Sewer RatsTourdaten, Infos, Interviews, Reviews

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Genre

Psychobilly/Rockabilly, Punkrock/Hardcore, Rock'n'Roll/Garage

Shows

215 Shows in 111 Städten / 11 Ländern

Zeitraum

22.04.2006 - 26.12.2015

Letzte Show

26.12.2015 - DE-Euskirchen, Altes Casino

Nächste Show

nicht bekannt

Booking

Tourdaten (Archiv)

Archiv
Apr.
22
2006
Samstag
Party / Event - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Mai.
12
2006
Freitag
Party / Event - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
 
Aug.
11
2006
Freitag
Konzert
Tickets Tickets Tickets
 
 
Aug.
25
2006
Freitag
Party / Event - Rock'n'Roll/Garage
Tickets Tickets Tickets
 
 
Aug.
26
2006
Samstag
Party / Event - Rock'n'Roll/Garage
Tickets Tickets Tickets
 
123
...
2627
Sep.
21
2006

Tonträger bei finestvinyl

Cover

SEWER RATS, THE - WILD AT HEART | LP

Zeit haben sie sich mit ihrem zweiten Longplayer gelassen, die Kölner Kanalratten, was bekanntlich oft keine schlechte Idee ist. Und auch ,Wild At Heart" haben die fast zwei Jahre gut getan. Hier kommen zwölf Songs voller Chuzpe und Verve, eine Liebeserklärung an Subkultur und Rebellendasein auch nach der Pubertät. Mal treffen uns die Hymnen rau wie in ,All My Friends", mal beinahe powerpoppig mit ,Caroline". Rockabilly meets Punk bei ,Would It Be Alright" und im Titeltrack selbst zeigen die Sewer Rats ihren Charme im Geschichtenerzählen, rhythmisch und gefühlvoll. Angst vor großen Gefühlen und ausladendem Pathos kennen die drei Kölner, die live auch Stühle zum Tanzen bringen, jedenfalls nicht. Dass sie bei hohem Tempo und inniger Getriebenheit auch die ruhigeren Töne beherrschen, zeigt uns der ,Heartbreaker", der seinem Namen alle Ehre macht. Ein Frauenherz, und noch dazu ein kompetentes, haben The Sewer Rats damit jedenfalls prompt erobert: Sarah Blackwood von den befreundeten Creepshow steuert zu ,Would It Be Alright" und ,Lucky Star" die Backing-Vocals bei. Schon 2009 hatte die Band sich mit Uwe Sabirowsky, dem Produzenten des Kölner Minirock Studios, zusammengetan, um an den ersten Fassungen für ,Wild At Heart" zu arbeiten. Eine gelungene Kooperation, lässt Uwe der Band doch genau das Maß an Dreck und Ungeschliffenheit, das auszubügeln ein Affront an große Vorbilder wäre. Wer Rancid, Social Distortion, The Clash oder Stray Cats mag, wird die Sewer Rats lieben - trotz oder gerade wegen dieser irritierenden und zugleich bestechenden Mischung aus Melancholie, Wut, Stolz und Euphorie.
 

Interviews

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SEWER RATS - 2008 - das Jahr der Ratte

Es gibt viele musikalisch gute Punkbands. Die Ideale aber, die vorher für diese Szene wegweisend waren, treten immer mehr in den Hintergrund. Anders sind da THE SEWER RATS aus Köln, die Band um die Brüder Chris Kickass an Gitarre und Gesang und Puck Trouble am Kontrabass. Beide widmen ihr Leben komplett der Musik, gehen kaum Kompromisse ein und schaffen es, davon zu leben, ohne ihre Ideale zu verraten, weswegen ich interessiert daran war, die beiden im Kölner Sonic Ballroom zu treffen.Die Band existiert seit 2005 in diesem Line-up, vorher hat Chris noch unter dem Namen SUBWAY SEWER RATS mit anderen Musikern gespielt. Das Debüt "Rat Attack", das am 4. April auf Bitzcore erscheint, wird mit dem gleichnamigen Song "Subway sewer rats" eröffnet und dieser stellt sich als sehr charakteristisch heraus für die Texte, die Chris verfasst. Dieser ist sehr persönlich und "handelt von uns und was uns ausmacht. Wir haben keinen Bock auf was anderes als Punk, wir gehen unseren eigenen Weg." Ähnlich wie bei ihren Vorbildern SOCIAL DISTORTION, RANCID und THE CLASH inspirieren zwischenmenschliche Beziehungen die Musik. So finden sich Nummern wie "The end" auf dem Album, der "das Ende einer Beziehung beschreibt. Nomen est omen", erklärt Chris den Inhalt, ohne ins Detail zu gehen. "Reach out" hingegen hat einen weitaus tragischeren Hintergrund: "Es ist die Geschichte eines guten Kumpel, der sich umbringen wollte, und ich wusste nichts davon, so dass ich nicht für ihn da sein konnte", resümiert er die Situation. Doch nicht alle Songs sind bestimmt von negativen Inhalten, so beschreibt "Riding downtown" das "geile Gefühl, mit dem Skateboard durch die Stadt zu fahren, mit nichts anderem in seiner Tasche als seinem Wohnungsschlüssel. Kein Geld, kein Ausweis, einfach nur skaten."Abgesehen von diesem letzten Beispiel klingt es so, als sei die Musik der Band, die sich seit Neuestem Gitarrenunterstützung von ihrem Merch-Verkäufer geholt hat, melancholischer Natur. Dem ist nicht so. Vielmehr machen die zwölf Nummern gute Laune, sind flotter, melodischer Punk, der an die oben genannten Vorbilder erinnert und Akzente setzt durch hart gespielte Kontrabassläufe. Vor allem "You make me sick" geht direkt ins Ohr, weswegen es als Bonustrack auch mit deutschen Lyrics auf dem Album vertreten ist. "Die Anregung, den Song zu übersetzen, kam vom Label. Ich hatte dann richtig Bock, eine deutsche Nummer zu schreiben, denn ich finde auch Bands wie ZSK richtig geil", erläutert Chris dieses untypische Konzept. Zudem werde "die Japan-Ausgabe diese Nummer auf Japanisch enthalten". Puck ergänzt, dass sich ihre erste Splitsingle (mit den PEACOCKS) "am besten in Japan verkauft" habe. "Die haben direkt nach einem Album gefragt, es gibt schon immense Vorbestellungen" für ihre Platte. Warum das so ist? Chris: "Wir sind halt gut." Warum die Japaner so musikbegeistert sind, nicht nur von THE SEWER RATS, sondern generell, kann keiner von den beiden genau begründen. Chris meint: "Keine Ahnung. Die fahren dort aber auf Bands ab, die in Deutschland eher unbekannt sind, wie zum Beispiel die PUNKLES. Dort sind sie richtige Stars." Die eben erwähnte Single erschien auf Pucks eigenem Label Red Five Records, welches sich auf "Punk und Psychobilly konzentriert". Er kümmert sich unter anderem um die BOOZEHOUNDS, DAMAGERS und die PEACOCKS. Nicht ohne Stolz erwähnt er, dass diese erste EP, die PEACOCKS/SEWER RATS-Split-7", "von der es 500 Kopien gab, schon nach einem Monat ausverkauft" war.Nichtsdestotrotz hat man dankend bei Bitzcore unterschrieben. Denn dies war "das Label, zu dem wir unbedingt wollten. Die haben alles, was cool ist: TURBONEGRO, Bela B., BRIEFS und viele andere gute Bands." Man hat den Hamburgern ganz klassisch "ein Demo geschickt und direkt einen Deal bekommen". Chris kann das ganz einfach erklären: "Wir sind halt gut." Durch diesen besseren Vertrieb und die Labelarbeit ist schon eine große Europatournee geplant, die im April beginnt und mindestens bis zum Herbst dauern wird. "Das wird eine komplette Headlinertour, bei der wir durch lokale Bands unterstützt werden", erklärt der Bassist, der seinen Kontrabass im Alter von 13 Jahren in seiner Schule geklaut hat. Er brauchte ihn, um seinen Traum zu erfüllen, "Punkrock mit einem Kontrabass zu spielen". Da fragt man sich allerdings, wie man so ein Monster aus der Aula unauffällig entwenden kann. Das schulische Instrument spielt er heute noch ab und zu - wollen wir einmal hoffen, dass der alte Direktor kein Ox-Leser ist.Man legt außerdem Wert darauf, dass man eine Punk- und keine Rockabilly-Band ist. Die beiden Brüder, die durch ihren Freundeskreis zunächst mit kalifornischen Punkrock in Berührung kamen, wollen "als Punkband angesehen werden", weil hier ihre Wurzeln liegen. An dem Herrn Direktor lag es übrigens nicht, dass Puck mit 15 die Schule verließ. Dies war ein freiwilliger Entschluss, denn auch "ohne einen Abschluss zu haben", hatte er schon damals das "Ziel vor Augen, Musik zu machen". Beide sind sich einig, dass die Musik ihr ganzes Leben bestimmen wird. Auch wenn Chris nebenbei studiert, ist "Musik machen unsere Zukunft". Neben THE SEWER RATS spielt Puck auch bei den KNOCKOUTS aus Schweden. "Wir proben nicht, die haben mir die Alben geschickt und dann sind wir direkt getourt." Wenn das Geld aber mal ganz knapp wird, jobbt er "als Imker bei unserem Onkel".Hier zeigt sich der Idealismus, der sowohl im Alltag aber auch in der Musikbranche alles andere als selbstverständlich ist, auch wenn diese Zukunftsplanung für manche naiv erscheint. Denn auf die Frage, wie man sich das Leben mit vierzig aufwärts vorstellt, antwortet Chris lapidar: "Mit achtzig kacke ich mir in die Windeln, deswegen will ich gar nicht so alt werden und in einem Altersheim versauern. Wir sind komplett von uns überzeugt, ansonsten würden wir das hier nicht machen." Puck relativiert die Aussage und betont, dass die Band sich gesund ernähre, da alle vier ausschließlich vegetarisch essen. Chris weist auch darauf hin, dass man nur spielt, "wenn es vegetarisches Essen gibt". Diese Konsequenz fand er erstmalig im Punk: "Bands wie PROPAGANDHI haben mich beeindruckt." Er projiziert dieses unkonventionelle Weltbild auch auf eine gesellschaftskritische Ebene, die der Band sehr wichtig ist. So "sind wir gegen diese Gleichschaltung. Du bekommst von der Gesellschaft eingeimpft, wie du zu leben hast", was beide auf den Alltagstrott beziehen. Anstelle sich diesem zehrenden Alltagstrott zu unterwerfen, folgt Puck einer einfachen Alternative: "Da stehe ich lieber auf der Bühne und betrinke mich." Na, dann: Stößchen!
 
[[Issue]]

SEWER RATS - Message from the gutter

Aufmerksam geworden bin ich auf die SEWER RATS als Vorband eines sehr miesen KING KURT-Reunion-Konzertes, bei dem sie mir den Abend gerettet haben. Die für mich bis dahin ungewöhnliche Mixtur, als Punkrock-Band mit einem Standbass zu spielen, war nur einer der Punkte, weswegen ich damals sofort ein Interview mit der Band machen wollte (Ox #66). Der andere Grund war, dass mich die ungestüme und vor allem frische Art, mit der sie an dem Abend als junge lokale Band den Laden gerockt haben, die auf sehr angenehme Art an die frühen CLASH erinnert hat – ohne Scham und trotzdem nicht als lächerliche Kopie auftretend. Nunmehr war es wieder an der Zeit, über die letzten Jahre und das neue Album zu sprechen.Chris, aktuell erscheint jetzt euer zweites Album „Wild At Heart“ und außerdem gab es 2010 noch das Minialbum „Drunken Calling“. Als ich euch vor fünf Jahren das erste Mal interviewt habe, befandet ihr euch damals quasi noch in den Kinderschuhen. Auf meine Frage, wohin es mit der Band gehen soll und was ihr für Ansprüche habt, hast du mir geantwortet: „... damit so weit zu kommen wie möglich“. Wo seht ihr euch selbst heute und wie geht der Weg weiter?Chris: Meine Mutter erzählte mir, dass ich wohl als Teenager gesagt haben muss, alles, was ich mit Musik erreichen wolle, sei eine CD bei Saturn stehen zu haben. Meine Ziele haben sich seitdem ziemlich verändert. Ich sehe uns als festen Bestandteil der europäischen Rock’n’Roll-Szene und in Deutschland als eine aufstrebende Band. Wir haben wirklich hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo wir heute stehen. Wenn es nach mir geht, kann der Weg gerne so weitergehen. Also sich eine solide internationale Fanbase aufbauen, gute Shows spielen, gute Platten mit guten Songs rausbringen und viele nette Leute in vielen coolen Städten kennen lernen.Was hat sich für euch als Band mit höherem Bekanntheitsgrad geändert? Stichwort: „Pay-to-play“ – was wohl bei den Unmengen an Konzerten, die ihr bislang gegeben habt, kaum noch der Fall sein dürfte, oder?Chris: Das hat sich zum Glück geändert und es gibt auch in Köln mittlerweile coole neue Läden, wie den Club Äther, wo wir unsere Release-Party machen werden. Es hat sich auf alle Fälle einiges getan. Es ist cool, wenn du irgendwo in einer fremden Stadt in einem Club spielst und die Kids in der ersten Reihe können deine Texte mitsingen. Das ist für mich wirklich etwas ganz Besonderes und ich sage mir dann immer: „Don’t take it for granted!“Puck: Trotzdem gibt es dieses Pay-to-play-Prinzip natürlich immer noch. Das scheint so ein Kölner Ding zu sein. Es gibt Ausnahmen, Club Äther, Sonic Ballroom, aber viele der anderen Clubs verlangen immer noch unrealistisch hohe Summen. 300 Euro an einem Mittwoch und um 23 Uhr muss Schluss sein, damit die noch ihre Indie-Party machen können. Das hatte für uns zur Folge, dass wir selten in Köln gespielt haben, und war für mich einer der Gründe, warum ich nach Berlin gezogen bin, dort gibt es eine lebendige Rock’n’Roll-Szene, was unter anderem mit der Clubpolitik zusammen hängt. Support your local scene, anstatt sie im Keim zu ersticken.Chris: Generell ist live zu spielen wichtiger denn je. Eine Platte rauszubringen ist dabei das Ticket, um wieder auf Tour gehen zu können. Außerdem kann man mit Merch ein paar Euro machen. Generell ist es jedoch sehr schwer, wenn man auf einem professionellen Niveau arbeiten will, von der Band zu leben. Wenn du eine Platte in einem guten Studio mit einem guten Produzenten aufnehmen willst, dann kostet das richtig Asche. Und wenn du den Kids nicht den letzten Ramsch als Merch verkaufen willst, dann haben für dich ordentliche Shirts auch ihren Preis.Puck: Das ist ein fortlaufender Prozess, du produzierst Platten, um Auftritte zu bekommen, von den Gagen zahlst du den Bus oder den Designer fürs nächste T-Shirt. Aber es wird im Laufe der Zeit besser. Zuerst gab es nicht mal genug, um den Sprit und die Busmiete zu zahlen, und wir haben immer auf dem Boden gepennt. Das war aber okay.Auf CD beziehungsweise Platte seid ihr bislang immer als klassisches Trio aufgetreten. Live seid ihr nunmehr zu viert.Chris: Das hat sich immer durch Zufall so ergeben. Vor der „Rat Attack“-CD waren wir zu viert, kurz bevor wir die Platte dann aufgenommen haben, ist unser Rhythmusgitarrist ausgestiegen und wir waren ein Trio. Nach den „Rat Attack“-Aufnahmen haben wir uns für die Release-Tour einen vierten Mann mit ins Boot geholt, der jedoch direkt danach auch wieder ausgestiegen ist. Auf dem Boden zu pennen ist halt nicht jedermanns Ding. Aktuell sind wir wieder zu viert: Puck am Stand-up-Bass, Jetson an den Drums, Schorni, Rhythm Guitar, und ich, Guitar und Vocals. Generell hat ein Trio die Vorteile, dass alles etwas unkomplizierter ist, aber live machen zwei Gitarren eben um einiges mehr Alarm als eine.Euer erstes Album „Rat Attack“ erschien ja noch bei Bitzcore, jetzt seid ihr bei Rookie. Gibt es da nennenswerte Unterschiede? Als Stichworte nenne ich mal Wohlfühlfaktor, die Labelarbeit für die Band ...Chris: Das mit Bitzcore was damals schon cool für uns. Auf einmal waren wir Labelmates von TURBONEGRO, PETER PAN SPEEDROCK oder den TURBO AC’s. Als für uns das zweite Album anstand, lag Bitzcore schon auf Eis, und so haben wir uns nach einem neuen Zuhause umgeschaut. Der von dir angesprochene Wohlfühlfaktor ist bei Rookie wirklich kaum zu toppen. Jürgen ist ein Top-Typ, der ganz genau weiß, was er tut, und der die Szene kennt. Er macht für uns wirklich einen sehr guten Job!Bei „Drunken Calling“, was ja noch nicht so lange her ist, hatte ich das Gefühl, dass dort die Songs etwas stärker von Rockabilly/Country beeinflusst sind als jetzt bei „Wild At Heart“. Hier sehe einen deutlicheren Bezug zu sehr melodischen Punkrock-Sachen und vor allem zu Bands wie SOCIAL DISTORTION.Chris: Ich stimme dir absolut zu. „Drunken Calling“ war fast so etwas wie ein Konzeptalbum. Textlich handelten vier der sechs Stücke vom Trinken beziehungsweise davon, damit aufzuhören. Optisch ist das Cover natürlich eine CLASH-Hommage und das Wortspiel „Drunken Calling“ schlägt die Brücke von der textlichen zur optischen Ebene. Die Mucke war in der Tat sehr von Rockabilly/Country beeinflusst, das war aber kein Zufall. Die Platte sollte vor allem Spaß machen, nicht nur den Leuten, sondern auch uns im Studio. Wir haben das Ding in 24 Stunden eingespielt, was für unsere Verhältnisse wirklich unfassbar wenig Zeit ist. „Wild At Heart“ hingegen hat Monate in Anspruch genommen und der Sound ist in der Tat ein ganz anderer.Bei unserem ersten Interview hatte mir besonders gefallen, als ihr gesagt habt, ihr findet es lächerlich, dass die meisten Bands immer auf ein sehr individuelles Image bedacht sind und so tun, als seien sie unabhängig von Einflüssen. Ihr steht dazu, geht auch recht kompromisslos damit um und genau darin habt ihr einen viel individuelleren Stil als andere. Wie ist denn euer Verhältnis zu euren „Idolen“?Chris: SOCIAL DISTORTION ist eine meiner Lieblingsbands, und dass du sie als Vergleich heranziehst, freut mich natürlich. Ich habe nie einen Hehl aus meinen Idolen und Einflüssen gemacht. Es gibt nichts Schlimmeres, als Bands, die sagen, sie machen etwas komplett Neues, und nachher hörst du es dir an und es ist total gelogen. Ich stehe zu meinen Einflüssen und ich weiß, dass man sie in unseren Songs heraushört. Das ist auch gut so, ich liebe meine Idole! Ohne sie würde ich keine Musik machen. Wenn ich mir alte Fotos von CLASH angucke, kann ich oft kaum fassen, wie viel Style die Jungs damals hatten. Genauso die STRAY CATS in den frühen Achtzigern, die sahen alle cool aus. SOCIAL DISTORTION – schau dir die Fotos auf dem Album „Somewhere Between Heaven And Hell“ an. Die hatten alle Ray Ban Wayfarer auf und trugen weiße T-Shirts. Ich liebe diesen Style optisch wie musikalisch. Ein Mix aus Punkrock und Rockabilly. Ich könnte dir stundenlang erzählen, wie geil ich RANCID oder eben SOCIAL D. finde. Tim Armstrong ist ein unfassbar guter Songwriter und es hat mir echt viel bedeutet, als Mike Ness im Ox erzählt hat, er wäre Vegetarier geworden. Das hat natürlich einige Leute in der Bier-Titten-BBQ-Fraktion angepisst. Das fand ich geil!Puck: Wenn man seine Idole kopiert, geht das schief, aber ich finde es gut, sich von Leuten inspirieren zu lassen und dazu zu stehen. Als Musiker inspirieren mich andere Musiker, nur darf es halt nicht darauf hinauslaufen, dass man wie eine CLASH-Coverband mit eigenen Stücken rüberkommt.Angenehm finde ich auch, dass ihr euch bei euren Coversongs dann aber bei Leuten wie Willie Nelson oder Doc Pomus bedient, die innerhalb der „Punk-Szene“ ja nicht die typischen Vorlagen liefern. Kommt hier eventuell Pucks Background etwas stärker zu tragen?Chris: Du hast Recht, das sind wohl für eine Punkrock-Band recht untypische Cover. Aber gerade das macht für mich ein gutes Cover aus. Den Song „I gotta get drunk“ von Willie Nelson fand ich schon immer geil, sowohl die Musik als auch den Text. Er hat diesen Country-typischen Gegensatz von unbeschwerter fröhlicher Musik und textlicher Tragik, wobei Letztere hier durchaus mit einem Augenzwinkern erleichtert wird. „Magic moment“ habe ich zum ersten Mal nicht in der Original-Fifties-Schnulzenversion gehört, sondern in der Version von Lou Reed, auf dem Soundtrack von „Lost Highway“. Die Szene, in der er vorkommt, ist meine Lieblingsszene und Definition von Liebe auf den ersten Blick.Chris, du pendelst wohl auch zwischen Köln und Berlin hin und her, bezeichnest das Wild at Heart in Berlin als ein zweites Zuhause. Somit darf man den aktuellen Albumtitel wohl auch als Hommage verstehen?Chris: Das Wild at Heart in Berlin ist wirklich meine zweites Zuhause, weil ich direkt dahinter ein Zimmer bewohne! Der Titel für das Album entstand auf Tour, und es gibt außerdem noch den David-Lynch-Film, unzählige coole Songs und eben den Laden, der so heißt und von uns immer liebevoll „das Zentrum des Rock’n’Roll“ genannt wird. Aber vor allen Dingen fanden wir, dass die Bedeutung des Titels perfekt zu den Songs und Lyrics vom Album passt. „Wild At Heart“, das klingt nach Rock’n’Roll und coolen „juvenile delinquents“ mit Springmessern und Lederjacken.
 

Reviews

SEWER RATS

© Ox Fanzine #94 / Arndt Aldenhoven

Drunken Calling

Das 2008 erschienene Debüt „Rat Attack“ läuft immer noch in hoher Rotation in meinem CD-Player, es ist mir regelrecht ans Herz gewachsen, wie man so pathetisch sagt. Nun haben die Brüder Chris Gin und Puck Trouble zusammen mit Drummer Jetlag Jetson ein Minialbum veröffentlicht, bei dem nicht nur das Cover, auf dem Puck seinen Kontrabass zerdeppert, eine Reminiszenz an das THE CLASH-Album „London Calling“ ist.Auch der Titel bezieht sich auf dieses Meisterwerk – obgleich man sich musikalisch nicht mehr ganz so stark an der Band orientiert. Vielmehr ist auf „Drunken Calling“ der Psychobilly/Rockabilly-Faktor in den Fokus gerückt.Und das verwundert, da die Kölner SEWER RATS eigentlich Wert darauf gelegt haben, nicht als Rockabilly- sondern als Punkband wahrgenommen zu werden. Der Schritt in diese Richtung überrascht anfangs, da man vom RANCID/CLASH-artigen Sound des Debüts abweicht.Doch die drei neuen Eigenkompositionen und zwei Coverversionen im SEWER RATS-Style (Willie Nelsons „I gotta get drunk“ und „This magic moment“ von BEN E. KING AND THE DRIFTERS) sind trotzdem hochmelodische Punkrock-Kracher geworden, die nicht nur Kenner des Debüts gutheißen werden.Warum aber fast alle Songs von Alkoholmissbrauch handeln, verstehe ich wiederum nicht. Vielleicht wegen des neuen Labels Mad Drunken Monkey? Aber für alle, die auch rosa Elefanten sehen, gibt es dieses Minialbum auch als pinkes Vinyl.

 

SEWER RATS

© Ox Fanzine #77 / Arndt Aldenhoven

Rat Attack

Im chinesischen Kalender ist 2008 das Jahr der Ratte, informiert mich der Beipackzettel zum THE SEWER RATS-Debüt "Rat Attack". Dieses Jahr wird also definitiv ein wichtiges für die vier Kölner, die das Album noch als Trio aufnahmen. Warum wird dieses Jahr wichtig? Nicht nur, weil man eine große Europatour angehen wird, sondern vor allem, weil die Platte, die auf dem Hamburger Label Bitzcore erscheint, wegweisend ist für den Punkrock in Deutschland. Denn die 13 Songs - ergänzt durch eine deutschsprachige Version von "You make me sick" als Bonustrack - können es spielerisch mit den Vorbildern RANCID oder THE CLASH aufnehmen und erinnern mich vor allem an die "Let's Go"-Zeit der erstgenannten Band: melodischer Uptempo-Punkrock mit starken Hooklines und Singalongs und einem dezenten Rockabilly-Einfluss. Dieser wird vor allem durch Pucks Kontrabassstil erzeugt, der die Musik charakterisiert, auch wenn die Band Wert darauf legt, nicht in die Rockabilly-Schublade gesteckt zu werden (siehe hierzu das Interview in dieser Ausgabe). Vor allem die Nummern "The end" und "Johnny" gefallen auf Anhieb. Auch wenn ich nicht an Astronomie glaube, kann man sich hier mit ruhigen Gewissen von den Chinesen beeinflussen lassen. (8)

 

SEWER RATS

© Ox Fanzine #96 / Arndt Aldenhoven

Rat Attack

Gute zweieinhalb Jahre ist „Rat Attack“, das Debütalbum der Kölner SEWER RATS, nun alt und auf dem in derselben Stadt heimischen Label Rookie wird es nun neu aufgelegt. Das soll den Anhängern die Wartezeit auf das neue Werk verkürzen.Die Neuauflage im Digipak hat neben neuem Label und neuem Artwork (das nun nicht mehr aktuelle Bandfoto mit Ex-Drummer Voodoo Pete wurde gegen ein Bandlogo ausgetauscht) auch zwei Bonustracks zu bieten, die noch von alten, vergriffenen Releases der Band genommen wurden.Allerdings wirken die Songs eher wie eine Beilage und können nicht das klangliche und kompositorische Niveau der zwölf Albumtracks halten – genausowenig wie das Intro (für meinen Geschmack zu viele „fucking fucks“, die die Band nicht nötig hat) und die eingedeutschte „You make me sick“-Version (wobei ich mich hier immer noch frage, was der Sinn ist, die Strophen ins Deutsche zu übersetzen, die „Hookline“ aber auf Englisch beizubehalten).Nichtsdestotrotz bleibe ich bei meiner Meinung und wiederhole mich nur zu gerne: „Rat Attack“ ist und bleibt „wegweisend für den Punkrock in Deutschland“ und hat immer noch schöne, flotte Billy-Punk-Ohrwürmer, die Lust auf mehr machen.

 

SEWER RATS

© Ox Fanzine #98 / Claus Wittwer

Wild At Heart

Lange haben sie sich mit ihrem neuen Longplayer Zeit gelassen. Bereits im Sommer 2009 haben die Aufnahmen begonnen, aber was lange währt, wird bekanntlich oftmals gut, in diesem Falle sogar sehr gut. Wer die SEWER RATS schon gehört hat, der weiß, dass die Band aus Köln die wohl gelungenste Mischung aus 77er Punkrock, Rock’n’Roll und Rockabilly bietet, die es derzeit in diesem Bereich gibt.Fairerweise muss man eventuell dabei erwähnen, dass es den Bereich, den die Band abdeckt, eigentlich so fast überhaupt nicht gibt. Punkrock mit Standbass zu spielen, ist, warum auch immer, eher eine Seltenheit.Die Band bedient also mit ihrem zweiten Longplayer, wie schon zuvor, die Schnittstelle zwischen Punk und Psychobilly, stellt dabei aber manch gestandene Band der jeweiligen Genres mühelos in den Schatten.Soll ich Vergleiche bemühen? Unnötig. „Wild At Heart“ steht für sich, ist noch ausgereifter als „Rat Attack“ von 2008 und hat die Gitarre tiefer hängen als ihr letztes Mini-Album „Drunken Calling“.Das Ding rockt und verführt dazu, aufzuspringen und sich die Seele aus dem Leib zu tanzen.