KREATORTourdaten, Tickets, Interviews, Tonträger

Nächster Termin:

03.02.2017
No Votes
Bewertung:
Artist Foto
Artist Foto

Genre

Metal

Shows

102 Shows in 63 Städten / 22 Ländern

Zeitraum

23.01.2009 - 04.03.2017

Letzte Show

14.12.2014 - CH-Pratteln, Z7

Nächste Show

03.02.2017 - DE-München, TonHalle München

Booking

Tourdaten

Archiv
Feb.
3
2017
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Metal
 
 
Feb.
17
2017
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Metal
 
Feb.
18
2017
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Metal
 
Mär.
4
2017
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Metal
 

Tonträger bei finestvinyl

Cover

KREATOR - DYING ALIVE | 2 LP

 
Cover

KREATOR - HORDES OF CHAOS | LP

 
Cover

KREATOR - PHANTOM ANTICHRIST | 2 LP

 

Interviews

[[Issue]]

KREATOR - Hardcore Altenessen

Das Thrash-Genre, eine der schöneren musikalischen Erscheinungen der Achtziger, aber dann viele Jahre im Tiefschlaf und längst in der "normalen" Metal- und Hardcore-Szene aufgegangen gewähnt, erfreut sich seit einer Weile wieder wachsender Beliebtheit, über die fast duchweg noch (oder wieder) existierenden einstigen Genrebegründer wie METALLICA, SLAYER oder VENOM hinaus. Ein Anlass, sich endlich auch mal im Ox mit KREATOR aus Essen zu beschäftigen, denn der "Musikstandort Deutschland" hatte es seinerzeit geschafft, mit SODOM, DESTRUCTION und KREATOR weltweit wahrgenommen zu werden, und KREATOR sind auch nach weit über 20 Jahren noch eine der wichtigsten Bands des Thrash Metals - eines Genres, das sich musikalisch wie thematisch bis heute vielfach mit Hardcore überschneidet. Und so sitzen KREATOR-Kopf Mille Petrozza, Tom Küppers und Joachim Hiller im Februar 2008 in Essen-Frohnhausen um einen Küchentisch, Gastgeber Küppers hat für die beiden Vegetarier lecker gekocht. Der Anlass des Treffens: Ein KREATOR-Interview im Ox, denn es gibt so einige Gemeinsamkeiten, sei es nun in Bezug auf Attitüde, lokale Herkunft, gemeinsame Bekannte oder ähnliche Interessen in musikalischer Hinsicht, denn Punk und Hardcore sind auch Teil von Milles musikalischer Sozialisation. Wir schalten nun um zum Essener Küchentalk.Mille, was hast du heute gemacht?Ich bin gerade aus Frankfurt zurückgekehrt, wo ich mit meinem Grafiker erste Ideen für das Artwork des neuen Albums durchgesprochen habe. Die Frage ist eben, was man sich überlegt in Zeiten, da viele Leute Musik nur noch aus dem Netz laden. Eine Idee ist da ein super Cover und aufwendige Verpackung, damit keiner auf die Idee kommt, sich die Songs nur runterzuladen - und darüber denkt man dann schon ein Jahr vor Erscheinen der Platte nach. Die wird im Januar 2009 kommen. Ich glaube aber, im Metal sind die Leute noch etwas anders drauf, da haben viele Fans noch eine konventionelle Sammlermentalität. Da darf es immer gerne noch die neue Version mit drei Bonustracks sein.Wie ist denn der Stand der Dinge bei KREATOR?Ja, wir machen gerade ein neues Album, sind dreimal pro Woche im Proberaum, um neue Stücke zu arrangieren, die ich schon länger vorbereitet habe und die als Demo bereits existieren. Jetzt kommen wir eben als Band zusammen und schauen mal, wie die sich so anfühlen, tauschen Ideen aus. Diese Woche kommt auch noch unser Gitarrist Sami aus Finnland und wir machen im Studio mit sechs Stücken ein richtiges Demo. Und das bekommt dann unser möglicher neuer Produzent, Moses Schneider. Wir planen diesmal live im Studio aufzunehmen. Im Metal-Bereich gibt es derzeit fast nur noch diese digitalen Produktionen, die klingen, als sei die ganze Musik auf einem Apple-Computer gemacht. Wir wollen deshalb bewusst ein, zwei Schritte zurückgehen und eine Platte ganz klassisch live einspielen. Und dazu haben wir uns einen speziellen Produzenten ausgesucht, eben Moses Schneider aus Berlin.Also ein ganz bewusstes "back to the roots", zu den Anfangstagen?Eigentlich schon. Unsere besten Platten sind so entstanden: Als Band in einem Raum eingespielt - natürlich nicht einfach so drauf los, schon geplant, aber eben live. Wir haben auch schon mit unserem alten Produzenten Andy Sneap gesprochen, der das Album auf jeden Fall mixen wird, und der fand die Idee auch gut. Auf diese Weise sind nun mal die besten Alben entstanden, diese Live-Energie kannst du durch nichts ersetzen - schon gar nicht durch diese Präzision, die du durch ProTools erreichst.Das kann im Zweifelsfall ja jeder.Genau das ist der Punkt. Wenn du dir mal die ganzen Magazin-CD-Beilagen heutzutage durchhörst, merkst du schnell, wie austauschbar viele Stücke geworden sind: Da könntest du einfach einen Part aus dem einen Song in einen anderen einsetzen und es würde keiner merken, die haben eben beide ihre 120 beats per minute. Diese Glattheit und Austauschbarkeit ist eine aktuelle Tendenz, die mir nicht gefällt.Das betrifft ja auch stark den Metalcore-Bereich.Ja, da klingen viele Bands gleich, und jede denkt, sie habe eine ganz tolle Idee gehabt. Wir als KREATOR dagegen haben schon immer gerne das gemacht, was die Leute nicht unbedingt von uns erwarten. Und so machen wir diese Platte jetzt eben live und schauen mal, was passiert.Mit dieser Methode seid ihr in der Vergangenheit aber auch schon mal auf die Fresse gefallen.Aber ich glaube nicht, dass das dieses Mal passiert. Auf die Fresse gefallen sind wir aber auch nur dadurch, dass wir mal zu viel gekifft haben und in anderen Bewusstseinszuständen dann meinten, unsere alten Wave-Platten rauskramen zu müssen und die in den Metal mit reinbringen. Mit so was haben wir natürlich unser Publikum etwas verärgert. Es gibt aber auch Leute, die genau diese Alben gut finden, es ist also eigentlich Blödsinn, darüber nachzudenken. Man muss machen, wozu man gerade Lust hat. Ich denke, es hat keinen Sinn, immer alles genau zu analysieren, bevor man eine Entscheidung trifft.In letzter Zeit gibt es ja einen erstaunlichen Trend hin zu altem Thrash-Sound, ich denke da beispielsweise an MUNICIPAL WASTE, die von Sound, Attitüde und Artwork her auch von 1986 stammen könnten.Ja, das ist ein coole Band, die klingen echt wie SUICIDAL TENDENCIES. Ich hatte neulich auch einen Sampler in der Hand, wo nur Bands von Zwanzigjährigen drauf waren, die alle diesen Sound machen. Mir gefällt das besser als die x-te Metalcore-Band, selbst wenn ich da auch ein paar Bands gut finde - aber nur ein paar, denn da gibt es ebenfalls zu viele, die nur nach Formel spielen. Aber das ist ein Phänomen, das immer wieder auftaucht: Die einen machen was vor, die anderen machen es nach, und das geht dann so lange, bis es ausgereizt ist und langweilig wird und die Leute wieder was Neues machen.War das in euren Anfangstagen auch schon so oder stand man da so allein auf weiter Flur, dass das kein Thema war?Hm ... da war damals so eine Aufbruchstimmung. Man hat gemerkt, da sind noch ein paar andere Bands, die auch gut spielen können, die man interessant findet, etwa VENOM, und dann hat man versucht, das mal nachzuspielen, ohne groß darüber nachzudenken. Unser zweites Album "Pleasure To Kill" kam ja 1986 ganz kurz nach unserem Debüt "Endless Pain" raus, weil unser Labelboss Karl Walterbach meinte, wir müssten gleich wieder ins Studio. Wir haben uns tierisch darüber gefreut, wir hatten ja gar nicht gedacht, dass wir dazu überhaupt die Chance bekommen würden. Mit viel analytischem Nachdenken war da also nichts, da gingen wir mit der Überzeugung ran, ein super Album zu machen, und dieses Gefühl habe ich versucht bis heute zu bewahren. Ich sage immer wieder ganz bewusst: Wenn mir nichts mehr einfällt mit der Band, dann höre ich auf. Wenn das neue Album 2009 erscheint, ist das letzte vier Jahre alt, und klar hätten wir auch alle zwei Jahre was machen können, aber es wäre schwachsinnig gewesen. Wir haben so viele Alben raus, da muss nicht jedes Jahr ein Neues kommen, da ist es wichtiger, dass es uns Spaß macht. Man muss das Gefühl haben, etwas zu sagen zu haben, muss richtig Bock drauf haben. Und deshalb jetzt auch der neue Produzent.Diese Live-Einspielen eines Albums ist im Metal-Bereich ja nicht so üblich, sondern kommt eher aus dem Punk- und Hardcore ...Als wir "Pleasure To Kill" aufgenommen hatten, kamen direkt danach INFERNO ins Studio, und die haben ihr Album in zwei Tagen eingespielt - und wir in zwei Wochen. Dabei waren die beiden Bands damals wohl noch gleich groß.Von der Energie der Songs her hört man auch keinen großen Unterschied.Eben! Das ist schon wieder eine philosophische Sache: Musik ist Gefühl, sollte es zumindest sein, und es gibt zwei Arten, das rüberzubringen: Zum einen sehr aufwendig, wie die Bands aus dem Metalcore und Metal das machen und wie das mittlerweile bei den großen US-Punkbands üblich ist, zum anderen auf die ganz simple Weise. Und ich frage mich echt, ob diese dicke Produktion wirklich das ist, worauf es ankommt. Denn die ganzen Klassiker wurden ja alle recht simpel aufgenommen, die alten Sachen von MISFITS, SLAYER und so weiter. Diese Art von Energie, die man durch dieses ungezügelte Livespielen erzeugt, ist nicht durch moderne Studiotechnik reproduzierbar, durch glasklare Produktion. Da muss man einfach mal wieder mutig sein.Technisch perfekt kann es ja auch jeder Depp hinbekommen, das ist eine reine Fleißaufgabe.Genau, lange ins Studio gehen ist nicht die Kunst. Und andererseits kenne ich Bands, die proben höchstens dreimal, bevor sie ins Studio gehen. Ich habe durch die recht vielen Konzerte in den letzten Jahren zu schätzen gelernt, dass unsere Songs da anders wirken, und das möchte ich diesmal einfangen. Mal sehen ...Wie kamst du auf Moses Schneider?Ich habe lange überlegt, wer überhaupt noch so produziert wie er, habe mich umgehört, wie Leute wie Tue Madsen so arbeiten. Und die arbeiten alle nur noch mit der ProTools-Software! Und dann kam ich eben auf Moses, so über die BEATSTEAKS, TURBOSTAAT und TOCOTRONIC, und der war auch sofort von meiner Idee begeistert. Ich habe mich dann noch ein bisschen über ihn erkundigt, und alle rieten mir dazu, es mit ihm zu machen.BEATSTEAKS und TOCOTRONIC als Referenz für KREATOR? Lästerlich ...Ach, für mich ist alles Musik, und ich finde eben, dass die Platten von diesen Bands gut klingen, was vom Gefühl her da so rüberkommt - ganz gleich, ob das Punk oder TOCOTRONIC oder sonstwas ist. Es lebt, es pulsiert, und das vermisse ich heute bei vielen Metal-Produktionen.Der zu erwartende Aufschrei in der Metal-Gemeinde ist dir wie immer egal, nehme ich an.Was soll ich denn sagen? Wir sind die Band, wir spielen die Musik, und keine Angst, wir werden schon nicht wie TOCOTRONIC klingen. Es geht mir um eine schöne, analoge Produktion, und wer immer womöglich was zu meckern hat, der soll mir einen Metal-Produzenten nennen, der noch analog und live aufnimmt. Abgesehen davon: letztlich kommt es auf die Band und die Musik an, denn wenn die Musik Scheiße ist, kann der Produzent auch nichts mehr retten.Lass uns doch mal über die Anfänge eurer Band sprechen. Du bist Jahrgang 1966, ihr wart also noch sehr jung, als ihr 1982/83 angefangen habt. Was wart ihr für Typen - Altenessener Bunkerkinder in Jeansjacken mit Aufnähern und abgeschnittenen Ärmeln?Ja, definitiv, und das war auch gut so. Wir sind recht jung in die ganze Sache reingekommen und haben sehr früh unsere erste Platte gemacht, so mit 15, 16. Man muss bedenken, dass diese Thrash-Szene damals schon anders war. Klar, die "New Wave Of British Heavy Metal" war auch sehr innovativ für die Zeit, doch als dann METALLICA, D.R.I. und solche Bands kamen, war das für uns unglaublich großartige, neue Musik.Wart ihr richtige Metaller, oder auch irgendwie Hardcore-Punks, oder wie muss man sich das vorstellen?Also zuerst waren wir hundertprozentige Metaller. Wir sind im Umfeld des Kulturzentrums Zeche Carl in Altenessen aufgewachsen, und da waren ja auch viele Punks, aber für uns war Punk nicht so attraktiv. Wir haben da in der Zeche Carl unser erstes Demo aufgenommen, und der Typ, der das Studio gemacht hat, sagte zu uns "Das is doch gar kein Metal, das is doch Pogo!" Wir hörten dann solche Bands wie RAW POWER, und nachdem jemand von METALLICA ein G.B.H-T-Shirt trug, eben auch G.B.H und dann EXPLOITED und so weiter. Wir merkten dann, dass das gar nicht so anders ist als das Metal-Zeug, das wir sonst so hörten. Etwas später gingen wir dann mit VOIVOD auf Tour, und das waren auch alles andere als normale Metaller, sondern eher "Alternative" aus Montreal, ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der uns mit so seltsamer Musik wie CHROME in Kontakt brachte. Das war für uns total aufregend, denn wir kannten damals, das war 1986, ja nur SLAYER, VENOM, METALLICA und so. Die eröffneten uns eine ganze neue Welt! Wir saßen da zusammen in einem überfüllten Tourbus, die spielten ihre Musik, und irgendwie fanden wir das gar nicht so schlecht. Die nächste Tour war dann die mit D.R.I. in den USA und dann kam auch schon der Crossover. In den USA waren die damals schon ein Stück weiter, etwa durch Bands wie ANTHRAX oder CORROSION OF CONFORMITY. Eigentlich war die Musik damals mehr Metalcore als das, was sich heute Metalcore nennt. Heute suche ich nämlich immer wieder den "Core" im Metalcore und finde ihn nicht.Tja, das stimmt. Und dann holst du "Dealing With It" von D.R.I. aus dem Regal und das bläst sich völlig weg. Sprechen wir noch mal über eure Heimatbasis, die Zeche Carl. Wie wichtig war die für euch?Der wichtigste Aspekt war, dass wir dort eine Möglichkeit hatten zu proben. Und das haben einem die soziokulturellen Zentren damals noch bieten können, was heute nicht mehr der Fall ist. Wir wollten damals eine Band machen, und dann gingen wir zu den Sozialarbeitern und die haben uns dann einen Proberaum klargemacht. Hätten die uns nicht diese Möglichkeit gegeben, unser Ansinnen nicht ernst genommen, hätte es die Band nie gegeben. Denn als wir den Proberaum dann hatten, blieben wir auch dran, haben immer fleißig geprobt. In der Hinsicht muss ich also sagen: Danke, Stadt Essen!Hat dieser Hintergrund auch deine politische Einstellung geprägt? Es ist ja kein Geheimnis, dass du eher links bist.Na ja, das hat für mich nix mit Parteien zu tun, das ist ein Ergebnis logischen Denkens. Ich verstehe Rechtsradikale und Rassisten einfach nicht.Damals, in den Achtzigern, gab es im Metal aber auch noch keine Rechten, die wären direkt umgehauen worden, behaupte ich jetzt mal. Diese Musikrichtung zog ja nur Freaks an, wo hätten da Leute einen Platz haben sollen, die Freaks "klatschen"?Genau das ist der Punkt, den aber heutzutage viele leider vergessen. Wobei man aber auch sagen muss, dass es diese rechten Tendenzen ja nur in einem prozentual kleinen Anteil bestimmter Metal-Bereiche gibt. Aber natürlich fallen die auf. Sowieso war die Metal-Szene im Ruhrgebiet der Achtziger recht offen, wir gingen ja auch zu Punk- und Hardcore-Konzerten. Und Spinner und Idioten, die gibt es in jeder Szene, da ist mir egal, was für ein T-Shirt so einer anhat.Standet ihr denn mal an dem Punkt, wo sich eure musikalische Entwicklung aufgrund der Einflüsse auch eher Richtung Hardcore hätte entwickeln können?Nee, denn wir hatten eben ganz klar unsere Metal-Einflüsse. Wir hatten einfach Spaß an schnellen und auch komplizierten Gitarrenriffs und -soli. Wir fanden also dieses Gefidel gut, fanden es aber auch gut,wenn es Bands gab, die das nicht gemacht haben. Wir fühlten uns beim Hardcore von der Energie angezogen, aber auch von den Inhalten. Denn die Inhalte haben uns bei so mancher Metal-Band gefehlt. Bei der ersten Thrash-Welle, etwa bei MEGADETH oder SACRED REICH, gab es die aber durchaus, das war schon eine Annäherung an den Hardcore. Wir haben versucht, diesen Spirit in unseren Texten widerzuspiegeln - eher als in der Musik. Dabei waren wir von den Beats, von der Geschwindigkeit her durchaus nah am Hardcore dran, nur die Gitarren waren eindeutig Metal.Wer hat euch kleine Nachwuchsmetaller aus Altenessen denn dann entdeckt?Das war Karl-Ulrich Walterbach ... der auch in Punk-Kreisen nicht unbekannte Mann, der das Label Aggressive Rock Produktionen betrieb, auf dem auch SLIME, NEUROTIC ARSEHOLES und INFERNO veröffentlichten, sowie das Metal-Label Noise International.Stoney hatte unser Demotape, das wir aufgenommen hatten, um Konzerte zu bekommen, an SPV und an Noise geschickt. Walterbach hat sich bei uns gemeldet, sagte, er wolle mehr Songs von uns hören, und da wir noch nicht mehr als die vier Songs des Demos aufgenommen hatten, mussten wir schnell noch sechs Neue aufnehmen. Die fanden sie super und sagten, wir sollten in drei Wochen nach Berlin kommen, zum Aufnehmen. So ging das. Walterbach machte uns dann mit seinen anderen Bands bekannt, versorgte uns mit den Platten von SLIME, DAILY TERROR und so, und wir wussten dadurch, wo der Typ überhaupt herkam. Walterbach hatte eine heftige Vergangenheit, das war einer von den Harten und auch politisch aktiv. Ja, der hat uns quasi entdeckt, wobei er uns klar sagte, dass er eine zweite Platte mit uns nur machen werde, wenn sich die erste verkauft - was zum Glück der Fall war. Sein Interesse galt aber nie uns als Band, den hat interessiert, dass sich eine Band gut verkauft.Welchen Eindruck hat eine Band wie SLIME bei euch hinterlassen? Ihr habt ja auch mal Stücke von denen gecovert.Ich finde SLIME immer noch supergut, kannte aber damals TON STEINE SCHERBEN nicht, auf die sich SLIME ja immer wieder bezogen haben. Vom heutigen Standpunkt aus muss ich sagen, dass natürlich ein paar der frühen Sachen sehr plakativ waren und ich die späten Sachen nach der Reunion da besser finde. SLIME haben uns damals schon beeindruckt und waren gerade textlich ein Einfluss. In den Neunzigern wollte ich auch mal eine Single zusammen mit Dirk von SLIME aufnehmen, aber leider wurde daraus nichts.Themenwechsel: Es gibt nicht wirklich viele deutsche Bands, die auch im Ausland erfolgreich sind, doch KREATOR gehören eindeutig dazu.Darüber habe ich echt noch nie nachgedacht. Irgendwie scheinen wir aber wohl einen Nerv zu treffen. Vielleicht sind wir für Leute in Japan oder Brasilien Exoten? Keine Ahnung ... Wir haben jedenfalls überall Fans, nicht nur in Deutschland. Am meisten Leute ziehen wir als Headliner in Brasilien. Da kommen schon so 5.000 Leute zu einem Konzert. Aber eigentlich sind überall, wo wir hinkommen, Leute, die das mögen. Ich weiß aber nicht, ob das an uns selbst oder an der Musikrichtung liegt.Oder daran, dass ihr schon so lange durchhaltet, immer dabei wart.Ja, wir haben auch die Neunziger über immer Konzerte gespielt, im In- wie im Ausland. Das war eine Zeit, wo im Metal nicht wirklich viel los war.Wie hat sich denn der Publikumszuspruch bei euch entwickelt?Ende der Neunziger war das schon mal etwas mau, da waren es teils unter tausend Leute. Mittlerweile ist das wieder mehr, spielen wir wieder größere Hallen. 2008 spielen wir in Deutschland aber nur ein Festival, das Wacken. Wir versuchen, nicht ständig überall zu spielen, das langweilt.Es gibt aber Bands, die an jeder Milchkanne spielen müssen, um über die Runden zu kommen.Das ist bei uns zum Glück nicht der Fall, denn ich habe einen recht flexiblen Lebensstil, und ich kann auch mal ein Jahr überleben, ohne viel zu arbeiten, weil ich meine Ansprüche, meinen Konsum dann eben zurückschraube. Ich war schon immer so ein Typ, der, wenn nicht viel Geld da war, eben auch nicht viel ausgegeben hat. Ich bin da recht bescheiden oder normal. Da muss man halt auch mal improvisieren und dann geht das. Und vor allem muss man dann nicht jeden Scheiß mitmachen. Ich kenne genug Musiker, die immer mit der Ausrede ankommen "Na ja, wir mussten da halt spielen, wegen der Kohle", und das finde ich schlimm. Da frage ich mich, ist das jetzt ein ganz normaler Job oder soll das auch Spaß machen? Wie willst du ein Gefühl rüberbringen, wenn du das machen musst? Klar, ich verdiene mit Musik mein Geld, aber das Geldverdienen kann nie die Hauptmotivation sein: Geld verdienst du, wenn du gut bist.Hast du eigentlich jemals was Ordentliches gelernt?Nö. Ich habe die Handelsschule besucht, das war's. Ich konnte damals dann schon wegen der Band die wichtigen Arbeiten nicht schreiben, hätte das nachholen müssen, hatte keinen Bock drauf und das war es dann. Ich muss also auf ewig mit der Band weitermachen, haha.In dem legendären Dokumentarfilm "Thrash Altenessen" von 1989 und in dem ihr auch vorkommt, gibt es eine Szene, in der sinngemäß gesagt wird "Das ganze Leben wie mein Alter auf der Zeche malochen, das kann es ja nicht sein." Ein wichtiges Statement?Ja, obwohl ich großen Respekt vor meinem Vater habe, der so viele Jahre unter Tage gefahren ist. Ich hätte das niemals machen wollen! Aber ich bewundere Menschen, die jeden Tag so einen Knochenjob machen.Ist dein Vater einer aus dieser ersten Gastarbeitergeneration?Ja, er kam damals aus Italien ins Ruhrgebiet, wohnte in so einer Baracke. Der ist noch aus einer Generation, wo die Menschen wussten, dass sie ihren Job auf der Zeche bis ins Rentenalter machen werden. Für mich war diese Perspektive grauenvoll. Zum Glück merkte ich durch die Musik früh genug, dass es noch was anderes gibt. Die Musik hat mich gerettet, hahaha.Und was haben deine Eltern dazu gesagt?Die haben mich immer unterstützt! Die haben mir für die erste Gitarre Geld gegeben, haben mich zu Hause wohnen lassen, und auch heute noch könnte ich wieder zu denen kommen. Die haben gesehen, dass ich was mache, und scheiße gefunden hätten die nur, wenn ich nichts gemacht hätte. Es war zwar nicht ihre Art von Arbeit, aber da ich mit der Band ständig unterwegs und beschäftigt war, war das für die okay. "Normal" gearbeitet habe ich auch nur dreimal in meinem Leben - einmal habe ich für Apotheken Rezepte ausgefahren ...Ihr wart 1990 eine der ersten Bands, die im Osten Deutschland gespielt hat. Von diesem Konzert gab es damals eine VHS-Kaufkassette namens "Extreme Aggression Tour 1989/1990", und jetzt die Neuauflage auf DVD. Mit diesem Projekt warst du selbst sehr beschäftigt. Wie war das damals?Wir waren mit KREATOR in den Achtzigern immer viel in Berlin, und der Fall der Mauer bedeutete für uns erst mal ganz praktisch, dass wir jetzt nicht mehr über diese blöde Grenze mussten. Die politische Bedeutung wurde mir erst allmählich klar, und so fanden wir es zunächst nur klasse, dass wir da in Ost-Berlin dieses Konzert vor 6.000 Leuten spielen konnten, bei dem ein großer Enthusiasmus herrschte. Wir hatten davor schon in Ungarn und Polen gespielt, also noch vor 1989, und da waren Leute aus der DDR auf uns zugekommen, die sagten, wir müssten unbedingt mal in Ost-Berlin spielen. Das war natürlich illusorisch, doch plötzlich ging das dann und das war schön. Das Konzert wurde damals vom DDR-Staatsfernsehen mitgeschnitten, also von Leuten, die sonst für Sendungen wie "Ein Kessel Buntes" zuständig waren. Die Kameraleute hatten da ganz absurd gefilmt, teilweise alle einen Song lang nur das Publikum, und aus diesem Material mussten wir jetzt irgendwie was Ordentliches zusammenschneiden, an dem man auch heute noch Spaß hat. Da saßen wir ein halbes Jahr dran und haben drumherum eine schöne Doku gemacht.Und, kam da Nostalgie auf?Ich finde nostalgische Gefühle zum Kotzen, ich schaue mir Fotos von früher nur ungern an. Klar ist es toll zu sehen, wie supercool man früher schon war, aber wirklich sein muss das nicht.Mille, besten Dank für das Interview.Joachim Hiller, Tom Küppers
 
[[Issue]]

KREATOR - T(h)rash Art

„Phantom Antichrist“ heißt das neue Album der Essener Thrash-Legende KREATOR, die sich nach einer prägnanten Frühphase in den Achtzigern in den Neunzigern etwas in musikalischen Nebenstraßen verlaufen hatte, um sich seit Mitte des letzten Jahrzehnts wieder auf alte Stärken zu besinnen und seitdem das zu tun, was der Band am besten steht: schnörkellosen, brutalen Thrash Metal zu spielen, der in seiner Kompromisslosigkeit viel vom frühen Hardcore hat. Anstatt nun anlässlich des neuen Albums im Detail die Studioarbeit zu erläutern oder über kompositorische Feinheiten zu sinnieren, beschloss ich, Sänger und Gitarrist Mille die bisherigen Albumcover vorzulegen und mir diese kommentieren zu lassen, um so etwas über den Zusammenhang zwischen visuellem und musikalischem Auftreten zu erfahren. Gerade im Metal sind aufwendige Coveratworks schließlich ein wichtiger Aspekt in der Wahrnehmung der Band seitens der Fans – und außerdem stellte sich im Verlauf des Gesprächs heraus, wie eng Coverartwork und Bandentwicklung miteinander verknüpft sind. Ein spannendes, offenes Interview, das sogar dem Nicht-Metal-Fan interessante Erkenntnisse liefern dürfte.„Endless Pain“ (1985)Zu diesem Cover hatten wir damals gar keine Meinung. Wir waren Kiddies, noch nicht volljährig, meine Mutter musste meinen Plattenvertrag unterschreiben. Wir fuhren nach Berlin, um unser erstes Album aufzunehmen, und vorher noch rief uns Karl Walterbach von unserem Label an und sagte, er habe ein super Cover für uns. In Berlin zeigte er uns dann das Bild, das letztlich das Cover wurde. Phil Lawvere, von dem das Gemälde stammt, hatte Walterbach mehrere seiner Bilder verkauft, manche davon kamen bei CELTIC FROST zum Einsatz, und dieses eben bei uns. Das eigentliche Logo von uns, das unser Schlagzeuger gemalt hatte, war übrigens mit C, also wir schrieben uns zuerst CREATOR, doch dann hatten wir die Idee das mit K zu schreiben und Phil hat das Logo dann entsprechend bearbeitet. Dass unser Bandname sich mit K schreibt, war also nicht wirklich geplant, das ist eher Zufall. Ich hatte mir später die Geschichte einfallen lassen, Kreator sei ein Dämon aus dem isländischen Heldenepos Edda, aber das stimmt gar nicht, da hatte mich auch mein Geschichtslehrer auf eine falsche Fährte geführt. Das Cover wurde uns also letztlich „aufgedrückt“, aber ich muss sagen, ich finde es gut.Man sieht da Blut, tote Menschen, Köpfe, die auf Pfähle gespießt sind ... Was habt ihr euch dabei gedacht?Nichts, hahaha! Du musst dir vorstellen, dass ich vor allem Fan dieser Musik war, ich war ja gar kein richtiger Musiker. Und für mich als Metal-Fan sah dieses Cover genauso super aus wie die Cover der anderen Metal-Bands, die ich damals gehört habe. Ich finde das Cover auch heute noch gut, ich mag ja solchen ... Kitsch. In meine Wohnung hängen würde ich mir das heute aber trotzdem nicht. Damals war ich Fan dieser ganzen Fantasy-Ästhetik, damals lief gerade „Conan der Barbar“ im Kino, und so fanden wir alle das Cover gut: Blut, Tod, Macht, Schlacht, da war alles dabei.Und was sagten deine Eltern zu dem Meisterwerk?Das hat die überhaupt nicht interessiert, die haben wohl gar nicht so recht begriffen, was wir da machten.Zu der Zeit bekam Jello Biafra in den USA gerade Ärger mit Tipper Gore und dem FBI wegen des „Schweinkram“-Posters zum „Frankenchrist“-Album, das eigentlich nur ein Bild des renommierten Künstlers HR Giger war.Jello ist ein paar Jahre älter, der wusste, was er tat, im Gegensatz zu uns. Und mal ehrlich, im Vergleich zu Gigers „Penis Landscape“ ist unser Cover harmlos. Das tut niemandem weh, außer Leuten, die nicht auf diese Metal-Klischees stehen.„Pleasure To Kill“ (1986)Das Cover hat eine ähnliche Entstehungsgeschichte. Das erste Album hatte sich entgegen unserer Erwartungen super verkauft, und so rief uns Walterbach an und sagte, wir müssten ein zweites Album machen. Darüber haben wir natürlich gefreut, haben entsprechend bewusst an unseren Songs gearbeitet, wohingegen wir beim ersten Album dachten, das wäre so eine einmalige Sache. Also gaben wir uns mehr Mühe. Irgendwann bekamen wir dann vom Label ein Bild zugeschickt, wieder von Phil Lawvere, aus der gleichen Bilderserie. Ich finde das Motiv ungewollt klassisch: Es ist bis heute unser beliebtestes Cover. Als wir das damals sahen, war die Reaktion einstimmig: Super! Warum? Schwer zu beschreiben. Es ist sicher beeinflusst von Luis Royo, diesem spanischen Fantasy-Maler, wobei das vom Künstlerischen her eher Comic als tradtionelle Kunst ist. Außerdem passte das Cover bestens zu unseren Texten. Wir hatten das Cover schon, bevor das Album aufgenommen wurde. Ich musste noch ein paar Texte schreiben, und dabei hatte ich dann immer das Covermotiv vor Augen. Wir dachten uns irgendwelche Geschichten von irgendwelchen Schlachten aus. Der Albumtitel wiederum ist beeinflusst vom Film „Gesichter des Todes“, in dem es eine Szene gibt, wo aus dem Off der Satz „It’s a pleasure to kill ...“ gesagt wird. Meine Idee war eigentlich gewesen, ein Konzeptalbum zu machen über verschiedene Arten zu sterben, hahaha. Das hat dann aber irgendwie nicht so ganz geklappt, aber so eine Art roter Faden ist das schon, mit Songs wie „Under the guillotine“ und „Rippin corpse“ – eine Leiche kommt und bringt dich um, oder deine ganze Familie, hahaha.Warum hast du so böse Texte geschrieben und nicht zur Akustikgitarre über Blümchen auf der Wiese gesungen?Das ist eine Frage, die ich mir auch schon oft gestellt habe. Wir waren eben eine Metal-Band und wollten das Härteste machen, was es gibt.War man sich damals der Klischees, die man da pflegte, bewusst?Nein! Das Wort Klischee war uns nicht mal bekannt, uns war es todernst mit allem, was wir da machten. Ich finde das auch immer noch gut ... Wir waren Teenager, wir mochten Horrorfilme und Death-Metal-Bands wie BATHORY, POSSESSED, SLAYER, frühe METALLICA, MERCYFUL FATE. Das waren unsere Vorbilder, vor allem MERCYFUL FATE und POSSESSED, und unser Ziel war, noch härter zu sein als die. Auf dem ersten Album war ja auch noch viel Pseudo-Satanismus enthalten, wobei wir ja gar keine Ahnung von Satanismus hatten. Wir hatten uns sogar ein Buch gekauft, in dem so Rituale drinstanden, „Das siebte Buch Mose“ oder so, wo Zaubersprüche drinstehen sollten. Wir versuchten das dann auch mal zu praktizieren, aber das klappte nicht, weil man da das Blut von einem Elch haben musste, der schon seit sieben Jahren tot ist oder so. Also haben wir das Buch zur Seite gelegt. Und so war „Pleasure To Kill“ dann pure Fantasie, da war kein richtiger Sinn dahinter. Für mich ist das intuitive naive Kunst – oder wegen mir auch nicht Kunst. Wir waren uns damals aber keinesfalls der Tatsache bewusst, dass wir da ein Album aufnehmen, zu dem mir bis heute Fans sagen, wir sollten doch mal wieder eine Platte wie „Pleasure To Kill“ machen. Dabei waren wir damals während vor und nach den Aufnahmen immer nur betrunken. Das war alles sehr locker im Studio, wir hatten sogar recht viel Zeit – wie viel Zeit, das wurde uns erst bewusst, als wir am letzten Tag auf unsere Labelkollegen INFERNO trafen und uns die erzählten, dass sie nur ein Wochenende haben für die Aufnahmen. Damals lernten wir auch erstmals, wie es ist, ein Album professionell aufzunehmen, wir stellten Harris Johns, der unser Album aufnahm, eine Menge Fragen, denn er war damals der Top-Produzent, er hatte unter anderem SLIME produziert. Wir spielten ihm unsere Lieblingsplatten vor, und er sagte immer nur, das könne er besser. Und um auf das Artwork zurückzukommen: das war eigentlich nebensächlich.„Terrible Certainty“ (1987)Dazu gibt es eine gute Geschichte. Wir haben in Würzburg ein Konzert gespielt, und in dem Hotel hing dieses Bild, das da auf dem Cover zu sehen ist – allerdings ohne diesen Dämon. Es zeigt die Karlsbrücke in Prag. Wir haben das Bild dann einfach aus dem Hotel geklaut und den Künstler kontaktet, da stand ein Name drauf. Wir fragten, ob wir das Bild benutzen können, und er sagte nein. Wir schickten das Bild dem Walterbach von unserem Label, der fand das auch gut, und er sagte, er werde das den Lawvere nachmalen lassen. Das Ergebnis war dann unser Cover. Er hat das eigentliche Motiv ergänzt um den Dämon und diese Ruinenstadt. Das war unser erstes Cover, an dem wir als Band mitgearbeitet haben, zu dem wir uns bewusst Gedanken gemacht haben.Was für ein Typ ist dieser Phil Lawvere?Ich hatte bis vor Kurzem nie Kontakt mit dem. Der hatte damals diese Bilder wohl mit irgendeinem Handschlag-Deal an Walterbach verkauft, wir waren da gar nicht eingebunden. Nach all den Jahren kam er jetzt auf uns zu und wollte Geld von uns haben, mit der Begründung, seine Bilder hätten das Image von KREATOR geprägt. Aber damals wusste ja keiner, was aus uns mal wird, und wie gesagt, wir waren in diese Deals damals gar nicht eingebunden.„Extreme Aggression“ (1989)Eine absolute Katastrophe, das war alles nicht so geplant ... Wir hatten damals Kontakt zu den Leuten von ASSASSIN aus Düsseldorf, wir sind bis heute mit denen befreundet, und einer von deren Freunden zeichnete Comics, der hatte auch was mit WARLOCK zu tun. Also sagte ich dem, unser neues Album werde „Extreme Aggression“ heißen, ob er da nicht ein Cover zeichnen könne. Das tat er, aber das war totaler Schrott. Da stand so ein Typ vor dem Spiegel und aus seinem Kopf kam „unser“ Dämon. Das sah aber nicht gut aus, ich wollte das Cover nicht haben. Das Album musste aber raus, und das war sowieso schon ein Drama, wir hatten das Album zweimal aufnehmen müssen, alles war chaotisch. Wir hatten also ein Zeitproblem, und so kam die Idee, eben mal ein Bandfoto aufs Cover zu machen – und das war das Ergebnis. Ich sagte damals in Interviews zwar, das sei Absicht gewesen, das Bandfoto ein Statement, aber aus heutiger Sicht gebe ich zu, dass es kein Statement war, sondern einfach Scheiße, dumm gelaufen, haha. Das Cover fällt immerhin aus dem Rahmen, es gibt kein anderes KREATOR-Cover, das so aussieht.Ist die Platte im „Werkkanon“ von KREATOR auch sonst eine Ausnahme?Es ist das Album, mit dem wir international und kommerziell bis dato den größten Erfolg hatten. Damals lief die Thrash-Welle so richtig, wir waren deren deutsche Vertreter, und ich finde das Album viel, viel besser als „Terrible Certainty“, die Produktion ist ausgefeilter, wir haben spieltechnisch mehr gewagt. Es ist ein Album, das von der Produktion her US-Standard hatte – bis dahin hatte ich nie den Sound bekommen, den ich im Kopf hatte. Wir waren damals für die Aufnahmen lange in Los Angeles, und in der Folge wurden eine Menge Leute auf uns aufmerksam, unter anderem kam es auch zu diesem Dokumentarfilm „Thrash Altenessen“. Das war so ein kleiner Hype.„Coma Of Souls“ (1990)Wir hatten damals vier Alben in fünf Jahren aufgenommen, das ist total hart für heutige Verhältnisse. Und so kam es, dass wir 1990 schon wieder ein neues Album einspielen sollten. Wir hatten aber erst drei Stücke, worauf es hieß, dann sollten wir eben sieben weitere machen und ab ins Studio. Walterbach war da sehr vehement, und wir fühlten uns künstlerisch völlig überfordert. Und so „schusterten“ wir das Album nicht gerade zusammen, aber wir machten das Beste aus der Situation, wobei auch unser damals neuer Gitarrist hilfreich war, der sich viel einbrachte. Als das Album fertig war, war ich ziemlich durch. Ich will nicht sagen, dass wir damals eingebildet waren, aber wir waren schon etwas seltsam drauf, so in der Art „Wir müssen jetzt erstmal drei Wochen nach Berlin ins Studio, um Demo-Sessions zu machen“. Wir wussten damals noch nicht, dass einem das Label so was eiskalt auf die Rechnung setzt ... Walterbach hatte praktischerweise ein eigenes Studio. Durch diesen Berlin-Aufenthalt hatten wir Kontakt zu Andreas Marschall, der das Cover zu Jörg Buttgereits „Nekromantik“ gemalt hatte. Das gefiel mir sehr gut, ich hatte damals gerade Hieronymus Bosch für mich entdeckt, und so traf mich mit Marschall, und meine Idee war, klassische Kunst mit modernen Comic-Elementen zu verbinden. Ich finde, das Motiv passt zum Titel „Coma Of Souls“, und es wurde da auch ein Ausschnitt aus „Garten der Lüste“ von Bosch verwendet. Das Thema des Albums ist ja, dass die Menschen gar nicht ihr echtes Leben leben, sondern sich in einem Koma befinden. Ich würde sagen, zu 80% ist das Cover Andreas Marschalls Idee, zu 20% meine. Für mich ist das eines der besten KREATOR-Cover. „Für so ein Metal-Cover ganz gut“, hahahaha.„Renewal“ (1992)Das Album ist ein ganz spezielles Thema. 1992, als das entstand, war die Band durch, ausgelaugt, übertourt, überarbeitet – und dann hieß es, wir machen jetzt was Neues, ihr könnt uns alle am Arsch lecken. Diese Einstellung zieht sich durch das ganze Album, und wir haben damals versucht, Hardcore- und Industrial-Einflüsse einzubringen. Ich hatte solche Musik damals schon lange gehört, mich künstlerisch etwas eingeengt gefühlt. Du musst dir vorstellen, ich habe die Band mit 16 angefangen, war totaler Metalhead. Ich mochte die Musik ja, hatte aber keine Gelegenheit, mich als Musiker mal auszuleben, andere Einflüsse einzubringen, herumzuexperimentieren. Also haben wir gesagt, wir kümmern uns nicht um die Erwartungshaltung der Leute, sondern machen das Album so, wie wir das haben wollen. Das Coverartwork ist von dem englischen Künstler Dave McKean, und ich hatte die Vorstellung eines Motivs, das etwas mit dem Thema Kontrolle zu tun hat, ein Stück heißt ja auch „Realitätskontrolle“, inspiriert von George Orwell. Das ganze Album hat ja einen Orwell-Touch, es dreht sich alles um die Idee eines Überwachungsstaats, was ja auch Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger schon ein Thema war. Ich ließ Dave McKean freie Hand und weiß ehrlich gesagt nicht, was er mit dem Motiv sagen wollte. Es ist sehr surreal und künstlerisch wohl das beste KREATOR-Cover. Die Fans allerdings fanden das nicht so toll, es ist wohl zu wenig typisch für KREATOR. Dabei ist es das Cover, das ich mir am ehesten in die Wohnung hängen würde. Da fehlt eben der sonst immer präsente Dämon, aber von dem her, was mich an Kunst anspricht, ist es mein Lieblingscover. Du hast es eben angesprochen, der Dämon ist so was wie euer Trademark. Hattet ihr, ähnlich wie IRON MAIDEN mit ihrem „Eddie“, im Hinterkopf, dass es wichtig ist, so ein künstlerisches Trademark zu haben?Nein, das hat sich so entwickelt. Zur Zeit der ersten drei Platten war ich noch nicht so weit, das Verständnis kam erst Anfang der Neunziger, als ich mich begann für Kunst zu interessieren, für Sachen wie Richard Kerns „Cinema of Transgression“. Ich finde es schade, dass viel zu selten ein intellektueller Anspruch mit Coverartwork verbunden wurde. Man ist durch diverse Umstände leider viel zu oft gezwungen, Coverartworks anders zu machen, als man sie gerne hätte. Man erstellt einerseits das künstlerische Konzept eines Albums, ist dann aber andererseits nur ein Teil der Band und muss sich fügen. Metal ist ein Selbstläufer, hat einen gewissen Pathos, der nicht unbedingt immer dem entspricht, was ich privat so denke und mache. Da ist man oft in einer Zwickmühle.„Cause For Conflict“ (1995)Das ist mein Anti-Lieblingscover, das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Wir hatten einen Künstler dafür vorgesehen, einen brasilianischen Tätowierer namens Junior, und der hat diesen Dämon gemalt. Dann hat Dirk Rudolph, der viel für Philipp Boa und RAMMSTEIN gearbeitet hat, das Gemälde digital bearbeitet. Es ist aus heutiger Sicht aber eher „na ja“, so typisch Neunziger. Ein guter Versuch, es hat Atmosphäre, aber ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Das Originalgemälde war nur der blaue Kopf. Dirk war damals einer der ersten, der richtig gut mit Photoshop umgehen konnte.Damals war dieses Programm noch was für Profis, die sich entsprechend rechenstarke Apple-Computer leisten konnten.Genau, und man sieht dem Cover eben genau an, in welcher Zeit und unter welchen technischen Umständen das entstanden ist. Man hat eben ausprobiert, was die Technik so hergibt – wahrscheinlich wird man in 20 Jahren so über den Film „Avatar“ urteilen. Eine bestimmte Message hat das Cover übrigens nicht, es war eine komische Zeit, die Neunziger will ich lieber abhaken.„Outcast“ (1997)Wir fanden damals gut, was Dirk Rudolph gemacht hat, und so haben wir ihn für „Outcast“ ein komplett eigenes Cover machen lassen. Das Logo ist in Holz geschnitzt, der hat das tatsächlich von Hand gemacht. Dann hat er diesen Typen da fotografiert und den Rest in Photoshop gemacht. Ich finde das künstlerisch gut, aber es hat nicht viel mit den KREATOR von „Pleasure To Kill“ zu tun. Als Poster hat das damals aber sehr gut gewirkt, und es ist eines unserer besseren Cover. Aber: Was viele Leute unter KREATOR verstehen, ist das aber nicht. Und auch nicht das, was ich unter KREATOR verstehe. „Outcast“ und „Renewal“, das wären Cover gewesen, die für ein Soloprojekt von mir gepasst hätten. Hast du dich damals nicht auf deinen Instinkt verlassen?Nein, diese Cover waren schon genau das, was wir damals haben wollten. Wir wollten außergewöhnliche Metal-Cover haben, aber ich bin der Meinung, dass dieser Metal-Pathos, diese „Pleasure To Kill“-Männchen bei uns einfach dazugehören. Für mich ist das wichtig, auch wenn ich weiß, dass das eigentlich Quatsch ist, dass es trivial ist und auch künstlerisch nicht besonders wertvoll. „Outcast“ würde ich mir allerdings in die Wohnung hängen.Wichtig ist dir also so ein gewisser flashiger Comic-Effekt – es muss splattern.Ja, genau! Ich hatte ja auch mal die Idee, dass Richard Kern ein Video für KREATOR drehen soll. Ich habe den angerufen, erzählte ihm, wie gut ich seine Kurzfilme mit Lydia Lunch finde, ob er nicht ein Video für uns drehen könne. Darauf antwortete er, das seien alles Sachen, die er 1980, 1983 gemacht habe. Damals sei er ein totaler Junkie gewesen, er stehe heute künstlerisch ganz woanders, und da wusste ich, dass ich das, was ich mir vorstellte, von ihm nicht bekommen würde. Mit Jörg Buttgereit war das genauso, vom ihm wollte ich so ein „Nekromantik“-artiges Video, und da wurde auch nichts daraus, aus dem gleichen Grund. Ich glaube, in der Hinsicht bin ich wie die KREATOR-Fans, die von uns am liebsten noch mal ein Album wie „Pleasure To Kill“ haben würden. Ich habe also gelernt, dass ich heutzutage kein Video mit Buttgereit oder Kern mehr machen kann, weil die Typen künstlerisch woanders stehen. Trotzdem fände ich es als Fan super, wenn Buttgereit heute noch mal einen Splatterfilm drehen würde – er selbst fände die Idee vielleicht nicht so gut. Was nun KREATOR betrifft, habe ich meinen Frieden geschlossen mit den Wünschen der Fans: KREATOR haben ein gewisses Trademark, und dem müssen wir gerecht werden. Gleichzeitig muss das aber auch für mich knallen. Das Artwork eines Albums repräsentiert die Musik darauf, und weil „Outcast“ etwas anders war, passt das Cover auch: es war ein außergewöhnliches Album mit einem außergewöhnlichen Cover.„Endorama“ (1999)Das ist mein absolutes Hass-Cover. Ein Schnellschuss, es passt irgendwie zur Musik, aber eigentlich ist es totaler Quatsch. Damals war unser Verhältnis zu unserem Management ein totaler Krampf, wir standen kurz vor der Trennung, und wir wollten wieder mit Dirk Rudolph zusammenarbeiten, doch es hieß, der sei zu teuer. Also ein Schnellschuss, wir blätterten ein Fotobuch durch, stießen auf dieses Bild, wir wollten die Rechte daran haben, aber so schnell ging das nicht, und so hat uns das dann ein Künstler nachgemalt. An sich ist das nicht schlecht, aber wenn ich nur an das ganze Drumherum damals denke – ganz schlimm. Es passt aber zum Album, denn das ist ein kontroverses KREATOR-Album, das es so gar nicht hätte geben sollen. Musikalisch ist es aber hochwertig, es ist eher ein Wave-Album. Es war der Abschluss einer Ära, der Neunziger.„Violent Revolution“ (2001)Das Cover stammt von Andreas Marschall, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich raus war aus dem Geschäft, der machte kaum noch Coverartworks damals. Andreas hatte sich inzwischen als Cutter und Regisseur etabliert, ich musste ihn vorsichtig überzeugen, wieder für uns zu arbeiten. Ich hatte ihm damals den Titel genannt, doch der erste Entwurf war nichts, der Dämon so als Freiheitskämpfer mit Stirnband und Knarre – das wollte ich nicht, ich will keine Schusswaffen auf meinem Cover. Ich schlug ihm dann vor, etwas Ähnliches wie auf „Coma Of Souls“ zu machen, nur moderner. Und so kam dann dieser Entwurf, der es letztlich wurde. Was genau diese Zeichen darauf bedeuten, weiß ich allerdings nicht mehr – ich habe es vergessen ... Ich finde es gut, es knallt, wobei ich nicht weiß, was er sich im Detail gedacht, was es mit „Violent Revolution“ zu tun hat. Es ist ein plakatives, großartiges Cover, und das ist für mich wichtig. Ein Artwork muss nicht immer eine Message haben.„Enemy Of God“ (2005)Leider ist das Cover nur ein Teil des eigentlichen Artworks. Was man da sieht ist ein Kompromiss. Auf dem Original sieht man noch zwei so Cyborg-artige Frauen, aber das kam leider nicht aufs Cover. Joachim Luetke hat das Artwork gemacht, es gefällt mir, aber es erinnert mich auch etwas an „Violent Revolution“. Nur ist das Original, aus dem heraus wir das Artwork genommen haben, viel viel besser als das Cover, das nur einen Ausschnitt darstellt. Eigentlich wollte ich damals ja ein Cover von Hansruedi Giger, hatte auch Kontakt, nur sind dessen finanzielle Vorstellungen unerfüllbar. Ich erfuhr dann, dass das Cover, das mich auf Giger brachte, in Zusammenarbeit mit Luetke entstanden war, und so sprach ich ihn an. Er arbeitet ähnlich wie Dirk Rudolph mit so einer Mischung aus Gemälde einerseits und Photoshop andererseits.Bei all deiner Begeisterung für Kunst: Hattest du nie das Bedürfnis, die Originale etwa dieses Covers als großformatigen Druck zu Hause an der Wand hängen zu haben?Nein, ich habe zu Hause so gut wie keine musikalischen Requisiten stehen oder hängen. Ich bin kein Sammler, ich mag Sachen kurz, und dann stehen sie wieder in der Ecke.„Hordes Of Chaos“ (2009)Ich finde das Cover generell gut, aber ... Ich sprach damals mit Joachim Luetke, von dem auch dieses Artwork stammt, dass ich keine Knarren auf dem Cover haben will. Luetke hatte die Idee, auf dem Cover so total abgefuckte Typen darzustellen, „hordes of chaos“ eben. Dann bekomme ich aber den Entwurf, und entgegen meinem Wunsch sind da aber Knarren zu sehen, ein altes Maschinengewehr. Ich will das aber nicht, finde das doof, ich mag keine Waffenverherrlichung, das finde ich scheiße. Dann lieber einen Typen mit Schwert – wer hat denn heutzutage noch ein Schwert, verstehst du? Luetke sagte, das seien aber alte Gewehre, von Neunzehnhundertirgendwas. Ich: Nein, will ich nicht. Er: Kann ich aber nicht mehr ändern. Letztlich konnte ich mich nicht durchsetzen, die waren auf dem Artwork, und so bin ich mit dem Cover nicht 100% zufrieden, mir gefällt der Gesichtsausdruck von dem Typen auch nicht, diese Titten sind auch doof. Insgesamt ist es aber ein gutes Cover, das aber nur einen Ausschnitt des ganzen Artworks zeigt, das wir dann als Bühnen-Backdrop verwendet haben. Luetke ist wirklicht gut, aber ich habe da eben wiederholt die Erfahrung gemacht, dass es schwer sein kann, seine Coverwünsche exakt umgesetzt zu bekommen.Nun hast du wiederholt gesagt, dass du keine Schusswaffen auf deinen Plattencovern magst. Warum eigentlich? Ansonsten sind die doch nicht gerade gewaltfrei und durchaus blutig.Es macht für mich einen Unterschied aus, ob man da eine Fantasiewaffe wie ein Schwert zeigt, oder ob man da eine Schusswaffe zeigt. Da habe ich gleich Assoziationen wie Waffenhandel, Krieg, Gewalt. Das geht gegen meine ästhetischen Vorlieben und meine Prinzipien, mit Waffen assoziiere ich nur Negatives, das ich in meiner Welt nicht haben will. Klar passiert auf KREATOR-Covern auch Gewalt, aber eben nicht diese reale Alltagsgewalt.„Phantom Antichrist“ (2012)Besser geht es nicht als dieses Cover, oder? Das ist von Wes Benscoter, einem amerikanischen Zeichner. Der hat schon zig andere Metal-Cover gemacht, unter anderem für SLAYER, aber mir hat besonders das letzte Cover von AUTOPSY gefallen, und so fragte ich ihn, ob er nicht unser Cover machen kann. Ich gab ihm den Titel und sagte, ich wolle ein ähnliches Cover wie „Pleasure To Kill“, nur eben moderner. Er sagte zu, aber dann hörte ich nichts mehr von ihm, er reagierte nicht auf meine Mails, und ich machte mir schon über einen anderen Künstler Gedanken. Doch dann kam eine Bleistiftskizze des Motivs, und ich fand es sofort großartig. Es ist wie bei „Pleasure To Kill“ eine Szene, die nichts mit der Realität zu tun hat, aber total knallt, es ist eben alptraumhafter Surrealismus: Was macht der Typ da, warum hängen die da rum, und so weiter. Die vier Pferdeköpfe kann man als Referenz an die vier Reiter der Apokalypse deuten. Ich hatte Wes erklärt, dass es auf dem Album wieder um die typischen KREATOR-Themen geht. 2011 wurde Osama Bin-Laden gefunden, umgebracht und seine Leiche im Meer versenkt, wobei es in der muslimischen Kultur keine Seebestattung gibt. Nun tauchten da schnell Spekulationen auf, ob Bin-Laden wirklich gefasst wurde, ob er wirklich tot ist – er ist quasi der „Phantom Antichrist“. Wes hatte allerdings nur den Titel bekommen, nicht den Songtext, und das Cover ist das, was er aus dem Thema gemacht hat. Das hat nicht unbedingt eine tiefsinnige Bedeutung, aber das Motiv passt gut zu uns, und Motiv und Titel passen, und so bin ich total zufrieden damit. Es muss einfach knallen.Ist das eine wichtige Funktion bei einem Metal-Cover?Das ist wie bei einem Filmplakat früher: Das muss einen ansprechen, man muss Lust bekommen, den Film sehen zu wollen. Ob die Erwartungen vom Film erfüllt werden, ist dann eine ganz andere Sache. Letztlich ist das dann nicht anders als meine Erfahrung im Umgang mit Cover-Künstlern: Man kann zwar Vorgaben machen, aber man weiß trotzdem nie genau, was man bekommt. Ich habe schon mit Musikern gesprochen, die machen da selbst Skizzen und ganz exakte Vorgaben, aber das kann ich nicht. Ich kann nur pauschal sagen, wie diesmal: Mach was, damit man sich bedroht fühlt, Angst bekommt.Du scheinst mit dem neuen Cover richtig glücklich zu sein.Vielleicht liegt es daran, dass es neu ist. Aber ich stehe eben auf Cover wie die de MISFITS früher. Das ist für mich große Kunst, obwohl es nur Comic-Art ist. Ich kann mich daran aber richtig erfreuen – und wer weiß, vielleicht gefällt mir unser neuestes Cover in fünf Jahren auch nicht mehr.Trifft es dich, wenn jemand in euren Covern Trash und nur die Erfüllung von Metal-Klischees sieht?Überhaupt nicht. Wer so was sagt, mag Metal wohl generell nicht. Man kann niemanden davon überzeugen, das gut zu finden. Ich hätte mir aus persönlichem Interesse auch vorstellen können, mit John Baizley von BARONESS zu arbeiten, der auch die Cover von KYLESA und KVELERTAK gemacht hat. Aber dieser Stil hätte nichts mit KREATOR zu tun, und außerdem hat Baizleys Artworks derzeit eben jeder. Den Stil von unserem Cover hat zwar auch seit 20 Jahren schon jeder – aber nicht in dieser Qualität, haha. Ich mache mir in der Hinsicht keinen Stress, beobachte aber schon genau die Trends in Sachen Cover-Ästhetik, und Künstler wie Frank Kozik oder Derek Hess kommen und gehen auch wieder, wobei Hess’ SEPULTURA-Cover ein gutes Beispiel für ein schönes Cover ist, das aber überhaupt nichts mit der Band zu tun hat. Und deshalb reiht sich „Phantom Antichrist“ schon vom Artwork her in die Reihe großer KREATOR-Platten wie „Pleasure To Kill“ und „Endless Pain“ ein. Natürlich ist KREATOR eine Band, die auch politische und sozialkritische Themen hat, aber wenn man dann abends auf einer Bühne steht, ist es in erster Linie Unterhaltung. Dazu gehört eine entsprechende Optik, deshalb gibt es bei uns Bühnen-Backdrops mit dem Covermotiv, und ich mag es nicht, wenn so was trivialisiert wird, wenn da von Klischees geredet wird von Menschen, die das nicht verstehen wollen. Klischees gibt es schließlich überall, bei Punk, bei Hardcore, bei Indierock. Wir müssen uns dennoch damit abfinden, dass wir, egal wie viel Herzblut wir in eine Sache stecken, damit immer auch Klischees bedienen. Daran muss nichts schlecht sein, es muss alles nur gut gemacht sein, und dann habe ich auch kein Problem damit, das auch meinem Alter noch zu machen. Man macht das alles doch nur, weil man davon überzeugt ist.
 

Reviews

KREATOR

© Ox Fanzine #110 / Jens Kirsch

Dying Alive

Es besteht inzwischen absolut kein Zweifel mehr daran, dass KREATOR die unangefochtene Nummer eins im deutschen Thrash Metal-Sektor sind. Die Band um den charismatischen Frontmann Mille Petrozza liefert seit Jahren konsequent beeindruckend gute bis herausragende Alben ab und ist auch auf dem Live-Sektor unschlagbar.Einen Beweis für Letzteres liefert die Band nun mit der DVD „Dying Alive“, die am 22. Dezember 2012 im Rahmen der „Phantom Antichrist“-Tour in der Oberhausener Turbinenhalle aufgezeichnet wurde.24 Kameras fanden Verwendung, um dieses Spektakel gebührend einzufangen mit dem Ergebnis, dass diese DVD ein absolutes Highlight darstellt. In bestechend scharfer Bild- und Tonqualität kann man sich an der Show der Essener und insbesondere an Milles bekannten und von vielen mit einem Schmunzeln begleiteten markigen Ansagen erfreuen.Grandios vor allem der Einstieg in den Set mit den beiden Vorhängen, die nacheinander begleitet von beeindruckenden Pyros zu Fall gebracht werden. Dass diese Show und die diversen Hits, die die Band inzwischen in petto hat, das Publikum völlig durchdrehen lassen, ist dabei logische Konsequenz.Fast schon schade, dass ich nicht selbst dabei gewesen bin. Zumal sich die Location auch noch in relativer Nähe zu meinen heimischen vier Wänden befindet. Abgerundet wird die DVD jedenfalls noch mit drei Videoclips, sowie einer sehenswerten, wenngleich kurzen Backstage-Dokumentation.Den jeweiligen Kaufversionen ( sowohl DVD als auch BluRay, beide übrigens unter 30 Euro erhältlich) liegt das Konzert übrigens noch in Form von zwei Live-CDs bei. Definitiv eine lohnenswerte Investition.(9)

 

KREATOR

© Ox Fanzine #69 / André Bohnensack

Enemy Of God - Revisited CD+DVD

KREATORs Anfang 2005 erschienenes Album "Enemy Of God" gibt es jetzt für alle klugen Spät- oder angeschmierten Frühkäufer in aufgemotzter Form (neu) zu erwerben. Das Album selbst wurde um Livemitschnitte zweier Songs ergänzt, der richtige Bonuskram in Form des gefilmten kompletten WOA 2005-Auftritts, Videoclips zum Album und den "Enemy Of God"-Songs im 5.1-Mix (inklusive wackelnder Standbilder und eingeblendeter Lyrics) findet sich auf der DVD. Da ich weder auf Konzerterlebnisse vom Sofa aus stehe, mir Videoclips prinzipiell am Arsch vorbeigehen und ich eher gereizt auf solche Art von Neuveröffentlichungen reagiere ist " ... Revisited" für mich völlig überflüssig. Aber das kann man durchaus anders sehen. Für mehr zu "Enemy Of God" bitte Ox #58 rauskramen oder unsere Website bemühen.

 

KREATOR

© Ox Fanzine #58 / André Bohnensack

Enemy Of God CD

KREATORs Selbstfindungsphase scheint endgültig vorbei zu sein. Zwar war auch schon "Violent Revolution" von 2001 nach langer Zeit wieder eine beinahe lupenreine Thrash Metal-Platte, aber bei den ganzen Experimenten, die die Band seit Anfang der Neunziger immer mal wieder gewagt haben, blieb doch irgendwie die Befürchtung, dass sich KREATOR auf ihrem neuesten Album abermals an Sounds versuchen, die nicht wirklich zu ihnen passen. Erfreulicherweise finden sich aber auch auf "Enemy Of God" keine unnötigen Spielereien, keine nett gemeinten, aber überflüssigen Liebäugelein mit Gothic-, Industrial- oder Hardcoresounds. Stattdessen haben KREATOR zwölf sehr gute Thrash Metal-Songs aufgenommen, die an die meiner Meinung nach stärkste Zeit der Band - also die beiden genialen Alben "Extreme Aggression" und "Coma Of Souls" - anschließen können, aber dennoch modern genug klingen, um "Enemy Of God" nicht zu einem Anachronismus verkommen zu lassen. Von klassischem Geknüppel über treibende Midtempo-Songs bis hin zu eher ruhigen Tönen reicht das intelligente Songwriting, das brutale Riffing schließt melodische Gitarrenleads nicht aus und Sänger Milles charismatisches Gekeife hat sich seit den Anfangstagen nicht groß verändert. Wobei der Mann mittlerweile aber auch in etwas normalerer Stimmlage überzeugen kann. Verpackt in eine druckvolle Produktion ist "Enemy Of God" zwar kein Meilenstein in der Geschichte des Thrash Metals, aber eine gute und solide Platte. (7)

 

KREATOR

© Ox Fanzine #82 / André Bohnensack

Hordes Of Chaos

In Zeiten, in denen jeder Mallcore-Kasper seine sterile, seelenlose, kaputt komprimierte, überproduzierte Scheiße erfolgreich verkaufen kann, muss man es wohl als mutig ansehen, mit einem so organischen und dynamischen Sound anzukommen, wie ihn der bisher nicht im Metal agierende Produzent Moses Schneider dem zwölften KREATOR-Album verpasst hat.Traurig eigentlich, eventuell aber ein Signal an andere Bands und Produzenten, sich vom vermeintlich „fetten", dabei aber bloß lächerlich lauen Digital-Wahnsinn zu verabschieden, denn so sauber und differenziert, druckvoll und brutal wie „Hordes Of Chaos" hat in den letzten Jahren kaum eine Metal-Platte geklungen, auch KREATORs letzte Alben selbst nicht.Den Essenern scheint die „neue" Arbeitsweise dann auch direkt einen weiteren Schub in Sachen Kreativität und musikalischer Energie beschert zu haben. Die leider meist erfolglose Selbstfindungsphase der Neunziger konnte man ja schon mit den beiden direkten Vorgängern „Violent Revolution" von 2001 und „Enemy Of God" von 2005 als erledigt ansehen, mit denen KREATOR mit wieder gefestigtem Line-up als Thrash-Metal-Band auferstanden, die sich auf ihre Stärken besann, ohne dabei anachronistisch zu wirken.Ein so energetisches und frisches Album wie „Hordes Of Chaos" hätte ich ihnen aber nicht (mehr) zugetraut: durchweg fantastische und brillant arrangierte Songs auf einem unheimlich hohen Energielevel, wunderbare Gesangs- und Gitarrenmelodien inmitten von Wut- und Hassausbrüchen.Und was ist eigentlich mit Sänger Mille Petrozza passiert? Wurde der in einen Jungbrunnen geworfen? So aggressiv und angepisst hat man ihn sogar vielleicht noch nie gehört. „Hordes Of Chaos" wird einst als ein Höhepunkt im Schaffen KREATORs gesehen werden, darauf verwette ich mein abgewracktes 92er-Tourshirt.

 

KREATOR

© Ox Fanzine #52 / André Bohnensack

Live Kreation DoCD

Zweimal Ruhrpott-Thrash live auffer Bühne. Die Essener KREATOR haben in den letzten knapp zwanzig Jahren ja so einige Alben raus gehauen, ein Livealbum war aber bisher nicht dabei. Das hat sich nun mit "Live Kreation", aufgenommen irgendwo auf der Welt, den Ansagen und Publikumsreaktionen nach irgendwo im fernen Ausland, wo die Leute noch nicht so übersättigt sind, geändert. Enthalten sind 24 Songs, die alle Stationen ihrer Karriere abdecken. Eine Karriere, die ich nach der furchtbaren Selbstfindungsplatte "Renewal" zwar nicht mehr verfolgt habe, die mir unbekannten Songs harmonieren aber ganz gut mit den Klassikern, womit ich vor allem die Songs der großartigen "Extreme Aggressions" meine. Mit SODOM aus Gelsenkirchen konnte ich dagegen nie viel anfangen. Zwar haben auch sie ein paar nette Songs gemacht, im direkten Vergleich zu KREATOR waren mir SODOM immer ein wenig zu sehr "original", sprich zu prollig. "One Night In Bangkok" ist bereits SODOMs drittes Livealbum, aufgenommen in Bangkok und auch hier wird die gesamte Karriere in 23 Songs abgedeckt. Der Sound ist bei SODOM genau wie bei KREATOR natürlich top, ein ordentlicher Metaller liefert nämlich keinen Schrott ab, selbst wenn er auf Montage im Ausland ist, hier wird noch gehämmert, wie es sich gehört. "Live Kreation" und "One Night In Bangkok" sollten, sofern man Liveplatten nicht generell abgeneigt ist, den einen oder anderen Schnauzbart zum Vibrieren bringen.

 

KREATOR

© Ox Fanzine #102 / André Bohnensack

Phantom Antichrist

2009 konnten KREATOR mit „Hordes Of Chaos“ auch außerhalb der Metal-Szene (und -Presse) Aufsehen erregen. Ob wegen der Wahl von Moses Schneider als Produzenten, der nach wie vor mit Metal eigentlich nichts am Hut hat, oder wegen der Nebentätigkeit von Bandchef Mille Petrozza als so eine Art Ruhrpott-Kulturattaché oder auch bloß, weil KREATOR damit ihre wahrscheinlich beste Platte überhaupt gemacht hatten, die zumindest bei mir einen extremen Langzeittest überstanden hat und immer noch gehört wird.Diese Aufbruchstimmung scheint bei den Essenern anzuhalten: neues Label (Nuclear Blast), wieder ein neuer Produzent (der Schwede Jens Bogren) und abermals ein wenig Feintuning bis Neujustierung in der Musik.Natürlich heißt das bei KREATOR immer noch Thrash Metal (mit den sich seit einem Jahrzehnt eingeschlichenen dezenten Melodic-Death-Metal-Anteilen) und natürlich ist ihr 13. Album „Phantom Antichrist“ unterm Strich knüppelhart, aber so eine vordergründige Melodik, die teils richtig episch wirkt, scheint mir doch neu zu sein.Die pure Durchschlagskraft und diese mitreißende Energie von „Hordes Of Chaos“ wird hier also nicht wiederholt; „Phantom Antichrist“ ist viel heterogener, noch musikalischer (das Gitarrenspiel von Mille und Sami Yli-Sirniö ist wieder der Wahnsinn!) und mit mehr Raum für Finessen, dadurch aber eben auch gebremster und nicht auf Anhieb umhauend.Die Platte braucht Zeit, um zu wirken, gerade weil ganz offensichtliche „Hits“ fehlen, hat eine eingehendere Aufmerksamkeit aber definitiv verdient. Gerne auch wieder abseits der üblichen Zielgruppe.

 

KREATOR

© Ox Fanzine #108 / Joachim Hiller

Phantom Antichrist

„Phantom Antichrist“ kennt man natürlich vom aktuellen KREATOR-Album, der wahre Schatz versteckt sich auf der B-Seite: eine extrem gelungene Coverversion des IRON MAIDEN-Überhits „The number of the beast“, die anderweitig nur auf einer Magazinbeileger-CD zu hören war.Clear vinyl.