Mardi Gras.bbTourdaten, Infos, Interviews, Reviews

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Genre

Indie/Alternative, Jazz, Rock'n'Roll/Garage

Shows

221 Shows in 96 Städten / 8 Ländern

Zeitraum

30.09.2004 - 16.12.2015

Letzte Show

16.12.2015 - DE-Wiesbaden, Schlachthof

Nächste Show

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Booking

Tourdaten (Archiv)

Archiv
123
...
2728
Okt.
23
2004

Tonträger bei finestvinyl

Cover

MARDI GRAS.BB - VON HUMBOLDT PICNIC | LP

 

Interviews

[[Issue]]

MARDI GRAS.BB - Mit Blech und Bums für besseren Geschmack

Hadron. Drehkörper, unruhiges Kind. So klein und doch teilbar. Zehn hoch minus dreizehn Zentimeter. Zuletzt die Eitelkeit des Sichtbaren begründet die Suche nach Essenz im Unsichtbaren. Was Form ist, will geformt sein! Quarks und Quanten, Keppler und Bohr – rätselhaft ist der Nukleus, Rätsel bleibt das Wollen! Und was, wenn das ungesehene Land des Allvaters, tiefblau, die forschwütige Netzhaut am Okular da einst erröten ließe? Was, wenn endlich sichtbar gemachtes Flirren schwanenweißer Nukleonen, filigraner, propellergetriebener Drehkörper, Maschinen einer anderen Ordnung, sphärisch und wandelbar, vergnügt ergeben in antiparallelem Spin, die gleiche ephemere Anmut besäße, wie das tolle Umeinander der Planeten und Systeme, tobte wie der Paarungstanz liebestoller Pfauenaugen über Latifundien von Blütenhonig oder das Nebenher der Vehikel dem Strome nach? Was, wenn das Ur selbst Konzept, systematisch schon und doch sterblich ist – Ektoplasma des gelebten Augenblicks?! Wo würden wir dann suchen?Hadron. So heißt außerdem das neue Album der Mannheimer Brass-Band MARDI GRAS.BB. Ihr inzwischen achtes Werk in neun Jahren. Und Album für Album nahmen sie den Hörer immer wieder aufs Neue mit auf die Reise durch ihre Welt zwischen den Sümpfen von New Orleans und den Kohlegruben des Saarlands, zwischen Jazz und Blues, Soul und Funk, Rock und Gospel. Immer wieder auf der Suche und sich stets neu erfindend. Umtriebig sind die Herren nicht nur im Studio, sondern auch auf den Bühnen Europas. Zahlreiche Tourneen liegen hinter ihnen, hoffentlich noch viele vor ihnen. Das Herzstück der Band sind Sänger und Gitarrist Doc Wenz sowie Bassist und Susaphonist Uli Krug, die Gründer, Lenker und Denker von MARDI GRAS.BB. Anlässlich ihres Konzertes im Hamburger Bunker-Club Übel & Gefährlich trafen wir uns mit den beiden zum Interview.Wie entstand die Idee zu MARDI GRAS.BB? Woher die Vorliebe für den Marching-Sound aus New Orleans? Das fällt einem Mannheimer ja nicht in den Schoß.Uli Krug: Ich bin ein alter Hase, der noch die ganze wilde Studentenzeit mitgemacht hat. Daher muss Musik für mich immer was Rebellisches haben. Bevor ich mit MARDI GRAS.BB angefangen hatte, war mir das ein wenig verloren gegangen. Als wir dann anfingen, konnte ich so der Musik wieder über den Weg der Straße eine Wichtigkeit geben. Und dann habe ich den Doc kennen gelernt, der sich sehr gut mit diesem Genre auskannte, mit Louisiana und den Südstaaten, und damit auch die Ideen, die mich beschäftigten, verstand. Die dritte Komponente war dann der Gordon von unserer Plattenfirma Hazelwood Vinyl Plastics als Produzent, der auch jemand ist, der mit seinem philosophischen Ansatz sehr ähnlich tickt. Bei Hazelwood geht es im Großen und Ganzen um Vernetzung im Underground, also um eine Gegenkultur, die Rock’n’Roll in einer rebellischen Art und Weise praktiziert. Da haben wir dann eben auch einiges von abbekommen. Alleine, was die Netzwerke innerhalb des Hauses Hazelwood mit all den anderen Bands angeht. So kommt es dann zu einem europäischen Austausch und man bekommt plötzlich mit, dass es neben uns auch noch Keimzellen in Nürnberg, Österreich, England, Dänemark und Frankreich gibt. Ich finde das ganz toll, dass sich die Idee des Labels so weit entwickelt hat. Das führt so weit, dass gerade jüngere Musiker, die da mal bei uns mitmachen, das Ganze wie eine Schulzeit oder eine Lehre betrachten. Und so ist es auch unser Anspruch, sie in irgendeiner Form auszubilden und sie mit einem gewissen Verständnis von Gegenkultur vertraut zu machen.In der Band gibt es ja innerhalb der Besetzung, mit Ausnahme von euch beiden, eine hohe Fluktuation. Wie funktioniert das?Uli Krug: Wir haben so etwas wie eine Ersatzbank, so dass eigentlich jede Position, mit Ausnahme von mir, dem Doc, unserem Schlagzeuger und dem DJ, doppelt besetzt ist. Dennoch gibt es auch hier einen festen Zusammenhalt und Austausch. Wenn das Boot dann auf Fahrt geht, wird die Besetzung ganz genau ausgearbeitet. Dazu gehört natürlich ein hoher Grad an Disziplin.Doc Wenz: Disziplin ist eigentlich die Voraussetzung für das Gelingen. Daran ist es auch schon lange nicht mehr gescheitert. Es dürfte auch jedem klar sein, der bei MARDI GRAS.BB mitspielt, dass derjenige sich einer gewissen Arbeitsroutine unterzuordnen hat. Am Anfang, in unserer wild bewegten Phase, gab es da mal zwei, drei Kollegen, bei denen es zu Missverständnissen in diesem Bereich kam, die dann allerdings auch schnell merkten, dass wir nicht ganz der richtige Hafen für sie waren. Im Allgemeinen ist das aber allen klar. Eine Band in der Größenordnung von MARDI GRAS.BB mit unserer hohen Livepräsenz und dem internationalen Ansatz, den wir haben, funktioniert nur, wenn man gewisse infrastrukturelle Spielregeln einhält.Du sprichst die Internationalität der Band an. Wie wichtig ist dieser Punkt bei MARDI GRAS.BB?Doc Wenz: Das wechselt immer ein bisschen, weil man leider sagen muss, dass die Situation für Bands im benachbarten Ausland zum Teil – man mag es kaum glauben – noch desolater ist als bei uns in Deutschland, was den gesamten Zustand des Musikbusiness angeht. Wir sind aber sehr stolz darauf, nicht zuletzt aus historischen Gründen, als deutsche Band in Frankreich bald größer zu sein als in Deutschland. Vielleicht nicht unbedingt, was Plattenverkäufe und die Häufigkeit von Konzerten angeht, aber unser Bekanntheitsgrad ist dort sicher zwei- bis dreimal so hoch. Das macht gerade uns beiden sehr viel Spaß und wir sehen darin letztendlich auch die Belohnung dafür, dass wir englisch singen, was im eigenen Land sicher ein Standortnachteil ist. Aber so werden wir nun als internationaler Act akzeptiert, der überall spielen kann. In Frankreich sagte mal jemand zu uns: „In Deutschland mögt ihr respektiert werden, die Franzosen aber lieben euch.“ Das hört man natürlich gerne.Stand es denn mal zur Debatte, deutsche Texte zu schreiben?Doc Wenz: Ehrlich gesagt, bis vor kurzem nie. Nun kommen aber schon mal die Gedanken. Nach sechzehn Jahren sich stets neu erfinden, wäre das natürlich einer der radikalsten Schritte, plötzlich die Sprache zu wechseln. Ich selber habe da noch keine endgültige Entscheidung getroffen, will es nicht ganz ausschließen, finde es aber extrem schwierig. Es gibt kaum Gruppen, die das in ihrer Geschichte vollzogen haben und denen das dann auch gut zu Gesicht stand. Außer ELEMENT OF CRIME fällt mir da kaum eine ein. Ganz zu Beginn meiner musikalischen Sozialisierungsphase habe ich, in meinen damaligen ersten drei Punkbands, noch deutsch geschrien. Da hatte es auch besser gepasst. Heute, wo ich eher singe als schreie, mache ich das doch lieber auf Englisch. Je leichter die Parolen sind, desto einfacher ist es, das auf Deutsch zu bringen. Solange es keine Ebenen der Brechung gibt, wie bei „verdammtes Nazischwein“, funktioniert das gut. Schwierig wird es dann, wenn man etwas intellektueller oder gar literarisch wird. Dann hast du das Problem, dass es ganz leicht zu intellektuell-schwurbelig wird. Und damit entfernst du dich dann sowohl vom Pop als auch vom Rock. Vielleicht war das der Hauptgrund für mich, keine deutschen Texte zu schreiben. Auch wenn das jetzt vielleicht ein wenig bildungsbürgermäßig rüberkommt, sage ich mal, ein deutscher Text ist erst dann gut, wenn man über ihn in der dreizehnten Klasse Deutsch-Leistungskurs eine Abiturklausur schreiben kann.Kommen wir von den Texten zur Musik: Wie funktioniert das Songwriting in einer so großen Band? Schreibt da ein einzelner den kompletten Song oder wird da gemeinsam dran herumgebastelt?Doc Wenz: Ich schreibe und arrangiere die Songs im Alleingang. Wir haben es nie probiert, wie es wäre, sich zum „Jammen“ zu treffen, um dann zu schauen, was dabei rauskommt. Bei uns gab es aber auch von Anfang an ganz andere Strukturen. Reverend Krug hatte mir direkt den Auftrag erteilt, bei dem Musikalisch-Konzeptionellen federführend zu sein, also was Kompositionen und Arrangements angeht. Davon haben wir uns bis heute nicht entfernt. Schließlich ist das unsere Arbeitsgrundlage. Ich wusste, dass ich das kann, und ich wusste, dass ich das will, also haben wir das so gemacht. Und ich muss sagen, es hat sich bislang als gutes Konzept erwiesen.Im Zusammenhang mit MARDI GRAS.BB taucht in eurer Biografie immer mal wieder der Name der Krautrockband GURU GURU auf. Da hast du mitgespielt, Uli, oder?Uli Krug: Das gehört eigentlich nicht wirklich in ein MARDI GRAS.BB-Interview. Für mich persönlich war das damals aber sehr wichtig. Aufgrund meines hohen Alters bin ich in einer Zeit der späten Studentenbewegung sozialisiert worden, wie ich zu anfangs schon sagte. Damals habe ich in Heidelberg studiert und da noch die ganzen AStA-Geschichten und Straßenschlachten mitbekommen. Dadurch bekam ich sicher ein ganz anderes Verhältnis zur Musik, wie es heute bei jungen Menschen so wahrscheinlich gar nicht mehr vorstellbar ist. Daher war das für mich eine sehr wichtige Zeit, wenn auch immer taktisch geprägt. GURU GURU war sehr weit von dem weg, was mich eigentlich musikalisch interessiert hat. Ich fand GURU GURU in ihrer Anfangsbesetzung immer am besten. Mir ging es aber eher darum, mal auf Tour gehen und Zeit mit Freunden verbringen zu können.Und du, Doc Wenz, hast, wie du eben sagtest, in Punkbands angefangen, Musik zu machen?Doc Wenz: Ja, richtig. Ich komme ursprünglich aus Kaiserslautern, was ja in der zweiten Welle der Punk-Bewegung musikalisch sogar mal eine recht große Rolle spielte. Das war eine sehr lebendige Szene damals zwischen 1980 und 1986, aus der dann Bands hervorkamen wie die WALTER ELF oder die SPERMBIRDS. Aus diesem Sud komme ich auch. Meine allererste Band hatte ich damals mit Beppo Götte, der später in beiden oben genannten Bands aktiv war. Der hatte damals schon Trompete gespielt, da waren also bereits Bläser mit dabei. Schon nach einem halben Jahr verfügten wir über einen dreiköpfigen Bläsersatz, daraus entstand dann die Band ACOPATZ. Da haben wir sogar noch an einem der letzten Abende im Ratinger Hof in Düsseldorf gespielt. Später lief das dann alles etwas auseinander, bis die Band SOUL BASAR entstand. Da war ich fünf Jahre lang dabei, bis es kurz darauf mit MARDI GRAS.BB losging.
 

Reviews

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #56 / Thomas Kerpen

29 Moonglow CD

Die skurrile Bigband aus Mannheim um den ex-GURU GURU-Mann Uli Krug mit ihrem hitzigen Bläser-lastigen Südstaaten-Sound hat erneut zugeschlagen. "29 Moonglow" klingt, als wenn man sich nach einigen Kurzurlauben endlich fest in New Orleans niedergelassen hätte, und dort auch gerne für Beerdigungen gebucht wird, oder was es da sonst so zu feiern gibt. Nach dem fiebrig zuckenden Tanzmarathon des Vorgängers "Heat" aus dem letzten Jahr hat man sich hier eines eher traditionellen New Orleans-Sounds angenommen, der nicht weniger rhythmisch und groovend ist, aber nach den Ausflügen in Pop-Gefilde wieder mehr mit dem Debüt "Alligatorsoup" zu tun hat. Wo bei "Heat" die pure Energie des Ganzen überzeugte, steht hier vor allem entspannte Authentizität im Mittelpunkt, und für eine deutsche Band dürfte es wohl kaum möglich sein, sich Schwarzer Musik noch weiter anzunähern, sie noch mehr in sich aufzusaugen. Der Tanzflur bleibt zwar auch diesmal nicht leer, aber auf "29 Moonglow" gibt es mehr Momente zum Durchatmen und Innehalten. Schon eine Klasse für sich, diese überhaupt nicht teutonische Blasmusik aus Mannheim ... (08/10)

 

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #35 / Joachim Hiller

Alligatorsoup CD

Huh, was'n das? Voodoo-Teufel umkreisen mich, die schwüle Hitze des Deltas macht mich völlig weich in der Rübe, der Whiskey knallt heftigst rein, und irgendwo im Hintegrund wummert eine Band, kommt immer näher, sieht aus, als habe sie eben noch auf einer Beerdigung eines angesehenen Mitglieds der Black Community gespielt. Scheisse, ich sehe alles doppelt, und diese Fliegen... Schnitt. Frankfurt am Main, kalte Stadt in der Mitte Europas, es stinkt nach Geld und Pisse - und da sollen MARDI GRAS.BB herkommen? Und Deutsche, ja Weisse sollen das auch noch sein? Was geht ab? "Alligatorsoup" sind unglaublich, eine zwölf Mann stark antretende Truppe von Musikern, die Blues, Swing, Soul zu einem unglaublich fett groovenden Etwas zusammengrührt haben, das es an Durchschlagskraft locker mit einem doppelten Cocktail zur Mittagszeit auf nüchternen Magen aufnehmen kann. Vergesst den ganzen Hype um Swing hier und Swing da, MARDI GRAS.BB sind "da shit", mit allein acht Bläsern, zwei Drummern (der eine spielt nur 'ne grosse Trommel, die einen unglaublichen Wumms abgibt, Hölle!) und Percussiongeklimper dazu, sowie 'nem Sänger, der auf den Namen Reverend Krug hört und 'ne Stimme hat, als sei er bei 1,60 Höhe auch locker so breit und zudem negroider Abstammung. Gross, ganz gross!

 

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #105 / Anke Kalau

Crime Story Tapes

Eine Dreiviertelstunde mit Geschichten über Mord, Totschlag und andere Missetaten. Da ist die Dreigroschenoper nix dagegen. Wer Vierziger-Jahre-Schunddetektivfilme wie die Philip-Marlowe-Serie mag (oder doch eher „Dead Men Don’t Wear Plaid“?), wird an „Crime Story Tapes“ seine wahre Freude haben.Big-Band-fest sollte der Hörer außerdem auch sein, mit Bariton-Saxophon unterlegter Swing und Blues, das sollte schon gefallen. Natürlich wird das Ganze hier und da gespickt mit Warner Bros.-Trailer- und Filmausschnitten, das gehört zur Geschichte.Für die Guten gilt: Haare zurückgelen, Kippe locker im Mundwinkel hängen lassen, Platz auf dem Ohrensessel nehmen, einen Whiskey in der rechten Hand halten und anhören. Für die Schlechten gilt: Haare zurückgelen, Zigarre zwischen die Zähne klemmen, Platz auf dem Ohrensessel nehmen, den Bourbon in der linken Hand halten und anhören.Schwarz und Weiß muss schon sein. Oder wie schon Steve Martin zu sagen pflegte: „Let’s go out dancing! You put on your black dress, and I’ll go shave my tongue.“ Eine sehr unterhaltsame Platte für den Augenblick.„Made it, Ma! Top of the world!“

 

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #52 / Thomas Kerpen

Heat CD

Das vierte Album einer teutonischen Groove-Gemeinschaft um den Ex-GURU GURU Uli Krug, was aber weniger etwas mit Krautrock zu tun, als einem starken Interesse an modernen Rhythmen. Klingt im ersten Moment etwas unangenehm trendy, so als ob MARDI GRAS.BB auch bei irgendwelchem hippen Club-Volk gute Karten hätten. Nein, sie werden ganz bestimmt bei irgendwelchem hippen Club-Volk gute Karten haben, denn eigentlich macht die Platte jeden DJ für gut 40 Minuten komplett arbeitslos. Die Platte mit der eingebauten Party-Garantie. MARDI GRAS.BB sind dabei aber nicht so ein unterkühlt, synthetisches Ding aus dem Computer, sondern eine richtige Band, die basierend auf Funk, Sound und Easy-Listening ihr eigenes Groove-Süppchen kocht. Ihre Verarbeitung von Tanzmusik geht immer noch durch den Magen, und auch wer normalerweise "funky shit" dieser Art hasst, müsste diesem brodelnden, bunten Cocktail durchaus etwas abgewinnen können. (8/10)

 

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #62 / Abel Gebhardt

Introducing The Mighty Three CD

So leicht geht das. Ratzfatz hat man mal eben ein Orchester zum Trio zusammengestutzt. Da wo sonst bei MARDI GRAS.BB eine Horde Blechblasinstrumentalisten am Werke sind, ist nun nur noch Luft. Auf dem neuen Album der Mannheimer Brass-Kapelle hat Doc Wenz, exzentrischer Kopf des Ensembles, lediglich Bassmann und Schlagwerker zu Seite stehen. Natürlich wirkt sich diese Reduktion nicht nur auf das Klangbild, sondern auch auf die Songs aus. Da, wo man sich sonst des New Orleans-Jazz-Sounds der frühen Tage bedient, sind auf "Introducing The Mighty Three" Delta-Blues und Rock'n'Roll eingeflossen. Und das ganze funktioniert ausgezeichnet. Die kaputte, knarzige Stimme von Doc Wenz ist nach wie vor unverkennbar, auch zu den neuen musikalischen Wegen von MARDI GRAS.BB. Weit weg ist man von den Glanzzeiten eines Tom Waits auf diesem Album nun nicht mehr. Hört euch mal "Liza Marie" und "Berlin girl" an, dann werdet ihr die Parallelen umgehend erkennen. Ob, und wenn ja, wann Doc Wenz sich wieder seine Bläser zurück in die Garage holt, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf jeden Fall reiht sich "Introducing The Mighty Three" trotz der neuen Instrumentierung hervorragend ins bisherige Schaffenswerk von MARDI GRAS.BB ein. Denn vor Überraschungen war man von Beginn an bei der Band nie gefeit. Und so geht es hoffentlich auch weiter. Mal schauen, was nach dem Blues kommt. Der Streifzug durch die Musikhistorie ist für Doc Wenz und seine Mannen hiermit sicher noch nicht beendet. (40:23) (8)

 

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #80 / Thomas Kerpen

My Private Hadron

Die Legende besagt, dass Uli Krug, von 1985 bis '87 Bassist der Krautrock-Band GURU GURU, Mitte der 90er Jahre New Orleans besucht hatte und mit der Idee zurückkehrte, eine eigene Gruppe ganz im Stile der dortigen Mardi-Gras-Bands zu gründen, und dieses Vorhaben mit seinem Freund Doktor Jochen Wenz, einem Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, schließlich in die Tat umsetzte.1999 nahm das elfköpfige Orchester unter dem Namen MARDI GRAS.BB (was für "Mardi Gras Brass Band" steht) ihr erstes Album "Alligatorsoup" auf, und just erschien mit "My Private Hadron" das neueste, mittlerweile achte Werk der Mannheimer mit der schönsten Begräbnismusik dieses Planeten.Und das ist bei mir mittlerweile vergleichbar mit dem Besuch eines guten alten Bekannten, andere Klamotten hat er an, die Frisur hat sich verändert, aber sonst ist alles beim Alten geblieben.Sprich, es gibt wieder jede Menge elegante Bläserarrangements aus der Feder von Doc Wenz, dessen Englisch zwar immer noch diese typisch teutonische Schräglage hat, ansonsten empfehlen sich MARDI GRAS.BB erneut als wahre Sound-Kosmopoliten, die sich auf jeder Platte ein bisschen neu erfinden, wie etwa 2005 auf "Introducing The Mighty Three", wo man die Bläser ja komplett wegließ.Man hat zwar diesmal das Gefühl, als ob "My Private Hadron" sperriger als sonst wäre, die Songs entfalten ihre Wirkung nicht ganz so schnell, hinzu kommt ein unterschwelliges lateinamerikanisches Feeling, aber spätestens, wenn sich hier druckvoll das Gebläse zuschaltet, erliegt man erneut dem Charme dieser für deutsche Verhältnisse wirklich einzigartigen Band.Ein Sache muss der Doc mir aber noch mal näher erklären, und zwar was "Mein privates Hadron" genau bedeuten soll, denn da hilft auch ein Blick ins Physikbuch nur begrenzt weiter ... (9) (Diese Band war auf der Ox-CD #80 zu hören)

 

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #40 / Joachim Hiller

Supersmell CD

Und ich dachte, das wäre ´ne Single... Aber warum auch nicht, die CD steckt ja in einem Singlecover! Nun, Missverständnis geklärt, gewundert, was wohl die Damen und Herren Regaleinräumer bei WOM und Saturn mit sowas machen, und CD in den Player. Und yes, solche Tiefbässe gibt´s sonst nur bei D&W an der A40, wo nicht nur die Autos, sondern auch die Intelligenz tiefergelegt ist. Und von wegen Tiefbass aus der Retorte, der hier ist echt: "grosse Pauke" heisst das Teil, das da so unglaublich wummst. Dazu dann ein ganzes Sammelsurium von weiteren (Blas-)Instrumenten, damit man weiss, dass der Namenszusatz BB für "Blues Band" wie auch "Big Band" stehen kann. Mardi Gras wiederum klingt nach New Orleans, und das tut auch die Band, wobei ich selbst noch nicht dort war und deshalb nur das entsprechende Klischee von verrückten Strassenumzügen mit seltsamer Musik im Kopf habe. Funky, groovy, irgendwie Seventies, aber auch mit hiphoppigen Elementen und dann wieder Tom Waits - ein äusserst gelungener Streifzug durch diverse Stile, ohne dabei auch nur annhähernd nach Stadtfestkapelle zu klingen. Und ja verdammt, das gefällt mir viel besser als der hochgelobte Brian Setzer mit seiner Swing-Combo.

 

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #70 / Abel Gebhardt

The Exile Itch CD+DVD

Ein Glück, die Bläser sind zurück. Hatte MARDI GRAS.BB-Mastermind Doktor Wenz für das letzte Album "Introducing The Mighty Three" noch die komplette Bläserfraktion verbannt und aus der Brass-Kapelle MARDI GRAS.BB kurzerhand ein Garage-Trio geformt, so ist nun wieder die komplette Instrumentierung mit von der Partie. Gemeinsam wurde mit "The Exile Itch" das siebte Album der Band aufgenommen, was zwar an die Tradition früherer Werke der Band anschließt, aber dennoch stets unberechenbar bleibt. Sicherlich orientiert man sich immer noch genauso am knarzigen Blues eines Tom Waits wie am stampfenden Marching-Sound der Brass-Kapellen aus New Orleans, doch bestechen MARDI GRAS.BB wie eh und je durch ihren Stilmix, der das Aufgreifen zahlreicher Musikstile beinhaltet - weit weg vom sturen Jazz-Purismus. "The Exile Itch" kommt nicht als einfaches Album auf den Markt, sondern erscheint als Doppel-CD beziehungsweise DVD, das heißt, dass es neben dem eigentlichen Album noch eine komplette DVD mit dem zweistündigen Konzertfilm "The Unveiling Of The Exile Itch" im Paket zu finden gibt. Naja, und wer sich bislang schon mal mit der Band beschäftig hat, weiß sowieso, dass diese gerade auf der Bühne unschlagbar ist. Das wird hier eindrucksvoll dokumentiert. Wie bei eigentlich allen vorherigen Veröffentlichungen von MARDI GRAS.BB befällt mich auch bei "The Exile Itch" wieder die Freude, dass unsere Musiklandschaft dank solcher Bands noch nicht zur völligen Ödnis verkommen ist. Hier könnte Deutschland eigentlich mal Dankbarkeit zeigen. (42:02) (9)

 

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #70 / Gereon Helmer

The Exile Itch CD+DVD

Achtung, so sehen Gewinner aus: Das dritte Album der Mannemer Bayou-Tröten um Ex-GURU GURU-Bassmann Uli Krug und Doktor Jochen Wenz lässt mich seltsamerweise vor Ehrfurcht erbeben. Manchmal kommt es eben vor, dass man das Talent einer Band erst nach fünf, sechs Jahren der Missachtung so richtig erkennt, und das genau ist nun bei mir der Fall. Die gewaltige Bläsersektion pfeift manchmal wehmütig wie etwa das Orchester der WALKER BROTHERS, ganz sachte, wie im Auge des Sturmes. Und dann faucht es wieder so furios, dass den wenigen wiederaufgebauten Hütten von New Orleans direkt wieder das Dach fliegen geht. Dazwischen gibt es dann unschlagbare Songs, die Wehmut, Einsamkeit, Selbstanklage, Liebe, Hass, einfach alles, was man so am liebsten in eine Flasche Bourbon hinein knatschen möchte, mit spielerischer, unverkrampfter Leichtigkeit ausdrücken. Am liebsten sind mir dabei "Life is lonely", das mit den schmissigsten Fanfaren und der bittersüßesten Melodie daherkommt, und natürlich "Happy boy", mit dem famosen "The sun ain't gonna shine anymore"-Zitat der im Tremolo wabbernden Trompete. Groß. Mit Bonusmaterial ist dieses Package zudem auch noch opulent ausgestattet: Es gibt eine DVD mit einem Benefiz-Auftritt zugunsten des Leipziger UT Connewitz, auf der die Band, gefilmt vom Produzententeam Two Horses einen qualmend-guten Abend abliefert. Und dazu noch ein Reclam-Lookalike-Heftchen mit Kurzgeschichten und Bandbio für Zuspätgekommene wie mich. (9)

 

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #94 / Gereon Helmer

Von Humboldt Picnic – Editio Terra Incognita

Das Frühjahr 2010 brachte ein neues MARDI GRAS.BB-Album, zu dem ich damals notierte: „Die zwanzigbeinige Groove-Maschine aus Mannheim schlägt zurück. Vielseitiger denn je geht das Bläserensemble auf Weltreise, im Rucksack das neue Album, auf dem die Einflüsse global gesammelt und dann verwurstet wurden, so dass es kaum irgendeinem bestimmten Stil zuzuordnen wäre.(...) Insgesamt stellt man fest, dass New Orleans als Bezugsgröße für die BB immer nebensächlicher wird. Es klingt so wie eine Band, die sich Funkhaus-Europa-Musikredakteure am Telefon ausgedacht haben.“ Dieses Multikulti-Album erfuhr nun eine erweiterte Neuauflage, fünf brandneue Songs, um 21 Minuten erweiterte Spielzeit, neues Cover, Multi-Media-Spielereien, alles, was der Fan so braucht.Und, das ist heutzutage selten, dies alles ist kein reiner Nepp, Besitzer der Erstauflage vom vergangen Jahr brauchen sich nicht betrogen fühlen, sie können das „neue“ Album nun für lau (nur Versand muss gezahlt werden!) bei Hazelwood ordern.

 

MARDI GRAS.BB

© Ox Fanzine #89 / Gereon Helmer

Von Humboldt Picnic

Die zwanzigbeinige Groove-Maschine aus Mannheim schlägt zurück. Vielseitiger denn je geht das Bläserensemble auf Weltreise, im Rucksack das neue Album, auf dem die Einflüsse global gesammelt und dann verwurstet wurden, so dass es kaum irgendeinem bestimmten Stil zuzuordnen wäre.Der Opener „Delhi morning raga“ taugt als Bollywood-Soundtrack, „Blvd. de Clichy“ ist frankophil angehaucht, „Ismin Mahmut Altunay“ orientalisch, „Americanos“ ist was für Chickichicki-Latino-Salsa-Tanzkurse, „Lotterie des Lebens“ bringt das Flair des PALAST-ORCHESTERs.Insgesamt stellt man fest, dass New Orleans als Bezugsgröße für die BB immer nebensächlicher wird. Es klingt so wie eine Band, die sich WDR-Funkhaus Europa-Musikredakteure am Telefon ausgedacht haben.Grundsätzlich ist das Picknick eine grundsolide, handwerklich perfekte, aber dennoch charmante Platte geworden. Mir fehlt etwas die einheitliche Linie, außerdem hätte ich gerne noch einen antarktischen Frühlingswalzer gehört.Aber das wird bestimmt noch ...

 

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04.05.2016Hamburg, Komet
BERLIN BLACKOUTS
Mai.
4
2016