KMPFSPRTTourdaten, Tickets, Interviews, Tonträger

Nächster Termin:

17.06.2016
100%
Bewertung:
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„Das ist doch kein Name für ne Band“ (2012). Seit der Debüt EP und der Singleauskopplung „Affengeld“ sind KMPFSPRT aus der deutschen Punk-Szene nicht mehr wegzudenken. Die Kölner Band spielte hunderte Live-Auftritte und unzählige Festivalshows. Sie supportete unter anderem Casper und tourte mit ADAM ANGST, JENNIFER ROSTOCK und SAVES THE DAY. 2014 veröffentlichten KMPFSPRT ihr gefeiertes Debütalbum „Jugend mutiert“. Anfang Mai steigen die vier Musiker wieder in den Tourbus und präsentieren die Songs ihres zweiten Albums „Intervention“, das am 29. April auf People Like You Records erscheint. Dann geben KMPFSPRT wieder ihre gewohnt kraftvollen Shows zum Besten, für die sie ihre treue und stetig wachsende Fangemeinde von Anfang an schätzt.

Genre

Indie/Alternative, Punkrock/Hardcore

Shows

118 Shows in 66 Städten / 2 Ländern

Zeitraum

03.01.2012 - 26.11.2016

Letzte Show

15.05.2016 - DE-Bremen, Tower Musikclub

Nächste Show

28.05.2016 - DE-Münster, Green Hell Warehouse

Tourdaten

Archiv
Jun.
17
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jun.
17
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Festival - HipHop/Rap
 
Jun.
18
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jun.
18
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Festival - HipHop/Rap
 
Jun.
19
2016
Sonntag Tickets Tickets Tickets
Festival - HipHop/Rap
 
Jul.
1
2016
Freitag 18:00 Uhr - 04:00 Uhr Tickets Tickets Tickets
Festival - Folk
 
Jul.
2
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
16
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Aug.
12
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Aug.
20
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Aug.
22
2016
Montag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Nov.
26
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 

Tonträger bei finestvinyl

Cover

KMPFSPRT - INTERVENTION | LP

Schwarzes Doppel-Vinyl im Gatefold inkl. CD! Punk-Schublade auf, Band rein, Schublade zu. 2016 taugen bestenfalls die abgegriffenen Blaupausen für die alten Kategorien, denn viele Bands haben sich längst aus ihren starren Korsetts befreit. So auch die Kölner KMPFSPRT, die ihrem Unmut mittlerweile eingängiger, aber deshalb noch lange nicht leiser mit ihrem (Post-) Hardcore/Punk Gehör verschaffen. Auf dem im Sommer 2015 mit Sebastian Blaschke (u.a. Sondaschule, Montreal) produzierten, zweiten Album "Intervention" steht ein deutlich melodischeres und aufgeräumtes Songwriting im Fokus, ohne dabei die Konsequenz aus dem Auge zu verlieren, für die KMPFSPRT geschätzt werden. Songs wie der Titeltrack oder "Samstagabendtodeskampf" haben die Härte, die man von ihnen erwartet, während Songs wie "Ich hör' die Single nicht" und speziell "Wir bleiben wach" für melodische Überraschungen sorgen. Nach Tourneen und Shows mit Casper, Jennifer Rostock und Donots werden KMPFSPRT ab Mai auch live die deutschen Bühnen rocken.
 
Cover

KMPFSPRT - JUGEND MUTIERT | LPD

- Zweite Pressung auf blauem Vinyl ab dem 21.08.15 erhältlich! "Jugend Mutiert". Wenn die Pubertät bis Ende 20 reicht. Im Anschluss an das Diplom erstmal ein Praktikum zur Berufsorientierung. Die nächste Ehe hält bestimmt länger. Vom Flaschenpfand in den Urlaub. Ganz bestimmt (vielleicht). Und die Spülmaschine muss auch mal wieder ausgeräumt werden. Es wird Zeit, daß wir reden, Freunde. Soviel sei gesagt: KMPFSPRT sind keine verträumten Spinner sondern Realisten, die ihr Herzblut gekonnt einsetzen. Ihre politische Seele brennt ohne Pathos und Pflasterstein, ihre gesellschaftlichen Protestsongs kommen ohne Böller aus, und explodieren dennoch genau da, wo der Schmerz sitzt. Die Kölner sind aufmerksame Beobachter ihrer Szene und Generation und kommentieren geschickt: mal mit wohldosierter Ironie und mal, ach was soll's, wie ein D-Zug in die Fresse. Nach einer verdammt guten Debut-EP ("Das ist doch kein Name für 'ne Band") nun das erste Album. Erst das erste Album, denn was KMPFSPRT in weniger als 18 Monaten Dasein gelungen ist, läßt aufhorchen: Mit nur ihren sechs eigenen Songs im Gepäck enterten die Kölner bereits die Hauptbühnen von Festivals wie Melt!, Reload, Mair1, Monster Bash, Greenville, Omas Teich. Touren in ganz Deutschland, wilde Liveshows, Exzesse, Stagedives und High-Fives. Selbst Quicksand- und Rival Schools Frontmann Walter Schreifels schwor kürzlich: "KMPFSPRT klingen wie eine Mischung aus Hot Water Music und Title Fight". Nur auf deutsch, eben. Ein ganz unbeschriebenes Blatt sind KMPFSPRT dabei nicht, spielten Mitglieder der Band doch bereits bei Fire In The Attic, Days In Grief oder waren wie Gitarrist David als Romanautor und Model in Japan aktiv. Über 1000 bereits gespielte Shows auf die Schultern der Bandmitglieder verteilt, lassen dabei eine abgebrühte Gelassenheit entstehen, die nur durch Reife und Erfahrung entstehen kann. Unverkrampft und ohne Allüren haben es KMPFSPRT geschafft, sich einen ganz eigenen Sound zu erarbeiten, der mit giftigen Textpfeilen gewürzt dem Zeitgeist einer ungemütlichen Gegenwart den Spiegel vorhält. Obwohl es (wegen deutscher Texte und Stromgitarren) naheliegt, zur Bestimmung musikalischer Verwandtschaften nach Hamburg oder Berlin zu schielen, findet der aufmerksame Zuhörer seine Querverweise eher im heissen Wasser von Gainsville und den Texten eines J Masics. "Die Frage ist nicht wo ich steh'. Die Frage ist wohin Du gehst" ruft Sänger Richard gleich zu Beginn des Albums und schiebt nur wenige Zeilen später eine so einfache wie treffende Feststellung hinterher, die dieses atmungsaktive Punkrock-Monster so wunderbar auf den Punkt bringt: "Wichtiger als müssen - ist immer noch das Wollen!". Wollen, das wollen viele. "Jugend Mutiert" gelingt. Neben vielen eindrucksvollen Textzeilen begeistert das Debut-Album auch mit einem Wumms in der Produktion (klar, hört man sofort: Gernhart Studio!) und einem Wow in der Optik (Fotos: Arkadius Goniwiecha, Artwork: KMPFSPRT-Richard himself). Mittendrin Freunde und Gäste, wie Felix von Frau Potz, der aus der ersten Single "Musikdienstverweigerer" einen ernsthaften Kandidaten für's Abschieds-Tape an die Ex macht.
 

Interviews

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KMPFSPRT - Walter Schreifels widerspricht man nicht

Man könnte denken, dass man bei KMPFSPRT auf abgeklärte Typen trifft, die alles schon gesehen haben und die mit all dem in stoischer Manier umgehen. Und obwohl sie in der Vergangenheit mit anderen Bands einiges an Erfahrungen gesammelt haben, ist dies eine Fehleinschätzung. Stattdessen zeigen sie sich auf eine wunderbare Weise aufgeregt und voller Tatendrang, wie man es sich doch eben von einer neu gegründeten Punkband erhofft. Man darf also gespannt sein, was es von KMPFSPRT in Zukunft noch zu hören und sehen geben wird. In der Zwischenzeit kann man sich an der frisch geschlüpften EP „Das ist doch kein Name für ’ne Band“ (Redfield Records) erfreuen und vielleicht mal bei Gitarrist David nachhorchen, wie das alles so passiert ist.Wie kommt es, dass ihr nun mit deutschen Texten arbeitet? Sowohl bei FIRE IN THE ATTIC als auch bei DAYS IN GRIEF wurde auf Englisch gesungen. Wollt ihr euch damit von diesen Vorgängerbands distanzieren?Distanzieren würde ich nicht sagen, auch weil ich als Einziger von uns vieren in keiner dieser Bands war. Die anderen wollen das aber, glaube ich, auch nicht. Sie sind stolz darauf, was sie mit den anderen Bands erreicht haben, meiner Meinung nach auch zu recht. Als das alles zu Ende ging, habe ich mit unserem Sänger Richard überlegt, was wir mit einer neuen Band machen wollen. Wir waren um vier Uhr morgens in der Kneipe. Diesen Gedanken, auf Deutsch zu singen, hatte ich schon lange, dachte aber, dass ich das eh vergessen kann und da höchstens mal bei einem anderen Projekt was versuchen könnte. Und auf einmal sagt Richard an diesem Abend, er fände das geil, mal auf Deutsch zu singen, und ich hab mich total gefreut. Wir zwei haben uns das dann alles so ein bisschen zurechtgelegt, aber auch gedacht, dass es vielleicht nicht leicht werden würde, die anderen beiden zu überzeugen. Die waren aber recht offen dafür. Trotzdem war das anfangs eher als Versuch angelegt. Wir machen halt nicht diesen typischen Punk, zu dem man super deutsch singen kann, wie FRAU POTZ oder MUFF POTTER. Ich finde, da klingen wir musikalisch sehr viel amerikanischer, und deswegen wussten wir nicht, ob das passt. Dazu kam, dass Richard vorher noch nie gesungen hat. Da ist viel Neues zugleich passiert und es war ein frischer Start für uns alle. Dass dann alles doch so gut klappt, hat uns selbst überrascht.Würdest du sagen, dass KMPFSPRT eine politische Band sind? Ihr wurdet in einem anderen Interview gefragt, wogegen ihr kämpft, und da sprachst du von Rassismus und Ungerechtigkeit. In den Texten steckt das ja nicht so konkret drin.Es ist schwierig zu sagen, dass man eine politische Band ist, weil man da schnell in einer Schublade landet, in die man gar nicht rein will. Wir sind vier Personen, die alle politisch denken, aber nicht unbedingt gleich. Deswegen würde ich bei KMPFSPRT nicht von einer politischen Band sprechen, die eine bestimmte Message vertritt. Natürlich vereinen wir uns gegen Rassismus und Sexismus, aber das sollte ja im Punk selbstverständlich sein, da muss man nicht weiter drüber reden. Wir sind aber nicht SLIME und haben keine Parolen. Unsere Texten sind aber auch nicht verklausuliert. Auf der EP ist zum Beispiel mit „Affengeld“ ein offensichtlich gegen Kapitalismus gerichteter Song und da sind auch Texte gegen das Töten von Tieren. Wir schreien halt nicht „Fleisch ist Mord!“, weil das schon hundertmal gemacht wurde, und ich glaube auch, dass man das sprachlich spannender verpacken kann. Jeder kennt diese Themen und wir positionieren uns da nur noch mal in der Punk-Szene und sagen, wir sind gegen Tiermord, wir sind gegen Rassismus und für ein freies Leben, in dem alle gleich viel haben. Ich weiß nicht, ob uns das zu einer politischen Band macht. Wir schreiben über das, was wir wollen, also kann es um alles Mögliche gehen.Ist der Plattentitel „Das ist doch kein Name für ’ne Band“ ein Seitenhieb auf ewig gleiche Fragen, wie eben zum Beispiel nach der Entstehung des Bandnamens?Das ist eigentlich eher ein Seitenhieb auf uns selbst und unser Umfeld. Wir hießen ja vorher LYON ESTATES und haben dann festgestellt, dass es in Italien schon eine Band gibt, die so heißt, und die sind sogar ganz cool. Wegen eines neuen Namens war ich wieder mal mit dem Richard in einer Kneipe und hab da KAMPFSPORT vorgeschlagen und dachte im nächsten Moment selbst, dass das ja einfach krass prollig klingt und man meinen könnte, wir wären die deutschen BIOHAZARD. Richard schlug dann vor, einfach die Vokale wegzulassen und diese crazy Hipster-Schreibweise zu benutzen. Davon mussten wieder die anderen beiden überzeugt werden, was in dem Fall auch nicht so einfach war. Inzwischen sind sie überzeugt. Es war natürlich klar, dass man diesen Namen auch mit Inhalt füllen muss, weil wir ja ganz lieb sind und keine Prolls. Dass gerade in dem Kontext KMPFSPRT funktioniert, find ich total super. Der Name der EP spielt eben genau auf diese Geschichte an. Und der kommt auch von Helge Schneider, da gab es die Textzeile „Das ist doch kein Name für ’ne Katze“. Wir hören häufig Sachen von Helge Schneider im Bandbus und darauf wird man auch künftig noch Verweise bei uns finden.Ich finde, dass sich zwischen den Songtiteln und dem Inhalt eurer Texte manchmal ein kleiner Kontrast auftut, weil die Titel so ein Augenzwinkern besitzen, während die Inhalte gar nicht mal so lustig sind. Ist das absichtlich so?Darüber machen wir uns gar nicht so viele Gedanken. Unsere Texte drehen sich um das, worüber wir gerade so nachdenken, und das ist dann schonmal ernsterer Natur. Wenn einem etwas wichtig ist, dann geht man auch ernst daran. Die Titel sind später entstanden. Die hießen vorher alle „der HOT WATER MUSIC-Song“ oder so etwas. Irgendwann kam die Ansage, dass wir noch zwei Tage haben, uns Titel auszudenken, damit die EP ins Presswerk gehen kann, und dann haben wir uns zusammengesetzt und überlegt.... in der Kneipe?Nee, diesmal tatsächlich vorm Rechner, das musste ja aufgeschrieben werden. Interessanterweise haben die Titel tatsächlich etwas mit den Songs zu tun, nur nicht immer so offensichtlich. In „Wie du bist schon fertig? Wir fangen gerade erst an“ geht es zum Beispiel darum, wie das ist, mit Mitte 30 noch mal eine neue Band aus dem Boden zu stampfen und das alles noch einmal mitzumachen. Viele Leute, die früher dabei waren, sind inzwischen Techno-DJs oder machen Indie und tragen komische Hüte – und wir sind nach wie vor Punk und Hardcore.Merkt man im Bandalltag, dass bei euch schon einige Erfahrung dahintersteckt?Ich finde, dass sich das extrem auswirkt. Ich bin, wie schon erwähnt, der Einzige, der nicht in diesen Bands dabei war, und ich komme da in ein sehr strukturiertes Umfeld rein. Wir umschiffen manche Anfängerfehler. Wir reden zum Beispiel nicht mit einigen Zeitschriften, wir spielen auch mal eine Show nicht, wenn man dafür sieben Stunden fährt, 30 Euro bekommt und vor 20 besoffenen Skinheads spielt. Früher hätte man das vielleicht gemacht. Es gibt einen Erfahrungsschatz und davon zehren wir schon. Auf der anderen Seite ist die Band für uns alle so neu und da ist bei allem, was wir machen, so ein euphorisches Gefühl dabei, das man das letzte Mal mit 18 hatte, als das erste Mal mehr als 20 Zuschauer bei deinem Konzert waren. Es ist bei uns eine Mischung aus Erfahrung und was Neuem.Ihr habt ja vermutlich über die Zeit schon einiges an Kontakten gesammelt. Macht es das für euch einfacher, Fuß zu fassen und Shows zu kriegen?Wir haben das große Glück, dass wir mit Creative Talent eine gute Booking-Agentur haben. Die supporten uns perfekt und diese ganzen Connections kommen natürlich dazu. Man tauscht sich mit anderen Bands aus. Wir spielen mit Freunden zusammen, bei denen in der Stadt, und dafür holen wir sie nach Köln. Auf der einen Seite ist das immer noch D.I.Y. und andererseits hilft uns die Konzertagentur, eine Tour auf die Beine zu stellen, und kann auch mal eine größere Show zu vermitteln. Die sind auf uns zugekommen, weil sie unsere Songs cool fanden, das war schön.In was für einen musikalischen Kontext würdest du KMPFSPRT setzen?In vielen Reviews stand etwas von MUFF POTTER und TURBOSTAAT. Das finde ich ja überhaupt nicht. Da sieht man einfach, wie wenig Referenzen es für eine Band gibt, die weder Deutschpunk ist noch diese Hamburger-Schule-Schiene fährt. Das Treffendste, was ich gehört habe, hat Walter Schreifels von den GORILLA BISCUITS gesagt, als wir mit denen zusammen gespielt haben. Er meinte, wir wären eine Mischung aus HOT WATER MUSIC und TITLE FIGHT. Das unterschreibe ich beides gern und Walter Schreifels widerspricht man auch nicht.Das war für euch ohnehin ein Riesending, mit denen zu spielen, oder?Klar, das war die Band überhaupt für mich. Als ich 15 oder 16 war, hab ich immer am Bonner Hauptbahnhof rumgehangen, Dosenbier gesoffen und SLIME und TOXOPLASMA und so was gehört. Da ging es auch wirklich bergab mit der Schule. Ich bin vom Gymnasium geflogen, von der Realschule geflogen und irgendwann hab ich die GORILLA BISCUITS-Platte in die Finger gekriegt. Die waren musikalisch hundertmal besser als diese ganzen schimmligen Punkbands. Textlich auch viel schlauer. Nach ein paar Monaten hat es klick gemacht und danach war ich sieben Jahre Straight Edge, Vegetarier bin ich durch die auch geworden. Mit denen zu spielen, das war einfach ein Traum.Wie wird nach dieser EP das Album werden? Ist da mit Veränderungen zu rechnen?Wir haben schon ein paar Songs fertig, aber das wird wohl noch bis nächstes Jahr dauern. Es bleibt melodisch und wird an manchen Stellen vielleicht sogar noch melodischer, aber die Extreme werden extremer. Die poppigen Parts werden noch poppiger und die harten Parts werden härter.
 
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KMPFSPRT - Mutierte 30-somethings

KMPFSPRT haben im vergangenen Jahr Erstaunliches geschafft: Sie tourten erfolgreich durch Clubs und über große Festivalbühnen, obwohl sie mit „Das ist doch kein Name für ’ne Band“ nur eine EP im Gepäck hatten. Man könnte auch sagen, sie spielten sich mit gerade einmal einem halben Dutzend Songs bis hinauf zur Speerspitze des deutschsprachigen Punkrocks. Jetzt reicht die Band, deren Mitglieder früher unter anderem bei FIRE IN THE ATTIC und DAYS IN GRIEF spielten, ihr Debütalbum nach – und präsentiert sich auf „Jugend mutiert“ auch über die doppelte, elf Songs lange Distanz famos und mitreißend. Zur Feier des Tages erklärte sich neben Gitarrist David (Schumann, der ja auch für das Ox schreibt) sogar Sänger Richard zum Interview bereit. „Das mache ich sonst nie. Es ist das erste Interview, das ich seit Jahren gebe – und zwar nur fürs Ox. Das kannst du ruhig so schreiben“, eröffnete der Frontmann das Treffen in einer Kölner Studenten- und Theaterkneipe – und erklärte gemeinsam mit Kollege David das Phänomen KMPFSPRT.Euer neues Album heißt „Jugend mutiert“. Ein sehr schöner Titel. Stellt sich natürlich die Frage: zu was mutiert sie?David: Tja, das ist die Frage – und das Schöne an dem Titel: Man kann es auf ganz viele Arten interpretieren. Es ist einerseits auf uns zu beziehen, wir sind ja nun auch alle schon über dreißig und mutieren zu etwas anderem. Aber wir fühlen uns nach wie vor jugendlich. Dieses Gefühl verschwindet nicht. Und das wollen wir mit unserer Musik auch rüberbringen. Andererseits bezieht sich der Titel des Albums natürlich auch auf die Kids, die man heutzutage draußen auf der Straße in ihren Bushido-Shirts rumlaufen sieht und die wir nicht mehr verstehen. Die Jugend ist eben auch mutiert, seitdem wir selber jung waren.Richard: Es ist so: Um uns herum haben viele Bands mit den Jahren aufgehört, Punkrock zu machen. Wir aber sind bis heute dabei geblieben und sind noch keine Techno-DJs in Köln geworden.David: Es ist schon krass, wie die Leute plötzlich aufhören, Punk zu sein, Vegetarier zu sein. Wie sie aufhören, sich für politische Inhalte zu interessieren und plötzlich ganz anders werden und nur noch elektronische Musik hören. Wir verstehen das nicht. Wie kann das alles nur ein Lebensabschnitt sein?Das kommt mir bekannt vor. Ich habe Ende der Achtziger zum Bespiel eine Zeit lang exzessiv DIE ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN gehört. Die waren neben den RAMONES mein Einstieg in den Punk. Und als ich einigen Bekannten, die damals bei Konzerten mit dabei waren, neulich sagte, dass ich mir die Brieftauben demnächst live wieder ansehen würde, hieß es: Wie kannst du diese Musik heute noch hören?Richard: Blödsinn. Die kann man sich durchaus noch mal anschauen.David: Absolut! Das erste Konzert, auf dem ich je war, war übrigens eines mit DIE ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN. Das war in Weilheim, zusammen mit den SPERMBIRDS.Richard: Mein erstes Konzert waren DIE ÄRZTE mit WIZO als Vorgruppe. Die würde ich mir heute immer noch anschauen. Aber um noch einmal auf den Namen unserer Platte zurückkommen: Auf den sind wir letztlich zufällig gekommen: Bei einem Konzert in Lingen hingen hinter der Bühne Plakate von diesem Klassik-Wettbewerb „Jugend musiziert“. Die haben wir gesehen und uns dabei verlesen – und waren sofort begeistert von diesem Dreher.Ihr seid im vergangenen Jahr erfolgreich mit eurer EP „Das ist doch kein Name für ’ne Band“ unterwegs gewesen, mitunter auf großen Festivals. Wie war das für euch?Richard: Das war super, denn dieser Erfolg war am Anfang wirklich nicht abzusehen.David: Wir hatten natürlich auch das Glück, dass wir die Meriten, die wir mit unseren alten Bands DAYS IN GRIEF und FIRE IN THE ATTIC gesammelt hatten, auch für KMPFSPRT nutzen konnten. Dadurch, dass wir schon so viele Leute kannten, wussten wir, an wen wir die EP am besten rausschicken. So sind wir relativ schnell an unsere heutige Booking-Agentur Four Artists rangekommen – und plötzlich standen wir beim Melt! Festival auf der Hauptbühne. Da schaust du runter und denkst dir: Das darf doch nicht wahr sein! Als Punkband auf dem Melt! – das ist schon eine Auszeichnung.Ihr seid sogar bei der Warm-up-Party von Rock am Ring aufgetreten ...David: Ja. Und das war einerseits sehr seltsam, weil man da natürlich für viele Leute nur Party-Berieselungsmusik spielt. Die wissen teilweise gar nicht, was du mit deinen Songs sagen willst. Das ist schon ein sehr eigenes Klientel, das zum Ring fährt. Andererseits war das aber auch unglaublich kurios: Wir waren da ja gemeinsam mit den KASSIERERN. Und da hat sich deren Sänger Wölfi zu uns gesetzt – und ist bis zum Auftritt nicht mehr aufgestanden. Dafür hat er mit uns Bier getrunken und uns umfassend von seinen politischen Aktivitäten erzählt. Wir dachten nur: Unglaublich, das ist Wölfi! Von den KASSIERERN! Und der redet hier die ganze Zeit mit uns! Hahaha.Richard: Wenn du viel tourst und viele Konzerte mitnimmst, dann erlebst du häufig derlei skurrile Dinge. Wir waren am Wochenende zum Beispiel bei einem kleinen Festival in der Eifel – und plötzlich tippt mich da so ein Typ auf der Bühne an und sagt: Ey, spielt mal Mainstream-Rock! Dagegen war die Tour mit IDLECLASS natürlich das Schönste überhaupt, haha.David: Absolut. Das sind so nette Menschen! Und wenn du mit denen durch die Städte reist und jeden Abend vor Leuten spielst, die wissen, was du da tust und die das Gleiche denken – das ist natürlich super. Kurzum: Festivals sind toll und lustig und wichtig, aber eben auch eine ganz andere Sache. Richtig Spaß macht es bei den Clubshows.Ihr habt eure Vergangenheit in anderen Bands bereits angesprochen. Inwiefern profitiert ihr als KMPFSPRT von dieser Erfahrung?Richard: Wir hatten mit den alten Bands ja schon über 500 Shows auf dem Buckel. Da sind wir mit KMPFSPRT von Anfang an wesentlich gelassener und ruhiger an die Sache rangegangen.David: Und wir machen aus Erfahrung eben auch vieles nicht, was uns angeboten wird. Es ist schön, auch mal nein sagen zu können und nicht alles auf Teufel komm raus machen zu müssen.Nun ist euer Werdegang als KMPFSPRT eher ungewöhnlich. Ihr habt lediglich eine kleine EP rausgebracht, seid damit getourt – und hattet plötzlich ohne ein ganzes Album bereits großen Erfolg. War das so geplant? Richard: Nein. Wir hatten nicht gedacht, dass wir mit der EP schon so viel reißen. Es ging eher darum, ein paar Songs zu haben, um auftreten zu können und etwas in der Hand zu haben. Aber plötzlich ging es dann los.In einer solchen Situation muss man doch eigentlich schleunigst ein Album hinterherschieben, um Shows auch etwas länger bestreiten zu können. Bei euch hat es aber über ein Jahr gedauert. Hat euch das Touren vom Komponieren abgehalten?Richard: Wir hatten uns keinen Zeitplan gesteckt. Wir wollten das in Ruhe angehen. Zudem waren unser Schlagzeuger Max und ich jeweils in der Referendariatszeit zum Lehrer, hatten unter der Woche entsprechend viel zu tun. Und die Wochenenden hatten wir eben immer vollgepackt mit Shows. Durch all das hat es etwas länger gedauert.David: Richard und ich schreiben ja je zur Hälfte die Songs. Und ein halbes Dutzend hatten wir beide auch schon recht früh für das Album gehabt. Aber die restlichen haben eben ihre Zeit gebraucht. Da mussten wir wirklich einen Studiotermin ansetzen, um uns konsequent ans Schreiben zu begeben. Denn wenn wir uns einmal hinsetzen, dann ziehen wir die Sache auch konsequent durch – wir müssen uns nur in den Hintern treten, dann läuft es. Ich finde es allerdings auch wichtig, dass man sich bei so einem Album genügend Zeit lässt: Andere Bands landen nach einer ersten, kleineren Veröffentlichung einen Schnellschuss, nur um möglichst bald etwas nachzuliefern – und dann hört man ihren Platten an, dass sie sich lieber noch etwas Zeit gelassen hätten. Diesen Fehler wollten wir nicht machen. Wir wollten, dass die Songs organisch entstehen. Dass sie entstehen – weil wir es wollen, nicht weil wir es müssen.Was machen die KMPFSPRT-Musiker beruflich?David: Ich bin Journalist bei der „Sportschau“.Richard: Ich bin, wie gesagt, Lehrer. Max auch. Und unser Bassist Dennis ist Krankenpfleger.Warum ich das frage: Ihr seid alle erwachsen und steht mitten im Berufsleben. Und doch spricht aus vielen eurer Songs diese eingangs schon erwähnte – glücklicherweise völlig unpeinliche – Weigerung, erwachsen zu werden. Das ist auch über „Jugend mutiert“ hinaus euer Lieblingsthema, oder?David: Absolut, denn damit wirst du tagtäglich konfrontiert. Ich sehe für mich eben noch gar nicht diesen Weg „Beruf, Familie, Einfamilienhaus“. Ich möchte erst noch so viele Dinge sehen und erleben und machen. Ich fühle mich noch so jung im Kopf, dass ich es gar nicht verstehe, wie Leute, die zehn Jahre jünger sind als ich, schon mit allem abgeschlossen und sich in ihr Schicksal ergeben haben. Die sind so passiv geworden, dass sie das Leben nur noch von der Couch aus verfolgen. Das möchte ich nicht. Das möchten wir alle nicht – und deshalb spielt dieses Thema in unseren Texten so eine große Rolle.Ein Song auf „Jugend mutiert“ heißt „All my friends are dads“. Habt ihr Angst, irgendwann Kinder zu bekommen?Richard: Absolut nicht. Und das wird irgendwann sicherlich auch passieren. Aber es ist eben die Frage, wie du damit umgehst. Du kannst ja auch Familie haben und deinen Idealen treu bleiben.David: Eben. Es gibt heute viele Eltern, die brauchen ihre Kinder anscheinend nur noch, um deren Fotos im Internet zu posten. Da fragt man sich manchmal schon, ob die ihre Kinder aus diesem Grund bekommen haben, haha.Im angesprochenen „All my friends are dads“ sowie einigen anderen eurer Songs bekommen vor allem Banker, Börsenmakler und ähnliche Berufsgruppen ihr Fett weg und werden somit quasi von eurer Musik ausgeschlossen. Habt ihr solche Leute auch aus eurem Freundeskreis verbannt?David: Die mussten wir nicht verbannen, die gibt es in unserem Freundeskreis nicht. Das schließt sich ja doch irgendwie aus, weil man seinen Freundeskreis ja normalerweise mit Leuten teilt, die ähnlich Ideale haben.Richard: Bei der ersten Version des Textes von „All my friends are dads“ hatten wir sogar noch Anwälte drin. Aber die haben wir dann noch rausgenommen – die braucht man ja eventuell selber mal. Und außerdem gibt es ja auch Anwälte, die sich für gute Dinge einsetzen, haha.Wobei man als Band, die etwas erfolgreicher als der Durchschnitt ist, ja zwangsläufig mit Geschäftsleuten, zum Beispiel Konzertveranstaltern, zu tun bekommt, denen es vor allem um eine Sache geht – Geld zu verdienen.David: Das stimmt. Aber ich finde auch, dass man als Band in dieser Hinsicht nicht allzu – ich sage es mal so – „politisch korrekt“ vorgehen muss. Denn man ist letztlich immer noch eine Band, die vorankommen will – und keine anarchistische Partei. Solange man sich nicht verbiegen und sich von keinem Arsch reinreden lässt, ist das in Ordnung. Und sobald uns einer reinreden würde, würden wir auch sagen: Stop!Ihr werdet auffällig oft mit TURBOSTAAT verglichen... Richard: Das ist richtig.Und das ist meines Erachtens nach ein Vergleich, der hinkt. TURBOSTAAT sind ja doch eher indierockig. Ihr seid definitiv Punk – aber ohne dabei in die klassischen Schubladen „Oldschool“, „77er“, „Deutschpunk“, „Hardcore“ und wie sie alle heißen zu fallen. Wie ordnet ihr euch und eure Musik selber ein?Richard: Wir sind eher am amerikanischen Punk orientiert.David: Punk ist als Einschätzung schon völlig okay. Aber Richard hat recht, wir sind dabei eher inspiriert von Bands wie I AM THE AVALANCHE oder TITLE FIGHT. Der Vergleich schmeichelt uns aber schon, weil wir TURBOSTAAT sehr gut finden, aber er passt letztlich nicht. Ich glaube, die Jungs von TURBOSTAAT schreiben ihre Songs ganz anders. Wir sind da wesentlich auffälliger im Post-Punk unterwegs. Dazu braucht man sich nur mal unsere Gitarren im Vergleich zu deren anzuhören. Man könnte auch sagen: Wir sind Brüder im Geiste, beackern dabei aber ganz unterschiedliche Felder.Was kann man als relativ junge, zeitgemäße Punkband den alten Punks noch beibringen?David: Wir wollen denen gar nichts beibringen. Wenn jemand lieber den ganzen Tag RAMONES oder THE CLASH hört als uns, dann ist das völlig in Ordnung.Richard: Ich finde, dass es sowieso die älteren Herrschaften mit Bauchansatz sind, die zu unseren Konzerten kommen, uns gut finden und dann so etwas sagen wie: Wow! Ihr seid die neuen MUFF POTTER. Das war früher mit FIRE IN THE ATTIC noch ganz anders, da hatten wir eher junges Publikum.David: Diese Entwicklung sieht man übrigens auch anhand unserer Merch-Verkäufe: Da sind die L- und XL-Shirts als Erstes ausverkauft. Und zwar immer! Haha.Die erste Single von „Jugend mutiert“ heißt „Musikdienstverweigerer“. In diesem Stück schreit ihr recht eindeutig jemandem entgegen, er möge doch bitte nicht zu euren Liedern tanzen. Welcher jemand ist damit gemeint? Richard: Wir hatten auf unserer Facebook-Seite irgendwann einmal ein Statement gegen FREI.WILD und Konsorten gepostet – und waren geschockt, als viele Leute plötzlich antworteten: „Wieso? Die sind doch eigentlich total cool!“ So etwas zu erfahren – dass es Leute gibt, die uns und gleichzeitig die hören – war für uns der Anlass, diesen Song zu schreiben. Denn wie geht das?! Um noch mal aus unserem Song zu zitieren: „Nur weil wir die gleiche Sprache sprechen, sind wir nicht im gleichen Club!“David: Wir wollen mit „Musikdienstverweigerer“ zeigen, dass wir die ganzen dummen Rock-Klischees ablehnen. Wir wollen keinen Macho-Proll-Sexisten-Rock, keinen dummen, stumpfen Nationalismus. Wir machen für Leute, die so etwas hören, keine Musik.Richard: Zudem haben wir im Video zum Song noch das Thema Homophobie verarbeitet.David: Es ist quasi ein sehr harter, männlicher Song mit einer Aussage gegen harte, männliche Inhalte. Und Leute, die so etwas scheiße finden, die haben bei uns nichts verloren.Im Song „Gute Reise“ macht ihr euch lustig über Leute, die nach Berlin ziehen. Das klingt ein bisschen wie seinerzeit eure Kölner Kollegen ANGELIKA EXPRESS in deren Stück„Geh doch nach Berlin“...David: Ja. Das ist so ein geiler Song! Ich liebe den. Und genau darum geht es. Ich sehe keinen Sinn darin, dass alle Kreativen immer meinen, sie müssten nach Berlin abwandern. Ich verstehe das nicht. In bin ein riesiger Freund von Köln und liebe die Weltoffenheit dieser Stadt hier. Als ich vor 17 Jahre aus Bonn hierher gezogen bin, war mir klar, dass ich hier bleibe. Hier hast du alles. Hier in der Kölner Bucht ist es sogar immer drei Grad wärmer als anderswo. Köllefornia eben, haha. Aber im Ernst: Ich finde es viel schöner, wenn sich viele verschiedene Szenen bilden – und nicht nur eine inzestuöse an einem Ort, an dem sich alles drängelt.Richard: Außerdem bin ich ein großer Karnevalsfreund. Und irgendwann können wir als Band vielleicht mal auf den Karnevalszug aufspringen. Wir spielen dann eine Session durch und verdienen uns dumm und dämlich, haha.
 

Reviews

KMPFSPRT

© Ox Fanzine #103 / Bianca Hartmann

Das ist doch kein Name für ’ne Band

Sie kennen das alles schon längst. Sie spielten in Bands, sie rissen sich den Arsch auf, sie hatten große Momente und auch Fehlschläge. Über all das geht in erster Linie die Liebe zur Musik und im Fall von KMPFSPRT die Liebe zum Punkrock.Diese lebten die Mitglieder auch schon in anderen Bands wie FIRE IN THE ATTIC und DAYS IN GRIEF aus. Diese Bezüge lösen erstmal Verwunderung darüber aus, dass nun Punk mit deutschen Texten zelebriert wird, denn von eben jenen Bands war man doch eher eine sehr amerikanische Note gewöhnt.Als Referenz boten sich da eher Perlen wie IRON CHIC oder POLAR BEAR CLUB und Co. an. Das Interessante ist, dass sich an diesem Umstand trotz der deutschen Texte tatsächlich nichts geändert hat.Musikalisch bleiben KMPFSPRT im amerikanischen Punkrock verhaftet und fallen aus dem Raster der diversen aufkommenden Deutschpunk-Bands raus. Vergleiche bieten sich in diese Richtung nicht an.Also betrachten wir einfach, was diese Band zu bieten hat. KMPFSPRT liefern auf ihrer Debüt-EP „Das ist doch kein Name für ’ne Band“ sechs herrlich dynamische Kracher-Songs, die unsere Aufmerksamkeit bis aufs Letzte fordern und oh ja, man darf und sollte ausrasten.Aus rauhem Gesang, herrlichen Gitarrenriffs und druckvollem Schlagzeug in gepflegter und oft bewährter Drei-Minuten-Manier haben KMPFSPRT einfach mal eben sechs Hits gezaubert. Allerdings ist es auch das, was man von dieser Band angesichts der Vorgeschichte erwarten musste, und doch ist das toll und auch beeindruckend.Der Drive wird groß geschrieben und verzichtet dafür auf großes Brimborium. Ist ihnen das Songwriting schwer gefallen? Wahrscheinlich nicht. Das Schreiben deutscher Texte dagegen ist bekanntermaßen kein Kinderspiel, wenn man nicht in Pathos und Klischees versinken will, und das war wahrscheinlich die größte Herausforderung für die Band.Mit Fug und Recht kann aber ein Zeugnis mit dem Vermerk „Bestanden“ ausgestellt werden. Was das Pathos angeht, so wird es von KMPFSPRT zu unserer Freude vermieden, was aber wohl vor allem daran liegt, dass die Romantik keine große Rolle auf dieser EP spielen darf.Und auch wenn man ob ihres etwas albernen Titels annehmen könnte, dass man sich mit ÄRZTE-mäßigem Klamauk rumschlagen muss, ist das zum Glück ein Trugschluss. Nein, man gibt sich doch lieber kritisch.Es stellen sich schließlich so manche Fragen. Wieso lässt sich der Horizont der Mitmenschen nicht erweitern, wieso kann man sie nicht erreichen, fragen sie sich in „Hauptsache es schmeckt und sieht gut aus“.Warum sollte man nur in der Erinnerung an die gute alten Zeiten in der Jugend leben, wenn man doch genauso gut einen Versuch wagen und etwas Neues ausprobieren könnte? („Wie du bist schon fertig? Wir fangen gerade erst an!“).Es geht um das Weitermachen und Nicht-Aufgeben, um Enttäuschung von Mitmenschen, um das Hadern mit sich selbst und um das Übel, das einem all das dann eben doch wieder erschwert und was es zu bekämpfen gilt, denn „Es wird verdammt nochmal Zeit, dass es Zeit wird“.Angesichts all dessen gilt es sich nur noch zu fragen, wie das wohl weitergeht, wenn irgendwann der erste Langspieler von KMPFSPRT vorliegt. (Diese Band war auf der Ox-CD #103 zu hören)

 

KMPFSPRT

© Ox Fanzine #106 / Joachim Hiller

Das ist doch kein Name für ’ne Band

Die sechs Songs der im Sommer erschienenen Debüt-EP der unter anderem aus Ex-FIRE IN THE ATTIC-Leuten bestehenden Kölner Band wurden, nachdem es bislang nur eine CD gab, nun auf die eine Seite einer 12“-Platte gepresst.Auf der anderen Seite gibt’s keine Musik, sondern einen weißen Siebdruck (Motiv: Affenmaske). Sehr schick, und wer das Vinyl nicht abspielen will oder kann (es gibt ja echt Plattenkäufer ohne Plattenspieler!), greift auf den beiliegenden Download-Code zurück.Schnell, schnell, es gibt nur 366 Stück von dieser Scheibe!

 

KMPFSPRT

© Ox Fanzine #112 / Frank Weiffen

Jugend mutiert

Man könnte es kurz machen. Man könnte sagen: Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn die Songtexte einer Band auch als Sprüche taugen, die man mit einem dicken, schwarzen Edding oder Sprühfarbe auf Tische, Wände und Mauern hinterlassen kann.KMPFSPRT sind so eine Band. Also sind sie gut. Punkt. Indes damit würde man dieser Band aus Köln nicht mal im Ansatz gerecht werden. Denn KMPFSPRT haben nicht nur tolle Songtexte, sie sind auch als Gesamtpaket sensationell.Mehr noch, sie sind derzeit in Sachen „Punk aus Deutschland“ respektive „deutschsprachiger Punk“ einsame Spitze. Da sind ein paar Sätze mehr fällig. Nochmal Punkt. Ihre Anfang 2013 veröffentlichte EP mit dem doppelt unmöglichen Namen „Das ist doch kein Name für ’ne Band“ war ja schon begeisternd.Von „Affengeld“ und obercoolen Sonnenbrillenträgern, die meinen, die Welt drehe sich als Discokugel nur um sie, sangen sie da mit einer Aggressivität und einem Sarkasmus, die sich gewaschen hatten.Überdies hatten KMPFSPRT auch noch Melodien und Gewaltriffs drauf, die dem Hörer vor Begeisterung den Unterkiefer runterklappen ließen. Da hatten sich irgendwie HOT WATER MUSIC mit den frühen MUFF POTTER zusammengetan und als in diesem Moment besten Referenzen der Welt ein neues, aufregendes Punk-Dingsda ausgespuckt, das sich anschickte, die Szene von hinten aufzurollen.Der einzige Nachteil: KMPFSPRT hatten ein Jahr lang streng genommen nur sechs Songs im Gepäck. Über die Anlage kann man die ja auf Dauerschleife hören. Live aber ist nach einer Runde Schluss.Der Hunger nach mehr war also sehr groß. Und jetzt kommt „Jugend mutiert“ und stillt ihn. Nein. Stimmt auch nicht: Dieses Debütalbum schraubt sich so unwiderstehlich in die Gehörgänge, dass man bereits nach ein paar Sekunden schon wieder an den Nachfolger denkt.Das Gute muss doch weitergehen. Immer weiter und weiter. Und das hier ist verdammt gut. Der Tritt in den Allerwertesten gleich zu Beginn in „Nachsicht“ zum Beispiel: „Ich bin die Nacht, du bist der Tag.Ich mache alles, was du nicht wagst!“ Der Schlag in die Yuppie- und Vernunft-Fresse all derer, die sich über die Querdenker dieser Welt lustig machen und doch nur arme Würstchen sind: „Es geht alles noch schlimmer: Ich könnte Banker sein!“ („All my friends are dads“).Die beste Kritik, die es bis dato an all jenen besinnungslosen FREI.WILD-Jüngern gab, die gleichzeitig vorgeben, Punk zu mögen: „Auch wenn wir die gleiche Sprache sprechen, sind wir nicht im gleichen Club.Ich will nicht, dass du tanzt. Ich will nicht, dass du singst. Denn dieses Lied ist nicht für dich!“ („Musikdienstverweigerer“). Oder aber die unverschämt-vorlaute Aufforderung in „Theorie der guten Chance“: „Wenn die Welt uns nicht versteht, dann muss die Welt halt lernen.“ Dazu hauen KMPFSPRT einmal mehr Hooklines raus, die so gekonnt und lässig und draufgängerisch und wundervoll vorbeirauschen, dass „Jugend mutiert“ eine Blaupause dafür sein könnte, wie Punk heute und morgen klingen muss – „Punk 2014 ff.“ quasi.Man muss ja aufpassen mit dem Begriff „Klassiker“. Aber das hier ist ganz großes Kino. Für den Status als eines der „Alben des Jahres“ muss und wird das am Ende reichen. Die Welt wird es schon lernen.

 

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30.06.2016Minden, Papagei
Jun.
30
2016