen Bands habt ihr gespielt, irgendwelche außerordentlichen Bands, von denen du etwas erzählen kannst? „AC/CD waren natürlich immer schon ein Einfluss und Inspirationsquelle. Eines meiner Lieblingszitate kommt von Angus Young. Als ihm gesagt wurde, dass eine Musikkritik AC/DC ziemlich runtergemacht hatte, indem sie in einem Artikel geschrieben hatten, dass alle bisherigen zehn AC/DC-Alben alle gleich klingen, sagte er: ‚Er ist ein Lügner! Wir haben insgesamt elf Alben gemacht, die alle gleich klingen!‘ Ansonsten waren wir noch mit GO SET auf Tour, die in etwa die australische Version von den REAL McKENZIES sind. Komplett mit Dudelsäcken und so. Leider haben wir nicht viele australische Bands gesehen, aber es war dennoch großartig.“Habt ihr Kängurus und Koalabären gesehen? Und wie viele davon überfahren auf der Straße? „Wir haben keine gesehen, aber wir hielten ständig Ausschau nach ihnen! Wir fanden aber heraus, dass diese Tiere ohnehin pure Erfindung sind, um den Tourismus anzukurbeln ... Entweder das, oder die Australier waren irgendwann einmal ganz fürchterlich betrunken und dachten, sie hätten eine große Ratte gesehen, die in Boxhandschuhen rumspringt. Ich frage mich, was sie wohl getrunken haben, wenn sie ein Schnabeltier sehen.“Was passierte sonst noch so in der aufregenden Rock’n’Roll-Welt der TURBO A.C.’s im letzten Jahr? Knifefights, fighting magic bullets, standing in the real rain, looking for trouble? Do you feel lucky or no time? „Ja klar, bei uns geht es immer wild zu. Echt witzig, wie du die Songtitel zusammen aufgezählt hast, denn das beschreibt ziemlich genau, wie wir uns fühlen und was um uns herum so geschieht. Wenn man wissen möchte, was so los ist, dann sollte man sich einfach unser neues Album anhören, denn das kommt da schon ziemlich nah ran.“Wovon handelt „Anthem of united humanity“? Ist es ein politischer Song? „Ja, auf jeden Fall! Er ist sehr politisch. Er fasst unsere Empfindungen gegenüber der Politik zusammen – achte einfach auf die Worte!“Und was ist ein „Turbonaut“? „Inspiriert von Juggernaut aka Vishnu, Herrscher über die Welt, eine massive, unerbittliche Kraft, die alles zerstört, was ihr in den Weg kommt. Wir mögen auch die Anspielung auf Sabbath. Oh Mann, wir können den Marvel-Superbösewicht einfach nicht vergessen ... Wie du siehst, haben unsere Songs immer einen zweifachen, dreifachen, wenn nicht auch noch vierfachen Sinn.“Wo wir gerade dabei sind, wie steht die „Turbojugend“ zu euch? Gibt es eventuell so etwas wie eine spirituelle Verbindung außer dem Wort „Turbo“? „Also, das ‚Turbo‘ ist absoluter Zufall und die meisten Leute wissen jetzt auch, dass wir unseren Namen aus dem Film ‚The Warriors‘ haben, Gang der Turnbul A.C.’s. Ich weiß, dass wir ziemlich viele Turbojugend-Fans haben, aber ich glaube nicht, dass das mit dem ‚Turbo‘ in unserem Namen zusammenhängt. Ich denke, es hat eher damit zu tun, dass wir Punkrock einigermaßen ernsthaft betreiben, genauso wie die guten alten TURBONEGRO. Wir gehören offiziell nicht zur Turbojugend, aber wir lieben TURBONEGRO und zollen ihnen jede Menge Respekt. Und hey, ich bin verdammt stolz darauf, sagen zu können, dass wir unsere Release-Party für ‚Ave X‘ auf dem großen Turbojugend-Festival in Hamburg haben werden!“Habt ihr schon mal was von der alten Band TURBO HI DRAMATICS gehört? „Unglaublich, ich werde das mal abchecken. Bevor wir mit den TURBO A.C.’s anfingen, hatte ich nie zuvor von eine dieser ‚Turbo‘-Bands gehört. Aber sobald wir unseren Namen gefunden hatten, tauchte überall irgendwas mit ‚Turbo‘ auf. Es war nicht sehr viel später, als ich von TURBONEGRO hörte. Sie waren im ‚Flipside‘, einem alten Punkzine aus Kalifornien. Aber das war noch zu der Zeit, als sie schwarze Gesichter hatten und diese Afro-Perücken trugen. Ich dachte mir zu dem Zeitpunkt einfach nur: ‚Das ist cool, aber unsere Wege werden sich wahrscheinlich sowieso nicht kreuzen.‘ Haha, echt witzig, wie sich die Dinge ändern können.“Wo habt ihr diesmal die Filmdialogschnipsel zwischen den Songs geklaut? „Aus ‚Die glorreichen Sieben‘, ‚Repo Man‘ und anderen ... Wir lieben es, diese Dialoge auf unsere Alben zu packen, nicht nur wegen des Inhaltes, sondern auch wegen der Filme an sich. Vor allem ‚Repo Man‘. Wir zitieren ‚Repo Man‘ praktisch täglich.“Du hast genau eine Minute Zeit zu begründen, warum das neue Album bis dato das Beste ist. „Das ist bis jetzt das ehrlichste Album der TURBO A.C.’S. Es ist das Album, das wir schon immer machen wollten. Wir haben uns bei diesem Album wirklich angestrengt.“Wohin führt die „Avenue X“? „Hmmm, die ‚Avenue X‘ ist eine Straße auf Coney Island ... Hier haben wir also wieder unseren Bezug zu dem Film ‚The Warriors‘, den wir ja schon um unseres Namens willen mögen. Man muss aber nichts über den Schauplatz des Films wissen, um die Bedeutung von ‚Ave X‘ zu erfassen. X ist immer etwas Unbekanntes wie eben die Variable X. Also kann ‚Ave X‘ eine unbekannte Richtung meinen. Für mich bedeutet es allerdings noch etwas anderes, was ich dir allerdings nie erzählen werde. Die Leute können jede Bedeutung, die sie haben wollen, auf diesen Namen beziehen. Mit dieser Absicht schreibe ich auch unsere Songs.“Wer ist das Model auf dem Cover? Es sieht so aus, als ob sie in einer AC/DC-Schuluniform posieren würde. „Haha, da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht ... Aber ich wünschte, ich wäre auf diese Schule gegangen! Ich habe das Foto ausgesucht, weil ich durch verschiedene Sachen inspiriert worden bin: Durch die Filme ‚The Warriors‘ und ‚The Taking of Pelham One Two Three‘ und den Song ‚Mafioso‘ von unserem letzten Album ‚Automatic‘. Wieder einmal viele verschiedene Punkte, aber egal, es ist ein großartiges Foto!“Kein Auto auf dem Cover, dafür aber öffentliche Verkehrsmittel! Wie kommt’s? „Weißt du, wir sind ziemlich gelangweilt von den Leuten, die immer bestimmte Erwartungen an uns haben, aber es dabei noch nicht einmal verstehen. Wir fingen mit einem Mädchen und einem Auto auf dem Albumcover an, aber wir versuchten stets etwas zu machen, das wesentlich cooler ist als dieses langweilige Punkrock-Klischee. Es gibt sicherlich noch einige Leute, die diese Sachen bei uns vermissen und uns als langweiliges Rock’n’Roll-Klischee abtun, aber ... Fuck ’em! Wir scheren uns um diese Leute nun wirklich nicht, aber auf Dauer wird es echt ermüdend, ständig falsch verstanden zu werden. Dann gab es ‚Automatic‘, wo kein Auto auf dem Cover war. Das war totale Absicht und richtete sich an die Leute, die es einfach nicht kapieren. Was wir eigentlich mit dem Cover erreichen wollen, ist, dass man etwas Schönes mit der Kraft und der Einstellung der Musik verbindet. Wie bei ‚Automatic‘ haben wir uns das attraktivste Mädchen ausgesucht und ihr einfach ein fettes, hässliches TURBO A.C.’s-Tattoo aufgedrückt. Bei diesem Mal haben wir uns einfach dazu entschlossen, mit dem Auto/Mädchen-Klischee zu arbeiten, und setzten ein Mädchen in ein Auto, nur dass wir dieses Mal einen U-Bahn-Wagon genommen haben. Hast du es verstanden? Ich bin mir sicher, dass ich schon wieder missverstanden werde. Aber es ist mir egal, ich mache das, wonach mir ist.“Ihr habt das neue Album wieder in Manhattan aufgenommen. Welches Studio, wer hat es produziert, was waren die Voraussetzungen? „Das Studio heißt LOHO und ist an der Lower East Side. Es war das perfekte Studio! Alles an exzellentem Equipment und nur vier Blöcke von meiner Wohnung entfernt. Als ich dort hinging, um es mir mal anzuschauen, sah ich Bilder von Ronnie Spector und Keith Richards an den Wänden, und da wusste ich, dass ich dort das Album aufnehmen wollte! Um unser letztes Album aufzunehmen, sind wir durch das halbe Land nach Hollywood gereist. Und obwohl ich dieses Album liebe, habe ich die den Produktionsprozess gehasst! Das neue Album haben wir nun nah an zu Hause auf eigene Faust produziert, und ich denke, dass man das hören und fühlen kann.“ Was gibt es über die VENUSSHELLS zu sagen? Eure Supportband auf der nächsten Tour ...? „Eine meiner liebsten Bands aus Deutschland wird mit uns auf die nächste Tour gehen. Ich liebe ihr Album ‚Bloody Slut Choir‘. Und die Sängerin ist echt niedlich ...“
 
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TURBO A.C.'S - Bad nationwide

Die New Yorker TURBO AC's sind mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen - der regelmäßige Ox-Leser wird das schon gemerkt haben. Doch mit dem neuen Album "Live To Win" änderten sich ein paar Kleinigkeiten: Kevin Cole (Gitarre und Gesang) und Kevin Prunty (Drums) gingen ihres alten Bassisten Mike Dolan verlustig, und statt nur einen Ersatz zu suchen, gab es gleich zwei neue Bandmitglieder, Tim Lozada (Bass) und Jer Duckworth (Gitarre). Das ging auch am Punkrock meets Surf-Sound der NYC-Formation nicht spurlos vorbei, man präsentiert sich runderneuert und wuchtiger, geht ein paar neue Wege, ohne sich selbst untreu zu werden. Logisch, dass ich dazu ein paar Fragen hatte.Tim, Jer, wie seid ihr an den Job gekommen?Tim: Ein Telefonanruf: "Willst du bei uns Bass spielen?" Und ich sagte Ja. Ich kenne die beiden Kevins seit fünf oder sechs Jahren, habe selbst eine Band namens THE HARD UPS, und als der Anruf kam, waren wir gerade ohne Drummer - Kevin hat uns da auch schon mal ausgeholfen -, die anderen hatten nichts gegen eine Pause, also probte ich mal mit ihnen, es klappte, und hier bin ich. Ich war drei Jahre in einer Band, die ausschließlich in New York auf Tour war - das heißt, einmal haben wir auch in New Jersey gespielt ... Wir kamen einfach nicht weiter, außer mir hatten alle ihren Job ...Jer: Bei mir war es genauso: Ein Anruf und die Frage, ob ich mitspielen will. Die beiden Kevins hatten wohl schon länger mit dem Gedanken an einen zweiten Gitarristen gespielt, und mit Mikes Ausstieg bot es sich an, das mal in Angriff zu nehmen.Ihr wart in der Dreier-Besetzung über zehn Jahre zusammen, was war los?KC: Dass was nicht stimmt, zeichnete sich zum Jahreswechsel ab. Wir hatten letztes Jahr sehr viel getourt, rund sechs Monate, und Mike wollte danach erst mal eine Pause machen, eine Weile keine Konzerte spielen, sein Leben wieder geregelt bekommen. Kein Problem für mich, ich habe mich ein paar anderen Dingen gewidmet, Pläne gemacht, doch dann kam Mike an und sagte, er wolle nicht mehr, sondern sich einen Job suchen, vielleicht studieren - und außerdem wolle er gerne der Frontmann einer Band sein. Nun ja, wir hatten vorher schon mal Diskussionen dieser Art gehabt, aber die waren alle abgeschlossen gewesen, aber diesmal ging es so weit, dass wir sogar die Weiterexistenz der TURBO AC'S in Frage stellten. Unsere Freunde bekamen das natürlich mit, alle waren dafür, dass wir weitermachen, und so kam es dann, dass Mike ausstieg und wir uns zwei neue Mitglieder suchten, anstatt nur einen neuen Bassisten zu suchen und so zu tun, als habe sich nichts verändert.Also haben wir es jetzt mit THE TURBO AC'S 2.0 zu tun.KC: So in der Art, ja. Es ist der gleiche Name, die gleiche Musik, auch wenn manche Leute behaupten, die neue Platte sei anders. Aber das tun sie ja sowieso, haha. Ich meine, wir haben uns ja jetzt nicht plötzlich dem Emo-Hardcore zugewandt oder so, denn wenn Bands das tun, also mit gleichem Namen ganz andere Musik machen, dann ärgert mich so was immer. "Keep it real", das war und ist meine Devise. Na, und ich denke, wir haben es echt geschafft, hier sind wir, es geht weiter!Wie siehst du in diesem Kontext die neue Platte?KC: Wir haben versucht, da viele Referenzen zu den frühen TURBO AC'S zu geben, und dazu passt auch der Titel "Live To Win", der ja ein Songtitel des ersten Albums "Damnation Overdrive" ist. Oder was sagst du dazu, Kevin?Kevin: Nun, ich denke, du hast zu dem Thema jetzt schon eine Menge gesagt ...KC: Ach, ich kann auch noch eine Menge mehr sagen, jetzt, wo meine Stimme wieder funktioniert - die letzten Tage war ich sehr heiser, konnte kaum reden.Ich finde ja, dass man eurem neuen Album auf jeden Fall anhört, dass da neue Leute beteiligt sind, dass sie einen neuen Drive hat.Kevin: Ja, so geht mir das auch. Sobald Tim und Jer dabei waren, brachten sie sich mit ihren Ideen ein und halfen, dem Album seinen Sound zu geben. Tim etwa hatte eine ganz neue Herangehensweise ans Songwriting, und mir hat das neue Energie verliehen. Und es hilft auch, wenn der Bassist in deiner Band dich leiden kann ...KC: Wir hatten diesmal auch von diversen Leuten von außerhalb Hilfe. So half zum Beispiel meine ältere Schwester beim Songwriting, die selbst auch Musik macht, und die hatte immer schon gesagt, sie habe ein paar Ideen für Gitarrenriffs für mich, und diesmal nahm ich ihre Hilfe an. Und sie hat auch an ein paar Stellen Gitarre gespielt, etwa bei "Nomads" und "Save me". Meine Schwester lebt in Paris, sie spielt selbst in keiner Band, sie ist jetzt unser Ghostwriter, haha. Und weil das mit meiner Schwester so gut klappte, habe ich dann direkt auch meine Mutter rekrutiert: die hat bei einem Lied, bei "Nomads", mitgesungen.Kevin: Das ist echt unglaublich, wie talentiert jeder in seiner Familie ist. Die spielen alle mehrere Instrumente, und das macht mich echt verrückt.Und wer sind die nackten Frauen auf dem Cover? Auch Familienangehörige?Tim: Das ist meine Mutter mit ihren Bridge-Partnerinnen, hahaha.KC: Oh ja, das Cover ... Da sind wir wohl etwas außer Kontrolle geraten, hahaha. Wenn man nur das Pappcover mit dem Logo sieht, könnte man ja meinen, wir hätten unsere Tradition eines Covers mit hot Chicks darauf aufgegeben. Aber das wird niemals passieren, vertraut mir. Die Idee geht auf Timothy Dolph zurück, ein guter Freund, der die Fotos für die "For A Fistful Of Euros"-7" gemacht hat. Das Foto stammt aus einer Serie für Pin-up-Spielkarten, er zeigte es mir und meinte, das sei ja wohl ein perfektes TURBO AC'S-Cover. Und da hatte ich auch schon den Titel, "Live To Win", und das passte bestens zusammen, und Jan aus Hamburg hat dann auch einen sehr guten Job beim Layout gemacht.Die Karten- und Glücksspielthematik zieht sich ja durch das ganze Album und tauchte schon immer mal bei euch auf.KC: Ja, wir haben so ein paar Symbole, die immer wieder auftauchen. Nimm nur unser Logo, den Schädel und die gekreuzten Schraubenschlüssel, das steht für mich für all das Pech, das wir von Anfang an hatten, und dazu passt dann der Satz "Born to lose, live to win", das ist ja so unser Slogan, um den sich alles dreht, auf den wir immer wieder zurückkommen.Mal ehrlich, seid ihr die letzten Jahre so vom Unglück verfolgt gewesen?KC: Haha, na ja, vom Gefühl her war das schon so. Immer, wenn es mal etwas besser lief, passierte wieder irgendwas Übles, das kann man schon so sagen. Und wir mussten kämpfen, um es so weit zu bringen. Wir waren immer auf uns alleine gestellt, wir waren nie eine Band, die in eine Schublade passte, weder Punk noch Psychobilly noch sonst irgendwas, wir machen nur die Musik, auf die wir Lust haben, und das fordert über die Jahre auch seinen Tribut.Zum Beispiel in Person eures Ex-Bassisten?KC: Das wollte er zumindest glauben. Wir sind ja nicht irgendeine Metalband, bei uns steckt schon etwas mehr dahinter, es kommt von Herzen, wir denken nicht darüber nach, warum wir das machen, es kommt einfach so aus uns heraus. Und entsprechend sind wir keine Band, die jeder sofort versteht. Für mich zeichnet das aber all die Bands aus, die ich respektiere, wobei die wiederum oft darunter leiden, dass sie nicht die breite Anerkennung erfahren, die ihnen eigentlich zusteht - nimm nur mal die RAMONES als Beispiel, wie lange es gedauert hat, bis ihnen die gebührenden Anerkennung gewährt wurde.Seid ihr ehrgeizig?Kevin: Manchmal schon, dann mehr als mir lieb ist. Um in dieser Band zu spielen, muss man das schon sein. Für das, was wir erreicht haben, für unser kleines bisschen Erfolg, mussten wir hart arbeiten, und das geht nur mit etwas Ehrgeiz. Und wenn du dazu nicht bereit ist, wie vielleicht eine Person, die heute nicht mehr dabei ist, dann ist das keine gute Basis, dann sollte man sich besser einen normalen Job suchen.Andererseits gibt es aber ja auch Bands, die total desorganisiert sind, deren Platten beschissenen Sound haben, die sich wie Arschlöcher aufführen - und die trotzdem von ihren Fans gefeiert werden. Wie geht man als perfektionistische Band mit so was um?KC: Ach, ich glaube einfach an Voodoo. Klar, das ergibt alles keinen Sinn, aber es macht auch keinen Sinn, sich darüber zu viele Gedanken zu machen. Ich weiß einfach, dass, wenn ich will, dass etwas ordentlich und gut gemacht wird, ich entsprechend viel Zeit und Anstrengung investieren muss. Ansonsten gibt es auf deine Frage keine Antwort, man weiß nie, warum irgendwas funktioniert und etwas anderes nicht.Kevin: Mir geht es da ähnlich: Bei gewissen Bands auf gewissen Labels fragt man sich, wie die damit durchkommen - what the fuck? Die sind schrecklich, können kaum ihre Instrumente halten, und verkaufen trotzdem eine Million Platten. Und so stimme ich Kevin zu: Es ist Voodoo!Auf eurem neuen Album covert ihr ZZ TOPs "Bad nationwide" ...KC: Der Titel passt einfach perfekt zu uns, deshalb. "Bad" kann im Amerikanischen "schlecht" bedeuten, aber auch, dass etwas richtig gut ist, so wie in "bad ass", und diese Bedeutung passt einfach zu uns. Der Song ist über das Touren, er beschreibt unser Leben, der Text ist einfach perfekt. Abgesehen davon sind ZZ TOP eine Band, die ich respektiere, ganz egal, ob die jemand anderes gut findet oder nicht. Die wurden noch nie als cool empfunden, die mussten kämpfen, weil sie als weiße Jungs wagten, Blues zu spielen. Die haben ihren ganz eigenen Sound, und das respektiere ich.Kevin: Eben, und scheiß drauf, ob andere die Band cool finden oder nicht. Und außerdem haben die ja echt coole Autos, oder? Und von den Bärten ganz zu schweigen ... Und der Typ, der Frank Beard heißt, hat gar keinen, hahaha.KC: Auch wegen dieses Songs ist "Live To Win" für mich eine schöne Platte, wir haben da Sachen gemacht, die wir bisher nie gemacht haben: Die Spaghetti-Western-Parts, meine Mutter als Gastsängerin, der Song "Fried chicken", die Link Wray-Referenzen ...In den USA seid ihr seit dieser Platte nicht mehr bei Gearhead, sondern bei Acetate, wie NINE POUND HAMMER oder CHARLEY HORSE.KC: Ja, das lief alles nicht so optimal ... Gearhead, das sind zwar sehr nette und coole Leute, aber mit deren Vertrieb lief alles schief, unser letztes Album war Dank deren Vertrieb - Koch Distribution - in keinem der großen Plattenläden zu finden. Und das, während wir auf Tour waren ... Die lief immerhin gut: Wir waren mit den ANGEL CITY OUTCASTS unterwegs, eigentlich als deren Support, doch wo immer wir hinkamen, wurden wir als Headliner aufgeführt. Tja, ich denke, wir haben endgültig die Schwelle zur Rocklegende überschritten ...Dann Dank an die Rocklegende für's Interview, bis zum nächsten Mal.
 
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TURBO A.C.'S - Alle töten!

Seit Ende der Neunziger begleiten mich die TURBO A.C.’s aus New York City bereits, ihre Mischung aus Punk, Rock’n’Roll und Surf begeisterte mich mit jedem Album aufs Neue, und live erwies sich die Band um Kevin „KC“ Cole immer als Garant für mitreißende Auftritte – und die Bandmitglieder als supernette Menschen. 1996 erschien ihr erstes Album „Damnation Overdrive“, seitdem kam alle zwei, drei Jahre ein neues hinzu – und dann war es seit 2006 und „Live To Win“ still geworden um die New Yorker. Ich wusste, dass KC sich mit Jesse Malin von D-GENERATION als Partner in NYC den Traum von einer Punkrock-Pizzeria erfüllt hatte, da musste die Band schon mal hintenanstehen, dennoch ... Aber Entwarnung, im Frühjahr kündigt ihr neues Label Concrete Jungle ein neues Album an, „Kill Everyone“, das siebte, und das nahm ich zum Anlass, Kevin zu interviewen – es ist das siebte Interview für’s Ox ... Der sitzt zum Zeitpunkt unseres Telefonats in Portland, OR im Hotel, die Band ist mitten in einer fünfwöchigen Tour durch die USA und Kanada. Die TURBO A.C.’s sind auf dem Album wie bei dem zuvor Kevin Cole (git, voc), Tim Lozada (bs, voc), Jer Duckworth (git, voc) und Kevin Prunty (dr), wobei letzterer live berufsbedingt eine Auszeit nehmen muss.„Kill Everyone“ fordert der Titel eures mit einem blutrünstigen Cover geschmückten neuen Albums. Ich dachte, du wärest älter, ruhiger und weniger wütend geworden ... Was ist geschehen?Hm, ich weiß auch nicht ... Ich glaube, ich bin einfach etwas wütend. Und ich wollte diesmal ganz direkt sein. In den letzten Jahren ist eine Menge passiert in unseren Leben, da kann sich jeder mit so einem Titel, so einem Album-Thema identifizieren. Ich hatte ursprünglich die Idee, zwei Alben zu machen, eines mit langsamen, eines mit schnellen Songs, doch dann arbeitete ich an dem Song „Kill everyone“ und mir kam die Erleuchtung, das zum Thema des Albums zu machen. Je mehr ich mich mit dem Konzept beschäftigte, desto mehr Ideen kamen mir.Ein schönes Thema: Bring alle um.Nun ja, das ist ja nicht wörtlich zu nehmen. Jeder von uns muss in seinem Leben eine Menge Scheiße ertragen, und die Wut darüber ist es, die manchen in Richtung Punkrock treibt. Anstatt durchzudrehen und mit einer automatischen Waffe die nächste McDonald’s-Filiale zu stürmen und das Feuer auf zufällig dort Anwesende zu eröffnen, schreiben wir eben ein Album über das Thema. Und die Leute kommen zu unseren Konzerten, wir haben Spaß und merken, dass wir in dieser manchmal beschissenen Welt nicht ganz alleine sind mit unserer Wut. Mit der gleichen Attitüde schaut man sich doch auch irgendwelche Gangsterfilme an – was übrigens auch wieder passt, denn die TURBO A.C.’s haben schon immer Referenzen zu Filmen gehabt, in der Musik, im Artwork, im Coverartwork. Und wer weiß, vielleicht machen wir ja auch eines Tages einen Film-Soundtrack.Wie kommt es, dass dich von jeher eher die dunkle Seite des Lebens inspiriert und das die Themen der Band bestimmt? Andere Bands schreiben Songs übers Verliebtsein oder rufen zur Rettung der Wale auf.Mal ehrlich, könntest du dir solche Songs bei uns vorstellen? Könntest du dir vorstellen, dass wir uns nach fünf Jahren mit einem total poppigen Album zurückmelden, produziert von einem angesagten Produzenten, der uns am Ende auch noch gesagt hätte, dass wir auf dem Album keine Ausdrücke wie „fuck“ und „shit“ verwenden sollen? Unmöglich! Nein, unsere Freunde haben lange auf dieses Album gewartet, und da war klar, dass es die TURBO A.C.’s in ihrer pursten Form zu Gehör bringen muss – ohne Bullshit, ohne Poserscheiße, ohne Sellout. Sellout, das Wort hat viel von seiner Bedeutung verloren in den letzten Jahren, aber genau darum geht es: Du machst als Band etwas, worauf du keine Lust hast, wovon du aber denkst, dass es dich weiterbringt, dann verkaufst du dich. Wir hatten mal mit dem Mainstream geflirtet, 2003 mit „Automatic“. Da arbeiteten wir mit Blag Dahlia von den DWARVES – ein echt netter, guter Kerl – und nahmen in Hollywood auf, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das alles nicht unsere Welt ist. Blag gab uns eine Menge Tips der Art „Wenn ihr wirklich Erfolg haben wollt, solltet ihr das so und so machen“, aber ich merkte, dass mir das widerstrebt. Ich mache doch Kunst, um uns darzustellen, wie wir sind. Produzenten sind dann gut, wenn sie die Qualität deiner Arbeit steigern, aber nicht, wenn sie die Funktion eines Zensors ausüben.Damit kannst du nicht Blag meinen. Der erste Song des neuen DWARVES-Albums hat den Refrain „Let’s get high and fuck some sluts!“.Haha, nein, Blag ist ein Guter. Ich spielte ihm unser neues Album vor und er meinte, das klänge wie T.REX auf Pillen. Ich habe das als Kompliment aufgefasst.Euer letztes Album „Live To Win“ erschien 2006. Was hast du die letzten fünf Jahre gemacht?Tja, was habe ich gemacht ... „Live To Win“ kam raus, und dann habe ich irgendwie den Faden verloren. Nachdem das Album erschienen war, eröffnete ich zusammen mit Jesse Malin von D-GENERATION in New York eine Pizzeria. Jesse hat schon lange eine Bar in New York, und als die Pizzeria nebenan schloss, hatte er die Idee, da selber eine zu eröffnen. Seinen Geschäftspartner aus der Bar kannte ich auch, beide waren gute Freunde von mir, und sie fragten mich, ob ich den Laden nicht führen wolle. Die Idee gefiel mir, so was wollte ich immer schon mal machen, aber ich hätte alleine nie das Geld dafür gehabt. Mit den beiden Jungs als Partnern aber schien das möglich. Das Problem, wie sich bald herausstellte, war die wirklich hohe Miete von 11.000 Dollar. Wir wussten, dass es nicht einfach werden würde, aber wir waren der Meinung, es schaffen zu können. Dass ich dabei nicht reich werden würde, war mir auch klar, aber es klang nach einer coolen Idee, um in der Zeit, in der ich nicht toure, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wir hatten viele coole Ideen, ließen uns die Pizzakartons von Arturo Vega und Bob Gruen designen, es lief den ganzen Tag gute Musik, es sollte ja eine Punkrock-Pizzeria sein. Na ja, da fing das Problem dann auch an, denn meine Geschäftspartner fanden das nicht so gut, und auch nicht die Idee, als Personal vor allem Punkrocker einzustellen, um dem Laden ein entsprechendes Rock’n’Roll-Ambiente zu verpassen, damit er nicht aussieht wie jede andere langweilige Pizzeria in Manhattan auch. Anfangs schien es so, als könne das funktionieren, doch dann schafften wir es nicht, eine Ausschankgenehmigung zu bekommen, und ohne Alkoholverkauf stimmt die Kalkulation einfach nicht, und der Wettbewerb ist hart geworden in New York. Klar kann man sagen, ich hätte mich ja auch etwas verbiegen können, auf den Punkrock-Faktor verzichten, vielleicht wäre dann der Laden erfolgreicher gewesen, aber das konnte ich nicht. Nach zwei Jahren war der Laden dann am Ende, ich bin ausgestiegen, das war echt frustrierend, und zugleich war ich total ausgepowert. Ich war richtig im Arsch, deprimiert, und Drogen nahm ich in der Folge von all dem auch noch, so dass ich es kaum schaffte, morgens aus dem Bett zu kommen.Das klingt nach einer ganz ordentlichen Lebenskrise.Ich brauchte eine ganze Weile, um wieder klarzukommen und die Dinge wieder ans Laufen zu bringen, auch mit der Band. Und diese ganze Erfahrung spiegelt sich natürlich in den Songs von „Kill Everyone“ wider. Immerhin bin ich aus der ganzen Restaurant-Aktion nicht mit immensen Schulden rausgegangen, habe nur meine Investition verloren. Es war eine Erfahrung, die ich nicht missen will, und wir haben in der Nachbarschaft dort auch einen guten Eindruck hinterlassen. Das East Village von New York war mal eine Künstlergegend, jetzt dringen da mehr und mehr große Firmen und Ketten ein, das verändert das ganze Viertel. Es gibt in New York heute kaum noch Läden, die vom Inhaber geführt werden. Und mit der Band ist es ganz ähnlich: Wir wollen unser Ding machen, ohne uns von jemand anderem beeinflussen zu lassen. Ich will nichts machen, woran ich nicht zu 100% glaube – daran hat sich bei mir mit dem Alter nichts geändert. Und ich denke, dass das viele unserer Fans genauso sehen, weshalb wir auch heute noch ein Publikum haben – und das ist schön.Stand die Band in der Zeit, da du anderweitig ausgelastet warst, jemals zur Debatte?Nein, der Gedanke kam mir nie in den Sinn. Es war eher so, dass ich mir sagte „Nächste Woche habe ich sicher Zeit, um mal wieder ins Studio zu gehen“, doch irgendwas kam immer dazwischen – und irgendwann waren zwei Jahre meines Lebens wie im Schnelldurchlauf vergangen. Ich stürzte mich dann zusammen mit meinem Bassisten Tim in die Arbeit am neuen Album, wir schrieben zig Songs, und suchten dann die besten aus. Mit 15 Songs ist es für unsere Verhältnisse auch ein recht langes Album. Das Schöne war, dass wir ohne jeden Druck am Album arbeiten konnten, es gab keinen Termin, zu dem wir das abliefern mussten. Ich muss sagen, ich bin sehr zufrieden damit.Ein fertiges Album – und kein Label? Euer altes deutsches Label Bitzcore existiert nicht mehr – wie seid ihr an Concrete Jungle gekommen, wer macht die Platte in den USA?Wir waren Ende 2010 in Europa auf Tour, ohne Album, ohne Label, ohne Promotion, doch wir zogen das durch, um zu zeigen, dass es uns noch gibt. Matze von Concrete Jungle sah uns in Berlin, wir unterhielten uns, er erzählte, dass er die TURBO A.C.’s seit 1998 auf jeder Tour gesehen hat – und dass er gerne das neue Album rausbringen würde. Ich hörte nur Gutes über sein Label, wir klärten die Details, und alles war klar. In Nordamerika kommt unser Album über Stomp Records aus Montreal, Kanada. Letzteres hat den Vorteil, dass wir jetzt erstmals auch in Kanada wahrgenommen werden, und außerdem hat Stomp einen guten Vertriebsdeal mit Warner, so dass man unsere Platte überall bekommt. Letztlich hat sich also alles zum Guten gewendet.Sprechen wir über das Artwork des Albums: Auf dem Cover sieht man eine Frau mit TURBO A.C.’s-Tattoo am leicht geöffneten Kofferraum eines alten Cadillacs stehen. Sie hat einen blutigen Schraubenschlüssel in der Hand, aus dem Kofferraum ragt eine blutige Hand, das Heck des Autos ist blutverschmiert. Im Booklet dann finden sich Fotos, die jedes Bandmitglied mit reichlich Blut als Mordopfer darstellen. Das alles erinnert mich an die legendären Splatter-Cover der New Yorker Noiserocker UNSANE, und der Name von deren Chris Spencer taucht auch in der Thankslist auf. Doch Überraschung: „Photos by Kevin Cole“ steht im Kleingedruckten.Also die Sache mit Chris Spencer und seinen Einfluss kann ich aufklären: Chris und ich wohnen zusammen, entsprechend habe ich UNSANE-Plattencover- und -Artwork zu Hause immer vor Augen. Die Foto-Sessions an sich sind dann eine ganz andere Geschichte. Ich wollte die ursprünglich nicht selbst machen. Geplant war eine Session mit dem Model, das auch auf dem Cover von „Avenue X“ zu sehen ist – meine Ex-Freundin. Aber dann war es aus zwischen uns, und damit war auch die Coveridee erledigt. Bald darauf spielten wir beim Las Vegas Shakedown-Festival, und dort kam ich mit einem Pin-up-Model namens Lorraine ins Gespräch, die sich als langjähriger TURBO A.C.’s-Fan outete. Sie sagte, sie kenne den perfekten Fotografen für dieses Projekt, Andy Hartmark, einen angesagten Pin-up-Fotografen. Die Idee gefiel mir, auch wenn das stilistisch sicher anders werden würde, als ich mir das eigentlich vorgestellt hatte. Ein alter Freund bei Lucky 13 Clothing versprach mir, ein Auto für die Session zu besorgen – den gleichen Cadillac, der im Film „Meine liebe Rabenmutter“ verwendet wurde. Das klang großartig, ich flog zum Shooting nach Kalifornien, alles lief gut – und dann rückte der Fotograf die Fotos nicht raus, weil das Model sich mehr für mich als für ihn interessiert habe ... Tja, das war’s dann, und ich war total angepisst.Und was hast du dann gemacht?Ich habe ein paar Freunde in New York angerufen, mir einen Cadillac besorgt und wir machten das Fotoshooting direkt bei mir um die Ecke, in Chinatown, mit der Manhattan Bridge im Hintergrund. Und ich fotografierte. Diese schmale Gasse hatte ich von Anfang an beim Coverkonzept im Sinn gehabt. Die Mordszenen im Booklet habe auch ich fotografiert. Ich fragte meine Bandkollegen, wie sie am liebsten umgebracht werden würden, und diese Szene inszenierten wir dann.Und wie entstand das Foto von dir in einer Blutpfütze?Per Selbstauslöser. Ich bin ja kein Profifotograf, aber wenn man eine Vision hat und eine Idee, wenn man weiß, was man will, dann bekommt man das auch umgesetzt. Mit Musik, mit jeder Art von Kunst, ist es doch so, dass perfekte handwerkliche Fähigkeiten gar nichts bringen, wenn man keine Vision von dem hat, was da entstehen soll. Und an Ideen und Visionen mangelt es mir nicht, weshalb ich auch denke, dass es noch ein paar TURBO A.C.’s-Alben geben wird. Und ich bin dankbar, dass wir als Band so viele Unterstützer haben, Leute, die an uns glauben, uns helfen – unsere Fans. KISS hatten die Kiss Army, TURBONEGRO die Turbojugend – und wir haben die TURBO A.C.’s Mafia, hahaha.Der heute von dir kultivierte Look und Style wurde dir aber nicht, nun ja, in die Wiege gelegt, denn in jungen Jahren warst du Skinhead.Ich bin mit 14 von zu Hause abgehauen, lebte als Punkrocker auf der Straße. Das war Mitte der Achtziger, als Punks und Skins noch miteinander klarkamen. Ich interessierte mich dann immer mehr für Oi!-Musik, und mit 15 spielte ich bei den ANTI-HEROES Schlagzeug. Ich rasierte mir den Schädel, lebte den Skinhead-Kult, doch heute sind mir meine Haare auf dem Kopf ganz recht, denn ich habe echt keinen schönen Schädel. Als Teenager war die Skinhead-Szene meine Familie, doch später dann wurde es immer unschöner in der Skinhead-Szene in den USA, der ganze Rassismus-Scheiß kam dazu, es artete immer mehr zu einem Bandenkrieg zwischen Nazi-Skins und antirassistischen Skins aus – da war nichts mehr mit „united“ und Familie. Und so beendete ich diese Phase meines Lebens, wobei ich die Musik von damals immer noch schätze – das alles ist eben Teil meiner Jugend. Mich zog am Skin-Sein an, dass es eine elitäre, exklusive Sache war, dort dazuzugehören. Und die Musik war im Grunde simpler Rock’n’Roll, der auf Chuck Berry zurückgeht.Lars Frederiksen von RANCID hat in jüngerer Vergangenheit mit den OLD FIRM CASUALS Oi! für sich entdeckt – die entgegengesetzte Entwicklung.Lars kenne ich gut, der kam in New York immer zu mir zum Pizza essen, wenn er dort seinen Sohn besuchte. Lustig, dass der jetzt diese Entwicklung durchmacht – ich jedenfalls werde meine Haare behalten.Und was steht für die nächste Zeit an?Mal schauen ... Im Oktober und November kommen wir wieder nach Europa, und irgendwie reizt mich der Gedanke, eine Punkrock-Pizzeria in Hamburg St. Pauli zu eröffnen ...
 

Reviews

TURBO A.C.'S

© Ox Fanzine #50 / Joachim Hiller

Automatic LP/CD

Haben die TURBO AC'S eigentlich schon jemals was falsch gemacht? Nö, eben. Nur war es so, dass ihre letzten beiden Platten so eine ganz kleine Idee hinter dem zurückgeblieben waren, was man von ihnen erwartet hatte, und genau das ist hier nicht der Fall.Produziert von Blag Dahlia von den DWARVES, einem Herren, der nun einfach mal extrem geschmacks- und stilsicher ist, hat das New Yorker Trio mit "Automatic" zwölf furios kickende Punkrock-Nummern aufgenommen, die wie gehabt von den latent surfigen Einflüssen und so einem gewissen Rockabilly-Touch leben."Automatic", der Titelsong, der auch auf der aktuellen Ox-CD zu hören ist, gehört dabei zu den stärksten Songs der Platte, begeistert durch gröligen Chorgesang und hat irgendwie was vom frühen California-Punkrock der ADOLESCENTS ("Amoeba") - und dabei kommen sie doch von der Eastcoast.Mag ja sein, dass die TURBO AC'S heute anders als vor fünf, sechs Jahren nicht mehr ganz allein im Genre des lässig gegelten Punkrocks zugange sind, aber wo sonst ein ständiges Kommen und Gehen herrscht, haben die beiden Kevins und Michael es letztlich geschafft, sich durchzubeißen und mit jeder Platte weiterzukommen."Automatic", so viel ist klar, ist für mich schon jetzt eine der Platten des Jahres. (32:48) (8/10)

 

TURBO A.C.'S

© Ox Fanzine #59 / Joachim Hiller

Avenue X CD

Die drei New Yorker legen nach: Mit "Avenue X" haben sie schon ihr fünftes Album raus, und wo bei anderen Bands spätestens jetzt Materialermüdung auftritt, erfinden sich Kevin, Mike und Kevin mal eben neu.In echt, der neue Longplayer klingt spätestens ab dem dritten Durchlauf so frisch, dass selbst ein alter Fan wie ich noch überrascht ist. 13 Songs in der altbewährten Kombination aus Punk, Rock und Surf werden da rausgehauen, und man fragt sich unweigerlich, warum die Band denn statt einer neuen Scheibe ein Best Of-Album veröffentlicht hat.Hat sie aber nicht, sondern in einem sorgsamen Destillationsprozess ihre besten Songs der letzten Jahre in die Grundbestandteile zerlegt und daraus noch bessere neue gemacht. Ob der hymnische Opener und Titelsong "Avenue X", das schnelle "Knifefight", das klassische "Fistful of glory mit Western-Intro, das simpel-mitreißende und auf der aktuellen Ox-CD zu hörende "1-800" (mit "eat shit" geht's weiter), das surfige "Do you feel lucky?", das mit auf "Halloween" anspielendem Klavierpart beginnende "Magic bullets", das MISFITS-like "Real rain" oder der düster-balladesk(!) beginnende, dann aber brutal losknüppelnde Rausschmeißer "I want more" (im Original von den SUICIDAL TENDENCIES), hier gibt's keinen Album-Einheitsbrei, sondern lauter begeisternde Unikate.Absolut begeisternd auch die extrem crispe, klare und druckvolle Produktion, für die Frontmann und Gitarrist Kevin Cole selbst verantwortlich zeichnet und wo man sich schon fragt (was die Band wohl auch getan hat), wofür man all die Jahre teils namhafte Produzenten bezahlt hat, wenn es denen nicht möglich war, die Band so nah an sich selbst aufzunehmen, wie es hier geschehen ist.Ein rundum meisterhaftes Album: Das Triebwerk der New Yorker hat also genug Leistungsreserven, damit beim Wechsel vom vierten in den fünften Gang nochmal richtig beschleunigt werden kann.Alles weitere im Interview hier im Heft. (35:54) (09/10)

 

TURBO A.C.'S

© Ox Fanzine #26 / Olli Willms

Damnation Overdrive CD

Die TURBO A.C.s aus New York bringen einem straighten mid-tempo Punkrock ohne Schnörkel in die gute Stube. Der zweite Song Be Fast klingt verdammt nach 1969 von den STOOGES, und die scheinen auch sonst einer ihrer Haupteinflüsse zu sein, was ja auch nicht schlechtes verheißt.Das mag jetzt zwar alles ziemlich trocken klingen, dennoch: Damnation Overdrive ist eine durch und durch solide PunkROCKscheibe, die gut in Ohr und Bein geht.

 

TURBO A.C.'S

© Ox Fanzine #39 / Joachim Hiller

Damnation Overdrive

Das „Damnation Overdrive“-Albumn der TURBO AC´S, 1997 auf Blackout erschienen - nur auf CD -, ist seit geraumer Zeit schon nicht mehr zu bekommen, was schade ist, da die TURBO AC´S auch damals schon groassartig waren.Via Into The Vortex Records aus Bremen ist die Scheibe jetzt wieder zu bekommen - nur auf Vinyl, und überhaupt erstmals auf Vinyl, was sowieso das angemessenere Format darstellt bei den New Yorker Punk-Rock´n´Rollern.Demnächst kommt übrigens das neue Album, von dem bereits ein Vorab-Song auf der aktuellen Ox-CD zu hören sein wird.

 

TURBO A.C.'S

© Ox Fanzine #42 / Jörkk Mechenbier

Fuel For Life

Von 14 Titeln kenne ich leider schon 5, dank meiner Affinität zur guten 7". Aber hey! Sind alle neue aufgenommen oder geremixed oder irgendwie sowas mit Musik und Technik. Und: Das sind die verdammten TURBO A.C.'s!!! Der Name ist bei dieser Platte Programm: "Fuel For Life!" Da hätte ich mir auch die "Best of..." gekauft, wenn eine nach der ersten 7" herausgekommen wäre! Die Turbo A.C.'s sind und bleiben für mich die SOCIAL DISTORTION der Compact Disc-Generation.Ich denke, dadurch, dass man Herrn Roger Miret höchst persönlich als Produzenten gewinnen konnte, war es den A.C.'s möglich ihren sowieso schon übelst tretenden "gotta go"-Faktor nochmals zu heben.Nix neues, aber eben aus diesem Grund wurde auch nix falsch gemacht, nur noch mehr Feinschliff ist zu erkennen. Das herrlichste Cover des noch jungen Jahres ziert die Vorderseite des so gerne ins Greaserpunk-Fach gesteckten Werks.Flammen, Titten, dicker Motor... Rockerherz, was wünschst du mehr? Bei JEDER anderen Band wäre ich aus der Hose gesprungen... Noch was: Warum steht ihre verdammte Telefonnummer nicht im Booklet? Dilettanten.Verglichen wird im Bandinfo mit Dick Dale und den MISFITS. Eigentlich sollten ja die Turbos eine gesetzte grösse sein, deren Name gedroppt wird. Aber soviel ist sicher: mit dieser Scheibe im Gepäck, freut man sich ein gutes Stück mehr auf den Sommer im VW-Bus!

 

TURBO A.C.'S

© Ox Fanzine #96 / Joachim Hiller

Kill Everyone

Der zweite Blick nach dem aufs blutige Cover geht ins Booklet: Chris Spencer wird da gegrüßt. Das kann nur der Kerl von UNSANE sein, die immer durch ihre blutrünstigen „Crime Scence“-Cover begeister(t)en.Hat der die Fotos der niedergemetzelten Bandmitglieder inszeniert und geschossen? Nein, hat er nicht, es war Bandboss Kevin Cole selbst, der hier meisterlich fotografierte, aber offensichtlich schwer beeinflusst von Spencers Gore-Artwork.Passend dazu der Titel: „Kill Everyone“. Und dann das: Der New Yorker Vierer präsentiert sich auf seinem siebten Album in 15 Jahren Bandgeschichte und lange fünf Jahre nach dem Vorgänger „Live To Win“ zum einen sehr lebendig, zum anderen melodiöser, weicher als bislang.Man verstehe mich nicht falsch, der Trademark-Sound der New Yorker ist erhalten geblieben und unverkennbar, diese markante Mixtur aus Greaser-Punk einerseits und Surf-Gitarre andererseits, ergänzt um den zynischen und scharfen Blick auf die Welt, wie er wohl typisch ist für die New Yorker allgemein.Sie sind aber auch vielfältiger geworden, 16 Songs finden sich auf „Kill Everyone“, da ist wohl einiges aufgelaufen an Liedmaterial in den letzten Jahren, das jetzt aufgenommen werden wollte, und was soll ich sagen, ich bin einmal mehr sehr angetan.Ich mag die Jungs seit ihrer ersten Platte, seit ihrer ersten Tour, und auf ihre alten Tage laufen sie jetzt nochmal zu Höchstform auf. „Die tomorrow“ ist cool, „Take me home“ ist ein unglaublicher Groover, „Life fast die slow“ fasst alles zusammen, was die Band ausmacht.Danke, Jungs.

 

TURBO A.C.'S

© Ox Fanzine #68 / Joachim Hiller

Live To Win CD

Es schien alles so gut eingerichtet in Turboland: Alle ein, zwei Jahre machen Kevin, Mike und Kevin ein neues Album und kommen zweimal im Jahr nach Europa auf Tour. So lief das seit einer halben Ewigkeit, Band und Fans waren zufrieden - nur Bassist Mike Dolan nicht, und so vollzog der Anfang des Jahres seinen Ausstieg.Doch so sehr sich die TURBO AC'S in den letzten Jahren dem Rock'n'Roll verschrieben, so wenig werden sie an ein Ende der Band gedacht haben. Nicht nur einen neuen Bassisten holten sie sich, sondern auch einen zweiten Gitarristen, und erfanden die Band so mal eben neu.Nicht dass die New Yorker mit ihrem fünften Longplayer "Avenue X" langweilig geworden wären, sich eine Runderneuerung aufgedrängt hätte, aber jetzt, im Angesicht von "Live To Win" (ein grandioser Titel, wie er perfekter nicht passen könnte) muss man schon feststellen, dass der frische Wind, den die beiden neuen (Tim Lozada, Bass; Jer Duckworth, Gitarre) den New Yorker Surfpunk-Rock'n'Rollern gut getan hat.Von der Stimmung her ist alles geblieben wie bisher, dominiert die markante Surfgitarre von Frontmann Kevin Cole nebst dessen rauher Stimme den Sound, doch ist der durch die zweite Gitarre etwas runder und voller geworden.Das sechste Album der TURBO AC'S begeistert so selbst einen alten Fan wie mich noch einmal ganz neu, ist eine Neujustierung, wirkt wie der Kick beim Einsetzen des Turboladers. Eine Band auf der Gewinnerstraße.(36:46) (8) Auf der Ox-CD zu hören.

 

TURBO A.C.'S

© Ox Fanzine #33 / Thomas Hähnel

Winner Take All CD

Hier nun der lange erwartet Nachfolger von "Damnation Overdrive" und das lange Warten hat sich definitiv gelohnt. Schon der Opener "Hit the Road" (auch hier auf der Ox-CD) macht klar, daß die TURBO A.C.´S aus New York bei diesem Album voll auf die Zwölf gehen.Hier stinkt es gewaltig nach Diesel und während die Konkurrenz noch auf das Startsignal wartet, sind die TURBO A.C.´S schon an ihnen vorbeigerattert und hinterlassen bestenfalls noch eine gehörige Staubwolke.Staub aufwirbeln dürfte diese Platte auf jeden Fall, denn selten zuvor konnte man einen derart rockenden, bissigen Punk mit leichten Rockabilly-Einflüssen hören. Dazu noch die Fähigkeit der Band, komprimiert wahre Hits aus allen Rohren zu feuern und auch wenn das Schlagzeug auf Dauer vielleicht etwas monoton klingt, stören braucht man sich daran bei einer Spielzeit von knapp über einer halben Stunde nicht.Ausfälle gibt es bei keinem der dreizehn Songs zu verzeichnen, einige wie z.B. "Mean Mistreater" oder "St. Lewis" kann man aber durchaus besonders hervorheben. Wären SOCIAL DISTORTION noch einmal jung und wild im Herzen, vielleicht würden sie ein Platte aufnehmen, die wie "Winner Take All" klingt.Gut, zur Zeit liegt mir leider nur das Vorab-Tape vor und ich hoffe nicht, daß sich die CD-Version im nachhinein als glattgebügelt entpuppt, denn auf Tape klingt alles ordentlich rauh. Eines steht jedenfalls fest: TURBO A.C.´S gehören in jedes gute Auto.

 

Konzert

Event Foto

HAMMERCULT

23.06.2016Kassel, K-19
Jun.
23
2016