LOVE ATourdaten, Tickets, Interviews, Tonträger

Nächster Termin:

09.06.2016
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Diese Band ist da, um dein Leben zu retten. Oder gemeinsam mit dir unterzugehen. Zwischen Tatendrang und Katerstimmung, zu viel wollen und eigentlich schlafen müssen, Champagnerdusche und den Tabakresten im Aschenbecher ist noch Platz für eine Melodie. Und während ein Bein bereits in der lauwarmen Brühe der Alltäglichkeit versinkt, schreitet das zweite entschlossen fort auf seinem Kreuzzug gegen die Ordnung. Oder tanzt und fällt um. Auf ihrem dritten Album Jagd und Hund (Rookie Records 2015) scheinen die Punk-Wurzeln noch deutlich durch, doch längst zeichnen Indierock, Wave und Postpunk ein differenzierteres Bild. Schwankend zwischen Hoffnung und Resignation, treffen persönliche Katastrophen auf die ganz große. Ein Stück reflektierter und reifer, ohne dabei zu langweilen, kommen die 12 Songs auf Jagd und Hund daher. Melancholie, Dunkelheit, Trauer und Wut sind genauso Teil des Ganzen wie diese LOVE A-typische Portion Wahnsinn, die die Band so unverwechselbar macht. Saint Piyo de Clochard bringt es in seinem Youtube-Kommentar treffend auf den Punkt: „die texte drücken viel Unzufriedenheit aus, eben alkoholiker mucke... nimmt lieber treeps und macht mal was aus euerem Leben, ...“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Genre

Indie/Alternative, Punkrock/Hardcore

Shows

201 Shows in 86 Städten / 3 Ländern

Zeitraum

19.08.2011 - 27.08.2016

Letzte Show

21.05.2016 - DE-Kiel, AstA Sommerfest

Nächste Show

09.06.2016 - DE-Leipzig, Campusfest

Tourdaten

Archiv
Jun.
9
2016
Donnerstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jun.
10
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jun.
11
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jun.
25
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
22
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Jul.
23
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Aug.
5
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Aug.
6
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Aug.
25
2016
Donnerstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Aug.
26
2016
Freitag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 
Aug.
27
2016
Samstag Tickets Tickets Tickets
Konzert - Punkrock/Hardcore
 

Tonträger bei finestvinyl

Cover

LOVE A - EIGENTLICH | LP

LP mit Downloadcode! Love A haben sich Anfang 2010 in Trier gegründet und bringen viel Banderfahrung aus früheren Jahren und anderen Konstellationen mit. Die fünf Moselaner zeichnen sich durch einen rotzigen und energievollen Sound aus, den bei aller Punkattitude auch poppige Elemente und Texte mit Witz, Charme und Tiefgang prägen. Love A halten stets die Spannung aufrecht: Die fünf bewegen sich zwischen NDW-Anleihen und Hamburger Schule ebenso wie zwischen drängendem, deutschem Punkrock und rhythmischem Indierock. Den Texten gelingt die Balance zwischen plastisch und kryptisch, zynisch und hoffnungsvoll, nickend und kopfschüttelnd. Das Schlagzeug kommt geradlinig und auf den Punkt, die Gitarre pendelt zwischen stakkatohaften Salven und melodischem Streicheln, der Bass drückt und stützt, der Synthie füllt mit flächigen Sounds die letzten Lücken. Die Stimme schreit, singt und proklamiert Texte in deutscher Sprache - irgendwo zwischen Alltagsbeobachtung, Zynismus, Politik und Humor, zwischen Punkrockwut und Altersmilde. Deutschpunk für das Jahr 2011.
 
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LOVE A - IRGENDWIE | LP

Inklusive Downloadcode & bedruckter Innenhülle! Love A ist etwas Bemerkenswertes gelungen: Das, was ihr Debüt ,Eigentlich" auszeichnet, haben sie sich bewahrt. Die volle Faust auf die Zwölf, diese unmittelbare und schnörkellose Konfrontation, das Getriebensein durch ein Leben, das mehr Fragen aufwirft als es Antworten anbietet, dem Scheitern immer näher als dem Gelingen. Stefans Gitarre, die ganz untypisch für Punk völlig unverzerrt daherkommt und Jörkks latente Hysterie über allem. Irgendwo zwischen Punk, Indie, NDW und Pop lassen Love A Minimalismus auf Melodie treffen und schaffen eine seltene und gelungene Symbiose. Geistreich und unterhaltsam, hier charmant, dort erbarmungslos schreien die Vier uns unsere Unzulänglichkeiten entgegen. Das, was ,Eigentlich" noch fehlte, finden wir auf ,Irgendwie". Die Konzentration, einem 99-Prozent-Song die Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen, bis das Stück genau auf den Punkt kommt. Eine Konsequenz, die aus mehr Auseinandersetzung, Reibung und Reflexion resultiert. Und nicht zuletzt dem Produzent Robert Whiteley zu verdanken ist, der die Band persönlich kennt, ihren Sound versteht und treffsicher umgesetzt hat. Man hört dieses volle Pfund Erfahrung, die Whiteley in Liverpool in der Arbeit mit Bands wie Wombats, Hot Club De Paris und Voo gesammelt hat. Das Album erscheint als CD im allerschönsten Digipack, digital und als LP, jeweils mit liebevoll gestaltetem Booklet, das nicht nur alle Texte, sondern auch persönliche und kurzweilige Linernotes von Jörkk enthält.
 
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LOVE A - JAGD UND HUND | LPD

- Vinyl im Gatefold Sleeve/Inside-out,inkl. Downloadcode! Am 27. März erscheint das neue Album von Love A, Jagd und Hund, auf Rookie Records. Das berüchtigte schwierige dritte Werk: Mehr Zeit hat die Band sich für die Produktion genommen, mehr Dichte ist so entstanden. Die Punk-Wurzeln scheinen noch deutlich durch, doch längst zeichnen Indierock, Wave und Postpunk auf Jagd und Hund ein differenziertes Bild. Schwankend zwischen Hoffnung und Resignation, treffen persönliche Katastrophen auf die ganz große. Ein Stück reflektierter und reifer, ohne dabei zu langweilen. Melancholie, Dunkelheit, Trauer und Wut sind genauso Teil des Ganzen wie diese Love A-typische Portion Wahnsinn, die die Band so unverwechselbar macht. In zwölf Songs zeigen Love A auf Jagd und Hund so viele Facetten von wütend über rabiat bis melancholisch. Und immer werfen sie diesen unverwechselbaren Blick auf die Blöd- und Stumpfheit der Menschen. Was Love A mit Jagd und Hund gelingt, ist anzukommen ohne stillzustehen.
 

Interviews

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LOVE A - Romantik als Fantasieprodukt

LOVE A stellten sich ein paar Ausgaben des Ox zuvor selbst in einem Artikel vor. Keine schlechte Idee eigentlich, denn jede Band, die was zu sagen hat, sollte auch die Chance dazu bekommen. Und darum kommt hiermit die zweite Klappe über die Band aus Trier. Einfach um sie mal aus einem anderen Blickwinkel kennen zu lernen. Und es lohnt sich, denn ihr Debüt „Eigentlich“ ist eine Platte, die mitreißen, einen aber auch stutzig werden lassen kann.Mir ist im Zusammenhang mit eurer Musik das Wort „Punk-Kabarett“ untergekommen. Findet ihr das treffend?Jörkk: Es freut mich, dass ich dem Unterhaltungsanspruch, den ich habe, auch gerecht werde. Nein, also generell würde ich das nicht so sehen. Ich bin ja eher so am Blödsinn machen.Jörkk, du hast ja schon in ein paar Bands gespielt, zum Beispiel bei ULTRAFAIR. Was läuft jetzt mit LOVE A anders?Jörkk: Es ist musikalisch gesehen eine andere Herangehensweise. Der Band-Alltag ist auch routinierter und es passt alles besser zusammen. Ich denke, das ist der Grund, warum es für uns so gut läuft. Bewusst mache ich da aber nichts anders.„Eigentlich“ ist eine eher unromantische Platte. Ist Liebe kein gutes Thema, um es musikalisch umzusetzen?Jörkk: Ich finde schon, dass Liebe thematisiert wird, aber anders. Es geht nicht um Mann, Frau, Abendessen und was danach kommt. Diese romantische Vorstellung von Liebe, die nicht funktioniert, aber eben ganz oft besungen wird, ist ein Fantasieprodukt.Stefan: Dazu muss man aber auch sagen, dass wir mal ein Liebeslied hatten. Das hätte wohl auch jeder als ein solches interpretiert. Es ist aber nicht auf der Platte und wird auch nicht live gespielt, weil es für uns einfach nicht funktioniert.Das Album ist bei Rookie erschienen. Wie kam es dazu und läuft das für euch gut?Jörkk: Ich kenne Jürgen schon länger und wir haben ihn einfach gefragt. Er hatte Bock, weil er die Musik gut fand und auch weiß, dass er es nicht mit 17-jährigen Jungs zu tun hat, denen er den Arsch nachtragen muss. Wir haben ja auch vorher ohne ihn schon als Band funktioniert. Einiges haben wir ja schon auf dem D.I.Y.-Weg gemacht. Bei Rookie läuft es sehr gut und Jürgen ist ein toller Typ.Karl: Den kann man auch mitten in der Nacht anrufen und er ist nicht sauer.Eure Platte gibt es jetzt noch nicht so lange und ihr habt damit schon viel getourt und die Tour geht ja noch weiter. Habt ihr schon mal Momente gehabt, in denen ihr ausgelaugt ward, oder ist da immer noch viel Bock da?Stefan: Ja, natürlich. Sonst würden wir das nicht machen. Wir wollen Spaß haben und kommen gut klar.Ich finde, dass der Song „Angst“ in Vergleich zu den anderen Songs auf „Eigentlich“ etwas rausfällt.Jörkk: Der fällt etwas raus, weil er im Kern eher unbeliebt ist.Stefan: Ja, wir spielen den auch nicht live.Jörkk: „Angst“ ist im Grunde die Abrechnung mit einem alten Bekannten, der nicht verstehen wollte, um was es geht ... Bei dem Problem, dass wir beide miteinander hatten. Das Ganze ist sehr persönlich und deswegen will ich da auch gar nicht großartig darauf eingehen. Ich denke, die einzelnen Zeilen lassen jedem genügend Interpretationsspielraum, um sich eine eigene Abrechnung oder Geschichte daraus zu spinnen. Das war auch das Ziel bei dem Text.Wie ist eure Beziehung zu Fanzines? Glaubt ihr, dass dieses Medium noch Bedeutung hat?Dominik: Na, wenn was über uns drin ist, wird das gekauft. Ich hab mir seit Jahren kein Heft mehr gekauft, bis ein Review über unsere Platte drin war.Jörkk: Als ich selbst noch mehr geschrieben habe, hab ich auch mal was zugeschickt bekommen. Das Drachenmädchen fand ich zum Beispiel super. Oder auch das Blur, wo ja in den späten Ausgaben auch viel Wert auf Design gelegt wurde.Stefan: Ich denke schon, dass Fanzines wichtig sind, weil man da auch keine Anzeige schalten muss,damit deine Platte positiv besprochen wird oder ein Artikel über die Band erscheint. Aber da geht über das Internet auch viel verloren.Jörkk: Es gibt ja auch schöne Internetseiten, wie zum Beispiel bierschinken.de. Ich finde es schön, dass jemand mit Herzblut dabei ist und auf Konzerte fährt und Fotostrecken macht. Printmedien sind mittlerweile genau wie die LP oder die MC zu einer Nische geworden. Wir freuen uns darüber, dass wir so was haben. Dadurch, dass es nicht für jeden etwas ist, ist es auch reizvoll. Du merkst, dass derjenige, der etwas Derartiges anfängt, Bock darauf hat.Eure Platte ist ja durchweg gut weggekommen. Interessiert euch, was die Leute dazu sagen?Karl: Jeder der sagt, dass es ihn nicht interessiert, der lügt. Wenn jemandem die Platte gefällt, ist das natürlich schön.Dominik: Wobei wir auch Spaß an Verrissen haben. Das kann amüsant und gut sein. Es gibt Reviews, die Spaß machen und auch welche, die keinen Spaß machen.Jörkk: Es ist besser, wenn man da wirklich eine Meinung raus liest, als wenn jemand darüber schreibt, was da jetzt im Einzelnen so musikalisch passiert und ob das handwerklich gut ist. Ich habe da keine Ahnung von und es ist mir auch egal. Solange jemand das Gesamtbild wahrnimmt, finde ich das auch spannend.
 
[[Issue]]

LOVE A - Klamauk war gestern

LOVE A ist eine Band, die nicht leicht zu durchschauen ist. Wo fängt der Zynismus an und viel wichtiger – wo hört er auf? Diese Frage stellt sich nicht nur beim Hören der neuen Platte „Irgendwie“, sondern auch im Gespräch mit diesen Typen. Zwischen Witz, Grübelei und Ärgernis steckte auch schon „Eigentlich“ und doch begegnet man mit den neuen Songs einer auf gewisse Art gereiften Band, die sich wohl weiterentwickeln will. Was sich geändert hat und was eben immer noch schwierig ist und vielleicht auch schwierig bleiben wird – wir haben versucht es herauszufinden.Ist euer neues Album „Irgendwie“ ein inhaltlicher Anschluss an „Eigentlich“? Das legen die Titel zumindest nah.Jörkk: Inhaltlicher Anschluss ist bei der Tiefe der Platten schwer. Man erkennt wahrscheinlich den roten Faden. Nämlich, dass es keinen bei uns gibt.Domenik: Ich finde den Titel gut, weil das eigentlich alles heißen kann.Jörkk: Auf der neuen NINAMARIE-Platte gibt es diese Zeile „Und überall ist irgendwie“.Domenik: Damit beziehen sie sich wahrscheinlich auf unser Album ...Karl: Das Thema ist relativ offen, da kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen.Jörkk: Es drückt so ein „Keine Ahnung“ aus.Domenik: Die Platte sollte eigentlich self-titled sein, aber LOVE A lässt sich so blöd googlen und da musste noch ein Wort dran.Habt ihr dieses Mal noch mehr Wert auf die Texte gelegt?Jörkk: Das ist ja eine Unverschämtheit. Als ob das vorher Kokolores gewesen wäre!Die Idee kam mir wegen der Linernotes und des Eindrucks, dass ihr euch vielleicht vorher missverstanden gefühlt haben könntet.Jörkk: Die Linernotes waren eher eine Möglichkeit, ungefragt noch mehr reden zu dürfen. Ein Text hat immer ein bisschen Interpretationsspielraum, aber damit kannst du noch mal einen Hinweis auf deine eigene Geschichte geben oder auch mal schrägen Quatsch dazuschreiben. Die sind wie so ein Give-away. Inhalt on top.Wie wichtig ist es, wie der Inhalt von außen wahrgenommen wird?Jörkk: Es gibt Texte, die eine geschlossene Geschichte erzählen, oder es sind Fragmente oder auch verschiedene Geschichten. Dieses Mal gibt es einige persönliche Themen und die Herangehensweise war demnach eine ganz andere. Bei etwas Persönlichem möchte ich nicht unbedingt, dass jeder genau weiß, worum es geht.Was ist für euch die prägnanteste Veränderung von „Eigentlich“ zu „Irgendwie“ ?Karl: Einige Leute finden, dass sie nicht mehr so steril klingt wie die letzte, was daran liegt, dass wir die jetzt live eingespielt haben. Sie klingt einfach besser. Und Jörkk singt ein bisschen anders.Jörkk: Und es sind ein paar mehr Effekte geworden, auch bei den Gitarren. Das ist auch notwendig, um den Synthie live zu übersetzen.Karl: Ja, der Synthie ist bei fast jedem Song dabei. Man hört ihn nur kaum. Robert, der unsere Platte aufgenommen hat, hat auch ein Faible für Gitarreneffekte.Jörkk: Er hat viele Vorschläge in die Richtung gemacht und einige davon haben es auf die Platte geschafft.Domenik: Und eine Klarinette.Bei „Juri“ und „Zaunmüller“ klingen Seitenhiebe auf die Punk-Szene an.Jörkk: Ich habe die Woche noch das Kompliment bekommen, dass ich diese Szenekritik weggelassen hätte, weil das ja so abgelutscht ist. FRAU POTZ machen das ja viel. Eigentlich wollte ich mich davon lösen. Diese Zeilen, die du wohl meinst, sind weniger auf die Szene gemünzt, als auf Leute, die sehr festgefahren sind und falsche Vorstellungen haben. Davon sollen sie sich lösen und einfach mal machen, ohne sich ständig reglementieren zu lassen. Das ist eher eine allgemeine Beobachtung.„Irgendwie“ erschien mir eine ganze Ecke ernster oder auch düsterer.Karl: Ja, das sehen wir auch so. Das war nicht unbedingt vorher beabsichtigt, aber wir hatten keinen Bock mehr auf ein zweites „Freibad“.Jörkk: Genau. Der Song ist ja schon fast Klamauk. Da stellt sich die Frage, ob man das noch will. Insgesamt finde ich die Platte zynischer.Karl: Lustig ist es immer noch.Jörkk: Die Texte sind schon etwas nachdenklicher. Der Humorist ist mehr bei den Linernotes durchgekommen.Karl: Durch dieses NDW-Gedudel ist es düsterer geworden. Aber auch poppiger.Der Song „Entweder“ war ja auch schon auf der Split-7“ mit FRAU POTZ. Ihr macht ja sehr unterschiedliche Musik. Wie ist das mit euch zustande gekommen?Karl: Das war eher eine zwischenmenschliche als eine musikalische Geschichte. Wir waren ja auch schon zusammen auf Tour und da haben die beiden Bands auch zusammen funktioniert. Wieso soll es dann nicht auf einer Platte klappen?Wir haben letztes Mal über den Song „Angst“ als den Außenseiter auf „Eigentlich“ gesprochen und es stellte sich raus, dass ihr den auch nicht besonders mögt. Gibt es wieder solch einen Kandidaten oder habt ihr jetzt eher das Gefühl, dass die Platte vollständig ist?Jörkk: Gute Frage. Ich habe mich auch gefragt, wie die Top Ten bei den anderen aussehen würde. Für mich ist kein Kompromiss drauf.Karl: Ich finde einen tatsächlich nicht so gelungen. Aber ich verrate nicht, welchen.
 
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LOVE A - Deutschpunk aus artgerechter Haltung

Ox-Praktikant. Schreiber. Freund. ULTRAFAIR. LOVE A. Seit über 15 Jahren verfolgt mich dieser Jörkk Mechenbier. Ist oft da, wo ich auch bin. Kann kein Instrument spielen, hat aber eine große Klappe. Und wurde so irgendwann Vorstand einer Band. Muss man alles gut finden, was ein Freund macht? Muss man nicht, hab ich auch nicht getan. Früher. Irgendwann dann die Erkenntnis, dass das, was LOVE A machen, doch irgendwie gut ist. Und deshalb bat ich den charmanten Chaoten zur Audienz in die Ox-Zentrale. Wir mussten reden ... über „Jagd und Hund“, das neue Album. Und Mädchen.Ist eure Kriegskasse gut gefüllt? „Jagd & Hund“ ist der Titel der führenden Jagd- und Angelmesse, die immer im Februar in Dortmund stattfindet.Klar, das haben wir anwaltlich prüfen lassen, da sind wir safe. Vor allem aber sind wir safe, was die weibliche Zielgruppe betrifft: Eine Freundin sagte, ihre erste Assoziation sei der Titel der Zeitschrift gewesen, für die Hugh Grant in „Notting Hill“ schreibt – die heißt „Horse & Hound“. Und Anne von unserem Label ging es genauso. Bei Damen ab dreißig scheint der Titel zu funktionieren. Nun, man muss eben in seiner Altersklasse bleiben.Jammern kannst du auch wie ein Mädchen – unter dreißig. Also was deine Texte betrifft.Es ist schon wichtig, dass die Herren das bekommen, was sie sich nicht trauen auszusprechen, und die Damen sich verstanden fühlen.Frauenversteher Jörkk M.?Ich glaube nicht ... Ich bin halt irgendwie ein Mädchen, entsprechen sind meine Ansichten recht ähnlich, hahaha.Andererseits: so ein großer Frauenversteher kannst du gar nicht sein, sonst müsstest du der Welt nicht so viel Leid klagen.Vielleicht will es ja deshalb oft nicht funktionieren, weil ich selbst so ein Mädchen bin, aber auf heterosexuelle Damen stehe. Um auf den Plattentitel zurückzukommen: das sind zwei urdeutsche Laster, das kann man als Deutschpunk-Band gut verwerten.„Deutschpunk“, aha. Heute behauptet ja jeder, er würde Deutschpunk machen. Und macht doch lahmen Indierock. Machen deutsche Texte und Punk-Wurzeln schon Deutschpunk?Nee, für mich nicht. Ich unterscheide auch zwischen Deutschpunk und deutschem Punkrock. Deutschpunk ist einfach griffig, und weil es mal so negativ behaftet war, macht es Spaß, damit zu spielen. PASCOW etwa haben vor zehn Jahren schon den Begriff benutzt und versucht, ihn „reinzuwaschen“, weil sie dazu standen und er für sie nie negativ behaftet war, obwohl er im Zusammenhang mit ihnen eher negativ verwendet wurde. Bei „Deutschpunk“ denkt jeder an die „Schlachtrufe BRD“-Sampler, Pflastersteinwerfen und Lederjacken mit „Schieß doch, Bulle“-Slogan. Was uns betrifft: deutscher Punkrock, würde ich sagen, weil das die Wurzeln sind. Musikalisch haben wir uns davon sicher weg entwickelt, aber bei genauer Betrachtung kann man die Wurzeln ausmachen, glauben wir.Was Punk ist oder sein darf, war wahrscheinlich nie weniger scharf definiert als heute. Das Spektrum, das musikalisch aufgeschlossene Menschen interessiert, ist denkbar weit gefasst, man „darf“ fast alles hören.Als der Begriff geprägt wurde, war die Musiklandschaft noch nicht so divers wie heute. Das mit den „Schubladen“ ist über die Jahre immer schlimmer geworden, das merkt man ja gerade auch im Musikjournalismus, wo man sich eben irgendwie einordnen muss. Mit einem Begriff wie Deutschpunk versucht man eine genaue Definition zu verhindern, man schlägt einen Pflock ein und um den herum kann alles passieren. Außerdem finde ich es charmant, sich angesichts einer drohenden Vereinnahmung durch den Mainstream auf jene kleine Elite zu beziehen, aus der man hervorgegangen ist.Punk hat in der Tat oft etwas Elitäres: Sobald viele etwas gutfinden, ist es scheiße.Das geht mir oft so, bis heute. Wenn das dritte Album kommt und die Band sich wenig bis gar nicht verändert hat, ist das für manche das, was sie erhofft haben – und andere, Typen wie ich, die sich über Veränderung und Weiterentwicklung freuen, ziehen weiter, zur nächsten, spannenderen Band. Von den Klassikern mal abgesehen wird es immer schwerer, sich von irgendwas begeistern zu lassen.Apropos Weiterentwicklung: In den fünf Jahren, die es LOVE A gibt, ist in der Hinsicht einiges passiert. Wie reflektiert seht ihr eure eigene Band?Wir hatten uns für die neue Platte nur ein paar Parameter vorgegeben: sie sollte düsterer und kälter klingen als bisher. Wir arbeiten an sich recht einfach beim Songwriting: Während PASCOW oder KOETER sehr wenig mit Refrains arbeiten, sind wir da eher wie BON JOVI, dreimal muss er kommen, am besten zum Schluss noch ein viertes Mal, damit es auch der Letzte rafft. Ein einfach gestrickter Rocksong funktioniert eben so. Wenn wir uns zum Songschreiben treffen, ist das erst mal wie Klassenfahrt, die Jungs sind alle zusammen, die Stimmung gut, und dann fangen wir an. Da ist wenig vorbereitet, der Entstehungsprozess ist eher chaotisch, und ich glaube, das merkt man unseren „Trademarks“ auch an. Ich mache sowieso immer das Gleiche, weil ich zu mehr nicht in der Lage bin. Im Studio ist das anders: Wenn der Sound eines Albums anders ist, liegt das oft nicht an einer bewussten Entscheidung der Band, sondern an den Rahmenbedingungen. Wenn man doppelt so viel Geld zur Verfügung hat, klingt ein Album einfach anders. Man probiert mittlerweile irgendwelche Spielereien aus, die live dann gar nicht unbedingt aufgegriffen werden. Im Studio macht das Spaß, man hat einfach Bock, an Details und Effekten zu arbeiten. Früher waren wir puristischer, man hat sich weniger zugetraut, weniger ausprobiert. Ich war neulich selbst überrascht, im positiven Sinne, wie spröde unsere frühen Aufnahmen klingen. Ich finde ja, so was sollte man sich bewahren, aber nur wenige Bands schaffen es, im Laufe ihrer Karriere Dinge wegzulassen, die ihrer Meinung nach die Qualität verbessern.Wie weit wollt ihr gehen? Man kann als deutschsprachige Band mit Punk-Wurzeln dieser Tage ja weit kommen – und endet dann wie JUPITER JONES als einfältige Schlager-Rockband.Wir haben einen klaren D.I.Y.-Punk-Background mit entsprechenden Scheuklappen. Andere Bands haben diesen Background nicht, die wurden eine Weile lang von der Punk-Szene aufgenommen, ohne da angeklopft zu haben, und bekommen jetzt gesagt, dass sie keine mehr von „uns“ seien. Dabei waren sie das vielleicht ja nie. Man kann in jedem Genre über Sonnenschein und Liebe singen, aber wenn man als Punkrock-Band alles andere weglässt, ist man eben keine Punkband mehr. Ich wäre gar nicht in der Lage, meinen Punk-Bezug völlig auszublenden. Die Musik selbst wird ja schnell als „nicht mehr Punkrock“ wahrgenommen. Es ist auf gar keinen Fall unser Ziel, belanglose Rockmusik frei von Inhalten und kritischem Hinterfragen zu machen. Abgesehen davon machen wir uns selbst immer wieder darüber lustig, wie weit wir Stümper mit unseren beschränkten Fähigkeiten schon gekommen sind, hahaha. Und der Traum, irgendwann mal von seiner Musik leben zu können, ist zwar vorhanden, aber mit bald vierzig belächelt man sich ja selbst für solche Gedanken.Die vorhin bereits erwähnten PASCOW hast du von Anfang an als Freund begleitet.Ohne die, ohne Alex und Ollo, wäre es sicher anders gekommen. Die Jungs haben schon bei meiner früheren Band ULTRAFAIR an den Scheiß geglaubt, den ich mache, und dafür bin ich sehr dankbar. Dieses Selbermachen, das habe ich von denen gelernt, und heute sind wir gegenseitig stolz auf das, was wir erreicht haben. Als Band ist es schon gut, wenn man eine andere Band als „großen Bruder“ hat. DIE TOTEN HOSEN waren das für die BEATSTEAKS, die BEATSTEAKS für TURBOSTAAT, TURBOSTAAT mit uns ... Das gegenseitige Pushen, dass man gegenseitig seinen Freunden erzählt, was und wer cool ist, das gehört dazu. So funktioniert D.I.Y., das ist Vetternwirtschaft unter den Guten. Eine karrieristische Herangehensweise, wie sie manche Bands an den Tag legen, ist uns zuwider.Dieser ganzen Popakademie-Scheiß, wo man Bands beibringt, wie man an seiner Karriere arbeitet ...Meiner Erfahrung nach merkt die Community – ich sage ganz bewusst nicht „Szene“ – so was. Die Leute erkennen, ob eine Band „gesund“ gewachsen ist oder etwas Geklontes, die riechen das. Wenn man Glück hat, kann man die Stufen mal etwas schneller nehmen, aber es gibt keine Abkürzung.Ihr seid eurem Label Rookie mit eurem neuen Album treu geblieben, gehört zum gleichen Stall wie PASCOW und KOETER. Ein angenehmes Nest?Auf jeden Fall, und wir reden nicht ohne Grund von unserem Labelboss als „Papa Jürgen“. Das Label basiert ja auf Jürgens „Familie“, seinen Bands WALTER ELF und KICK JONESES, auf seiner Verbindung zu den SPERMBIRDS. Rookie Records ist eben Familie, Jürgen und Anne kümmern sich um uns, wir haben einen sehr vertrauensvollen Umgang und offen über andere Angebote gesprochen – es gab ja sogar eine Anfrage von einem Major. Letztlich gibt es nichts, was man über diese Rookie-Connection nicht selbst auf die Beine stellen kann – der Unterschied zu einem Majorlabel ist rein die zur Verfügung stehende Summe. Aber mit Geld allein kann man eben auch nichts erzwingen, und das, womit wir Leute ansprechen können, das bekommen wir auch selbst hin.Deine Texte bieten viel „Identifikationspotenzial“. Du hast es drauf, Texte zu schreiben, von denen sich Menschen angesprochen fühlen. Wie viel von dir steckt da drin?Die Menschen, die mich kennen, die erkennen sicher immer die Stellen, an denen ich von mir selber rede. Ich stelle mir mein ganzes Leben lang schon vor, mal einen Roman zu schreiben. Ich habe schon viele Geschichten, die da reinkommen würden, aber ich kann die nicht aufschreiben, weil dann viele Menschen aus meinem Leben mit mir brechen würden. Wenn einen etwas geärgert hat beispielsweise, spricht man das ja nicht immer aus, spricht nicht mit den Betroffenen darüber, und es wäre unfair, das dann auf dem Wege eines Romans diesen Leuten mitzuteilen. Man will einerseits seine Gefühle zum Ausdruck bringen, andererseits aber auch niemandem auf die Füße treten. Wobei es sicher auch Leute gibt, die darauf warten, sich wiederzufinden. Mir geht das ja nicht anders, ich höre jedes PASCOW-Album in dieser Hinsicht durch. Auch wenn ich mit den Jungs heute nicht mehr so viel rumhänge wie früher, gibt es doch immer wieder Momente, wo es mir vorkommt, als hätten die Zugriff auf meine Helmkamera gehabt. Meine Schwester rief mich neulich an, der hatte ich das neue Album vorab geschickt, und die sprach mich auf „Windmühlen“ an. Sie sagte, sie habe sich da angesprochen gefühlt, sich etwas geschämt. Sie dachte, dieser Mensch, über den ich mich da ja doch negativ auslasse, könnte sie sein. Ich sagte ihr dann, dass ich meine Texte sehr oft über meine eigenen Unzulänglichkeiten schreibe. Ich gehe mit mir selbst hart ins Gericht. Schreibe ich „Du bist ein Arschloch, weil ...“, fühlen sich erstaunlicherweise viele Leute angesprochen. Dabei rede ich, wenn ich Arschloch schreibe, immer von mir! Und konkret zu „Windmühlen“ bekomme ich von Menschen gesagt, ich hätte da genau ihre Gefühle wiedergegeben.Der große Trick des Textens ist ja, dass man es schafft, so zu schreiben, dass andere das Geschriebene exakt auf sich beziehen können.Hahaha, wie bei einem Horoskop. Ich denke, es gibt schon eine gewisse Formel, was die Massentauglichkeit betrifft, aber das heißt ja nicht, dass man da gleich wie Helene Fischer oder sonst jemand aus dem Schlagerbereich „Sonnenschein“ auf „nie allein“ reimt. Es gibt da so eine Schwelle, ab der läuft man Gefahr, in Richtung Beliebigkeit zu driften, wenn man als Band größer wird und alle ansprechen will.Wie kamst du eigentlich zum Schreiben? Als Azubi und Angestellter eines Farbengroßhandels war dir das ja nicht in die Wiege gelegt. Fing das damit an, dass du im Jahr 2000 beim Ox auf der Matte standest, um ein Praktikum zu machen? Was hat dich motiviert, deine Gedanken in Worte zu kleiden?Auch wenn ich mir oft gewünscht habe, es als Schreiber zu höheren Weihen zu bringen, fehlt es mir dafür an Struktur, glaube ich. Straight bei einem Gedankengang zu bleiben, das liegt mir nicht. Ich bin eher jemand, der gut und gerne redet, als jemand, der gut schreibt. Über die Distanz eines Songtextes funktioniert das dann auch noch schriftlich, aber bei mehr als einer A4-Seite entgleiten mir die Gedanken, da müsste ich gleich mehrere Kapitel gleichzeitig anfangen. Eine Plattenbesprechung, eine Kolumne, das geht auch noch, aber das bietet sich als Format ja auch an für jemanden, der gerne kommuniziert. Das sind so Soft-Skills, die man hat, oder auch nicht. Mein Wunsch war immer, mich mitzuteilen, meine Meinung kundzutun, der angeborenen Großmäuligkeit frönen zu können. Schon in meinem ersten Zeugnis der Grundschule stand: „Durch seine spontanen Zwischenrufe stört er öfter den Unterricht.“ Irgendwie war wohl schon immer der Wunsch vorhanden, ein Publikum zu haben. Ich glaube, der Wunsch nach Bestätigung vereint alle Frontmänner. Gleichzeitig habe ich auch einen Unterhaltungsanspruch, und wenn ich dann mal wieder erkenne, dass ich viel labere und mich dafür entschuldige, bekomme ich oft zu hören, bei mir sei das ja was anderes, da höre man gerne zu. Ich bin gerne der, der spricht, dabei ist es mir aber wichtig, dass alle anderen auch Freude daran haben, dass ich spreche. Ich habe ein großes Mitteilungsbedürfnis, hahaha. Was ich da mache mit der Band, entspricht meinem Naturell, das ist artgerechte Haltung. Als Sänger darf man rumzappeln, Grimassen schneiden und hat das Wort. Das ist mir sehr wichtig.
 

Reviews

LOVE A

© Ox Fanzine #98 / Bianca Hartmann

Eigentlich

Nach ULTRAFAIR und CÜNTSLER nun LOVE A. Was hat sich da geändert, abgesehen von der Besetzung? Auf jeden Fall haben LOVE A das, was auch schon an ULTRAFAIR begeistert hat. Da wären diese schrammeligen Gitarren, der unverwechselbare Gesang und die verspielten, aber irgendwie doch bodenständigen Melodien und dabei prescht „Eigentlich“ ordentlich nach vorn und ins Herz.Eine Platte mit Facetten. Sie versprüht mitreißende Wut, bewegende Melancholie und wirkt bei alldem irgendwie sehr angenehm vertraut. Nicht weil sie klingt wie alle anderen, eher weil sie ist wie ein guter Freund, der für einen ausspricht, was einen selbst schon immer nervt.Es geht um die blöden Hipsters, die noch blöderen Nachbarn, über Verzweiflung und so manches mehr, was nah geht und großartig umgesetzt ist mit einer Menge berühmter Hummeln im berühmten Hintern.Eine tolle Platte, nicht wieder auflösen, bitte. (Diese Band war auf der Ox-CD #98 zu hören)

 

LOVE A

© Ox Fanzine #107 / Bianca Hartmann

Irgendwie

Nach dem wunderbaren Debüt „Eigentlich“ haben LOVE A mit „Irgendwie“ einen absolut würdigen Nachfolger abgeliefert. Man kann die Band ohne weiteres wiedererkennen, wenn man da an den äußerst charmanten NDW-Hauch oder auch die genialen Zeilen denkt, die Herrn Mechenbier immer wieder gelingen, die auf dieser Platte allerdings ein ganzes Stück eindeutiger und nachdenklicher daherkommen.„Eigentlich“ hatte viele Hits zu bieten, man denke an „Individuell“ oder auch „Nachbarn“, mit solchen Songs weiß aber auch „Irgendwie“ zu erfreuen. Da wäre „Juri“ oder auch das schon auf der Split-7“ mit FRAU POTZ veröffentlichte „Entweder“.Spürbar ist allerdings, dass „Irgendwie“ eine rundere, abgeschlossenere Sache geworden ist, die zeigt, dass LOVE A sich weiterentwickelt haben – ein Hauch mehr Pop und dafür etwas weniger „Freibad“-mäßiger Humor.Der Wortwitz ist ihnen keineswegs abhanden gekommen, doch diese tendenzielle Albernheit begegnet einem auf „Irgendwie“ seltener. Alltags- und Lebensbetrachtungen für Fortgeschrittene. Man darf gratulieren.(Diese Band war auf der Ox-CD 107 zu hören)

 

LOVE A

© Ox Fanzine #119 / Bianca Hartmann

Jagd und Hund

Zumindest eines ist spätestens mit dem dritten Album von LOVE A wohl ganz klar: Es ist Schluss mit „Freibad“. So manch fideler Konzertbesucher verlangte stets lautstark nach dem kleinen Stück Klamauk, obwohl eben jener bei LOVE A eigentlich nie so besonders im Vordergrund stand.Es kam dem einen oder anderen nur eben so vor. Das muss das Ergebnis von nicht sehr konzentriertem Hinhören sein. Auf der neuen Platte „Jagd und Hund“ möchten sich LOVE A jedenfalls gern von einer anderen Seite zeigen, das ist ganz offenkundig.Ein Song wie „100.000 Stühle“ hätte es weder auf „Eigentlich“ noch auf „Irgendwie“ geschafft. Auch der Umstand, dass dieses Album nicht „Quasi“ oder „Sozusagen“ heißt, könnte als bescheidener Wink mit dem Zaunpfahl gelten.Hier und da haben LOVE A das Tempo zurückgeschraubt, was mehr strahlen darf, sind kleine Melodien. Es ist eine Platte, die dem einzelnen Ton Raum lassen will. Verehrte Damen und Herren, es darf auf „Jagd und Hund“ geklungen werden.Das dann auch nicht zu knapp und auf eine bestechende Art und Weise. LOVE A werden von einer Band, die viel und gern zauberhaft schrammeligen, schnellen und immer sehr eigenen Punk zum Besten gibt, zu einer, die sich mehr und mehr in die Idee zu verknallen scheint, sich das eine oder andere Element von Bands wie JOY DIVISION abzugucken – den Gesang von Ian Curtis ganz sicher ausgenommen.Vorgetragen wird von Jörkk weiterhin auf seine spezielle, stets aufgeregte Weise, und das ist eben die spezielle Art, wie LOVE A Geschichten erzählen. Geschichten, die das Leben schreibt in einer Welt, die einem auf nicht nur auf eine Weise die Nerven rauben kann.Genau das könnte der Gedanke sein, mit dem „Lose your illusion“ eindrucksvoll „Jagd und Hund“ eröffnet. Insgesamt wirkt diese Platte nicht nur textlich, sondern auch musikalisch eine ganze Ecke düsterer.Songs wie „Windmühlen“ könnten das auf „Irgendwie“ angedeutet haben. Die Stimmung erinnert mich bisweilen etwas an MESSER. Kein „Freibad“ eben. Aber trotzdem Hits. Sie lächeln einen bloß etwas weniger freundlich an, „Der beste Club der Welt“ etwa.Und ein Song wie „Toter Winkel“ glänzt vor allem mit Groove und Wave-Gitarren, aber nicht mit offenkundigem Schmackes. Der Groove lässt sich dafür Zeit, der darf sich bewegen, der hat es aber überhaupt nicht nötig, groß mit sich anzugeben.Ein Beispiel hierfür ist auch das letzte Stück „Brennt alles nieder“, das man mit dem Singsang am Ende auch als Finale bezeichnen kann. Hier folgt auf Wut die Ernüchterung: „Brennt alles nieder, fickt das System aber lasst mich erst mal schlafen gehen.“ Das Statement zum Abschluss einer wunderbaren Platte, die unverkennbar von LOVE A ist, die aber von etwas mehr Ruhe zeugt und sich hier und da musikalisch in neuen Gefilden umsieht.Wieso denn auch nicht?

 

LOVE A

© Ox Fanzine #102 / Bianca Hartmann

Valentinstag

„Du bist Kirmes, du bist Möbelhaus“. Allein für diese Zeile muss man diesen Song lieben. Schon das Album „Eigentlich“ war spitze und „Valentinstag“ fasst alles zusammen, wofür man LOVE A liebt. Wäre er auf dem Album gewesen, hätte ich ihn zum Hit auserkoren.Aber so find ich ihn einfach nur großartig. Die B-Seite „Krieg in den Küchen“ führt die Wortgewandtheit der Band weiter. Nicht ganz so nach vorn wie „Valentinstag“, aber dafür mit einer Menge Groove und den schönsten Gesangsparts, die man von LOVE A kennt.Tolle Single und herrlichst ausgestattet mit Briefumschlag und Liebesbrief.

 

LOVE A

© Ox Fanzine #108 / Bianca Hartmann

Windmühlen

Ganz vorneweg halte ich es für die bisher beste Idee des Jahres, einen LOVE A-Song vom wunderbaren Kevin Hamann aka CLICKCLICKDECKER covern zu lassen. Was bei diesem Geistesblitz herausgekommen ist, kann man nun neben der Albumversion von „Windmühlen“ mit dem Namen „Laafmühlen“ genießen.In der Art, wie man es von CLICKCLICKDECKER kennt, findet sich hier eine Interpretation mit wunderschönen Spielereien, Glockenspiel, Synthie und viel Charme. „Windmühlen“, das man auch auf der wunderbaren Platte „Irgendwie“ von LOVE A finden kann, ist auch in dieser schönen Version im gestempelten Pappschuber ein großartiger Song mit ein paar der besten Zeilen, die dieser Band bisher gelungen sind.In diesem Sinne: „Du hast keine Ahnung, wofür mein Herz schlägt.“

 

Konzert

Event Foto

THE JANCEE PORNICK CASINO

DIE HEYDAYS
Mai.
28
2016