FLOGGING MOLLYTourdaten, Infos, Interviews, Reviews

Nächster Termin:

21.06.2016
80%
Bewertung:
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Auftritte von FLOGGING MOLLY „sind feucht-fröhliche Gute-Laune-Veranstaltungen, bei denen irische Trinkfreude und Punkrock-Ungestümheit Hand in Hand gehen.“. Im Juni 2016 gibt es genau diese Art von Veranstaltung in Erfurt und Rostock. Eine der besten Live-Bands und gleichzeitig die wohl erfolgreichste Band ihres Genres – bereits seit ihrer Gründung 1997 im legendären Pub Molly Malone's in L.A. zählen FLOGGING MOLLY zu den Bands, die man einfach schon einmal live gesehen haben muss. Die Band um Sänger Dave King verwandelt mit ihrer unvergleichlichen Mischung aus Punk und keltischen Elementen jede Konzerthalle in einen riesigen Pub. Energie, gute Laune und jede Menge Pogo sind dabei garantiert, sodass ein FLOGGING MOLLY-Konzert mit Sicherheit zu einem Abend wird, den man nicht so schnell vergessen wird.

Genre

Folk, Punkrock/Hardcore

Shows

96 Shows in 53 Städten / 6 Ländern

Zeitraum

11.06.2005 - 05.07.2016

Letzte Show

26.07.2015 - DE-Köln, Live Music Hall

Nächste Show

21.06.2016 - DE-Erfurt, Stadtgarten

Booking

Tourdaten

Archiv
Jun.
21
2016
Dienstag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Jun.
24
2016
Freitag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Jun.
25
2016
Samstag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Jun.
26
2016
Sonntag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Jul.
2
2016
Samstag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 
Jul.
5
2016
Dienstag
Konzert - Punkrock/Hardcore
Tickets Tickets Tickets
 

Tonträger bei finestvinyl

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FLOGGING MOLLY - DRUNKEN LULLABIES | LP

Das Album, mit dem FLOGGING MOLLY bewiesen, das sie mehr als nur eine Eintagsfliege sind.
 
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FLOGGING MOLLY - DRUNKEN LULLABIES (LIMITED COLORED | LPD

 
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FLOGGING MOLLY - FLOAT | LP

Gatefold Sleeve! Was macht eine Band wahrlich aussergewöhnlich? Einfühlsame Lyrics? Unvergessliche Melodien? Bombastische Liveshows? Unterm Strich ist es all das - kombiniert mit grenzenlosem Enthusiasmus, ansteckender Energie und oberster Hingabe an die Fans. Mit dieser seltenen Mischung kann eine Band über den Status ,Gut" hinauswachsen, sogar den heiligen Gral der Musikindustrie, ,vermarktbar" hinter sich lassen und eine erhabene Stellung erreichen. Mit Bezug auf die Nöte und Freuden ihrer eigenen Leben und einem musikalischen Background von alter keltischer Folk-Musik bis hin zu modernem Punkrock machen die sieben Mitglieder von Flogging Molly genau das - und zwar mit einem Charme und einer Leichtigkeit, die sie zu einer der zugänglichsten zeitgenössischen Bands machen. Das in Irland, der Heimat von Sänger Dave King, aufgenommene ,Float" ist ein weiterer Schritt in der steten Entwicklung der Band. Erwachsener und dennoch mit der Direktheit, die all ihre Werke auszeichnet, mag "Float" durchaus die größte Massenwirkung von allen Flogging Molly-Alben hervorrufen. Die energiegeladenen Songs ,Paddy's Lament" und ,You Won't Make A Fool Out Of Me" machen (genau wie es der Hörer im Lauf der Zeit erwartet) Platz für nüchtere, nachdenkliche Tracks wie ,Float". Im Gesamteffekt ergibt das symphonische Soundschichten: von rustikal-heftig bis leidvoll-melancholisch und wieder zurück. Eingeschworene Fans und Neulinge werden gleichermaßen erstaunt sein. Flogging Molly sind nicht nur eine Band, sie sind eine verschworene Familie mit sieben Mitgliedern. Sie widmen sich ihrer Familie ebenso hingebungsvoll wie ihrer Musik. Kein Wunder, dass die Legion der loyalen Flogging Molly-Fans täglich wächst. "Float" ist der Nachfolger zum weltweit erfolgreichen "Within A Mile Of Home", das den Sprung von 0 auf 20 der amerikanischen Billboard-Charts schaffte. Mit mehr als 1,2 Millionen weltweit verkauften Alben und ausverkauften Touren (hierzulande zwischen 1500-3000 Besucher pro Konzert!) sind Flogging Molly eine der erfolgreichsten Bands ihres Genres.
 
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FLOGGING MOLLY - KILBURN HIGH ROAD | PRESENT STATE O | 7"

Mit einer exklusiven Live-Single melden sich Flogging Molly zurück - ihrem weltweit ersten und einzigen Platten-Release im Jahre 2013: Die auf 500 Stück streng limitierte 2-Track Single auf grünem Vinyl erscheint exklusiv auf Uncle M. Ein Blick zurück: 5 reguläre Studio-Alben (allesamt auf Indie-Labels) und dutzende Singles und Live-Releases manifestieren seit 1997 ihren Status als weltweit einzigartiges Phänomen: Auf einem Gerüst aus teils lebensfrohen, teils traurig-nachdenklichen Songs, aus mitreißendem Punk und traditionellem Folk gelingt es Frontmann Dave King immer wieder, Lebensweisheiten für ganze Generationen zu schreiben, die insbesondere auf dem letzten Studioalbum "Speed Of Darkness" auch bitterböse Kritik an Wirtschaft und dem Zustand der amerikanischen Gesellschaft üben. Mehrere Millionen verkaufte Alben und weltumspannende Tourneen mit Headliner-Auftritten vor hunderttausenden Menschen pro Jahr zeigen: Flogging Molly haben sich ihren Status als eine der einflußreichsten Underground-Stimmen der Welt hart (und selbst!) erarbeitet. Die nun veröffentlichte Live-7Inch "The Kilburn High Road / Present State Of Grace" wirft den Blick auf zwei der wichtigsten Songs der Bandgeschichte, die live häufig zu Unrecht im Schatten von Gassenhauern wie "Drunken Lullabies" stehen. Aufgenommen auf zwei Konzerten der von Flogging Molly selbst veranstalteten "Green 17 Tour" 2013 in New York und Maryland sind die Live-Versionen von "The Kilburn High Road" und "This Present State Of Grace" Zeugnisse des unfassbaren Reichtums des Sounds der Irish Punks.
 
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FLOGGING MOLLY - SPEED OF DARKNESS | LP

"Speed Of Darkness" ist der Titel des bisher reifsten und überraschendsten Albums der amerikanischen Folk/Rock-Band Flogging Molly. Aus dem ehemaligen Insidertipp einer verschworenen Irish- Punkrock-Community ist eine der gefragtesten Rockbands unser Zeit geworden: Über 2 Millionen Alben hat die siebenköpfige Band bis heute weltweit verkauft, war auf den Hauptbühnen größter internationaler Festivals wie Rock Am Ring, Coachella, Hurricane und Leeds/Reading zu sehen und füllt mittlerweile auch hier problemlos Hallen jenseits der 5000er Marke. Zudem konnte sich 2008 das Vorgänger-Album "Float" ohne große Presse-Begleitung auf Platz 4 der US-Billboardcharts und auf Platz 41 der deutschen Album-Charts platzieren. Das neueste (bereits 5.) Studioalbum "Speed Of Darkness" wurde über mehrere Monate hinweg in Motorcity Detroit, dem Epizentrum des wirtschaftlichen Zerfalls, geschrieben und mit Erfolgsproduzent Ryan Hewitt (Red Hot Chilli Peppers) an den Reglern aufgenommen. Die Industriestadt, längst zu einem Symbol der Krise, der Gier und der Ignoranz geworden, diente der Band als Inspiration für ihre Kritik an wirtschaftlichen undd sozialen Mißständen dies- und jenseits des Atlantiks. Trotzdem strotzen die Songs nur so vor Zuversicht und Optimismus. "Speed Of Darkness" ist kein hoffnungsloser Abgesang auf die westliche Zivilisation, sondern beschwört den Zusammenhalt und motiviert den Hörer weiterzumachen und durchzuhalten.
 
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FLOGGING MOLLY - SWAGGER | LP

Das erste Album der Kultband mit den Klassikern "Salty Dog", "Devil's Dance Floor" und "Black Friday Rule" auf schwarzem 180gr. Vinyl.
 
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FLOGGING MOLLY - SWAGGER (LIMITED COLORED EDITION) | LPD

Side One Dummy Records wird 2015 20 Jahre alt und veröffentlicht anlässlich des Label-Jubiläums diese limitierte Auflage des Klassikers von Flogging Molly im Klappcover auf rotem Vinyl.
 
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FLOGGING MOLLY - WITHIN A MILE OF HOME | LP

Das dritte Album der von Fans und Kritikern gleichermassen geliebten Band mit Hits der Güteklasse "Seven Deadly Sins", "Factory Girls" oder dem Titeltrack. schwarzes 180gr Vinyl im Klappcover.
 
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FLOGGING MOLLY - WITHIN A MILE OF HOME (LIMITED COLO | LPD

Zum 20. Labeljubiläum von SideOneDummy Records, limitiert auf 1000 Stück auf transparent-rotem Vinyl mit Downloadcode. Ursprünglich am 14. September 2001 erschienen, kletterte ,Within A Mile Of Home" seinerzeit auf Platz 1 der Indie Music Charts und eroberte Platz 20 der U.S. Billboard Top 200 für sich. Produziert von Ted Hutt (DROPKICK MURPHYS, THE GASLIGHT ANTHEM, OLD CROW MEDICINE SHOW). Mit dabei: LUCINDA WILLIAMS. Das Album wurde JOE STRUMMER und JOHNNY CASH gewidmet.
 

Interviews

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FLOGGING MOLLY - Zurück in die Heimat

FLOGGING MOLLY sind seit geraumer Zeit schon ein Phänomen: Die Konzerte der 1997 im Molly Malones-Pub in Los Angeles gegründeten Band um Sänger und Songwriter Dave King sind feucht-fröhliche Gute-Laune-Veranstaltungen, bei denen irische Trinkfreude und Punkrock-Ungestümheit Hand in Hand gehen, überlegte Texte aber nicht zu kurz kommen. Im Gegensatz zu manch anderem Vertreter dieses Genres, dessen irische Wurzeln zwei, drei oder mehrere Generationen zurückliegen, ist das im Falle von Dave anders: Er wurde 1961 in Dublin geboren, spielte mit dem Ex-MOTÖRHEAD-Mann Fast Eddie Clarke bei FASTWAY, wanderte Ende der 80er in die USA aus, fand erst dort nach Jahren wieder zu seinen kulturellen Wurzeln und gründete daraufhin die wohl derzeit erfolgreichste Folkpunk-Formation. Mit "Float" veröffentlicht die siebenköpfige Band Anfang März ihr viertes Album, auf dem die Band erneut auf den Spuren von DUBLINERS und POGUES wandelt. Ich unterhielt mich mit Dave King via Mobiltelefon, als der während des Weihnachtseinkaufs in einer Dubliner Shopping Mall gerade eine kleine Pause einlegte.Dave, lebst du wieder in Irland oder bist du nur zu Besuch da?Nein, ich wohne jetzt wieder hier. Und im Moment kaufe ich die letzten Geschenke.Was hat dich auf die "Grüne Insel" zurückgezogen?Ich habe 18 Jahre in den USA gelebt, und ich hatte einfach das Gefühl, es sei an der Zeit, nach Hause zurückzukehren. Keine Ahnung, was die Zukunft so bringt, aber aktuell halte ich es für die richtige Entscheidung. Auf jeden Fall war es die richtige Entscheidung für das neue Album, denn das haben wir hier in Irland aufgenommen, die restliche Band kam dafür hier rüber. Es war eine viel direktere Herangehensweise, und es ist ein viel positiveres Album geworden, finde ich. Ich habe die Platte in den letzten Tagen die ganze Zeit im Auto gehört, nachdem wir sie gemastert haben, und ich bin sehr zufrieden damit.Inwiefern spielt es eine Rolle, ob du ein Exil-Ire in Los Angeles bist, der ein Album macht, oder ein Ex-Exil-Ire in Dublin? Beeinflusst der Aufenthaltsort die Musik?Zuerst einmal spielt es eine Rolle, dass ich nicht mit Präsident Bushs Ansichten zum Irak und dem Krieg dort übereinstimme. Da ich nicht die US-Staatsbürgerschaft habe, kann ich in den USA nicht wählen - und da blieb mir nur die Abstimmung mit den Füßen. Das Dumme ist nur, dass ich immer noch Steuern zahle in den USA und damit den Krieg finanzieren helfe. Ich hielt es aber für wichtig, nach Irland heimzukehren - in ein Land, das so friedlich ist wie seit langem nicht mehr, das ein ganz anderes Land ist als das, das ich vor vielen Jahren verlassen hatte. Versteh mich nicht falsch, ich bin gerne in den USA, ich liebe die Menschen dort, Bridget und ich sind oft da. Aber ich stimme eben nicht mit der Bush-Regierung überein, und da ist es für mich ein Statement, auch mal eine Weile hier in Irland zu leben.In den letzten Jahren hat sich die Republik Irland vom Armenhaus Europas zu einer Boom-Region entwickelt.Ja, der Unterschied zwischen 1989, als ich in die USA ging, und heute ist unglaublich. Das ist sehr schön, und es herrscht in Irland eine sehr positive Atmosphäre. Das Wichtigste ist der Frieden, der heute herrscht, und dazu kommt der wirtschaftliche Boom, der viele Menschen aus anderen Ländern nach Irland gebracht hat. Es ist ein gutes Gefühl, heute in Dublin durch die Straßen zu laufen und Menschen von überall her zu sehen. Allerdings ist Irland heute auch eines der teuersten Länder Europas.Und wo lebst du?Nicht in Dublin, sondern draußen auf dem Land. Es ist einfach schön, wenn du nach acht Monaten Tour in so eine wundervolle Umgebung zurückkehren kannst, wo um dich herum nur Wiesen, Schafe und Kühe sind.Früher war Irland aber ein armes Land, in dem die katholische Kirche mit überkommenen Moralvorstellungen das Leben der Menschen diktierte und der Konflikt mit den Protestanten im Norden das politische Klima bestimmte.Ja, aber es hat sich viel geändert, so ist Irland eines der wenigen Länder, die in Folge zwei Präsidentinnen hatten. Es ist heute ein viel liberaleres Land, und es ist wohl der Tatsache geschuldet, dass wir so eine streng religiöse Vergangenheit haben, dass wir in den letzten Jahren so ein "Erweckungserlebnis" hatten. Ja, ich glaube wirklich, dass Irland heute ein sehr liberales Land ist. Als ich damals aufwuchs, hatte ich das Gefühl, die Kirche schwebt wie eine dunkle Wolke über mir, haha. Und so ganz ist das Gefühl bis heute nicht verschwunden, dieses unbestimmte Schuldgefühl. Verglichen mit damals, als viele Leute arm waren, ist es auch ein gutes Gefühl, jetzt in einem Shoppingcenter sitzen zu können und all die Menschen mit ihren gefüllten Einkaufstaschen zu sehen.Wie schätzt du die Perspektiven im Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland ein?Ich habe kürzlich ein Foto gesehen, auf dem der irische Premierminister Bertie Ahern und der nordirische Protestantenführer Ian Paisley zusammen ein Foto anschauen, auf dem sie beide lachen - und beide lachen darüber. Das zeigt mir, dass wir schon sehr weit gekommen sind, dass wir schon viel von dem überwunden haben, was uns trennt, gerade auch die Religion betreffend. Und dass wir hoffentlich gelernt haben, wie sinnlos es ist, sich darüber zu streiten. Ich hoffe, dass Irland jetzt ein großer Schmelztiegel von Menschen aus aller Welt wird. Und ja, ich glaube fest daran, dass der Friedensvertrag in Nordirland Bestand haben wird.Wie bist du aufgewachsen - mit Hass auf die Briten und Protestanten?Als ich noch jung war, war die IRA allgegenwärtig, und unsere Lebensbedingungen waren eine Brutstätte für IRA-Sympathisanten. Ich selbst hatte aber schon früh das Gefühl, es müsse eine andere Lösung geben als Gewalt. Ich verspürte nie wirklich Hass auf die Engländer, man machte eher seine Witze darüber, indem man die Briten für wirklich alles verantwortlich machte - und meine besten Freunde waren Engländer.Und das Verhältnis zwischen Musikern und Musikfans aus beiden Lagern, wie war das?Religion spielte in diesen Kreisen überhaupt keine Rolle! Ich spielte mit Leuten aus Nordirland in Bands und wusste nicht mal, ob sie Katholiken oder Protestanten waren, und es war mir auch egal. Das ist das Großartige an Musik, sie brachte Leute aus allen Lagern zusammen, und deshalb war und ist Musik so wichtig in Irland, denn sie reißt alle Grenzen zwischen den Menschen nieder. Mit FLOGGING MOLLY haben wir auch mal in Belfast gespielt, und es war eines unserer besten Konzerte. Und im Juni werden wir wieder dort spielen.Wie kamst du nach vielen Jahren klassischer Rockmusik zu irischer Foklore?Ich kann da nur für mich selbst sprechen und nicht für Bands wie die DROPKICK MURPHYS. Als ich damals Bridget Regan traf und wir anfingen, zusammen Musik zu machen, dämmerte es mir so ganz allmählich, dass man vielleicht traditionelle Musik mit meiner Musik, der Rockmusik, verbinden könnte. Und da ich weit weg von Zuhause war, war das für mich eine Möglichkeit, eine Verbindung nach Hause herzustellen. Damals hatte ich Probleme mit meiner Aufenthaltserlaubnis und konnte die USA deshalb nicht verlassen. Und so benutzte ich irische Musik, irische Instrumente dazu, auf diesem Wege nach Hause zurückzukehren. Das Ergebnis war und ist die Mischung irischer Musik mit harten und aggressiven Elementen, Musik, die dir sofort ins Gesicht springt.Nun bist du aber tatsächlich Ire, während viele andere US-Bands, die irisch anmutenden Folkpunk spielen, höchstens irische Vorfahren haben.Meine Vermutung dazu, weshalb Menschen, die eine oder mehrere Generation von ihren kulturellen Wurzeln entfernt sind, diese später wieder aufgreifen, ist die, dass diese Herkunft romantisch verklärt wird. Dagegen ist nichts einzuwenden, und ich habe ja am eigenen Leib erfahren, wie sich das Verhältnis zu dem Land positiv verändert, wenn man viele Jahre nicht mehr dort lebt - und das schlägt sich auch in den Texten nieder, die jetzt, da ich wieder in Irland lebe, viel direkter sind. Die sind heute nicht mehr so verträumt wie früher, glaube ich, und das trifft auch auf die Musik zu. Und ja, es spielt eine Rolle, wo du bist, wenn du ein Album schreibst, das Album reflektiert deine Umgebung, und genau das ist bei unserem neuen Album geschehen.Aber warum ist es so, dass gerade die irische Folkmusik sich so gut mit Punkrock kombinieren lässt? Deutsche Volksmusik, traditionelle italienische Musik, alte französische Musik beispielsweise werden meines Wissens überhaupt nicht mit Punkrock kombiniert.Ganz einfach: Irische Musik war früher die Musik, mit der wir sagen konnten, was wir wollten, als sonst keiner hören wollte, was wir zu sagen hatten. Wir hatten nur unsere Musik. Das, was du als "traditionelle Musik" bezeichnest, und Punkrock sind für mich ein und dasselbe. Da gibt es keinerlei Unterschied! Und das hat auch viel mit Unterdrückung zu tun. Denn der Inhalt der Texte drehte sich fast immer um dieses Thema, wobei trotz des düsteren Hintergrundes immer etwas Hoffnung durchschimmerte. Und so waren die DUBLINERS für mich immer auch Punkrock - genau wie Johnny Cash! Es sind die Worte, die Art, wie du sie sagst und singst, es ist die Einstellung, die dahintersteht - darauf kommt es, das macht für mich Punkrock aus.Wer kauft FLOGGING MOLLY-Platten? In den USA verkaufen die sich im Bereich von mehreren hunderttausend Stück, sind das alles Iren zweiter und dritter Generation, sind das alles Punkrocker?Wenn ich mir unser Publikum anschaue, dann sehe ich da Menschen zwischen zehn und siebzig, Menschen mit einem eigenen Geschmack. FLOGGING MOLLY ist keine Band, die einen bestimmten "Markt" anspricht, wir machen einfach nur unsere Musik, die Musik, die wir lieben, und wir haben das Glück, dass diese Musik auch viele andere Leute anzieht. Verkaufszahlen sind das eine, aber das andere ist, dass ich einfach schöne Musik machen will, Musik, die mir gefällt, die besten Lieder, die ich schreiben kann.Wie weit war der Weg, den du gehen musstest, um von Heavy Metal und Hardrock letztlich zu dem Folkpunk von FLOGGING MOLLY zu gelangen?Es war ein weiter Weg, aber als mich die Idee dann traf, so wie einen ein Ziegelstein am Kopf trifft, war es ganz einfach. Ich hatte ja nicht nach einer neuen Idee gesucht, die Idee kam mir ganz unvermittelt, als ich damals Bridget auf der Fiedel spielen hörte. Ab da fiel es mir ganz leicht, neue Lieder zu schreiben, ich hatte ja eine klare Richtung. Davor spielte ich Rockmusik, aber wir lernen alle dazu, und so kam ich eben zu irischer Musik. Nichts passiert ohne Grund, und so stehe ich jetzt hier, mache ganz bewusst die Musik, die ich mache und machen will. Und das ist auch wieder Punkrock, ha.Euer neues Album "Float" entstand erstmals in Irland - was ist anders?Hör dir einen Song wie "Float" an, "Punch drunk grinning soul" oder "The story so far", die sind ganz anders als das, was wir bislang gemacht haben. Die sind musikalisch vielfältiger, als wir es bisher waren.War das eine bewusste Entscheidung?Nein, das hat sich so entwickelt. Die Dinge kommen, wie sie kommen, und man kann nicht immer wieder die gleiche Platte machen. Ich fühle mich einfach gut mit dem neuen Album, aber ich bin natürlich auch sehr nahe dran. Und es klingt ganz anders als alles, was wir vorher gemacht haben, das ist großartig. Ich muss einfach immer wieder was Neues machen, damit es für mich interessant bleibt.Aber im Kern ist doch jeder Song ein FLOGGING MOLLY-Original - und was macht ein solches aus?Wichtig ist, dass alle unsere Songs von allen gemeinsam eingespielt werden, es sind also alle Musiker gleichzeitig im Studio, und das macht die Energie von FLOGGING MOLLY aus. Und daran wird sich auch nie was ändern, davon lebt die Band. Wir haben das Album im Sommer hier in Irland in einem Studio auf dem Land eingespielt, und - von Bridget mal abgesehen, wir beide leben ja hier - war keiner aus der Band zuvor jemals so richtig in Irland. Wir hatten alle viel Spaß, lebten im Studio, standen zusammen auf und fingen gleich an zu spielen, aßen zusammen - und natürlich haben wir auch einiges an Bier getrunken, da war ein richtiger kleiner Pub im Studio. Wir haben sieben 50-Liter-Fässer Guinness geleert in der Zeit ... Wir haben bis vier Uhr morgens gefeiert und sind dann um zwölf Uhr mittags aufgestanden.Das klingt nach einer Menge Spaß! Dave, besten Dank für das Interview.
 
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FLOGGING MOLLY - Grün ist die Hoffnung

Das Ehepaar Dave King und Bridget Regan bildet den Kopf von FLOGGING MOLLY, jener 1997 in Los Angeles gegründeten Band, die zusammen mit DROPKICK MURPHYS maßgeblich für die im vergangen Jahrzehnt massiv gewachsene Beliebtheit der Kombination von Punkrock und irischer Folk Music verantwortlich ist. 1997 erschien als Debüt das Livealbum „Alive Behind the Green Door“, 2000 folgte das Studiodebüt „Swagger“ auf SideOneDummy, jenem Label, das seinen Aufstieg zu einem der wichtigsten US-Indies maßgeblich dem rasanten Erfolg von FLOGGING MOLLY verdankt. 2002 kam „Drunken Lullabies“, 2004 „Within A Mile of Home“, 2008 „Float“, und mit jeder Tour konnte der in Dublin geborene King mit seiner Band mehr Besucher auf den Konzerten begrüßen. Natürlich haben auch FLOGGING MOLLY ihre Vorbilder, doch all den anderen Bands, die sich im Zeichen des vierblättrigen Kleeblatts an einer Modernisierung von Irish Folk versuchen, haben sie voraus, dass sie unverkennbar sind – und einen echten Iren als Kopf haben. Mit „Speed Of Darkness“ ist nun das neue Album erschienen, erstmals nicht auf SideOneDummy, sondern via Borstal Beat Records, dem neu gegründeten bandeigenen Label. Ich traf Dave in einem Kölner Hotel morgens um neun zum Interview.Manchmal glaube ich, dass Albumtitel so was wie Mausefallen für Journalisten sind, um sie neugierig zu machen, was sich dahinter versteckt. Was also hat es mit „Speed Of Darkness“ auf sich?Dahinter steckt eine interessante Geschichte. Vor zehn Jahren gaben Bridget und ich einem kroatischen Journalisten namens Zoran Mišetic ein Interview, allerdings nicht in Kroatien, sondern in Pittsburgh, PA. Wir wurden Freunde, und er hatte in den Neunzigern während der Zeit des Krieges eine Underground-Radiostation. Er hat einen Sohn, Dino, der damals noch recht klein war, zwölf oder so, und von dem fand sich in einem Buch über Sarajevo während des Krieges ein sehr interessantes Zitat. Er sagte: „Man bringt uns bei, was die Lichtgeschwindigkeit ist“ – also „the speed of light“ – „doch was ist die Geschwindigkeit der Dunkelheit?“ Der Krieg kam damals so schnell, Zoran und seine Familie flohen mit wenig mehr als einem Rucksack in die USA, und dieses Zitat hat mich wirklich beeindruckt. Dino, der Sohn, ist heute um die 20, und der hat unser Album-Artwork gemacht. Da kam eins zum anderen, und letztlich war es purer Zufall. Ich hatte dieses Sarajevo-Buch zu Hause, nahm es zufällig wieder in die Hand, finde dieses Zitat, und das haute mich echt um. Das Zitat bezieht sich zwar darauf, wie schnell aus Frieden Krieg werden kann, aber zu der Zeit, als wir mit dem Schreiben des Albums begannen, ereignete sich auch der Finanzcrash, der Irland besonders schwer getroffen hat – und auch der kam ganz unvermittelt. Dazu kommt, dass die Familie meiner Frau Bridget halb irisch, halb kroatisch ist, weshalb wir noch einen stärkeren Bezug zu der Geschichte haben. Unsere Konzerte in Kroatien sind auch immer phänomenal. Im Booklet des Albums finden sich übrigens noch weitere Bilder von Dino, und wir haben auch Bilder von ihm in unserem Haus hängen.Ich finde das Artwork schön, aber auch mutig – in der Hinsicht, dass viele andere Celtic-Punk-Bands sich eher auf Irland-Klischees verlegen, inklusive des Motivs von vierblättrigem Klee.Es stellt für mich den Kampf des Menschen mit sich selbst dar, es steht für den permanenten Kampf, der das Leben ist, und wie schnell man mit einer unerwarteten Situation konfrontiert wird. Um das Album wirklich zu verstehen, muss man es sich aber in ganzer Länge und am Stück anhören. Es beginnt mit „Speed of darkness“, aber es endet mit „Rise up“, und was auch passiert, es gibt immer Hoffnung. Ohne Hoffnung geht es nicht, und auch nicht ohne Humor, weshalb sich viel davon auf dem Album findet, denn so ist das Leben.So gesehen ist das Album sehr irisch: Als Volk hatten die Iren kaum mal was zu lachen, es war und ist immer was, ob nun britische Besetzung, Bürgerkrieg oder Hungersnöte, und dennoch haben sich sie ihre Fähigkeit zum Feiern bewahrt, ist ihre Musik heute weltweit verbreitet und bekannt.Bands wie die DUBLINERS oder THE CLANCY BROTHERS sangen immer schon über aktuelle Ereignisse, die das irische Volk betrafen, und sie taten das mit Humor. Dieser trockene Witz, das ist etwas, was man als Ire einfach in die Wiege gelegt bekommt. Ich wurde geboren in einem ehemaligen Kasernengebäude der britischen Armee in Dublin, mein Vater war da der erste zivile Mieter nach dem Abzug der Engländer in den 1920ern. Die Gebäude standen lange leer, dann wurden sie etwas renoviert, mit Toilette und so, und es zogen Iren aus den ärmeren Bevölkerungsschichten ein. Mir ist da neulich etwas Verrücktes passiert: Ich habe in Google etwas herumgespielt, gab „Beggar’s Bush, Dublin“ ein, finde verschiedenste Infos dazu, und irgendwo steht „the birthplace of Dave King of Flogging Molly“. Das hat mich total geschockt, das war unglaublich, ich hatte echt Tränen in den Augen. Ich bin Jahrgang 1961, und das Leben dort war in den Sechzigern nicht wirklich schön, wir lebten in Armut, alle zusammen in einem Raum, doch am Wochenende gingen meine Eltern immer in den Pub, und wenn der schloss, kamen sie mit Freunden zu uns in die Wohnung, wo als einziger Luxus ein Klavier stand, und sie machten alle zusammen Musik und sangen. Und ich sang mit, das war echt große Klasse.Bis vor kurzem schien Irland den Sprung vom Armenhaus Europas zur erfolgreichen Wirtschaftsnation geschafft zu haben, mit der Weltfinanzkrise und der Eurokrise sieht es jetzt wieder anders aus. Wie erlebt ihr beide die Situation in Irland mit wieder rapide steigenden Arbeitslosenzahlen?Ich habe keine Antworten auf die Probleme, ich bin nur ein Musiker. Als ich Irland Anfang der Achtziger verließ, erst nach London ging für zwei Jahre und dann nach Los Angeles, war Irland noch ein sehr armes Land. Ich hatte damals die Chance, das Land zu verlassen, und ergriff sie. Aus London kam ich wieder nach Irland zurück, für vier Jahre, bevor ich dann nach Los Angeles zog. Ich war in Irland schon aus musikalischen Gründen nicht glücklich, ich musste da einfach weg. Kaum war ich weg, wurde Irland zum „Celtic Tiger“, und ich fand das gut, aber ich selbst bekam das gar nicht mit, denn ich konnte nicht aus den USA ausreisen. Ich hatte wegen einer Gesetzesänderung Probleme mit meiner Aufenthaltsgenehmigung, und wäre ich aus den USA ausgereist, hätten sie mich bei der Rückkehr nicht mehr ins Land gelassen. So konnte ich acht Jahre die USA nicht verlassen, das war in den ersten Jahren von FLOGGING MOLLY und ist der Grund, warum die Band damals in den USA zwar schon erfolgreich war, aber nie in Europa tourte. Wir konnten ja nicht mal nach Kanada fahren! Als ich dann wieder reisen konnte, wollte ich natürlich nach Irland, wo Bridget auch zehn Jahre gelebt hatte. Letztlich fanden wir in Irland ein schönes kleines Haus auf dem Land, in einem Dorf mit sechs-, siebenhundert Einwohnern und leben da jetzt einen Teil des Jahres. Wie es um das Land steht, sieht man schon daran, wie viele Häuser in diesem Dorf zum Verkauf stehen. Ich bin nicht oft in Dublin, aber da gibt es Viertel, die wie eine Geisterstadt sind, wo alle fertigen und halbfertigen Apartmentgebäude leerstehen. Da wohnt keiner, da will keiner wohnen! Bei uns im Dorf fällt die Krise allerdings nicht so auf, da hast du Bauern, Pferdezüchter und so weiter, da muss man Ortsansässiger sein, um die Veränderung zu erkennen. So schloss das kleine Hotel mit Pub im Dorf erst für ein Jahr, und als es der neue Besitzer wieder eröffnete, tat er das nur an drei Tagen die Woche. Der Fish & Chips-Imbiss? Hat geschlossen. Und so weiter.Das klingt deprimierend.Oh ja, und an unserem anderen Wohnsitz in Detroit in den USA ist es nicht besser. Das ist wirklich verheerend. Detroit hat eine große Vergangenheit, nicht nur als Produktionsstandort der Automobilindustrie, sondern auch kulturell, mit dem Motown-Sound, mit Punkrock, mit Techno. In der Gegend, in der wir wohnen, stehen so viele Häuser leer, das ist unglaublich. Auf dem Weg zum Flughafen, mit dem Taxi, fiel mir das erst kürzlich wieder auf – da fährst du an endlosen Reihen verlassener Häuser entlang! Das ist echt irre, und es stimmt mich traurig, den Verfall einer einst so stolzen Stadt zu sehen. Ich finde, wenn in den Häusern niemand mehr wohnt, dann sollten sie die abreißen. Wir kauften unser Haus für sehr wenig Geld, der Keller war mit Wasser vollgelaufen, das Dach teilweise eingestürzt, das mussten wir erst alles herrichten.Du wohnst also nicht nur in Irland in einem „Krisengebiet“, sondern auch in den USA. Was reizt dich daran?Ach, die Gegend, wo wir in Irland wohnen, ist sehr schön – it’s fucked up, but it’s beautiful. Nee, tot bin ich noch lang genug, während ich lebe, will ich etwas sehen und erleben, deshalb. Und das Haus in Detroit haben wir, weil die Familie meiner Frau Bridget da lebt. Detroit ist in der Mitte der USA, das ist günstig, wenn wir dort touren, und unsere häufigen US-Touren sind auch der Grund für diesen zweiten Wohnsitz. Außerdem mag ich den Menschenschlag in Detroit, die Leute da erinnern mich an die Iren, sie sind unverwüstlich. Außerdem ist die Musikszene dort großartig, auch wenn die Stadtflucht dort immer noch anhält. In den Fünfzigern lebten in Detroit 1,8 Millionen, dann zogen immer mehr Menschen in die umliegenden Vorstädte, und heute leben in Detroit selbst noch 700.000 Menschen.Wenn wir schon so ausgiebig über das Thema Wirtschaft reden, leite ich mal elegant auf ein anderes Wirtschaftsthema über: Das Musikgeschäft verändert sich, und wie viele andere Bands auch habt ihr für das neue Album mit Borstal Beat Records euer eigenes Label gegründet, habt euer altes Label SideOneDummy verlassen. Wie kam es dazu?Es war absolut okay bei SideOneDummy, wir sind auch noch befreundet, wir wurden zusammen größer, doch irgendwie hatten wir das Gefühl, wir sollten etwas innehalten, ein paar Dinge überdenken, uns neu erfinden. Und so gründeten wir unser eigenes Label, was uns zudem die Möglichkeit gibt, andere Bands unter Vertrag zu nehmen, auf die wir stoßen und die wir mögen. Es gibt ein paar Bands, die auch schon mit uns auf Tour waren, die wir schätzen, die aber keinen Plattenvertrag haben. Und so werden wir die Infrastruktur, die wir mit FLOGGING MOLLY aufbauen, auch für andere Bands nutzen. Die ganze Band ist in das Label involviert, ebenso unser Manager und verschiedene Leute, mit denen wir über die Jahre zusammengearbeitet haben. Die ganze Aktion hat uns einen neuen Kick gegeben, es ist alles neu und spannend, was gerade passiert, wir brauchten eine neue Herausforderung nach jahrelanger Album-Tour-Album-Tour-Routine. So eine Band ist beispielsweise THE DROWNING MEN aus San Diego, die sind grandios, wir sind Fans von ihnen, und so gehen wir mit ihnen in den USA auf Tour, vielleicht bringen wir sie mit nach Europa, und irgendwer muss endlich eine Platte mit ihnen machen.Du glaubst also immer noch an das Geschäftsmodell Plattenlabel, das viele andere für tot erklären.Oh ja! Wenn wir auf eine Band stoßen, können wir auf die ganz altmodische Weise was für sie tun. Wir fördern sie, wir nehmen sie mit auf Tour, wir bringen ihre Platte raus, sorgen dafür, dass die Platte weltweit vertrieben wird, und sie spielen Konzerte vor Menschen, die sonst nie auf sie aufmerksam geworden wären. Das ist großartig! Es ist ganz klassischer Unternehmergeist, der hinter der Idee des eigenen Labels steckt, und wir geben der Szene auch etwas zurück, denn wir hatten mit unserer Band immer großes Glück. Wir machen das alles, weil wir daran glauben.Wird man Bands auf Borstal Beat erwarten können, die so klingen wie FLOGGING MOLLY?Wer weiß? Ich mag auch gerne Singer/Songwriter, so was kann ich mir auch vorstellen. THE MIGHTY STEF beispielsweise, ein Kerl aus Irland, der auch in Deutschland tourt, der würde zu uns passen, er ist auch ein guter Freund – und er hat großartige Songs.Weil du eben von eurem Erfolg sprachst: Hast du eine Erklärung, weshalb sich irische Folklore weltweit einer solch großen Beliebtheit erfreut. Auf Sizilien beispielsweise gibt es auch Volksmusik, nur interessiert die außerhalb Siziliens keinen.Das Geheimnis der irischen Musik ist, dass man sie in einem Pub spielen kann, und manche Musiker bleiben deshalb ihr ganzes Leben in diesem Pub sitzen. Oder man holt diese Musik aus dem Pub heraus, holt sie ins Hier und Jetzt, und genau das haben wir getan. Als wir einst das erste Mal in den USA auf der Warped Tour spielten, waren wir ganz erschrocken und fragten uns, was wir da eigentlich wollen, auf einem Punk-Festival! Wir dachten vor der ersten Show, das Publikum würde uns von der Bühne jagen. Als wir dann mit unseren Fideln auf die Bühne traten, blickten wir in erstarrte Gesichter. Doch als wir dann loslegten, fingen alle an zu grinsen, und bald ging da wilder Pogo ab. Wir hatten es geschafft, Irish Folk aus dem Schrank zu holen und zu entstauben, diese Musik in eine Form zu bringen, die die Leute verstanden, haben sie vom Ruch der Spaßmusik des in Amerika gern gefeierten St Patrick’s Day befreit. Was übrigens der Grund dafür ist, dass wir damals nicht bei einem Majorlabel unterschrieben haben: Die hielten uns für so eine Spaßband, die kapierten nicht, was wir da machen. Als dann 2000 unser Debüt „Swagger“ erschienen war, kamen die Labels plötzlich an, wollten uns haben, aber da wollten wir nicht mehr. Was nun unser Verhältnis zu Irish Folk-Traditionalisten betrifft, so hassen die uns, die verstehen nicht, dass man diese Musik weiterentwickeln muss. Für die sind wir wohl zu laut, haha. Und außerdem hat Volksmusik immer viele ungeschriebene Regeln, gegen die man nicht verstoßen darf – was wir aber tun. Weißt du, wir können ja durchaus auch ganz traditionellen Irish Folk spielen, aber wir sind eben eine Band, und wir lieben Punkrock, und wenn man sich genauer mit Punk und Folk beschäftigt, stellt man fest, dass es keine großen Unterschiede gibt. Beide Genres verbindet, dass es im Gegensatz zu anderen Genres keine „Mauer“ um die Bands und die Musiker gibt. Und wir verstellen uns nicht. Wenn wir auf der Bühne stehen, haben wir Spaß, auch wenn wir über Themen singen, die nicht lustig sind – aber so ist das Leben, es ist mal lustig, mal traurig, und so feiern wir mit unserer Musik das Leben als solches.Was macht euch überhaupt keinen Spaß?Die Monotonie auf Tour. Die zwei Stunden auf der Bühne sind grandios, aber die Zeit drumherum ist anstrengend. Auf der letzten Tour beispielsweise hatten wir sehr nervigen Ärger mit dem Tourbus. Bridget und ich haben im Nightliner immer das Abteil ganz hinten, über uns ist ein Ventilator, und nachts ist da dieses Geräusch, dass sich als das von tropfendem Wasser erweist. Tropf, tropf, tropf ... das ganze Bett war nass! Wir haben uns prompt erkältet, ich war echt angepisst. Der zweite Bus hatte dann eine Panne, fuhr einfach nicht mehr, und im dritten Bus mussten wir dann feststellen, dass der Boden unseres Abteils von unten her nass ist: Der ganze Teppichboden war nass, das ganze Regenwasser hatte sich da festgesetzt, schon seit Jahren, keine Ahnung, alles voller Schimmelpilze und wer weiß was noch. Solche Sachen sind extrem nervig, und damit musst du dich auseinandersetzen, das nervt. Genau wie das ständige Herumsitzen und Warten.„Revolution“ heißt ein Stück auf dem neuen Album. In Ägypten, Libyen und Tunesien sind die Leute auf die Straße gegangen, um ihre Regierungen, die versagt haben, zu verjagen. Was ist mit Irland?In Irland waren vor ein paar Wochen Wahlen, und ich hatte im Vorfeld durchaus mal das Gefühl, die Leute würden endlich auf die Straße gehen und aktiv werden, aber der Unterschied zwischen Irland und Ägypten oder Tunesien ist der, dass es eine Demokratie ist, die Menschen wählen, wenn sie unzufrieden sind, eine andere Regierung, und jetzt müssen wir sehen, was sich ändert. Auf dem Album gibt es den Song „Oliver boy“, der handelt von Oliver Cromwell, der die Iren hasste und sie am liebsten ausgerottet hätte. ich versuche in dem Text eine Parallele zu ziehen von damals zu heute, versuche zu ergründen, warum wir uns so wenig verändert haben, warum Menschen einerseits so wundervoll und nett und andererseits so miese Arschlöcher sein können. Viel dummes Verhalten und Denken begründet sich meiner Meinung nach in einem beschränkten Horizont, und das beste Mittel dagegen ist zu reisen, was mir zum Glück vergönnt ist. Wer andere Länder sieht, andere Kulturen kennen und zu respektieren lernt, sieht die Welt mit anderen Augen – und diese Erfahrung fehlt engstirnigen Menschen oft, und so denken sie, ihre Art zu leben sei die einzige. Wenn wir bei uns im Dorf in den Pub gehen, sitzen da nur Bauern, die sich über ihre Traktoren und ihre Kühe unterhalten, wir unterhalten uns und merken, wie wenig die sich für unser Leben interessieren. Die haben kein anderes Thema als das, was in ihrer kleinen Welt passiert, und sie sind Neider und Nörgler. Aber mir ist das Leben auf dem Land lieber als das in Dublin, wo es Gangs und Drogen gibt.
 

Reviews

FLOGGING MOLLY

© Ox Fanzine #68 / Ferdinand Praxl

Alive Behind The Green Door CD

Manchmal kommt es vor, dass ein Label seine neueste Veröffentlichung selbst sehr treffend einschätzt. Der glückliche Rezensent muss dann nur noch das euphemistische Label-Kauderwelsch in verständliches Deutsch übersetzen, da ansonsten der eine oder andere Leser, die im Werbetext enthaltenen Informationen, vielleicht etwas zu naiv interpretiert. Probieren wir es anhand dieser Live-Scheibe der derzeit, zu Recht, erfolgreichsten Folk-Punker. O-Ton des Labels: "‚Alive Behind The Green Door' ist FLOGGING MOLLY's allererste Live-Aufnahme." (Also: Klar, niemand kann erwarten, dass sie zu diesem Zeitpunkt - 1997, dem Jahr ihrer Gründung - ansatzweise so gut spielten, wie sie es mittlerweile tun, aber, hey, immerhin ist es irgendwie historisch, oder?) "Ein kleines, rauhes ..." (Folglich: Na ja, nur zehn Songs, aber mehr waren damals eben nicht vorzeigbar und, ähem, also die Soundqualität ...) " ... Sammler-‚Must Have' für die Legionen an FLOGGING MOLLY-Fans da draußen." (Sprich: Na, aber glücklicherweise ist die Band momentan so unglaublich angesagt, dass wir uns an der Platte trotzdem dumm und dämlich verdienen werden, haha.) Wie gesagt: Ich kann mich nur anschließen. (46:23) (4)

 

FLOGGING MOLLY

© Ox Fanzine #48 / Florian Vogel

Drunken Lullabies CD

Celtic Folk trifft Punkrock. Flotte Melodien machen eine gute Party. Die Milchmädchenrechnung ist banal, aber gut. Natürlich gehört nicht viel Geschick dazu, hieraus einen spritzigen Cocktail zum Feiern, Trinken, Mitsingen, Mitschunkeln und überhaupt alle Worte, die am Anfang "Mit-" stehen haben, zu produzieren. Dennoch begeistert das ohne Frage, weil sie unglaublich abwechslungsreich klingen. Viel spannender als dieser Folk-HC der DROPKICK MURPHYS, viel versierter als der Hau-Drauf-Folkpunk der REAL McKENZIES und viel partykompatibler als diese Popfolk-Mogelpackung der LEVELLERS. Das ist schneller als DUBLINERS und erinnert manchmal an die POGUES, wenn sie Punks gewesen wären. Die rauhe, kraftvolle Stimme des Sängers und die Musik nimmt einen einfach gefangen. (45:15) (8/10)

 

FLOGGING MOLLY

© Ox Fanzine #94 / Joachim Hiller

Drunken Lullabies

Als man 2002 mit dem zweiten Album – das Debüt „Swagger“ war 2000 erschienen – in Europa erstmals von FLOGGING MOLLY Notiz nahm, waren sie noch bei Burning Heart Records unter Vertrag, hatten die Schweden die Platte von Side One Dummy lizensiert.Seinerzeit waren sie noch ein Geheimtip, der große Erfolg in den USA wie in Europa stellte sich erst in den späteren Jahren ein, doch „Drunken Lullabies“ leistete die Vorarbeit. S1D hat nun den Klassiker des Neo-Celtic-Punks im Vinylformat neu aufgelegt, zwar leider nicht in kleegrünem Plastik, sondern in schnödem Schwarz, aber dafür im Klappcover.Aufgenommen wurde das Album übrigens seinerzeit von Steve Albini.

 

FLOGGING MOLLY

© Ox Fanzine #76 / Thomas Kerpen

Float

Ich bin beileibe kein großer Freund irgendwelchen Dudelsackpunks, und auch die besoffene Irish-Folk-Fröhlichkeit der POGUES, DUBLINERS und wie sie alle heißen, berührte mich höchstens in den "erwachseneren" Momenten, wie etwa bei "Fairytale of New York", dem tollen Duett der POGUES mit Kirsty MacColl. Ganz schlimm wurde es dann meistens, wenn irgendwelche mittelmäßigen amerikanischen/kalifornischen Punkbands mit Irish-Pub-Mentalität europäisches Gute-Laune-Flair verbreiten wollten. In diesem Kontext hatte ich bisher auch immer FLOGGING MOLLY aus Los Angeles wahrgenommen, deren Bandleader Dave King aber zumindest tatsächlich aus Dublin stammt. Eine Band, die über fünf Platten eine erstaunliche Erfolgsstory aufzuweisen hat, und deren Song "The worst day since yesterday" es sogar in einen Blockbuster wie "Mr. & Mrs. Smith" schaffte, was ja nicht immer gleichbedeutend mit einer überzeugenden künstlerischer Integrität ist. Aber wie bereits im Fall des letzten DROPKICK MURPHYS-Albums scheint es tatsächlich möglich zu sein, in diesem Genre Platten aufzunehmen, die nicht nur zur Beschallung exzessiven Alkoholgenusses taugen, sondern auch bei nüchterner Betrachtung durch emotionalen Input und subtiles Songwriting zu überzeugen wissen. Und das gilt insbesondere für das neue, Anfang März erscheinende FLOGGING MOLLY-Album, das irgendwo zwischen den punkigeren Momenten der DROPKICK MURPHYS und den traditionellen Wurzeln der POGUES zu einem mitreißenden eigenen Sound findet, und Dave King als hervorragenden Songwriter präsentiert, der zu einem unpeinlichen Pathos neigt, der viel mit den früheren Qualitäten eines Mike Scott und seiner WATERBOYS oder Kevin Rowlands DEXYS MIDNIGHT RUNNERS gemein hat. "Float" besitzt dabei einen stilvoll umgesetzten Abwechslungsreichtum, zwischen kitschigen, aber dennoch unpeinlichen Balladen wie "The story so far" und punkigen, straigthen und hymnischen Rockern wie "Requiem for a dying song", wobei man das mit dem "Punk" nicht überbewerten sollte, das ist hier schon eher eine klassische Rockplatte, sehr kurzweilig, aber ganz sicher nicht platt. Und in deren Mittelpunkt steht recht deutlich das hervorragende Fiddlespiel von Bridget Regan, die FLOGGING MOLLY eine sympathische Traurigkeit verleiht, die der durchaus ausgelassenen Feierstimmung von "Float" aber nicht diametral gegenübersteht und die leidenschaftliche Emotionalität der Band sehr schön betont. Nach "The Meanest Of Times" von den DROPKICK MURPHYS ein weiteres "Celtic punk"-Album, das nicht die letzte Runde in meinem Player gedreht hat. (9) (Diese Band war auf der Ox-CD #76 zu hören)

 

FLOGGING MOLLY

© Ox Fanzine #89 / Thomas Kerpen

Live At The Greek Theatre

Normalerweise kann man mich mit Irish-Folk und „Celtic Punk“ ja um den berühmten Block jagen, bis ich tot umfalle, aber bei FLOGGING MOLLY aus Los Angeles – wobei deren Bandleader Dave King ja auf jeden Fall ein waschechter Ire ist – mache ich gern mal eine Ausnahme.Die siebenköpfige Band ist in den letzten zehn Jahren richtig groß geworden, inklusive hoher Chartplatzierungen ihrer Alben, vor allem in den Staaten, und so wurde diese Live-Platte vor über 5.000 Leuten im Greek Theatre in Los Angeles mitgeschnitten.Insgesamt 22 Songs aus der bisherigen Karriere, acht davon vom letzten Album „Float“, was ja nicht untypisch ist, wenn Bands ein neues Album betouren, in ausgewogener Tonqualität, nicht zu perfekt oder steril, so dass man auch noch deutlich merkt, dass das Ganze vor einem real existierenden Publikum stattfindet.Und auch wenn „Float“ deutlicher rockiger ausfiel und der Anteil rasant punkigen Irish-Folks etwas zurückgefahren wurde, kann man FLOGGING MOLLY nicht vorwerfen, irgendwelche Eingeständnisse an den Massengeschmack gemacht zu haben.Das merkt man vor allem live, wo die Band eine mitreißende Party veranstaltet, die elegant die Waage hält zwischen besoffen-ausgelassener Fröhlichkeit und nachdenklicheren Momenten, wenn King etwa Johnny Cash oder seinem verstorbenen Vater Songs widmet.Dumm ist es allerdings, wenn besonders originelle Schreiberlinge FLOGGING MOLLY ausschließlich auf platte Saufmusik reduzieren wollen, denn King ist ein exzellenter Songwriter, der dem Output seiner Band immer wieder sehr emotionale Momente beschert, wo die eine oder andere Träne schon mal das Guinness verwässern kann.Das komplette Konzert gibt es auf zwei CDs und einer DVD (auf der sich unter anderem auch noch alle Band-Videos befinden). Und auch wenn mir in der Regel Live-CDs lieber sind, ziehe ich hier ganz klar die DVD vor (zu mal der Sound auch etwas kraftvoller wirkt), denn King und seine Band zusammen auf der Bühne agieren zu sehen, ist schon kein ganz unwichtiger Faktor, wenn man FLOGGING MOLLY in ihrer Gesamtheit genießen will.Zumal King auch ein perfekter Entertainer ist, der selbst die dröge Vorstellung der Mitmusiker extrem unterhaltsam gestalten kann. Ein wirklich schönes Package im opulent ausgestatteten Digipak (leider mit einigen peinlichen Schreibfehlern) mit einer mitreißenden Live-Show, durch die man wirklich Fan werden könnte, falls man es nicht schon längst ist.

 

FLOGGING MOLLY

© Ox Fanzine #96 / Thomas Kerpen

Speed Of Darkness

Inzwischen sollte eigentlich jedem klar sein, dass die in Los Angeles beheimateten, irischstämmigen FLOGGING MOLLY mehr sind als die übliche „Celtic Punk“-Besäufnis-Kombo, für die sie viele Leute immer noch gerne halten würden.Bereits das letzte Album „Float“ von 2008 hatte recht deutlich gemacht, dass FLOGGING MOLLY und deren kluger Bandleader Dave King gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Mainstream-Akzeptanz und Punk-Wurzeln beziehungsweise ihren tatsächlich recht traditionellen Irish-Folk-Einflüssen wandeln konnten.Insofern wird auch „Speed Of Darkness“ für Puristen des Genres und „Sellout“-Paranoiker mehr ein unangenehmer Sündenfall sein bezüglich der Art und Weise, wie King hier den nach wie vor äußerst charakteristischen Sound der Mollys in Sphären von Rock und Pop katapultiert und sich auch bei Mid-Tempo-Nummern und den unvermeidlichen zu nah am Wasser gebauten Balladen einmal mehr als cleverer, erwachsener Songwriter erweist, bei dem nachdenkliche Botschaften und feuchtfröhlicher Eskapismus Hand in Hand gehen.Im ersten Moment mag einem das Song-Material möglicherweise weniger stark als das von „Float“ erscheinen, aber „Speed Of Darkness“ ist definitiv eine dieser Platten, die mit jedem Hören weiter wächst und zu einem wirklich guten Freund wird.Und eventuell besitzen die Mollys sogar das Potenzial, zu so einer langlebigen Erscheinung zu werden wie etwa NEW MODEL ARMY, aber darüber muss man sich dann in ein paar Jahren noch mal unterhalten.(Diese Band war auf der Ox-CD #96 zu hören)

 

FLOGGING MOLLY

© Ox Fanzine #67 / Ferdinand Praxl

Whiskey On A Sunday DVD/CD

Ganz egal, wie sehr die Songs von FLOGGING MOLLY aus L.A. in Sachen Abwechslungsreichtum und Tiefe hinter denen von Bands wie den POGUES oder ROARING JACK zurückstecken müssen, mindestens live funktionieren ihre eingängigen und im Vergleich zu den genannten Bands wesentlich deftigeren Songs wirklich gut. Dementsprechend ernüchtert war ich, als ich feststellen musste, dass die den Kern der DVD/CD- Kombiveröffentlichung "Whiskey On A Sunday" ausmachende Dokumentation über die Band, mehr mit einem MTV-Starportrait, als mit der Atmosphäre eines FLOGGING MOLLY-Konzerts gemein hat. Statt möglichst viele Live-Auftritte zu zeigen, wird lieber so überdeutlich auf die irische Herkunft von Sänger und Mastermind Dave King gepocht, dass der scheinbar im Raum stehende Vorwurf mangelnder Authentizität erst so wirklich beschworen wird. FLOGGING MOLLY mögen eine interessante Vorgeschichte und faszinierende Bandmitglieder haben, aber reitet man zu lange darauf rum, sieht der Gaul jedes Cowboys, pardon, jedes noch so robuste, irische Pony, bald etwas müde aus. Erst in der Bonus-Sektion gibt es dann doch etwas Live-Material zu sehen, das nicht zu Gunsten von Interviews völlig auseinander gerissen wurde. Die CD hat eher den Charakter von Beiwerk und enthält, neben einem sehr guten, bisher nur als Samplerbeitrag veröffentlichten Song, noch die Live-Songs die man so lieber auf der DVD gehabt hätte und eher langweilige Akustikversionen. Insgesamt krankt die DVD ein wenig an genau dem gleichen Problem wie die Musik der Band generell: Einen Hauch zu pathetisch, etwas zu prätentiös. So eher was für Fans, als für jene, die es noch werden wollen, aber Erstere haben FLOGGING MOLLY ja ohnehin wie Sand am Meer vor Kalifornien, pardon, wie rostiger Stacheldraht in Nordirland. (07/10)

 

FLOGGING MOLLY

© Ox Fanzine #57 / Joachim Hiller

Within A Mile Of Home CD

Keine Ahnung, ob das so stimmt, aber angeblich leben in den USA mehr Menschen, die sich als Iren bezeichnen, als in Irland selbst. Und wer mal den St. Patrick's Day in einer US-Großstadt erlebt hat, kann sich das auch gut vorstellen. So jedenfalls ist es wohl auch zu erklären, wie es FLOGGING MOLLY schon mit ihren beiden ersten Platten (die letzte kam ja in Europa über Burning Heart) schafften, ein paar hunderttausend Alben zu verkaufen, und auch die neue Scheibe läuft in den USA wohl so gut wie Guiness in einem Irish Pub. Die Band um den immerhin in Dublin geborenen und punksozialisierten Frontmann Dave King weicht jedenfalls auch auf ihrem dritten Album kein Stück vom Erfolgsrezept der Vorgänger ab: Härtere, punkigere Songs treffen auf schwermütige, balladeske wie "Whistles in the wind", komplett mit schluchzender Geige und Schunkelrhythmus - da sieht man doch sturzbesoffene, aber glückliche Menschen zu später Stunde sich umarmend und dabei die Musik mitgrölend so richtig vor sich. Nun, es war wohl an der Zeit, dass sich jemand einfach des Erbes der POGUES bemächtigte, und auch wenn so schnell kein Frontmann an die Stimme von Shane McGowan herankommt, so machen FLOGGING MOLLY ihre Sache doch verdammt gut und verstecken etwa bei "Screaming at the Wailing Wall" auch eine klare Bush-kritische Message im Text - vielleicht verschluckt sich ja der eine oder andere "normale" Zuhörer daraufhin an seinem Bier. Nur noch zwei Anmerkungen: Komisch, dass Bands dieser Art in den letzten Jahren ausschließlich aus den USA kommen. Und wer es gerne irisch, aber richtig derb punkig haben will, sollte sich doch eher bei NECK bedienen. (52:07) (07/10)